Faust

Faust



Adelbert von Chamisso



Faust


Ein Versuch



Berlin 1803





Doch wozu ist des Weisen Thorheit nütz? 

Schlegels Shakespeare («Was ihr wollt.» III. 1)

Faust. Sein Guter und sein Boeser Geist, zwei Stimmen

Faustens Studierzimmer, von einer einzigen Lampe erleuchtet.

FAUST.

Der Jugend kurze Jahre sind dahin,

Dahin die Jahre kräft'ger Mannheit, Faust!

Es neigt sich schon die Sonne deines Lebens –

Hast du gelebt? hier, fremd in dieser Welt,

Verträumtest du die karggezählten Stunden,

Nach Wahrheit ringend, die Pygmäenkräfte

Anstrengend in dem Riesenkampf – o Thor!

Du, der in wildem Jugendfeuer schwelgend,

Uneingedenk der Zukunft, deiner selbst,

Des großen Weltalls, das um dich sich kreist,

Genuß nur kennst, Genuß nur kennen willst;

Beglückter Liebling du der Gegenwart,

Dich muß ich weis, so wie du glücklich bist,

Auch preisen. – Weis! – und Thor? – Sinnleere Namen!

Nur Kranke gibt's, ich kenne keine Thoren.

Ein Funke glomm im Busen mir, (ihn legte

Die fremde Hand,) er mußte hoch entlodern,

Und ewig ungelöschten Durst mir flammen; –

Vom Allerschaffer fordr ich alle Schuld,

Wir müssen wollen, ja wir müssen! – müssen?

Nicht frei denn? – also, wollend, nur ein Stein,

Der in die Tiefe fällt, und fühlt – er wolle.

Was bist du Mensch denn? gier'ger Allumfasser

Des Universums kühner Freier du,

Der blind, in Nacht, in zwiefach ew'gem Dunkel

Gebannt zu irren, nichts erkennen kannst,