Anna Hensel im Interview zu „Love’s Anatomy“

2026-10-30|vonPocketbook
Anna Hensel im Interview zu „Love’s Anatomy“

Liebe, Leidenschaft und die Realität hinter den Krankenhauskulissen: Anna Hensel spricht im Interview über authentische Einblicke ins deutsche Gesundheitswesen, Sexismus in der Medizin und die Geschichte hinter Leevke und Veith. Außerdem verrät sie, warum ein E-Reader ihren Sohn zur echten Leseratte gemacht hat.

 

Wenn jemand noch nie davon gehört hat, wie würdest du Love's Anatomy kurz und knapp umreißen? Wer muss es unbedingt lesen?

Eine dramatische Liebesgeschichte im Krankenhaussetting, das aufgrund meiner Erfahrungen als Ärztin die echte Realität im deutschen Gesundheitswesen zeigt. Die junge Ärztin Leevke ist von ihrer eigenen Vergangenheit als Patientin gezeichnet und versteckt ihre Schmerzen und ihre Narben vor ihren Klinikkollegen. Ihr Oberarzt Veith verkörpert alles, was sie an Ärzten hasst – denn er ist Chirurg und der reiche Sohn des Klinikbesitzers. Veith ist der Letzte, den sie hinter ihre Fassade dringen lassen möchte – erst recht, weil sie dann ihren Job riskieren würde. Jede Leserin, die heimlich davon träumt, mal von einem attraktiven Arzt gerettet zu werden, braucht diesen Roman.

 

Nele begrüßt Leevke mit der Frage, ob man nicht Mal in Ruhe zocken könne? Spielst du gerne Videospiele und wenn ja, welche?

In meiner Jugend habe ich viel zu viel gezockt, aber seit ich Kinder habe, habe ich dafür kaum noch Zeit. Nur zu seltenen Gelegenheiten spielen mein Mann und ich zusammen interaktive Filme, also Games, die sich stark auf ihre Story fokussieren. Detroit – Become Human, das Spiel, was Leevke und Nele im Roman zocken, war dabei eines, das mich emotional am meisten getroffen hat. Für die gemütlichen WG-Szenen im Schwesternwohnheim hat es daher super gepasst.

 

Leevke scheint sehr gut im Judo zu sein, wenn sie direkt einen Kurs dazu leiten kann. Hast du selbst Judo gemacht oder warum hast du dich in Love’s Anatomy für diese Sportart entschieden?

In meiner Jugend habe ich einen ähnlichen Kampfsport, Wing Tsun, gemacht. Meine Romanheldin Leevke kämpfte sich nach ihrem Unfall mithilfe des Kampfsports zurück ins Leben – es ist also ein Symbol dafür, dass sie sich wegen ihrer Behinderung nie Schwäche erlauben konnte. Außerdem steht Veith als Oberarzt hierarchisch über Leevke, seiner Assistentin. Der Judokurs bildet den Gegenpol, da sie hier die Kursleiterin und er der Schüler ist. Im Übrigen wollen wir doch alle mal sehen, was passiert, wenn die beiden auf der Matte miteinander ringen. Siegt Leevke mit der besseren Technik, oder Veith mit seinen dicken Muskeln? Das werdet ihr im Buch erleben.

 

Hattest du für Leevke und Veith (oder auch für einen der anderen Charaktere) eine Vorlage – jemand aus deinem Krankenhaus-Alltag oder aus einer Serie oder sind sie komplett frei entstanden?

Alle Charaktere sind frei erfunden, und ich habe bei den Figuren aus Love’s Anatomy auch keine realen Personen im Kopf. Aber natürlich werden sie durch echte Begegnungen beeinflusst. In Leevke steckt sicherlich einiges von mir, und in meinen Love Interests findet man immer Teile von den Männern, mit denen ich zusammen war. Außerdem habe ich in der Klinik auch mit jeder Menge Ärzten zusammengearbeitet, deren Expertise und zwischenmenschliche Skills als Vorbild für den „perfekten“ Arztlover im Buch taugen. Trotzdem gibt es Veith leider nicht in der Realität.

 

Grey's Anatomy, Dr. House, Scrubs uvm. – schaust du in deiner Freizeit auch gerne mal Arztserien oder sind die nicht so dein Fall?

Ihr habt mich erwischt! Solche Serien schaue ich tatsächlich gar nicht. In Arztserien steht ja oft eher die Dramatik im Vordergrund und nicht alles läuft realistisch ab. Zudem funktioniert das amerikanische Gesundheitssystem völlig anders als unseres, sodass ich mich darin nicht unbedingt wiederfinde. Was ich aber liebe, sind Hospital Romances von deutschen Ärztinnen wie etwa Eva Mirasol, die mich in tausend Details an meine eigene Klinikzeit erinnern.

 

Ein zentrales Thema in Love's Anatomy ist Sexismus am Arbeitsplatz bzw. hier konkret im Krankenhaus – hast du für das Buch auch aus eigenen Erfahrungen geschöpft?

Als weibliche Ärztin und Mutter ist man fast automatisch von Sexismus betroffen, spätestens sobald man schwanger wird. Leider sind wir noch weit davon entfernt, dass Frauen in der Medizin dieselben Karrierechancen haben wie Männer, insbesondere in der Chirurgie. Gleichzeitig hatte ich aber auch viel Glück und habe überwiegend sehr nette Kollegen und Kliniken erwischt, die mich trotz Kindern extrem gut unterstützt haben. Sexistische Sprüche, wie Leevke sie teils zu hören bekommt, habe ich also nicht direkt erlebt, sondern kenne sie nur aus Erzählungen von Kolleginnen.

 

Ein weiteres wichtiges Thema in deinem Buch ist, dass Krankenhäuser wirtschaftlich sein müssen und nicht immer die Gesundheit der Patient*innen im Mittelpunkt steht. War das auch etwas, was dich in deinem täglichen Arbeiten begleitet hat?

Ich habe in mehreren Klinik-Aktienkonzernen gearbeitet. Meine Oberärzte und Chefärzte mussten Zahlenvorgaben erfüllen, damit die Klinik wirtschaftlich arbeiten kann, was auch wir Assistenzärzte zu spüren bekamen. Genau wie Leevke saß auch ich viel zu spät nach Feierabend noch im Büro meiner Oberärzte, um mir neben medizinischen Details den Kopf über Dinge wie die Zielverweildauer meiner Patienten zu zerbrechen. Trotzdem waren meine Vorgesetzten alle sehr tolle und bewundernswerte Ärzte, die sich wie Veith und sein Vater unter den widrigen Bedingungen im Gesundheitssystem für ihre Patienten aufopfern. Und gerade weil die Realität nicht immer so romantisch ist, bin ich froh, meine Hospital Romances zu haben – denn hier ist das Happy End garantiert.

 

Im Juli diesen Jahres hat der Bundestag ein Milliarden-Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung verabschiedet. Als Ärztin: was ist deine Meinung dazu?

Ich hoffe einfach, dass ich nicht krank werde. Im Ernst: Auch vor dem Sparpaket war die Lage im Gesundheitswesen schon beängstigend und prekär. Durch die Budgetierung können Ärzte in Praxen beispielsweise ihre Preise nicht selbst festlegen, aber tragen trotzdem das volle wirtschaftliche Risiko. Für Handwerker oder jeden anderen Beruf wäre das undenkbar. Wir sollten also dankbar für jeden einzelnen Kollegen sein, der heute noch eine Praxis führt. Von Politiker-Bashing halte ich aber auch nichts. Ich würde solche schweren politischen Entscheidungen nicht treffen wollen und bin froh, dass es Leute gibt, die sich engagieren, um das Gesundheitswesen zu reformieren.

 

Falls es noch weitere Bände geben sollte, dürftest du es uns sicherlich nicht verraten, aber hättest du Lust, deinen Leser*innen noch andere Charaktere aus dem Marie-Schiller-Klinikum näherzubringen?

Ja, auf jeden Fall! Ich kriege generell nie genug von meinem Genre und von immer neuen medizinischen Lovestorys. Bisher waren alle meine Hospital Romances in sich abgeschlossene Einzelbände, aber ich hätte auch nichts dagegen, mal eine Reihe zu schreiben. Die Vorbesteller- und Verkaufszahlen sind für die Verlage natürlich sehr wichtig bei der Frage, ob es Fortsetzungsbände geben wird oder nicht. Wer auf neue Hospital Romances von mir hofft, kann mich durch also durch Vorbestellungen unterstützen – und durch Support auf Insta und TikTok.

 

Wir als E-Reader-Hersteller haben natürlich eine obligatorische letzte Frage: Wie stehst du zum digitalen Lesen? Welche Editionsform(en) konsumierst du privat am liebsten?

Ich habe bisher fast ausschließlich Print gelesen, aber möchte der Umwelt zuliebe in Zukunft auch öfter mal zu eBooks greifen. Mein 9-jähriger, ältester Sohn konnte dagegen mit Printbüchern nicht allzu viel anfangen. Er wurde erst, nachdem er einen eReader bekam, zur absoluten Leseratte. Nun liest er jeden Tag stundenlang und hat schon mehr als 100 Romane, fast ausschließlich Storys über Minecraft, gelesen. Das macht mich als Mutter und Autorin natürlich sehr glücklich. Ich hätte nie gedacht, dass ein eReader den großen Unterschied machen kann, damit ein Kind in der Freizeit freiwillig zu lesen beginnt. Hoffentlich wird es bei Kind 2 und 3 genauso laufen.

 

 

Anna Hensel – E-Books

 

 

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Interview geführt von Anna @xthelittlerose.books

E-Book
Love's Anatomy
Preis
4,99 € * Alter Preis 9,99 €