„Giftiger Grund“ von Thomas Knüwer

Ein faszinierender und preisgekrönter Autor begeistert mit seinem neuen Buch!
Die Rede ist natürlich von Thomas Knüwer und seinem neuen Krimi Giftiger Grund, der für mich ein absolutes Highlight war. Psychologischer Tiefgang und große Authentizität, in meinen Augen ein absolutes Muss!
Giftiger Grund – Worum es im neuen Buch von Thomas Knüwer geht
Wenn drei komplett fremde Personen mitten in der Nacht an einer verlassenen Tankstelle aufeinandertreffen, kann viel passieren. Doch den Lauf, den diese Geschichte nimmt, konnte ich niemals erahnen!
Vor Jahren hat Joran diese Tankstelle ausgeraubt und das Geld auf dem Grundstück versteckt, bevor er und seine Freunde gefasst und verurteilt wurden. Doch statt des Geldes findet Joran hier nach seiner Entlassung die Leiche seines besten Freundes Aras. Anstatt sich also einem geregelten und vor allem legalen Neustart zu widmen, gerät Joran wieder in die Fänge seines ehemaligen Kumpels und Drogendealers Marvin, den er nun auch noch für einen Mörder hält.
An besagter Tankstelle trifft Joran außerdem auf ein kleines Mädchen in Schlafanzug und Gummistiefeln, Edda, die vor irgendetwas davonzulaufen scheint und auf Lost Place Fotografin Charu.
Aus dieser ungewöhnlichen Konstellation wird nach und nach ein Zusammenhalt wachsen, der sowohl gefährlich ist als auch berührt.
„Wobei ich in der JVA mehr als genug Menschen begegnet bin, deren blasse Gesichter nicht erahnen ließen, zu welchen Grausamkeiten sie fähig waren. Die Leisen waren die schlimmsten“
Was euch erwartet: Einordnung, Themen und Charaktere
Auf dem Cover steht Kriminalroman, erwartet habe ich relativ bald eher einen spannenden Thriller - bekommen habe ich so viel mehr.
Neben der Aufklärung des Todesfalls stehen in Giftiger Grund vor allem die drei so unterschiedlichen Schicksale unserer Protagonisten im Mittelpunkt, die mich alle auf ihre ganz eigene Art gefesselt, berührt und sprachlos gemacht haben. Hier erwarten euch Themen wie Drogenmissbrauch, Vernachlässigung, Misshandlung und auch die verschiedensten familiären Konflikte.
„Den ganzen Tag in einem Büro sitzen und auf einen Bildschirm starren? Unvorstellbar. Beim Kochen gibt es Grobes und Feines, Schnelles und Langsames. Es gibt ein Vorher und Nachher. Zutaten und Gerichte. Erst roh, dann lecker. Alles ist klar, hat eine Rolle, einen Ablauf. Es gibt Anleitungen, denen man folgt – oder die man abändert, um Gerichten eine eigene Note zu geben.“
Joran hat knapp sieben Jahre im Gefängnis gesessen – für eine Tat, die er nur aus sozialem Druck heraus verübt hat. Er und seine beiden Freunde Aras und Marvin haben eine Tankstelle überfallen, da jedoch Joran aus Versehen mit einem Mann zusammengestoßen ist und diesen mit seinem Messer verletzt hat, musste er die längste Strafe verbüßen.
In der Zwischenzeit hat er eine Ausbildung zum Koch, doch nach der Entlassung macht die Gesellschaft es ihm nicht leicht und seine Vergangenheit holt ihn schneller ein als gedacht.
Charu ist mit ihren Aufnahmen von den coolsten Lost Places in den Sozialen Medien schon recht bekannt, doch zum Leben reicht es hinten und vorne nicht. Sie lebt bei ihrer Schwester, doch die Stimmung zwischen den beiden ist nicht die beste. Dass deren neuer Freund noch das größte Ekelpaket ist, das man sich vorstellen kann, sorgt in Charus Leben für immer mehr Probleme.
Edda flieht jede Nacht aus dem Haus, das eigentlich ein tolles Zuhause sein sollte. Sie hat es gelernt, den Mund zu halten und sieht die verlassene Tankstelle als echten Zufluchtsort. Doch an diesem Ort geschehen Dinge, die mindestens genauso schlimm sind wie bei ihr zuhause.
„Sobald die Bäume sich hinter mir schließen, atme ich ruhiger. Hier bin ich unsichtbar. Feuchte Erde, Harz, Kiefernnadeln. Der Duft meiner Nächte.“
Giftiger Grund – Mein Fazit
Kennt ihr das, wenn selbst die fiesen Thriller euch beim Lesen emotional werden lassen? Dafür kann es die verschiedensten Gründe geben - hier in Giftiger Grund war es für mich das Thema Ungerechtigkeit.
Wie alle Protagonisten vom Leben und den Menschen um sie herum unfair und schlecht behandelt werden, hat mir mehr als einmal das Herz gebrochen
So unterschiedlich die drei Protagonisten auch sind, so nahbar sind sie alle auch. Ich konnte mich in alle einfühlen und habe genau dadurch so mitgelitten und mich oft gefragt, wie ich an ihrer Stelle handeln würde. Genau deshalb klingt die Geschichte auch lange nach Beenden noch in mir nach.
Thomas Knüwer ist in meinen Augen ein Meister im Erzählen und hat mir mit Giftiger Grund ein wahres Highlight beschert. Eine große und positive Überraschung für mich, ich bin schon gespannt auf mehr.
„Ein toter Arm ist schwerer, als man denkt. Warum mich das überrascht, weiß ich nicht. Vielleicht dachte ich, dass Totes leichter ist als Lebendes. Das Leben muss ein Gewicht haben, was ist es sonst wert?“
Über Thomas Knüwer
Zuerst für Selfpublisher-Preise nominiert, dann mit seinem Verlagsdebüt direkt en Deutschen Krimipreis 2024 und den Stuttgarter Krimipreis 2025 abgeräumt: Das ist Thomas Knüwer.
Dass dieser Autor schreiben kann, sollte also alleine schon durch seine Vita klar sein – wie besonders seine Bücher sind, hat mich die Lektüre von Giftiger Grund nun spüren lassen.
Thomas Knüwer lebt mit seiner Familie in Hamburg und ist neben dem Autorendasein als Geschäftsführer einer internationalen Kreativgruppe tätig. Werbung und Kommunikation ist seine Welt.
Schaut unbedingt auch auf seiner großartigen Website vorbei.
Weitere Bücher von Thomas Knüwer
- Das Haus in dem Gudelia stirbt
- Crime Between the Pages (Anthologie)
Text von Sanni @sound.of.closing.doors
