Benjamin Cors im Interview – Unser Autor des Monats Mai

Benjamin Cors ist unser Autor des Monats Mai. Im exklusiven Interview spricht er über seinen neuen Thriller Nebelbeute, die Arbeit an der Sonderermittlungsgruppe 4, seine Erfahrungen als Bestsellerautor und seine Liebe zu Lesereisen – und verrät außerdem, wie er persönlich zum digitalen Lesen steht.
Benjamin Cors im Interview
Benjamin Cors ist so lieb, sich Zeit für die Beantwortung unserer Fragen zu nehmen – DANKE, Benjamin!
Zum Einstieg etwas Leichtes: Wo sitzt du gerade, während du diese Fragen beantwortest?
Tatsächlich an meinem Schreibtisch im Arbeitszimmer. Durchs Fenster sehe ich eine Birke, Vögel zwitschern … es ist also ein guter Ort für ein Interview.
Dein neuer Thriller Nebelbeute erscheint am 15.05.2026 – Wie würdest du diesen dritten Band der Reihe kurz und knapp beschreiben?
Als eine Art Zwischenspiel. „Nebelbeute“ spielt in den tief verschneiten Bergen, wir folgen Mila Weiss bei Ihrer Jagd nach einem Phantom – bis sie plötzlich spurlos verschwindet.
Es gibt also einen Ortswechsel und gleichzeitig eine sehr dichte Erzählung, die auf engstem Raum spielt, in einem entlegenen Dorf. Und doch wird die Gruppe 4 es erneut mit einem Serienkiller zu tun haben. Nur dass sein nächstes Opfer Mila zu sein scheint.
Was ist für dich das Herausforderndste an der Sonderermittlungsgruppe 4, zum Beispiel bei der Ausgestaltung der Charaktere oder auch beim Plot?
Die Fälle der Gruppe 4 sind oft sehr verwoben, vieles entwickelt sich beim Schreiben, Ideen kommen, ersetzen andere, es ist ein ständiges Verschieben und Anpassen. Der jeweilige Fall muss immer im Mittelpunkt stehen, gleichzeitig werden die Mitglieder der Gruppe 4 mit ihren Eigenschaften und Vorgeschichten behutsam weitererzählt. Dabei den Überblick zu behalten, ist nicht immer einfach.
Wie fühlt es sich für dich an, dich in Serienkiller, ihre Planung und Motivation, hineinzuversetzen? Kannst du nachts noch ruhig schlafen oder nimmst du deine Arbeit auch ein Stück weit mit in deinen Alltag?
Ich habe die größtmögliche Distanz zu Serienkillern! Ich versetze mich auch nicht in sie hinein, ich bin eher wie ein Zeichner, der den Pinsel ansetzt und schaut, wo er ihn hinführt. Bei mir ist es eben der Stift, bzw. die Tastatur, aus der dann ein dunkler Charakter entstehe, genau wie ein heller.
Ich muss nach dem Schreiben nichts abschütteln oder „wegatmen“, es beschäftigt mich nur während des Schreibens. Dann aber sehr!
Deine Normandie-Krimis haben dich ja viele Jahre begleitet – wie war für dich der Wechsel zu einer neuen Reihe, die mit ihrer psychologischen Spannung deutlich fieser und düsterer ist?
Es war eine große Freude, den Rahmen zu verlassen, den die Normandie-Reihe ja schon räumlich vorgibt. Alles kann etwas dunkler sein, der Fantasie sind weniger Grenzen gesetzt, alles scheint möglich, solange es der Spannung dient. Ich schreibe keine Psycho-Thriller, sondern Spannungsliteratur, die im Fall der Gruppe 4 einfach immer ein fieses und dunkles Grundrauschen hat. In der Normandie gab es dafür mehr Möwen!
Kannst du uns schon etwas über zukünftige Projekte erzählen? Deine Normandie-Reihe soll ja einen achten Band bekommen, wird uns bald auch noch etwas ganz Neues erwarten?
Im Moment sitze ich am vierten Band der Gruppe 4. Die Normandie ist ein bisschen auf Eis gelegt, wir werden sehen, wie und ob es weitergeht. Im Moment habe ich Lust auf Neues, ich denke viel darüber nach, suche nach einer Stimme, mit der ich erzählen möchte, einer Perspektive, die ich einnehmen könnte. Aber all das hat Zeit. Im Moment liebe ich es, die Gruppe 4 weiterzuentwickeln.
Wie fühlte es sich an, das erste Mal zu hören, dass eines deiner Bücher auf einer bekannten Bestsellerliste gelandet ist?
„Leuchtfeuer“ war mein erster Bestseller, seitdem war jedes weitere Buch auf der Liste – was unglaublich und toll ist. Das erste Mal war tatsächlich sehr schön, es hat gezeigt, dass es sich lohnt, früh aufzustehen, zu schreiben, wenn es draußen dunkel ist. Natürlich lohnt es sich auch ohne Bestselleraufkleber! Aber Anerkennung ist nicht zu unterschätzen…
Und später? Gewöhnt man sich daran?
Wir Menschen gewöhnen uns ja tatsächlich schnell an alles. Und gleichzeitig darf man nichts als selbstverständlich ansehen. Das Glück des Schreibens definiert sich nicht durch einen Listenplatz, aber klar, ich freue mich sehr über Resonanz, über Feedback und auch über Erfolg. „Nebelbeute“ ist ein richtig spannender Thriller, der jeden Listenplatz verdient hat! Aber am Ende entscheiden das glücklicherweise die Leserinnen und Leser.
Was ist für dich persönlich der größte Unterschied zwischen journalistischer Arbeit und dem Dasein als Buchautor? Gibt es bei dir in den Abläufen und Methoden auch Parallelen?
Ich trenne es sehr, versuche es zumindest. Journalismus ist so vielfältig, herausfordernd und manchmal auch beglückend, das möchte ich nicht missen. Aber Schreiben ist einfach mit nichts zu vergleichen. Seine Fantasie nutzen zu dürfen, Wörter zu Sätzen zu formen, Charaktere zu zeichnen, Spannung und Bilder zu erzeugen. Wie soll man da nicht abhängig werden?
Was gefällt dir auf Lesereisen am besten? Hattest du auf deinen Lesungen schon mal ein absolutes Highlight, das dir für immer im Gedächtnis bleiben wird?
Ich liebe Lesungen! Dieses gemeinsame Lachen, sich gegenseitig Geschichten zu erzählen, Anekdoten zu teilen und über Bücher zu reden. Ich könnte auch das jeden Abend machen, wirklich. Danke an all die Besucher und Buchhändler, die das möglich machen, lasst uns noch mehr solche Momente haben.
Ich habe es mir seit „Aschesommer“ angewöhnt, mein eigenes Leseexemplar von den Besuchern signieren zu lassen, am Ende des Abends. Am nächsten Morgen sitze ich dann im Zug und lese die Grüße und Bemerkungen. Es ist manchmal wirklich herzerwärmend.
Wir als E-Reader Hersteller haben natürlich eine obligatorische letzte Frage: Wie stehst du zum digitalen Lesen? Welche Editionsform(en) konsumierst du privat am liebsten?
Ich habe zwei Töchter, die große E-Reader Fans sind, daher liebe auch ich diese Form des Lesens. Persönlich habe ich immer noch sehr oft ein Buch in der Hand, aber das Schöne ist ja, dass das jeder selbst entscheiden kann. Auch Hören ist großartig, ich kann es nur empfehlen. Die Geschichten finden schon ihren Weg zu uns, auf welche Form auch immer.
Benjamin Cors – Bücher
Jakob Krogh und Mila Weiss:
- Krähentage (Band 1)
- Aschesommer (Band 2)
- Nebelbeute (Band 3)
Nicolas Guerlain:
- Strandgut (Band 1)
- Küstenstrich (Band 2)
- Gezeitenspiel (Band 3)
- Leuchtfeuer (Band 4)
- Sturmwand (Band 5)
- Schattenland (Band 6)
- Flammenmeer (Band 7)
- Mörderische Normandie I (Sammelband, Band 1-3)
- Mörderische Normandie II (Sammelband, Band 4-6)
Zur großartigen Autoren-Website kommt ihr hier.
Interview geführt von Sanni @sound.of.closing.doors


