„Unter Wasser“ von Tara Menon

April 20, 2026|vonPocketbook
„Unter Wasser“ von Tara Menon

Eine atemberaubende Liebeserklärung an die Natur und den Stellenwert von Freundschaft. Tara Menon begeistert mit authentischen Gefühlen, bildgewaltiger Sprache und auch schockierenden Fakten über die unbezwingbare Macht der Natur.

 

 

Unter Wasser von Tara Menon – Worum es geht

 

Marissa verbringt ihre Kindheit und Jugend in Thailand, da ihr Vater nach dem Tod ihrer Mutter als Meeresbiologe auf einer kleinen Insel forscht. Unter der Woche lebt sie mit ihrer Freundin Arielle auf dem Festland und geht zur Schule, am Wochenende sind die beiden Mädchen auf der Insel und lernen mehr über die Natur als die meisten Menschen sich vorstellen können.

Eine innige und ganz besondere Freundschaft entsteht, die die Grenzen dieses Wortes sprengt – bis das große Unglück kommt.

Acht Jahre später lebt Marissa wieder in New York. All die Jahre hat Arielles Tod sie nicht losgelassen und noch immer dominiert die Freundin ihr Leben – sie sieht und hört sie beinahe überall.

 

„Seit Arielle mich verlassen hat, habe ich das Gefühl, unter Wasser gefangen zu sein. Ich finde den Weg an die Oberfläche nicht mehr.“

 

 

Als 2012 nun auch New York von einer ernstzunehmenden Naturkatastrophe bedroht wird, holt die Vergangenheit Marissa noch stärker ein als je zuvor. Sie erinnert sich an die schönsten, aber auch die schrecklichsten Momente ihres Lebens und beginnt vielleicht das erste Mal in ihrem Leben wirklich damit, das Geschehene zu verarbeiten.

 

„Ich kann es nicht leiden, wenn die Leute sagen, wir beide wären wie Schwestern gewesen. Sie war nicht meine Schwester. Eine Schwester kann man sich nicht aussuchen. Wir haben uns gegenseitig ausgesucht.“

 

 

Tara Menon behandelt unfassbar fesselnde Themen

 

Weihnachten 2004 kommt es zur Katastrophe. Dieser Tsunami gilt bis heute als eine der folgenschwersten Naturkatastrophen Thailands, etliche Menschen starben und das alles komplett ohne Vorwarnung.

Dass wir Lesenden von Beginn an wissen, dass wir in der Erzählung irgendwann an diesen Punkt kommen werden, macht es nicht weniger schockierend, nicht weniger berührend.

Dass Tara Menon hier trotz so eines erschütternden Themas auch eine wahre Liebeserklärung an die Schönheit der Natur verfasst hat, wirkt beinahe surreal. Ich habe ihr beim Lesen jedes Wort geglaubt, jedes Gefühl innerlich miterlebt und werde noch lange über das Gelesene nachdenken.

 

„»Kämpft nie gegen das Meer an«, wiederholt sie die Worte meines Vaters.“

 

 

Unter Wasser ist nicht nur ein Roman über die Natur, es ist auch die Geschichte einer einzigartigen Freundschaft.

Welch eine Bereicherung sie sein kann, dass sie oft weit über familiäre Bande hinaus geht, aber auch wie verletzlich man sich durch eine so innige Beziehung macht, hat Tara Menon einfach großartig in Worte gefasst. Verlust und Trauer ist hier genau so ein Thema wie Zusammenhalt, miteinander wachsen und gemeinsame Begeisterung.

 

„Sie lässt mich nur in Ruhe, wenn ich mit einem Mann ins Bett gehe. Ich verbringe so viel Zeit allein, damit ich mit ihr zusammen sein kann. Und ich schlafe mit so vielen Männern, damit ich auch Zeit für mich habe.“

 

 

Tara Menons Debüt hat mich begeistert

 

Grausam und zugleich wunderschön - das kann nur die schiere Macht der Natur sein.

Tara Menon schafft es in einzigartiger Weise, Gegensätze einzufangen. Schönheit triff auf Grausamkeit, Verlust und Trauer treffen auf positive Erinnerungen – und die Angst vor der Natur auf deren atemberaubende Wunder.

Tara Menon fängt Marissas Gefühle, sowohl im Jetzt als auch in ihren Erinnerungen an Kindheit und Jugend, mit so viel Feingefühl und Empathie ein, dass die Protagonistin sofort greifbar wird. Dieser Roman brodelt über vor Emotionen und trifft dabei auf den so gekonnten Einsatz von Sprache – eine absolut meisterhafte Kombination.

 

„Doch wenn das Wasser einen an jemanden erinnert, dann gibt es kein Entkommen.“

 

 

Ich möchte Unter Wasser - und auch ungelesen alles andere, was von Tara Menon in Zukunft noch veröffentlicht werden wird – allen Belletristik-Liebhaberinnen und -Liebhabern empfehlen. Allen!

Dieses Buch ist eine Wucht und wird euch hoffentlich alle mindestens genau so sehr begeistern wie mich.

 

Sie hat dich nach dem benannt, was sie am meisten liebte, erklärte mir mein Vater. Marissa, nach dem lateinischen Wort maris für Meer.“

 

 

 

Über Tara Menon

 

Tara K. Menon wurde in Indien geboren und wuchs in Singapur auf und lebte, passend zu ihrem Roman Unter Wasser, zehn Jahre in New York. Sie ist Dozentin für Englische Literatur in Harvard, ihre Essays und Rezensionen wurden bereits mehrfach veröffentlicht.

Sprache ist ihr Leben und genau das merkt man ihrem Debüt an – einfach genial!

 

 

Mehr von DuMont findet ihr hier.

 

Text von Sanni  @sound.of.closing.doors