Benjamin Wiater im Interview – Unser Autor des Monats Oktober

September 29, 2026|vonPocketbook
Benjamin Wiater im Interview – Unser Autor des Monats Oktober

Mord, Geheimnisse und eine Kleinstadt voller dunkler Vergangenheit: Benjamin Wiater spricht über seinen neuen Thriller Blutsfreunde, überraschende Wendungen und die Freiheit, in verschiedenen Genres zu schreiben. Außerdem verrät er, warum für ihn als Vielleser ein E-Reader längst unverzichtbar ist.

 

Benjamin Wiater über seinen neuen Thriller

Lieber Benjamin, danke, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst. Als Einleitung direkt eine etwas fiese Frage: Wenn du Blutsfreunde in nur 3 Wörtern beschreiben dürftest, welche wären das?

Die Frage ist gar nicht fies, das geht nämlich ziemlich leicht: Mädchenmord. Freundesgruppe. Kleinstadtgeheimnisse.

 

Deine Geschichte spielt in Audorf: Welche Punkte waren dir bei der Gestaltung der Stadt am wichtigsten und warum? Gibt es reale Vorbilder?

Reales Vorbild ist der Ort, in dem ich einen guten Teil meiner Kindheit und Jugend verbracht habe. Mir war wichtig, im Roman die Atmosphäre einer deutschen Kleinstadt in den 1990ern rüberzubringen, mit aller Geruhsamkeit und Idylle, aber auch mit aller Spießigkeit und Beklemmung. Audorf ist einer der Orte, in denen man gerne Kind ist und aus denen man als Teenager unbedingt ausbrechen will.

 

Lisa will Journalistin werden - was hat dich dazu bewogen, ihr ausgerechnet diesen Berufswunsch zu verpassen?

Lisa ist neugierig, wissbegierig und in dieser Hinsicht unnachgiebig. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, die Geheimnisse ans Licht zu bringen, durch die ihr Vater die Familie belastet und letztendlich zerstört hat, und sie wird nicht nachlassen, bis ihr das gelungen ist. Bei ihrer Persönlichkeit passen eigentlich nur zwei Berufe perfekt: Journalistin oder Polizistin. Ihr Vater hat noch Glück, dass sie sich für Journalistin entschieden hat.

 

Wie der Vater so die Tochter? Was haben David und Lisa alles gemeinsam und worin unterscheiden sie sich am meisten?

Was Lisa von ihrem Vater hat, ist vor allem die Sturheit, mit der die beiden ihre jeweiligen Ziele verfolgen. Zu Davids Leidwesen richtet Lisa diese Sturheit ausgerechnet auf ihn und die Ereignisse seiner Vergangenheit. Darin besteht der wichtigste Unterschied zwischen den beiden: Während David sich über die Wahrheit in Schweigen hüllt und sie verdrängen will, will Lisa – offen, ehrlich und direkt – sie um jeden Preis aufdecken.

 

Auf einer Skala von 1-10: Was denkst du, wie überraschend die Auflösung in Blutsfreunde für deine Leserschaft kommt?

Ich glaube, da geht es mir wie allen, die Krimis und Thriller schreiben: Man hofft auf eine glatte 10, fürchtet aber eine 1, weil Krimileser*innen verdammt schlau sind und schon so viele Plot-Twists erlebt haben, dass es ungeheuer schwer ist, sie hinters Licht zu führen. Ich hoffe, ich habe in „Blutsfreunde“ genügend Wendungen und Überraschungen eingebaut, um auf dieser Skala hoch zu punkten. Die finale Bewertung bleibt aber natürlich meinen Leser*innen überlassen.

 

 

Benjamin Wiater über das Schreiben – und andere Dinge

Welche Art von Szenen schreibst du am liebsten? Sind es die besonders fiesen, die emotionalen, …?

Es sind die emotionalen Momente, in denen es für die Figuren um alles geht, in denen sie am verletzlichsten sind, nichts mehr verbergen können und sich preisgeben müssen. Gleichzeitig sind das die Szenen, die am meisten Kraft kosten, weil mein gesamtes Einfühlungsvermögen in sie hineinfließt. Dementsprechend sind sie für mich beim Schreiben das Erfüllendste und Erschöpfendste zugleich.

 

Was machst du, wenn du an einer Stelle mal so gar nicht weiterkommst?

Ich entwerfe für jeden meiner Romane eine Roadmap, die mir sagt, wo es langgeht. Dazu kommt, dass jede Geschichte ihrer eigenen Logik folgt. Falls ich steckenbleibe, liegt das meist daran, dass ich etwas noch nicht verstanden oder erkannt habe – die nächste unausweichliche Handlung einer Figur oder die nächste folgerichtige Wendung. Früher hat mich das gestresst. Inzwischen weiß ich: Wenn ich geduldig bleibe, geht mir die Lösung irgendwann von selbst auf.

 

Du schreibst auch – unter Pseudonym – in ganz anderen Genres. Was macht darin den Reiz für dich aus?

Der Reiz liegt in der Freiheit, mich in verschiedenen Genres kreativ auszutoben. Die Pseudonyme waren so etwas wie meine unterschiedlichen Schriftsteller-Persönlichkeiten. Im Laufe der Zeit habe ich allerdings so viele angesammelt, dass ich mir vorkam wie ein Geheimagent, der den Überblick über seine Identitäten verliert. Bei meinem letzten Buch habe ich daher beschlossen, nur noch unter meinem richtigen Namen zu veröffentlichen. Ironischerweise habe ich vor Kurzem geheiratet und den Nachnamen meiner Frau angenommen, sodass der auf meinen Büchern auch nicht mehr mein richtiger ist.

 

Möchtest und darfst du uns schon etwas über zukünftige Projekte verraten oder hüllst du dich in Schweigen?

Ich schreibe zwar über mysteriöse Todesfälle und andere Rätsel, aber in dieser Hinsicht bin ich kein Geheimniskrämer: Nach „Blutsfreunde“ erscheinen im Frühjahr 2027 gleich zwei neue Bücher: „Vieh“, ein Großstadtthriller und der erste Band einer Reihe um die Sicherheitsexpertin Joe Kalder. Und „Der verfluchte Kimono“, mein erster Ausflug ins Genre Urban Fantasy. Weil ich von Mord und Totschlag nicht ganz lassen kann, stecken auch darin jede Menge Krimi- und Thrillerelemente.

 

Wir als E-Reader Hersteller haben natürlich eine obligatorische letzte Frage: Wie stehst du zum digitalen Lesen? Welche Editionsform(en) konsumierst du privat am liebsten?

Von meinem Leseplatz im Wohnzimmer schaue ich direkt auf meine vollgestopften Bücherregale. Und es ist immer etwas ganz Besonderes, das eigene Buch zum ersten Mal in den Händen zu halten. Aber für mich als Vielleser führt an einem E-Reader kein Weg vorbei. Ich habe einfach keinen Platz mehr für gedruckte Bücher. Dazu kommen die schnelle Verfügbarkeit, der Komfort, auch einen 600 Seiten starken Wälzer bequem mit einer Hand zu halten, der einfache Transport meiner digitalen Bibliothek … Für mich ist ein E-Reader inzwischen unverzichtbar.

 

 

Benjamin Wiater – Bücher

 

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Text von Sanni  @sound.of.closing.doors

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