Hannelore Gottschalk Catherine Marsaud

Bon Courage

Eine Sprachkursreise durch Frankreich

Band 3

Mit Beiträgen zu
Kultur und Geschichte
von Franz Baumer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Einführung

Unsere Reiseroute

Kapitel 27

27 A Ankunft in Blois

27 B Spielszene: Pour ma mère

Sprachstrukturen: plus-que-parfait – Kausalsätze – mieux valoir – Ländernamen

Sprechabsichten: telefonisch Kontakt aufnehmen – um Rat fragen – Geld umtauschen – einen Scheck einlösen

27 C Neue Wörter

27 D Im Tal der Loire

Kapitel 28

28 A In Tours

28 B Spielszene: L’Avare

Sprachstrukturen: Possessivpronomen – indirekte Rede und Frage (II) – Imperativ in der indirekten Rede

Sprechabsichten: in der indirekten Rede berichten – Besitzverhältnisse klären – jdn. beruhigen – jdm. widersprechen – eine Erklärung verlangen

28 C Neue Wörter

28 D In der Touraine

Kapitel 29

29 A In Nantes

29 B Spielszene: Le costume

Sprachstrukturen: Demonstrativpronomen – Adverb (Bildung und Steigerung) – futur antérieur – ne … que

Sprechabsichteń: Gespräch beim Anzugkauf – Gewohnheiten ausdrücken – jdn. überreden – ein Geschenk anbieten – gratulieren

29 C Neue Wörter

29 D In der südlichen Bretagne

Kapitel 30

30 A In Rennes

30 B Spielszene: Oscar et Julie

Sprachstrukturen: participe présent – gérondif – unbestimmte Pronomen – Verb recevoir

Sprechabsichten: Gespräch im Fundbüro – sich nach Einzelheiten erkundigen – über etwas berichten – einen Gegenstand beschreiben

30 C Neue Wörter

30 D Im Binnenland der Bretagne – im Argoat

Kapitel 31

31 A Bei Perros-Guirec

31 B Spielszene: Il faut tout changer

Sprachstrukturen: conditionnel présent – Verneinung ne … ni… ni – Verb suivre – Ausdrücke mit faire

Sprechabsichten: jdn. um Hilfe bitten – jdn. warnen – Erstaunen und Empörung ausdrücken – einen Rat erteilen – sich bedanken

31 C Neue Wörter

31 D An der Côte de Granit Rose

Kapitel 32

32 A In Bayeux

32 B Spielszene: L’inventeur

Sprachstrukturen: Bedingungssätze (Typ I und II) – indirekte Rede und Frage (III) – Verben s’asseoir und vivrepour + infinitif

Sprechabsichten: eine Bedingung ausdrücken, unter der man etwas machen würde – einen Vorschlag machen – eine Bitte äußern und darauf reagieren

32 C Neue Wörter

32 D Im Land des Calvados

Kapitel 33

33 A In Honfleur

33 B Spielszene: La vente aux enchères

Sprachstrukturen: conditionnel passé – Bedingungssatz (Typ III) – avant de + infinitif – die Adjektive »alt« und »neu« – Verb suffire – quand oder si?

Sprechabsichten: eine Bedingung ausdrücken, unter der man etwas gemacht hätte – jdn. beglückwünschen – Erstaunen und Überraschung ausdrücken

33 C Neue Wörter

33 D In der Normandie – von Etretat nach Fécamp

Kapitel 34

34 A Rouen – ein Museum der gotischen Kunst

34 B Spielszene: Le traducteur

Sprachstrukturen: Passiv (I) – Verbergänzungen – Besonderheiten bei Verben auf -yer (s’ennuyer) – Adjektive auf -able

Sprechabsichten: jdm. etwas anbieten – Ärger ausdrücken – schriftliche Formulierung einer Beschwerde – Kritik üben – einen Termin ausmachen

34 C Neue Wörter

34 D Im Tal der Seine

Kapitel 35

35 A In Amiens

35 B Spielszene: Un rendez-vous

Sprachstrukturen: Passiv (II) – plus … plus, plus … moins

Sprechabsichten: eine Lautsprecher-Durchsage am Bahnhof verstehen – Gespräch im Zug und mit dem Schaffner – einen Vorschlag machen – zustimmen – jdn. um etwas bitten

35 C Neue Wörter

35 D Eine Reise durch die Picardie

Kapitel 36

36 A Paris im Chanson

36 B Spielszene: Les enquêtes de Magret

Sprachstrukturen: subjonctif (I) – Verb disparaître

Sprechabsichten: Ungewißheit, Möglichkeit ausdrücken – eine Vermutung äußern – Beunruhigung und Sorge ausdrücken – um Präzisierung bitten – nach den Personalien fragen

36 C Neue Wörter

36 D Paris – alt und neu

Kapitel 37

37 A Streifzüge durch die Seine-Metropole

37 B Spielszene: La visite officielle

Sprachstrukturen: subjonctif (II) – faire + infinitif

Sprechabsichten: jdm. einen Rat geben – um etwas bitten – einen Wunsch äußern – etwas anbieten – Verständnis ausdrücken – Erwartung und Zweifel ausdrücken – jdm. recht geben – sich verabschieden

37 C Neue Wörter

37 D Im Musée d’Orsay

Kapitel 38

38 A Ausflug nach Chartres

38 B Spielszene: La lecture

Sprachstrukturen: subjonctif (III) – passé simple

Sprechabsichten: etwas ausleihen – jdn. willkommen heißen – jdn. vorstellen – Freude ausdrücken – eine Vermutung äußern

38 C Neue Wörter

38 D In der Ile-de-France

Kapitel 39

39 A Abschied in Reims

39 B Spielszene: Merci!

Sprachstrukturen: Überblick über die verschiedenen Zeitstufen

Sprechabsichten: sich nach jdm. erkundigen – Auskunft geben – Verständnis äußern – jdn. loben – sich bedanken

39 C Neue Wörter

39 D In der Champagne

Grammatik zu den einzelnen Kapiteln

Grammatische Bezeichnungen

Alphabetisches Wörterverzeichnis

Einführung

Chers amis,

bisher haben Sie uns schon auf 26 Stationen unserer Sprachkursreise durch eine Reihe schöner und interessanter Städte und Landschaften Frankreichs begleitet, und so dürfen wir Sie jetzt zum dritten und letzten Teil von Bon Courage einladen.

Unsere Tour de France beginnt diesmal im Loire-Tal, führt über die Bretagne, Normandie, Picardie endlich auch nach Paris und in die Ile-de-France und endet schließlich in der Champagne.

Wie immer haben wir in jede Spielszene ein wenig neue Grammatik und neuen Wortschatz hineinverpackt, aber das ist Ihnen ja längst zur Gewohnheit geworden. Und wie Sie seit der ersten Sendung wissen, stellen unsere Schauspieler in jeder Folge neue Personengruppen dar. Sie spielen also nie »sich selbst«. Dadurch werden Sie mit Menschen aus den verschiedensten Lebensbereichen zusammengeführt und lernen dabei ein sehr nützliches Alltagsfranzösisch. Daß sich der Lernerfolg immer dann am nachhaltigsten einstellt, wenn die sprachliche Unterweisung mit Humor geschieht, wird Ihnen vielleicht schon aufgefallen sein. Wir hoffen, daß Sie auch diesmal mit einer gewissen heiteren Erwartung der jeweils nächsten Sendung entgegensehen und Ihnen der Rückblick auf frühere Lektionen so manches Schmunzeln entlockt.

Die in den kurzen Filmen angedeutete Landeskunde wird auch in diesem dritten Band wieder eingehender und zusammenhängender dargestellt. Mit diesen Beiträgen möchten wir Ihr Interesse für das schöne Land, seine Bauwerke, Traditionen und seine Geschichte weiterhin aufrechterhalten.

Alle, die an der Produktion der Sendereihe beteiligt waren, hoffen, daß Sie am Ende unserer Reise in der Lage sind, die sprachlichen Situationen in Frankreich gut zu meistern. Wir wünschen Ihnen weiterhin Freude und Erfolg mit Bon Courage und für Ihre Reise Bon Voyage!

Hannelore Gottschalk

Les étapes de notre «Tour de France»

27

27 A Ankunft in Blois

Wir sind an der Loire, dem Tal der Schlösser. Am mittleren Lauf des Flusses staffeln sich dort unter blauschimmernden Schieferdächern die eng aneinandergerückten weißen Häuser von Blois, überragt vom königlichen Schloß und der Kathedrale. Die 50.000 Einwohner zählende Hauptstadt des département Loir-et-Cher liegt inmitten eines landwirtschaftlichen Gebietes. In ihrer langen Geschichte, die bis auf das römische Blesum zurückreicht – der mittelalterliche Grafschaftsname Blésois weist noch darauf hin – hat sie sich von vielen Schlägen erholen müssen, zuletzt von den heftigen Bombardements des Jahres 1940, deren Schäden sie nach Kriegsende durch einen beispielhaften Wiederaufbau mit Bürgerfleiß und architektonischem Geschick zu überwinden verstand. In der geschäftigen Stadt, die durch ihre Elektro- und Lederindustrie bekannt ist, herrscht bei aller Betriebsamkeit eine typisch französische Atmosphäre, in der sich uns, fern jeder Hektik, in einladenden Restaurants oder Hotels die Annehmlichkeiten des savoir-vivre mitteilen.

Le château de Blois

Rund um die cathédrale St-Louis, einem bis ins 12. Jahrhundert zurückdatierbaren Bau, der nach einem vernichtenden Orkan im 17. Jahrhundert wiedererrichtet wurde und eine Krypta aus dem 10. und 11. Jahrhundert auf noch älteren Fundamenten aus der Karolingerzeit besitzt, duckt sich das Dächergewirr des Altstadtviertels mit seinen hangauf- und -abwärts strebenden Treppengassen. Maison des Acrobates heißt ein Gebäude an der Place St-Louis, das seinen Namen von den geschnitzten Figuren und Tänzern am wohlproportionierten Holzfachwerk erhielt, während die belebte Rue Denis Papin an den 1647 in Chitenay bei Blois geborenen Physiker erinnert, der – in bezeichnender Reihenfolge von der Küchentechnik ausgehend – 1681 den Dampfkochtopf erfand und in späteren Jahren die atmosphärische Dampfmaschine, ein Tauchschiff und 1707 das erste Schiff mit Schaufelradantrieb.

Vom prächtigen Terrassengarten des Ancien Evêché, des ehemaligen Bischofspalasts, der an die Apsis der Kathedrale anschließt und heute als Hôtel de Ville dient, bietet sich eine reizvolle Aussicht. Palais und Garten sind Schöpfungen von Jacques Gabriel (1667–1742), dem bedeutenden Pariser Baumeister, nach dessen Entwurf 1720 auch die elegante Brücke über die Loire ausgeführt wurde, auf die wir von der Rue Denis Papin aus stoßen.

Blois – le pont Jacques Gabriel

Mit keinem Bauwerk aber – auch nicht mit der imposanten Basilika von St-Nicolas, einer ehemaligen Benediktiner-Abteikirche des 12. Jahrhunderts, in der bereits der Geist von Chartres zu atmen scheint – ist die Geschichte von Blois so eng verbunden wie mit der königlichen Pracht seines Schlosses. In diesem château an der Loire spiegeln sich nicht nur Epochen der französischen Architektur vom 13. bis zum 17. Jahrhundert. Schloß Blois, ursprünglich eine mittelalterliche Wehrburg der Grafen von Blois, war als Residenz zur Zeit Ludwigs XII. (1462–1515) und seines Nachfolgers Franz I. (1494–1547) von nicht geringerer Bedeutung als später das Versailles Ludwigs XIV.

Louis d’Orléans, der 1498 als Ludwig XII. den Thron bestieg, ließ das alte Schloß, in dem er 1462 geboren wurde, zu einem höfisch noblen Wohn- und Regierungssitz umgestalten. Die an vielen Stellen angebrachten Initialen »L« und »A« stehen für Louis und Anne de Bretagne, seine Gemahlin. Unter den zahlreichen Emblemen finden wir auch das Stachelschwein Ludwigs XII. sowie den Feuersalamander, das für unsterblich gehaltene Wappentier Franz I. Dieser absolutistisch regierende Fürst, dessen Ehrgeiz nach der deutschen Kaiserkrone stand und der in vier erfolglosen Kriegen einen erbitterten Kampf gegen Karl V. führte, ließ den prächtigen Renaissanceflügel bauen. Künstler aus Italien, die er aus seinem Feldzug mitgebracht hatte, waren die Gestalter. Das Meisterstück dieses ganzen Gebäudetrakts, der durch Sandstrahlgebläsearbeiten erst seit kurzem wieder in neuer Helligkeit erglänzt, ist der weltberühmte Treppenturm. Als kunstvoll skulptierte Spirale windet er sich hofseitig empor, mit figuren- und ornamentge-schmückten Loggien, die bei königlichen Festen als Tribüne dienten.

Doch auch Mord und Intrige hat Château de Blois gesehen. Im Renaissanceflügel, mit der Hauptattraktion der Königsgemächer, können wir das historische Schlafzimmer besichtigen, in dem Heinrich III., der Enkel Franz I. und Lieblingssohn der ränkereichen Katharina von Medici, 1588 seinen Gegner, den Herzog von Guise, der das Haupt der katholischen Liga war, auf heimtückische Weise ermorden ließ.

Im Kabinett der Katharina von Medici (1519–1589), die auf Schloß Blois verstarb und Mutter dreier französischer Könige war, gibt es hinter der aus 237 verschieden geschnitzten und vergoldeten Platten bestehenden Holzvertäfelung vier Geheimschränke. In ihnen soll neben Papieren und Juwelen auch Gift aufbewahrt worden sein. Ob allerdings Katharina, die aus Florenz stammende Tochter Lorenzos II. von Medici und Schwiegermutter der Maria Stuart – auch sie weilte, jung verwitwet, eine Zeit mit dem Dichter Pierre de Ronsard auf Schloß Blois – tatsächlich eine Giftmischerin gewesen ist oder nur eine legendenumwobene skrupellose Regentin, wer kann das heute noch mit Gewißheit sagen? Halten wir uns lieber daran, daß sie es war, die den Grundstein zur berühmten cuisine française legte. Als sie nämlich ihre schon damals den Gaumenfreuden kulturvoll aufgeschlossene toskanische Heimat verließ, um Heinrich von Orléans, den späteren König Heinrich II., zu heiraten, brachte sie eine Schar von Köchen und Zuckerbäckern als Startkapital für Frankreichs hohe Schule der Kochkunst mit in ihr neues Domizil.

Nach unserem Ausflug in die Geschichte sind wir wieder ganz in der Gegenwart. Auch in Frankreich wird der Muttertag gefeiert: la fête des mères. Da braucht man natürlich ein Geschenk, un cadeau. Und das besorgt Monsieur Pécule im Bankhaus Fric & Fils. In der folgenden Szene lernen Sie nicht nur das unregelmäßige Verb valoir (wert sein, gelten) kennen, sondern auch eine neue Zeitform: le plus-que-parfait, die Vorvergangenheit.

Louis d’Orléans

27 B Pour ma mère

[E. = Employée; C. = Client; H. = Henri, un autre client]

(Im Schalterraum der Bank «Fric & Fils»: eine Angestellte zählt Geldscheine.)

E.

Mille deux cents, mille trois cents, mille quatre cents et mille cinq cents.

1200, 1300, 1400, 1500.

 

1500 francs en billets de 100.

1500 Francs in Hunderter-Scheinen.

 

Les pièces maintenant.

Jetzt die Münzen.

 

Dix, vingt, trente, quarante …

10, 20, 30, 40 …

(Das Telefon klingelt.)

E.

Banque Fric & Fils, bonjour!

Bankhaus Fric & Söhne, guten Tag.

C.

Bonjour. Je voudrais parler à Monsieur Fric, s’il vous plaît.

Guten Tag, ich möchte bitte Herrn Fric sprechen.

E.

C’est de la part de qui?

Wer ist am Apparat?

C.

C’est Monsieur Pécule à l’appareil.

Herr Pécule.

E.

Je regrette, mais Monsieur Fric n’est pas là.

Es tut mir leid, aber Herr Fric ist nicht da.

C.

C’est pour votre annonce, dans le journal …

Ich rufe wegen Ihrer Anzeige in der Zeitung an …

E.

Ah, pour les pièces de collection?

Ach, wegen der Sammlermünzen?

C.

Ah, vous êtes au courant?

Ach, Sie wissen Bescheid?

E.

Oui, bien sûr, puisque c’est moi qui les vends.

Ja, sicher, weil ich sie ja verkaufe.

C.

Alors je vais pouvoir en acheter une?

Dann kann ich also eine kaufen?

E.

Oui. Mais il vaut mieux venir nous voir, Monsieur.

Ja. Aber es ist besser, wenn Sie zu uns herkommen.

 

C’est plus pratique que par téléphone!

Das ist praktischer als am Telefon.

C.

D’accord, j’arrive!

In Ordnung, ich komme.

(Unmittelbar nach dem Telefongespräch kommt der Kunde in die Bank.)

C.

Bonjour, c’est moi!

Guten Tag, da bin ich.

E.

Bonjour …?

Guten Tag …?

C.

C’est moi, Monsieur Pécule.

Ich bin es, Herr Pécule.

E.

Ah, c’est vous qui venez de me téléphoner?

Ach, Sie sind es, der gerade mit mir telefoniert hat?

C.

En personne!

In Person!

 

… de la cabine téléphonique là-bas.

… von der Telefonzelle da draußen.

E.

Bien … Alors, vous m’aviez demandé une pièce?

Gut … Nun, Sie hatten mich nach einer Münze gefragt?

(Inzwischen ist ein anderer Kunde gekommen.)

C.

Oui …

Ja …

 

Je voudrais offrir quelque chose à ma mère.

Ich möchte meiner Mutter etwas schenken.

 

Qu’est-ce que vous en pensez?

Wie denken Sie darüber?

 

Il vaut mieux une pièce ou des fleurs?

Ist es besser, eine Münze zu schenken oder Blumen?

E.

Je pense qu’il vaut mieux acheter une pièce …

Ich finde, es ist besser eine Münze zu kaufen …

 

C’est plus original!

Das ist origineller!

C.

Ça coûte combien, une pièce?

Was kostet eine Münze?

E.

Ça dépend.

Das kommt darauf an.

 

L’argent est meilleur marché que l’or.

Silber ist billiger als Gold.

C.

C’est bien ce que j’avais entendu dire …

Das habe ich auch schon gehört …

E.

En voici une qui fait deux cent cinquante francs par exemple.

Hier ist eine, die kostet zum Beispiel 250 Francs.

C.

Pas mal.

Nicht schlecht.

(Der Kunde nimmt seine Brieftasche aus dem Sakko.)

C.

Dites, j’ai besoin d’argent.

Hören Sie, ich brauche Geld.

 

Vous acceptez les chèques de voyage?

Nehmen Sie Reiseschecks an?

E.

Oui, bien sûr.

Ja, natürlich.

C.

Vous comprenez, comme j’habite en Amérique, je n’ai pas de chèques français …

Wissen Sie, da ich in Amerika lebe, habe ich keine französischen Schecks …

(Der Kunde gibt der Angestellten einen Reisescheck über 500 Francs.)

C.

Voilà, cinq cents francs.

Hier, 500 Francs.

E.

Oui. Il faut signer là, s’il vous plaît.

Ja. Sie müssen hier bitte unterschreiben.

C.

Oui …

Ja …

E.

Mais non, pas là!

Aber nein, doch nicht da!

 

Vous avez signé sur les chiffres!

Sie haben auf den Zahlen unterschrieben!

 

Je ne peux pas accepter ça.

Ich kann das nicht annehmen.

 

Vous en avez un autre?

Haben Sie einen anderen?

C.

Mais non, j’en avais pris seulement un.

Aber nein, ich hatte nur einen mitgenommen.

E.

Alors, puisque c’est comme ça, je ne peux pas vous donner d’argent.

Nun, wenn das so ist, kann ich Ihnen kein Geld geben.

C.

Attendez!

Warten Sie!

(Der Kunde gibt der Angestellten einen 100-Dollar-Schein.)

C.

Cent dollars, ça fait

Wieviel sind 100 Dollar in

 

combien en francs?

Francs?

E.

Cinq cent dix francs.

510 Francs.

C.

Vous pouvez me les changer?

Können Sie mir die wechseln?

(Die Angestellte füllt ein Formblatt aus, legt es dem Kunden zum Unterschreiben hin.)

E.

Oui. Vous signez là, s’il vous plaît.

Ja. Unterschreiben Sie bitte hier.

C.

Je voudrais des billets de cent francs, et pas de petite monnaie.

Ich möchte bitte Noten zu 100 Francs und kein Kleingeld.

(Die Angestellte zählt das Geld vor.)

E.

Cent, deux cents, trois cents, quatre cents, cinq cents et dix, cinq cent dix.

100, 200, 300, 400, 500 und 10, 510.

(Die Angestellte nimmt die Münze aus der Sammlung, erinnert den Kunden an das Geschenk.)

E.

Et voici la pièce.

Und hier ist die Münze.

 

250 francs, s’il vous plaît.

250 Francs, bitte.

C.

Vous aviez dit 200, tout à l’heure.

Sie hatten doch vorhin 200 gesagt.

E.

Non, j’avais dit 250.

Nein, ich hatte 250 gesagt.

C.

Bon, d’accord.

Also gut.

 

J’avais peut-être mal entendu.

Ich hatte vielleicht schlecht gehört.

 

Vous me faites un paquet cadeau?

Machen Sie mir ein Geschenkpäckchen?

(Die Angestellte verliert jetzt die Geduld.)

E.

Vous êtes dans une banque ici, pas dans un magasin.

Sie sind hier in einer Bank, nicht in einem Geschäft.

 

Je ne peux donc pas vous faire de paquet cadeau. Mais je vais vous donner un étui.

Ich kann Ihnen also kein Geschenkpäckchen machen. Aber ich werde Ihnen ein Etui geben.

(Der Kunde legt 300 Francs hin, die Angestellte gibt ihm 50 Francs zurück und steckt die Münze in ein Etui.)

E.

Voilà 50 francs qui font 300, et la pièce pour votre mère.

Hier sind 50 Francs zurück und die Münze für Ihre Mutter.

C.

Elle va être contente, ma mère …

Sie wird sich freuen, meine Mutter …

 

Dites, j’ai des courses à faire en ville, vous pouvez me garder la pièce jusqu’à 4 heures?

Eine Frage, ich habe noch Besorgungen in der Stadt zu machen, können Sie mir die Münze bis 4 Uhr aufbewahren?

E.

Non, ce n’est pas possible, je regrette.

Nein, das geht leider nicht.

 

Prenez-la avec vous, il vaudra mieux.

Es wird besser sein, sie gleich mitzunehmen.

C.

Tant pis … Au revoir.

Schade … Auf Wiedersehen.

E.

Au revoir.

Auf Wiedersehen.

(Der Kunde geht, läßt seine Zigaretten liegen. Die Angestellte bedient den nächsten Kunden.)

E.

Monsieur?

Mein Herr?

(Der erste Kunde kommt noch einmal zurück.)

C.

Pardon, j’ai oublié mes cigarettes.

Verzeihung, ich habe meine Zigaretten vergessen.

H.

Quel drôle de client!

Was für ein komischer Kunde!

 

Il n’est pas normal, hein?

Der ist doch nicht normal, oder?

E.

Vous avez raison …

Sie haben recht …

 

Vous désirez?

Sie wünschen?

H.

Rien de spécial …

Nichts Besonderes …

 

Je voudrais juste une pièce de collection … pour ma mère!

Ich möchte nur eine Sammlermünze … für meine Mutter!

27 C Neue Wörter

Abkürzungen: adv. = adverbe, conj. = conjonction, f. = féminin, fam. = familier, m. = masculin, pl. = pluriel, qch. = quelque chose, qn. = quelqu’un

Noch ein Hinweis für Ihre Reise: Geld können Sie nur bei Banken wechseln, bei denen Sie das Schild «change» am Eingang oder am Schalter sehen. Wenn Sie einen Euroscheck einlösen, so gilt der derzeitige Höchstbetrag von FF 1.400,00 (mille quatre cents).

«Je voudrais encaisser cet (un) eurochèque, s’il vous plaît» heißt: Ich möchte bitte diesen (einen) Euroscheck einlösen.

Der Schalterbeamte wird meist fragen, ob Sie einen Paß oder eine Kennkarte dabeihaben: «Avez-vous un passeport ou une carte d’identité?»

27 D Im Tal der Loire

Amboise

Zu allen Zeiten haben die Dichter es gepriesen, das Tal der Loire, seine sanfte Sinnlichkeit, sein silbernes Licht, seine mehr als dreihundert châteaux am pastellfarbenen Ufer unter dem reinen Blau eines Himmels, der seinen heiteren Glanz auch noch den grauen Gebilden der Wolken mitzuteilen scheint, die mit den wandernden Sandbänken im gemächlich dahinziehenden Strom korrespondieren. Und nicht nur, weil sie Frankreichs längster Fluß ist, hat man die Loire die »Königin der Flüsse« genannt. Sie ist es auch ihrer besonderen Atmosphäre wegen. Wenn sie von ihrem Ursprung aus, einer Vulkankuppe im südöstlichen Massif Central, ihre Mündung bei Saint-Nazaire, westlich von Nantes, in den Atlantik erreicht hat, dann liegen 1012 Kilometer Wegstrecke hinter ihr. Dabei verbindet sie in einem etwa 300 Kilometer langen Abschnitt zwischen Gien, südöstlich von Orléans, und Angers, das an einem Nebenfluß liegt, vier Provinzen miteinander, in denen die berühmtesten Schlösser, Städte und Kirchen zu finden sind: Orléanais, Blésois, Touraine und Anjou.

Wo heute auf idyllischen Sandbänken Fischer ihre Angelschnüre auswerfen, zogen früher Flachkähne mit Weinfässern vorüber. Eisenbahn- und Lastwagenverkehr haben die Loire als Wasserstraße entthront. Erst ab Angers flußabwärts ist sie heute noch schiffbar. Aber gerade, daß man sie nicht reguliert und begradigt hat, macht ihren Charme aus. »Die Loire, diese Pulsader unseres Frankreich! Strom des Lichtes, süßen glücklichen Lebens!« schrieb der französische Bildhauer Auguste Rodin (1840–1917). »Wo findet man, außer in diesen Gegenden, solche beruhigende, stärkende Gleichmäßigkeit von Luft und Licht?«

Das fragten schon in früheren Jahrhunderten die Könige von Frankreich und errichteten ihre Schlösser an der Loire. Das größte unter ihnen ist Château de Chambord, nur wenige Kilometer östlich von Château de Blois. Franz I. begann mit dem Bau dieses Prunkschlosses, dessen Architekt unbekannt ist und das wegen seiner zu gigantisch geplanten Ausmaße unvollendet blieb. Trotzdem war das château bereits 1539 so beeindruckend, daß Karl V., dem der ehrgeizige Bauherr darin einen pompösen Empfang bereitete, es als Inbegriff dessen bezeichnete, »was menschliche Kunst hervorzubringen vermag«.

Erst im Todesjahr Franz I., 1547, konnten die persönlichen Räume des Königs fertiggestellt werden. Das Schloß zählt 440 Zimmer, 365 Schornsteine, 14 große und 70 kleine Treppen – ein Arrangement skurriler, launiger Überraschungen und Extravaganzen. Wie in Blois finden wir auch hier überall die königlichen Embleme Franz I. wieder. Mit Raffinesse ist die ineinander verschlungene doppelte Wendeltreppe gestaltet. Sie diente der Diskretion: Hinauf- und Hinuntergehende können sich nicht begegnen. Eine phantastische Kulisse von Türmen, Lukarnen und Kaminen bildet die verspielte Dachkonstruktion mit ihren wie in die Lüfte hochgewehten Turmhelmen und Kuppeln. François René Vicomte de Chateaubriand, der französische Dichter der Frühromantik, sagte einmal: «Chambord se présente comme une femme dont le vent aurait soufflé en l’air la chevelure.» – »Chambord gleicht einer Frau, deren Haar der Wind in die Höhe getragen hat.«

Im Unterschied zu Blois war Chambord aber nie Residenz. Es diente ausschließlich repräsentativen Vergnügungen und der Jagdleidenschaft des Königs. Von der Dachterrasse aus konnten die Damen die Treibjagden verfolgen, die in den wildreichen Wäldern rings um das Schloß abgehalten wurden.

Eines der schönsten Schlösser an der Loire ist Château d’Amboise. Der dort geborene Karl VIII. (1470–1498) ließ die mittelalterliche Burg im Stil der Renaissance ausbauen. Und wieder ist es Franz I., welcher in Amboise seine Jugend verbrachte, der es zum Zentrum eines glanzvollen Hoflebens und prächtiger Feste machte. Auch die adeligen Damen spielten dabei eine große Rolle. »Ein Hof ohne Frauen gleicht einem Jahr ohne Frühling, einem Sommer ohne Rosen«, soll er gesagt haben. Bedeutsamer aber ist, daß François Ier Künstler aus Italien an seinen Hof holte, unter ihnen Leonardo da Vinci (1452–1519). Dieser seinem Zeitalter weit vorauseilende Maler, Ingenieur und Erfinder technischer Zukunftswerke verbrachte unter dem Mäzenat Franz I. seinen Lebensabend auf Château de Cloux, dem heutigen Clos-Lucé, bei Amboise. In der chapelle St-Hubert, die als ein Juwel der Gotik im Schloß von Amboise erhalten blieb, erinnert ein Gedenkstein an den «uomo universale», den großen Universalmenschen der italienischen Renaissance.

Le château de Chambord

Wie in Blois werden wir in Amboise aber auch mit dem dunklen Kapitel des 16. Jahrhunderts, den Religionskriegen, konfrontiert. 1560, vier Jahrzehnte nach Leonardos Tod, wurden Hugenotten, die den jungen König Karl IX., den Sohn der Katharina von Medici, als Geisel nehmen wollten, auf Schloß Amboise grausam ermordet.

Mit solchen Erinnerungen aber wollen wir uns im Tal der Loire nicht länger beschweren, ist das Val de Loire doch trotz aller blutigen Ereignisse der Geschichte mit Recht als das Gebiet des «douce France», des lieblichen Frankreich, bekannt. Wenn wir uns Zeit nehmen, auf seine Schönheiten zu achten, zu denen neben zahllosen profanen und sakralen Bauten bedeutender Architektur auch prähistorische Menhire und Dolmen, alte Höhlenwohnungen im weichen Kalkstein und eine fast zweitausendjährige Kultur des Weinbaus gehören, dann werden wir gewahr, daß auch heute noch gilt, was der aus der Touraine stammende Honoré de Balzac (1799–1850) über das Loire-Tal schrieb: »Wenn du die Natur schön und jungfräulich wie eine Braut sehen willst, dann mußt du an einem Frühlingstag dort weilen. Im Frühling strömt dort alles Liebe aus.«

Wir verweilen auch noch im Tal der Loire und treffen uns zur nächsten Sendung in Tours. N’oubliez pas notre prochain rendez-vous.

28

28 A In Tours

La cathédrale St-Gatien

Schon im 2. Jahrhundert kennt der griechische Geograph Ptolemäus die Römerstadt an der Loire unter dem Namen Caesarodunum. Seit dem 4. Jahrhundert hieß sie nach dem gallischen Stamm der Turonen Urbs Turonum, und ein Jahrhundert später zählt sie ihrer geographischen Lage und weitverzweigten Handelsbeziehungen wegen bereits 20.000 Einwohner. Heute ist Tours, die zu beiden Seiten der Loire liegende Hauptstadt der Touraine, als Geschäftsmetropole, Universitätsstadt, Erzbistumssitz und Stätte internationaler Kongresse mit ihren verkehrsreichen Straßen und Boulevards, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs großzügig angelegt wurden, weit über ihren historischen Kern hinausgewachsen. Neben einer chemisch-pharmazeutischen Industrie, der Produktion von Kunststoffen und elektronischen Geräten sowie einem umfangreichen Agrar- und Weinhandel, lebt Tours mit seinen nunmehr 130.000 Bewohnern auch vom Tourismus. Große Hotelkapazitäten, zahlreiche Restaurants und ein Kulturprogramm mit beachtlichen Theater- und Konzertangeboten stehen dem Besucher dieser ansprechenden Stadt im Herzen der Touraine zur Verfügung. Ihre Hauptanziehung aber verdankt sie der dichten Atmosphäre einer überreichen kulturgeschichtlichen Tradition.

Eng ist Tours mit dem heiligen Martin (316/17–397) verbunden, dem aus Ungarn stammenden Offizier der römischen Legion und frühen Missionar der Touraine. Als Schutzpatron des fränkischen Volkes und seiner Könige genoß er einst so hohes Ansehen, daß sein Grab in der Krypta von St-Martin zeitweise zur meistbesuchten Wallfahrtsstätte nach Rom wurde. Das französische Königsgeschlecht der Kapetinger soll seinen Namen von dem cape ableiten, dem Umhang, den der barmherzige Heilige einst mit dem Schwert teilte, um die Blöße eines Bettlers damit zu bedecken.

Zu seinem Grab pilgerte im 6. Jahrhundert auch der heilige Gregor (538–593/94), der Verfasser der »Historia francorum«, des ersten Geschichtswerkes Frankreichs, welcher als Bischof von Tours die Stadt zu einem Zentrum geistigen und religiösen Lebens machte. Er beschrieb auch die Pracht der alten St-Martins-Kirche, die später ein Opfer der Französischen Revolution werden sollte. Im 19. Jahrhundert wurde sie neu erbaut. Unter der Vierungskuppel der kreuzförmigen Basilika im historisierend romanisch-byzantinischen Stil befindet sich die Krypta. Der Bronzestatue des Heiligen auf der Kuppel wurde in die zum Segen ausgestreckte Rechte eine Martinsreliquie eingearbeitet. Aus dem 13. Jahrhundert, als St-Martin nach einer Brandkatastrophe zur damals größten Kirche des Abendlandes ausgebaut wurde, blieben noch der nördliche Querhausturm, die Tour Charlemagne, und der südliche Turm, die Tour de l’Horloge, erhalten.

St-Martin war einst größer als die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert errichtete cathédrale St-Gatien