„Der Dachs“ von Christian Buder

Wenn ihr die Bretagne mal auf eher düstere und raue Art und Weise kennenlernen wollt, ist „Der Dachs“ genau das Richtige für euch! Dieser Krimi ist atmosphärisch, verworren und von der ersten Seite an hochspannend!
Worum es in „Der Dachs“ geht
Der beschauliche Ort Peney in der Bretagne wirkt kaum wie ein Schauplatz von schlimmeren Verbrechen. Die Außenstelle der Gendarmerie Maritime steht jedes Jahr sogar auf der Liste der überflüssigen Kostenstellen.
Es machen zwar regelmäßig irgendwelche Umweltaktivisten Ärger, sodass die Fischer es nicht immer leicht haben, aber viel mehr hat die Polizei dort üblicherweise nicht zu tun.
Doch nun wird alles anders: Erst verschwindet mitten in der Nacht ein Fischer, was Protagonist Ronan direkt an einen Fall von vor über zehn Jahren denken lässt, und dann findet sich auch noch ein Schiffswrack am Grund des Meeres, das Ronan zunächst sogar für das Boot seiner damals verschollenen Freundin hält.
Als wäre das noch nicht genug, werden auch noch zwei Leichen am Strand angespült. Die junge Frau und ihr Baby scheinen Flüchtlinge aus dem gefährlichen Lager „La Jungle“ in Calais zu sein, die nach England wollten.
Es tun sich immer mehr Verwicklungen und auch Verbindungen zur Vergangenheit auf, sodass Ronan und sein Team alle Hände voll zu tun haben. Ihre Gegner sind mächtig und schon bald schwebt der Ermittler selbst in Lebensgefahr!
Ronan Prad – Unser Protagonist
„Ronan Prad über sich selbst:
Ich kann Menschen nicht ausstehen. Ich ertrage sie nicht. Daran ändert auch nichts, dass ich selbst zu ihnen gehöre. Ich bin nicht besser oder schlechter als die meisten von ihnen. Vielleicht liegt es an meinem Beruf, dass ich mir kein schöneres Bild von meiner Spezies machen konnte.“
Ronan hat uns als Protagonist enorm gut gefallen. Das Verschwinden seiner Freundin Camille vor mehr als zehn Jahren hat ihn nachhaltig geprägt. Er ist kein Menschenfreund und tut auch nicht so – nicht einmal seinen Kolleg*innen zuliebe. Die Menschen sind für ihn kein Stück besser als jede andere Spezies, weshalb ihm vor allem auch die Jäger in seiner Region ein großer Dorn im Auge sind.
Er ist ein Eigenbrötler und Einzelgänger. Den Einladungen seines Kollegen Loig folgt er, wenn, dann nur widerwillig, ist sich nicht einmal sicher, ob er diesen wirklich als Freund bezeichnen würde. Doch als die neue Kollegin Mair kommt, scheint Ronans Fassade ein wenig zu bröckeln, was ihn menschlicher und greifbarer macht.
Der titelgebende Dachs steht hier übrigens für sehr viel mehr als nur Ronans Rettungsaktion des Tiers im ersten Kapitel – das solltet ihr unbedingt selbst lesen!
„Während ich den Abschaum von der Straße holte und sie einsperrte, strengte mein Vater sich an, um sie wieder freizubekommen. Alle wesentlichen Gegensätze auf dieser Welt finden sich innerhalb einer Familie wieder.“
Der Dachs ist für uns ein neues Highlight
„Packend erzählt, mit authentischen Charakteren –
so ist noch nie über die Bretagne geschrieben worden!“
Mit diesem Satz wirbt der Verlag, da sind die Erwartungen natürlich groß.
Für uns wurden sie nicht nur erfüllt, sondern sogar noch übertroffen!
Unsere Begeisterung begann schon mit der ersten Begegnung mit Ronan Prad. Dieser Protagonist ist wie kein anderer. Er hält an seinen Prinzipien fest, stellt sich jeder Herausforderung und scheut keine Gefahr. Er ist kein auf den ersten Blick sympathischer Mensch, eher im Gegenteil – trotzdem konnten wir uns jederzeit gut mit ihm identifizieren. Auch die wichtigen Nebencharaktere sind allesamt hervorragend herausgearbeitet.
Der Schreibstil und auch die Schilderungen der Umgebung, allen voran das Meer, sind eingängig und bildgewaltig. Beim Lesen spürt man jeden Windhauch und jedes beschriebene Schaukeln des Schiffs. So kann man sich die Umgebung sehr gut vorstellen, selbst wenn man noch nicht selbst vor Ort gewesen ist.
„Camille blieb auf See, wie Tausende Seeleute, die sich in die tückischen Gewässer der Bretagne gewagt hatten. Sie war jetzt ein Teil der salzigen See, sie war in dasselbe Element zurückgekehrt, aus dem alles Leben hervorging.“
Auch die Ermittlungen haben es in sich. Wenn es vor Ort auch meist um gestohlene Hummer oder anderen Diebstahl geht, beginnt es hier mit einem verschollenen Fischer und zwei toten Flüchtlingen schon sehr nervenaufreibend. Aber natürlich ist das noch längst nicht alles!
Freut euch bei Der Dachs auf einen verschachtelten Kriminalfall, spannende Hintergründe und Fäden, die bis in die höchsten politischen Ebenen führen. Hier ist tatsächlich keine einzige Seite langweilig, glaubt es uns!
Über Christian Buder
Auf seiner Internetseite steht neben seinem Namen die Bezeichnung „Philosoph und Autor“. Geboren wurde Christian Buder 1968 in Memmingen. Heute lebt er mit seiner Familie abwechselnd in Deutschland und in der Bretagne. Zunächst studierte er Betriebswirtschaft, später dann Philosophie. Er arbeitet als freier Autor und Journalist und schreibt unter anderem für DIE ZEIT.
Der Dachs ist sein fünfter veröffentlichter Roman.
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