Der Geist in der British Library - das neuste Buch von Ben Aaronovitch

Dem gebürtigen Londoner Ben Aaronovitch ist mit seinen Romanen der einmalige Spagat zwischen einer klassischen Fantasyerzählung und dem Krimigenre gelungen. Mit seiner bekannten Reihe über den britischen Ermittler und Zauberlehrling Peter Grant erobert er auch hierzulande die Herzen zahlreicher Fans. 2012 erschien die Übersetzung des ersten Bandes „Die Flüsse von London“ in Deutschland.
Mit der Kombination aus Urban Fantasy in einem düsteren London, klassischen Krimielementen und einer riesigen Portion typisch britischem Humor holt er nicht nur die eingefleischten Fantasyfans ab. Ergänzend zu der aktuell achtbändigen Roman-Reihe sind auch Kurzgeschichten und einige Graphic Novels von ihm erhältlich.
Auch als Drehbuchautor ist Aaronovitch erfolgreich tätig – unter anderem für die Serien Doctor Who, Casualty und Dark Knight. Aus seiner Arbeit für das Doctor-Who-Universum entstanden später ebenfalls fünf Romane.
Ben Aaronovitch arbeitet selbst als Buchhändler, ist aber froh, wenn er den für ihn unschönen physischen Teil der Arbeit nicht erledigen muss und sich nonstop dem Schreiben widmen darf. So lange er Ideen hat und seine Bücher sich so gut verkaufen, wird er uns sicher weiter mit Abenteuern von Peter Grant versorgen.
Der Geist in der British Library (Stories aus dem Peter-Grant-Kosmos)
In Ben Aaronovitchs neustem Buch darf man sich auf gewohnt witzige und unheimliche Geschichten rund um Grant, Nightingale und die üblichen Verdächtigen freuen. Der Leser findet in dieser Sammlung sechs Geschichten über Peter, vier über andere Charaktere und dann noch drei „Moments“, die eher eine bestimmte Atmosphäre beschreiben.
Aaronovitch ordnet jede der Geschichten zeitlich zwischen den Bänden der Ursprungsreihe ein, damit man jederzeit einen guten Überblick behält. Manchmal erhält man sogar einen Einblick in Geschehnisse, die parallel zu Grants Hauptermittlungen stattfinden. Super spannend! Eine Sammlung von Stories, die jeder Fan der Romanreihe unbedingt lesen sollte.
- Die Flüsse von London (Band 1)
- Schwarzer Mond über Soho (Band 2)
- Ein Wispern unter Baker Street (Band 3)
- Der Galgen von Tyburn (Band 6)
- Die Glocke von Whitechapel (Band 7)
- Ein weißer Schwan in Tabernacle Street (Band 8)
Die Peter-Grant Graphic Novels:
- Detektivgeschichten (Band 4)
- Wassergras (Band 6) – jetzt auch als epub
- Mit Abstand (Band 7) – jetzt auch als epub
Peter Grant ist frisch ausgebildeter Police Constable beim Metropolitan Police Service (Met) und soll eigentlich einen schnöden Schreibtischjob antreten. Als er jedoch etwas sieht, was die meisten Menschen nicht unbedingt sehen, wird er in eine Reihe mysteriöser Todesfälle hineingezogen. Schnell wird Inspektor Thomas Nightingale kontaktiert, denn er ist der Leiter einer ganz besonderen Abteilung für die „speziellen Fälle“.
Nightingale ist der letzte aktive Zauberer Großbritanniens und nimmt mit Peter den ersten frischen Zauberlehrling seit über 70 Jahren unter seine Fittiche. Bei dem erhöhten Aufkommen an magischen Kriminalfällen kann der Gute auch wirklich langsam etwas Unterstützung gebrauchen.
Dies sind also die Grundvoraussetzungen für eine wirklich erfolgreiche Buchreihe. Nightingales Erfahrung und sein immenses Wissen treffen auf Peters Neugier und unschuldige Tollpatschigkeit beim Erlernen der Magie. Was ihm jedoch zunächst noch an magischem Können fehlt, gleicht er durch Empathie und einen oft etwas anderen Blick auf die Dinge wieder aus.
In jedem Buch gibt es mindestens einen neuen Fall, oft spielt Aaronovitch aber sogar damit, dass sich die Ereignisse überschneiden und so nicht nur unser Protagonist ordentlich was zu tun hat. Wir lernen die unterschiedlichsten Arten von magischen Wesen und Gattungen kennen und auch viele tolle Nebencharaktere bekommen im Verlauf der Geschichte wichtige Rollen zugewiesen.
Aaronovitchs humorvoller Schreibstil und die jederzeit spannenden und verzwickten Kriminalfälle ergänzen sich perfekt. Die fantastischen Elemente sind gut durchdacht und fügen sich fast wie von selbst in die Welt des modernen London ein. Seine Figuren sind alle ein wenig schräg, aber liebenswert und gut ausgearbeitet.
Fans verschiedenster Genres können hier auf ihre Kosten kommen und werden die Bücher wahrscheinlich nicht mehr so schnell aus der Hand legen wollen.
Das deutsche Pendant zu Peter Grant heißt Tobi Winter!
Aaronovitch ehrt uns deutsche Fans wirklich sehr und verlegt den Schauplatz seiner dieses Mal nach Deutschland. Tobi arbeitet beim BKA (und wie wir alle wissen steht das für: Abteilung für komplexe und diffuse Angelegenheiten) und darf ein Hunderte Jahre altes Rätsel lösen. Die Mosel ist die neue Themse, die Weinberge rund um Trier das neue London. Die Zusammenarbeit mit Vanessa Sommer, die von Magie noch nicht so viel Ahnung hat, ist äußerst unterhaltsam. Und alle Grant-Fans dürfen sich freuen: Es gibt zwar keine Begegnung mit den bekannten Charakteren, aber doch die eine oder andere Anspielung für Insider.
Spannend und wie immer gespickt mit Aaronovitchs trockenem, typisch britischem Humor. Das müsst ihr unbedingt auch lesen!


