Ich liebe das Internet. Ich bin froh, dass es existiert. Ich glaube sogar, dass es das Potenzial hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ich achte und bewundere die Arbeit der weltweit Hunderttausenden, die Wikipedia innerhalb weniger Jahre zu einer derart wertvollen, für viele Menschen bereits unverzichtbaren Ressource gemacht haben, trotz aller Fehler und Probleme. Ich achte auch die Arbeit der vielen, die sich neue Maps für »Counter-Strike« ausdenken, die Mashups bei YouTube einstellen, in Expertenforen Ratschläge erteilen oder in ihrer Freizeit mithelfen, Linux oder Firefox besser zu machen. Ich bin noch immer begeistert von der Tatsache, dass ich mir nahezu jede beliebige Information heute innerhalb von Sekunden beschaffen kann. Ich liebe das Internet dafür, dass es meiner Tochter ermöglicht, sich öfter mal von Angesicht zu Angesicht mit ihren Großeltern zu unterhalten, obwohl die Hunderte von Kilometern weit weg wohnen. Ich liebe es dafür, dass es mir geholfen hat, nach 20 Jahren den Kontakt zu meinem US-Austauschschüler aus der neunten Klasse wiederherzustellen. Ich liebe es dafür, dass es die Welt kleiner gemacht hat.
Leider sind an den vielen Segnungen, die die Digitalisierung uns gebracht hat, Deutsche nur in Ausnahmefällen beteiligt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wenn Indifferenz, Ignoranz und Ablehnung gegen dieses Medium hierzulande nicht bald verschwinden, werden wir vollends den Anschluss an das digitale Zeitalter verlieren. Dann wird das einstige Hightech-und Ingenieursland Deutschland zwar vermutlich auch künftig hervorragende Autos und Industrieanlagen herstellen, aber weiterhin keinerlei gestaltenden Einfluss auf die Informationsrevolution ausüben, die derzeit die Welt verändert. Im Moment sieht es nicht gut aus: Es gibt bei uns keinen einzigen namhaften Hersteller von Elektronik für Endverbraucher mehr, es werden keine Handys und keine Computer mehr unter deutscher Ägide produziert, und auch in Sachen Software haben wir mit Ausnahme von SAP weitgehend den Anschluss verloren. Deutsche Internetangebote von globaler Bedeutung existieren, von Xing einmal abgesehen, nicht. Die laut dem Internet-Statistikunternehmen Alexa wichtigste deutsche Webseite, was Zugriffszahlen und Reichweiten angeht, ist das deutschsprachige Nachrichtenangebot SPIEGEL ONLINE. Die Dienste und Angebote, die das Netz derzeit prägen und den Löwenanteil der Zeit binden, die Menschen damit verbringen, stammen fast ausnahmslos aus den USA. Das ist nicht allein einem Versagen deutscher Politik geschuldet: Die Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, reichen von der universitären Ausbildung über Finanzierungsmöglichkeiten und Förderung bis hin zur deutschen Krankheit der Behäbigkeit und Risikoscheue. Doch es wird uns nicht vor den Auswirkungen des digitalen Wandels bewahren, wenn wir eine virtuelle Mauer um Deutschland ziehen und nur noch hereinlassen, was der aktuellen Regierungskoalition genehm ist. Wenn die deutsche Gesellschaft nicht aufhört, digitale Technologie entweder als Bedrohung oder als nützliches Überwachungsinstrument im Dienste der Abwehr realer oder imaginärer Gefahren zu betrachten, werden wir sehr bald erstaunt in einer Welt aufwachen, die uns nicht mehr braucht.
Kein Zweifel: Das Internet enthält viele Dinge, die nicht liebenswert, sondern verabscheuungswürdig sind. Kinderpornografie; Bombenbauanleitungen; Versammlungsorte für Menschen mit Essstörungen, Selbstmordabsichten, abseitigen sexuellen Fantasien, terroristischem Hintergrund; grauenvolle Bilder verstümmelter, sexuell erniedrigter oder getöteter Menschen; triviale, langweilige, dämliche, rassistische, antisemitische, sexistische, menschenverachtende Texte im Überfluss. So viel kommunikative Freiheit, wie das Netz sie derzeit bietet, ist immer auch gefährlich.
Ein Konsens über akzeptable Inhalte, über das richtige Ausmaß an Freiheit für das Internet ist nicht in Sicht – und er wird sich auch niemals herstellen lassen. Das Moral- und Geschmacksempfinden von Sittenwächtern aus Dubai, Deutschland, China, Schweden und den USA unter einen Hut zu bringen ist ein utopisches Unterfangen. Wenn man sich auf eine internationale Zensurinfrastruktur einigen sollte, um das Netz sauber zu halten, an wessen Empfinden sollte sich das Sauberkeitsregime orientieren? An den USA, was Gewaltdarstellungen angeht, und an Schweden, was den Sex betrifft? Oder umgekehrt?
Es ist aber auch klar, dass sich für viele Straftatbestände ein internationaler Konsens herstellen ließe: Auf eine klare, unzweideutige Haltung zu Themen wie Betrug, Mord, Diebstahl, Hehlerei oder Menschenhandel könnten sich die meisten Regierungen auf diesem Planeten einigen – wenn man es denn einmal versuchte. Auslieferungsabkommen, Interpol und internationale Kooperation bei der Verbrechensbekämpfung gibt es auch jetzt schon, warum sollte das für Verbrechen, die mit dem Internet im Zusammenhang stehen, nicht ebenfalls funktionieren?
In einer globalisierten Welt sind viele Dinge schwieriger als früher, und das Internet als das erste tatsächlich globale Medium macht dieses Problem besonders deutlich sichtbar. Was nicht heißt, dass es nicht zu lösen wäre. Es gibt auch Beispiele, dass das funktioniert: Auf Videoplattformen wie YouTube beispielsweise findet man praktisch keine Pornografie: Die Geschäftsbedingungen der Betreiber untersagen das Hochladen solchen Materials, und wenn es entdeckt wird, von den Betreibern oder von Nutzern, kann das mit einem Mausklick gemeldet werden, was in der Regel eine zügige Löschung zur Folge hat. Konsequente Plattformbetreiber können in Zusammenarbeit mit einer kooperativen Nutzergemeinschaft einfach und augenscheinlich effektiv Standards durchsetzen.
Auch was den Umgang mit professionellen Verbreitern abscheulichen Materials angeht, ist mehr möglich, als die Politik uns in den vergangenen Jahren glauben machen wollte. Das zeigte zum Beispiel eine Studie der Universität Cambridge: Die Forscher fanden heraus, dass gemeldete Phishing-Seiten, die Bankdaten ausspähen sollten, im Schnitt nach wenigen Stunden aus dem Netz verschwanden – während Seiten mit Kinderpornografie oft noch einen Monat nach der Meldung im Netz standen. Die Effektivität solcher Säuberungsmaßnahmen hänge nicht zuletzt »von den Anreizen für Organisationen ab, dafür angemessene Ressourcen zur Verfügung zu stellen«, schlussfolgerten die Autoren aus ihren Ergebnissen. Die Zusammenarbeit von Providern und Polizeibehörden international zu verbessern ist keine leichte Aufgabe, aber sie ist zweifellos lösbar. Dieser Weg ist deutlich effektiver als jedes Gesetz, das nur Web-Adressen auf Stoppschilder umleitet – und er erfordert keinen Eingriff in die segensreich ignorante Struktur des Internets selbst, keine Filter-Server und keine geheimen Sperrlisten.
Für den Jugendschutz im Internet gilt Ähnliches: Den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor grausigen, scheußlichen oder pornografischen Inhalten zur obersten Priorität bei der Regulierung des Netzes zu machen, wäre ein großer Fehler. Nicht umsonst sind hierzulande (und in den meisten anderen westlichen Demokratien) Erwachsenen Dinge gestattet, die Kindern und Jugendlichen verboten sind. Erwachsene haben die Freiheit, sich zu betrinken, sich Pornografie oder brutale Filme anzusehen oder ihren Körper mit Nikotin zu vergiften. All das betrachten wir als Ausdruck persönlicher Freiheit in einer freien Gesellschaft.
Umgekehrt halten wir Gesellschaften, in denen beispielsweise Pornografie (China, Indien und andere) oder öffentlicher Alkoholkonsum verboten ist (USA), für weniger frei, womöglich sogar für ein bisschen rückständig. Solche Freiheiten nun im Internet leichtfertig zur Disposition zu stellen, weil es schwieriger erscheint, die Online-Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen zu überwachen, als das, was sie offline tun, wäre fatal.
Jugendschutzregelungen lassen sich in Grenzen immer umgehen, und das geschieht auch fortwährend. Als ich in den achtziger Jahren zur Schule ging, kursierte auf den Pausenhöfen ein Video namens »Gesichter des Todes«, das (angeblich) reale Tötungssituationen in Serie zeigte, Hinrichtungen, grauenvolle Unfälle, Gewaltausbrüche, die von Überwachungskameras festgehalten worden waren. Die Eingeweihten, die es schon gesehen hatten, raunten den anderen schreckliche Dinge zu über das, was sie da gesehen hatten: einen Mann auf dem elektrischen Stuhl, einen Einbrecher, der von Hunden zerrissen wird. Gerade weil das Video verboten war, sahen es sich viele meiner Klassenkameraden an (ich habe mich erfolgreich davor gedrückt) als eine Art Mutprobe und allen Jugendschutzbemühungen zum Trotz. Ganz ohne Internet. Heute sind sie Apotheker, Ärzte, Lehrer, Anwälte oder Versicherungsvertreter.
Jugendschutz ist ein Prozess, der permanent neu ausgehandelt werden muss, dessen Rahmenbedingungen ständig neu definiert werden müssen, damit das Recht des Einzelnen dabei nicht auf der Strecke bleibt. Das Moralempfinden einer bestimmten Generation zum Gradmesser für das zu machen, was im Netz erlaubt sein sollte, ist nicht nur technisch nicht umsetzbar – es wäre auch ein äußerst kurzsichtiger Umgang mit unserem höchsten Gut: unserer Freiheit. Was nicht heißt, dass Internetprovider oder andere Dienstleister weiter daran arbeiten müssen, Filtermechanismen zu entwickeln, die Eltern auf ihren privaten Rechnern einsetzen können, um den Zugang zu bestimmten Inhalten für ihren Nachwuchs zumindest zu erschweren. Letztlich liegt es bei denen, die Kinder und Jugendliche erziehen, deren Medienkonsum mit wachem Auge zu begleiten – egal, ob es sich um Bücher, Filme oder eben Internetinhalte handelt.
Wenn man jedoch denen lauscht, die nach mehr Regulierung im Netz rufen, bekommt man einen ziemlich unmissverständlichen Eindruck: Am liebsten wäre ihnen ein Internet mit Jugendfreigabe »ab 12«. Onlinespiele, Pornografie, Ekelbilder, provokante Texte – das alles soll bitte schön am besten gar nicht mehr verfügbar sein. Dann ist das Netz sicher, denn schließlich sind es ja die Kinder, die sich ständig darin aufhalten. Das entspricht vermutlich sogar der Lebenswirklichkeit vieler Menschen jenseits der 50, die online nur hin und wieder mal eine E-Mail abschicken oder einen Schaukelstuhl bei Ebay verkaufen. Das schlimme Internet, über das man so viel liest, vermuten sie eher auf den Monitoren ihrer Kinder oder Enkel. Diese Haltung aber, das Abtun dieser gewaltigen Veränderungsmacht als Spielzeug, als Tummelplatz nur für Kinder und Jugendliche, ist der Kern des Problems, das wir in diesem Land mit digitaler Technologie haben.
Neben der vermeintlichen Unkontrollierbarkeit seiner Inhalte wird dem Internet hierzulande häufig vorgeworfen, es mache Menschen zu Exhibitionisten und zerstöre damit die Privatsphäre. Wer etwas »veröffentlicht«, weil er es auf eine Web-Seite gestellt hat, ist, wenn man dieser Logik folgt, selbst Schuld. Seine Privatsphäre hat er damit ja freiwillig aufgegeben. Jeder darf es sich ansehen, jeder darf daraus zitieren, Inhalte übernehmen und sie bei Bedarf gegen den Autor wenden. Manche Boulevardmedien gehen sogar so weit, Fotos aus Social-Network-Profilen zu kopieren und für ihre Zwecke zu verwenden, wenn sich das gerade anbietet. So wurde zum Beispiel das Bild einer jungen Pilotin, die bei einer Landung einen Beinaheunfall verursachte, in der »Bild«-Zeitung abgedruckt – gefunden hatten es die Redakteure bei StudiVZ. Wer sich im Netz mit anderen austauscht, und sei es in einem geschlossenen Angebot wie StudiVZ, der nimmt damit dieser Logik zufolge solchen offenkundigen Missbrauch in Kauf.
Für Gespräche in der Kneipe gilt diese Betrachtungsweise bislang nicht: Obwohl sie an einem öffentlichen Ort stattfinden, würde man auf wenig Gegenliebe stoßen, wenn man sie aufzeichnen und ihren Inhalt anschließend zum Nachteil der Gäste verwenden würde. Wer sich im Park neben einen Fremden setzte und ihm über die Schulter sähe, während der seiner Freundin Privatfotos zeigt, müsste völlig zu Recht mit sozialen Sanktionen rechnen, obwohl der Akt des Zeigens doch in der Öffentlichkeit geschieht. Menschen, die am Strand oder im Schwimmbad Badekleidung tragen, betrachtet niemand als Exhibitionisten. Argwohn würde dagegen jemand erregen, der am Strand oder im Schwimmbad ein Teleobjektiv in Stellung bringt, um die Badenden zu fotografieren. Es schickt sich einfach nicht, Menschen bei augenscheinlich privaten Aktivitäten intensiv zu beobachten, selbst wenn sie in der Öffentlichkeit stattfinden. Auch für das Internet sollte klar sein: Hier findet an von den Benutzern als geschützte Räume wahrgenommenen öffentlichen oder halb öffentlichen Orten private Kommunikation statt. Nicht alles, was online ist, ist auch »öffentlich« im Sinne von »veröffentlicht«. Manche Anbieter haben diese schlichte Wahrheit technisch umgesetzt – etwa über abstufbare Systeme, mit denen sich Profilseiten je nach Betrachter öffentlicher oder eben diskreter gestalten lassen.
Es ist ein Umdenken sowohl bei den Nutzern als auch den Kritikern digitaler Kommunikation nötig: Einerseits gehört es zu einem kompetenten Umgang mit dem Netz, sich genau zu überlegen, welche Information über sich man an welcher Stelle und in welcher Form preisgibt. Andererseits muss nicht alles, was belauscht werden kann, belauscht werden, nicht alles, was zu sehen ist, muss man sich ansehen. Das ist eine Frage der Etikette. Das gilt auch für den mittlerweile fast sprichwörtlichen Personalchef, der Bewerber erst mal googelt: Verbieten kann man das kaum, aber man kann zumindest die Praxis gesellschaftlich ächten, Job-Anwärter mit Partyfotos zu konfrontieren, die aus irgendeinem Social Network stammen. Wir tolerieren es ja auch nicht, dass Personalchefs Detektive anheuern, um Bewerbern in die Disco zu folgen.
Das Internet verursacht einen globalen Wandel, der vermutlich mindestens so tief greifend sein wird wie die Folgen der Einführung des Buchdrucks oder der Industrialisierung. Wir stehen nach wie vor am Anfang dieser rasanten Entwicklung, deren langfristige Auswirkungen heute niemand ernsthaft vorhersagen kann. Für die Gesellschaft, für die Politik und für viele Wirtschaftszweige hat dieser Wandel bereits jetzt massive, deutlich spürbare Folgen. Gerade die Branchen, die bislang am Verkaufen geistigen Eigentums Geld verdient haben, sehen sich ganz neuen Problemen gegenüber.
Diesem fundamentalen Wandel jedoch mit einer prinzipiellen Abwehrhaltung zu begegnen, mit Rückzugsgefechten und ständigen Verweisen auf die gute alte Zeit, mit mehr oder minder unverholenen Angriffen auf jene, die damit selbstverständlich umgehen, bringt rein gar nichts. Das Internet ist da, es ist global, es ist ein Hort für Information, und zwar auch für solche, die einen vielleicht abstößt. Es gilt, Wege zu finden, mit diesem Wandel in konstruktiver Weise umzugehen. An diesem Punkt ist man in Deutschland noch nicht angekommen. Bislang wird gern lamentiert, mehr oder minder sinnvoll reglementiert und die Infrastruktur vom Gesetzgeber vor allem als Überwachungsinstrument in Stellung gebracht (Vorratsdatenspeicherung, Bundestrojaner).
Wer das Internet für überwiegend schädlich hält, muss ein Menschenfeind sein, denn es ist vor allem eins: der größte Informationsvermittler und -speicher, den die Menschheit jemals zur Verfügung hatte. Vor nicht allzu langer Zeit herrschte in Europa noch Konsens darüber, dass mehr Information, mehr Kommunikation in der Regel besser ist als weniger Information und Kommunikation. Dass die Möglichkeit, Bildung und Wissen zu erwerben, begrüßenswert ist, dass die Welt dadurch zu einem besseren, freieren, womöglich glücklicheren Ort wird. Diesen Konsens sollten wir nicht aus den Augen verlieren, wenn wir uns auf neue Regeln für die neue Zeit einigen.
Für meine dreijährige Tochter war der Computer schon immer da. Er ist eines von vielen seltsamen und faszinierenden Objekten in ihrer Welt, so wie Fernbedienungen, Telefone, Staubsauger oder Bagger. Anfangs musste man den Laptop vor ihr beschützen, weil sie so begeistert auf der Tastatur herumhackte und -kratzte, dass sie in einem unbeobachteten Moment schon mal eine Taste aus ihrer Verankerung riss. Ich war davon ausgegangen, dass sie den Computer irgendwann würde hassen lernen, weil Mama oder Papa öfter davor sitzen und irgendetwas tun, was ihre Aufmerksamkeit voll und ganz in Anspruch nimmt. Inzwischen weiß sie, dass man sich damit auch Fotos ansehen kann – am liebsten sind ihr solche, auf denen sie selbst zu sehen ist. Sie weiß auch, dass aus dem flachen Ding auf Wunsch Musik kommt. In erster Linie aber ist der Computer für meine Tochter der Ort, an dem ihre Großeltern auf magische Weise beschworen werden können, ein unzweifelhaft und primär sozialer Gegenstand. Wenn ich mich vor den Rechner setze und sie in der Nähe ist, kommt sie strahlend angelaufen, legt den Kopf schief und fragt: »Oma und Opa anrufen?«
Ich wage nicht vorherzusagen, wie das Internet und die Geräte, mit denen wir darauf zugreifen, aussehen werden, wenn sie alt genug ist, sich damit selbst auseinanderzusetzen. Ich gebe offen zu, dass ich mich nicht darauf freue, mit ihr eines Tages über Nutzungszeiten zu verhandeln und womöglich Internetverbote als Sanktion anzudrohen, Hausarrest und Fernsehverbot in einem sozusagen. Ich mache mir aber keinerlei Sorgen darüber, dass elektronische Medien meine Tochter dumm oder kritiklos machen könnten, dass sie jemals verrohen, abstumpfen oder an den Unmengen verfügbarer Information verzweifeln könnte. Schließlich werde ich dabei sein, wenn sie den Umgang mit dieser seltsamen, wilden, unterhaltsamen, gefährlichen und geheimnisvollen Welt da draußen lernt.
Wenn der Wandel mich eines Tages abgehängt hat, wird sie mir am Telefon (oder auf welchem Kommunikationsweg auch immer) erklären, wie ich irgendein neues Gerät oder einen neuen Dienst bedienen muss. Und ich werde mich bemühen, ihre Ungeduld gegenüber dem begriffsstutzigen Alten genauso stoisch zu ertragen, wie das meine Eltern mit der meinen tun.
Sämtliche hier verzeichneten Internetlinks waren im Juni 2011 aktiv. Die aus im Original englischsprachigen Quellen zitierten Texte wurden in aller Regel vom Autor übersetzt.
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