„Paris Requiem“ von Chris Lloyd

January 15, 2024|vonPocketbook
„Paris Requiem“ von Chris Lloyd

Korruption und Morde im von den Nazis besetzten Paris: Erneut ist das Ermittlungsgeschick von Inspecteur Eddie Giral gefragt.

Kriminalistik trifft auf Historik

Bereits im ersten Teil „Die Toten vom Gare d’Austerlitz“ entführt uns der Autor nicht nur zum namengebenden Umsteigebahnhof der Pariser Metro, sondern in eine Stadt, die in den 40er-Jahren von den Nazis okkupiert wird; eine lebendige Nachbildung der französischen Hauptstadt unter deutscher Besatzung.

 

Der typische Anti-Held – nicht nur für das besetzte Paris

In Chris Lloyds historischem Krimi „Paris Requiem“ schreiben wir das Jahr 1940. Die Stadt des Lichts ist von deutschen Truppen besetzt. Der Eiffelturm ist geschlossen. Alle Singvögel sind geflohen. Im zweiten Teil der Reihe steht erneut der Pariser Polizist Eddie Giral im Mittelpunkt, der diesmal allerdings im Auftrag der Besatzer arbeitet, was ihn nicht nur in einen neuen Fall, sondern auch in eine moralische Krise stürzt. Ebenjener Fall zwingt Eddie dazu, sich mit dem wahren Ausmaß des Schadens auseinanderzusetzen.

Eddie ist ein schwieriger Charakter, der nicht leicht zu durchschauen ist. Er ist undurchsichtig, unsympathisch und unnahbar. Ich hatte die vage Hoffnung, dass sich insbesondere Letzteres im weiteren Verlauf der Story ändern würde, aber Pustekuchen: Der Autor geht nur bedingt auf den ermittelnden Polizisten ein, rückt diesen vielmehr in den Hintergrund. Trotzdem hat mich Eddie neugierig gemacht. Ich möchte mehr über ihn erfahren, seine Vergangenheit erforschen, seine Gedanken und Handlungen besser nachvollziehen können. Ich hoffe, dass mich der Autor im dritten Teil genau damit überraschen wird.

 

September 1940

Chris Lloyd hat diese Zeit ausführlich recherchiert und als Leser ist man von den Schauplätzen, der Zeit und der Atmosphäre völlig überzeugt. Rationierte Lebensmittel bedeuten wenig zu essen, die Preise steigen aufgrund der deutschen Profitgier und die täglichen Warteschlangen für das Nötigste sind energieraubend. Zeitgleich versucht Eddie Giral die Kriminalität in der Stadt zu bekämpfen. Kein leichtes Unterfangen – und somit der Grundstein für spannende Lesemomente.

Eddie manövriert sich in Situationen voller Bedrohung und Gefahr, die den Leser einerseits schockieren, andererseits unglaublich faszinieren. Vor allem dann, als er erfährt, dass der vermeintliche Täter eigentlich im Gefängnis sitzen sollte, denn dorthin hatte Eddie ihn zuvor höchstpersönlich verfrachtet. Die Handlung ist klug konstruiert, da der Schuldige ziemlich früh in die Handlung einbezogen wird. Was den Rest der Geschichte angeht, dachte ich, dass die Gliederung klar genug war – und dann gab es eine coole Wendung, die ich überhaupt nicht erwartet hatte. Als zynische Krimileserin liebe ich es, wenn ich vom Plot so überrascht werden kann. Das ist auf jeden Fall eine fesselnde Lektüre!

„Du hast die Wahl, welchen Weg du in diesem Krieg einschlägst.“


Über Chris Lloyd

Chris Lloyd studierte Spanisch und Französisch, lebte über 20 Jahre in Katalonien, später in Grenoble, im Baskenland und in Madrid, wo er Englisch unterrichtete und für einen Schulbuchverlag sowie als Reiseschriftsteller arbeitete. Heute lebt er als Übersetzer und Schriftsteller in Südwales.

 

Außerdem von Chris Lloyd erhältlich

  

Dieses Buch der Woche wurde von Julie vom Recensio-Online-Team vorgestellt.

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