Claudius Torp
Klavierwelten
Aufstieg und Verwandlung einer europäischen Kultur, 1830–1940
Campus Verlag Frankfurt /
New York
Über das Buch
Zwischen den 1830er und den 1930er Jahren entfaltete die europäische Kunstmusik eine erhebliche kosmopolitische Anziehungskraft. Auch der Handel mit Tasteninstrumenten nahm damals globale Dimensionen an. Besonders das Klavier erfüllte bedeutsame kulturelle Funktionen: Es war ein Werkzeug der Kanonbildung sowie der Übersetzung musikalischer und literarischer Stoffe. Es stand im Zentrum öffentlicher Spektakel und diente einer ästhetischen Leistungsschau. Darüber hinaus beförderte es eine intime Gefühlskultur. Weltbild und Habitus außereuropäischer Eliten und Musiker haben die Auseinandersetzung mit dem Klavier entscheidend geprägt. Claudius Torp zeichnet in seiner Globalgeschichte des Klaviers die Institutionen des Instrumentenhandels, der Missionen und Konservatorien nach und analysiert die Bedeutung des Klaviers in den drei Fallstudien USA, Südafrika und Japan.
Vita
Claudius Torp, PD Dr. phil., vertrat von 2019 bis 2021 die Professur für Kulturgeschichte der Moderne an der Bauhaus-Universität Weimar.
Die Idee zu diesem Buch kam mir während eines Aufenthalts als Max Weber Fellow am European University Institute in Florenz. Ich hatte mich bis dahin überwiegend mit deutscher Geschichte befasst, und es erschien mir reizvoll, mit Hilfe des Klaviers einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Wie konnte ein Instrument mit einem so vollkommen lokalen Ursprung – Bartolomeo Cristofori hatte das gravicembalo col piano e forte um 1700 in Diensten der Medici in seiner florentinischen Werkstatt erfunden –, später eine so globale und doch wechselvolle Karriere erleben? Ich hatte Glück, dass ich mit dieser Idee nicht nur auf Kopfschütteln, sondern mitunter auch auf echtes Interesse stieß. Letzteres gilt insbesondere für Winfried Speitkamp, der mich in Kassel über lange Zeit als Assistent beschäftigte und mir dabei das Vertrauen, die Freiräume und Unterstützung gewährte, die für ein Habilitationsvorhaben unverzichtbar sind. Dafür wie später für die Möglichkeit, seine Professur für Kulturgeschichte der Moderne an der Bauhaus-Universität Weimar von 2019 bis 2021 zu vertreten, möchte ich ihm großen Dank aussprechen.
Damit sind bereits zwei der Institutionen benannt, die zum unwahrscheinlichen Gelingen meines Projekts am meisten beigetragen haben. An der Universität Kassel habe ich einen Kollegenkreis gefunden, der menschlich wie intellektuell nichts zu wünschen übrig ließ. Für eine wunderbare Zusammenarbeit danke ich insbesondere Sonja Dinter, Jörg Requate, Sarah Stein und Stephanie Zehnle. Besonderer Dank gilt darüber hinaus Hubertus Büschel für die Begutachtung der Arbeit sowie seine wertvolle Unterstützung im Habilitationsverfahren. Nicht zu vergessen sind auch meine engagierten Hilfskräfte Falk Ruttloh und Katharina Fergen für ihre unermüdliche Hilfe bei der Recherche sowie die vielen interessierten Studierenden, die sich mit bisweilen »exotischen« Themen aus der globalen Musikgeschichte herumzuschlagen hatten. Ich behalte den Austausch mit ihnen in bester Erinnerung. Den Weimarer Kolleginnen und Kollegen wiederum danke ich nicht nur für die Möglichkeit, meine Arbeit unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie zum Abschluss zu bringen, sondern auch für die neuen interdisziplinären Anregungen, die ich in einem von Architekten, Urbanisten, Medienwissenschaftlern und Künstlern bevölkerten Umfeld empfangen habe. Den Teilnehmern des internationalen Symposiums »The Musical Fabric of Globalization«, das ich an der Bauhaus-Universität veranstaltet habe, möchte ich für ihre Diskussionsbereitschaft und musikwissenschaftliche Expertise danken, von der ich bei der Fertigstellung des Manuskripts sehr profitiert habe.
Die dritte Einrichtung, ohne die dieses Buch nicht hätte entstehen können, ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die mich drei Jahre lang im Rahmen einer an der Universität Kassel angesiedelten eigenen Stelle gefördert hat. Viele der wissenschaftlichen Kooperationen und Forschungsreisen zu Archiven und Bibliotheken – darunter längere Aufenthalte in Berlin, London, New York und Kapstadt – wären ohne diese großzügige Finanzierung kaum realisierbar gewesen. Auch ein Reisestipendium der Max Weber Stiftung, das mir einen Aufenthalt am Deutschen Historischen Institut in London ermöglichte, gehört in diesen Zusammenhang einer optimalen Forschungsförderung.
Auf dem Weg vom ersten Konzeptpapier bis zum fertigen Buch hat diese Arbeit vom Austausch mit Menschen profitiert, deren höchst unterschiedliche Wissensbestände und Ideen mein eigenes Denken beeinflusst haben. Dass ich frühzeitig Gelegenheit hatte, den Rat von James Parakilas und Celia Applegate einzuholen und mit Jürgen Osterhammel und Philip V. Bohlman über das Projekt zu diskutieren, hat sich mit Blick auf die Konzeptionierung der Studie als äußerst fruchtbar erwiesen. Sodann bekam ich immer wieder die Chance, Teile meiner Arbeit in zahlreichen Kolloquien und auf Tagungen vorzustellen und zu diskutieren. Mein Dank geht daher unter anderem an Hartmut Berghoff (Göttingen), Jan-Otmar Hesse (Bayreuth), Christian Kleinschmidt (Marburg), Jörn Leonhard (Freiburg), Thomas Mergel (HU Berlin), Sven Oliver Müller (damals Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin) und Werner Plumpe (Frankfurt). Auch die Konferenzen, welche die German Studies Association in Washington, D.C., die American Historical Association in New York City und das European Network in Universal and Global History in Paris veranstalteten, gaben mir die Möglichkeit, von der Kritik der scientific community zu profitieren.
Ein besonderer Dank geht darüber hinaus an Takenaka Toru und Markus Böggemann, die das ganze Manuskript gelesen und mich vor manchen Schnitzern bewahrt haben. Ebenso kluge und glänzend informierte Beobachtungen steuerten Martin Rempe, der auch einen Teil der Arbeit kommentiert hat, sowie Harry Liebersohn bei. Unsere gemeinsame Zusammenarbeit habe ich über die Jahre außerordentlich geschätzt. Mit seinem Scharfsinn und unerschütterlichen Humor hat mich schließlich mein Bruder Cornelius Torp von Anfang an begleitet und den gesamten Text einer kritischen Prüfung unterzogen. Ohne sein Vorbild und seine Hilfe wäre wohl keines meiner Bücher je zustande gekommen.
Für die Bereitschaft, aus dem Manuskript, das dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel im Januar 2021 als Habilitationsschrift vorlag, so zügig eine Monographie zu machen, danke ich dem Campus-Verlag und seinem wunderbaren Lektor Jürgen Hotz. Sein früh geäußertes Interesse an meinem Thema – als wir uns vor Jahren auf einer Konferenz in Paris trafen – sowie die sorgsame Betreuung bei der Drucklegung waren für mich ein Glücksfall. Die finanzielle Förderung der Publikation hat schließlich die Deutsche Forschungsgemeinschaft einerseits und die Bauhaus-Universität Weimar andererseits ermöglicht.
Auf Familie und Freunde konnte ich in all den Jahren immer zählen. Ich danke daher zunächst meiner Mutter Edith für das Fundament aus Liebe und Beistand, aber auch meinen Schwiegereltern Kirsten und Erich Spiegel sowie den vielen Bielefelder Freunden, insbesondere Boris Ender und David L. Marshall (jetzt Pittsburgh). Den größten Dank schulde ich freilich meiner Frau Anna Spiegel für ihre bedingungslose Unterstützung (und ihr hermeneutisches Gespür!) sowie unseren Kindern Ivo und Matilda für ihre unfassbare Lebensenergie. Meinem Vater Reimer, der früher einmal in der Notenabteilung von Steinway & Sons in Hamburg gearbeitet und mir so viele musikalische Inspirationen vermittelt hat, ist dieses Buch in liebevoller Erinnerung gewidmet.
Claudius Torp
Bielefeld, Oktober 2021