Cover

Wighard Strehlow

Die Ernährungstherapie der Hildegard von Bingen

Rezepte, Kuren, Diäten

Knaur e-books

Inhaltsübersicht

Über Wighard Strehlow

Wighard Strehlow ist die Kapazität auf dem Gebiet der Hildegard-Heilkunde. Er lebt und arbeitet als Heilpraktiker in Allensbach am Bodensee. Neben seiner Praxistätigkeit leitet er auch Seminare und hält Vorträge. Er hat bereits zahlreiche Bücher zur Hildegard-Medizin veröffentlicht.

Weitere Informationen unter: www.st-hildegard.com

Über dieses Buch

Hildegard von Bingen gibt in ihrer Naturheilkunde eine Fülle von Ernährungshinweisen. Auch 800 Jahre später sind ihre Erkenntnisse hochaktuell. Wighard Strehlow hat in seiner über 25-jährigen Praxistätigkeit ein Hildegard-Kurprogramm entwickelt, das bei der Behandlung und Vorbeugung ernährungsbedingter Zivilisationskrankheiten Tausenden von Patienten nachhaltig geholfen hat.

Der erste Teil des Buches befasst sich mit der jeweiligen Heilkraft der einzelnen Lebensmittel, im zweiten Teil wird eine Vielfalt von Rezepten aus der Hildegard-Küche vorgestellt, der dritte Teil beschreibt spezielle Kuren und Diäten für rund 20 Krankheitsbilder wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Rheuma oder Magen-Darm-Probleme.

Impressum

eBook-Ausgabe 2012

Knaur eBook

© 2009 Knaur Verlag

Ein Unternehmen der Droemerschen Verlagsanstalt

Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Fotos Bildteil: Ursula Mayer-Raichle

Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, München

Coverabbildung: C. H. Beck

ISBN 978-3-426-41522-1

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Vorwort

Revolution in der Küche – Die richtige Ernährung
und der vernünftige Lebensstil entscheiden
über unsere Gesundheit

Dieses Buch ist die umfassendste Zusammenfassung aller von Hildegard von Bingen beschriebenen Ernährungshinweise und ein Ratgeber für die großartigen Möglichkeiten, die Gesundheit mit einer einfachen und schmackhaften Küche zu erhalten oder wiederherzustellen. Damit beginnt in der Medizin eine neue Ära, die sich mit den Lebensmitteln als Heilmittel beschäftigt, die radikaler als je zuvor Krankheiten verhüten und Gesundheit wiederherstellen können.

Aus mehreren Gründen ist es kein Zufall, dass die Hildegard- Küche für alle Generationen einfach, gesund und phantastisch ist. Eine Gesundheitsküche muss nicht nur gut schmecken, sondern auch Leib und Seele erfrischen. In diesem Buch mit mehr als 300 Rezepten sowie 18 Kuren und Diäten finden Sie darüber hinaus auch die spirituelle Dimension unserer Lebensmittel mit ihren Heilkräften und Feinstofflichkeiten, die Hildegard Subtilitäten nennt. Hildegard be-schrieb als Prophetin aus visionärer Weitsicht als Erste und Einzige die Heilkräfte der Lebensmittel in den Kräutern und Gewürzen aus aller Welt. Mit diesem Wissen konnten wir in 18 Diäten beweisen, dass man mit Lebensmitteln heilen kann. Tausende von Gesunden und Kranken haben die Vorzüge der Hildegard-Küche in guten und schweren Zeiten am eigenen Leib im Hildegard-Kurhaus kennen- und lieben gelernt. Die Rezepte beschreiben Frühstück, Mittag- und Abendessen mit Dinkel für Nudeln, Pasta, Pizza, Brot, Kuchen, vegetarische Brotaufstriche, Suppen und Salate. Auch die heilenden Fleischgerichte der Hildegard-Küche können Ihren Gesundheits-zustand und Ihr Leben nachhaltig und grundlegend verändern.

Neueste Forschungsergebnisse, insbesondere die bisher umfassendste Studie über die Verhütung von Krebs und Ernährung »Food, Nutrition and the Prevention of Cancer, a Global Perspective« international bekannter Wissenschaftler aus acht Ländern und vier Kontinenten bestätigen, was Hildegard von Bingen bereits vor 850 Jahren beschrieb.

 

Food, Nutrition and Prevention of Cancer, a Global Perspective

Dabei zeigt sich, dass eine gesunde Ernährung in der Lage ist, die Gesundheit zu erhalten und den Krankenstand um vierzig Prozent, bei Darmkrebs sogar bis zu fünfundfünfzig Prozent zu senken und Krebs und andere Zivilisationskrankheiten zu verhüten. Weitere vierzig Prozent aller Heilungskräfte unserer Gesundheit hängen von einem sinnvollen Lebensstil ab. Der Rest mit jeweils rund zehn Prozent betrifft Genetik und Umwelteinflüsse. Das bedeutet: Achtzig Prozent aller Gesundheitsfaktoren liegen in unserer eigenen Hand bzw. in der Wahl unserer Lebensmittel und unserer Lebensführung! Ob wir krank werden oder nicht, Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Rheuma bekommen, an Grippe, Borreliose oder anderen Autoaggressionen erkranken, entscheiden nur zu einem Bruchteil die Gene, Viren, Bakterien oder Pilze. Unser Immunsystem spielt hier eine enorm große Rolle, und das Immunsystem können wir mit unserer Ernährung und unserem Lebensstil maßgeblich beeinflussen.

Aber was ist eine gesunde Ernährung?

Wer den raschen Wechsel der verschiedenen Diäten in den letzten Jahrzehnten verfolgt hat, weiß, dass bald jeden Tag eine neue Methode angepriesen wird, die das Gegenteil von dem propagiert, was bis gestern noch gültig war. Und so werden einander widersprüchliche und zum Teil sogar gefährliche »Gesundheitsdiäten« angepriesen, die eine Lawine von ernährungsbedingten Krankheiten ausgelöst haben.

Was wissen nun die Experten über die richtige Diät?

Auch nicht viel mehr! Vollkorn, Ballaststoffe, nicht zu viel Fett und Zucker, Margarine statt Butter, nicht rauchen, Alkohol in geringen Mengen und weniger Salz. Reicht das wirklich für eine schmackhafte Gesundheitsküche?

Die Hildegard-Ernährung basiert auf dem Wissen über die Heilkräfte in unseren Lebensmitteln, vor allem in Dinkel, Obst und Gemüse, heilendem Fisch und Fleisch als Beilage sowie Kräutern und Gewürzen als Verdauungshormone. Neunzig Prozent unserer Heilerfolge gehen auf die Heilkräfte im Dinkel zurück, mit seinem Reichtum an Mineralien gegen die Übersäuerung und damit gegen die Entzündungsneigung des Körpers. Ebenso hat der Dinkel einen hohen Gehalt an komplexen Kohlehydraten. Diese komplexen Kohlehydrate im Dinkel, Obst und Gemüse sorgen nicht nur als Faser- und Ballaststoffe für eine gute Verdauung, sie liefern die beste Energie für unser Nervensystem und sorgen für das Gedeihen einer natürlichen Darmflora als Voraussetzung eines optimalen Stoffwechsels. Komplexe Kohlehydrate sind die Basis für ein harmonisches Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist. Wenn wir sie essen, fühlen wir uns ausgeglichen, friedlicher, glücklicher und leistungsfähiger. Wer sich in seiner Lebensmittelauswahl von Hildegard von Bingen führen und inspirieren lässt, ist im wahrsten Sinne des Wortes »königlich« beraten.

Dr. Wighard Strehlow

Allensbach am Bodensee

Im Herbst 2008

Einführung

Die beste Heilstätte der Welt,
nebst Licht, Luft, Wasser und Erde,
ist eine mit Verständnis, Sorgfalt und Liebe
geführte Küche.

 

Jahrtausendelang wurden Erfolg und Schicksal ganzer Völker von ihren Ernährungsgewohnheiten beeinflusst. Alle großen Kulturvölker der Erde entwickelten sich auf der Basis des Getreideanbaus. Die Ernährung der frühen Griechen und Römer war sehr einfach, ja geradezu anspruchslos. Ihre Hauptnahrungsmittel waren Obst und Gemüse mit Getreidebrei aus vollem Korn. Getreidekörner und der daraus hergestellte Brei waren von jeher das Grundlebensmittel aller Kulturvölker der Erde. Brot kam später als Speise der Reichen ergänzend zu Brei oder Mus hinzu. »Die getreideessenden Völker«, schreibt Herodot, »sind in Künsten, Wissenschaften, Volkszahl, geistiger und körperlicher Bildung denen weit voraus, die von Krieg, Jagd, Viehzucht und Fischfang leben.« Es war also schon immer ein Unterschied, ob sich der Mensch hauptsächlich von pflanzlicher oder von tierischer Kost ernährte.

Durch zunehmenden Handel und gewonnene Kriege bildete sich eine neue Schicht wohlhabender Leute, die aus anderen Ländern Nahrungsmittel mitbrachten und neue Essgewohnheiten einführten, die die einfache Lebensführung ablösten. In dieser Zeit der sogenannten Zivilisation verloren die Städter sowohl das Gefühl der Verbundenheit mit den Bauern als auch das natürliche Maß einer einfachen Ernährung.

Das Gefühl für die goldene Mitte zwischen Zuviel und Zuwenig ging verloren. Mit zunehmendem Luxus änderten sich sowohl in Griechenland als auch in Rom die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, was auch in einer verhängnisvollen Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, im Hang zu Genusssucht und Schlemmerei, zum Ausdruck kam. Standen in den glänzenden griechischen und römischen Zeiten Geselligkeit und Kunst im Mittelpunkt, so waren es jetzt Speisen und Köche. »Der Neureiche«, schreibt Maurizio, »entschädigt daher den Mangel an gefestigter Einsicht durch Nahrungsfülle. Er will zunächst genug haben; er überfrisst sich. Der unsinnig maßlos besetzte Tisch ist seine erste Kulturerrungenschaft und damit sein geistiger Niedergang.«

Mit dem Verfall der Ernährungssitten änderten sich auch die Trinkgewohnheiten. Ursprünglich waren Wasser und Milch die Hauptgetränke. Weingenuss war Männern unter 35 und Frauen ganz verboten. Zudem wurde der Wein immer mit Wasser verdünnt, üblicherweise im Verhältnis drei Teile Wasser auf einen Teil Wein. Eine Mischung zu gleichen Teilen galt als das stärkste Maß, das nicht überschritten werden sollte. In den letzten Tagen Roms und Griechenlands wurde bei Trinkgelagen unverdünnter Wein mit Käse, Salzkräckern, Feigen, Oliven und anderen scharfgewürzten Speisen angeboten, die den Durst anregten und zu unmäßigem Betrinken reizten.

Kein Wunder, dass Ärzte in dieser Zeit die Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit erkannten. Heilten sie früher nur mit Heilmitteln oder durch chirurgische Eingriffe, so versuchten sie jetzt auch durch eine Umstellung der Lebensweise Heilung herbeizuführen. Die Frage nach der Gesunderhaltung durch die richtige Ernährung war für die Ärzte bis zum Ausgang der Antike genauso wichtig wie die Heilung des Kranken. Die philosophischen Schulen des Diogenes, Pythagoras und Aristoteles empfehlen eine einfache gesunde Kost auf der Basis von Brei und Brot aus Getreide, Obst und Gemüse mit gesundheitsfördernden Kräften. Neben dem Fasten als Therapie bei Verwundeten und Kranken gab es Fastenvorschriften für religiöse Übungen, ekstatisches Fasten, um Träume und Visionen herbeizuführen. Bei akuten Krankheiten verordnete Hippokrates eine sehr magere Diät. Entzündliche Krankheiten wurden durch eine strenge Diät ›ausgehungert‹. Zeitweise Diät und einfache Ernährung wurden zum Therapieprinzip, denn »die Krankheiten überfallen den Menschen nicht wie aus heiterem Himmel, sondern sind die Folgen fortgesetzter Sünden wider die Natur«.

Bis zum Untergang der Antike haben sich die Völker jahrhundertelang mit einer einfachen, gesunden und kraftvollen Ernährung zufriedengegeben, die auf uralten Erfahrungen beruhte. Dies war die Grundlage ihrer Gesundheit, Leistungsfähigkeit und ihres Wohlergehens. Die Abkehr von der ursprünglichen Getreideernährung musste daher zu ernährungsbedingten Krankheiten führen. Bei einigen Völkern gab es beispielsweise bis in unser Jahrhundert hinein keine Zivilisationskrankheiten. Erst durch den Verzehr von Weizenauszugsmehl und Fabrikzucker breitete sich etwa die Zahnfäule auch in den entlegensten Alpentälern aus, obwohl die Menschen dort bis dahin kariesfrei geblieben waren.

Heute herrschen wieder ähnliche Verhältnisse wie im alten Rom. Vor allem amerikanische Ärzte warnen vor der Zivilisationskost. Zwei von drei Amerikanern sterben an den Folgen falscher Ernährung. Die großen Ernährungsgesellschaften sind sich weltweit einig, dass die wertlose Zivilisationskost mit zu viel tierischem Eiweiß, Fett, Zucker und Salz durch eine einfache vollwertige Kost aus Getreide, Obst und Gemüse ersetzt werden sollte.

So gesehen ist die 800 Jahre alte Ernährungstherapie der heiligen Hildegard wieder hochaktuell geworden. Die Edelkastanie und der Dinkel, den man zum Kochen und Backen verwenden kann und der das kräftige Habermus (warmer Dinkelbrei) und das wohlschmeckende Dinkelbrot liefert, stehen im Mittelpunkt der Hildegard-Küche. Dinkel und Edelkastanie können aufgrund des natürlichen Schutzes, den ihre harte Schale bietet, ohne umweltbelastende Chemie angebaut werden.

Im Vergleich zu anderen Vollwert- und Naturheildiäten wissen wir bei der Ernährungstherapie Hildegards um die Heilkraft von Obst und Gemüse, die richtige Anwendung von Heilkräutern und den heilenden Einfluss von Fleisch, Leber und Fisch. Das Ergebnis der Hildegard-Küche ist so einfach wie genial: Mit ein und derselben Dinkelernährung lassen sich die meisten ernährungsbedingten Krankheiten verhüten und heilen, soweit das noch möglich ist.

Die Dinkelkost zeichnet sich durch ihren außerordentlichen Wohlgeschmack aus und wird nicht nur von den Patienten, sondern auch von deren Familienangehörigen gern als lebenslange Lieblingskost beibehalten.

Die diesem Buch zugrundeliegenden Ratschläge für ein glückliches, kraftvolles und gesundes Leben basieren auf Hildegards neun lateinischen Büchern über die Heilkräfte der Lebensmittel in der Natur, bekannt als Physica, und ihrem medizinischen Lehrbuch Causae et Curae über die Ursachen der Krankheiten und ihre Behandlung. Diese Ernährungslehre wurde von dem Konstanzer Arzt Dr. Gottfried Hertzka kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zum ersten Mal entdeckt und systematisch in der ärztlichen Praxis angewendet. Seitdem hat sich diese Ernährungslehre im täglichen Leben tausendfach bewährt, selbst in aussichtslosen Situationen.

Lebensmittel sind die ›Mittel zum Leben‹ und ein Schlüssel zur Erhaltung und Wiederherstellung unserer Gesundheit. Zusammen mit einem harmonischen Lebensstil ist das Wissen von den heilenden Kräften in den Lebensmitteln die Grundlage für ein außergewöhnlich glückliches, sinnvolles, vitales und gesundes Leben. Das Maß an spiritueller Gesundheit in einer Gesellschaft ist darüber hinaus von entscheidender Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg, das Wachstum und den Wohlstand ihrer Menschen.

Unser bestehendes Krankensystem, das sich von den Krankheiten der Menschen und ihren zerstörerischen Fehlern finanziert, steht heute kurz vor dem Kollaps. Es ist darauf angewiesen, dass es eine ausreichende Zahl von Kranken und Krankheiten gibt. Diese Form von Krankensystem ist schon allein aus Gründen ihrer Unfinanzierbarkeit und menschenfeindlichen Ethik am Ende.

Der Wirtschaftswissenschaftler Leo Nefiodow von der Deutschen Fraunhofer Gesellschaft hat das Volumen für den Gesamtschaden aus den psychosozialen Fehlern der heutigen globalen Gesellschaft mit weltweit 10000 Mrd. € pro Jahr angegeben, eine Summe, die die Steuerzahler aufbringen, damit sich einige wenige davon schamlos bereichern. In mehreren Berechnungen hat Leo Nefiodow gezeigt, dass in der Überwindung der zerstörenden Kräfte die größten Produktivitätsreserven schlummern und dass die spirituelle Gesundheit die stärkste Dynamik für die Entfaltung von Wohlstand und Beschäftigung der kommenden 50 bis 60 Jahre darstellt. Dieser Wirtschaftsaufschwung wird der 6. Kondratieff-Zyklus genannt, nach dem russischen Mathematiker Nicolaij Kondratieff.

Nach dessen Untersuchungen bestehen zwischen der Volksgesundheit und dem Wachstum und Wohlstand der Menschen enge positive Zusammenhänge. Gesundheit an Körper und Geist gehört somit zu den Überlebensstrategien der zukünftigen Welt. Wo es keine Gesundheit gibt, gibt es auch keine Zukunftschancen.

Umso dringlicher stellt sich daher die Frage, wie Gesundheit unter den heutigen globalen Bedingungen erhalten und geschützt werden kann. Mehrere bedeutende Wissenschaftler aus allen fünf Kontinenten haben sich in den letzten Jahren mit diesen Fragen beschäftigt und festgestellt, dass eine gesunde Ernährung und ein vernünftiger Lebensstil zu 80 % an der Erhaltung der Gesundheit beteiligt sind, der Rest ist Genetik und Umwelt.

Hildegard-Heilkunde

Was wir dringend brauchen, sind neue Konzepte und Strategien, die die beiden Indikatoren spiritueller Gesundheit – Ernährung und Lebensstil – ganzheitlich zusammenfassen, wie z.B. das Gesundheitsprogramm Hildegard von Bingens. Hildegard verband in ihrem Gesundheitsprogramm Medizin, Theologie und Kosmologie. Sie kannte die Fundamente des Universums und die spirituellen Heilkräfte, mit denen sich das Leben kraftvoll entfaltet. Die erste deutsche Prophetin war eine gesuchte Beraterin für Kaiser, Könige, Päpste und das einfache Volk. Ihre Visionen sind heute wieder aktuell und ein Leitstern in der Hilflosigkeit unserer Zeit. In keinem anderen Gesundheitsprogramm finden sich so detaillierte Hinweise und Indikationen über die heilenden Kräfte in den Lebensmitteln und in der Natur. In dieser Hinsicht ist die Hildegard-Heilkunde originell und einzigartig, vergleichbar mit den großen Heilungssystemen der Ajurveda-Medizin oder der Chinesischen Traditionellen Medizin. Wer die Ratschläge der Hildegard-Heilkunde berücksichtigt, kann leicht auf das Diäten-Wirrwarr, Vitamin- und Kalorientabellen und dergleichen verzichten, weil die Natur alles bereithält, was der Mensch zum Leben braucht. Hildegard war von allen Modeerscheinungen frei, weil sie ihr Wissen aus visionärer und damit dauerhaft gültiger Quelle erhielt. Auch künftige Generationen werden von diesem zeitlos gültigen Wissen profitieren und von vielen Irrungen und Wirrungen verschont bleiben.

Heute bestätigen neueste Forschungsergebnisse, was Hildegard vor 850 Jahren beschrieben hat: dass bereits eine ausgewogene Ernährung auf der Basis von Dinkel, Obst und Gemüse in der Lage ist, Krebs um 40–55 % zu verhüten. Ähnliche Ergebnisse treffen auch für Tausende andere Krankheiten zu. Jeder Einzelne ist in der Lage, durch eine gesunde Ernährung und Lebensweise seine Gesundheit zu schützen. Mehr noch: Gesundheit kann nicht von den heutigen Experten oder vom Staat garantiert werden. Wer gesund bleiben will, muss die Entscheidungen für sein eigenes Leben in die eigenen Hände nehmen. Die gute Botschaft heißt: Die Krebsrate ließe sich durch eine gesunde Ernährung um die Hälfte reduzieren. Allein in Deutschland könnte man jährlich 200000 Menschen vor dem Krebstod retten. Es gibt kein einziges Medikament, das eine derartige Wirkung entfaltet!

Aus diesem Grund darf man die Auswahl der Lebensmittel nicht dem Zufall und schon gar nicht der Gewohnheit überlassen. Aber wo ist der Maßstab für die richtige Auswahl von Lebensmitteln? Eine Vollwertküche allein ist noch keine Garantie für eine gesunde Ernährung, besonders wenn Rohkost, Müsli oder sogenannte ›Küchengifte‹ (Erdbeeren, Pfirsiche, Pflaumen oder Lauch) empfohlen werden – Lebensmittel, die bei Hildegard als krankheitsauslösend vermieden werden sollen.

Die Hildegard-Küche bietet eine abwechslungsreiche, vielseitige Kost mit Dinkel, Obst und Gemüse im Mittelpunkt und Fleisch, Milch und Milchprodukten als Beilagen. Bei der Auswahl der Lebensmittel entscheiden nicht nur die analytischen Daten von Vitaminen und Spurenelementen und schon gar nicht die Kalorien, sondern vielmehr der Heilwert (die Subtilität), den die einzelnen Lebensmittel für den Menschen haben. Hinter den Aussagen Hildegards über die heilende Wirkung der Lebensmittel verbergen sich pharmakologische Wirkungsprinzipien, die wir erst heute im Lichte der modernen Forschung verstehen können.

Aufgrund 25-jähriger Erfahrung mit dem Hildegard-Fasten und der Hildegard-Küche im Kurhaus in Allensbach am Bodensee und unter Einbeziehung der Heilungserfolge in der Hildegard-Praxis entstand ein Hildegard-Kurprogramm, das Tausenden von Patienten bei der Behandlung und Verhütung ernährungsbedingter Zivilisationskrankheiten erfolgreich geholfen hat. Dieses Buch stellt die Ernährungstherapie Hildegards mit folgenden Schwerpunkten vor:

  1. Die heilenden Kräfte in den Lebensmitteln

  2. Die besten Rezepte aus der Hildegard-Küche

  3. Kuren und Diäten für spezielle Krankheitsbilder

Der praktische Teil enthält über 300 Rezepte, die von unseren Gästen als besonders schmackhaft und heilsam ausgewählt wurden, und Kuren und Diäten, die sich erfolgreich bei der Heilung von vielfältigen Krankheitsbildern bewährt haben, wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Leiden, Diabetes, Hautkrankheiten, Allergien, Nervenleiden oder Präkanzerose (Vorstadium des Krebses) und Krebs. Außerdem gibt es Ernährungsrichtlinien für Säuglinge und Senioren und zur Leistungssteigerung bei Sport und Spiel. Sie werden die richtige Anwendunvon Kräutern und Gewürzen kennenlernen, die mindestens den gleichen Stellenwert einnehmen wie Vitamine, Eiweiße und Kohlehydrate. Und so werden Sie sich Schritt für Schritt eine neue, gesunde Zukunft eröffnen.

Die sechs goldenen Lebensregeln

Zu einer gesunden, vitalen Lebensführung gehören die sechs grundlegenden Lebensregeln, die dem Menschen nicht von Natur aus mitgegeben wurden. Diese Prinzipien sollte jeder aus der Selbstverantwortung für sein seelisches und körperliches Heil heraus täglich beachten und praktizieren. Ohne diese Regeln ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit unmöglich:

Hildegard sieht die Ursachen der Krankheiten in einem Mangel an guten Eigenschaften (Tugenden).

Das viele Essen und Trinken als Statussymbol unseres heutigen Lebens ist paradoxerweise zur größten Krankheitsursache geworden. Im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit verwendet die westliche Gesellschaft ihren materiellen Wohlstand, um sich krank zu essen, und muss den Rest ihres Vermögens für ein Krankensystem ausgeben, das die dadurch entstandenen Krankheiten mit Müh und Not wieder in den Griff zu bekommen versucht. Aus ›Unwissenheit‹ erklärt die Schulmedizin diese ernährungsbedingten Krankheiten für ›unheilbar und chronisch‹, um damit viel Geld zu verdienen. Diese ›Killerkrankheiten‹ sind die Kassenschlager unseres Krankensystems: Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Diabetes, Leberzirrhose und Allergien sowie viele Autoaggressionskrankheiten. Sie jagen jedem Angst und Schrecken ein, weil sie an erster Stelle der Todesursachen stehen.

Unsere Leistungsgesellschaft arbeitet sich buchstäblich tot, und das Leben eilt an uns vorbei. Infolgedessen sterben viele Leute, ohne eigentlich gelebt zu haben. Arbeit und Leistung stehen in einem Ungleichgewicht, und selbst die Freizeit artet zum Stress aus. Um am Leben teilzunehmen, braucht der Mensch eine spirituelle Intelligenz, die es ihm ermöglicht, über Sinn und Ziel des Lebens nachzudenken. Hildegard beschreibt 35 Lebenskräfte, Motivationen zum Lieben, die Kunst, sich zu freuen, und die Voraussetzungen, um glücklich zu sein. Die Kunst des Lebens besteht nun darin, diese Kräfte im Leben anzuwenden, zu verstärken und durch aktive Mitarbeit sichtbar zu machen. Eine ausgeglichene Energiebilanz entsteht, wenn das leistungsbetonte Leben mit dem kreativen Leben im Gleichgewicht ist. Schenken Sie Ihren persönlichen Interessen durch Meditieren, Wandern und Lesen genauso viel Zeit und Aufmerksamkeit wie Ihrer Arbeit.

Ein natürlicher Schlaf ist das beste Mittel für gute Nerven und die Voraussetzung für eine gute Gesundheit. In der Nacht wird die Gesundheit wiederhergestellt, und alle Zellen, einschließlich die des Immunsystems, können sich regenerieren.

Das natürliche Schlaf- und Traumtraining ist von allergrößter Bedeutung für die Gesundheit, wobei die Traumqualität für die Tiefe des Schlafes verantwortlich ist.

Wer gesund schlafen will, sollte sich auf den Schlaf durch einen »Count-down« vorbereiten und für gute Träume sorgen.

Bewährte Schlafvorbereitungen sind:

Ein Spaziergang ist ein gutes Herz-Kreislauf-Training. Jeden Tag mindestens eine Stunde in frischer Luft zu wandern bewirkt mehr als viele Medikamente:

Pilgerväter, Philosophen, Dichter und Komponisten waren begeisterte Spaziergänger und kamen dabei auf ihre besten Einfälle. Gehen, Laufen, Tanzen, Skifahren, Radfahren, Schwimmen und Gärtnern sind ideale Aktivitäten, um fit und gesund zu bleiben. Wenn wir die durch Essen und Trinken angesammelten Kalorien nicht durch Bewegung abbauen, werden wir durch Übergewicht krank und fühlen uns nicht mehr wohl. Hildegard berichtet, dass der fünfte Sinn, der Hautsinn, in den Füßen liegt. Wer seine Füße nicht gebraucht, wird krank und geistig träge.

Lesen Sie nun, wie die richtige Auswahl an Lebensmitteln und deren gezielter Einsatz Ihrem Körper zu optimaler Lebenskraft verhelfen kann.

Lebensmittel – Mittel zum Leben

Die Hildegard-Küche




Aufgrund einer abwechslungsreichen, ausgewogenen Kost aus allen Lebensmittelbereichen bietet die Hildegard-Küche die einfachste Möglichkeit, optimale Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Vitalität zu erreichen. Basis der Hildegard-Küche sind Dinkel, Obst und Gemüse sowie der maßvolle Umgang mit Fleisch, Wild und Fisch, Milch und Milchprodukten, Kräutern, Gewürzen und Getränken. Hildegard beschrieb die Lebensmittel nicht nach Kalorien und Vit-aminen, sondern nach ihren Heilwerten (Prinzip der Subtilität), so dass kein Unterschied zwischen einem Lebensmittel und einem Heilmittel besteht. Alle hundertprozentig gesunden Lebensmittel für Kranke und Gesunde sind gleichzeitig Heilmittel für den Körper, wobei der Körper immer als Ganzes gesehen wird. Wenn beispielsweise die Niere leidet, muss nicht nur die Niere kuriert werden, sondern der ganze Mensch.

Der erste wichtige Schritt zu einer richtigen Ernährung ist daher die Auswahl aus den folgenden Lebensmittelgruppen:

»Küchengifte«, Genussgifte
und Rohkost



In der Hildegard-Küche gibt es nur wenige Einschränkungen, wenn man sie ohne Fanatismus und im rechten Maße betreibt. Viele Früchte und Gemüsearten sind von Hildegard nicht beschrieben, vor allem jene, die erst durch die Entdeckung Amerikas nach Europa gekommen sind. Dazu gehören die Nachtschattengewächse: Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe besonders zu psychotropen Einwirkungen führen können. Man kann Tomaten und Kartoffeln hin und wieder auch in der Hildegard-Küche verwenden, aber eine Heilwirkung im Sinne Hildegards wird man mit diesen Gemüsearten nicht erreichen. Auf dem Küchenzettel von krebskranken, insbesondere von Leukämiepatienten, haben Nachtschattengewächse allerdings nichts zu suchen, da sie diese Krankheiten noch verstärken können. Gemüsearten wie Artischocken, Schwarzwurzeln oder Früchte wie Avocados, Kiwis und ähnliche Exoten, über die es selbstverständlich keinen Hildegard-Kommentar gibt, sollten in der Hildegard-Küche nur eine untergeordnete Rolle spielen und eher selten eingesetzt werden.

Hildegard beschreibt eine Fülle von ernährungsbedingten Krankheiten, die nicht notwendigerweise zum Tod führen müssen, wie Migräne, Asthma, Kopfschmerzen, Bronchitis, Nervenkrankheiten und Erschöpfungen. Wahrscheinlich gibt es überhaupt keine Krankheiten, die nicht durch falsche Ernährung ausgelöst werden. Es müssen hier allerdings auch einige ›heilige Kühe‹ nicht nur der gutbürgerlichen Küche, sondern auch der heutigen Naturheilkunde geschlachtet werden. Hildegard sieht in den sogenannten ›Küchengiften‹ Erdbeeren, Pfirsiche, Pflaumen und Porree bzw. Lauch krankheitsauslösende Ursachenstoffe.

Erdbeeren

»Erdbeeren führen zur Verschleimung und haben keine Heilkräfte in sich. Sie sind weder für Kranke noch für Gesunde gut, weil sie dicht über der Erde und sogar in (pilz-)fauler Luft wachsen.«

Unglaublich, was konnte Hildegard im 12. Jahrhundert über Pilzbefall und krebserregende Mykotoxine wissen, die durch Spritzinfektion die Erdbeeren verseuchen? Zu keiner Zeit gibt es so viele Allergien und Hautausschläge, Mittelohr- und Blinddarmentzündungen wie nach Erdbeergenuss im Mai und Juni. Darüber hinaus verschleimen Erdbeeren und belasten die Atemwege.

Pfirsiche

Pfirsiche lösen ebenso wie Erdbeeren Allergien und Hautausschläge aus. »Pfirsiche taugen weder für einen Gesunden noch einen Kranken zum Essen, weil sie die gute Säftemischung zerstören und den Magen verschleimen. Wer dennoch Pfirsiche essen will, entferne die Schale und den Kern und lege sie in Wein, etwas Pfeffer und Salz. So schaden sie nicht, haben aber auch ihren Geschmack verloren.«

Pflaumen