„Impractical Magic“ von Emily Grimoire

September 27, 2026|vonPocketbook
„Impractical Magic“ von Emily Grimoire

Worum geht es in Impractical Magic?

Nach einem tragischen Unfall verlässt die 18-jährige Scarlett ihre Heimatstadt Oak Haven mit dem festen Vorsatz, niemals zurückzukehren. Zehn Jahre lang bleibt sie diesem Entschluss treu. Doch dann erhält sie einen Anruf von ihrer älteren Schwester, die sie bittet, nach Hause zu kommen. Denn ihre Familie braucht Scarletts Hilfe, um Oak Haven zu retten. 

Dort angekommen muss Scarlett feststellen, dass sich die Stadt, die sie einst kannte, tatsächlich verändert hat – und das nicht zum Guten. Schnell wird klar, dass mit der Magie, die ganz Oak Haven durchströmt, etwas ganz und gar nicht stimmt. Selbst die einfachsten Zauber der begabtesten Hexen gehen plötzlich komplett nach hinten los und sorgen für immer mehr Chaos. 

Doch nicht nur die Suche nach dem Auslöser für die außer Kontrolle geratene Magie hält Scarlett auf Trab. Da wäre auch noch Nate, ihr Kindheitsfreund, der kurz vor ihrem Weggang beinahe mehr für sie geworden wäre – und für den sie offenbar auch heute noch mehr empfindet, als sie sich vielleicht eingestehen möchte. 

Zurück in Oak Haven muss Scarlett sich deshalb nicht nur ihrer Vergangenheit stellen und herausfinden, wie sie die Magie und damit die Stadt retten kann. Sie muss sich auch mit der Frage auseinandersetzen, was damals wirklich passiert ist, warum sie Oak Haven überhaupt verlassen hat und was sie sich eigentlich für ihre eigene Zukunft wünscht. 

 

Meine Meinung 

Besonders gut gefallen hat mir an Impractical Magic das Setting. Oak Haven und die einzelnen Geschäfte werden auf eine ganz zauberhafte Weise beschrieben und ich hatte schnell ein richtiges Bild der Stadt vor Augen. In Oak Haven scheint es den perfekten Herbst zu geben: Jedes Blatt hat genau die richtige Farbe, im Gasthaus der Familie liegt der Duft von frisch gebackenem Apfelkuchen in der Luft und überall wartet ein kleines bisschen Magie. Es hat mir wirklich viel Spaß gemacht, die Stadt und ihre Bewohner*innen nach und nach kennenzulernen. 

Auch Scarletts Familie besteht aus ganz unterschiedlichen Charakteren. Luna ist der gut gelaunte Freigeist der Familie, Delilah die pflichtbewusste große Schwester und Scarlett das mittlere Kind, das häufig das Gefühl hat, alles falsch zu machen – ein Gefühl, das ihr leider auch von ihrer Familie oft vermittelt wird. Dazu kommt ihre Mutter Kelly, die im Laufe der Geschichte durchaus ihre warmherzigen Momente hat, insgesamt aber sehr klare Vorstellungen davon mitbringt, was sie von ihren Töchtern und deren Leben erwartet. 

Im Englischen wird das Buch unter anderem als perfekt für Fans von Gilmore Girls und Charmed beworben. Ganz so weit würde ich persönlich zwar nicht gehen, ein paar Parallelen lassen sich aber definitiv entdecken: eine charmante Kleinstadt, eine Mutter mit ziemlich klaren Erwartungen und einer eher kritischen Art, Stadtversammlungen, ein Strickjacken tragender Bürgermeister – und das Ganze kombiniert mit jeder Menge Magie. Wer genau diese Mischung mag, dürfte sich in Oak Haven deshalb ziemlich schnell wohlfühlen. 

Während ich das Setting großartig fand, war die Dynamik innerhalb der Familie für mich etwas anstrengender. Gerade in diesem ansonsten so gemütlichen Setting hätte ich mir gewünscht, dass auch die Beziehung zwischen der Mutter und ihren Töchtern etwas mehr Wärme ausstrahlt. Stattdessen gehen sie häufig eher unterkühlt miteinander um. Besonders Scarlett gegenüber wird das deutlich, weshalb ich gut nachvollziehen konnte, dass sie sich innerhalb ihrer Familie wenig gesehen und wertgeschätzt fühlt. Gleichzeitig bietet gerade diese schwierige Familiendynamik natürlich auch Raum für Entwicklung. 

Auch die Handlung hat sich für mich leider nicht an allen Stellen ganz rund angefühlt. Einige Elemente konnte ich nicht vollständig einordnen und habe mich zwischendurch gefragt, welchen Beitrag sie letztlich zur Geschichte leisten. Soweit ich weiß, ist Impractical Magic Emily Grimoires Debütroman. Gerade bei einem Debüt finde ich es durchaus nachvollziehbar, wenn erzählerisch noch nicht alles so ineinandergreift, wie man es vielleicht von Autor*innen gewohnt ist, die bereits seit vielen Jahren Bücher veröffentlichen.  

Auch die potenzielle Beziehung zwischen Nate und Scarlett hätte für meinen Geschmack gerne noch etwas mehr Raum bekommen dürfen. Nate begegnet Scarlett nach ihrer Rückkehr mit erstaunlich viel Verständnis, was ich grundsätzlich sehr sympathisch fand. Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass seine Gefühle rund um ihr damaliges Verschwinden etwas ausführlicher thematisiert werden. Immerhin ist Scarlett vor zehn Jahren einfach gegangen, obwohl die beiden gerade ihr erstes Date miteinander verabredet hatten. An Nates Stelle hätte ich vermutlich zumindest anfangs noch ein bisschen Wut oder Enttäuschung mit mir herumgetragen. 

Schön hätte ich es außerdem gefunden, wenn Scarlett und Nate sich nach all den Jahren noch einmal richtig neu kennengelernt hätten. Zehn Jahre sind schließlich eine lange Zeit, in der sich Menschen, Wünsche und Lebensentwürfe verändern können. Gerade weil die beiden eine gemeinsame Vergangenheit haben, hätte dieses erneute Kennenlernen ihrer Verbindung für mich noch etwas mehr Tiefe geben können. 

 

Fazit – Lohnt sich Impractical Magic? 

Impractical Magic ist vor allem ein Buch für alle, die sich gerne in magische Kleinstädte entführen lassen und beim Lesen mindestens genauso viel Wert auf Atmosphäre wie auf die eigentliche Handlung legen. Oak Haven mit seinem perfekten Herbst, den kleinen Geschäften, skurrilen Bewohner*innen und jeder Menge Magie war für mich definitiv die große Stärke der Geschichte. 

Besonders gut könnte das Buch deshalb Leser*innen gefallen, die Cozy Fantasy mit Kleinstadtcharme, Hexen und komplizierten Familienbeziehungen mögen. Auch wer Geschichten über die Rückkehr in die Heimat, zweite Chancen und das Gefühl sucht, den eigenen Platz im Leben erst noch finden zu müssen, findet hier viele passende Elemente. Die Liebesgeschichte zwischen Scarlett und Nate bleibt dabei eher im Hintergrund – wer also keine Romance braucht, die die gesamte Handlung bestimmt, könnte ihr sehr glücklich werden. 

Für mich persönlich hätten sowohl die Handlung als auch die Beziehung zwischen Scarlett und Nate noch etwas mehr Tiefe vertragen können. Trotzdem habe ich meine Zeit in Oak Haven gerne verbracht. Gerade die herbstliche Atmosphäre und die liebevoll gestaltete magische Kleinstadt machen Impractical Magic zu einer schönen Wahl für alle, die es sich mit einer unkomplizierten Hexengeschichte gemütlich machen und für ein paar Stunden in eine wunderbar herbstliche Welt abtauchen möchten. Ich freue mich außerdem schon auf den weihnachtlichen zweiten Band, der nächstes Jahr dann erscheinen wird. 

 

Über die Autorin: Emily Grimoire

Emily Grimoire schreibt romantische Fantasy-Geschichten voller Magie, Humor und großer Gefühle. In ihren Büchern verbindet sie fantastische Welten mit modernen Themen und Figuren, die ihren eigenen Platz im Leben erst noch finden müssen. Mit Impractical Magic entführt sie ihre Leser*innen in eine humorvolle Hexenwelt, in der neben Zauberei auch Freundschaft, Selbstfindung und natürlich die Liebe eine wichtige Rolle spielen. 

 

 

Mehr von Lübbe findet ihr hier. 

 

Text von Anna @xthelittlerose.books

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