Für Johann Vogt
Peter Hofmann (*1959)
wohnhaft in Oberaudorf im bayerischen Inntal, beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Fotografie und Höhlenkunde.
Sein Hauptinteresse gilt anthropospeläologischen Themen, also dem Bezug von Mensch & Höhle im weitesten Sinne. Er ist Mitglied im Verein für Höhlenkunde München e. V. und betreibt selbst das „Netzwerk Mensch & Höhle“.
Als Autor veröffentlichte er zahlreiche Fachartikel in höhlenkundlichen Zeitschriften, wirkte als Schriftleiter und Autor an wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit und brachte im BOD-Verlag bislang drei eigene Gebietsführer (Inntal, Istrien, Malta) heraus. Er initiierte das Projekt „inntaler unterwelten“ und konzipierte die Inhalte.
Das Höhlenbuch
als Wegbegleiter
Books on Demand
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.ddb.de> abrufbar.
www.unterwelten.com
© Oktober 2010
Peter Hofmann, Oberaudorf
Email: peterhofmann@t-online.de
Herstellung und Verlag:
Books on Demand GmbH, Norderstedt
Layout und Titelgestaltung:
Hans W. Lehmann (Creative Director)
Markus Scholz (Art Director)
idee & concept, München, www.idee-concept.de
Umschlagbilder:
Links oben: Grafenloch, Oberaudorf
Rechts oben: Hundalm Eishöhle, Angerberg
Links unten: Wendelsteinhöhle, Brannenburg
Rechts unten: Tischoferhöhle, Kaisertal, Ebbs
Alle Fotos von Peter Hofmann, falls nicht anders vermerkt.
ISBN 978-3-8482-6527-5
- INHALT -
Ein Wort voraus…
INNTALER UNTERWELTEN
Die Geschichte einer Idee
Wendelsteinhöhle
Entdeckungsreise in die Dunkelheit
Grafenloch
Von Mönchen und Rittern
Tischoferhöhle
Der Urzeit auf der Spur
Hundalm Eishöhle
Wildnis aus Eis und Fels
LITERATURVERZEICHNIS
Die „inntaler unterwelten“ erschließen auch im übertragenen Sinne neue Wege. Dazu bedarf es mutiger Weggefährten, die von der Sache überzeugt sind und mitgehen – oder sogar vorangehen.
Die Verantwortlichen der Wendelsteinbahn GmbH, Florian Vogt und Claudia Steimle, erkannten die Chance sofort. Vor allem aber Betriebsleiter Johann Vogt machte den Umbau der Wendelsteinhöhle zu seinem persönlichen Projekt und meisterte alle Schwierigkeiten einer Baustelle im Hochgebirge mit unglaublichem Einsatz und dem Willen, etwas Außergewöhnliches zu schaffen.
Renate Tobitsch als Obfrau des Landesvereines für Höhlenkunde Tirol setztes sich dafür ein, die spektakuläre Hundalmhöhle als Teil der „unterwelten“ einzubinden.
Bürgermeister Ritzer, besonders aber Amtsleiter Anton Geisler der Gemeinde Ebbs, engagierten sich konsequent für die Erschließung der Tischoferhöhle und schufen so den landschaftlich vielleicht schönsten Weg der „unterwelten“.
Der Oberaudorfer Bürgermeister Hubert Wildgruber brachte sich persönlich ein, um das heimatkundliche Kleinod Grafenloch zu präsentieren.
Von den Vorarbeiten der Kollegen aus dem Verein für Höhlenkunde München e. V. (VHM) durfte ich profitieren – viele haben bereitwillig konkrete Beiträge geleistet, Adolf Triller durch die Reinzeichnung von Grafiken, Dr. Harald Reiner als Vorsitzender, Andreas Wolf als Katasterverantwortlicher und Geologe Dr. Stefan Glaser beratend. Klaus Vater erstellte akribisch den detaillierten, aktuellen Plan der Wendelsteinhöhle; das Schicksal wollte es, dass er kurz vor Drucklegung dieses Buches Ende September 2010 überraschend verstarb.
Andere Höhlenforscher und Fachleute gesellten sich dazu; Wolfgang Zillig und Dirk Peinelt erarbeiteten ein 3D-Modell und erforschten mit Jürgen Zottmann die letzten unbekannten Stellen der Wendelsteinhöhle, Archäologe Prof. Dr. Meier und Petra Tillessen steuerten ihr Fachwissen aus der Grabungskampagne Grafenloch bei, Dr. Alois Edelmann engagierte sich in der Untersuchung der Fauna der Wendelsteinhöhle. Prof. Dr. Christoph Spötl (Universität Innsbruck) stellte bereitwillig seine Arbeiten zur Hundalmhöhle zur Verfügung und brache den Text in die vorliegende Form.
Der Idee und der Inhalt ist das eine, die Darstellung und Wahrnehmung das andere. Das gesamte Kommunikationskonzept entwickelte Hans W. Lehmann, Creative Director der Münchner Werbeagentur idee & concept und selbst Höhlenforscher. Ihm und seinem Kollegen Markus Scholz als Art Director nebst Geschäftsführer Gerrit Abendschön verdanken wir sozusagen alles, was wir sehen – und als Partner und Freund der ersten Stunde darf man ihn wohl als guten Geist der inntaler unterwelten bezeichnen …
Viele Fototermine ertrugen die „Musterfamilie“ Julia, Michael und Marinus mit Ihren „Eltern“ Eva Haun, meiner Frau Gabriele und wieder Hans W. Lehmann, ohne (allzu sehr) zu klagen.
Viele weitere Beteiligte können nicht einzeln genannt werden – schön, dass so viele Menschen gemeinsam eine Idee verwirklicht haben!
In diesem Sinne wünsche ich den Benutzern unseres Führers viele überraschende Entdeckungen, über und unter der Erde …
Im September 2010
Peter Hofmann
… und eine Bitte:
Dieser Führer richtet sich an die Freunde der Natur, die „inntaler unterwelten“ erschließen ihnen neue Wege. Aber Sie werden dort nicht der Erste sein, im Gegenteil: Allzu oft werden Sie unliebsame Spuren Ihrer Vorgänger vorfinden. Fassen wir diese als Ermahnung auf und benehmen wir uns besser! Beherzigen wir deshalb die Grundregeln der Höhlenforscher:
Nimm nichts mit – außer Erinnerungen!
Schlag nichts tot – außer der Zeit!
Lass nichts zurück – außer Fußstapfen!
„Höhle“ weckt Emotionen, „Höhle“ bewegt, zu „Höhle“ hat jeder eine Erfahrung, eine Meinung, ein Gefühl: Bei dem einen überwiegt vielleicht der Gedanke an Enge, Eingeschlossenheit und Gefahr, die in der Tiefe lauern könnte. Bei einem anderen eher die Empfindung des Schutzes, der Zufluchtmöglichkeit, der Geborgenheit im Schoß der Mutter Erde.
Wenn man Menschen befragt, ist erstaunlich oft beides vorhanden; ein wenig Neugier und Scheu zugleich, ein wenig Angst vor Dunkelheit, die gleichzeitig den Forschergeist weckt.
Vielleicht ist das das tiefere Geheimnis der Unterwelt, der Grund dafür, dass sich sehr viele Menschen für Höhlenerlebnisse begeistern lassen und oft erstaunlich nachhaltig beeindruckt sind.
Das untere Inntal ist reich an Höhlen und unterirdischen Objekten, 64 sind es allein auf bayerischer Seite zwischen Brannenburg und Kiefersfelden, in der anschließenden, bekannten Gebirgsregion Kaisertal sind allein 33 Objekte bekannt, das ganze Land Tirol ist mit mehr als 200 „Löchern“ höhlenreich.
Und viele dieser Objekte haben einen Bezug zum Menschen und seiner Geschichte, dienten in früheren Zeiten als Zuflucht, Wohnung, Arbeitsstätte, oder werden heute noch besucht, sind ein Ort wissenschaftlicher Forschung.
Wenn zudem die emotionalen Wirkungen der Höhle auf den Menschen so stark sind, was liegt näher, einige interessante Objekte näher vorzustellen, dem Besucher zugänglich zu machen, zu einem „Höhlenweg“ zu verbinden?
Die „inntaler unterwelten“ ermöglichen es dem Besucher künftig, vier herausragende Sehenswürdigkeiten des bayerischen und des direkt angrenzenden österreichischen Teils des Inntales zu besuchen.
Völlig neu und einzigartig ist dabei der übergeordnete Ansatz des Themas, der Leitgedanke Mensch & Höhle, unter dem die einzelnen Teile präsentiert werden.
Die Wendelsteinhöhle im Gipfelbereich des Wendelsteines bildet den Auftakt (oder natürlich auch den Abschluss) der Entdeckungsreise in die Dunkelheit. Da sie als hochalpine Klufthöhle für den Besucher erklärungsbedürftig ist und alleine durchwandert werden kann, eignet sie sich hervorragend zur Vermittlung ungewöhnlicher Themen.
An vier Stationen mit interaktiven Monitoren werden nicht nur die Besonderheiten dieser Höhle erläutert. Vielmehr erlebt der Besucher die Unterwelt aus ganz verschiedenen Blickwinkeln, die teils ungewöhnlichen Themen „Biologie“, „Psychologie“, „Geologie“ und „Philosophie“ bieten überraschende Sichtweisen. Zweifellos verlässt der Besucher die Höhle mit dem Bewusstsein, dass in diesem Thema mehr „drinsteckt“ als er jemals gedacht hätte – und mit dem Wunsch, mehr zu erfahren.
Mit dem Grafenloch hat die Gemeinde Oberaudorf ein kulturgeschichtliches Kleinod zu bieten, zumal das Höhlenhaus Weber an der Wand sozusagen am Wege liegt – eine weitere historische Stätte von höchstem Range.
Der Besucher kann sich von Mönchen und Rittern inspirieren lassen. Letztere bevölkerten einst die Höhlenburg Grafenloch, nach jüngsten archäologischen Forschungen weit bedeutender (und älter) als gedacht und bislang angenommen – vieles bleibt freilich noch im Dunkel der Geschichte.
Die Historie des Weber an der Wand ist in jüngerer Zeit lückenlos belegt, aber auch nicht frei von Legenden, die sich um die Einsiedlermönche, die ersten nachweislichen Bewohner, ranken.
Ein Besuch des Heimatmuseums mit den archäologischen Funden kann die Familienwanderung abrunden – oder die Einkehr beim Weber an der Wand, praktischerweise auch heute wieder ein Gasthaus.
Eine Exkursion zur Tischoferhöhle führt nicht nur in eines der schönsten Alpentäler, sondern man befindet sich auch direkt der Urzeit auf der Spur. Einer der reichsten Fossilienfundplätze Tirols präsentiert sich als eindrucksvolle, gewaltige Halle, in der im Laufe der Zeit mehr als dreihundert Höhlenbären verendet sein müssen. Und fasziniert steht der Besucher an der Stelle, an der unsere bronzezeitlichen Vorfahren vor tausenden von Jahren Werkzeuge hergestellt haben.
Eine abschließende Tour (oder auch Auftakttour, siehe oben) führt zur Hundalm Eishöhle und vermittelt dem entdeckungshungrigen Bergfreund Einblicke in eine Wildnis aus Eis und Fels von archaischer Kraft.
Sicher: der Weg hierhin ist schon lang – aber eben lohnend, in kompetenter Begleitung erfahrener Höhlenforscher kann die Tour durch den Bauch der Erde schon als kleines Abenteuer bezeichnet werden. Und es wächst der Respekt vor den Leistungen und dem Idealismus der Entdecker und Ersterforscher dieser unterirdischen Wüste in ewiger Nacht.
inntaler unterweiten :: die Geschichte
Dezember 2005: | erste Konzepte zur Umgestaltung der Wendelsteinhöhle |
2006: | konkrete Planung der Neugestaltung der Wendelsteinhöhle |
2007: | Initiierung des Projektes „Inntaler Höhlenweg“ |
März 2008: | Antragstellung EU-gefördertes Interreg-Projekt |
November 2008: | Genehmigung des Förderantrages durch die EU-Kommission |
2009: | Intensive Arbeiten am Konzept |
19.1.2010 | endgültige Unterschrift Partnervertrag |
17.Juli 2010 | Eröffnung der „inntaler unterwelten“ |
Die „inntaler unterwelten“ erschließen die Welt der Höhlen auf einzigartige Weise; nicht nur oberflächlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes mit Tiefgang.
Sie berühren den Besucher und beleuchten einen bedeutenden Aspekt der menschlichen Geschichte: die Verbindung von Mensch und Höhle.
Sie dokumentieren und bewahren darüber hinaus ein wertvolles Stück Natur und Kultur von weit überregionaler Bedeutung – und was der Mensch nicht kennt, kann er nicht schützen.
Mögen sie viele Besucher begeistern und in ihren Bann ziehen!
VIER HÖHLEN :: VIER PARTNER
Wendelsteinhöhle | Wendelsteinbahn GmbH |
Grafenloch | Gemeinde Oberaudorf |
Hundalmhöhle | Landesverein für Höhlenkunde in Tirol, Wörgl |
Tischoferhöhle | Gemeinde Ebbs |
Idee und Inhalte: | Peter Hofmann, Oberaudorf,Verein für Höhlenkunde München e.V. |
Gestaltung: | idee & concept GmbH, München Hans W. Lehmann, Creative Director, Projektleitung Markus Scholz, Art Director Gerrit Abendschön, Geschäftsführer |
Projektbüro Licht | Rainer Fohlert, Ingeniersbüro Wutha-Farnroda Vors. des thüringischen Höhlenvereins |
Lichttechnik: | GermTec GmbH & Co. KG, Herborn |
Nähere Informationen und alle Links zu den genannten Partnern: www.unterwelten.com