„Der Große Gary“ von Rob Perry

Der Große Gary ist ein bezaubernder Debütroman mit viel Herz, jeder Menge feinem Humor und dem besten Hund, der uns in der Literaturwelt in letzter Zeit begegnet ist.
Dieses Buch solltet ihr euch nicht entgehen lassen!
Der Große Gary – Worum es geht
Benjamin ist gerade volljährig und arbeitet nach seinem Abschluss im Supermarkt an der Kasse. Aktuell lebt er im Mobilheim seiner Oma, in einem Trailerpark an der englischen Ostküste, und hält sich von allen Schwierigkeiten fern. Als seine Lieblingskollegin ihn zum Meer schickt, um einen gestrandeten Wal anzuschauen – das würde ihm guttun und etwas in ihm verändern – passiert jedoch etwas, womit wohl niemand gerechnet hätte: Ein Windhund heftet sich an seine Fersen und lässt sich fortan nicht mehr abschütteln. Benjamin, der sich tunlichst von allen Quellen von Schmutz oder Bakterien und Viren fernhält, versucht den Hund auf Abstand zu halten, doch dieser hat andere Pläne.
„Er war nicht wütend. Auch wenn er wusste, dass [die Figur] kaum zu ersetzen war, begriff er, dass Wut sinnlos gewesen wäre. Dass Hunde die Dinge nicht so betrachteten. Sie brauchten Zeit, um zu lernen. Es war nicht fair, menschliche Erwartungen an sie zu stellen.“
Als Benjamin und der Hund sich Essen liefern lassen, kommt Lieferant Leonard ins Spiel. Dieser erkennt besagten Hund nämlich sofort: Es ist Der Große Gary, einer der talentiertesten Rennhunde des ganzen Landes. Er erzählt Benjamin vom trostlosen Leben und dem grausamen Besitzer des Hundes und als dann auch noch ins Mobilheim eingebrochen wird, verschwinden sie gemeinsam – Benjamin, um Gary zu beschützen und Leonard, … ja, warum eigentlich?
„Er hatte jetzt eine Ahnung davon, was er mit ihm gemacht hatte, dieser Wal. Er hatte ihm zu der Erkenntnis verholfen, dass die Dinge besonders waren, weil sie vergingen, und kostbarer, weil sie meist nicht von Dauer waren.“
Rob Perrys Debütroman ist etwas ganz Besonderes
Ein abenteuerlicher Roadtrip mit dem wenig vertrauensweckenden Leonard, wirbt der Verlag. Das trifft es auf den ersten Blick sehr gut, doch der zweite und dritte Blick enthüllen dazu noch jede Menge Tiefgang. Nicht nur Protagonist Benjamin macht im Verlauf von Der Große Gary eine berührende Entwicklung durch, auch Leonard ist uns auf irgendwie verquere Art ans Herz gewachsen – und Gary liebt man sowieso von Anfang an.
„»Wovor fürchtest du dich eigentlich?«, sagte er schließlich.
Benjamin nahm einen Schluck Orangensaft aus seinem Glas. Er sagte nicht: vor Vulkanen, menschlichem Blut, Tierblut, der Dunkelheit oder im Grunde jeder tödlichen oder schwächenden menschlichen Krankheit, von der er je gehört hatte. Stattdessen sagte er nur: »Vor so einigem.«“
Kluge Beobachtungen der menschlichen sowie tierischen Natur treffen auf eine emotionale Bindung der Extraklasse. Diese beiden Figuren sind wie gemacht füreinander, jede einzelne Szene mit Benjamin und Gary hat uns verzaubert.
Rob Perry schildert jede Kleinigkeit, sei sie noch so alltäglich, mit jeder Menge Feingefühl und Einfühlungsvermögen. Wir hoffen noch auf viele weitere Bücher dieses talentierten Autors.
„»Manchmal lohnt es sich, ein Risiko einzugehen«, sagte Camille.
So hatte Benjamin es noch nie betrachtet. Als wäre Mut eine Währung, und manche Produkte wären eben teuer.“
Der Große Gary hat uns verzaubert
Mit Benjamin hat Rob Perry einen sensiblen Protagonisten mit Entwicklungspotenzial geschaffen, den wir durch seine unbedarfte, aber dennoch starke Art direkt ins Herz geschlossen haben.
In Der Große Gary werfen wir einen unverstellten Blick auf das Leben und die Gefühlswelt dieses jungen Mannes, verstehen seine Beweggründe und Ängste und sind genau so erstaunt wie er darüber, dass dieser Hund sein Leben so sehr verändern kann. Manchmal muss man Dinge eben weder suchen noch erwarten, um von ihnen bereichert und geprägt zu werden.
„Mir wurde bewusst, dass wir nicht am Ende von etwas sind. Nur am Anfang von etwas anderem.“
Der Große Gary ist ein leichter und dennoch bewegender Coming-of-Age-Roman, der uns wunderbar unterhalten hat. Der feine Humor, die besonderen Charaktere und allen voran natürlich Gary selbst haben uns tolle Lesestunden beschert.
Wenn ihr berührende Freundschaftsgeschichten zwischen Mensch und Tier mögt, wird Der Große Gary euch begeistern!
„Die Worte, die wir aussprechen, haben meist nicht viel mit dem zu tun, was wir tatsächlich sagen.“
Über Rob Perry
Rob Perry hat mit Der Große Gary einen wundervollen Debütroman geschrieben. Im englischsprachigen Original ist Dog bereits 2020 erschienen und erhielt zahlreiche positive Kritik anderer Schriftsteller*innen und landete auf der Shortlist des Peggy Chapman Andrews First Novel Awards.
Der Autor wurde 1987 geboren und studierte Kreatives Schreiben an der University of East Anglia. Bevor er sich voll und ganz dem Schreiben widmete, arbeitete er als Fitnesscoach, bei der Feuerwehr und als Werbetexter.
