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Katja Mielke/Conrad Schetter

Pakistan

Land der Extreme

Geschichte – Politik – Kultur

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag C.H.Beck

 


 

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Zum Buch

Eine Atommacht außer Kontrolle: In Pakistan könnte der Alptraum des nuklearen Zeitalters Wirklichkeit werden. Im Nordwesten, unweit der Hauptstadt Islamabad, kontrollieren die Taliban weite Gebiete, amerikanische Drohnenangriffe verletzen regelmäßig die Souveränität des Landes, und in Großstädten wie Karatschi bricht die Infrastruktur zusammen. Das Buch erläutert, warum der islamische Vielvölkerstaat seit seiner Gründung 1947 politisch so instabil ist. Die Autoren blicken dafür zurück in die Geschichte des Landes von den frühen Hochkulturen über die britische Herrschaft bis heute, erläutern die Bedeutung des Islam für Kultur und Gesellschaft und gehen dem Dauerkonflikt mit Indien nach. Ihr farbiges Porträt ist zugleich eine Sympathieerklärung an ein faszinierendes Land der Extreme.

Über die Autoren

Katja Mielke, geb. 1975, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung.

Conrad Schetter, geb. 1966, ist Professor für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Bonn und wissenschaftlicher Direktor des Bonn International Center for Conversion. Bei C.H.Beck erschien von ihm bereits «Geschichte Afghanistans» (32011).

Inhalt

Vorwort

1 Land am Fluss: Der Natur- und Kulturraum

Karakorum, Kaschmir und die nordwestliche Grenzregion

Punjab

Sindh

Die Wüsten: Belutschistan und Cholistan

2 Land der Jugend: Die Bevölkerung

Wachstum ohne Ende

Die Stellung der Frauen

Facetten des Islam

Formen sozialer Organisation

Das System der biraderi

Stammesstrukturen

Die ethnische Vielfalt

3 Land der Reinen: Die Geschichte

Frühe Hochkulturen

Das Vordringen des Islam

Das Reich der Moguln

Die Briten auf dem Indischen Subkontinent

Der Weg in die Unabhängigkeit

Von der Staatsgründung bis zur Teilung (1947–1971)

Die Regierungszeit Zulfikar Ali Bhuttos (1971–1977)

Die Militärdiktatur Zia-ul-Haqs (1977–1988)

Das Jahrzehnt der Desillusionierung (1988–1999)

Zwischen Militärherrschaft und Demokratie (1999–2013)

4 Land der Gegensätze: Politik und Kultur

Die Rolle des Militärs

Das Militär als Staat im Staate

Die Armee als Unternehmer

Die Rekrutierung des Militärs

Der militärische Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI)

Militär und religiöse Kräfte

Die politische Kultur

Die Zwei-Nationen-Theorie: Falle und Bürde

Die Parteien

Die Großgrundbesitzer

Kolonialer Habitus und Patriotismus

Zivilgesellschaft, Mobilisierung und Protest

«Wohlfahrtsgesellschaft» und wirtschaftliche Realitäten

Die wirtschaftliche Überlebenskunst Pakistans

Agrarproduktion und ländliche Gesellschaft

Arbeitsmigration und Diaspora

Urbanisierung

Bundesstaat und Separatismus

Ungleiche Provinzen

Zentralisierung und Dezentralisierung

Halbautonome Gebiete, Stämme und Staat

Islamisten, Sektierer und Radikalisierung

Vom «Staat der Muslime» zur religiösen Gleichschaltung

Extremistische Bewegungen

Diskriminierung und religiöse Gewalt

Die Radikalisierung der Mittelschichten

Zwischen Bollywood und Familienpolitik

Romantik und Geschäft

Moralismus und die Vielfalt der Lebensstile

Die Weltverbesserer: Intellektuellenmilieus und Wohlfahrtsorganisationen

5 Land der Konflikte: Das Ineinander von Außen- und Innenpolitik

Kaschmir und das Verhältnis zu Indien

Paschtunistan

Freunde und Feinde

Die USA und der pakistanische Antiamerikanismus

Partner China?

Saudi-Arabien und die Golfstaaten

Atommacht Pakistan

Epilog

Zeittafel

Karte: Provinzen, Stammesterritorien und autonome Gebiete in Pakistan

Abkürzungen

Bildnachweis

Pakistan in Zahlen

Literaturhinweise

Personenregister

Vorwort

Für die deutsche Öffentlichkeit war Pakistan bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein weit entferntes, exotisches Land, das Deutschland nur wenig betraf. Das Land spielte für die deutsche Wirtschaft nur eine untergeordnete Rolle und wurde – anders als seine Nachbarn Iran, Indien und Afghanistan – als politisch unbedeutend angesehen. Wahrscheinlich verband man in Deutschland mit Pakistan am ehesten die große Deutsche Nanga-Parbat-Expedition von 1937. Bei der missglückten Erstbesteigung des «Schicksalsbergs der Deutschen» kamen sechzehn Menschen ums Leben. 1953 gelang bei einer weiteren deutschen Expedition zum Nanga Parbat dem Tiroler Hermann Buhl die Erstbesteigung des Achttausenders im pakistanischen Teil der zwischen Indien und Pakistan umstrittenen Region Kaschmir. Wer sich kulturell für Pakistan interessierte, hatte die geheimnisvolle Induskultur oder das glanzvolle Erbe der Mogulherrscher im Auge.

Ein politisches Interesse an Pakistan wurde schlagartig durch den Einmarsch sowjetischer Truppen in das Nachbarland Afghanistan in den Weihnachtstagen des Jahres 1979 geweckt. Seitdem ist Pakistan aus den Weltnachrichten kaum mehr wegzudenken. Das Land wurde zum «Frontstaat» im Kampf gegen die Expansionsbestrebungen der Sowjetunion und 2001 zum wichtigen Alliierten der NATO im «Krieg gegen den Terrorismus» (War on Terror). Aber dieser Brückenkopf des Westens im Kampf gegen Kommunismus und Islamismus wird nicht als sichere Bastion wahrgenommen, sondern selbst als gefährlicher Krisenherd mit harten Konflikten an mehreren Fronten: Die Feindschaft zwischen den Atommächten Pakistan und Indien, Pakistans undurchschaubare Rolle in Afghanistan, die Zunahme gewalttätiger Auseinandersetzungen und terroristischer Anschläge im Land selbst, die Empfänglichkeit ganzer Gesellschaftsschichten für die Ideologie der Taliban, eine schwere Energiekrise und ein hohes Bevölkerungswachstum machen dem Westen Angst. Vielen ist auch noch der blutige Bürgerkrieg in Erinnerung, der 1971 zur Trennung von Ostpakistan, dem heutigen Bangladesch, führte. Verheerende Überschwemmungen wie die vom Sommer 2010 und 2011, Dürren und Erdbeben tragen das ihre dazu bei, Pakistan als ein krisengeschütteltes Land wahrzunehmen.

Diesem Image Pakistans als eines Landes am Abgrund will dieses Buch ein anderes, optimistischeres Bild entgegensetzen. Bisher hat das Land alle schweren Krisen und Konflikte überlebt und ist nicht im Chaos versunken. Wie von unsichtbarer Hand gesteuert, manövriert es sich durch eine Vielzahl von Konflikten, die jeder für sich genommen viele andere Länder überfordern würde. Pakistan scheint nicht trotz, sondern wegen all seiner Krisen weiter zu existieren.

Aber was macht Pakistan überhaupt aus? Was hält – abgesehen von der Begeisterung für Cricket und Bollywood – die zahlreichen Ethnien und religiösen Gemeinschaften überhaupt zusammen? Sind die Bewohner vor allem Pakistaner oder eher Punjabis, Belutschen, Paschtunen, Sindhis, Mohajirin oder Kaschmiris? Es gibt in Pakistan selbst keine konsensfähige Vision dessen, was das Land sein möchte: Will es eher den Staaten in Saudi-Arabien und dem Nahen Osten nacheifern oder seinen südasiatischen Nachbarn? Sechsundsechzig Jahre nach der Gründung Pakistans ist die Antwort auf die Frage «Wofür steht Pakistan?» – Pakistan ka matlab kya hai? – so umstritten wie seit der Abspaltung von Indien nicht mehr. Im Zentrum dieser Einführung in Geschichte, Politik und Kultur Pakistans steht daher die Frage nach der Identität Pakistans.

Die pakistanische Gesellschaft ist von zahlreichen Rissen durchzogen: Familien- und Clanzugehörigkeiten schaffen Bruchlinien, ebenso der Gegensatz von Stadt und Land sowie die Bedeutung des sozialen Status für die Teilhabe an Wirtschaft und Politik. Vertreter extremer Positionen scheinen sich unversöhnlich gegenüberzustehen: Befürworter der Tradition und Vorkämpfer einer – mal islamisch, mal westlich geprägten – Modernisierung, Verfechter einer militärisch erzwungenen Ordnung und couragierte Anhänger der Demokratie, radikale Islamisten und liberale Säkularisten. Das vorliegende Buch geht diesen Extremen nach, die Gegensätze, aber keine Widersprüche sind und vielleicht auch gar nicht so unversöhnlich, wie es scheint. Wenn es gelingt, dabei ein halbwegs realistisches Bild von dem in vieler Hinsicht – landschaftlich, historisch, religiös, sozial – faszinierend vielgestaltigen Land am Indus zu zeichnen, haben wir ein wichtiges Ziel erreicht.

1 Land am Fluss:
Der Natur- und Kulturraum

Pakistan ist ein Land am Fluss. Der Indus oder «Sind», wie ihn die Bewohner nennen, ist die pulsierende Lebensader, die das Land von Norden nach Süden durchzieht. Mit seinen zahlreichen Nebenflüssen ermöglicht er intensiven Feldbau sowie Energieerzeugung und bildet somit die zentrale Ressource für zwei der wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes. Während die Landwirtschaft und vor allem agroindustrielle Unternehmen bis heute einen Großteil des Nationaleinkommens Pakistans ausmachen, zeugt die Energiekrise jedoch davon, dass Elektrizität nur unzureichend gewonnen wird. Großen Dammbauprojekten, wie sie die Regierung gerne als Lösung dieses Problems propagiert, steht der Wasserbedarf der Landwirte gegenüber. So ist das Flusswasser in den letzten Jahrzehnten zu einer umkämpften Ressource geworden. Ein Blick auf die klimatischen Verhältnisse verdeutlicht, warum die Landwirtschaft in hohem Maße auf das Induswasser angewiesen ist.

Pakistan liegt am Übergang des altweltlichen Trockengürtels zum tropischen Südasien. Während der Westen des Landes (vor allem Belutschistan) durch ein arides Klima geprägt ist, zeichnet sich der übrige Teil durch ein tropisches Klima mit einer Regenzeit in den Sommermonaten und einer Trockenzeit zwischen September und Juni aus. Die Niederschlagsmengen unterscheiden sich je nach Region beträchtlich. Ab Juli versorgt der Sommermonsun vor allem den Osten und Norden des Landes für ein bis drei Monate mit Regen (bis zu 1500 mm). Die Gebiete westlich des Indus (Belutschistan, Khyber Pakhtunkhwa) werden dagegen nur gelegentlich und mit weit geringeren Niederschlagsmengen (100–200 mm/Jahr) vom Monsun gestreift. Zudem fallen die Niederschläge von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich aus – ein Umstand, der eine landwirtschaftliche Planung erschwert. Ab September nehmen Niederschlag und Temperaturen allmählich ab. Im Winter können die Temperaturen im nördlichen Punjab nachts bis unter den Gefrierpunkt sinken. In den Hochgebirgen dominieren sehr kalte Winter mit reichlich Schnee. Ab dem Frühjahr wird es im gesamten Land wieder kontinuierlich wärmer. Es beginnt eine sehr heiße, trockene und auch staubige Periode, in der die Temperaturen vielerorts 40 °C überschreiten. Der in den Sommermonaten einsetzende Monsun beendet dann die Hitzeperiode.

Mit seinen unterschiedlichen Wasserständen gibt der Indus für die Bevölkerung in den ländlichen Regionen ganzjährig den Takt des Alltags vor: Durch die Schneeschmelze in den Hochgebirgen schwellen die Flüsse im Frühjahr allmählich an und stellen im Sommer, wenn noch die Niederschläge des Monsuns hinzukommen, die notwendigen Wasserreserven für die Landwirtschaft im Tiefland zur Verfügung. Ab dem Herbst mit seinen abnehmenden Tagestemperaturen sinkt der Wasserpegel des Indus wieder kontinuierlich. Im Winter und bis in den Frühling hinein, wenn die Niederschläge im Hochgebirge durch die Kälte als Schnee und Eis gebunden sind, bilden der Indus und seine Nebenflüsse häufig – je weiter man nach Süden kommt – kaum mehr als Rinnsale.

So stellt dieser Strom mitsamt seinen Zuflüssen für Pakistan zugleich Fluch und Segen dar: Einerseits bildet er die Grundlage für eine intensive Landwirtschaft, an der mehr als 75 Millionen Bewohner teilhaben, andererseits bedroht er durch seine Fluten auch stets das Leben dieser Menschen. Dies hat die Jahrhundertüberschwemmung im August 2010 auf tragische Weise verdeutlicht. Damals schossen die durch lang anhaltende Regenfälle angeschwollenen Flüsse aus den engen Tälern des Hochgebirges hinab und begruben nach und nach große Teile des Landes unter Wassermassen, bis sie die Mündung am Arabischen Meer erreichten. Bereits früh war klar, dass die Zerstörungen durch die Flut, die im nordpakistanischen Swattal begann, einige Tage später auch den südlichen Punjab und den Sindh erreichen würden; dort waren die Schäden dann auch am größten.

Schließlich hält das Flusswasser auch politischen Konfliktstoff bereit: So ist die Wasserzuteilung nicht nur unter den Bauern, sondern auch innerhalb der pakistanischen Provinzen sowie unter ihnen höchst umstritten. Darüber hinaus bildet sie Zündstoff für ernstzunehmende Auseinandersetzungen mit den Nachbarn Indien und Afghanistan. Zu diskutieren wird zukünftig wohl auch der Einzugsbereich des Kabulflusses sein, dessen Wasser von Pakistan nach Afghanistan und zurück nach Pakistan fließt, sodass Pakistan sowohl in einer Oberlauf- als auch Unterlaufsituation steckt. Hier sind Koordinierung und eine vertragliche Abstimmung auf Regierungsebene zwischen Pakistan und Afghanistan dringend notwendig, um regionalen politischen Konflikten vorzubeugen. Im Punjab-Becken mit fünf Flüssen (panj ab) – Beas, Jhelum, Ravi, Setluj, Chenab – ist Indien Oberanrainer von Pakistan. Innerstaatlich besitzt die pakistanische Provinz Punjab als Oberanrainer und Erbe eines von der britisch-indischen Kolonialadministration technisch versiert ausgebauten Kanalsystems zur großflächigen Bewässerung einen erheblichen Vorteil gegenüber Unteranrainer Sindh. Und selbst innerhalb der Provinzen sorgen Dämme und technische Infrastruktur dafür, dass einzelne Regionen eine bessere Wasserversorgung aufweisen als andere. Erschwerend kommt hinzu, dass die Landwirtschaft das Wasser vor allem im Frühjahr und im Sommer benötigt, während die großen Wasserkraftwerke das ganze Jahr über, aber vor allem in den Wintermonaten aus den Stauseen Wasser ablassen, um für Strom zu sorgen.

Folgt man dem Flussverlauf des Indus, lässt sich Pakistan in verschiedene Naturräume gliedern: Im Norden und Nordwesten liegen die Gebirgsregionen. Nach dem Austritt aus den Bergen schlängeln sich der Indus und seine Zuflüsse durch die fruchtbaren Tiefländer des Punjab, die im Süden der Provinz trichterförmig zusammenlaufen. Im Sindh verengt sich das Industal, da hier von Westen die Wüsten Belutschistans und von Osten die Thar-Wüste in das Flusstal hineindrängen, bevor der Indus schließlich den Indischen Ozean erreicht. Im Folgenden werden diese vier Regionen kurz porträtiert (siehe Karte Seite 238).

Karakorum, Kaschmir und die nordwestliche Grenzregion

Der Norden Pakistans ist durch majestätische Gebirge gekennzeichnet. Diese gehören zum Hochgebirgsbogen, der sich von Zentralasien (Tian Shan, Pamir) über Pakistan (Karakorum) bis hin nach Süd- und Südostasien (Himalaya) erstreckt. Die Hochgebirge des Karakorum fallen im Süden mit dem Austritt des Indus in die Tiefebene des Punjab recht abrupt ab, nach Westen hin (u.a. Sulaiman-Gebirge) – zwischen Indus und afghanisch-pakistanischer Grenze – dagegen nur allmählich, im Südwesten des Landes (Belutschistan) gehen sie in Wüsten über. Kennzeichnend für den Nordwesten Pakistans ist ein Labyrinth aus Gebirgszügen, das für die Abgeschlossenheit der Region mitverantwortlich ist.

Im Karakorum finden sich vier Berge über 8000 Meter, unter denen der 8611 Meter hohe K2 der berühmteste ist und Bergsteiger aus aller Welt anlockt. Der schwer zu besteigende, 8126 Meter hohe Nanga Parbat gilt als der «deutsche Berg» im Himalaya-Massiv. Zahlreiche deutsche Expeditionen versuchten sich seit 1934 an der Erstbesteigung. Der starke Aufriss des Karakorum ergibt sich daraus, dass hier plattentektonisch die nördliche Bruchkante der Indischen Platte gegen die Eurasische Platte drückt. Daher kommt es im Norden Pakistans immer wieder zu verheerenden Erdbeben, die ganze Landstriche zerstören. 2005 forderte ein Erdbeben etwa 84.000 Menschenleben.

Die Täler im Karakorum sind tief eingeschnitten. Deshalb stehen nur wenige Agrarflächen zur Verfügung. Zudem schränken die hohen Lagen und die kurze Kultivierungsperiode den landwirtschaftlichen Anbau ein.


Klimawandel und Abschmelzen der Gletscher

Die Hochgebirgsregion war einst stark vergletschert, womit sie einen wichtigen Wasserspeicher für die pakistanische Wasserversorgung bildete. Allerdings sind die Gletscher im Karakorum in den letzten Jahrzehnten im Zuge der Klimaerwärmung rasant abgeschmolzen. Daher rechnen einige Wissenschaftler damit, dass sich die Probleme der Wasser- und Energieversorgung des Landes in den kommenden Jahren weiter verschärfen werden. So sank zum Beispiel der Wasserpegel in den Stauseen Tarbela und Mangla im Frühjahr 2012 auf ein Minimum ab, was zur Folge hatte, dass die Wasserkraftwerke große Teile des Landes nur noch stundenweise mit Energie versorgen konnten. Allerdings wird von anderer Seite darauf hingewiesen, dass die bisherige Verschwendung von Wasser durch ein ineffizientes Kanalsystem in den Bewässerungsgebieten weit problematischer für die Wasserversorgung ist als das Abschmelzen der Gletscher.

Wirtschaftlich bedeutsam sind im Karakorum vor allem die Staudämme (z.B. Tarbela und Mangla), deren Wasserkraftwerke das ganze Land mit Energie versorgen sollen, sowie der Karakorum-Highway, der das pakistanische Tiefland über den Grenzpass des Kundscherab (4693 Meter) mit China verbindet. Diesem Handelsweg kommt eine wichtige geopolitische Bedeutung zu, stellt er doch für die schnell wachsende Ökonomie Chinas die kürzeste Verbindung zu den Märkten des Persischen Golfs und des Indischen Ozeans dar. 2010 staute eine riesige Erdlawine entlang des Karakorum-Highways den Hunzafluss auf, sodass ein See entstand. Seitdem muss der Transport über Boote abgewickelt werden.

Die Hochgebirgsregion ist vor allem in politischer Hinsicht problematisch: Sie wird seit 1972 von der Line of Control (LoC) durchzogen, die den indischen vom pakistanischen Teil des einstigen Fürstentums Kaschmir trennt und eine der am stärksten militarisierten Grenzen der Welt bildet. Im entlegenen Siachen-Gletscher, wo der Grenzverlauf nicht genau festgelegt wurde und daher bis heute umstritten ist, fordern jährlich Erfrierungen und Lawinen Opfer unter den Grenzsoldaten, die dort auf einer Militärbasis stationiert sind. Ähnlich umstritten wie die Line of Control ist auch die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan, die die Briten im ausgehenden 19. Jahrhundert festgelegt haben und die als Durand Line bekannt ist. Kabul erkennt bis heute den Grenzverlauf aus ethno- und geopolitischen Gründen nicht an (siehe Kapitel 5, «Paschtunistan»).

Die Gebirgsregion ist in administrative Einheiten gegliedert, die politisch ganz unterschiedlich zugeschnitten sind. Mit der Gründung Pakistans im Jahr 1947 wurden die Fürstentümer Hunza, Baltistan und Gilgit, die einst Kaschmir tributpflichtig waren, als Northern Areas zusammengefasst. Allerdings übte bis 1974 der Mir von Hunza eine autonome Herrschaft aus. So mussten etwa seine «Untertanen» jedes Mal die Erlaubnis des Mirs einholen, wenn sie Hunza verlassen wollten. 2010 wurden die Northern Areas in das Autonome Gebiet Gilgit-Baltistan umbenannt und erhielten eine größere Unabhängigkeit gegenüber der Zentralregierung. Gilgit-Baltistan ist durch eine geringe Bevölkerungsdichte bei einer großen kulturellen Vielfalt geprägt. So gibt es zahlreiche kleine ethnische und religiöse Gemeinden mit verschiedenen Sprachen und kulturellen Besonderheiten. Zu nennen sind etwa die Balti, Hunzas oder Shins. Das Gros der Bevölkerung in der Gebirgsregion sind Schiiten, vor allem Ismailiten, wenngleich sich häufig die konfessionelle Zugehörigkeit von Talschaft zu Talschaft unterscheidet. Die hohe Zahl von Ismailiten bringt es mit sich, dass vor allem die Aga Khan Stiftung, die Entwicklungsorganisation des Ismailiten-Oberhaupts Aga Khan, im Karakorum stark vertreten ist und viele Bereiche des öffentlichen Lebens regelt.

Südlich an Gilgit-Baltistan schließt sich entlang der Line of Controlbis ins punjabische Tiefland die administrative Einheit Kaschmir an – ein ca. 300 Kilometer langer Streifen, kaum breiter als 50 Kilometer. Die Bevölkerungsdichte ist hier höher als in Gilgit-Baltistan. Von dem heftigen Erdbeben 2005 war diese Region am stärksten betroffen. De jure gehört Azad Kashmir nicht zu Pakistan, sondern ist ein unabhängiger Staat mit eigenem Präsidenten, Parlament und Verfassung. De facto wird es jedoch von der pakistanischen Regierung kontrolliert.

Westlich von Gilgit-Baltistan und Azad Kashmir erstreckt sich von Chitral bis nach Dera Ismail Khan am mittleren Indus die einstige North West Frontier Province (NWFP), die 2011 in Khyber Pakhtunkhwa (KPK) umbenannt wurde. Der neue Name bringt zum Ausdruck, dass das Gros der Bevölkerung Paschtunen sind. Es gibt jedoch einige Minderheiten, vor allem die Hindko und Gujars, die in erster Linie in der Hazara-Region leben. Eine Besonderheit stellen die wenige Tausend Menschen umfassenden Kailash dar, die in den nördlichen abgelegenen Tälern des langgezogenen Chitraltals beheimatet sind und Naturreligionen anhängen. Administratives, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum von Khyber Pakhtunkhwa ist die Millionenstadt Peschawar.

Ähnlich wie entlang der Line of Control gibt es auch an der Durand Line eine administrative Zweiteilung. So sind die Areale entlang der Grenze zu Afghanistan als Federally Administered Tribal Areas (FATA) zusammengefasst, die innerhalb Pakistans über einen Sonderstatus als paschtunische Stammesgebiete verfügen, welche direkt dem Präsidenten unterstehen.

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Das Tor von Multan in der Provinz Punjab

Punjab

Punjab bedeutet «Land der fünf Flüsse» und wird häufig als das Herzstück Pakistans beschrieben. Er bildet eine eigene Provinz; gut die Hälfte der pakistanischen Bevölkerung lebt hier. Durchzogen wird der Punjab von den Flüssen Chenab, Jhelum, Ravi, Beas (im indischen Punjab) und Setluj, die – aus Indien kommend – von Nordosten nach Südwesten fließen, im Süden keilförmig zusammenlaufen und schließlich als Teil des Indus ins Arabische Meer münden. Entlang der Flüsse entstand in der Kolonialzeit ein dichtes Netz aus Kanälen, das zur Be- und Entwässerung einer 8,6 Millionen Hektar großen Region sorgt. Es handelt sich damit um die größte zusammenhängende Flussoase der Welt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich hier die Kornkammer und das industrielle Zentrum des Landes befinden. Wie wohlhabend der Punjab ist, wird daraus ersichtlich, dass nur ein Viertel seiner Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, während dies im restlichen Pakistan ungefähr für die Hälfte der Bewohner gilt.

Im nördlichen Punjab entstand in den letzten fünfzig Jahren eine Agroindustrie, die beträchtliche gesellschaftliche Veränderungen hervorbrachte. Hier liegt auch die ehemalige Residenzstadt der Moguln, Lahore (ca. 10 Mio. Einwohner). Die Stadt, die nur wenige Kilometer von der indisch-pakistanischen Grenze entfernt ist, bildet nicht nur das kulturelle Zentrum Pakistans, sondern – neben Karatschi – auch die wichtigste Wirtschaftsmetropole.

Auch der Zentralpunjab zeichnet sich durch eine industrialisierte Landwirtschaft aus. Im 19. Jahrhundert betrieben die Briten hier mit der Anlage von Kanalkolonien eine gezielte Wirtschafts- und Bevölkerungspolitik. Das Zentrum dieser Region war zu britischer Zeit Lyallpur – benannt nach dem britischen Gründungsvater Charles James Lyall. Die Stadt galt aufgrund ihrer Baumwollmanufakturen als das «Manchester Britisch-Indiens». 1977 wurde sie zu Ehren des ermordeten saudi-arabischen Herrschers Faisal in Faisalabad umbenannt. Im Zentralpunjab hatte in den 1950er Jahren die Landreform wohl ihre größten Erfolge. So lösten hier klein- und mittelständische Betriebe vielerorts Großgrundbesitz ab.

Der nordwestliche Teil der Provinz, Potwar (Potohar) genannt, erstreckt sich über das Plateau zwischen den Flüssen Jhelum und Indus. Aufgrund der Trockenheit der Region spielt hier die Bewässerungslandwirtschaft eine untergeordnete Rolle. Dagegen ist der Bergbau (unter anderem Salz) von großer Bedeutung. Da in Potwar auch die nationalen militärischen (Rawalpindi) und politischen Zentren (Islamabad) des Landes liegen, gilt die Region als vergleichsweise prosperierend und strategisch wichtig.

Der südliche Punjab mit seinem historischen Zentrum Multan blieb hingegen von gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen weitgehend unberührt, weshalb sich höchst ungleiche Landbesitzstrukturen bis heute ungebrochen erhalten konnten. Aus diesem Grund wird diese Region neben dem Inneren Sindh als das «Armenhaus Pakistans» angesehen. Dafür verantwortlich ist unter anderem der Umstand, dass dem Süden am Ende der Kanalsysteme weit weniger Wasser für die Landwirtschaft zur Verfügung steht als dem nördlichen und zentralen Punjab. Diese ökonomische Schieflage verstärkt bereits vorhandene kulturelle Unterschiede und deren Politisierung. Beispielsweise fordern die Seraiki-Sprecher im südlichen Punjab eine eigene Provinz.

Sindh

Der Sindh ist eine eigenständige Provinz Pakistans und erstreckt sich zu beiden Seiten des Indus. Wie im Punjab herrscht Bewässerungslandwirtschaft vor. Im Süden verzweigt sich der Indus in einem Delta mit Mangrovenwäldern, bevor er den Indischen Ozean erreicht. Die Provinz selbst erscheint in sich geteilt: Im nördlichen Teil (Innerer Sindh) mit den Städten Sukkur und Larkana konnten sich ausgeprägte Großgrundbesitzerstrukturen halten; so stammen viele der Latifundienbesitzer (waderas), die die Politik Pakistans in den letzten Jahrzehnten lenkten – wie die Bhuttos, Zardaris oder Junejos –, aus dem Inneren Sindh. Zudem sind diese Region und der südliche Punjab für eine besonders hohe Kriminalitätsrate berüchtigt. Dagegen ist der südliche Sindh mit dem Zentrum Hyderabad weit eher zugänglich und urban geprägt. Heraus sticht Karatschi mit weit mehr als 13 Millionen Einwohnern. Es ist nicht nur die wichtigste Metropole Pakistans, sondern eine der größten Agglomerationen der Welt (siehe Kasten Seite 158). Mit ihrem Tiefseehafen gilt die Stadt als das nationale Handelszentrum Pakistans. Während im Inneren Sindh und entlang des Indus überwiegend Sindhis (mit eigener Sprache und Kultur) leben, dominieren in Karatschi und Hyderabad die Mohajirin, wie die Flüchtlinge, die nach 1947 von Indien nach Pakistan gekommen sind, genannt werden. So drückt sich im Sindh ein Stadt-Land-Gegensatz auch in einer Abgrenzung zwischen Sindhis und Mohajirin aus.

Die Wüsten: Belutschistan und Cholistan

Im Westen Pakistans sind die Wüsten, die ca. 40 Prozent der pakistanischen Landfläche ausmachen, nahezu deckungsgleich mit der Provinz Belutschistan. Gleichzeitig stellen die Belutschen nur 3,6 Prozent der pakistanischen Bevölkerung und sind durch den stetigen Zuzug von Paschtunen, Punjabis, aber auch Afghanen mittlerweile nur noch eine Minderheit in der eigenen Provinz (siehe Kapitel 4, «Bundesstaat und Separatismus»), eine Tatsache, die vermehrt zu politischen Spannungen führt. Darüber hinaus gibt es auch Minoritäten wie die Jat, die als Schausteller und Gaukler durch die Lande ziehen. Belutschistan hat große Rohstoffvorräte an Kohle und Erdgas. An der Makkran-Küste im südlichen Belutschistan begann China 2002 den Bau des Tiefseehafens Gwadar, über den nicht nur China, sondern auch Zentralasien mit der Golfregion ökonomisch verbunden werden soll. Die Wüsten östlich des Indus sind administrativ entweder dem Punjab oder dem Sindh zuzuordnen. Die nördliche Wüstenregion Cholistan gehörte einst zu den Fürstentümern Bahawalpur und Khairpur. Unter den südlichen Ausläufern der Tharwüste im Sindh befindet sich eines der größten Kohlevorkommen der Welt.

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Die Moschee bei Derawar in Cholistan, erbaut 1849

2 Land der Jugend:
Die Bevölkerung

Wachstum ohne Ende

Im vergangenen Jahrzehnt stand Pakistan in der Reihe der bevölkerungsreichsten Länder der Welt an sechster Stelle. Schätzungen für 2012 gehen von einer Bevölkerungszahl von mehr als 192 Millionen Einwohnern aus. Sollten sich diese Angaben bestätigen, entspräche dies einem Zuwachs von ca. 47 Prozent seit dem letzten Zensus von 1998 (131 Millionen) und 20 Millionen Einwohnern mehr, als die Vereinten Nationen für die Bevölkerungsentwicklung des Landes prognostiziert hatten. Pakistan gehört damit zu den am schnellsten wachsenden Ländern der Welt. Im Durchschnitt brachte in den Jahren 2005 bis 2010 jede Frau 3,7 Kinder zur Welt. Dies ist zwar eine Verringerung im Vergleich mit dem Zeitraum von 1995 bis 2000 (5,0 Kinder), aber immer noch hinter Afghanistan der höchste Wert in der Region (Durchschnitt 2,8 Kinder/Frau). Seit 1947 (30 Millionen) hat sich die Bevölkerungszahl in etwa versechsfacht. Neuen Prognosen zufolge wird Pakistan im Jahr 2025 ca. 237 Millionen und 2050 bis zu 379 Millionen Einwohner haben.

Bevölkerungsprogramme scheiterten in der Vergangenheit immer wieder an dem nur bedingt vorhandenen politischen Willen der pakistanischen Regierungen und letztlich an der Unfähigkeit der Behörden, entsprechende Pläne umzusetzen. Meist bestimmte die Verfügbarkeit ausländischer Finanzmittel (vor allem der USAID, der U. S. Agency for International Development), ob Bevölkerungsprogramme in Pakistan aufgelegt, wiederbelebt oder abgebrochen wurden. Religiöse Momente spielten in diesem Zusammenhang überraschenderweise nur eine nachgeordnete Rolle. Zwar liefen religiöse Kräfte gegen das Geburtenkontrollprogramm von Ayub Khan in den 1950er Jahren Sturm, um dessen erste Militärregierung zu Fall zu bringen. Dagegen ignorierte Zia-ul-Haq, der in den 1980er Jahren eine Islamisierung der Gesellschaft vorantrieb, eine vom Rat für Islamische Ideologie verfasste Empfehlung, alle Geburtenkontrollprogramme aufgrund ihrer Unvereinbarkeit mit islamischen Werten einzustellen. Im religiös-nationalistischen Spektrum war vor dem Hintergrund des pakistanisch-indischen Gegensatzes seit 1947 die Vorstellung überaus populär, durch ein hohes Bevölkerungswachstum mit Indien konkurrieren zu können.


Volkszählungen in Pakistan

Volkszählungen in Pakistan stellen immer auch ein Politikum dar. Nachdem 1951, 1961, 1972 und 1981 regelmäßig Volkszählungen stattgefunden hatten, verzögerten sich die für 1991 vorgesehenen Erhebungen um sieben Jahre bis 1998. Auch das darauffolgende Zehnjahresintervall konnte nicht eingehalten werden. Die aktuelle Volkszählung startete erst 2011 mit dreijähriger Verspätung. Die Gründe, die für die Verzögerung ins Feld geführt werden, sind die Jahrhundertflut (2010), unzureichende Finanzmittel sowie Sicherheitsbedenken in einigen Regionen. Der Zensus sollte 2011/12 durchgeführt werden und die Publikation der Ergebnisse nicht vor 2014 erfolgen. Zeitgleich mit dem Start der neuen Erhebungen 2011 kamen bezeichnenderweise zahlreiche politische Kontroversen auf. So kochte jüngst im Sindh bei dem der Volkszählung vorgeschalteten Wohnraumzensus der Konflikt zwischen Sindhis und Mohajirin hoch, da Erstere Letzteren Vorteilsnahme vorwarfen. Insbesondere für Hyderabad und Karatschi wurden extrem hohe Zuwachsraten für Haushalte ermittelt, im Punjab dagegen auffallend niedrige, woraufhin eine völlige Neuerhebung diskutiert wurde (Express Tribune, 11.1.2012). Die Bevölkerungszahlen sind deshalb politisch so brisant, weil sich aus ihnen die mit der Bevölkerungsverteilung und -menge verbundene Aufteilung und Abgrenzung der Wahlkreise von Parlaments- und Provinzabgeordneten ergibt. Zudem ist die Einwohnerzahl der Provinzen der Schlüssel für die föderalen Zuwendungen aus dem jährlichen nationalen Steueraufkommen sowie für die Quotenaufteilung zum Zugang in den Staatsdienst.

Neben den hohen Wachstumsraten beeinflussen vor allem die kontinuierlichen Flüchtlingsbewegungen aus Afghanistan seit Ende der 1970er Jahre die Demographie des Landes. Seit dem Ausbruch des Afghanistankrieges 1979 suchten bis zu 5,5 Millionen Afghanen in den 1980er Jahren Zuflucht in Pakistan, von denen ein großer Teil in den letzten Jahrzehnten die pakistanische Staatsangehörigkeit annahm; andere leben nach wie vor mit einem vorläufigen Aufenthaltsstatus als Flüchtlinge im Land. Ein staatlich angeordneter Registrierungsprozess im Winter 2006/07 ergab, dass zu dem Zeitpunkt noch mehr als 1,5 Millionen Afghanen mit Flüchtlingsstatus in Pakistan lebten. Ihnen war eine Duldung bis Ende 2012 zugesichert worden, die zuletzt aufgrund internationalen Drucks erneut um ein halbes Jahr verlängert wurde. Die Masse der Betroffenen lebt hauptsächlich in den Provinzen Khyber Pakhtunkhwa und Belutschistan. Allerdings sind die meisten dieser so Klassifizierten dort geboren und aufgewachsen. Die Dunkelziffer der nicht registrierten und somit illegal in Pakistan lebenden Afghanen ist schwer einzuschätzen, vermutlich aber gerade in den Stammesgebieten und in Karatschi recht hoch. Hinzu kommt, dass viele Afghanen, die in ihr Land zurückgekehrt sind, regelmäßig nach Pakistan reisen, um dort zu arbeiten, Familienmitglieder zu besuchen oder sich medizinisch versorgen zu lassen.

Ein Nebeneffekt des enormen Bevölkerungswachstums ist eine recht junge Bevölkerung. Laut UNO-Statistiken waren 2010 35 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre (1990: 43,7 Prozent); die Lebenserwartung für Frauen liegt bei 65,4 Jahren, für Männer bei knapp 64 Jahren; Trend verhalten steigend. Aufgrund der Geburtenentwicklung wächst der Anteil der Erwerbsfähigen zwischen 15 und 49 Jahren schneller als die Gesamtbevölkerung. Angesichts hoher Unterbeschäftigung und verbreiteter Armut steht Pakistan vor der brennenden Frage, wie dieses Bevölkerungswachstum ökonomisch aufgefangen werden kann. Mögliche Szenarien bewegen sich zwischen folgenden Polen: einerseits eine «erfolgreiche Abschöpfung der demographischen Dividende» durch eine neu zu schaffende IT-Industrie, die das Gros der Arbeitskräfte beschäftigt, und andererseits eine «Radikalisierung und Ausbreitung extremistischer Tendenzen aufgrund von Perspektivlosigkeit eines Großteils der Bevölkerung». Zur Förderung des ersten Szenarios wie zur Abwendung des zweiten nimmt der Bildungssektor eine Schlüsselrolle ein. Die Qualität der Ausbildung an öffentlichen Einrichtungen ist äußerst mangelhaft und trägt ideologisch gefährliche Züge (siehe Kapitel 4, «Die politische Kultur»). Über die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung (56 Prozent) sind laut dem letzten Zensus Analphabeten (siehe Kasten Seite 146). Unter den Jugendlichen liegt die Analphabetenrate zwar nur bei ca. 31 Prozent; große Unterschiede gibt es aber bei den Geschlechtern (41 Prozent weiblich gegenüber 21 Prozent männlich, Yusuf in Cohen 2011).

Die Stellung der Frauen

Frauen stellen in Pakistan in der Summe die wohl am weitesten benachteiligte soziale Gruppe dar. Die Stammestraditionen vieler Volksgruppen und biraderi (siehe unten «Das System der biraderi», Seite 33) – Paschtunen, Belutschen, aber auch der Punjabis – bauen auf sozialen Werten auf, die Frauen nur einen sehr beschränkten Aktionsradius zugestehen. Jedoch sind es die sozioökonomischen Gegebenheiten, die bestimmen, inwiefern das Prinzip der purdah (Vorhang) – das Sichverhüllen und die damit angestrebte strenge Geschlechtersegregation im öffentlichen und teilweise auch privaten Raum – angewendet wird: So kann keine Durchschnittsfamilie im ländlichen Punjab ohne die Arbeit der Frauen in der Landwirtschaft auskommen. Unter solchen Umständen sind Vollverschleierung oder strikte Geschlechtertrennung, wie dies von den Frauen der angesehensten ländlichen Familien aufgrund von Statusgründen erwartet wird, kaum praktikabel.

Auch in Bezug auf die Diskriminierung von Frauen ist die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Klassen, Familien und kulturellen Bezugssystemen ausschlaggebend. Die sehr kleine weibliche urbane Oberschicht, die mehr in London, Dubai und Sydney zu Hause ist, international hochwertige Universitätsabschlüsse hat und sich in Wohlfahrtsorganisationen und der Frauenbewegung engagiert, steht dabei einer breiten Masse von Frauen gegenüber, die weder lesen noch schreiben können und zeit ihres Lebens von ihren männlichen Familienangehörigen nicht einmal in das sieben Kilometer entfernte Distriktzentrum zum Einkaufen mitgenommen werden. Vielerorts ist für Frauen der Zugang zu Bildung und Ausbildung wie auch zu unabhängigen Rechtsorganen nicht gewährleistet. Die meisten Schulen sind entweder nur für Mädchen oder nur für Jungen. Wenn Familien ihre Söhne und Töchter an höhere Bildungsinstitutionen mit Koedukation schicken, erfordert dies eine bewusste Entscheidung.


Mukhtar Mai

Mukhtar Mai, eine Frau aus dem ländlichen Jatoi-Kreis in Muzaffargarh (Süd-Punjab), stieg seit 2002 zur Ikone des Widerstands pakistanischer Frauen gegen Unterdrückung, Gewalt und Diskriminierung durch lokale Rechtskonventionen auf. Als Strafe dafür, dass ihr damals zwölfjähriger Bruder die Nähe eines Mädchens der Jatoi-biraderi gesucht haben soll, wurde sie das Opfer einer Gruppenvergewaltigung durch vierzehn Männer ihres Dorfes. Mukhtar Mai ging darauf mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Inwieweit ein traditioneller Dorfrat (panchayat) die Vergewaltigung tatsächlich sanktioniert hatte, ist nicht endgültig zu klären. Ihre Familie klagte die Vergewaltiger an, woraufhin sechs von ihnen verurteilt wurden. Infolge eines Revisionsprozesses kamen 2011 alle bis auf einen wieder frei. In der pakistanischen Öffentlichkeit und sogar weltweit sorgte der Fall für großes Aufsehen. Mukhtar Mai entschied sich für ein Weiterleben in ihrem Dorf. Hier leitet sie seit einigen Jahren zwei Schulen und eine unter ihrem Namen gegründete Wohlfahrtsorganisation. Da sie zum Zeitpunkt der Vergewaltigung – im Alter von dreißig Jahren – des Lesens und Schreibens unkundig war, meldete sie sich bei der Gründung ihrer Schule selbst für den Unterricht an.

Viele Anhänger der Frauenbewegung waren entsetzt, als Mukhtar Mai 2009 als Zweitfrau einen Polizisten heiratete, der während der Anklage gegen die Vergewaltiger zu ihrem Schutz eingeteilt war. Der Vorgang gibt jedoch einen Einblick in die traditionellen Zwänge und auch Konventionen, denen Frauen insbesondere im ländlichen Punjab und Sindh ausgesetzt sind: Aufgrund der damit verbundenen Schmach lehnte die Erstfrau des Polizisten anfänglich die Heirat ab. Als ihr Mann indes mit der Scheidung drohte, beeilte sie sich, Mai um die Heirat zu bitten. Hintergrund war, dass die Erstfrau in einer sogenannten watta-satta-Verbindung – ihre zwei Brüder hatten Schwestern ihres Mannes geehelicht – verheiratet war. Die Erstfrau und ihre Brüder fürchteten, dass eine Scheidung des Polizisten von seiner Erstfrau entsprechend der lokal gültigen Logik von Ehre und Recht zwangsläufig die Scheidungen ihrer Brüder nach sich gezogen hätte.

Pakistans Verfassung garantiert gleiche Rechte für Frauen und Männer und verbietet offiziell jegliche Geschlechterdiskriminierung. Gleichzeitig jedoch bestehen die unter Zia-ul-Haq beschlossenen Hudood-Gesetze (wörtlich: Beschränkung) im Strafrecht bis heute weiter. In ihrer ursprünglichen Form vermengten die Hudood-Gesetze Anschuldigungen von Vergewaltigung und Ehebruch: Eine Frau musste für den Beweis der Vergewaltigung bis zum Jahr 2006 vier erwachsene männliche Zeugen nennen; konnte sie dies nicht, lief sie Gefahr, dass sich die Anklage gegen sie selbst wendete und sie des Ehebruchs oder vorehelichen Geschlechtsverkehrs (zina) beschuldigt wurde, worauf als Höchststrafe die Steinigung stand. 2006 wurde die zina- und Zeugenregelung zwar durch das sogenannte Frauenschutzgesetz aufgehoben. Jedoch erklärte der Föderale Scharia-Gerichtshof 2010 das Gesetz teilweise für verfassungswidrig und nicht im Einklang mit dem Islam stehend. Die Ungleichbehandlung von Mann und Frau wie von weiblichen und männlichen Klägern und Zeugen war auch in den Bestimmungen zur Vergeltung (qisas) und zur Kompensation (diyat) des Strafrechts verankert. Entsprechend diesen Rechtsvorstellungen ist es legal, zur Wiedergutmachung einer Straftat eine weibliche Familienangehörige wie eine Ware an die Familie des Geschädigten zu geben. Zwar wies der Senat ein 2009 vom Parlament verabschiedetes Gesetz gegen häusliche Gewalt zurück. Dafür wurde ein Gesetz zur Stärkung der Frauen im Bereich des Erbrechts und gegen Zwangsehen durchgesetzt, wodurch unter anderem Kinderehen und Zwangsehen rechtlich strafbar sind.

Ein besonders düsteres Kapitel bilden in Pakistan die sogenannten Ehrenmorde. 2011 wurden offiziell 943 Fälle von Ehrenmorden an Frauen registriert. Häufig werden sie von engen Familienangehörigen, meist den Ehemännern oder Brüdern der Frauen, ausgeführt. Häusliche Gewalt – unter anderem Fälle von Verbrennungen, Verätzungen (acid attacks), Folter, Vergewaltigungen, Amputationen von Gliedmaßen – und sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit werden zunehmend registriert. Zwischen 2009 und 2011 gab es demnach 11.798 Gewaltakte gegen Frauen, davon knapp drei Viertel im Punjab. 2012 gewann die pakistanischstämmige Filmemacherin Sharmeen Obaid-Chinoy mit einem kontroversen Film über Frauen, denen von ihren Familien Essigsäureverätzungen zugefügt wurden, einen Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Facetten des Islam

Weit über 90 Prozent der pakistanischen Bevölkerung sind Muslime. Dies erstaunt weiter nicht, wurde Pakistan doch als Heimstätte für die Muslime des Indischen Subkontinents gegründet. Der Islam soll zwar die einigende nationale Klammer bilden, gleichzeitig finden sich in der pakistanischen Gesellschaft jedoch verschiedene Strömungen des Islam, die eher fragmentierend wirken.

Folgt man den islamischen Rechtsschulen, so sind 77 Prozent der Bevölkerung hanafitische Sunniten. Mit 15 bis 20 Prozent stellen die Schiiten die zweitgrößte Religionsgruppe in einem islamisch geprägten Land hinter Iran dar. Die Abgrenzung zwischen Schiiten und Sunniten geht ursprünglich auf den Streit um die rechtmäßige Nachfolge des Propheten im Jahr 632 n. Chr. zurück. Heutzutage unterscheiden sich Schiiten und Sunniten auch in religiösen Ritualen und Organisationsformen. Für Schiiten bilden etwa die Aschura-Prozessionen den Höhepunkt der Passionsfeiern im islamischen Monat Muharram. Die wichtigsten schiitischen Gruppen in Pakistan sind die sogenannten Siebener-Schiiten (Ismailiten), für die die Blutsverwandtschaft mit dem Propheten Muhammad keine Rolle spielt und die nur die Wirkungszeit von sieben Imamen (600–760) als rechtmäßig anerkennen, sowie die Zwölfer-Schiiten, welche noch die Schaffenszeit von fünf weiteren Imamen (600–940) einbeziehen.

Die Ismailiten stellen die Bevölkerungsmehrheit in Gilgit-Baltistan, wobei viele von ihnen aber auch konzentriert in Karatschi leben. Weit zahlreicher dagegen und über das ganze Land verstreut sind die Zwölfer-Schiiten. Jedoch dient die konfessionelle Zuordnung nur in wenigen Fällen der ethnischen Abgrenzung. So gibt es zahlenmäßig starke schiitische Gemeinden unter den Mohajirin und Sindhis, aber auch unter den Punjabis und Paschtunen finden sich Schiiten. Obgleich es im Laufe der Geschichte immer wieder zu Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten kam, die auch in Gewalt mündeten, führte die Zugehörigkeit zur Schia lange nicht zu einer politischen Ausgrenzung. Dies mag unter anderem daran liegen, dass Muhammad Ali Jinnah, der Gründer Pakistans, Schiit war. Interessant ist, dass die schiitische Konfessionszugehörigkeit der kontroversen Politikerfamilien der Bhutto-Zardaris bis heute in politischen Debatten selten thematisiert wird. Angesichts der jüngsten Zunahme sektiererischer Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten besteht jedoch die Gefahr einer Politisierung konfessioneller Zugehörigkeiten.

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Sufi-Schrein in der Nähe von Uch Sharif, Bahawalpur-Distrikt. An manchen Orten haben Frauen keinen Zugang in das Innere eines Schreins oder müssen einen separaten Eingang zu einer Seite des Grabmals benutzen.

Mystische Strömungen wie der Sufismus spielen in der pakistanischen Gesellschaft eine herausragende Rolle. So besitzen die großen Sufi-Orden wie Naqshbandiya, Chishtiya, Qadiriya oder Suhrawardiyya einen besonderen Stellenwert. Auch findet sich in Pakistan eine heterodoxe Heiligenverehrung, die keinem Orden direkt zugeordnet ist. Nach dem Tod eines Heiligen geht dessen Autorität auf das Grabmal sowie auf seine persönlichen Nachfolger über, die dann pir (Sufi-Heiliger, spiritueller Führer) genannt werden. Die Lehre des Sufismus baut darauf auf, dass der pir als Lehrer (murshid) den Gläubigen als Schüler (murid) unterweist. Besonders mit der vermeintlichen Abstammung vom Propheten ist eine besondere Spiritualität verbunden. So gibt es viele Pakistaner, die Sayyed oder Qureishi heißen, was auf eine Verwandtschaft mit Muhammad und dessen Stamm hinweisen soll. Sufi-Lehrer erhalten zudem häufig den Ehrentitel eines sheikh. Ein sheikh verfügt über spirituelle Segenskraft (baraka oder karamat) und wird als Freund Gottes (wali) angesehen. Durch eine enthaltsame Lebensführung strebt er eine besondere Nähe zu Gott an. So wählen sheikhs häufig das Leben als Einsiedler oder als Wanderprediger. Die Grabstätten (Schreine) von Heiligen, Einsiedlern und frommen Männern avancieren zu wichtigen Kultstätten, zu denen tagtäglich Millionen Menschen in Pakistan pilgern, um zu beten oder spirituellen Beistand zu erbitten. Am Schrein des Heiligen finden zudem tägliche Armenspeisungen und oft wöchentliche musikalische Darbietungen statt; hier wird jährlich der Todestag (‘urs) des Heiligen begangen. Häufig fallen Pilger an diesen Heiligenstätten in Ekstase oder haben andere spirituelle Erlebnisse. Zu den über die Landesgrenzen hinaus berühmten Schreinen gehören etwa der von Lal Shahbaz Qalandar in Sehvan im Sindh, der von Bahauddin Zakariya in Multan und der von Ali Hajvery (Data Ganj Bakhsh) in Lahore.

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Grab im Innern des Schreins der Familie des Poeten und Sufi-Heiligen Khwaja Ghulam Farid in Kot Mithan im Distrikt Rajanpur, Südwest-Punjab

Über das Sufitum mit seiner Schreinkultur entwickelten sich in Pakistan musikalische Traditionen, die mittlerweile stark zur pakistanischen Identität beitragen und weltweit Berühmtheit erlangten. Lang anhaltende spirituelle Gesänge (z.B. Qawwali; Ghazal), in denen immer wieder der Bezug zwischen Gott und dem eigenen Ich thematisiert wird, werden in der Regel von Harmonium und Tabla- bzw. Dholak-Trommlern begleitet. Dabei wird auf spirituelle Texte wie etwa von Dschalal ad-Din Muhammad Rumi zurückgegriffen. Nusrat Fateh Ali Khan (1948–1997) gilt als der berühmteste Qawwali-Sänger, der – entdeckt durch den Musiker Peter Gabriel – auch international zu Weltruhm gelangte. Interessanterweise genießen pakistanische Sufi-Musiker in Indien ebenfalls ein hohes Ansehen. So werden immer wieder pakistanische Musiker für die Soundtracks von Bollywood-Filmen engagiert.

Die Schreinkultur stellt heutzutage in Pakistan ein Politikum dar. Auf der einen Seite erfreuen sich Schreine höchster Popularität, und gar nicht so selten pilgern sogar bekannte Politiker zu Schreinen, um sich den Segen – etwa für einen Wahlausgang – zu holen. Im Punjab und im Sindh gingen zudem angesehene pirs (Sufi-Heilige) mit Großgrundbesitzerfamilien enge politische Bande ein (siehe Kasten Seite 132). Sufi-Anhänger organisieren sich politisch meist über die Orden sowie über die Barelvi-Bewegung, benannt nach der nordindischen Stadt Bareilly, in der ihr Gründer Ahmed Reza Khan (1856–1921) lebte; sie setzt sich für die Aufrechterhaltung des Sufismus ein. Auf der anderen Seite sehen vor allem orthodoxe Muslime Schreine als Horte des Aberglaubens an, und auch die gebildete Mittelschicht betrachtet häufig Heiligengräber als Orte des Unwissens, an denen gierige pirs die einfachen Leute ausnehmen. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass die Heiligengräber in Pakistan wichtige Wirtschaftsfaktoren darstellen: So entsteht nicht nur um sie herum eine eigene Infrastruktur für die Pilger, sondern die Almosengaben sind auch beträchtlich und erfüllen eine wichtige Funktion für die Wohlfahrtsversorgung der Armen, die hier kostenlose Mahlzeiten erhalten.

Als Gegenströmung zum populären Sufismus, einer Art Volksislam, bildeten sich in Pakistan vor allem seit der Islamisierungspolitik Zia-ul-Haqs in den 1980er Jahren puritanische, islamistische Strömungen heraus. Diese sind in der einen oder anderen Form bemüht, eine «reine islamische Lehre» zu verbreiten und die Religion von ihren abergläubischen – sprich mystischen – Praktiken zu reinigen. Dazu gehören zum einen der Deobandismus, benannt nach dem geistigen Zentrum im nordindischen Deoband, und zum anderen der Wahhabismus, den etwa pakistanische Arbeitsmigranten von der Arabischen Halbinsel mitbringen. Letzterer gewinnt aber auch dadurch an Bedeutung, dass vor allem Mäzene aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten Koranschulen und Moscheen mit einem wahhabitisch angehauchten Curriculum finanzieren. Die Islamisten stellen in Pakistan eine zahlenmäßige Minderheit dar. Dennoch nahm ihr politischer Einfluss in den vergangenen Jahrzehnten beträchtlich zu, und zwar nicht nur über eigene Parteien, sondern auch über deren militante Flügel und Jugendorganisationen. Religiös motivierte Gewaltakte wie zum Beispiel Bombenattentate gegen schiitische und/oder Sufi-Moscheen und -Schreine gehen auf das Konto islamischer Extremisten (siehe Kapitel 4, «Diskriminierung und religiöse Gewalt»).


Die Gemeinschaft der Ahmadiyya