Harald Christ | Peter Gassmann

4.ZERO

Die ESG-Revolution

Inhalt

VORWORT

von Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr

4.ZERO: WIE DEUTSCHLAND ZUM DIGITAL-NACHHALTIGEN VORREITER WIRD

01

DIE 4.ZERO-TRANSFORMATION: EINE AUFGABE VON NATIONALER BEDEUTUNG

Der gesamte Kapitalmarkt ist gefragt

Theodor Weimer, Deutsche Börse AG, über Deutschlands
Nachholbedarf

Der Sand muss schnell raus aus dem Getriebe

Liane Buchholz, Sparkassenverband Westfalen-Lippe,
erklärt, welche Finanzhebel nötig sind.

Die unsichtbare Hand des Marktes wird grün

Norbert Winkeljohann, Bayer AG, rät Aufsichtsräten,
die ESG-Performance mitzubestimmen.

Die Finanzwirtschaft steht mehr in der Pflicht als andere

Michael Diederich, HypoVereinsbank, über die
Notwendigkeit von »Green Banking«

02

CHANCEN UND RISIKEN: WIE DIE DIGITALISIERUNG ZUR NACHHALTIGKEIT BEITRÄGT

Wer Bescheid weiß, braucht nicht zu vertrauen

Bettina Uhlich, Evonik, erklärt, warum die Blockchain eine ­revolutionäre Technologie ist.

Wir brauchen »Technology with a Purpose«

Georg Kell, Arabesque, arbeitet daran, ESG-Ratings mit
Künstlicher Intelligenz transparenter zu machen.

Nachhaltigkeit ist die größte Chance unserer Zeit

Christian Klein, SAP, ist überzeugt, dass sich die Krisen
unserer Zeit mit Technologien lösen lassen.

Wir haben einen völlig unterentwickelten Kapitalmarkt

TV-Wirtschaftsjournalistin Anja Kohl erklärt, was bei der ­Finanzierung der Transformation falsch läuft.

03

IM SPANNUNGSFELD DER ZERREISSPROBEN: WIE WANDEL GELINGT

Digitalisierung ist ein Baustoff der Zukunft

Rolf Buch, Vonovia, erläutert, warum der Immobiliensektor ­innovativer werden muss, um seine Klimaziele zu erfüllen.

Digitale Resilienz ist ein richtig großes Thema geworden

Stephan Rammler, IZT Berlin, über anfällige Lieferketten, ­Cyberangriffe und die Automobilindustrie

Wir sind keine Gegenpartei, sondern Partner der Gemeinden

Yolanda Schmidtke, DLE Group, erklärt, wie ESG-Kriterien die ­Entwicklung von Grundstücken beeinflussen.

04

KREISLÄUFE SCHLIESSEN: WARUM MAN DATEN UND ROHSTOFFE WIEDERVERWENDEN MUSS

Produktdesigner sollten den gesamten Lebenszyklus im Blick haben

Roland Harings, Aurubis, erklärt, warum mehr Metalle wieder­verwendet werden sollten.

Abfälle sind Wertstoffe am falschen Ort

Thomas Kyriakis, PreZero, verknüpft beim Recycling Digitalisierung und Dekarbonisierung.

Ab Stufe drei wissen Firmen nicht mehr,woher ihre Materialien stammen

Nathan Williams, Minespider, deckt Nachhaltigkeitsrisiken
in Lieferketten auf.

Unternehmen sollten Data Stewards einstellen

Stefaan Verhulst, New York University, über die wachsende ­öffentliche Nachfrage nach firmeneigenen Daten.

Nachwort

Über die Autoren

Danksagung

VORWORT

Mehr Fortschritt wagen – das ist das Leitmotiv der neuen Bundesregierung. Und klar ist: Fortschritt geht nur digital. Das gilt für so ziemlich alle Bereiche. Mithilfe der Digitalisierung können wir unseren Alltag erleichtern – unser Arbeitsleben, unsere Mobilität. Wir können die Pandemie effektiver bekämpfen, unsere Infrastruktur besser planen, bauen und effizienter nutzen. Wir können den sozialen Zusammenhalt stärken, indem wir Teilhabe erleichtern. Digitalisierung ist ein Booster für unsere Wirtschaft.

Vor allem aber – und damit sind wir bei einem der ganz großen Ziele dieser Bundesregierung – können wir uns durch Digitalisierung deutlich schneller nachhaltig aufstellen und klimaneutral werden, denn fast alles läuft effizienter, kürzer, ressourcenschonender ab. Das gilt im Privaten genauso wie in der Verwaltung, Industrie und Wirtschaft. Es ist hoch spannend zu sehen, wie vielfältig und einfallsreich Digitalisierung dazu beitragen kann, dass wir nachhaltiger leben und wirtschaften. Deshalb habe ich auch sofort zugesagt, als ich um ein Vorwort für dieses Buch gebeten wurde. Hier kommen Unternehmenschefinnen, Konzernlenker, Expertinnen und Experten zu Wort, die erkannt haben: Nachhaltigkeit und Digitalisierung – die beiden Themen gehören zusammen.

Dieser Gedanke steht auch hinter dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung. Wir müssen schnellstmöglich klimaneutral werden, und die Digitalisierung wird uns dabei helfen. Sie ist ein ressortübergreifendes Querschnittsthema, das enorm dazu beitragen kann, die vor uns liegenden umwelt- und klimapolitischen Herausforderungen zu bewältigen. Als neues »Digitalministerium« nehmen mein Haus und ich diese Aufgabe sehr ernst, was sich auch an der Stärkung der Digitalabteilungen zeigt.

Wir werden damit der Taktgeber der Digitalpolitik der Bundesregierung sein und im Ressortkreis immer wieder die Frage stellen, wie wir durch digitale Lösungen das Leben jedes Einzelnen und jeder Einzelnen einfacher und nachhaltiger gestalten und den Wirtschaftsstandort Deutschland klimaneutral aufstellen können. Sprich: Wie können wir die Digitalisierung auf Anwendungsseite nutzen, um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten?

5G, KI und Open Data: Technologien ganzheitlich einsetzen

Ein entscheidender Schlüssel dafür sind Daten. Mit ihrer Hilfe können wir Abläufe optimieren sowie für Wirtschaft und Verbraucher ganz neue Anwendungsmöglichkeiten und Geschäftsmodelle schaffen. Um ein paar Beispiele aus meinem Geschäftsbereich zu nehmen: Wir können Verkehrsträger vernetzen, Routen effizient planen, Leerfahrten vermeiden, Straßen entlasten, Ressourcen schonen, Energie sparen und autonom fahren. Wenn wir Mobilitäts-, Geo- und Wetterdaten erheben, nutzen und vernetzen, bietet das enorme Innovations- und Wertschöpfungspotenziale für das Verkehrssystem der Zukunft. Damit wird der Verkehrssektor einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten können.

Unser datenbasiertes Förderprogramm mFUND zum Beispiel unterstützt die Entwicklung digitaler Geschäftsideen und Dateninnovationen für eine moderne Mobilität. Open Data, also die Idee, Daten öffentlich für jedermann frei verfügbar und nutzbar zu machen, spielt bei der Umsetzung eine zentrale Rolle. Mit der Open-Data-Plattform mCLOUD stellt das Ministerium für Digitales und Verkehr zudem bereits umfangreiche Mobilitäts-, Verkehrs-, Klima-, Hydrografie- und Wetterdatensätze seines Geschäftsbereichs und weiterer Anbieter kostenfrei zur Verfügung. Noch in diesem Sommer wird die mCLOUD durch eine neue, noch leistungsstärkere Datenplattform, die Mobilithek, ersetzt. Parallel dazu hat die Bundesregierung gemeinsam mit der Wirtschaft das Mobility Data Space aufgebaut: einen Datenraum für den freiwilligen, sicheren und souveränen Austausch von Mobilitätsdaten. Diesen Datenraum werden wir weiterentwickeln. Erste Anwendungen sind bereits gestartet, zum Beispiel ein Projekt, bei dem sich vernetzte Fahrzeuge in Echtzeit gegenseitig vor Gefahren, wie Eis und Schnee, warnen.

Wenn in Zukunft auch noch Verkehrsunternehmen und Mobilitätsanbieter ihre Echtzeitdaten unter fairen Bedingungen bereitstellen, entsteht ein Datenschatz, der sehr effektiv dazu beitragen kann, unser Leben und Arbeiten nachhaltiger zu gestalten. Damit erleichtern wir den Umstieg von einem Verkehrsmittel auf das andere, also zum Beispiel vom Bus aufs Leihrad oder von der Bahn auf das Carsharing-Auto. Gleichzeitig fördern wir damit, dass innovative Mobilitätslösungen und ganz neue digitale Angebote entwickelt werden, die individuell auf die vielen unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse in unserem Land zugeschnitten sind. All das kann die Abhängigkeit vom eigenen Auto deutlich reduzieren – und die Zahl der Fahrzeuge auf unseren Straßen, die mit nur einer einzigen Person unterwegs sind.

Daten sind die Grundlage. Wer aber im globalen Wettbewerb führen will, muss in der Lage sein, auch Zukunftstechnologien, wie Künstliche Intelligenz, die Distributed Ledger Technologie oder die Quantentechnologie, einzusetzen. Unser 5G-Innovationsprogramm setzt wichtige Nachfrageimpulse für den Ausbau und die Entwicklung von konkreten 5G-Anwendungen. Die geförderten Projekte zeigen auf, wie zum Beispiel mit 5G die medizinische Versorgung auf dem Land verbessert, der Schulweg von Kindern sicherer oder Logistik- und Produktionsprozesse effizienter werden können.

Nachhaltige Digitalisierung darf nicht an der Landesgrenze enden

Die Beispiele zeigen: Digitalisierung und Nachhaltigkeit betreffen viele Wirtschafts- und Lebensbereiche – und damit auch viele Ministerien. Um einen ganzheitlichen Ansatz zu schaffen, führen wir daher in einer ressortübergreifenden Digitalstrategie die digitalpolitischen Schwerpunkte aller Ministerien zusammen. Zudem kümmern wir uns mit einer umfassenden Gigabitstrategie um den notwendigen Ausbau unserer digitalen Infrastrukturen. Das heißt: Glasfaser bis ins Haus und neuester Mobilfunkstandard überall dort, wo Menschen leben, arbeiten oder unterwegs sind. Dabei wird ein eigens geschaffenes »Referat für Digitalisierung und Nachhaltigkeit« Impulse setzen, sodass Nachhaltigkeit von vornherein mitbedacht wird. Denn bei allen Chancen, die die Digitalisierung bietet, darf ein Aspekt nicht aus dem Blick geraten: Digitalisierung muss auch selbst nachhaltig sein. Leistungsfähige Infrastrukturen, Rechenzentren und Endgeräte verbrauchen Energie und Ressourcen. Daher müssen wir darauf achten, dass sie bedarfsorientiert und ressourcenschonend geplant, errichtet und betrieben werden.

Weil Digitalisierung und Nachhaltigkeit nicht an Ländergrenzen enden, haben wir das Thema im Rahmen der diesjährigen G7-Präsidentschaft zum Schwerpunktthema des Digitalministertreffens gemacht. In einer arbeitsteiligen Weltwirtschaft sind zum Beispiel Kreislaufwirtschaftsansätze für elektronische Komponenten nur in internationaler Kooperation umzusetzen. Dafür brauchen wir ausgewogene Rahmenbedingungen, die eine nachhaltige Digitalisierung beschleunigen, Innovationen und gezielte Investitionen anreizen und dazu beitragen, klima- und umweltpolitische Herausforderungen zu bewältigen.

All das zeigt: Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind untrennbar miteinander verbunden. Wir müssen sie zusammen denken und zusammen lösen. Das eine geht nicht ohne das andere. Und für beides gilt: Wer bei diesen Themen im globalen Wettbewerb vorn liegt, dem gehört die Zukunft.

Ich danke den Autoren und allen Interviewpartnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik dafür, dass sie diese wichtigen Themen aufgreifen und zeigen, wie nachhaltige Digitalisierung möglich ist. Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich eine anregende Lektüre dieses Buches.

Dr. Volker Wissing, MdB

Bundesminister für Digitales und Verkehr