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Der Angriff
Das Psi-Schiff
Die Spur
Über diesen Band:
300 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt tobt ein interstellarer Krieg. Es ist der schlimmste Krieg seit Bestehen des Universums - und es ist ein Bruderkrieg: Das gewaltigste aller Sternenreiche, das PRUPPER-REICH, zerfällt in diesem Krieg und droht sogar, für immer von der Bühne des unendlichen Universums zu verschwinden. Sogenannte PSI-Schiffe, die stärksten und intelligentesten Kriegsschiffe vielleicht aller Zeiten, machen endlich ein Ende mit diesem nicht nur schlimmsten, sondern vor allem SINNLOSESTEN aller Kriege.
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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
Alfred Bekker
© Roman by Author / COVER LUDGER OTTEN
© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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Der Angriff
Wilfred A. Hary
„Die Welt der Verbrecher - und ihre obersten Führer!"
Zwanzigstes Jahrhundert christlicher Zeitrechnung: 300 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt tobt ein interstellarer Krieg. Es ist der schlimmste Krieg seit Bestehen des Universums - und es ist ein Bruderkrieg: Das gewaltigste aller Sternenreiche, das PRUPPER-REICH, zerfällt in diesem Krieg und droht sogar, für immer von der Bühne des unendlichen Universums zu verschwinden. Sogenannte PSI-Schiffe, die stärksten und intelligentesten Kriegsschiffe vielleicht aller Zeiten, machen endlich ein Ende mit diesem nicht nur schlimmsten, sondern vor allem SINNLOSESTEN aller Kriege.
13. Januar 2091 - in den Annalen der Menschheit vermerkt als der Todestag des menschlichen Genies Tipor Gaarson, aber was kein Mensch auch nur ahnt: In der Stunde seines Todes materialisieren auf Hunderten von nach dem Prupper-Krieg aufgegebenen Ruinenwelten sämtliche 18 Milliarden Menschen der Erde - wie aus dem Nichts. Aber es sind nicht wirklich die Original-Menschen der Erde, sondern quasi... lebensgetreue, perfekte Kopien von ihnen. Es sind die Menschen-Prupper, und sie sprechen die Sprache des ehemaligen Prupperreiches, als sei es ihre eigene Sprache. Eine unvorstellbare, geheimnisvolle Macht hat sie geschaffen - aus noch ungewissem Motiv. Die Menschen-Prupper nennen diese Macht ihren »Pruppergott«.
2453 - die Menschen-Prupper waren in der Lage, sich zu vermehren und auf den ehemals »Verlorenen Welten« das NEUE IMPERIUM entstehen zu lassen. Es steht neben dem RESTIMPERIUM der eigentlichen Prupper...
Zur Zeit jedoch schwebt das NEUE IMPERIUM in tödlicher Gefahr - durch eine Verschwörung mit Hauptsitz inmitten einer Dunkelwolke. Mit einem restaurierten PSI-Schiff, das einst im Großen Prupperkrieg zum Wrack geschossen worden war, machen sich James Grant und Ted Herold auf den Weg zu dieser Welt. Man kann sie scheinbar nicht aufhalten - und das weiß man inzwischen an ihrem Ziel...
*
1
Der Präsident raste. In seinem Konferenzraum hatte er alle führenden Mitglieder seiner Schattenregierung versammelt: Mit diesen wollte er schon in wenigen Jahren die Herrschaft über das Imperium an sich reißen!
»Wie konnte das passieren?« brüllte er nun schon zum wiederholten Mal. »Habe ich denn nur Holzköpfe um mich herum?«
Niemand gab ihm eine Antwort. Natürlich wäre es besser gewesen, man hätte dem anfliegenden Raumschiff GOLDEN STAR, mit James Grant und Ted Herold an Bord, eine kleine Flotte entgegengeschickt. Der wäre es schwerlich entkommen. Aber die Sache sah anders aus. Die Organisation besaß sowieso insgesamt nur zwei PSI-Raumschiffe, und davon war eines zur Zeit nicht einsatzbereit - wegen diverser Umbaumaßnahmen.
In einem jedenfalls hatte sich James Grant geirrt: Es gab entgegen seiner Auffassung an Bord des besiegten Raumschiffs im All ein kleines Kurier-Gaarson-Gate für absolute Notfälle, und der Abschuss war schließlich so ein echter Notfall. Darum wusste der Präsident auch über die Niederlage schon Bescheid.
Oder hatte James Grant das nur deshalb unerwähnt gelassen, um Ted Herold zu beruhigen?
»Wie lange brauchen wir, um zu weiteren Raumschiffen zu kommen?« Der Präsident blieb vor einem der Anwesenden stehen.
»Vielleicht Wochen«, sagte dieser leise. »Vielleicht sogar länger: Wir haben im Moment keinen Verbündeten, der ein solches Raumschiff besitzt. Die sind extrem dünn gesät, wie Sie wissen.«
»Das ist viel zu lange!« brüllte der Präsident. »Wir brauchen JETZT Raumschiffe und nicht erst in Wochen oder Monaten! Meine Herren, lassen Sie sich etwas einfallen!«
»Wie wäre es, wenn wir Grant von hier aus abwehren würden?« warf jemand ein.
»Dummkopf!« erteilte ihm der Präsident eine Abfuhr. »Erstens bleibt uns wohl nichts anderes übrig, und zweitens haben wir dem Raumschiff nichts entgegenzusetzen.
Schließlich ist es bewaffnet, und wir besitzen nicht einmal eine größere Energiekanone, weil wir mit einem Angriff aus dem All niemals rechneten. Wieso auch? Wenn ihr nicht solche Fehler gemacht hättet, wäre es ja auch niemals zu dieser Gefahr gekommen.«
»Können wir Grant überhaupt orten, wenn er landet?« fragte ein weiterer.
Der Präsident machte eine wegwerfende Handbewegung. Er schlurfte müde zu seinem Sessel und ließ sich niedersinken.
»Orten? Womit wohl?« sagte er endlich. Sein Zorn schien etwas nachgelassen zu haben.
»Wir haben doch Radar. Außerdem besitzen wir genügend Waffen, da wir uns die Siedler vom Halse halten müssen, die immer wieder den Aufstand zu proben versuchen.«
»Hollister, unsere Radaranlage ist sehr begrenzt einsatzfähig, denn wir benutzen sie nur im Kampf gegen die Siedler, und dann haben die meisten Waffen sozusagen bereits Rost angesetzt. Schließlich ist der eigentliche Kampf auf diesem Planeten längst vorbei. Die paar Siedler, die überlebten und in den Bergen hausen, kann man sozusagen auch mit Pfeil und Bogen abwehren.
Nein, wir sind hier nur relativ wenige, weil die Besten und Fähigsten strategisch perfekt im Imperium verteilt sind, und unsere Waffen haben sich in den letzten Jahren stark reduziert. Die meisten befinden sich im Besitz unserer Agenten.«
»Na, da lassen wir die kommen!« schlug Hollister vor.
Das Gesicht seines Chefs wurde langsam wieder puterrot. »Ich frage mich, Hollister, was mich dazu bewogen hat, Ihnen eine Führungsaufgabe zu geben. Jedes Kind hier weiß, dass Ihr Vorschlag undurchführbar ist. Was denken Sie wohl, was passiert, wenn Hunderte von Männern auf Alpha zwei oder Delta vier den Gaarson-Gate-Transporter betreten und nie auf der anderen Seite ankommen? Wollen Sie uns die Polizei auf den Hals hetzen oder die Armee? Nein, Grant und Herold reichen mir vorerst.«
»Ich finde, Präsident«, unterbrach einer das Gespräch, »dass wir vorerst alle zu schwarz sehen. Was ist denn schon dabei, wenn Grant hier landet? Die wenigen Waffen, die wir haben, reichen todsicher für die Verteidigung aus.«
Der Präsident stöhnte ob soviel Unvernunft.
»Hören Sie«, sagte er und zwang sich eiserne Ruhe auf, »das Raumschiff Grants besitzt eine Energiekanone, die ein Raumschiff auf eine Entfernung von vierhunderttausend Kilometern trotz Energieschirm zum Wrack geschossen hat. Was denken Sie wohl, was passiert, wenn er damit unser Camp unter Beschuss nimmt?«
»Aber unser Schutzschirm...«
»Was heißt hier Schutzschirm? Natürlich ist der stärker als in einem Raumschiff. Wir haben schließlich mehr Energie zur Verfügung, weil unsere Gaarson-Meiler leistungsfähiger sind. Aber Grant braucht ja nur mit hoher Geschwindigkeit über uns hinwegzufliegen. Bis wir reagieren, hat er mindestens zwei Schüsse abgegeben, wenn er nicht sowieso schon von vornherein mit Dauerfeuer operiert. Was denken Sie wohl, was dann von unserem Camp übrigbleibt? Bei einem solchen Beschuss muss der Schutzschirm unweigerlich zusammenbrechen!«
Stille breitete sich aus. Niemand wagte noch, etwas zu sagen. Sie wussten, ihre Lage war fast aussichtslos.
»Meine Herren«, begann der Präsident wieder zu sprechen, »uns bleibt eine winzige Chance für den Sieg: Er wird uns nicht einfach auszulöschen versuchen. Er ist kein Massenmörder. Solche Typen wie dieser Grant denken komplizierter als unsereins. Außerdem ist er militärisch ausgebildet, sogar ein Flottenkapitän, wie wir herausgefunden haben. Er wird also strategisch vorgehen, und das heißt für uns: er wird irgendwo zu landen versuchen und sich dann in Bodennähe an uns heran wagen.
Wir müssen erhöht wachsam sein. Sobald nur der Zipfel eines Raumschiffes oder Bodenfahrzeuges auftaucht, schießen wir, was das Zeug hält. Wie ich schon sagte, muss sich Grant nahe heran wagen, wenn er uns erobern will. Unsere Strahlwaffen werden auf diese Entfernung sicher ausreichend sein. Auch zwei Schutzschirme würden ihm in unmittelbarer Nähe nichts nützen!«
Die Spannung, die unmerklich über dem Raum lastete, schwand langsam. Die Schattenregierung sah einen Hoffnungsschimmer. Wie ein Ertrinkender an einem Strohhalm, so klammerten sie sich an die Worte ihres Führers.
Aber einer war unter ihnen, der alle Zuversicht wieder mit einem Schlag zunichte machte:
»Was ist, wenn Grant gar nicht angreift? Er braucht doch nur ein paar Siedler aufzugreifen und zurückzufliegen. Die Polizei wird mit offenen Ohren vernehmen, was ihr Grant zu berichten hat.«
Es war wie ein Stichwort. Wildes Raunen kam auf. Jeder versuchte, irgendwelche Theorien und Vorschläge anzubringen.
Bis der Präsident lautstark »Ruhe!« brüllte.
Alle blickten zu ihm hin.
»Einmal abgesehen davon, dass Grant nicht einmal was von den Siedlern ahnt - wie denn auch? -, also wohl kaum auf eine solche Idee kommen kann: Wenn es wider Erwarten dennoch eintreffen sollte, was Freund Bings eben sagte, dann kann uns das nur recht sein.
Bevor dieser Grant irgend etwas geflüstert hat, wurde er bereits von unseren Leuten erledigt. Vergesst nicht, dass wir auf den meisten Planeten sitzen. Wir werden einen kleinen Krieg veranstalten, wenn es sein muss. Ob da die Polizei für Grant helfend eingreift, ist noch fraglich. Vergesst nicht, dass bereits eine ganze Menge der maßgeblichen Damen und Herren auf den Welten des Imperiums uns aus der Hand frisst!
Grant würde keinerlei Chancen haben, und ich glaube, dass er das genauso weiß wie ich. Wieso sonst ist er überhaupt auf dem Weg hierher und hat seine bisherigen Erkenntnisse nicht längst schon überall herumposaunt? Und genau das gleiche trifft auch auf den Besitzer des Raumschiffes zu: Sin Bennister. Wie wir erfuhren, verhält er sich ganz zurückhaltend und neutral. Er hat sich regelrecht in seinem Hauptdomizil verbarrikadiert. Keiner kommt an ihn heran - er aber auch nicht an unsere Leute!«
Das Raunen war längst verstummt. Die Regierungsmitglieder sahen sich an. Sie verstanden allmählich, dass es unter ihnen nur einen einzigen gab, der den Dingen gewachsen war: der Führer. Er war es, der das Imperium unterwanderte und eines Tages die Herrschaft übernahm, nicht sie. Seine Männer waren nur Hilfskräfte. Sicher, sie würden nach Beendigung der gewaltigen Aktion, die nun schon Jahrzehnte dauerte, einen fetten Brocken abbekommen, aber es fragte sich, ob sie es überhaupt verdienten. Der Präsident war der Kopf - und sie waren die Hände. Manchmal waren letztere ziemlich ungeschickt, wie es schien.
Das war ein großes Glück für das Imperium, sonst wäre es vielleicht schon längst überrollt worden.
Der Präsident - niemand kannte seinen wirklichen Namen - hatte sich seine Verbindungsleute auf den Planeten sorgfältig ausgewählt. Nur wenige wussten etwas von der Existenz des Dunkelplaneten - geschweige denn seine Position. Sie kannten nicht einmal ihre Auftraggeber.
Das war von Vorteil. Sobald einer nicht so recht spurte, wurde er einfach getötet - per Unfall. Möglichkeiten hierfür gab es genug in der technisch überzüchteten Welt. Niemand konnte das Motiv für einen Mord erkennen, und niemand ahnte etwas von den Mördern. Unfälle kamen alle Tage vor.
»Männer«, rief der Präsident, »ich werde jetzt die Wachen einteilen. Wir dürfen keine Sekunde unaufmerksam sein. Grant kann jeden Moment angreifen. Alles muss blitzschnell verlaufen. Eine weitere Panne können wir uns nicht mehr leisten! Jetzt geht es im wahrsten Sinne des Wortes ums Ganze, um Sein oder Nichtsein!
Ein Teil wird sich in der Radarzentrale befinden, um den direkten Luftraum über unserem Camp abzusuchen, und der Rest schwärmt im Gelände aus, schwer bewaffnet, versteht sich!«
Dann begann er mit der Verteilung der Aufgaben. Die Männer legten hektische Eile an den Tag. Es ging nicht nur um ihre Ziele, sondern bereits um ihr nacktes Leben, wie der Präsident ihnen eingeimpft hatte. Sie mussten gut vorbereitet sein, je besser, desto günstiger stand es um ihre Überlebenschancen.
2
Grant starrte gebannt auf den Bildschirm. Weit unter ihnen lag die Welt der Verbrecher.
»Unglaublich!« murmelte er. »Ich hätte nie gedacht, dass sich in einer Dunkelwolke eine Sonne befinden könnte, um die ein lebensfähiger Planet kreist.«
»Hat man denn in dieser Richtung noch nie geforscht?« erkundigte sich Ted.
»Meines Wissens nicht. Ich sehe ein, dass dies ein Fehler war. Was mich allerdings wundert, das ist die Tatsache, dass es hier außer diesen Verbrechern kein intelligentes Leben gibt.
Ich meine, einmal abgesehen von den Grauen Pruppern, die diese Welt schon als Stützpunkt oder so benutzt haben im oder auch schon vor dem Großen Krieg: Es ist hier anscheinend nie selbständig intelligentes Leben entstanden.«
Ted schürzte die Lippen. »Ich glaube, das hat einen plausiblen Grund. Wer weiß, wie lange sich die Sonne bereits hier befindet? Vielleicht trug der Planet dort unten tatsächlich schon einmal intelligentes Leben - schon vor den Grauen Pruppern? Aber das Eintauchen in die Dunkelwolke blieb das zunächst wohl nicht ohne Folgen für das Leben auf dem Planeten. Oder die Dunkelwolke hat den Drang zur Raumfahrt unterbunden. Das ist ein wichtiger Faktor in der Entwicklungsgeschichte einer Welt. Die ganze Technologie erhielt eine völlig einseitige Tendenz. Hinzu kamen wahrscheinlich auch noch Überbevölkerung und der daraus resultierende Krieg. Eines Tages haben sie sich wahrscheinlich selbst vernichtet.
Ich bezweifle sogar, dass die Wesen eine Flugtechnik kannten. Immerhin war alles schwarz um sie herum. Sie mussten eine Religion entwickelt haben, die alle Bemühungen, den Boden zu verlassen, unterband.«
»Ich wusste gar nicht, dass ich einen Anthropologen an Bord habe - oder zumindest einen geübten Philosophen«, lachte James Grant.
Ted fiel in das Lachen ein.
Und dann: Für eine Weile entstand Stille, während der sich Grant mit den Bedienungskontrollen beschäftigte. Er verzichtete wie angekündigt auf die Gedankensteuerung und lenkte auf konventionelle Weise - wenn auch gemeinsam mit dem Bordgehirn in Ermangelung einer weiteren Besatzung - das Raumschiff in eine weite Kreisbahn.
»Wir werden ein paar Stunden hier oben bleiben und den Planeten durch unsere Orter beobachten. Erst muss ich die Oberfläche des Planeten kennen, bevor ich zur Landung ansetze. Ich glaube auch nicht, dass man uns auf diese Entfernung von unten orten kann. Dazu sind die wahrscheinlich nicht ausgerüstet. Auf Besuch aus dem All ist man heutzutage nicht gefasst - vor allem die da unten nicht, die sich in absoluter Sicherheit wähnten - bislang. Ansonsten: Der Gaarson-Gate-Transporter ist eine Prupper-Erfindung, die ihre guten und ihre schlechten Seiten hat.
Raumfahrt und somit Raumüberwachung ist überhaupt nicht mehr gefragt, es sei denn im System von BASIS, wo ich herkomme...«
Ted schaute seinem Freund neugierig beim Arbeiten zu. James Grant zeigte Geschick. Nun, das war kein Wunder. Immerhin hatte er sich mehr im Weltraum als auf seinem Heimatplaneten BASIS befunden - wenn er nicht gerade als unehrenhaft Entlassener keinerlei Gelegenheit mehr dafür bekam. Doch Ted sah, das James förmlich in dieser Arbeit aufging. Wie schlimm mussten für ihn die Jahre der Abstinenz gewesen sein? Sicher schwerer als für jeden anderen. Und er hatte es dennoch gemeistert. Offenbar sogar, ohne größeren Schaden dabei zu nehmen. Ganz im Gegenteil, wie Ted zugeben musste, wenn er seinem Freund so zusah.
Eine langwierige und strapaziöse Beobachtung aus dem Raum begann. Grant ließ die Oberfläche des Planeten genau erfassen und vom Bordgehirn aufzeichnen. Ein perfektes Kartogramm der Dunkelwelt entstand.
»Das Leben dort unten ist etwas schwieriger als auf anderen Planeten«, sagte James Grant nach zwei Stunden reger Tätigkeit.
»Wieso?« fragte Ted zurück. Er hatte sich etwas zu Essen gemacht und kaute gelangweilt.
»Nun, der Planet befindet sich in einer Dunkelwolke. Da prasseln täglich Milliarden von Partikeln auf die Atmosphäre herab. Dort unten gibt es keine stockfinstere Nacht, obwohl man keinerlei Sternenhimmel kennt. Die Bombardierung hat auch eine kleine Veränderung der Atmosphäre in ihrer inneren Struktur zur Folge. Hätte man dort unten so eine rauchige Industrie, wie es vor Jahrhunderten auf der guten alten Erde der Fall war, wäre die Luft nicht mehr atembar. Ein großer Teil des atembaren Sauerstoffs wird durch das Auftreffen des kosmischen Staubes vernichtet - zumindest durch chemische Umwandlung.«
»Interessant«, kommentierte Ted. Nun, er hatte von diesen Dingen keine große Ahnung. Für ihn war es ein einmaliges Erlebnis, mit einem Raumfahrer zusammen über eine Welt zu diskutieren, die sich weit unter ihrem Raumschiff befand und die dem Imperium gar nicht bekannt war.
Die Unterhaltung schlief wieder ein, da Grant immer noch viel zu tun hatte.
Die Minuten tickten träge dahin. Ted langweilte sich, war aber auch zu nervös, um an Schlaf zu denken.
Endlich war Grant fertig. Er winkte Ted herbei und erklärte ihm, was sie als nächstes tun mussten.
»Ich habe Glück gehabt. Hier«, er zeigte auf eine druckfrische Karte, die das Bio-Gehirn ausgespuckt hatte, »hier befindet sich ohne Zweifel das Camp der Verbrecher. Es ist ziemlich groß, und die Umgebung wurde von Menschenhand verändert.«
»Kann man das denn alles auf diese Entfernung erkennen?« zweifelte Ted.
»Nein, natürlich kann man nicht jeden Baum, jeden Strauch oder auch nur ein Haus erkennen. Aber die Verbrecher haben einen Schutzschirm errichtet. Dieser bricht etwas das Licht. Ich persönlich hätte es wahrscheinlich nie entdeckt, aber wozu habe ich ein Bio-Gehirn an Bord - das gute Gewissen des Schiffes?« Er lauschte kurz, aber das Bio-Gehirn war anscheinend nicht aufgelegt, darauf zu antworten.
So fuhr er fort: »Dass die Umgebung von Menschenhand verändert wurde, das leitet er...«, James Grant deutete vage in Richtung Kontrollen und meinte offensichtlich das Bio-Gehirn wieder, »...einmal von der Tatsache ab, dass sich hier ein idealer Standort für das Camp befindet. Außerdem gibt es tatsächlich Veränderungen, die ziemlich umfassender Art sind und die ganz und gar nicht in das übliche Landschaftsschema des Planeten passen.
Ich glaube, behaupten zu können, dass sich dort unten Siedler befinden oder befanden.«
»Das ist ja enorm!« Ted erschien fassungslos. Ohne die Routine dieses Raumfahrers hätten sie gegen die Organisation nicht die geringste Chance gehabt.
»Aber wie kommst du auf Siedler?«
»Frag nicht mich, Ted, frag den Bio. Er hat auch festgestellt, dass die Siedler als solche nicht mehr tätig sind.«
Auf der Stirn Teds erschien eine steile Falte. Er überlegte blitzschnell.
»Dann ist dies hier ein vergessener Siedlungsplanet, der von den Gangstern in Besitz genommen wurde«, sagte er schließlich. Seine Stimme klang überzeugt.
James zuckte mit den Achseln.
»Wahrscheinlich hast du recht. Wir werden es bald erfahren - falls wir das Abenteuer überstehen.«
Ted warf ihm einen seltsamen Blick zu. Aber er ging nicht auf die letzten Worte seines Freundes ein.
»Wann geht es los?« fragte er stattdessen.
»Jetzt sofort!« war die Antwort. James setzte sich zurecht und steuerte das Schiff auf die Oberfläche des Planeten zu.
»In der Nähe des Camps, vielleicht hundert Kilometer entfernt, erhebt sich ein Gebirgsmassiv. Dort werden wir niedergehen. Wir sind da geschützt und befinden uns zudem auch nicht mehr sehr weit von den Gangstern entfernt. Zur Not können wir zu Fuß dorthin laufen.«
»Du hast Humor«, kommentierte Ted. Er sah sich schon halbverdurstet durch eine endlose Wüste torkeln, von skurrilen Lebewesen gejagt, die nach seinem Leben trachteten. Er schüttelte sich.
James Grant beging nicht den Fehler, das Schiff senkrecht auf den Planeten herunterfallen zu lassen. Er machte einen Umweg und näherte sich dem Gebirgsmassiv im flachen Tiefflug von der anderen Seite. So war es unmöglich, dass sie vom Camp aus entdeckt wurden - und das Bio-Gehirn hatte keinerlei Einwände. Es blieb nach wie vor stumm. Hatte es nicht schon erwähnt, dass es lieber schweigsam war?
»Schade, dass es hier keinen Mond gibt«, meckerte James.
»Was wollen wir denn mit einem Mond?« fragte Ted zurück.
»Wir hätten dort das große Raumschiff verschwinden lassen können und hätten uns mit dem Gleiter genähert - denn ein solcher befindet sich an Bord! Sin Bennister ist gut gerüstet, um fremde Welten zu erforschen....«
»Besitzt der denn auch einen Schutzschirm?
»Selbstverständlich. Er ist ausgerüstet wie ein Raumschiff. Dazu gehört auch ein Schutzschirm, den man gegen Meteoriten, wilde Tiere und böse Menschen benutzen kann.« James grinste.
»Einfach toll!« meinte Ted. Er grinste ebenfalls.
Eigentlich bewiesen die beiden gute Nerven. Nun, Ted verdankte seine Ruhe zum Teil auch den vielen neuen Dingen, die auf ihn zukamen. Von Raumfahrt verstand er so gut wie nichts.
Grant suchte sich für das Schiff einen guten Platz aus und ging dann noch tiefer.
Eine überhängende Felswand in einem zerklüfteten Tal bot genug Schutz. Grant landete dort.
Nachdem das Schiff zur Ruhe gekommen war, schaltete James die meisten Aggregate des Raumschiffes auf Nullstellung. Das einschläfernde Summen des mächtigen Schwerkraftmotors erstarb. Im Schiff wurde es fast völlig still. Grant ließ nur ein kleines Notaggregat in Betrieb.
»'Was tun?' sprach Zeus. Gehen wir gleich auf Jagd, oder legen wir eine Pause ein?« fragte Ted.
»Nein, ich möchte erst ausprobieren, wie wachsam die Kerle drüben im Camp sind.«
»Und wie?«
»Ganz einfach, Partner. Wir steigen in den Gleiter um, überfliegen die Berge und... Nun, das weitere wird sich finden.«
Ted wunderte sich nicht mehr über den sonnigen Humor seines Freundes. Er folgte ihm zum Hangar und bestieg den Gleiter.
»Den Schutzanzug können wir hier lassen«, sagte Sin. »Luft und Temperatur draußen sind durchaus erträglich, wenn auch ungewohnt. Aber auch du wechselst wahrscheinlich oft von einem Planeten zum anderen und dürftest dich an die Nuancen gewöhnt haben.«
Ted nickte nur. Die Kabinentür schloss sich luftdicht. James betätigte einen Schalter, und vor ihnen wich das Hangartor zurück. Leise summend zog der Schwerkraftmotor den Gleiter hinaus.
An der Stelle, an der sie niedergegangen waren, herrschte kein Leben, zumindest war keins sichtbar für die beiden: Eine wilde Mondlandschaft breitete sich vor ihnen aus.
Der Gleiter schwebte über mächtige Felsbrocken und tiefe Spalten und entfernte sich so immer mehr vom Schiff.
Grant verfolgte den Lauf des Tales, das sich hier durch das Gebirgsmassiv grub. Nicht einmal ein Grashälmchen oder etwas Ähnliches war zu erkennen. Der Boden war kahl, zerrissen und unfruchtbar.
James erhöhte die Geschwindigkeit. Geschickt und unter Zuhilfenahme der Automatik steuerte er durch das Zickzack des Tales.
Endlich gewann der Gleiter an Höhe. Die Felsbrocken und Zacken verschwanden und machten einer ebenen Fläche Platz. Ganz dicht flog der Gleiter über den Grat eines Berges hinweg.
Grant war mehr als ein geschickter Pilot. Sein Flug mutete fast halsbrecherisch an. Allerdings hielt er vorsorglich den Schutzschirm stabil. Man konnte nie wissen.
Die Natur begann zu erwachen und belebte den kargen Boden.
James ging tiefer. Der Jet duckte sich in den Schatten eines der Hügel und bewegte sich nur Zentimeter über die Wipfel mächtiger Bäume hinweg. Bald verließen sie das schützende Gelände und kamen hinaus auf freies Feld.
Hier wuchs die Gefahr, vom Camp aus entdeckt zu werden. Mit bloßem Auge konnte man das Camp nicht entdecken, aber die besaßen gewiss Ortungsgeräte. Für solche war es eine Kleinigkeit, ein fliegendes Objekt auf diese Entfernung auszumachen.
James hoffte insgeheim, dass die nicht sofort bemerkten, dass sie nicht mit dem Raumschiff, sondern mit einem Gleiter unterwegs waren.
Die Gegenseite blieb jedoch passiv. Nichts rührte sich. James Grant war klar, dass man Unaufmerksamkeit vortäuschen wollte, um ihn noch näher heranzulocken. Von hier aus konnte auch er keinen sicheren Schuss anbringen.
James stoppte den Gleiter in einer kritischen Entfernung. Unter sich, im Gras einer weiten Savanne, sah er eine Viehherde. Es waren Tiere, die sich wohl von irdischen ziemlich unterschieden, sie sahen jedoch nicht sehr gefährlich aus. Allerdings wollte es James nicht auf den Versuch ankommen lassen. Er senkte den Gleiter auf die Herde hinab. Der Schatten des Jets fiel auf einen Leitbullen. Er schnaubte wild und blickte empor. Sofort entdeckte er das fremde Etwas, das über ihm am Himmel hing. In wilder Panik stampfte er los. Die Herde wurde unruhig und folgte ihm schließlich. In einer wilden Stampede brach sie aus.
James dachte einen Moment lang an die Überlieferung aus der fernen Vergangenheit der Erde. Dann schob er den Gedanken wieder zur Seite. Hier ging es um den Fortbestand der neuen Welt. Die alte Welt war für sie, die Prupper-Menschen, so gut wie tot und fast vergessen.
Dicht über dem Boden schwebte der Gleiter weiter. Er war nur noch höchstens zwanzig Kilometer von dem Camp entfernt. Da das Gelände flach war, konnte man mit den Ortungsgeräten bereits Einzelheiten erkennen.
James stoppte den Flugkörper.
»Wir werden jetzt einen gezielten Schuss anbringen«, sagte er. »Mal sehen, ob die Burschen dann immer noch auf den Ohren liegen.«
Er setzte die kleine Bordkanone in Betrieb und richtete sie auf das Camp.
Ein armdicker, greller Strahl zuckte wie ein Blitz über die Savanne. Wäre es Nacht gewesen, hätte die Energie die Landschaft taghell erleuchtet.
Der Schuss saß. Ganz knapp über dem Boden traf er mit der Energie des Schutzschirmes zusammen. Dieser flammte hell auf. Es war trotz der Entfernung auch mit dem bloßen Auge sichtbar. Einen Moment lang schien der Schutzschirm an dieser Stelle aufzureißen, aber es schien nur so.
»Mal sehen, wie das Ding auf Dauerfeuer reagiert«, sagte James zähneknirschend.
Bevor er seine Worte wahrmachen konnte, zuckte die energetische Antwort über die Savanne. Aber der Energiestrahl verfehlte weit sein Ziel. Außerdem war er viel schwächer als der des Gleiters.
Gesagt, getan. Die Energiekanone des Gleiters spuckte Feuer wie ein Maschinengewehr. Der Schutzschirm begann bedrohlich zu flackern.
Auch Ted schoss jetzt. Sein Blaster war auf Dauerfeuer geschaltet. Das Magazin reichte für mehrere hundert Schuss.
Es gelang ihm tatsächlich, sich einzuschießen.
Fast wäre der Schutzschirm gerissen, da schlugen die Angegriffenen zurück. Das Licht, das ihre Strahlwaffen als Nebenerscheinung erzeugten, überstrahlte bei weitem die Sonne, die auf diesem Planeten hier sowieso wie permanent hinter einem Wolkenschleier versteckt erschien.
»Wir müssen weg von hier!« schrie Grant durch den Lärm der strapazierten Luftmassen. Längst schon hatte er die Lichtfilter eingeschaltet, sonst wären sie erblindet.