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Lektorat: Alessandra Kreibaum, Worpswede
Satz: Melanie Jungels, Scancomp GmbH, Wiesbaden
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Einbandgestaltung: Harald Braun, Berlin
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ISBN 978-3-8062-3483-1
Elektronisch sind folgende Ausgaben erhältlich:
eBook (PDF): 978-3-8062-3490-9
eBook (epub): 978-3-8062-3491-6
Kommunikation ist alles
Auf die Sprache kommt es an
Warum unsere nächste Verwandtschaft doch sprechen kann
Koko, Washoe und Kanzi
Panthoot-Schrei und frivole Gestik
Dicker Mann mit blauem T-Shirt
Sänger und Eier
Dauersänger
Die Gesangsschlachten der Siamangs
Liebeslieder für Taube
Gut gesungen?
Gestatten, mein Name ist Flipper
Von wegen „stumm wie ein Fisch“
Blähungen über drei Oktaven
Trommeln, Bellen, Knirschen
Wenn Krokodilbabys mit ihrer Mutter sprechen
Ich hätte gern eine Banane
Streichinstrumente
Paarungsmelodien
Das Blechdosendeckel-Prinzip
Summen mit Herz
Die Geheimsprache
Mit fremder Zunge
Tierisch sächsisch
Männer müssen schön sein
Schöne Räder
Gesichtsfarben
Farbsprache
Leuchtende Liebesbotschaften
Säbelrasseln
Geklapper
Gut geblufft ist halb gewonnen
Tarnen und Täuschen
Ich bin doch nur ein Blatt
Der Superimitator
Die perfekte Leiche
Zauberei
In Frauenkleidern zum Erfolg
Transvestitenvögel
Eine getürkte Klapperschlange
Geruchsverkleidung
Die falsche Königin
Mehr als nur den Namen tanzen
Stepptanz
Winker
Duftgeflüster
Der Duft für gewisse Stunden
Die verpackte Liebesbotschaft
Sex mit Hindernissen
Gauchos
Schwächlinge bevorzugt
Gemeinsam schaffen wir das
Feindalarm
Reviermarkierungen
Eine chemische Fitnessdemonstration
Entscheidend ist, was hinten rauskommt
Mit Düften auf der Spur
Ameisensprachen
Eine sprachliche Allrounderin
Schnurrgeheimnisse
Kommunikationskörperteile
Löwenzahn ruft Biene
Wenn der Tabak um Hilfe schreit
Das Grüne Telefon
Literatur
Bildnachweis
Register
Kommunikation ist auch im Tierreich überlebenswichtig.
Kommunikation, sprich der Austausch von Informationen, ist nicht nur für uns Menschen, sondern auch in der Tierwelt für viele Arten geradezu überlebensnotwendig. Schließlich müssen im Tierreich ständig Artgenossen über Futterquellen und Bedrohungen informiert, Geschlechtspartner angelockt und Territorien abgesteckt werden. Tiere können zwar weder per E-Mail oder SMS kommunizieren noch einen Instant-Messaging-Dienst wie Skype nutzen, dafür steht ihnen aber – je nach Tierart – eine ganze Palette anderer, oft ziemlich außergewöhnlicher Kommunikationsarten zur Verfügung.
Das bekannteste Kommunikationsmittel im Tierreich ist die sogenannte Lautsprache: Da wird gebellt, miaut, trompetet, geknurrt, gebrüllt und vor allem gesungen. Die Lautsprache kann dabei ziemlich komplex sein. So verfügen manche Tierarten, wie Vögel, Elefanten oder manche Affen, über ein Lautrepertoire, das sich aus Dutzenden von einzelnen Elementen zusammensetzt. Sogar Krokodile, die ein Gehirn von der Größe einer Walnuss besitzen, können mit bis zu 20 unterschiedlichen Lauten miteinander kommunizieren.
Andere Arten wiederum verfügen lediglich über sehr wenige Laute, können diese jedoch derart kombinieren, dass sogar eine Art Sprache entstehen kann. Am nächsten an eine Sprache im menschlichen Sinn kommen dabei wohl Präriehunde heran. Die nordamerikanischen Verwandten unserer Murmeltiere können, so neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, in einem kurzen Warnpfiff geradezu ein Füllhorn von Informationen unterbringen.
Wir kennen das aus der Welt des Rocks, des Pops und des Schlagers: Man muss als Mann keineswegs wie Brad Pitt aussehen, um bei den Damen Erfolg zu haben, wenn, ja wenn man gut singen kann. Eine Regel, die durchaus auch für das Tierreich gilt. Bei vielen Tierarten sind es die Männchen, die singen, um die Weibchen durch die Qualität ihres Gesanges von ihren anderen Qualitäten zu überzeugen. Ein deutlicher Beweis für diese Tatsache ist der Gesang unserer Vögel. Hier sind es fast ausschließlich die männlichen Tiere, die mit ihrem Gesang gleich zwei Dinge bezwecken: erstens, ihr Revier akustisch gegenüber männlichen Rivalen abzugrenzen, und zweitens, die eine oder andere Vogeldame zu verführen. Und da kommt es nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf die Quantität an. Männer mit einem großen Gesangsrepertoire haben nach wissenschaftlichen Untersuchungen auch die besten Chancen, von der Damenwelt erhört zu werden. So können etwa besonders gute Sänger unter den männlichen Kanarienvögeln ihre Weibchen allein mit ihrem Gesang dazu bringen, größere Eier zu legen.
Gesangsmäßig sind die Vogelmänner im Tierreich jedoch keineswegs allein. Auch bei vielen Walarten wird gesungen, was das Zeug hält, um eine Herzdame anzulocken beziehungsweise das eigene Revier zu markieren. Das wohl beeindruckendste Liedgut findet man bei den Buckelwalen, deren Gesang – was Aufbau und Komplexität betrifft – nach Ansicht von Experten den Vergleich mit einer Beethoven-Symphonie keineswegs zu scheuen braucht. Ähnliches gilt für die Gesänge von Finnwalen, Orcas und Delfinen.
Apropos Delfine: Vor Kurzem konnten Wissenschaftler zeigen, dass Delfine, die sich ähnlich wie Wale mit Grunzern, Pfiffen und Belltönen verständigen, die einzigen Tiere sind, die sich gegenseitig mit Namen anreden.
Sogar die ganze Familie singt bei den Siamangs, großen Affen, die in den Wäldern Südostasiens zuhause sind. Die Familiengesänge dienen dazu, rivalisierende Gruppen auf akustischem Weg auf Distanz zu halten.
Gesungen wird im Tierreich jedoch auch bei Tieren, bei denen man das auf den ersten Blick mit Sicherheit nicht vermuten würde, nämlich einigen Fischarten. Allerdings werden die Töne von den Meeresbewohnern dabei nicht mit dem Mund, sondern mit der Schwimmblase und anderen Körperteilen erzeugt. Ähnliches gilt auch für einige Insektenarten. So kommunizieren Stechmücken und Grillen über Geräusche, die sie mithilfe ihrer Flügel erzeugen, währen Zikaden in Sachen Unterhaltung auf Geräusche setzen, die sie mit einem „Trommelorgans“ im Hinterleib produzieren.
Was sich Tiere so mitzuteilen haben, bekommen wir Menschen manchmal überhaupt nicht mit. So plaudern Elefanten und Wale mithilfe von Infraschall – niederfrequenten Tönen, die so tief sind, dass sie außerhalb des Hörbereiches von uns Menschen liegen. Was für ein exzellentes Kommunikationsmittel Infraschall ist, zeigen Finnwale, die sich mit dieser „Geheimsprache“ locker über Hunderte von Kilometern verständigen können. Auch die Liebeslieder von Mäusemännern können wir Menschen nicht vernehmen, denn die Nager singen im Ultraschallbereich.
Und wer glaubt, Dialekte und Fremdsprachen wären allein uns Menschen vorbehalten, der muss sich von Affe, Vogel, Wal, Seelöwe und Co. eines Besseren belehren lassen.
Apropos Fremdsprachen: Wissenschaftler haben viele Jahre lang vergeblich versucht, unserer nächsten Verwandtschaft im Tierreich, den Menschenaffen, die menschliche Sprache beizubringen. Aber letztendlich hat die Wissenschaft dennoch eine „Sprache“ entdeckt, mit der wir Menschen ausgezeichnet mit Schimpansen, Gorillas und Co. kommunizieren können – per Taubstummen- oder genauer gesagt Gebärdensprache. Eine Kommunikationsart, die unserer langarmigen Verwandtschaft offensichtlich sehr entgegenkommt und mithilfe derer auch regelrechte „Mensch-Affe-Gespräche“ möglich sind.
Dass Mensch-Tier-Gespräche auch mit Graupapageien funktionieren, bewies der wohl klügste Papagei aller Zeiten: Alex. Der konnte mehr, als nur Gehörtes ohne Sinn und Verstand nachzuplappern. Er war sogar in der Lage, mithilfe der von ihm erlernten menschlichen Sprache nicht nur Wünsche zu äußern, sondern auch Auskunft über seinen Gemütszustand zu geben. Allerdings wurde Alex auch über 25 Jahre lang an einer amerikanischen Universität ausgebildet.
Kommunikationsmäßig kommt es im Tierreich oft auch gewaltig auf die Optik an. Gerade männliche Tiere wollen mit der überbordenden Pracht ihres Fells oder Gefieders oder Statussymbolen, wie Mähne oder Geweih, den Damen signalisieren, dass sie besonders gesund, fit und leistungsfähig sind und dass deshalb nur sie als Partner infrage kommen. Und dabei kommt es manchmal auf Nuancen an. So entscheidet beispielsweise bei Ukari-Affen und Schmutzgeiern der Grad der Gesichtsfärbung, ob ein Bewerber von seiner Auserwählten erhört wird oder nicht.
Chamäleons operieren dagegen mit Farbveränderungen. Die Reptilien mit der langen Zunge verändern ihre Farbe nicht, wie lange angenommen, um sich einem Hintergrund besser anzupassen, sondern um Artgenossen Auskunft über ihren Gemütszustand zu geben: Bunte, grelle Farben weisen auf eine positive Grundstimmung hin, während blasse Farben eher als negative Aussage zur eigenen Befindlichkeit zu deuten sind.
Die hellen Leuchtsignale, mit denen die Glühwürmchen im Frühsommer eine unnachahmliche Stimmung in unsere Wälder zaubern, dienen aber der Partnerfindung.
Bei der Honigbiene findet der Informationsaustausch dagegen per Tanz statt. Sogenannte Kundschafterinnen teilen ihren Artgenossinen per Rund- oder Schwänzeltanz nicht nur detailliert mit, wo sich Nahrungsquellen befinden, sondern auch, wie ergiebig diese sind.
Ein großer Teil dessen, was sich viele Tierarten zu sagen haben, läuft mithilfe von Duftstoffen, sogenannten Pheromonen, ab. Diese chemische Kommunikation hat ein breites Spektrum. Reicht sie doch von einer einfachen Reviermarkierung durch Urin bei Hunden bis hin zu den komplizierten Duftbotschaften, mit denen staatenbildende Insekten, wie etwa Ameisen, miteinander kommunizieren. Per Chemie können nicht nur Liebesbotschaften versendet werden, sondern wird auch einem Rivalen Auskunft über soziale Stellung, Gesundheitszustand und Kampfbereitschaft erteilt. Die chemische Kommunikation funktioniert sogar unter Wasser, wie das „Duftgeflüster“ unserer größten Krebsart, des Hummers, beweist.
Zahlreiche Tierarten setzen gern akustische, optische oder andere Signale ein, um einen Gegner einzuschüchtern. Mit diesen sogenannten Drohgebärden soll Artgenossen oder anderen Tierarten mitgeteilt werden, dass es jetzt besser ist, auf Abstand zu bleiben. Eine der bekanntesten Drohgebärden im Tierreich ist das berühmte Klappern der Klapperschlange, mit dem einem körperlich überlegenen Gegner vermittelt werden soll, dass er bei weiterer Annäherung mit einem tödlichen Giftbiss zu rechnen hat. Echte Allrounder in Sachen Drohgebärden sind dagegen Stachelschweine, die versuchen, einen potenziellen Gegner mit einem ganzen Sammelsurium an Drohgebärden – wie Knurren, Mit-den-Füßen-Stampfen oder einem gepflegten Rasseln mit den langen Stacheln – zu beeindrucken.
Im Tierreich ist es aber auch gang und gäbe, einem Artgenossen oder einem Fressfeind falsche Botschaften zukommen zu lassen. Beispielsweise, indem man sich so raffiniert tarnt, dass man nicht von der Umgebung zu unterscheiden ist, oder indem man Farbe und Gestalt eines gefährlichen Tieres annimmt, um einem Fressfeind zu signalisieren: „Bei mir lässt Du besser die Pfoten weg, sonst kann das schlimm für Dich ausgehen.“ Die Wissenschaft spricht bei diesen Täuschungsmanövern von Mimese und Mimikry.
Viele Tierarten belassen es übrigens keineswegs bei einer einzigen „Sprache“. So steht Katzen beispielsweise ein ganzer Strauß an Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Unsere Miezen setzen bei der Verständigung mit Artgenossen nicht nur auf ihre gut entwickelte Lautsprache, sondern auch auf ihre, ebenfalls sehr nuancierte, Körper- und Duftsprache. Sprachliche Multitalente eben.
Ob es tatsächlich eine, nach menschlichen Maßstäben gemessene, „echte“ Sprache ist, mit der sich viele Tierarten untereinander verständigen, sei einmal dahingestellt. Unbestritten ist jedoch, dass die verschiedenen Tierarten Laute benutzen, um miteinander zu kommunizieren. Das Spektrum reicht dabei von Menschenaffen, Walen, Elefanten und Vögeln über Krokodile und Fische bis hin zu Insekten. Meist geht es bei den gesprochenen beziehungsweise gesungenen Botschaften um die Verteidigung des eigenen Reviers oder das Anlocken eines Sexualpartners – stark vereinfacht formuliert: „Bleib mir bloß vom Leib“ oder „Komm doch bitte her“. Aber auch in der Brutpflege oder wenn es um die soziale Bindung geht, werden vielfach die unterschiedlichsten Laute eingesetzt.
Was ein Graupapagei spielend schafft, sollte gerade für einen Schimpansen nun wirklich kein echtes Problem darstellen: die menschliche Sprache zu erlernen. Schließlich handelt es sich bei den klugen Menschenaffen, im Gegensatz zu den sprachfreudigen Piepmatzen, um unsere nächste Verwandtschaft im Tierreich. Von ihrer Genausstattung stimmen Schimpansen immerhin zu rund 98 Prozent mit uns Menschen überein. Aber unsere langarmige Verwandtschaft bekommt, wider Erwarten, das mit dem Sprechen einfach nicht gebacken. Oder kennen Sie vielleicht einen sprechenden Schimpansen?
Menschenaffen kennen verschiedene Arten der Kommunikation.
Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg, in den späten 1940erbeziehungsweise frühen 1950er-Jahren, scheiterten amerikanische Wissenschaftler gleich reihenweise beim vergeblichen Versuch, Schimpansen und anderen Menschenaffen wenigstens ein paar menschliche Worte beizubringen. Die kamen, trotz größter Anstrengungen der Wissenschaftler, über ein paar gequälte Töne, die man nur mit viel gutem Willen als „Papa“ und „Mama“ interpretieren konnte, nicht hinaus.
Nach Ansicht der Wissenschaft gibt es gleich mehrere Gründe, warum Menschenaffen nicht sprechen können. Zum einen fehlen Schimpansen und Co. schlicht und einfach die anatomischen Voraussetzungen für diese Fähigkeit. Im Vergleich zum Menschen ist bei Menschenaffen das Zungenbein im Verhältnis zum Schädel nur wenig abgesenkt. Und das verhindert eine komplexe Lautbildung, die für das Erlernen der menschlichen Sprache aber dringende Vorrausetzung ist.
Außerdem fehlt Menschenaffen offenbar auch noch ein Sprachzentrum im Gehirn, das bei Menschen vor allem in der Großhirnrinde zu finden ist. Zudem besitzt der moderne Mensch – wie übrigens einst sogar schon der Neandertaler – im Vergleich zum Menschenaffen einen vergleichsweise doppelt so großen Unterzungennerv. Nach Ansicht einiger Wissenschaftler ist die Vergrößerung dieses Unterzungennervs offenbar auch mit der Evolution der menschlichen Sprache einhergegangen.
Nach neueren Erkenntnissen scheint auch ein Gen namens FOXP2, auch bekannt als „Sprachgen“, eine entscheidende Rolle bei der Sprachbildung zu spielen. Neben uns Menschen besitzen auch Schimpansen, Vögel, Reptilien und sogar Schnecken dieses Sprachgen. Aber offensichtlich ist FOXP2 nur bei uns Menschen in einer Mutation vorhanden, die die Ausbildung einer komplexen Sprache erlaubt.
Aber allen anatomischen Unzulänglichkeiten der Menschenaffen zum Trotz, haben die Psychologieprofessoren Allen und Beatrix Gardner von der Universität von Nevada in Reno Mitte der 1960er-Jahre dennoch einen Weg gefunden, mit unserer haarigen Verwandtschaft zu plaudern. Das amerikanische Psychologenpaar brachte dem zehn Monate alten weiblichen Schimpansenbaby Washoe bei, sich mithilfe der American Sign Language (ASL) – einer Zeichensprache, die ursprünglich für amerikanische Gehörlose entwickelt wurde – mit Menschen zu verständigen. Die Psychologen zogen das Schimpansenmädchen in ihrem Heim wie ein menschliches Kind auf und kommunizierten mit ihm ausschließlich per ASL. Und das mit großem Erfolg: Washoe, die oft menschliche Kleidung trug und ihr Dinner stets gemeinsam mit ihren menschlichen Adoptiveltern einnahm, war bald in der Lage, mehrere hundert unterschiedliche Zeichen der Gebärdensprache sinnvoll einzusetzen und sogar kleine Sätze zu bilden. Beflügelt von diesem Erfolg, unterwiesen die Gardners noch weitere Schimpansen in der Gebärdensprache. Diese Art der Kommunikation kommt Schimpansen und anderen Menschenaffen sehr entgegen, da sie auch in ihrer natürlichen Umgebung Hände und Finger zur Verständigung untereinander mit großem Geschick einsetzen. Erstaunlicherweise war Washoe sogar in der Lage, eigenständig altbekannte Begriffe neu zu kombinieren, um für sie bisher Unbekanntes zu beschreiben: So formte sie, als ihr zum ersten Mal im Leben ein Schwan über den Weg lief, sofort mit ihren Händen nacheinander die Zeichen „Wasser“ und „Vogel“. Die erstaunlichste Leistung erbrachte die gelehrige Schimpansendame jedoch im Jahr 1978, als sie sich sogar als tierische Lehrmeisterin erwies und dem von ihr adoptierten Schimpansenbaby Loulis ebenfalls die Gebärdensprache beibrachte. Damit war Loulis das erste Tier, das ein menschliches Kommunikationsmittel von einem nicht menschlichen Wesen gelernt hatte.
Generell arbeiten Schimpansen, wenn sie sich mit ihren Betreuern per ASL unterhalten, oft mit Synonymen: zum Beispiel „Trinkfrucht“ für Melone oder „Zuckerbaum“ für Weihnachten – und das durchaus auch mit einer zeitlichen Komponente. Beim ersten Schneefall hat Washoe ihre Adoptiveltern regelmäßig darauf hingewiesen hat, dass sie sich jetzt wieder auf „Vogelfleisch“ freue. Die clevere Schimpansin meinte damit den traditionellen Truthahnbraten zum Thanksgiving-Fest.
Übrigens, in Gebärdensprache ausgebildete Schimpansen kommunizieren durchaus auch untereinander mithilfe von ASL – und das nicht gerade selten. Bei den Mahlzeiten, beim Spiel, aber auch beim Familienstreit ist ASL die Sprache der Wahl der Schimpansen.
Die Kenntnis und der Gebrauch von ASL sind jedoch keineswegs nur Schimpansen vorbehalten. Auch die heute 45-jährige Gorilladame Koko erweist sich geradezu als Meisterin, wenn es darum geht, per Gebärdensprache zu kommunizieren. Die 1971 in einem amerikanischen Tierpark geborene Koko wurde bereits von Kindesbeinen an von der Psychologin und Tierforscherin Francine Patterson in der Gebärdensprache unterwiesen. Koko konnte bereits mit zwei Jahren erste Sätze bilden. Mittlerweile beherrscht das Gorillaweibchen laut ihren Betreuern mehr als 1000 unterschiedliche Zeichen der Gebärdensprache. Dazu ist sie angeblich auch in der Lage, rund 2000 englische Worte zu verstehen.
Koko und andere Menschenaffen sind Bestandteil des Projekts „Koko“ der Forschungseinrichtung „Gorilla Foundation“, die im kalifornischen Woodside zu Hause ist und es sich zum Ziel gesetzt hat, Wege der Kommunikation zwischen Menschen und ihren tierischen Vettern zu untersuchen.
Und über was unterhält sich Koko am liebsten mit ihren Betreuern? Da liegt der Fokus der Gorilladame ganz klar auf Leckereien und anderen Nahrungsmitteln. So wünscht sie sich zum Beispiel von ihren Pflegern, auf Nachfrage, als Weihnachtsgeschenk ganz gezielt Süßigkeiten und Äpfel. Aber nicht nur, wenn es um die leiblichen Bedürfnisse geht, sondern auch in Notfällen weiß sich Koko per Gebärdensprache durchaus zu helfen. So zeigte sie beispielsweise einmal ihrem Pflegepersonal via ASL an, dass sie von Zahnschmerzen geplagt sei und konnte sogar die Intensität der Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen.
Koko weist übrigens nach Aussagen ihrer Betreuer immerhin einen Intelligenzquotienten von 95 auf – was knapp unterhalb des menschlichen Durchschnitts liegt. Genau wie Washoe behilft sich Koko bei der Beschreibung von für sie neuen Gegenständen mit Metaphern, wie etwa „Pferd-Tiger“ für ein Zebra, „Fingerarmband“ für einen Ring oder „Elefantenbaby“ für eine langnasige Pinocchio-Puppe. Und die sprachgewaltige Gorilladame kommt offensichtlich auch mit für einen Menschenaffen eher abstrakten Begriffen zurecht. Von ihren Pflegern befragt, was sie sich denn unter dem Begriff „Tod“ vorstelle, antwortete Koko mit drei Zeichen: gemütlich – Höhle – auf Wiedersehen.
Koko zeigt bei ihren Gesprächen mit Menschen, die die Zeichensprache noch nicht so gut gemeistert haben wie sie selbst, übrigens viel Geduld und macht ihre Zeichen sehr langsam beziehungsweise wiederholt sie sogar bei Bedarf.
Die Gorilladame gehört auch zu den ganz wenigen nicht menschlichen Wesen, die sich zumindest zeitweilig ein eigenes Haustier hielten. Koko hat sich im Laufe der Jahre geradezu rührend um mehrere junge Katzen gekümmert. Besonders innig war die Beziehung zu einem Kätzchen, das Koko „All Ball“ taufte. Eine Beziehung, die später in allen Einzelheiten in dem 1987 erschienenen Buch „Koko‘s Kitten“ dokumentiert wurde. Als All Ball von einem Auto überfahren wurde, war Koko wochenlang untröstlich und signalisierte ihren Betreuern ständig die ASL-Zeichen für schlecht, traurig und finster. Einige Jahre später erhielt Koko von ihren Pflegern die Erlaubnis, sich erneut aus einem Wurf einer Manx-Katze zwei kleine Kätzchen als künftige Spielgefährten auszusuchen und ihnen auch einen Namen zu verleihen. Und genau diese Namensgebung durch Koko zeigte dann sowohl die scharfe Beobachtungsgabe als auch die Fantasie des Gorillaweibchens: Ein Kätzchen taufte Koko, aufgrund seiner pinkfarbenen Lippen und Nasenspitze, „Lipstick“. Das zweite erhielt den Namen „Smokey“, weil es Koko, wie sie ihren Pflegern mitteilte, rein farblich an ein Kätzchen aus einem ihrer Lieblingsbücher erinnerte. 2015 anlässlich ihres Geburtstages wurden Koko zwei neue Kätzchen als mögliche Spielkameraden präsentiert, die sie dann sofort – passend zu ihrer Fellfarbe – „Miss Black“ und „Miss Grey“ taufte.
Das „Projekt Koko“ ist wissenschaftlich allerdings nicht unumstritten. Einige Kritiker bemängeln, dass Berichte über Koko zwar häufig in der Regenbogenpresse zu finden seien, dass jedoch nur sehr wenige Veröffentlichungen existierten, die wissenschaftlichen Anforderungen genügten. Andere Wissenschaftler zweifeln sogar generell an der Sprachfähigkeit Kokos und anderer ASLfähigen Menschenaffen. So ist etwa der amerikanische Psychologe Herbert S. Terrace, der selbst viele Jahre die Sprachfähigkeit von Menschenaffen untersucht hat, der festen Überzeugung, dass die vermeintliche Sprachfähigkeit von Menschenaffen lediglich auf dem sogenannten „Kluger-Hans-Effekt“ beruht. So bezeichnet man in der Verhaltensforschung die unbewusste einseitige Beeinflussung des Verhaltens von Versuchstieren durch den durchführenden Wissenschaftler. Und zwar eine Beeinflussung genau in die Richtung, bei der der beim Versuch erwartete beziehungsweise erwünschte Effekt eintritt. Einfacher formuliert: Koko und Co. würden ihre erlernten ASL-Zeichen nicht wie „echte“ Wörter einer „richtigen“ Sprache verwenden, sondern lediglich mit bestimmten erlernten Gesten um Futter betteln.
Einen völlig anderen Weg, sich mit uns Menschen zu verständigen, hat der heute 36-jährige Bonobo Kanzi eingeschlagen beziehungsweise erlernt. Kanzi, der in einem speziellen Versuchslabor in Des Moines im US-Bundesstaat Iowa lebt, kommuniziert mit seinen Betreuern in der künstlichen Symbolsprache „Yerkish“. Einer Sprache, die aus 256 abstrakten geometrischen Zeichen, sogenannten Lexigrammen, besteht, die auf einer Symboltafel übersichtlich angeordnet sind.
Die Symboltafel wiederum ist mit einem Computer verbunden, der die Zeichen in menschliche Sprache übersetzt und diese auch über einen Lautsprecher hörbar macht. Durch gezieltes Tippen auf die kleinen Symbole ist Kanzi sogar in der Lage, kleine Sätze zu bilden. So kann der gelehrige Bonobo seiner Betreuerin, der amerikanischen Psychologin und Affenforscherin Sue Savage-Rumbaugh, beispielsweise mitteilen, was er sich zum Abendessen wünscht oder dass er jetzt gerade Lust verspürt, eine Runde Verstecken zu spielen.
Kanzi ist sogar fähig, bei kleinen Sätzen die grammatischen Beziehungen zwischen den Wörtern zu berücksichtigen. So kann er genau unterscheiden, ob jetzt ein Hund eine Schlange beißt oder vielleicht doch umgekehrt.
Erstaunlicherweise weiß sich Kanzi auch dann zu helfen, wenn ein Begriff nicht auf der Lexigrammtafel zu finden ist: Verspürt das Bonobomännchen beispielsweise Lust auf eine Pizza, tippt es einfach hintereinander auf die Symbole für Tomate, Käse und Brot.
Offensichtlich versteht Kanzi sogar Englisch. Kanzi kennt mittlerweile die Bedeutung von fast 3000 englischen Wörtern und kann sie nahezu fehlerfrei Personen, Fotos, Objekten oder eben Lexigrammen zuordnen. So kann der sprachlich hochbegabte Bonobo auf Anforderung eine Tomate aus der Mikrowelle holen oder eine bestimmte Person auf einem Foto identifizieren.
Kanzi ist sogar mehrsprachig: Der Bonobomann spricht zumindest auch ein paar Brocken American Sign Language. Diese hatte er bei der Betrachtung einiger Videos, auf denen sich das bereits erwähnte Gorillaweibchen Koko mit ihren Betreuern in der Zeichensprache unterhielt, aufgeschnappt. Allerdings wendet Kanzi diese Zeichen nur relativ selten an.
Um auszuschließen, dass es sich beim Sprachverständnis von Kanzi nicht um den bereits erwähnten Kluger-Hans-Effekt handelt, sprich, dass der Affe nicht lediglich auf unbewusste Hinweise, wie etwa eine Änderung des Gesichtsausdrucks, handelt, setzte man Kanzi einfach in ein benachbartes Zimmer und stellte ihm diverse Aufgaben über Kopfhörer. Und siehe da, Kanzi löste fast alle Aufgaben mit Bravour, auch wenn er keinen Augenkontakt zu seinen Betreuern hatte. Damit war erwiesen, dass Kanzi tatsächlich über ein echtes Sprachverständnis verfügt.
Der „Kluge Hans“ – ein tierischer Multifunktionskünstler?
Der Kluger-Hans-Effekt
Es war ein ehemaliges Droschkenpferd namens Hans, das Anfang des 20. Jahrhunderts zur tierischen Sensation des deutschen Kaiserreichs wurde. Hans konnte deutlich mehr als das gewöhnliche Durchschnittspferd. Der Entdecker und Trainer des Kutscherpferdes, der pensionierte Berliner Lehrer Wilhelm von Osten (1838–1909), hatte Hans nach eigenen Angaben innerhalb von lediglich zwei Jahren die Grundrechenarten beigebracht. Und tatsächlich demonstrierte das Pferd diese Fähigkeit ungläubigen Zweiflern auf Wunsch jederzeit. Das Ergebnis ihm gestellter Rechenaufgaben teilte Hans seiner Zuhörerschaft nicht mit dem Mund, sondern mit den Extremitäten mit: Der kluge Hengst klopfte mit dem rechten Vorderhuf einfach solange auf den Boden, bis er bei der richtigen Zahl angelangt war. Aber Hans Fähigkeiten beschränkten sich nicht nur auf seine verblüffenden Rechenkünste. Angeblich konnte der schlaue Vierbeiner auch lesen. Zur Demonstration dieser verblüffenden Tatsache ließ von Osten auf eine Reihe von Tafeln verschiedene Wörter schreiben. Wurde dann eines dieser Wörter genannt, berührte Hans unverzüglich mit seiner Nase just die Tafel, auf der das betreffende Wort stand. Und damit immer noch nicht genug: Hans war auch in der Lage, den richtigen Wochentag und die korrekte Uhrzeit zu nennen, er konnte Personen anhand von Fotografien identifizieren sowie Farben, Töne und Münzen unterscheiden. Sozusagen ein tierischer „Multifunktionskünstler“.
Die logische Konsequenz dieser Darbietungen war, dass der „Kluge Hans“, wie das Pferd dank seiner sensationellen Fähigkeiten bald genannt wurde, nicht nur in Deutschland, sondern sogar weltweit ein gewaltiges mediales Aufsehen erregte. Hans erreichte bald Kultstatus und war so populär wie heute ein Popstar. Das ging sogar so weit, dass das Pferd über eigene Bodyguards verfügte. Der Hengst musste regelmäßig von Polizisten vor sensationslustigen und allzu aufdringlichen Bewunderern geschützt werden. Klar, dass viele seriöse Wissenschaftler hinter den Fähigkeiten von Hans eine betrügerische Manipulation seitens Wilhelm von Ostens vermuteten. Hans beantwortete jedoch Aufgaben auch dann richtig, wenn von Osten abwesend war und ein Fremder die Fragen stellte. Um dem „Phänomen Hans“ auf die Spur zu kommen, wurde dann, angeblich sogar auf kaiserlichen Befehl, im September 1904 eine 13-köpfige wissenschaftliche Kommission unter Leitung des Philosophieprofessors und Mitglieds der renommierten Preußischen Akademie Carl Stumpf eingesetzt. Und tatsächlich kam Oscar Pfungst, ein Assistent Stumpfs, dem Geheimnis des Wunderpferds relativ schnell auf die Schliche: Hans hatte keineswegs überragende Geistesgaben, war aber in der Lage, selbst feinste Nuancen in Gesichtsausdruck und Körpersprache der Fragesteller zu deuten. Die Fragesteller veränderten in den entscheidenden Situationen – wenn die Lösung der Aufgabe unmittelbar bevorstand – oft unbewusst ihre Körperspannung oder gar Mimik und dadurch wusste der Hengst in über 90 Prozent der Fälle, wann er klopfen beziehungsweise mit den Hufschlägen aufhören sollte. Ein Phänomen, das übrigens bald als sogenannter Kluger-Hans-Effekt seinen Platz im Vokabular der experimentellen Psychologie fand.
Den „Klugen Hans“ dagegen konnte auch sein Starstatus nicht vor dem Militärdienst im Ersten Weltkrieg retten. Nachdem der Hengst zwangsrekrutiert wurde, verlor sich seine Spur auf den Schlachtfeldern der Westfront.
Saufende Schimpansen
Vögel, Igel, Elefanten, Eichhörnchen, Hunde, Elche, Insekten – schon eine Menge Tiere wurde beim Alkoholkonsum beobachtet. Und auch bei Schimpansen wurde bereits mehrfach eine, um es vorsichtig zu formulieren, gewisse Affinität zum Alkohol festgestellt. So haben Wissenschaftler der Universität Oxford vor einigen Jahren im afrikanischen Guinea eine Gruppe Schimpansen entdeckt, die regelmäßig Palmwein konsumiert. Einen Palmwein, den die Einwohner in einem kleinen Ort namens Bossou selbst herstellen. Dazu ritzen sie einfach eine Raphiapalme hoch oben in der Baumkrone an und fangen den austretenden Palmsaft in einem Kunststoffbehälter auf. Der Saft wird anschließend durch Fermentation vergoren und erreicht dadurch einen Alkoholgehalt von knapp sieben Prozent.
Aber nicht nur die Bewohner von Bossou, sondern auch eine in der Nähe des Dorfes lebende Schimpansengruppe ist in Sachen Palmwein offensichtlich auf den Geschmack gekommen. Sie geht äußerst raffiniert vor, um an das berauschende Getränk heranzukommen: Zunächst klettern die langarmigen Palmweintrinker auf die Palme und basteln sich – durch mehrmaliges Falten aus einem Palmblatt – eine Art „Löffelschwamm“. Diesen Löffelschwamm stecken sie dann in den Behälter mit Palmwein, warten bis er mit Wein vollgesogen ist und drücken ihn genüsslich im Mund aus. Einige Schimpansen sind mittlerweile zu Gewohnheitstrinkern mutiert, die bis zu drei Liter Palmwein am Tag trinken und dann irgendwo am Boden ihren Rausch ausschlafen müssen. Und offensichtlich trinkt man als Schimpanse nicht gern allein. Oft werden hoch oben in der Palme regelrechte Saufgelage veranstaltet. Und bei denen geht es erstaunlicherweise recht ungezwungen zu – unter tierischen Saufkumpanen teilt man sich gern auch mal brüderlich die Löffelschwämme. Übrigens: Auch Schimpansen scheinen gegen einen ordentlichen Kater nicht gefeit zu sein. Die britischen Forscher konnten beobachten, dass die Menschenaffen, die an einem Tag vergleichsweise viel Palmwein getrunken hatten, sich am darauffolgenden Tag in Sachen Alkoholkonsum deutlich zurückhielten.
Und Kanzi hat noch wesentlich mehr auf dem Kasten. Dazu gehört eine Fähigkeit, die man bisher noch bei keinem anderen Tier beobachtet hat: gezielt Feuer zu machen und sich mithilfe der Flammen eine leckere Mahlzeit zuzubereiten. Als der Bonobo mit seinen Betreuern in einem Wäldchen zum Campen war, sammelte er zunächst einige Äste, zerbrach anschließend die Zweige in kleine Stücke, um sie dann sorgfältig zu einem kleinen Haufen aufzuschichten. Anschließend entfachte der clevere Affe mithilfe von Streichhölzern ein Lagerfeuer und grillte sich gemütlich an einem Stecken einige Marshmallows. Denn warm isst Kanzi seine Marshmallows am liebsten.
Untereinander können Schimpansen auf eine Vielzahl von Kommunikationsmethoden zurückgreifen. Allen voran verfügt unsere langarmige Verwandtschaft über ein durchaus beachtliches Lautrepertoire. So unterscheidet die berühmte Verhaltensforscherin und Schimpansenexpertin Jane Goodall 17 verschiedene Laute, mit denen die afrikanischen Menschenaffen miteinander kommunizieren können. Die wichtigste Lautäußerung ist dabei der sogenannte „Panthoot-Schrei“, mit dem sich die Schimpansen auch in ihrem bevorzugten Lebensraum, im dichten Wald, auf Entfernungen von mehr als einem Kilometer gut verständigen können. Dieser Schrei setzt sich ähnlich einem kleinen Lied aus mehreren aufeinanderfolgenden Elementen zusammen: Wissenschaftler unterscheiden hier „Einleitung“, „Aufbauabschnitt“, „Höhepunkt“ sowie die „Phase des Abebbens“. Der Schrei hat gleich mehrere Funktionen, dient aber in erster Linie als Erkennungszeichen und zum akustischen Kontakthalten der Tiere untereinander.
Die Rufe variieren dabei zwischen den unterschiedlichen Schimpansengruppen je nach Gebiet derart, dass man durchaus von Regionaldialekten sprechen kann. So können Experten, ohne größere Mühe, sprachliche Unterschiede zwischen Schimpansen aus dem Kongo und ihren Artgenossen im Senegal feststellen. Diese Tatsache wird durch Erkenntnisse, die britische Wissenschaftler in einem schottischen Zoo gewonnen haben, bestätigt: Schimpansen nutzen offensichtlich bestimmte Laute, sogenannte „Nahrungsrufe“, um Artgenossen auf vorhandene Nahrungsmittel hinzuweisen. Diese Laute können jedoch, je nach Herkunft der Schimpansen, ziemlich unterschiedlich sein. So konnten die Forscher beobachten, dass die Schimpansen aus einem Safaripark in den Niederlanden eher schrille Laute ausstießen, wenn sie Artgenossen auf einen Apfel hinweisen wollten, während Schimpansen aus einem Zoo in Edinburgh bei dieser Gelegenheit deutlich tiefere Grunzer von sich gaben. Interessant wurde es jedoch, als man einigen „holländischen“ Schimpansen eine neue Heimat bei ihren Artgenossen im Zoo von Edinburgh gab. Nach drei Jahren holländisch-schottischem Zusammenleben hatten die holländischen Schimpansen den Klang ihrer Rufe an den ihrer schottischen Mitbewohner angepasst – wenn auch offensichtlich mit leichtem Akzent. Fazit: Wenn es um Leckereien geht, kann man auch schon mal einen Dialekt lernen.
Die wichtigste Lautäußerung eines Schimpansen ist der sogenannte „Panthoot-Schrei“.
Beim gemeinsamen Spiel dagegen sind bei Schimpansen immer wieder Laute zu hören, die durchaus mit einem „gehechelten Lachen“ zu vergleichen sind.
Aber so richtig laut im Regenwald wird es, wenn eine Schimpansenhorde triumphierend verkündet, dass eine Jagd erfolgreich war. Aber selbst das ist noch nichts gegen das ohrenbetäubende Gebrüll, das eine Horde Schimpansen auf dem Kriegspfad bei einem Überfall auf eine benachbarte Schimpansenfamilie anstimmt.
Übrigens nicht nur in menschlicher Obhut befindliche, sondern auch wildlebende Menschenaffen kommunizieren mit einer Art Zeichensprache. So konnten schottische Forscher vor Kurzem bei einer Schimpansengruppe in Uganda beobachten, dass die Mitglieder dieser Gruppe sich mit mindestens 66 unterschiedlichen Zeichen verständigen. Nach längeren Beobachtungen konnten die Forscher immerhin 36 dieser Gesten eine konkrete Bedeutung zuordnen und dadurch sogar ein regelrechtes „Lexikon“ der Schimpansen-Gebärdensprache erstellen. So deuten die klugen Menschenaffen etwa einem Artgenossen durch eine sogenannte „Luft-Umarmung“ an, dass sie mit ihm durchaus engeren Körperkontakt wünschen. Ein heftiges Stampfen mit den Füßen bedeutet dagegen: „Hey, ich möchte gern spielen.“ Und wenn eine Schimpansenmutter ihrem Jungen die hintere Fußsohle unter die Nase hält, signalisiert sie damit: „Klettere auf meinen Rücken, ich trage dich!“ Mit dem Zerrupfen von Blättern mit den Schneidezähnen will der geneigte Schimpanse oder die geneigte Schimpansin dagegen einer Artgenossin oder einem Artgenossen signalisieren, dass er oder sie einem Schäferstündchen durchaus nicht abgeneigt ist.