„Das neunte Gemälde“ von Andreas Storm

Mit Das neunte Gemälde bekommen wir einen Reihenauftakt, der es in sich hat. Taucht auf mehreren Zeitebenen ein in eine Mischung aus Kunstgeschichte, Machtmissbrauch und Mord. Ein fesselnder Kriminalroman für Kunstliebhaber oder diejenigen, die es noch werden wollen.
Das neunte Gemälde – Worum es geht
Lennard Lomberg ist Experte für europäische Kunst des 20. Jahrhunderts und hat seinen Job eigentlich an den Nagel gehängt. Aus persönlichen Gründen zieht es ihn zurück nach Deutschland, doch ein verhängnisvoller Anruf macht ihm da einen Strich durch die Rechnung.
Ein Mann namens Dupret ruft den Kunstexperten an und lässt sich auch so schnell nicht abwimmeln. Er gibt an, ein kubistisches Kunstwerk aus einer französischen Stiftung zurückgeben zu wollen, das lange Zeit als verschollen galt und unrechtmäßig in deren Besitz gelangt ist. Doch was hat Lomberg selbst, beziehungsweise die Vergangenheit seiner Familie, mit dem Gemälde zu tun?
Als Dupret kurz nach seinem Anruf ermordet aufgefunden wird und keine Spur zu besagtem Gemälde gefunden werden kann, gerät Lomberg ins Visier der Ermittler – doch das kann er natürlich nicht einfach so hinnehmen. Er setzt alle Hebel und Kontakte in der Kunstszene in Bewegung, um mehr über diesen Fall herauszufinden und erfährt viele Dinge aus seiner eigenen Familiengeschichte, die er bisher noch nicht einmal geahnt hat.
Auch ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn wie sollte es anders sein: Lomberg ist nicht der einzige, der dieses Kunstwerk finden möchte.
Ein Genuss für Kunstliebhaber und Krimifans
Andreas Storm wurde hier von wahren Begebenheiten inspiriert, denn Bilderverbrennungen waren in der Nazizeit nicht unüblich. Angeblich wurden natürlich keine wertvollen Gemälde verbrannt. Ob das stimmt oder nicht, wird in Kunstkreisen scheinbar seit jeher diskutiert.
In Das neunte Gemälde wird die Verbrennung im Jeu de Paume in Paris 1943 für einen Coup der Extraklasse genutzt. So werden hier Gemälde von Léger, Picasso, Duchamps, Fauconnier und Matisse entwendet, die nach dem Brand als vernichtet gelten und somit auch nicht vermisst werden können.
Wie viele Menschen sich in dieser Zeit selbst bereichert und ihre Stellung ausgenutzt haben, mag man sich gar nicht vorstellen. Viele von ihnen schafften es über die Jahre hinweg sogar, in hoch angesehene Positionen aufzusteigen – so auch Lombergs Vater im Roman.
„»Paris, 27. Mai 1943. Jeu de Paume. Das sagt doch allen was?«, hob Deveraux neu an und gab dem Kunsthistoriker Lennard Lomberg eine dankbare Steilvorlage.
»Sechshundert Bilder im Feuer. Eine kunsthistorische Tragödie der Extraklasse, sagen die einen. Eine der größten Verarschungen aller Zeiten, sagen die anderen. Ich gehöre zu den anderen, die davon ausgehen, dass die Nazis nur alte Lumpen verbrannt haben.«“
Was uns an Das neunte Gemälde am besten gefallen hat
Dieser Kriminalroman ist etwas für etwas anspruchsvollere Leser*innen. Man erfährt Interessantes über Kunst, das Nazi-Regime und die Verbindung von beidem. Wir forschen allerdings nicht nur 2016 gemeinsam mit Lomberg, nein, es gibt verschiedene Zeitstränge, unterschiedliche Schauplätze und auch eine ganze Menge Figuren.
Die Kapitel selbst sind in mehrere Abschnitte unterteilt und immer mit Ort- und Zeitangabe versehen, sodass wir jederzeit gut wissen, wo wir uns gerade befinden. Abgerundet wird der inhaltliche Genuss hier von einem gehobenen, dennoch aber angenehm zu lesenden Schreibstil. Die Vielfalt der Figuren, die kunsthistorischen Hintergründe und der Kriminalfall ergeben eine wirklich spannende Mischung. Fesselnd, lehrreich und komplex – ein wahres Lesevergnügen!
„Auf der Ladefläche befanden sich acht noch nicht näher spezifizierte, aber laut Fiebig höchst wertvolle Gemälde bedeutender Gegenwartskünstler. Sowie ein neuntes Bild von unklarer Herkunft und bestenfalls fraglichem Wert.“
Über Andreas Storm
Das neunte Gemälde ist der Debütroman von Andreas Storm und bildet direkt den Auftakt zu einer mehrteiligen Krimiserie – so verrät es die Verlagswebsite. Der zweite Band rund um Kunstexperte Lennard Lomberg ist bereits für den Sommer 2023 angekündigt, wir hoffen auf noch viele weitere Fälle.
Andreas Storm wurde 1964 geboren und ist langjähriger Geschäftsführer und Partner einer Kommunikationsagentur. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Köln.
Band zwei der Lennard-Lomber-Reihe, Die Triade von Madrid, erscheint voraussichtlich am 17. August 2023!
