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Inhaltsverzeichnis

 

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1.Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

1.2 Fragestellung

1.3 Hypothese

1.4 Aufbau der Arbeit

1.5 Methodisches Vorgehen

1.6 Forschungsgegenstand und Relevanz des Themas

2 Das Phänomen der nuklearen Weiterverbreitung in den Theorien der Internationalen Beziehungen im Rahmen des Neorealismus und Neo-Institutionalismus

2.1 Neorealismus als Ausgangpunkt

2.2 Der neoliberale Institutionalismus

3 Die historische Entwicklung des internationalen Nichtverbreitungsregimes

3.1 Der Beginn der nuklearen Epoche (1938 – 1945)

3.2 Die ersten Verhandlungsversuche (1946 – 1968)

3.3 Der Nichtverbreitungsvertrag als Herzstück des internationalen Nichtverbreitungsregimes (1968 – 1987)

3.4 Neue Herausforderungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion

4 Die Struktur des internationalen Nichtverbreitungsregimes: nukleare Nichtverbreitung vs. Abrüstungsverpflichtung

4.1 Institutionelle Grundlagen

4.1.1 Zentrale Verhandlungsgremien

4.1.2 Zentrale Verträge und Institutionen

4.1.2.1 Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT)

4.1.2.2 Der Vertrag über das Umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT)

4.1.2.3 Der Vertrag über ein Produktionsverbot von Spaltmaterial für Waffenzwecke (FMCT)

4.1.2.4 Die kernwaffenfreien Zonen (KWFZ)

4.1.2.5 Die Internationale Atomenergie Organisation (IAEO)

4.2 Die Struktur des nuklearen Nichtverbreitungsregimes nach Harald Müller

4.2.1 Prinzipien

4.2.2 Normen

4.2.3 Regeln

4.2.4 Verfahren

5 Nukleare Abrüstung: Mögliche Auswege aus dem nuklearen Dilemma

5.1 Die Initiativen aus der Zivilgesellschaft zur Stärkung des NV-Regimes

5.2 Zum aktuellen Stand der atomaren Bestände weltweit

5.3 Zum aktuellen Stand der Militärausgaben weltweit

5.4 Zum Zusammenhang zwischen der nuklearen Abrüstung und Nichtverbreitung

6 Die Grundsätze der russischen Sicherheits- und Nuklearpolitik: Die Entwicklung von der Wahrnehmung von Prioritäten und Hauptbesorgnissen

6.1 Die Entwicklung der Grundlagen der neuen staatlichen Politik nach dem Zusammenbruch der UdSSR

6.2 Die Grundsätze der russischen Sicherheits- und Nuklearpolitik von 2000 bis 2008

6.2.1 Das Konzept der Nationalen Sicherheit von 2000

6.2.2 Die Militärdoktrin 2000

6.2.3 Die Konzeption der Außenpolitik von 2000

6.3 Die veränderte Wahrnehmung der Sicherheitsrisiken ab dem Jahr 2008

6.3.1 Die Konzeption der Außenpolitik von 2008 und die nationale Sicherheitsstrategie bis zum Jahr 2020 von 2009

6.3.2 Die neuen Militärdoktrinen von 2010 und 2014

7 Von START zum Finish? Ein Ausblick auf die Zukunft der Multilateralisierung des Abrüstungsprozesses

8 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Fachliteratur

Internetquellen

Offizielle Doktrinen und Konzeptionen der Russischen Föderation

Multilaterale Verträge und Abkommen

Anhang

Begriffliche Erläuterung

 

Abkürzungsverzeichnis

 

 

 

Abbildungsverzeichnis

 

Abbildung 1: Wichtige Ereignisse für den nuklearen Nichtverbreitungsvertrag aus 1968

Abbildung 2: Zentrale Foren des nuklearen Nichtverbreitungsregimes

Abbildung 3: Drei Säule des Vertrags über die Nichtverbreitung der Kernwaffen aus 1968

Abbildung 4: Nukleare Sprengköpfe weltweit

Abbildung 5: Die Reduzierung der nuklearen Sprengköpfe innerhalb der russisch-amerikanischen Verträge

Abbildung 6: Zehn Staaten mit den höchsten Militärausgaben 2014

Abbildung 7: Differenzierung der Waffentypen

 

Tabellenverzeichnis

 

Tabelle 1: Transliterationstabelle

Tabelle 2: Die Zonenverträge nach Gemeinschaftsräumen

Tabelle 3: Die Zonenverträge nach geographischen Regionen

 

1.Einleitung

 

1.1 Hinführung zum Thema

 

Grundsätzlich sind Kernwaffen[1] kein „neues Weltproblem“. Sie werden seit ihrer Erfindung als Waffenkategorie mit besonderen Gefahren betrachtet (vgl. Maier 2011: 1). Bereits wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem bisher einzigen Einsatz von Atomwaffen gab es Aufrufe und Initiativen, diese Waffenkategorie abzuschaffen. Scheiterte 1955 der damalige US-Präsident Eisenhower mit seinem Vorschlag an die Sowjetunion, die Kernwaffen beider Staaten zu beseitigen, so führte die Kuba-Krise und der Aufstieg Chinas in den Club der Nuklearmächte in den frühen 1960-er Jahren zu einem mehr pragmatischen Ansatz. Der wichtigste Schritt gelang schließlich mit dem Nichtverbreitungsvertrag (NPT) von 1968, in dem sich die damaligen fünf Atomwaffenstaaten[2]: die Sowjetunion, die USA, Großbritannien, Frankreich und die Volksrepublik China vertraglich dazu verpflichteten, keine Atomwaffen bzw. Material zu deren Bau weiterzugeben (vgl. ebd.). Die Nichtatomwaffenstaaten ihrerseits bestätigten, nach Nuklearwaffen nicht zu streben. Darüber hinaus verpflichteten sich alle Vertragsstaaten in Artikel VI des NPT-Vertrags, Schritte zur Abrüstung[3] einzuleiten:

 

„ […] Each of the Parties to the Treaty undertakes to pursue negotiations in good faith on effective measures relating to cessation of the nuclear arms race at an early date and to nuclear disarmament, and on a treaty on general and complete disarmament under strict and effective international control […].” (NPT 1968).

 

Im Zuge der geopolitischen Ereignisse durch den Zusammenbruch der Sowjetunion haben sich wesentliche Veränderungen für die globale Sicherheitsstruktur sowie die nukleare Ordnung ergeben (vgl. Wisotzki 2004: 2). Jedoch ist jene Euphorie, die Manche gar von einer Zeitenwende der nuklearen Abrüstung sprechen ließ, Anfang des 21. Jahrhunderts verflogen (vgl. ebd.). Zwar ist die Gefahr eines Atomkrieges nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation tatsächlich sehr unwahrscheinlich geworden (vgl. Glatzel 2009), rückte aber die Problematik nuklearer Weiterverbreitung[4] von Massenvernichtungswaffen[5] (MVW) in den Blickpunkt nationaler Entscheidungsträger, internationaler Gremien und sicherheitspolitischer Eliten (vgl. Meier 2015 a; vgl. Neuneck/Mutz 2000). Der langen Zeit als Erfolg angesehene NPT-Vertrag verhinderte nicht die Etablierung weiterer Atommächte wie Pakistan, Indien und Israel (vgl. Maier 2011: 2f.). Nordkorea ist 2003 vom Vertragswerk ausgetreten und hat im September 2016 seinen fünften und bislang den stärksten Atomtest durchgeführt (vgl. CTBTO 2016).

 

Dabei sind neue Schritte in Richtung der vollkommenen Abrüstung auch nicht in Sicht (vgl. Wisotzki 2004: 3). Stattdessen mehren sich die Anzeichen, dass die Kernwaffenstaaten nicht nur immer größeren Wert auf die Kernwaffen legen, sondern auch ihre nuklearen Kapazitäten modernisieren bzw. über den Erwerb einer neuen Generation nachdenken. Auf dieser Grundlage wächst die Spannung, die zwischen internationalen Regimeverpflichtungen zur nuklearen Abrüstung und den eigenen Bemühungen besteht. Dies lässt die internationale Nuklearwaffenpolitik umso mehr ambivalent werden. Die Rolle der Kernwaffen wird als Garant der globalen Sicherheit hervorgehoben (vgl. Kamp 2005).

 

Die Nuklearwaffenstaaten sind die ersten Adressanten, wenn es um die Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen geht (vgl. Gärtner 2007: 12). Heutzutage besitzen Russland und die USA gemeinsam etwa 90 % aller Atomwaffen der Welt (vgl. SIPRI 2015: 22f.). In seiner Kapazität des ständigen Mitglieds des VN-Sicherheitsrates muss Russland daher als weltpolitischer Akteur erster Ordnung in der globalen nuklearen Politik betrachtet werden (vgl. Eitelhuber 2015: 202). Somit ist die Frage danach, welche Position Russland in den internationalen Verhandlungen über die nukleare Nichtverbreitung einnimmt, von enormer Bedeutung für die Zukunft des globalen Nichtverbreitungsregimes (vgl. ebd.).

 

Das Jahr 2000 wurde für Russland durch mehrere große Ereignisse in der Sicherheits- und Nuklearpolitik[6] gekennzeichnet. Moskau und Washington gelang den Verhandlungsprozess über den START II-Vertrag zur Verringerung strategischer Waffen durch die Ratifikation des Vertragswerkes in der russischen Duma am 14. April 2000 zu Ende zu bringen. Außerdem hatte Russland auch den Vertrag über das Umfassende Verbot von Kernwaffenversuchen (CTBT) ratifiziert (vgl. CTBTO 2017). Darüber hinaus erneuerte im Jahr 2000 der neu gewählte Präsident Putin komplett die sicherheitspolitische Hierarchie des Landes: die strategischen Dokumente, die Hauptbedrohungen und Gefahren sowie die Nationalprioritäten in der Sicherheits- und Nuklearpolitik des russischen Staates formulieren, und zwar das außenpolitische Konzept, die Strategie der nationalen Sicherheit sowie die Militärdoktrin der Russischen Föderation (vgl. de Haas 2009; vgl. Schröder 2009).

 

Den gedanklichen Anstoß, die Master-Arbeit in ihrer jetzigen inhaltlichen Form zu verfassen, lieferten politische sowie akademische Debatten über die Bemühungen Russlands nicht ausreichend seinen Abrüstungsverpflichtungen innerhalb des Nichtverbreitungsregimes nachzukommen (vgl. Müller 2015, 2009). Die Kritik spiegelt sich in zahlreichen Studien und Beiträgen in Hinsicht auf den nuklearen Nichtverbreitungsvertrag von 1968 wider (vgl. Kamp 2005; vgl. Krause 2006): der Wille der Russischen Föderation, bis zu einer Welt ohne Kernwaffen voranzuschreiten, trotz ihrer Bekenntnisse sei sehr zweifelhaft. Die russische Abrüstungspolitik[7] gelte weitgehend als bedeutungsloses Verschleierungsmanöver. Niemand macht sich in Russland heutzutage ernsthafte Gedanken über die Chancen vollständiger nuklearer Abrüstung (vgl. Müller 2010 a: 117). Demnach ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Russland als offiziellem Nuklearwaffenbesitzer essentiell für die Zukunft des NV-Regimes. Dabei stellt eine Analyse der russischen Kernwaffenpolitik eine interessante Möglichkeit dar, den Zusammenhang zwischen der bestehenden Krise des NV-Regimes und den Grundsätzen der Nuklearpolitik Russlands sowohl auf theoretischer als auch auf empirischer Ebene anschaulich herzustellen und diesen dann zu erläutern.

 

1.2 Fragestellung

 

So wird in der Arbeit der Versuch unternommen, die theoretischen Ansätze der Theorien der Internationalen Beziehungen auf die russische Sicherheits- und Abrüstungspolitik zu übertragen und dadurch ein Verständnis dafür zu schaffen, inwieweit Russland das NV-Regime beeinflusst. Dazu wird die folgende Forschungsfrage aufgestellt: wie lässt sich die Rolle der Russischen Föderation innerhalb des internationalen Nichtverbreitungsregimes seit 2000 erklären? Zur weiteren Eingrenzung der Arbeit sind auch die folgenden Unterfragen zu berücksichtigen:

 

 Worin bestehen die Hauptbesorgnisse der Russischen Föderation in Hinsicht auf die nukleare Proliferationsproblematik?

 

 Welchen Stellenwert haben die Kernwaffen in der russischen Sicherheitspolitik?

 

 Wie lässt sich die Wende in der Sicherheits- und Abrüstungspolitik Russlands ab 2000 erklären?

 

1.3 Hypothese

 

Die Hauptargumente bestehen darin, dass Russland seinen Abrüstungsverpflichtungen innerhalb des Nichtverbreitungsregimes nicht ausreichend nachkommt und in seinen Kernwaffen den Garanten eigener Sicherheit sieht (siehe Kapitel 1.2). Daher kann die Hypothese abgeleitet werden, dass Russland keine umfassenden Abrüstungsschritte in naher Zukunft beabsichtigt. Als zu erklärende Variable wird die russische Sicherheits- und Abrüstungspolitik verstanden. Als diese Politik erklärende Variable kommen grundsätzlich in Betracht Gefahren und Bedrohungen[8], die aus russischer Sicht die nationale Sicherheit gefährden. Das Anliegen der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Hypothese auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

 

1.4 Aufbau der Arbeit

 

Unter der Berücksichtigung der oben genannten Fragestellungen und der zu überprüfenden Hypothese gliedert sich die vorliegende Masterarbeit in acht Textteile. Im ersten Teil wird in die Problematik der Master-Arbeit eingeführt. Es werden die Forschungsfragen gestellt. Im Anschluss an die Fragestellungen wird die Hypothese formuliert. Demnach erfolgen die Darstellung der methodischen Vorgehensweise sowie der Überblick über den Forschungsgegenstand. Im zweiten Teil werden die theoretischen Erklärungsansätze erläutert, um den empirischen Nachweis der kritischen Einschätzung der russischen Sicherheits- und Abrüstungspolitik plausibel zu machen. Dazu werden die Grundannahmen und Schlüsselbegriffe der zwei klassischen Denkschulen der Theorie der Internationalen Beziehungen herangezogen, und zwar der Neorealismus und der Neo- Institutionalismus. Der dritte Textteil gibt einen historischen Überblick über die Etablierung des Nichtverbreitungsregimes seit dem Jahr 1938. Im Mittelpunkt des vierten Teils stehen die zentralen Elemente bzw. Verträge und Institutionen des internationalen Nichtverbreitungsregimes, die die wechselseitigen Pflichten und Rechte für die Russische Föderation festlegen und die dafür wichtigen Kooperationskanäle innerhalb des NV-Regimes schaffen. Im zweiten Schritt erläutert dieser Teil die Struktur des nuklearen Nichtverbreitungsregimes nach Harald Müller. Der fünfte Teil thematisiert die Abrüstungs- und Rüstungskontrollproblematik im Rahmen der gegenwärtigen Debatten über die globale Sicherheitspolitik weiter. Der sechste Teil beschäftigt sich mit der russischen Sicherheits- und Abrüstungspolitik. Es werden die strategischen Grunddokumente Russlands in sicherheitspolitischen Bereichen analysiert und die Entwicklung ihrer Kernelemente erklärt. Im siebten Teil wird der Ausblick auf die Zukunft der Multilateralisierung des Abrüstungsprozesses diskutiert. Der achte Textteil fasst die Ergebnisse der einzelnen Abschnitte der Arbeit zusammen und interpretiert diese anhand der dargestellten theoretischen Ansätze.

 

Wie es sich im Folgenden gezeigt wird, ist das Nichtverbreitungsregime ein sehr komplexes Gefüge, das eine breite Reihe von Verträgen und Organisationen umfasst. Aufgrund dieser Komplexität soll die vorliegende Arbeit eingegrenzt und konkretisiert werden. Da die zu untersuchende Forschungsfrage dynamische und aktuelle politische Ereignisse darstellt sowie durch zunehmende Kooperation zwischen den Akteuren des NV-Regimes gekennzeichnet ist, werden in der Arbeit die Geschehnisse bis 2016 aufgeführt, um der Arbeit einen Zeitrahmen zu setzen. Außerdem erhebt diese Arbeit in Bezug auf die Darstellung der bi- und multilateralen Verträge bzw. Institutionen des NV-Regimes sowie auf die gesellschaftlichen Programme zur nuklearen Abrüstung weltweit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

1.5 Methodisches Vorgehen

 

Je nach der Art des Forschungsgegenstandes, der aufgeworfenen Fragestellung sowie der Datenverfügbarkeit bietet die Sozialforschung verschiedene methodische Verfahren an.[9] Sie ermöglichen es, eine sinnvolle Verbindung zwischen Theorie und Empirie herzurstellen und gleichzeitig einen möglichst größeren Mehrwert für die Beantwortung der Forschungsfrage zu erzielen (vgl. Lamnek 2010: 16f.). Demnach basiert die vorliegende Master-Arbeit auf der qualitativen Inhaltsanalyse nach den Interpretationsrahmen von Phillip Mayring. Die qualitative Inhaltsanalyse wird als ein Auswertungsverfahren qualitativer Sozialforschung verstanden (vgl. Mayring 2002: 114). Dieses Verfahren intendiert schriftlich fixierte Kommunikation theoriegeleitet zu analysieren, was sowohl bei der Beantwortung der Forschungsfrage, als auch in der Operationalisierung des Untersuchungsgegenstandes bedeutende Hilfestellung leisten kann (vgl. ebd.). Diese Methode beruht auf einem Kommunikationsmodell, nach dem ein Kommunikator einem Rezipienten im Rahmen einer sozialen Situation Kommunikationsinhalte übermittelt. Durch eine Analyse der Kommunikationsinhalte können Schlussfolgerungen auf den Kommunikator, den Rezipienten bzw. die zu untersuchende Situation gezogen werden. Konkret richtet sich die vorliegende Untersuchung auf die Auswertung von bereits erhobenen Informationen aus, die aus verschiedenen Quellen sowie jeglicher Art von Kommunikation zwischen dem Kommunikator und seiner sozialen Umgebung stammen können (vgl. Mayring, 1997: 11).

 

Die systematische Bearbeitung sowie die Auswertung der Textmaterialien erfolgt nach dem Ablaufmodell von Mayring[10], wobei dafür die Anwendung der inhaltlichen Strukturierung angewendet wurde. Diese hat zum Ziel „ [...] bestimmte Themen, Inhalte, Aspekte aus dem Material herauszufiltern und zusammenzufassen. Welche Inhalte aus dem Material extrahiert werden sollen, wird durch theoriegeleitet entwickelte Kategorien und Unterkategorien bezeichnet.“ (Mayring 1997: 83).

 

Innerhalb der Master-Arbeit wurden mehrere qualitative Inhaltsanalysen, denen jeweils unterschiedliche Unterfragen zu Grunde liegen, durchgeführt. Entsprechende Kategorien wurden dazu im Voraus ausgearbeitet und dann an das vorhandene Material herangetragen.

 

Als Kommunikator wurden für die Arbeit die schriftlich fixierten Texte verschiedener Art herangezogen.[11] Die empirischen Grundlagen umfassen sowohl notwendige Primärquellen als auch Sekundärliteratur in der Deutschen, Englischen und Russischen Sprachen. Die Primärquellen stellen neben den offiziellen sicherheitspolitischen Doktrinen der Russischen Föderation auch verschiedene Berichte der russischen Staatsorgane, Erklärungen der Repräsentanten Russlands in diversen internationalen Foren dar. Eine weitere Gruppe bildet sich aus zentralen bi- und multilateralen Verträgen und Abkommen des internationalen Nichtverbreitungsregimes. Die Publikationen der Organisation der Vereinten Nationen sowie anderer Organisationen wurden in dieser Gruppe für die Analyse mit einbezogen. Ferner wurde mit den Arbeits- und Abschlussdokumenten bzw. Resolutionen der nationalen und internationalen Konferenzen zu der zu untersuchenden Thematik gearbeitet.

 

Die Sekundärliteratur umfasst die Datensammlungen verschiedener westlicher und russischer Einrichtungen bzw. Think Tanks, die sich entweder schwerpunktmäßig oder ausschließlich mit der Abrüstungs-, Rüstungskontroll- und Nichtverbreitungsproblematik befassen. Auf der deutschen Seite sind hier in erster Linie die Beiträge der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin und des Instituts für die Friedensforschung und die Sicherheitspolitik (IFSH) in Hamburg zu nennen; auf der russischen Seite – die Publikationen des PIR-Zentrums für politische Studien[12]. Als weitere ergiebige und hilfreiche Quellen der sekundären Literatur erwiesen sich die Berichte und Newsletters des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI). Weiterhin wurde mit den Zeitungsartikeln und Redebeiträgen der russischen und westlichen Politiker und Militärexperten gearbeitet.

 

1.6 Forschungsgegenstand und Relevanz des Themas

 

Die Relevanz des Themakomplexes der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen ist auf die fast 50 Jahre dauernde Ost-West-Konfrontation zurückzuführen, als die beiden Supermächte – die Sowjetunion und die USA – um die globale Herrschaft kämpften und eigene Militärbestände als Symbol der Macht betrachteten. Dabei wird in den westlichen Literaturquellen die Rolle Russlands in diesem Kontext meistens mit der Geschichte der Sowjetunion zusammen verstanden (vgl. Krüger 2003). Zu den aufschlussreichen Werken zur sowjetischen sowie auch russischen Abrüstungsgeschichte gehört die Promotionsarbeit[13] von Randolph Krüger. Neben der juristischen Untersuchung der bestehenden bi- und multilateralen Abkommen zwischen den beiden Atomstaaten gibt der Autor einen Überblick über die Evolution des sowjetischen Denkens aus historischer Perspektive. Der Versuch, die wichtigen Merkmale der Außen- und Sicherheitspolitik des modernen russischen Staats zusammenzufassen, wird in der Arbeit von Norbert Eitelhuber unternommen.[14] Die Teilaspekte der russischen Sicherheitspolitik werden unter anderem im Kontext der Beziehungen mit den USA (vgl. Paul/Thränert 2009)[15] oder mit der NATO, deren Osterweiterung aus russischer Sicht seit Längerem eine Gefahr für den Staat vorstellt, behandelt (vgl. Wenger/Perovic 1997)[16].

 

Ferner bestimmt die Krise des NVV die Aktualität der Debatte über die generelle nukleare Abrüstung (vgl. Paul/Thränert 2009: 10f.; vgl. Meier-Walser 2010: 5; vgl. Hiemann/Thränert 2008: 2). Die nukleare Proliferationsproblematik als eine der Hauptgefahren der friedlichen Existenz (vgl. Arbatow 2015; Müller 2015; Krause 2006) beschäftigt Autoren sowohl im Westen, als auch im Osten, so dass heutzutage eine umfassende Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten in diesem Bereich besteht.

 

Der konzeptionelle Rahmen der Arbeit beruht sich im Wesentlichen auf den Werken von Harald Müller. So definiert der Autor in seinem Buch[17] nicht nur den Begriff des Regimes, sondern widmet auch seine Arbeit der Analyse des Nichtverbreitungsregimes, indem er seinen Aufbau, die Wirkungsweise und die bestehende Krise untersucht. Mit dem Themakomplex nuklearer Nichtverbreitung und Abrüstung beschäftigt sich Müller in seinen weiteren Arbeiten, in denen die einzelnen Aspekte des nuklearen Nichtverbreitungsregimes, wie etwa die Debatten von Ursachen für Rüstungsdynamik, Chancen und Grenzen vom Rüstungskontrollprozess[18] als auch die Geschichte und Evolution der nuklearen Ordnung dargestellt werden[19]. Außerdem finden in seinen Werken viel Berücksichtigung die Legitimität und Wirksamkeit des Regimes[20]. Die wissenschaftlichen Beiträge im Sammelband[21] von Michael Staack behandeln die Entwicklung der nuklearen Ordnung und die daraus entstehenden Herausforderungen, die dieses multilaterale Regime bedrohen.

 

Die Publikation[22] von Heinz Gärtner widmet sich detailliert den einzelnen Verträgen und Konventionen des NV-Regimes und analysiert die Rüstungskontrollebereiche aus unterschiedlichen Sichtweisen. Ferner geben die Reporte[23] der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) einen Überblick über den Stand der aktuellen Forschungen sowie die öffentlichen Debatten zu verschiedenen Aspekten der nuklearen Problematik. Als eine weitere ergiebige Quelle der analytischen Arbeiten zur nuklearen Thematik[24] und der Rolle Russlands im internationalen VN-Regime gelten die Studien und Berichte[25] der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP). Eine Informationsquelle über die Rüstungskontrolle und Rüstungstechnologien, Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen, Raketenabwehr und Raketenproliferation ist in Deutschland durch das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg vertreten. Hier sind die wissenschaftlichen Beiträge von Götz Neuneck[26] als ein ergiebiges Beispiel zu nennen.

 

Was die Auseinandersetzung mit dem Nichtverbreitungsvertrag von 1968 (NPT) im Speziellen anbelangt, wurde diese Frage insbesondere in der Studie von Wolfgang Fischer[27] erläutert. In seiner Studie analysiert der Autor nicht nur die inhaltlichen Aspekte des Vertragswerkes, sondern befasst sich auch mit dessen Entstehungsgeschichte.

 

Das Recherchieren zu der Abrüstungs-, Rüstungskontroll- und Nichtverbreitungspolitik im russischsprachigen Raum stellte keine einfache Aufgabe dar. Zum einen lag dies am begrenzten Zugang zu der russischen Literatur, denn während des Schreibens befand sich die Verfasserin in Deutschland. Aus diesem Grund wurde auf die Quellen im Internet zurückgegriffen. Dies ist eine Erklärung davon, dass die meisten hier zitierten Werke aus den früheren 2000-er Jahren stammen. Zum anderen ist es auch zu berücksichtigen, dass die nukleare Problematik für die Sowjetunion bzw. Russland von überragender Bedeutung war und ist, so dass die Quellen dazu nur begrenzt veröffentlicht werden können.[28] Dennoch leisteten einen großen Beitrag dazu vor allem die Werke der Experten an der unabhängigen russischen Einrichtung zur Untersuchung der Außen- und Militärpolitik „das Zentrum für politische Studien“, das sogenannte PIR-Zentrum[29] sowie an dem Moskauer Carnegie-Zentrum[30]. Um einen breiteren Überblick über das nukleare Nichtverbreitungsregime aus russischer Perspektive zu bekommen, wurde das vorliegende Forschungsmaterial zusätzlich noch durch relevante Aufsätze, Forschungsberichte, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel aus den russischen Internetquellen ergänzt.

 

Abschließend sind noch Hinweise in Bezug auf das gesamte Literaturmaterial zu geben. Zu manchen Quellen der sekundären Literatur ist anzumerken, dass sie eine klare politische Position enthielten. Die Gefahr der Einseitigkeit der vorgestellten Standpunkte wurde dadurch aufgehoben, dass für die Arbeit eine Vielzahl von Literaturressourcen mit jeweils unterschiedlicher politischer Orientierung herangezogen wurde. Ein anderer Aspekt bezieht sich auf das ähnliche Problem der unterschiedlichen Darlegung von statistischen Daten, wie etwa zum aktuellen Waffenbestand oder Militärausgaben der Russischen Föderation, aber auch der anderen Staaten. Einerseits kann man dies auf unterschiedliche Methoden der Datenerhebung und die Auswertung der statistischen Institutionen zurückführen, anderseits soll davon ausgegangen werden, dass die vorliegende Arbeit die sicherheitspolitischen Aspekte Russlands behandeln will, die in direkter Verbindung mit den staatlichen Nationalinteressen stehen und damit gesichert bleiben müssen.

 

Praktische Hinweise zur Transliteration russischer Begriffe und Personennamen

 

Alle Begriffe und Namen aus der kyrillischen Schrift werden in der Master-Arbeit in lateinischer Umschrift angegeben. Im Literaturverzeichnis wird die wissenschaftliche Transliteration nach der Norm DIN 1460 verwendet.

 

 

 

Tabelle 1: Transliterationstabelle

 

Quelle: Eigene Darstellung nach Angaben der International Organization for Standardization[31]