Interview mit Roman Klementovic

Ihr mögt es düster und spannend? Dann ist Top-Autor Roman Klementovic genau das Richtige für euch! Wir haben den sympathischen Österreicher mit ein paar Fragen gelöchert, die mehr als neugierig auf seine Bücher machen.
Lieber Roman, danke, dass du dir die Zeit für unsere Fragen nimmst und uns auch dein neues Buch ein wenig näherbringst.
Sehr gerne, ich freue mich über euer Interesse!
Gleich mal etwas Fieses zum Einstieg: Wenn du selbst liest, womit machen andere Autorinnen oder Autoren dich regelmäßig wahnsinnig?
Ach, „wahnsinnig“ macht mich keine Geschichte. Wenn die Gefahr aufkommt, breche ich sie einfach ab, bevor es eskaliert – und um ehrlich zu sein, breche ich sehr viele Geschichten vorzeitig ab. Was mich aber immer wieder mal stört, ist, wenn ich beim Lesen das Gefühl bekomme, dass die Story eigentlich rund 300 Seite hergibt, sie jedoch künstlich auf 400 oder noch mehr Seiten aufgeblasen wurde. Das killt die Spannung.
Subtilität und eine düstere Grundstimmung machen deine Thriller aus. Gruselt es dich beim Schreiben manchmal auch selbst oder gehst du da eher nüchtern ran?
Nein, meine eigenen Geschichten gruseln mich nicht wirklich – ich weiß ja, was hinter den jeweiligen spannenden Szenen steckt und kenne jede Figur wie einen besonders guten Freund und viele davon noch besser. Zudem weiß ich ja, wie alles ausgeht und worauf alles hinausläuft.
In deinen Büchern gibt es die unterschiedlichsten Protagonisten. Wie schaffst du es, dich in so unterschiedliche Charaktere einzudenken?
Das geschieht ganz von selbst. Bevor ich eine Geschichte zu schreiben beginne, habe ich schon viele, viele Stunden damit verbracht, über die Figuren und den Plot nachzudenken. Sobald ich mit dem Schreiben selbst starte, sind sie mir sehr vertraut und ich weiß genau, wie sie denken, sprechen und handeln. Generell schreibe ich sehr gerne aus einer weiblichen Perspektive oder aus der Sicht von Figuren, die gerade in einer anderen Lebensphase wie ich stecken – das hilft mir, eine Distanz zu wahren und sie nicht so agieren zu lassen, wie ich das tun würde.
Deine Geschichten bestehen aus mehr als nur Spannung. Wenn deine Themen deine Leserinnen und Leser zum Nachdenken anregen oder sie vielleicht sogar ihre eigenen Moralvorstellungen über Bord werfen, was macht das mit dir?
Ich will, dass Menschen nach dem finalen Zuklappen meiner Bücher sie nicht sofort wieder aus den Gedanken verlieren. Ich möchte, dass die Geschichten in ihnen weiterarbeiten, so lange wie möglich. Wenn mir das gelingt und Leserinnen und Leser beispielsweise nach einer Lesung zu mir kommen und sich darüber beschweren, dass sie die eine oder andere Szene ganz fertig gemacht hat und sie immer noch darüber grübeln, dann freue ich mich riesig darüber. Für mich gibt es wohl kaum etwas Langweiligeres, als ein Finale, das für alle Figuren gut ausgeht und in dem alle Konflikte möglichst wohlwollend gelöst werden. In meinen Geschichten baue ich deswegen oft im Epilog noch einen dramatischen Twist ein. Das macht mir so richtig Spaß!
Wer darf deine neuen Bücher als erstes Lesen und wessen Feedback ist dir am wichtigsten?
Meist liest meine Mama meine Geschichten oder erste Teile daraus als erstes. Ansonsten habe ich einen kleinen treuen Kreis an Testleserinnen und Testlesern, auf deren Feedback ich großen Wert lege.
Es sind schon mehrere deiner Werke verfilmt worden – hattest du dabei Mitspracherecht? Wolltest du welches?
Ich bin Experte für das Schreiben von spannenden Büchern. Für das Schaffen von spannenden Filmen gibt es andere Experten. Das akzeptiere ich voll und ganz. Natürlich wurde ich aber immer wieder mal um meine Meinung gebeten und in einzelne Arbeitsschritte involviert – vor allem bei der Verfilmung zu „Wenn das Licht gefriert“. Generell habe ich die Arbeiten zur Verfilmung von „Wenn das Licht gefriert“ so begeistert verfolgt, weil die filmische Umsetzung ganz nahe an meinem Buch ist und mir und vor allem meiner Geschichte sehr viel Wertschätzung entgegengebracht wurde. Das ist schon ein Traum, besser kann man es sich nicht wünschen.
Wenn du einen Wunsch äußern dürftest, wie die Lesenden auf dein neues Buch Splitterschreie reagieren sollen – welcher wäre das?
Sie sollen unvoreingenommen an die Geschichten herangehen. Es sind Kurz-Thriller, ja. Aber sie sind dennoch düster, spannend und sie gehen in die Tiefe.
Splitterschreie ist, wie du eben schon gesagt hast, eine Sammlung aus Kurzthrillern – wo liegt für dich der größte Unterschied beim Schreiben von kürzeren oder eben auch längeren Thrillern? Was liest du selbst lieber?
Viele Kurzgeschichten (ob Krimis oder Thriller) kommen für mich geradezu belanglos daher – auch von Autorinnen und Autoren, die normalerweise für einen anderen Stil bekannt sind. Das muss so nicht sein! Ich wollte mit SPLITTERSCHREIE beweisen, dass auch Kurz-Thriller sowohl düster und spannend sein können, als auch Tiefe haben und zum Nachdenken anregen können. Für mich hat es keine Bedeutung, ob eine Geschichte lang oder kurz ist. Für mich zählt ausschließlich die Qualität der Geschichte.
Welche sind deine Lieblingsautorinnen und -autoren? Hast du für dein eigenes Schreiben auch konkrete literarische Vorbilder?
Literarische Vorbilder habe ich nicht wirklich. Aber ich bin davon überzeugt, dass alles, was meinen Alltag prägt, auch in irgendeiner Weise in meine Geschichten einfließt. Dazu gehören dann in weiterer Folge natürlich auch Autorinnen und Autoren, die ich gerne lese, oder Filme, die mich besonders berührt und mitgerissen haben. Mein absoluter Lieblingsthriller ist „Cry Baby“ bzw. „Sharp Objects“ von Gillian Flynn.
Wir als E-Reader Hersteller müssen natürlich immer auch fragen: Wie stehst du zum digitalen Lesen? Welche Editionsform(en) konsumierst du privat am liebsten?
Ich muss gestehen, dass ich nach wie vor hauptsächlich physische Bücher lese. In letzter Zeit ist mir der Gedanke aber immer häufiger gekommen, dass ich mir wohl bald mal einen E-Reader anschaffe.
Und noch ein kleiner Fun Fact zum Abschluss: Welches Essen gönnst du dir nach einer langen Schreibsession am liebsten?
Pizza. Für mich geht nichts über Pizza.
Roman Klementovic – E-Books
Die vier Kurz-Thriller im Detail:
VERSAGT: Der Wiener Bezirksinspektor Mück jagt den Donaustadt-Casanova, der hinter einer brutalen Einbruchsserie steckt. Mück ist überzeugt: Er ist dem Täter dicht auf den Fersen. Zu spät begreift er, wie nahe er ihm wirklich ist …
WENN DIE NACHT ERTRINKT: Alma Toth, bekannt aus dem erfolgreichen TV-Format Mörder im Visier, widmet sich einem besonders mysteriösen Cold Case. Sie glaubt, den Täter von damals entlarvt zu haben und stellt ihm eine Falle. Doch ihr Plan gerät außer Kontrolle …
WENN DER NEBEL BRENNT: Es ist spät in der Nacht, als ein Knarren die 16-jährige Julia aus dem Schlaf reißt. Ihre Zimmertür geht auf. Aber es sind nicht ihre Eltern, die endlich nach Hause gekommen sind und zu ihr ans Bett treten. Sondern zwei Fremde …
WENN DIE STILLE SCHREIT: Während zwei entflohene Mörder die Gegend verunsichern, fegt ein gewaltiger Schneesturm über das Land. Tim erreicht erst gegen Mitternacht das abgelegene Landhaus, in dem er mit seiner Frau Natalie wohnt. Doch von dieser fehlt jede Spur …
(Quelle: Roman Klementovic)
- Dunkelnah
- Tränengrab
- Verspielt
- Wenn das Licht gefriert
- Wenn die Stille schreit
- Wenn der Nebel schweigt
- Immerstill (Band 1)
- Immerschuld (Band 2)
- Immerkalt (Band 3) erscheint im September 2026
Mehr von Gmeiner findet ihr hier.
Interview von Sanni @sound.of.closing.doors


