Titel
Impressum
Zufall?
Vorwort
Einleitung
Die Strafe
Der schönste Bauernhof
Der Untermieter zieht aus
Ein neues Leben
Der dritte Geburtstag
Der Erdbeertraum
Der Milchunfall
Die Katastrophe
Der Traum und Die Heuernte
Heu einfahren
Die Geburt
Ein Räuber wird gestellt
Die Freundin
Der Wolf
Der Spielplatz
Der vierte Geburtstag
Die frechen Möwen
Der Badeunfall
Der Hund
Eine Wölfin in Not
Dalias Rettung
Kastanien sammeln
Bald lest ihr mehr von Cordula
Heinz Klein
Geheimnisvoller
Zauber auf dem
Erdbeerhof
Spannende Geschichten zum
Vor- und Selberlesen ab 4 bis 12 Jahren
DeBehr
1. Auflage 2022, Kinder-Edition
Copyright © 2022 Heinz Klein, Ratingen
Alle Rechte vorbehalten.
Autor: Heinz Klein
www.heinzkleinautor.com
Umschlaggestaltung/Illustration:
Copyright © 2022 Maria Bodewald,
Braunschweig
www.mariabodewald.de
Karikaturen:
Copyright © 2022 Stella-Kristina Mühlender
Lektorat/Korrektorat:
Birgit Pachler (BiPas Lektorat), www.bipaslektorat.at
Herausgeber: Verlag DeBehr, Radeberg
ISBN: 9783957539632
Der Inhalt und die Zeichnungen dieses Buches sind urheberrechtlich geschützt. Ein Nachdruck oder sonstige Vervielfältigung sind nur mit schriftlicher Zustimmung des Autors zulässig.
Haftungsausschluss:
Die in diesem Buch enthaltenen Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und verschriftlicht, unterliegen jedoch keiner Vollständigkeit. Eine Haftung des Autors und Herausgebers ist ausgeschlossen.
Alle in diesem Buch dargestellten Personen könnten einzigartig sein.
Ähnlichkeiten mit Charakteren aus anderen Märchen wären rein zufällig, vielleicht aber auch beabsichtigt.
Märchenwelt und Wirklichkeit liegen dicht beieinander, sie können auch ineinander übergehen.
Vielleicht beeinflussen Hexen und Feen das Geschehen und wir meinen, dass es nur ein Zufall war.
Vorwort
Kinder lieben es, wenn man ihnen Märchen vorliest, vor allem, weil der Vorleser, meistens ein Elternteil, ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit widmet. Während des Vorlesens träumen sie sich in das Märchen hinein.
Kinder lieben Märchen, weil darin das Gute immer gewinnt und das Böse verliert, wie die folgenden Beispiele zeigen: Der Frosch wird zum Prinzen, und der Fluch der Hexe ist gebrochen.
Ein Wolf frisst die sieben kleinen Ziegen, aber man holt sie aus seinem Bauch heraus und legt stattdessen Steine hinein.
Das tapfere Schneiderlein fängt ein Einhorn und besiegt ein großes Wildschwein, das alle in Angst und Schrecken versetzt hat. Dabei erzählte er nur herum, dass er sieben auf einen Streich erschlagen hat:
Das waren keine Räuber, sondern Fliegen!
Der Knüppel im Sack bestraft jeden, der etwas stehlen will.
Im Märchen kann durch Mut und Zauberei jedes Problem gelöst werden.
Die Kinder vertrauen darauf, dass am Ende alles gut ausgehen wird.
Gleichzeitig erhebt das Märchen den Zeigefinger und weist auch darauf hin, was eigentlich verboten ist.
Dieses Buch erzählt eine Geschichte, die zwischen einem Märchen und der Wirklichkeit hin- und herpendelt.
Das Märchen bleibt allerdings dezent im Hintergrund.
Vielleicht ist auch alles nur ein Zufall, was auf dem Erdbeerhof geschieht?
Einleitung
Die meisten Eltern ermahnen ihre Kinder immer wieder, doch ihren Anweisungen zu folgen:
„Setze beim Fahrradfahren einen Helm auf!“
Warum muss ich das tun? Ich will doch nur etwas Spaß haben!
„Fasse das nicht an! Es ist heiß!“
Ist es wirklich so heiß?
„Spiele im Wohnzimmer nicht mit dem Ball!“
Warum nicht? Was soll schon geschehen?
„Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht.“
Ich muss ja einen Apfel durchschneiden, damit ich eine Hälfte besser essen kann!
Ich will Mama nur etwas Schönes basteln, dafür brauche ich doch die Schere.
Alle Verbote der Eltern werden von der inneren Stimme der Kinder angezweifelt.
Was soll schon geschehen? Ich bin schon groß und passe auf, dass nichts passiert.
Wer flüstert immer wieder diese Zweifel in Bezug auf die Verbote in das Ohr der Kinder?
Die Strafe
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit eine Hexe, die in einem großen Wald lebte.
Der Himmel war herrlich blau, kein Wölkchen stand am Himmel, und es wehte ein leichtes Lüftchen. Die Grillen zirpten fröhlich im Gras…
Cordula ist glücklich mit ihrem Leben. Sie ist eine Hexe und schon 725 Jahre alt. Manchmal ist sie aber sehr gemein. Gerade hat Cordula wieder einmal einem Kind einen Streich gespielt.
Sie lacht leise vor sich hin, als sie daran denkt. Ihr Lachen hört sich wie das Meckern einer Ziege an. Bei dem Gedanken, dass der Junge im hohen Bogen vom Fahrrad gestürzt ist, macht sich Cordula über ihn lustig.
Er trug aber einen Fahrradhelm, was eigentlich schade war.
Plötzlich kracht und donnert es fürchterlich. Cordula bekommt deshalb einen riesigen Schreck. Eine weiße Wolke steigt direkt vor ihr aus der Erde empor. Das kann nur eines bedeuten: Onkel Schreck kommt vorbei.
Ein alter Mann mit Hut, langem weißem Haar und einem weißen Mantel steht plötzlich vor ihr. Er hat einen Stock in seiner Hand, auf den er sich stützt. Dieser Stock hat lauter Triebe mit kleinen Blättern daran, als ob er noch wachsen würde.
Onkel Schreck macht ein grimmiges Gesicht. Was hat er nun schon wieder zu meckern?, denkt sich Cordula.
„Habe ich dir nicht schon tausendmal gesagt, du sollst die Kinder in Ruhe lassen? Du hast schon wieder ein Kind vom Fahrrad gestoßen. Zum Glück hatte der Junge einen Helm auf, sonst hätte er sich schwer verletzen können“, ermahnt sie Onkel Schreck gleich, ohne sie zu begrüßen.
„Ja, schade, dass er einen Helm aufhatte“, lacht sie.
„Was? Du findest es schade, dass der Junge nicht schlimmer verletzt wurde? Es ist ein Kind wegen deiner Boshaftigkeit schon mal fast ertrunken. Du hast es vom Fahrrad geweht, sodass es in den Fluss gefallen ist.“ Onkel Schreck zittert vor Wut.
„Dass es nicht schwimmen konnte, konnte ich ja nicht wissen“, sagt sie lächelnd.
„Also hast du ihn doch vorsätzlich in den Fluss gestoßen. Ich habe dir verboten, Kinder zu verletzen, aber du hältst dich einfach nicht daran. Die anderen Hexen ärgern die Kinder auch, aber sie sind nicht so boshaft und gefährlich wie du. Sie verletzen kein Kind. Wenn ich das immer wieder bei dir durchgehen lasse, haben die anderen Hexen keinen Respekt mehr vor dem Gesetz. Es steht darin, dass man kein Kind vorsätzlich verletzen darf. Das Hexengericht hat daher beschlossen, dich für deinen Ungehorsam zu bestrafen.“
„Halt!“, schreit Cordula, „wir Hexen sind dafür da, dass Kinder, die sich nicht an die Regeln halten, schlechte Erfahrungen machen. Unsere Schwestern, die Feen, verhindern viel zu oft, dass diesen Kindern etwas geschieht, wenn sie nicht brav sind.
Die Eltern sagen es ihnen jeden Tag: Setze einen Helm auf, fasse das nicht an, sonst verbrennst du dich, schau genau nach links und rechts, wenn du über die Straße gehst. Aber einige Kinder halten sich nicht daran, was ihre Eltern zu ihnen sagen, deshalb müssen sie es auf eine andere Art und Weise lernen. Außerdem weißt du genau, warum ich die Kinder bestrafen muss. Sie haben nämlich vor 700 Jahren meine Mutter verbrannt. Ich war noch ein kleines Kind und kam vom Hexenberg, als ich sie fand.“
„Ja, das stimmt, aber deine Mutter wollte die zwei Kinder braten und verspeisen. Sie hießen, glaube ich, Hänsel und Gretel. Ihr Hexen seid dazu da, um Kinder zu ärgern, wenn sie nicht auf ihre Eltern hören. Ihr dürft sie aber nicht verletzen. Deine Mutter hat das jedoch getan, obwohl es schon damals verboten war und sich deshalb strafbar gemacht. Sie wollte sie sogar töten.
Das Hexengericht hat dir vor längerer Zeit bereits verboten, Rache zu nehmen. Du hast dich nie richtig an das Urteil gehalten und immer wieder Unfälle mit Kindern provoziert.
Entweder hast du die Kinder angeschubst, sodass sie ihre Milch verschütteten, oder du hast dafür gesorgt, dass sie stolperten. Bei deinem heutigen Streich mit dem Jungen auf dem Fahrrad bist du zu weit gegangen.“
„Ich habe nur einen Stock weggepustet“, erzählte Cordula.
„Ja, aber so, dass er in den Speichen des Fahrrads dieses Jungen gelandet ist. Dadurch fiel er von seinem Rad. Außerdem hast du in letzter Zeit mehrfach versucht, Kindern etwas Böses anzutun: Einige von ihnen haben sich die Finger verbrannt oder du hast sie aus ihren Bettchen gestoßen.“
„Wenn die Kinder mit dem Feuer spielen, müssen sie sich die Finger verbrennen, sonst lernen sie es nicht. Und wenn sie sich ungeschickt im Bett umdrehen, fallen sie eben heraus.
Die Eltern sagen ihnen immer wieder:
Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht. Aber sie halten sich nicht daran.“
„Nein, das ist es nicht. Immer hast du sie dazu herausgefordert. Ich habe versucht, das Hexengericht zu besänftigen, und habe dich verteidigt. Aber ohne Erfolg.
Du wirst aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen. Hexen dürfen Hexen nicht töten. Deshalb wirst du als Baby in einer normalen Familie wiedergeboren. Ich habe für dich eine liebe Familie auf einem Bauernhof ausgesucht. Dort wirst du leben, zur Schule gehen und wie ein normales Kind aufwachsen.
Deine Hexenkraft nehme ich dir weg. Wenn du aber ein Unglück verhindern kannst, ohne jemanden zu schaden, oder etwas Gutes tust, dann hast du auch die Kraft dazu. Es darf aber keiner merken, dass du deine Hexenkraft benutzt. Wenn du etwas Schlimmes verhindern und einem Kind oder Tier dadurch helfen kannst, dann darfst du die Kraft benutzen.“
Cordula schaut erschrocken und bekommt große Augen, als sie das alles von Onkel Schreck hört. Dann kracht es wieder, und sie versinkt plötzlich in einem tiefen Loch.
Der schönste Bauernhof
Nicht weit von der Stadt entfernt liegt ein großer Bauernhof. Er ist von Wäldern und Wiesen umgeben, befindet sich in der Nähe der Ostsee und ist ein wunderschönes Zuhause für viele verschiedene Tiere und die Bauernfamilie, die dort lebt.
Die Familie besteht aus Vater Helmut, Mutter Sonja und Sohn Tim.
Tim ist fünf Jahre alt und tobt den ganzen Tag auf dem Hof herum. Natürlich hat er auch verschiedene Aufgaben zu erledigen. Sein Vater kann doch nicht alles allein machen. Deshalb hilft Tim ihm dabei, die Kühe zu füttern, sie auf die Wiese zu treiben und die Eier von den Hühnern einzusammeln. Seiner Mutter hilft er manchmal auch in der Küche. Ohne Tims Hilfe würde auf dem Bauernhof doch alles drunter und drüber gehen. Davon ist er überzeugt.