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BoD - Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN 9783732209569
© 2011 Michael Weischede
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.
„Tante Petra, gestern hat Papa uns aus einem Buch über Raketen vorgelesen. Er hat gesagt, dass Du früher einmal in den USA auf einem echten Weltraumflughafen gewesen bist.“
„Ja, das stimmt, Niklas. Aber mehr hat er euch nicht erzählt?“
Mein Bruder Alexander und ich schüttelten den Kopf.
„Das gibt es doch gar nicht“, sagte Tante Petra verwundert. „Schließlich war das eines meiner abenteuerlichsten Erlebnisse im Leben. Kommt, machen wir es uns auf dem warmen Ofen gemütlich, und ich erzähle euch die Geschichte.“
Sofort liefen wir zum großen Russischen Ofen und kuschelten uns gemeinsam mit Tante Petra in die Decke ein.
„Ich bin damals auf großer Amerikareise gewesen“, fing sie an zu erzählen. „Einer der Höhepunkte sollte der Besuch eines Weltraumhafens werden, von wo aus die großen Raketen in den Weltraum geschossen wurden. Ich musste am Eingang sehr lange anstehen, denn noch viele andere Menschen aus der ganzen Welt wollten sich auch den Weltraumhafen ansehen. Aber nach einiger Zeit hatte ich das Tor endlich passiert. Ich schaute mir das Kontrollzentrum an, die erste Mondrakete, einen echten Astronautenanzug und schließlich sah ich etwas abseits von den anderen Raumschiffen eine große Rakete auf einer echten Abschussrampe stehen.
Ich ging sofort hinüber und freute mich, dass die Tür der Rakete offen stand und ich mir so auch das Innere ansehen konnte. Ich schlich mich schnell hinein und suchte zuerst die Pilotenkabine. Sobald ich sie gefunden hatte, setzte ich mich in den Pilotensessel und legte zum Spaß den Sicherheitsgurt um: Ich wollte mich einmal im Leben wie ein echter Astronaut fühlen. Nachdem ich mir in Ruhe das Cockpit angeschaut hatte, wollte ich den Sicherheitsgurt lösen, um zurück zur großen Hangarhalle zu gehen. Aber ich konnte den roten Knopf an der Seite vom Sitz nicht finden, den man üblicherweise drücken muss, um den Gurt zu lösen. Erst später habe ich herausgefunden, dass es in dieser speziellen Rakete dafür einen kleinen grünen Knopf vorne in der Sitzmitte gab. Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht. Ich suchte und suchte also den richtigen Knopf, bis ich auf der Instrumententafel einen großen roten Schalter sah. Das wird er sein, dachte ich, und drückte drauf.
Wrumms. Mit einem lauten Gerumpel knallten die Türen der Rakete zu, und alles begann zu vibrieren. Ich kann euch sagen, ohne Gurt wäre ich ganz bestimmt vor Schreck aus dem Sitz gefallen. Dann begann eine Stimme rückwärts zu zählen: 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, Null – das Vibrieren wurde zu einem unglaublichen Getöse und ich wurde mit aller Kraft in den Sitz gedrückt. Sekunden später war ich in der Luft. Ich dachte, das gibt es doch gar nicht, doch dann sagte eine Stimme aus dem Lautsprecher: ‚Bodenkontrolle an Marsrakete, Bodenkontrolle an Marsrakete, welcher Dummkopf sitzt denn da in der Rakete und hat den roten Startknopf gedrückt?’
Ich schloss die Augen und hoffte, dass alles nur ein Traum war. Aber als ich die Augen wieder öffnete, sah ich im Fenster wie die Raketenspitze die Wolkendecke durchbrach – also kein Traum. ‚Hallo, hier ist die Petra’, flüsterte ich ins Mikrofon. ‚Das mit dem Startknopf, das könnte ich gewesen sein. Ich dachte, das wäre der Knopf für den Sicherheitsgurt.’
‚Sie dachten, das wäre der Knopf für den Sicherheitsgurt’, wiederholte der Mann im Kontrollzentrum und erlitt einen mittelschweren Lachanfall. ‚Tja, da habe ich jetzt leider eine schlechte Nachricht für Sie. Die Flugautomatik wurde von Ihnen aktiviert, und Sie befinden sich nun auf dem Weg zum Mars. Der Hin- und Rückflug dauert jeweils zwei Monate und Sie haben eine Woche Aufenthalt. Melden Sie sich bitte, wenn Sie wieder auf dem Landeanflug sind. Bis dahin alles Gute’, verabschiedete sich der Mann.“
„Wow, Du bist wirklich mit der Rakete zum Mars geflogen?“, meldete sich Alexander. „Aber Du hattest doch gar kein Essen und Trinken mitgenommen!“
„Ja, weißt Du, Alexander, da habe ich ziemliches Glück gehabt. Die Rakete sollte sowieso bald abfliegen. Es war also reichlich von allem an Bord. Es gab eine große Vorratskammer, einen Fitnessraum, ein Wohnzimmer, ein Badezimmer, ein kleines Schlafzimmer und eine Küche. Allerdings konnte man gar nicht richtig kochen. Denn stellt euch vor, kaum hatte die Rakete das Schwerkraftfeld der Erde verlassen, flog plötzlich alles in der Luft herum. Alles war schwerelos!
Daran konnte ich mich nur sehr schwer gewöhnen. Beim Fernsehen gucken zum Beispiel habe ich kaum etwas von einer Sendung mitbekommen, weil der Fernseher und das Sofa, auf dem ich saß, die ganze Zeit aneinander vorbei durch die Luft flogen. Manchmal schwebte der Fernseher sogar hinter dem Sofa, und dann habe ich gar nichts mehr gesehen. Aber schließlich bin ich auf eine gute Idee gekommen. Ich habe die Werkzeugkiste herausgeholt und den Fernseher und alle Möbel am Boden festgeschraubt. Danach ging alles gleich viel besser. Überhaupt war es ein ganz angenehmer Aufenthalt an Bord. Ich habe mich ordentlich ausgeruht, viel gelesen und das Essen aus der Vorratskammer war wirklich ausgezeichnet.“
„Und dann bist Du auf dem Mars gelandet?“, fragte ich mit einer gehörigen Portion Misstrauen in der Stimme.
„Ja, genau nach zwei Monaten schaltete sich die Anflugautomatik ein und die Rakete setzte sanft auf dem Mars auf. Nach der Landung gab eine Computerstimme über die Lautsprecher bekannt: ‚Die Luft auf dem Mars wurde untersucht. Menschen können auf dem Planeten problemlos atmen.’ Das war eine sehr gute Nachricht, denn ansonsten hätte ich mich nicht auf dem Mars umsehen können. Sofort stieg ich aus und schaute mir in Ruhe die Gegend an. Eigentlich sah es genau so aus wie in einem Wald auf der Erde. Nur waren die Bäume viel größer und es gab weder Tiere noch Insekten auf dem Planeten. Nach einiger Zeit des Umherstreifens wurde ich müde und setzte mich auf einen abgebrochenen Baumstamm, um mich auszuruhen.
‚Na, sitzt Du bequem?’, fragte mich daraufhin der Baumstamm. Ich sprang auf und starrte den Baumstamm völlig entgeistert an. Und tatsächlich, wenn man genau hinsah, konnte man vorne am Stamm ein richtiges Gesicht mit Augen, Mund und Nase erkennen. ‚Du bist ein Lebewesen und kannst sprechen’, stellte ich verwundert fest.
‚Mann’, sagte der Stamm, ‚da haben sie uns mal wieder einen besonders schlauen Außermarsischen geschickt. Verfügt eure Art wenigstens über ein Gehirn oder über etwas Vergleichbares?’
Das fand ich dann doch etwas beleidigend und antwortete: ‚Na hör mal, man trifft schließlich nicht jeden Tag einen sprechenden Baumstamm.’
‚Also genau genommen, trifft man hier auf dem Mars eine ganze Menge sprechende Baumstämme’, klärte mich der Marsbewohner auf. ‚Tatsächlich sind wir hier sogar die einzigen, die mit dir sprechen. Es gibt auf dem Mars nämlich keine anderen Lebewesen. Aber nichts für ungut, Du konntest das ja nicht wissen. Mein Name ist übrigens Christian.’
‚Christian, so wie Christian?’, fragte ich etwas irritiert.
‚Ist etwas mit dem Namen Christian nicht in Ordnung?’, wollte der Stamm wissen.
‚Nein’, sagte ich. ‚Ich habe nur etwas Ungewöhnlicheres erwartet. Zum Beispiel Krazwarzkuz oder so.’
‚Also bei uns ist Christian schon ein sehr ungewöhnlicher Name. Aber wir wollen nicht streiten. Sieh mal, da kommen meine Freunde Frank und Ulrich, die wirst Du sicher mögen.’