Über das Buch:
Er wurde völlig überraschend in seinem Heimatort Bethlehem von Samuel gesalbt. Dass der junge Hirte von Gott als neuer König Israels erwählt worden war, blieb dabei ungesagt. Anfänglich blieb er bei der Herde seines Vaters, dann holte man ihn als Musiktherapeut an den königlichen Hof. Es folgte eine steile militärische Karriere im Heer Israels. Aber dann wendete sich das Blatt: Der junge Krieger und Held Israels wurde ein Gejagter.
In diesem Buch legt die bekannte Autorin und Referentin Noor van Haaften eine neue gründliche und faszinierende Bibelauslegung vor. Während David manche Krisen mit Gottes Hilfe meistert, wird ihm in anderen Situationen schmerzhaft bewusst, dass eigenmächtige Entscheidungen sehr schädlich sein können.

Nach Sauls Tod wird er der mächtigste Monarch seiner Zeit. Aber entscheidender ist: Gott erwählte diesen Mann als Vorfahr von Jesus den König aller Könige, auch Davids Sohn genannt.

Über die Autorin:
Eleonore (Noor) van Haaften war einige Jahre in der christlichen Studentenarbeit in Österreich tätig und arbeitete dann als Redakteurin und Moderatorin beim niederländischen Rundfunk- und Fernsehsender EO. Seit 2002 beschäftigt sie sich hauptsächlich mit Vortragsreisen in Europa und dem Schreiben von Büchern und Artikeln.

Die Fluchtjahre Davids, ein Überblick

1. Samuel 21 – 2. Samuel 2

In 1. Samuel 21 beginnen die Fluchtjahre Davids. Aus dieser Zeit, die wahrscheinlich mehrere Jahre gedauert hat, sind etwa fünfzehn einzelne Episoden bekannt.

Ein kurzer Überblick der Bewegungen Davids während seiner Fluchtjahre zeigt uns, dass er sich in verschiedenen Wüstengegenden aufgehalten hat. Drei Mal weicht er ins Ausland aus, davon zwei Mal nach Philistäa, das Gebiet der Erzfeinde Israels. Das erste Mal steht er Todesängste aus, als er in der Königsstadt Gat als der Held Israels erkannt und vor den König gebracht wird. In seiner Not stellt er sich wahnsinnig und das so überzeugend, dass man ihn ausweist. In den Psalmen 34 und 56 schreibt David über diese Erfahrung. Der zweite Aufenthalt Davids in Philistäa dauert sechzehn Monate. Diese Zeit zeigt eine sehr dunkle Seite im Lebensbuch von David, da er sich durch Lügen und Morden behauptet. Einmal ist David im Nachbarland Moab, weil er dort seine Eltern vorübergehend in Sicherheit bringen will.

Anfangs ist David allein unterwegs. Er flüchtet von der königlichen Residenz in Gibea zu der Prophetensiedlung Najot bei Rama, wo der Prophet Samuel lebt. Von dort geht es zu der Priesterstadt Nob, gleich danach folgt Davids erster Aufenthalt in der Königsstadt Gat in Philistäa. Von Gat geht es zurück in israelisches Gebiet bzw. in die Schephela, die niedrige Hügellandschaft zwischen der Küstenebene Philistäas im Westen und dem Bergland von Juda im Osten. Schließlich findet David Zuflucht in einer Höhle in der Nähe der Stadt Adullam. Hier dichtet er wahrscheinlich seine »Höhlenpsalmen« 57 und 104 und hier entsteht die »David-Armee«, die später auf 600 Mann wächst und schließlich zu einem »großen Heer Gottes« wird (1. Chronik 12,21-23). In dieser Zeit zieht David nach Moab, dann geht es von der »Bergfeste« (damit könnte eine Bergfestung oberhalb der Ufer des Toten Meeres gemeint sein) zurück in das Land Juda. Eine Weile hält David sich mit seiner Truppe in Kehila auf, einer Grenzstadt in der Schephela, dann fliehen sie in die Wüsten von Siph und Maon (hiermit sind Teilgebiete der judäischen Wüste gemeint). Es folgt eine Zeit in En-Gedi (einer Oase in der Gegend des Toten Meeres), danach sind die Männer wiederum auf der »Bergfeste« und in der judäischen Wüste in Maon und Siph. Von dort aus weicht David zum zweiten Mal nach Philistäa aus, wo er sich König Achis von Gat als Vasall anbietet. Der König stationiert ihn und seine Männer in Ziklag im Südosten des Philistergebietes. Ziklag ist Davids letzte Station, bevor er nach Hebron siedelt, wo er zum König über Juda gekrönt werden wird.

Während seiner Fluchtjahre wird David einige Male verraten. Einmal ist der Verräter ein Mann, der David im Gotteshaus in Nob sichtet (Psalm 52 bezieht sich auf diesen Verrat); zweimal wird David von den Siphitern (den Einwohnern der Wüste oder dem Ort Siph) verraten. Psalm 54 bezieht sich auf diesen Verrat.

In dieser Zeit begegnen sich David und Saul zwei Mal und beide Male hat David die Möglichkeit, sich Sauls zu entledigen. Aber jedes Mal erhebt sich David mithilfe des Heiligen Geistes über sich und verschont das Leben von Saul. Einmal wird er von Jonathan in der Wüste Siph besucht.

Man fragt sich, wie David und seine Truppe in diesen Jahren für ihren Lebensunterhalt gesorgt haben. Es ist kein Manna vom Himmel gefallen, sondern sie mussten selbst Wege finden, um sich und ihre Familien zu ernähren. Sie haben wahrscheinlich Wild gejagt und wilde Pflanzen, Kräuter und Baumfrüchte gegessen. Davon sind aber 600 Mann und ihre Familien sicherlich nicht satt geworden. David und seine Truppe müssen gekämpft und geraubt haben. In den Gebieten, die sie durchzogen, haben sie wahrscheinlich Nomadenstämme und Siedlungen überfallen und durch Drohen und Plündern ihren Lebensunterhalt bestritten. Bibelausleger nennen David einen Robin Hood Typ und seine Männer Guerillakämpfer, Wüstenterroristen oder eine Räuberbande. Sie waren desillusionierte Männer, die erbittert kämpften und einen unbändigen Lebenswillen hatten. Deserteure und solche, die hoch verschuldet waren und die eines gemeinsam hatten: Sie waren, wie David auch, Vertriebene, heimatlos und vogelfrei und mussten für ihr Überleben kämpfen.

In den Fluchtjahren begegnet uns David als ein Mann Gottes und auch als ein gottloser Mensch. Er weigert sich, Saul etwas anzutun, weil er in ihm trotz allem den Erwählten Gottes sieht. In seinen 16 Monaten in Philistäa aber geht er rücksichtslos vor und bringt Menschen kaltblütig um. Das macht seine Geschichte einerseits menschlich (David war kein Heiliger), anderseits aber auch schwer zu verdauen. Wie kann es sein, dass ein Mann Gottes ein so brutales Leben führt? Wesentlich ist, dass wir an dem roten Faden der Absichten und des Wirkens Gottes festhalten. Er hat David als zweiten König von Israel erwählt und gebraucht seine Fluchtjahre dazu, ihn zu läutern und zu einem Menschen zu machen, der sich von ihm abhängig weiß und so für Gott brauchbar ist. Gott wird mit diesem Mann ans Ziel kommen und seine Verheißungen erfüllen. Das wollen wir uns vor Augen halten, wenn wir Davids Geschichte nun weiterverfolgen.