Seelenliebe in bewegten Zeiten: Historical Romance Sammelband 3 Romane

Astrid Gavini et al.

Published by BEKKERpublishing, 2022.

Inhaltsverzeichnis

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Seelenliebe in bewegten Zeiten: Historical Romance Sammelband 3 Romane

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Die Gildenfrau: Verbotene Liebe Anno 1602

Die Gildenfrau

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About the Publisher

Seelen in der Dämmerung

Ein Auswanderer-Roman: Die Zeit gehört uns - "Tied is all us'n"

Die Zeit gehört uns - Tied is all us‘n | Ein Auswanderer-Roman | von Hendrik M. Bekker

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Kapitel 1: Was Besseres als den Tod finden wir allemal

Kapitel 2: Die Neue Welt

Kapitel 3: Ein Zuhause muss man sich erschaffen

Kapitel 4: Wessen Land, wessen Rechte?

Kapitel 5: Die Schlacht um Neu Ulm

Kapitel 6: Gerechtigkeit

Epilog

About the Publisher

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Seelenliebe in bewegten Zeiten: Historical Romance Sammelband 3 Romane

von Astrid Gavini, W.A.Hary, Hendrik M. Bekker

Über diesen Band:

Diesr Band enthält folgende Romane:

Die Gildenfrau (W.A.Hary) Spielzeit 1602

Seelen der Dämmerung (Astrid Gavini Spielzeit 1640

Die Zeit gehört uns (Hendrik M. Bekker) Spielzeit 1880

––––––––

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Im Jahre des Herrn 1602, im Kreise der Obrigkeit der Hansestadt Hamburg, spinnt Margarethe Brinkmann ihr Netz aus Intrigen und Verschwörungen, um ihre in der Gilde vereinigten Hansekaufleute ganz oben zu halten, in Konkurrenz zur noch einflussreicheren Wetken-Gilde.

Völlig unmöglich ist in ihren Augen die verbotene Liebe ihrer Enkelin Adele ausgerechnet zum künftigen Gildenführer Johann Wetken. Der Sohn ihres größten Feindes soll eher sterben, als ihre Enkelin zu bekommen!

Gelingt es ihr wirklich, Adele und Johann für immer auseinander zu bringen, trotz der unsterblichen Liebe beider zueinander?

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Die Gildenfrau: Verbotene Liebe Anno 1602

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Die Gildenfrau: Verbotene Liebe Anno 1602

W. A. Hary

Published by BEKKERpublishing, 2020.

Table of Contents

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Die Gildenfrau

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Verbotene Liebe Anno 1602

Historischer Roman von W.A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten.

Im Jahre des Herrn 1602, im Kreise der Obrigkeit der Hansestadt Hamburg, spinnt Margarethe Brinkmann ihr Netz aus Intrigen und Verschwörungen, um ihre in der Gilde vereinigten Hansekaufleute ganz oben zu halten, in Konkurrenz zur noch einflussreicheren Wetken-Gilde.

Völlig unmöglich ist in ihren Augen die verbotene Liebe ihrer Enkelin Adele ausgerechnet zum künftigen Gildenführer Johann Wetken. Der Sohn ihres größten Feindes soll eher sterben, als ihre Enkelin zu bekommen!

Gelingt es ihr wirklich, Adele und Johann für immer auseinander zu bringen, trotz der unsterblichen Liebe beider zueinander?

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Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / Cover Werner Öckl

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Adele Brinkmann war zwar erst achtzehn Jahre alt, doch sie wusste bereits, was man meinte, wenn die Rede war vom „blutenden Herzen“.

Weil ihr Herz im wahrsten Sinne des Wortes eben... blutete.

Sie wünschte sich nur noch, auf der Stelle zu sterben. Dass sie es überhaupt schaffte, auch nur in den Spiegel zu schauen, war ihr selber ein völliges Rätsel. Was sollte sie denn mit diesem Anblick von einer jungen Frau, die es normalerweise gern hörte, wenn man sie wunderschön nannte, mit ihrer gottgewollt wohlgeformten Gestalt und den strahlendblauen Augen, die dem Himmel persönlich entliehen schienen? Denn aus ihrer schneeweißen, langhaarigen, dunkelblonden Schönheit war buchstäblich ein verheultes Elend geworden, mit roten, geschwollenen Augen, aus denen keine Tränen mehr flossen, weil da einfach keine Tränen mehr vorhanden sein konnten.

„Johann!“, schluchzte sie herzzerreißend.

Das hätte sie nicht tun sollen. Sie hätte nicht diesen Namen aussprechen dürfen. Das sollte sie lieber nie mehr in diesem Leben tun.

Wenn sie aber sowieso im nächsten Moment schon tot umfallen würde...

Doch sie fiel nicht tot um. Nicht jetzt, nicht später, überhaupt nicht. Sie musste ihr verheultes Antlitz weiterhin ertragen und den Gedanken, dass es aus war mit ihrem über alles geliebten Johann. Für immer. Nicht weil sie das wollte. Auch Johann wollte es nicht. Ganz im Gegenteil...

Wie ging es denn ihm jetzt in diesem Moment? So wie ihr? Saß er ebenfalls vor einer Spiegelkommode, die eigentlich für das Schminken und Pudern gedacht war, nicht um sich selbst zuzusehen beim Weinen?

Hatte er denn überhaupt eine Spiegelkommode in seinem Zimmer?

Wie hätte sie das wissen sollen: Sie hatte sein Zimmer noch nie gesehen. Ja, sie war noch nicht einmal in der Nähe gewesen des Hansehauses Wetken. Es wäre ihr völlig unmöglich gewesen, auch nur in diese Nähe zu gelangen. Schließlich war die Gilde der Wetken der erklärte Erzfeind der Brinkmann-Gilde.

Zwei Hansehäuser, die sich bis auf das sprichwörtliche Messer bekriegten. Wobei die Brinkmanns als die „elenden Emporkömmlinge“ galten und die Wetkens immerhin sich altehrwürdig nennen durften, auf Grund ihrer jahrhundertelangen Tradition als Zugehörige der Hamburger Obrigkeit.

Johann Wetken, den Adele niemals mehr in ihrem Leben sehen sollte, wenn es nach ihrer Großmutter Margarethe ging – und deren Wort war unverbrüchliches Gildengesetz, wie jeder Brinkmann wusste! - trug den Namen eines berühmten Vorfahren, der um Fünfzehnhundert herum immerhin Bürgermeister von Hamburg gewesen war. Er war vor vierundsechzig Jahren gestorben, genauer im Jahre des Herrn 1538, und doch hallte sein Name immer noch gewissermaßen wie Donnerhall, wenn man ihn aussprach.

Außer in den Ohren von Adele. Da klang er süß und verführerisch. Sie konnte sich niemals dagegen wehren, dass sogleich sein Ebenbild vor ihrem geistigen Auge entstand - normalerweise um ihr Herz zu erwärmen.

Dieser hochgewachsene junge Mann mit den blonden, unbezähmbaren Haaren, dem stets verschmitzt wirkenden Lächeln, den offenen Augen, dem gütigen Blick...

Sie hatte das Gefühl, jetzt wirklich sterben zu müssen. So sehr bohrte sich der unerträgliche Schmerz in ihr bereits blutendes Herz. Nein, sein Anblick erwärmte es nicht mehr, sondern er versuchte, es zu töten.

Dabei war es gar nicht seine Schuld, sondern ausschließlich die Schuld ihrer Großmutter Margarethe!

Sie hatte es schon geahnt, als die heimliche Monarchin der Gilde sie zu sich gerufen hatte. Wer Margarethe zum ersten Mal sah und nichts über sie wusste, der hielt sie für eine gemütliche Oma, die keinerlei Wert auf Kleidung legte, wobei sie allein damit schon sich erheblich unterschied von anderen Hansefrauen innerhalb der Obrigkeit der Hansekaufleute von Hamburg.

Margarethe hätte sich niemals herausgeputzt wie jene. Sie hielt sich nicht an das Gebot der Demut gegenüber allem Männlichen, dem ständigen Gefallen wollen, das die Hansefrauen ihrer Zeit beseelte. Ganz im Gegenteil: Sie spielte nur die Demütige, Gutmütige, um nicht zu sagen Grundgütige, die stets im Hausgewand auftrat, beinahe wie eine der ärmeren Frauen, die sich keine prunkvollen Kleider leisten konnten.

Dazu, zu ihrer Andersartigkeit, gehörte auch ihre Liebe zur Spinnerei. Wann immer jedoch sie sich in das Zimmer zurückzog mit dem großen Spinnrad, wo sie ja etwas tat, was für jede andere Hansefrau weit unterhalb ihrer Würde gewesen wäre, konnte man allerdings davon ausgehen, dass am Ende etwas dabei herauskam, was Opfer forderte.

Wie das Opfer, zu dem jetzt Adele sich gezwungen sah: Margarethe hatte ihr in ihrem typisch gespielt sanftmütigen Tonfall erklärt, dass ein Johann Wetken nicht nur einen unverzeihlich verabscheuungswürdigen Namen trüge, sondern eben zu jenem „kranken Geschmeiß“ zählte – so wörtlich! -, das man tunlichst zertreten sollte.

Auf keinen Fall, unter keinen Umständen, jedoch sollte sich eine echte Brinkmann mit diesem hansischen Abschaum abgeben. Allein die Nähe zu jenen würde einer porentiefen Selbstbeschmutzung gleich kommen.

Solch drastische Äußerungen bekamen nur die Opfer ihrer Entscheidungen zu hören. Margarethe Brinkmann konnte ja auch anders. Eben wenn sie als die grundgütige Oma auftrat mit dem Hang zu einem Hobby wie das Bedienen eines Spinnrades. Aber doch nur, um ihre Gegner und künftigen Opfer zu täuschen.

Das wusste jeder im engeren Kreis der Gilde, nicht nur jeder Brinkmann, ob nun männlich oder weiblich. Weil sowieso jeder Brinkmann und alle, die sich ihrem Hause zur gemeinsamen Gilde angeschlossen hatten, es längst schon und oft genug am eigenen Leibe hatte erfahren müssen. Egal eben ob männlich oder weiblich.

Dabei war offiziell Hermann Brinkmann der Hansekaufmann und Gildenführer, der es geschafft hatte, aus der Gosse aufzusteigen – wie die Wetkens es wohl formuliert hätten, obwohl es natürlich nicht wirklich zutraf – und zum Licht der Obrigkeit empor zu kriechen, um - abermals nach Meinung wohl der Wetkens -  das Gildenwesen der Hansekaufleute von Hamburg nachhaltig zu beschmutzen und zu entehren.

Adele indessen war das völlig egal gewesen. Alles dies! Vor allem natürlich seit sie Johann Wetken zum ersten Mal gesehen hatte.

Eine eher zufällige Begegnung. In gewisser Hinsicht zumindest. Denn Adele hatte es doch tatsächlich gewagt, außerhalb der Gilde an einem für sie strikt verbotenen Fest teilzunehmen.

Oh, sie war eigentlich wohlerzogen, hatte alles gelernt, was eine echte Brinkmann ausmachte, wenn sie nicht gerade Margarethe hieß und mit eiserner Faust aus der Deckung hinter ihrem Gemahl heraus über alles herrschte. Sie hatte nicht nur gelernt, an einem Ball teilzunehmen, ohne sich zu blamieren, sondern sogar, sich dabei angenehm hervorzutun. Also bestand sie auch ihren Auftritt bei einem für sie verbotenen Fest im Hansehaus Schopenbrink.

Verboten allein schon deshalb, weil es kein Fest war innerhalb der Gilde, sondern in einem neutralen Hansehaus, weil sich die Schopenbrinks weder den Brinkmanns noch den Wetkens angeschlossen hatten.

Ja, das gab es noch, denn die Obrigkeit von Hamburg im Jahre des Herrn 1602 bestand natürlich nicht allein aus Brinkmanns und Wetkens. Obwohl Margarethe genau dies aktiv anstrebte, um nach der Vernichtung der Wetkens dann endgültig die Obrigkeit in Hamburg ganz allein zu bestimmen.

Aber bis dahin war noch ein weiter Weg, wie sie zähneknirschend zugeben musste. Vor allem waren ihr dabei ausgerechnet eben die Wetkens im Weg, und das jetzt schon seit Jahrzehnten, seit dem unaufhaltsamen Aufstieg der hansischen Brinkmanns.

Ja, die Wetkens hatten es bislang geschafft, sich den Brinkmanns zu widersetzen, sich nach wie vor zu behaupten.

Dabei war die Brinkmann-Gilde zwar zur zweitmächtigsten Gilde in Hamburg aufgestiegen, aber eben noch immer nicht zur mächtigsten!

Und da ausgerechnet lernte Adele auf einem für sie verbotenen Fest im Hansehaus Schopenbrink ausgerechnet Johann Wetken kennen, der in einigen Jahren das neue Oberhaupt der Wetken-Gilde werden sollte, falls es nach den Plänen des gegenwärtigen Gildenoberhauptes Georg Wetken ging?

Aber auch Johann war verbotenerweise vor Ort gewesen. Und er hatte dabei zum ersten Mal in seinem Leben „seine“ Adele gesehen, um auf der Stelle für sie zu entflammen.

Sie hatten sich einfach nur ansehen müssen, um zu wissen, dass sie füreinander bestimmt waren. Allen Gewalten zum Trotz.

Eine Liebe, wie sie größer gar nicht mehr hätte sein können. Aber eine Liebe, wie sie gleichzeitig gar nicht verbotener hätte sein können!

Zwei Gilden, die sich gegenseitig dermaßen hassten, dass sie sich gegenseitig den Tod oder noch Schlimmeres wünschten... Und dann dies: Die Enkelin von Margarethe und Hermann Brinkmann, verliebt in den heimlichen „Thronfolger“ der Wetken-Gilde – und umgekehrt!

Adele wusste nicht, ob auch Johann inzwischen von seinen Leuten ertappt worden war. Sie wusste noch nicht einmal, wie ihre Oma Margarethe es überhaupt hatte erfahren können. Sie und Johann waren doch so überaus vorsichtig gewesen. Sie hatten sich seit ihrem Kennenlernen vor gut drei Monaten nur ganze fünf Mal gesehen, immer nur viel zu kurz und beinahe nur flüchtig. Da war noch nicht einmal Zeit gewesen für einen innigen Kuss!

Während sie sich in der übrigen Zeit vor Sehnsucht füreinander regelrecht verzehrt hatten wohlgemerkt.

Aber war sie gerade deswegen aufgefallen? Weil man ihr die grenzenlose Verliebtheit regelrecht angesehen hatte? War es denn wirklich zu offensichtlich geworden, trotz aller Bemühungen, es nicht deutlich werden zu lassen?

Aber wem war es aufgefallen, also wer hatte sie letztlich an Margarethe verraten?

Die Warnung ihrer Großmutter war eindeutig gewesen. Sie hatte zwar nicht wörtlich ausgesprochen, dass jegliches weitere Treffen mit Johann einem Todesurteil gleich kommen würde, zumindest für Johann, aber dies stand eben unausgesprochen und nach wie vor als grausame Drohung im Raum.

Einmal abgesehen davon, dass alle ihrer Großmutter Margarethe gehorchenden Kräfte darauf gebündelt waren, genau ein solches Treffen nachhaltig zu verhindern.

Und Adele wusste aus bitterer Erfahrung, wie effektiv diese Kräfte sein konnten, denen sie sich unterwerfen musste, ob sie nun wollte oder nicht. Allein schon, um das Leben ihres über alles Geliebten nicht zu gefährden.

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Nach Einbruch der Nacht war Johann Wetken immer noch unterwegs. Offiziell weilte er daheim in seinen Privatgemächern und wollte nicht gestört werden. Hier draußen befand er sich höchst inoffiziell, denn er war unterwegs, um sich mit Adele zu treffen, mit seiner über alles geliebten Adele. Noch wusste er ja nichts von dem Verbot der innerhalb der Brinkmann-Gilde wahrhaft allgewaltigen Großmutter Margarethe.

Und so war er viel zu früh am verabredeten Treffpunkt. Einerseits eben zu früh, weil sie unmöglich schon um diese Zeit vor Ort sein konnte, auch wenn sie hätte kommen können. Andererseits jedoch zu spät, weil die Entscheidung der Margarethe Brinkmann längst in die Tat umgesetzt wurde: Adele würde ohne Einwilligung ihrer Oma keinen Schritt mehr allein tun können, weder innerhalb noch außerhalb des Hansehauses Brinkmann, und eine solche Einwilligung war inzwischen unwahrscheinlicher noch als die Rückkehr des Adelstums nach Hamburg zu jener Zeit.

Wie immer verbrachte Johann die Warterei einerseits voller Vorfreude, andererseits jedoch mit durchaus sorgenvollen Gedanken um seine Geliebte. Es erfüllte ihn nämlich nicht mit Freude, es immerhin riskieren zu müssen, dass sie sich allein nach Einbruch der Dunkelheit auf den Weg machen musste zu ihm.

Zwar wurde die Gegend, in der sich die herrschaftlichen Villen der Obrigkeit befanden, verstärkt bewacht und jeder festgenommen, der nicht hierher gehörte, außerdem gab es überall hier Straßenbeleuchtung in der Form von Petroleumlampen, die regelmäßig gewartet wurden, doch ein unangenehmes Gefühl blieb dabei stets. Umso mehr natürlich würde sich Johann freuen, wenn seine Angebetete endlich auftauchen würde.

Doch genau darauf wartete er diesmal vergebens.

Er ließ noch viel mehr Zeit verstreichen, in der nicht enden wollenden Hoffnung, sie möge doch noch den Weg zu ihm finden, obwohl es ihm längst dämmerte, dass etwas Schlimmes dazwischen gekommen sein musste.

Blieb noch die Frage: Was konnte denn so schlimm sein?

War es vielleicht doch ein zu großes Risiko gewesen für eine so ansehnliche junge Hansefrau, nächtens sich allein auf die Straße zu wagen, ganz ohne jeglichen zusätzlichen Schutz? Viel zu weit weg möglicherweise von ihrem Haus, weil ihr Geliebter es nicht wagen konnte, näher heran zu kommen? Oder war sie nur unterwegs aufgehalten worden von übereifrigen Beschützern der Obrigkeit, die hier ständig patrouillierten?

Aber das konnte doch nicht so lange dauern, denn Adele war doch jedem von ihnen bekannt?

Was bliebe sonst noch zu bedenken, was ihr widerfahren sein könnte?

Auf die einzig richtige Lösung kam er in dieser Nacht leider nie, solange diese noch andauerte, dass nämlich Margarethe Brinkmann ihre Hände im Spiel hatte. Er war nach wie vor überzeugt davon, vorsichtig genug gewesen zu sein, und nicht nur er allein, sondern auch seine überaus geliebte Adele.

Adele!

Er sah sie so leibhaftig vor seinem inneren Auge, wann immer er in Gedanken ihren Namen aussprach, dass er beinahe glauben mochte, sie wäre doch noch zu ihm gekommen, hätte doch noch den Weg gefunden.

Ihr herzliches Lachen, das glückliche Strahlen ihrer Augen, wenn sie seiner ansichtig wurde... Doch er brauchte nur zu blinzeln, um diesen wunderschönen Traum platzen zu lassen wie eine Seifenblase und erneut der Tristheit anheim zu fallen, die mehr und mehr sein Gemüt eroberte.

Adele, was ist dir widerfahren? Adele, ich liebe dich so sehr, aber ich weiß, dass auch du mich genauso sehr liebst. Wenn du nicht kommst, dann nicht aus eigenem Willen. Aber sage mir doch, was geschehen ist! Ich bitte dich darum! Was, Geliebte, hat dich aufgehalten?

Erst als der Morgen bereits graute, um das Ende dieser langen Nacht anzukündigen, die eine gefühlte Ewigkeit angedauert hatte, wurde ihm allmählich klar, dass er umsonst gewartet hatte. Sein Herz war schwer wie Blei und seine Glieder nicht minder. Er hatte das Gefühl, eine schwere Last drücke ihn nieder, dass er es kaum schaffen würde, den Weg zurück nach Hause zu finden. Und doch musste er jetzt dorthin.

Es war der Zeitpunkt, an dem ihm selbst zu dämmern begann, dass ihre Heimlichtuerei nicht mehr länger heimlich geblieben war. Irgendwie war es heraus gekommen. Er wusste zwar noch nicht wie, aber es war zu befürchten:

Adele war aufgehalten worden, ja, sie hatte noch nicht einmal mehr Gelegenheit gehabt, ihm irgendwie noch eine Nachricht zukommen zu lassen, um ihn zu warnen.

Und wie sah es bei ihm aus? Wurde er bereits von seinem erzürnten Vater bei der Heimkehr erwartet?

Und Georg Wetken konnte überaus zornig sein. Er war für seinen Zorn sogar berüchtigt.

Normalerweise bekam Johann als sein Lieblingssohn das kaum jemals zu spüren, doch wenn Georg Wetken erfahren haben sollte, dass sich sein Sohn heimlich mit einer waschechten Brinkmann verabredet hatte, würde sein Zorn grenzenlos sein und diesmal auch Johann mit aller Härte treffen.

Davon jedenfalls musste der Spätheimkehrer zwingend ausgehen.

Es war ihm dennoch egal in diesem Moment. Er hatte nur noch Sorge um Adele, seine geliebte Adele. Würde er sie jemals wiedersehen können? Jemals in diesem Leben?

Doch niemand erwartete ihn bei seiner Heimkehr. Auch kein zorniger Vater. Er schlich sich daher ungesehen zurück in seine Gemächer und verharrte dort in vor Sorgen getriebener Rastlosigkeit bis zum Mittag, ehe etwas geschah.

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Margarethe erschien an diesem Morgen im Schlafgemach ihres Ehegatten Hermann wie der Fleisch gewordene weibliche Rachegott. Aber so war sie immer, wenn sie überraschend bei ihm auftauchte. Und kein einziges Mal in den vergangenen letzten Jahren war dabei etwas Gutes herausgekommen.

Es erschreckte ihn wie jedes Mal sehr, obwohl er um diese Zeit bereits wach war und nicht mehr im Bett lag.

Was war denn dieses Mal ihr Anliegen – und das in aller Herrgotts Frühe?

Auf die Beantwortung dieser Frage, die er sich insgeheim stellte, brauchte er allerdings nicht lange zu warten:

„Es geht um Adele!“, sagte sie im sanften Ton, der absolut gar nicht zu ihrem herrischen Auftreten passte.

Doch dann änderte sich auch dieses. Sie wurde wieder ganz zu der herzensguten Oma, die sie so gern spielte, um jeden zu täuschen, der ihr wahres Gesicht noch nicht kannte.

Hermann kannte es. Er war schließlich lange genug mit Margarethe verheiratet, und er wusste schon sehr lange, dass sie das nur deshalb getan hatte, nämlich ihn zu ehelichen, um genau dorthin zu gelangen, wo sie heute war, nämlich ganz nah an der absoluten Spitze der Obrigkeit von Hamburg. Gleichsam wie eine nichtadelige Königin, die anstrebte, ihren Herrschaftsbereich immer weiter zu vergrößern, weil sie all diese Macht, die sie jetzt schon in Händen hielt, immer noch nicht für ausreichend empfand.

Hermann war genauso lange schon müde geworden, irgendetwas zu tun oder auch nur zu sagen, was ihr nicht passte. Das hatte er in all den Jahren zwar durchaus schon versucht, aber an die unmittelbaren Folgen erinnerte er sich lieber nicht mehr.

Er erhob sich halb aus seinem Lieblingssessel hinter dem wuchtigen Schreibtisch, der eigentlich gar nicht zum übrigen Ambiente seines ganz persönlichen Bereiches passte, aber den er halt dermaßen liebte, dass er ihn hier hatte aufstellen dürfen. Sogleich ließ er sich wieder zurücksinken und legte die Schreibfeder beiseite, mit der er gerade ein wichtiges Schreiben aufgesetzt hatte.

Offiziell war er ja der Hansekaufmann und darüber hinaus sogar der Gildenführer. Und er nahm dies durchaus ernst, so lange Margarethe ihn ließ, und auch nur im Rahmen dessen, was sie ihm vorschrieb natürlich.

Die Gilde hatte er selbst sogar gemeinsam mit anderen Hansehäusern gegründet. So die offizielle Version zumindest. In Wahrheit jedoch war dies alles das alleinige Verdienst seiner Frau Margarethe gewesen.

Damals war er noch viel jünger gewesen und das, was man noch als schneidig hätte bezeichnen können. Inzwischen war aus dem schneidigen Kavalier von einst ein ziemlich alter und vor allem müder Mann geworden, der neben den Routinearbeiten, die Margarethe eher verschmähte, eigentlich nur noch tätig wurde, wenn Margarethe es gezielt von ihm verlangte.

So wie dieses Mal wohl.

„Adele?“, wunderte er sich.

„Sie  hat eine Liaison ausgerechnet mit diesem Johann Wetken. Wusstest du das?“, fragte sie so betont sanft, dass es schon eher bedrohlich in seinen Ohren klang.

„Aber nein!“, beeilte er sich zu versichern. „Mit Johann Wetken? Aber woher weiß du das überhaupt?“

„Nun, mir fiel in den letzten Wochen auf, dass sie mehrmals sich aus dem Haus geschlichen hat. Heimlich wohlgemerkt, und allein! Deshalb habe ich Anordnung gegeben, sie lückenlos zu beobachten. Natürlich so, dass sie es nicht merkte.“

„Und jetzt ist es wirklich bewiesen?“

„Oh, schon seit ihrem letzten Treffen mit diesem Johann Wetken, aber angesprochen darauf habe ich sie erst gestern, denn da hatte sie wohl wieder eine Verabredung mit ihm. Ich dachte mir, es ist viel wirkungsvoller, wenn ich sie mir so kurzfristig vornehme, dass sie keinerlei Möglichkeiten mehr hat, ihn noch rechtzeitig zu warnen.

Und von einem meiner Spione bei den Wetkens habe ich erfahren, dass Johann Wetken tatsächlich heimlich das Haus verlassen hat gestern Abend, zu Einbruch der Dunkelheit, und erst nach dem Morgengrauen nach Hause zurückkehrte. Es war wohl eine sehr lange und vor allem sehr einsame Nacht gewesen für ihn.“

„Du scheinst das sogar auch noch zu genießen!“, warf ihr Hermann erschüttert vor.

„Sollte ich denn nicht? Schon vergessen, dass es sich um Johann Wetken handelt?“

„Und – und was verlangst du jetzt von mir? Soll ich ebenfalls noch mit Adele reden?“

„Als würde das etwas nutzen. Jeder hier weiß doch, dass du nur der Hanswurst bist. Du tust, was ich dir sage. Sonst nichts. Dafür gewähre ich dir deine billigen Vergnügungen, solange sie nicht unser Haus zu sehr beschmutzen.“

„Das ist wohl schon eine ganze Weile her, das mit den billigen Vergnügungen, wie du sie zu nennen beliebst. Ich bin inzwischen ein alter Mann, der daran kaum noch Interesse haben kann. Schon vergessen?“, versuchte er sarkastisch zu werden, obwohl er genau wusste, dass er damit nicht gegen seine bedeutend stärkere Frau ankam.

Ohne weitere Umschweife kam sie daraufhin auf den Kern dessen zu sprechen, was sie von ihm erwartete:

„Du wirst unserem ärgsten Gegenspieler Georg Wetken zukommen lassen, dass sein Sohn sich mit unserer Adele eingelassen hat. Dann wird sich das Problem von allein lösen, schätze ich. Georg Wetken wird alles tun, um ein weiteres Treffen nachhaltig zu verhindern. Sind wir uns darin einig?“

Nur widerstrebend stimmte Hermann ihr zu. Nicht nur, weil er selber wusste, dass sie damit wohl recht hatte: Georg Wetken hasste nichts mehr auf dieser Welt als alles, was Brinkmann hieß, Adele Brinkmann garantiert mit eingeschlossen.

Andererseits jedoch empfand Hermann eine solche Vorgehensweise als regelrecht infam. So etwas hätte er aus eigenem Antrieb niemals tun können.

Wenn aber Margarethe das von ihm forderte...

„Und was geschieht dann mit Adele?“, erkundigte er sich noch vorsichtig.

„Das lass mal ganz meine Sorge sein, mein Lieber. Und hopp, hopp, an die Arbeit. Ich will, dass dieser Georg Wetken spätestens heute Mittag weiß, was sein Herr Sohn da hinter seinem Rücken treibt!“

Sie wandte sich ab, um seinen persönlichen Bereich wieder zu verlassen. Doch in der Tür wandte sie sich ihm noch einmal kurz zu:

„Und sei ein guter Junge und funktioniere wunschgemäß! Denn wenn nicht... Du weißt sicherlich noch, was dann geschieht?“

Klar wusste er das, obwohl er sich standhaft weigerte, daran auch nur einen Gedanken zu verschwenden.

Eine Entgegnung wartete sie nicht mehr ab. Sie verschwand, wie sie gekommen war. Hinter ihr fiel die Tür laut ins Schloss.

Sekundenlang starrte er noch darauf, ehe er sich dazu aufraffen konnte, tatsächlich mit der Arbeit zu beginnen, wie seine herrschsüchtige Gemahlin es formuliert hatte.

Als Erstes rief er dazu nach seinem getreuen Kammerdiener, der einzige, dem er in diesem Hause wirklich vertrauen konnte und wollte.

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Georg Wetken war nicht der Mann kleiner Gesten. Ganz im Gegenteil: Man kannte und fürchtete ihn als jähzornigen Verteidiger von allem, was er für richtig hielt – und eine fremde Meinung hatte gegen ihn sowieso niemals eine Chance. Wenn er jemanden zu sich kommen ließ, war das immer mit sehr bedenklichen Gründen verbunden.

Diesmal rief er niemanden zu sich, sondern kam sogar selbst. Unangemeldet, wie es bei ihm normal war. Immerhin handelte es sich um seinen Sohn, sein eigenes Fleisch und Blut. Seinen Lieblingssohn obendrein, obwohl er nicht der Mann war, der jemals so etwas wie väterliche Gefühle gezeigt hätte.

Auch dieses Mal nicht. Ganz im Gegenteil. Immerhin aus aktuellem Anlass, und welcher das war, erfuhr Johann Wetken recht lautstark auf der Stelle, ohne jegliche Umschweife.

Sein Vater, gerade erst herein gebraust wie der sprichwörtliche Sturmwind, der alle Fenster und Türen eindrückte, brüllte mit hochrotem Kopf:

„Wie konntest du es wagen?“

Noch bevor Johann Gelegenheit bekam, etwas zu sagen, etwa sich zu erkundigen, worum es sich eigentlich handelte, fuhr sein Vater in seiner übertrieben jähzornigen, alles übertönenden Art fort:

„Du bist nicht mehr mein Sohn! In meinen Augen bist du schlimmer noch als der schlimmste Bastard. Wie konntest du mir das antun, dich mit einer Brinkmann einzulassen? Ausgerechnet!“

Johann blinzelte verwirrt. Er hatte ja schon befürchtet, sein Vater könnte ihn vielleicht bei seiner Heimlichtuerei irgendwann einmal ertappen, und jetzt war er definitiv bereits über alles informiert?

Aber wieso eigentlich?

Den ganzen Morgen über war doch noch alles in Ordnung gewesen. Was war geschehen?

Während er das fürchterliche Donnerwetter geduldig über sich ergehen ließ, beschäftigten sich seine Gedanken genau mit dieser Frage. Adele war aufgehalten worden. Soviel stand jetzt für ihn fest. Von wem? Das war eigentlich von zweitrangiger Bedeutung. Zunächst. Jedenfalls war sie nicht freiwillig fern geblieben. Davon konnte er ausgehen. Und jetzt, erst am Mittag, tauchte sein Vater auf, um seiner grenzenlosen Empörung dermaßen lautstark Luft zu machen?

Er wartete eine winzige Atempause ab, was sehr viel Geduld und Aufmerksamkeit von ihm abverlangte, trotz der lautstarken Beschimpfung, die er gleichzeitig über sich ergehen lassen musste, und flocht rasch ein:

„Wer behauptet denn so etwas?“

Georg Wetken vergaß, zu atmen. Aus geweiteten Augen starrte er seinen Sohn an, als würde er ihn jetzt erst erkennen. Es klappte ihm regelrecht die Kinnlade herunter.

„Willst du etwa leugnen?“, schnappte er, nachdem er sich von dem ersten Schock ob dieser in seinen Augen hanebüchenen Unverschämtheit halbwegs erholt hatte.

„Ich möchte bloß wissen, wer so etwas behauptet – und wieso!“, beharrte Johann und gab sich alle Mühe, zumindest nach außen hin ruhig und besonnen zu wirken.

Das war seine große Stärke: Ihm konnte man nicht ansehen, wie es in Wahrheit in ihm rumorte. Da war die grenzenlose Enttäuschung darüber, dass er letzte Nacht vergeblich gewartet hatte, gepaart mit der mindestens genauso grenzenlosen Sorge um seine geliebte Adele. Da konnte ihm auch das mächtigste Donnerwetter seines Vaters wahrlich nichts mehr anhaben, denn schlimmer konnte es seiner Meinung nach sowieso nicht mehr werden.

Blieb also die durchaus berechtigte Frage, wer da seinen Vater entsprechend aufgehetzt hatte und warum. Die nächste Frage würde dann gleich lauten, wieso sein Vater darauf dermaßen reagierte, ohne vorher zumindest seinen Sohn zu fragen, ob es sich überhaupt um die Wahrheit handelte.

Ja, wie war das denn eigentlich zu verstehen? Wem vertraute er denn mehr als seinem eigenen Sohn, dem er immer wieder zu versichern pflegte, in ihm seinen einzig würdigen Nachfolger zu sehen?

Und genau das fragte sich Johann jetzt nicht mehr nur insgeheim, sondern sprach es aus, weil er anscheinend auf die Frage hin, wer denn solches behauptet hatte, gar keine Antwort bekommen sollte:

„Du hast also einen Informanten, dem du dermaßen vorbehaltlos vertraust, dass du sogleich auf mich los gehst, ohne überhaupt sicher sein zu können, ob es stimmt? Ich bin schließlich dein Sohn, dein eigenes Fleisch und Blut. Ja, was macht dich da so sicher? Und um welche der Brinkmanns soll es sich deiner Meinung nach überhaupt handeln?“

Georg Wetken schnappte nach Luft wie der sprichwörtliche Fisch auf dem Trockenen. Ihm fehlten ausnahmsweise einmal die Worte. Anscheinend hätte er dermaßen viel Unverfrorenheit von seinem eigenen Sohn niemals erwartet.

Dann blies er dick die Wangen auf und ließ anschließend die Luft zischend entweichen.

Die typische Handbewegung zu seinem wallenden Vollbart folgte, ehe er, immer noch vor kaum verhaltenem Zorn bebend, antwortete:

„Es geht nicht um die Quelle allein, von der ich diese Information habe, sondern es geht darum, dass ich definitiv weiß, wann du heute Morgen zurückgekommen bist. Glaubst du denn im Ernst, ich kümmere mich nicht darum, was mein künftiger Nachfolger so treibt?

Hast du denn überhaupt eine Ahnung davon, wie wichtig du für das Hansehaus Wetken und darüber hinaus für alle Hansekaufleute bist, die sich unserer Gilde angeschlossen haben, und was du in dieser ganz besonderen Stellung, in der du dich nun einmal befindest, mit einem solchen Fehlverhalten für Schaden anrichtest?“

„Und du bist also völlig sicher, dass ich mich auf eine Brinkmann eingelassen habe?“, beharrte jetzt Johann stur.

„Ich kenne die Umstände, weiß, dass du dich heimlich mit jemandem triffst...“, begann Georg Wetken und hatte dabei alle Mühe, nicht wieder regelrecht zu explodieren.

Ungewohnt respektlos fiel ihm sein Sohn ins Wort:

„Und wieso muss es ausgerechnet eine Brinkmann gewesen sein, mit der ich mich traf?“

„Mit wem denn sonst? Du bist erst in der Frühe zurückgekommen, weil diese Adele nicht zu eurer Verabredung gekommen ist, nicht wahr? Sie hat dich versetzt.

Aus gutem Grund, wie ich meine. Aus demselben Grund, aus dem ich gewillt bin, dich als meinen Sohn für immer zu verstoßen. Was du damit nämlich dem Hansehaus Wetken und darüber hinaus angetan hast, bleibt für alle Zeiten unverzeihlich.“

„Ja, du hast völlig recht, Vater!“, sagte Johann auf einmal zu dessen größten Überraschung.

In vielen Häusern der Hanse war es üblich, dass Kinder ihre Eltern ehrenvoll anredeten, nämlich mit einem Ihr. Umgekehrt war häufig die Anrede für die Kinder ein distanziertes Er oder Sie, je nach Geschlecht eben. Wann immer Johann jedoch mit seinem Vater allein war, taten sie das schon lange nicht mehr. Von daher gesehen wurde Georg Wetken die vertrauliche Anrede gar nicht bewusst in dieser Situation, im der er natürlich eher bemüht war, auf möglichst großen Abstand zu seinem Sohn zu gehen, zumindest gefühlsmäßig, um nur ja keine väterliche Schwäche zeigen zu müssen, wie er es sah.

Bevor Georg noch seine Sprache wiederfinden konnte, fuhr Johann unbeirrt fort:

„Würde es sich in der Tat um eine Brinkmann handeln, beispielsweise eben um Adele, wäre dies absolut unverzeihlich und würde jegliche Strafe rechtfertigen, die dir in den Sinn kommt, mein Vater. So aber...“

In Gedanken indessen tat er flehentlich Abbitte bei Adele:

Verzeih mir bitte, dass ich dich solchermaßen verleugne, aber es ist einzig und allein der besonderen Situation geschuldet. Ich kann jetzt einfach nicht anders. Wie soll ich es ansonsten schaffen, dich jemals wiederzusehen, wenn ich am Ende verstoßen bin oder mir noch Schlimmeres widerfährt?

Ich werde dir eines Tages meine wahre Liebe beweisen können, das verspreche ich dir hiermit hoch und heilig, aber bis dahin, leider Gottes...

Sein Vater unterbrach diesen reumütigen Gedankengang brüsk:

„Und wieso erreichte mich dann der Hinweis ausgerechnet aus dem Hansehaus Brinkmann selbst, dass es sich eben genau um jene Adele Brinkmann handelt, auf die du dich eingelassen hast? Ich weiß sogar, wo du sie kennengelernt hast, nämlich im Hansehaus Schopenbrink!

Und das willst du jetzt noch leugnen? Für wie dämlich hältst du deinen Vater denn überhaupt?“

„Ich halte dich keineswegs für dämlich, mein Vater! Verzeih mir, aber ich erlaube mir zumindest darauf hinzuweisen, dass alles, was aus dem Hansehaus Brinkmann kommt, sowieso von vornherein mit aller gebührenden Vorsicht zu genießen ist. Vor allem solche Behauptungen!“

„Dann leugnest du tatsächlich, diese Adele Brinkmann auf dem Fest im Hansehaus Schopenbrink kennengelernt zu haben? Wo du dich übrigens ohne meine Billigung befunden hast?“

„Würde es auch deine Missbilligung finden, wenn ich dir sagen würde, dass ich dorthin eingeladen war von der Tochter des Hansehauses Gordula Schopenbrink? Sie ist eine wunderschöne, wahrlich gut genährte und sehr auf ihr Äußeres bedachte junge Frau, deren Anblick allein schon das Herz eines jeden aufrechten Mannes berührt.“

„Du behauptest doch nicht etwa, eine Liaison mit dieser Gordula Schopenbrink zu haben?“, rief Georg Wetken verdattert. „Ja, zugegeben, sie ist das, was man eine dralle Schönheit nennt, und scheint sich sogar alle Mühe zu geben, dem modernen Idealbild einer jungen Frau aus wohlsituiertem Hansehaus zu entsprechen, aber immerhin ist sie eben nur eine Schopenbrink, und du weißt selbst, dass dieses Haus nicht zu unserer Gilde gehört.“

„Also, wenn das wirklich das Einzige ist, was gegen sie spricht: Zumindest ist sie dann ja keine Brinkmann, nicht wahr?“

Das konnte sein Vater nicht leugnen, trotzdem wackelte er bedenklich mit dem Kopf.

„Aber nein, trotzdem, nicht doch ausgerechnet so eine Gordula Schopenbrink...“

„Wieso eigentlich nicht? Und selbst wenn es so etwas wie eine Liaison wäre: Was wäre denn grundsätzlich gegen eine solche Verbindung vorzubringen? Gordula Schopenbrink ist eine rechtschaffene junge Frau, die in der Tat nicht nur mit ihrem verführerischen Anblick das Herz eines jeden wohl erzogenen und rechtschaffenen Mannes erfreut. Weil sie ebenso wohlerzogen und rechtschaffen ist und zudem genau weiß, was für einen rechten Mann das Beste ist.“

„Moment einmal!“, rief jetzt Georg Wetken dazwischen, dem diese Schwärmerei offensichtlich zu viel wurde: „Du behauptest also, Gordular Schopenbrink habe dich zu jenem Fest eingeladen? Und wieso hast du mich davon niemals in Kenntnis gesetzt, bis heute nicht?“

„Weil ich genau diese Reaktion von dir vermeiden wollte, die du jetzt an den Tag legst. Bei allem Respekt, mein über alles verehrter Vater, ich kann es leider nicht anders sagen. Wie hätte ich dir denn erklären sollen, dass Gordular Schopenbrink geradezu ideal als Frau für deinen Sohn wäre?

Falls ich wirklich einmal in deine Fußstapfen treten sollte, könnte ich wohl kaum jemals eine Frau finden, die passender wäre. Sie stammt zwar nicht aus einem Hause, das sich unserer Gilde angeschlossen hat, aber nichtsdestotrotz aus einem besonders guten Hause, wie ich finde, zumal einem Hause, mit dem wir dennoch Geschäfte machen.

Gordula Schopenbrink, da kannst du versichert sein, würde mich auf Lebzeiten in geradezu idealer Weise unterstützen bei all meinen Bemühungen geschäftlicher Art – und gleichzeitig würde eine solche Verbindung das Hansehaus Wetken eindeutig stärken.“

„Und inwiefern solches?“, erkundigte sich jetzt Georg Wetken alarmiert.

Aber sein Zorn war weitgehend verraucht, wie Johann erleichtert feststellte. Konnte es sein, dass seine Ablenkungsstrategie bereits dermaßen fruchtete? Oder würde da noch etwas kommen, was bis jetzt noch unerwartet blieb?

„Nun, dazu musst du wissen, dass tatsächlich auch Adele Brinkmann eingeladen war“, gestand Johann Wetken vorsichtig. „Ich habe sie dort zum ersten Mal gesehen.“

„Um dich danach mehrfach mit ihr heimlich zu treffen!“, fuhr Georg seinen Sohn sogleich wieder an.

„Nein!“, wies Johann dies jetzt entschieden zurück, während er in Gedanken erneut Abbitte leistete bei seiner armen Adele für diese eigentlich unverzeihliche Verleumdung und damit der Verleugnung ihrer gemeinsamen Liebe.

Und er fuhr nach außen hin ungerührt fort:

„Gerade diese Begegnung hat mir doch bewiesen, dass eben das Hansehaus Schopenbrink nicht wirklich auf unserer Seite ist. Die machen eben auch Geschäfte mit dem Hause Brinkmann, was mich zutiefst entrüstete und dies immer noch tut.“

„Tatsächlich?“ So richtig glauben wollte es Georg immer noch nicht.

„Ich habe Gordular darauf angesprochen.“

„Aha, jetzt nennst du sie sogar auch noch mit ihrem Vornamen?“

„Natürlich tu ich das, und ich will es auch nicht mehr länger leugnen, dass wir uns nahe stehen. Zwar nur in inniger Freundschaft, aber wir wissen beide, Gordular und ich, dass daraus durchaus mehr werden könnte. Dass dies noch nicht hat geschehen können, liegt ja nicht zuletzt daran, dass ich natürlich erst noch dein Einverständnis bekommen müsste.“

„Nie und nimmer!“, brüllte jetzt Georg Wetken, wurde jedoch sogleich wieder ruhiger.

Misstrauisch legte er den Kopf schief.

„Dann hast du dich wirklich heimlich mit dieser Gordular Schopenbrink getroffen?“

„Natürlich, Vater! Soll ich sie denn hierher bitten, damit sie das persönlich dir gegenüber bestätigt?“

„Und ihr Vater, Hieronymus Schopenbrink? Weiß der denn überhaupt davon?“

„Nein, natürlich nicht! Wir haben uns nur heimlich treffen können – und wie gesagt, dies taten wir beide in zutiefst empfundener Freundschaft. Wir sind in sehr vielen Dingen seelenverwandt. Als wir dies festgestellt haben, vertiefte das unser Freundschaft und machte sie wahrlich zu etwas ganz Besonderem!“

Johann sagte das mit fester Stimme, um seinen Vater endgültig zu überzeugen.

Doch der hatte noch immer nicht vergessen, dass man ihm gesteckt hatte, sein Sohn habe sich keineswegs mit Gordula Schopenbrink getroffen, sondern vielmehr mit der erst achtzehnjährigen Adele Brinkmann.

„Nein!“, verkündete Georg Wetken entschieden. „Ich glaube dir nicht. Du hast nicht nur unser Haus in einem erheblichen Maße beschmutzt und unseren Ruf regelrecht pervertiert, sondern jetzt lügst du mich auch noch dermaßen unverschämt an.“

Er schüttelte fassungslos den Kopf.

„Und du fällst tatsächlich auf das Intrigenspiel von dieser Margarethe Brinkmann herein?“, erkundigte sich Johann jetzt mit gespielter Traurigkeit. „Die alles tut, um uns zu vernichten, aus reiner Machtgier heraus?

Es fällt dir überhaupt nicht auf, dass dies alles nur einem einzigen Zweck dienen soll, nämlich uns beide auseinander zu bringen, als Vater und Sohn für immer zu entzweien und alles zu zerstören, was wir gemeinsam aufgebaut haben?“

„Gemeinsam aufgebaut? Du hast mich belogen und betrogen! Sieht das danach aus, als wärst du mein loyaler Sohn?“

„Das bin ich nach wie vor, mein Vater. Auch durch die Tatsache untermauert, dass ich mich in Wahrheit mit Gordular traf: Sie könnte meine zukünftige Frau sein, in meinen Augen einzig würdig, dies zu werden.

Was nicht nur dem Glück von mir und unseren späteren gemeinsamen Kindern dienen würde, sondern in erheblichem Maße auch unserem Hause und der ganzen Gilde. Was spräche denn dann noch dagegen, dass sich das Hansehaus Schopenbrink endgültig unserer Gilde anschließen würde?

Das würde im erheblichen Maße unsere Stellung stärken in unserem ewigen Kampf gegen unseren Erzfeind namens Brinkmann.“

Es war eigentlich ein ziemlich langer Vortrag, den Georg Wetken da zuließ, was gleichzeitig für seinen Sohn ein Hinweis darauf zu sein schien, dass er in seiner rigorosen Meinung bereits wankend geworden war.

Die Information, die er erhalten hatte, sollte ein Schachzug seiner Erzfeindin Margarethe Brinkmann sein?

Er schien die Zeit während dieses Vortrages tatsächlich genutzt zu haben, um genau darüber intensiv nachzudenken.

Schließlich kannte man Margarethe Brinkmann, die wie eine Spinne ihr Netz aus Intrigen und Verleumdungen wob, um ihre nicht immer gleich erkennbaren Ziele zu erreichen.

Andererseits...

Nachdenklich schürzte Georg Wetken die Lippen. Sein Kopf war immer noch hochrot, was sicherlich nicht mehr allein nur an seinem kaum gezügelten Zorn lag. Etwas anderes brachte ihn jetzt auch noch in Wallung:

„Es ging damals das Gerücht um“, erzählte er zum Erstaunen Johanns, „dass Margarethe, als sie noch lange nicht Brinkmann hieß, zunächst meinen Großvater hatte für sich gewinnen wollen. Allerdings ohne Erfolg. Er hat zu Lebzeiten zwar nie darüber gesprochen, aber meine Großmutter, Gott habe sie selig, hat es einmal erwähnt, obwohl sie selber nichts Genaues wusste, denn zu diesem Zeitpunkt war sie ja noch nicht mit ihm zusammen gewesen.“

„Du meinst, dein Opa hat diese Margarethe Brinkmann einst regelrecht abblitzen lassen, was ihren Hass auf uns bis heute zusätzlich beflügelt?“

„Ja, denn sie war zwar eine wirklich ansehnliche junge Frau gewesen damals, aber für einen Wetken noch viel zu jung und vor allem absolut nicht standesgemäß. Der Altersunterschied hat dabei wohl weniger den Ausschlag gegeben. Immerhin war mein Großvater seinem Vater wiederum verpflichtet, dem berühmten damaligen Bürgermeister von Hamburg Johann Wetken, dessen Namen du in Ehren tragen solltest.

Das muss Margarethe jedenfalls zutiefst verletzt haben, und es könnte sein, dass ihr Hass allein schon aus diesem Grund eben nicht allein dem rigorosen Konkurrenzdenken geschuldet ist.“

„Und trotzdem glaubst du dieser Person mehr als deinem eigenen Sohn, deinem eigenen Fleisch und Blut?“, stellte Johann daraufhin ganz geschickt die entscheidende Frage.

Eine steile Falte erschien prompt auf der Stirn seines Vaters.

„Natürlich nicht!“, regte er sich auf. „Von ihr stammt die Information ja auch gar nicht.“

„Von wem denn sonst?“

„Aus einer absolut verlässlichen Quelle“, wich Georg prompt aus.

„Verlässlicher also als ich, dein Sohn, dein eigenes Fleisch und Blut? Dann frage ich mich ernsthaft, bei allem Respekt, den ich dir gegenüber empfinde, wieso du mich überhaupt hast als dein Nachfolger aufbauen lassen, wenn du sowieso einem anderen so unübersehbar deutlich mehr vertraust?“

„Das verstehst du nicht.“

„Nein, in der Tat, mein Vater, aber ich würde es tatsächlich eben gern verstehen!“, beharrte Johann, und dann wechselte er geschickt die Strategie – so geschickt, dass seinem Vater das gar nicht auffallen würde, wie er hoffte:

„Und selbst wenn deine Quelle zu hundert Prozent glaubwürdig ist, kann es ja trotzdem sein, dass eben diese Quelle selber belogen wurde. Ich weiß ja nicht, was dort im Hansehaus Brinkmann tatsächlich vorgeht, aber möglicherweise steckt ja Margarethe Brinkmann doch dahinter?

Wir wissen doch beide um ihre Kunst der geschickten Intrige, die natürlich als solche nicht gleich erkennbar wird, sonst könnte man ja rechtzeitig dagegen wirken und ihren Erfolg schließlich verhindern.“

Johann wandte diese Argumentation nicht nur aus reiner Strategie an, um sich damit aus dieser Situation zu retten, sondern ahnte zugleich, dass er damit der Wahrheit möglicherweise empfindlich nahe kam.

Natürlich würde Margarethe Brinkmann dahinter stecken. Wer sonst? Sie würde erfahrungsgemäß alles tun, um ein weiteres Treffen zwischen ihrer Enkelin Adele und ihm, Johann Wetken, nachhaltig zu verhindern. Nur aus diesem Grund hatte sie seinem Vater diese Information zukommen lassen, wie auch immer sie das geschafft hatte.

Es war ja tatsächlich die Wahrheit und nicht nur die reine Intrige ohne Bezug zur Wirklichkeit, aber die Möglichkeit, dass zwar Georg Wetkens geheime Informationsquelle nach wie vor integer war, jedoch selber hereingelegt wurde von Margarethe Brinkmann, war dennoch nicht ganz von der Hand zu weisen. Man kannte ja die Methoden einer Margarethe Brinkmann aus überaus bitteren Erfahrungen.

Und genau das machte indessen Georg Wetken deutlich sichtbar zu schaffen.

Ohne ein weiteres Wort noch von sich zu geben, anscheinend weil ihm sowieso kein weiteres Gegenargument mehr einfallen wollte, machte er brüsk auf dem Absatz kehrt und stürmte hinaus wie der sprichwörtliche Sturmwind. So verschwand er genauso plötzlich wie er aufgetaucht war.

Johann sah der kräftigen Gestalt seines Vaters noch lange hinterher, einerseits erleichtert, weil es wirklich hätte weitaus schlimmer werden können für ihn, aber dennoch nicht erleichtert genug, um tatsächlich aufatmen zu können.

Vor allem dachte er wieder an seine arme Adele und entschuldigte sich erneut und voller Inbrunst bei ihr für seine verleumderische Vorgehensweise, wovon sie wohl niemals erfahren würde, genauso wenig wie von seiner aus vollem ehrlichen Herzen so gemeinten Entschuldigung.

Und dann dachte er an Gordula Schopenbrink.

Natürlich kannte er sie heimlich näher. Das war nicht gelogen gewesen. Und sie hatte ihn auch persönlich zu diesem Fest eingeladen. Als Freundin wohlgemerkt, nicht etwa als seine Geliebte.

Er musste sich unbedingt mit ihr wieder treffen, um sie darüber in Kenntnis zu setzen, was abgelaufen war. Wie würde sie denn darauf reagieren? Würde sie sich wie missbraucht vorkommen? Würde sie es als Verrat an ihrer Freundschaft werten?

Jetzt wurde er auf einmal erst recht nachdenklich. Seine eigenen Worte hallten in ihm nach. Er hatte immerhin sogar behauptet, Gordula Schopenbrink möglicherweise heiraten zu wollen.

Was würde sie denn wohl dazu sagen? War er damit nicht schon wesentlich zu weit gegangen?

Es hätte ihn sehr geschmerzt, wenn sie ihm daraufhin für immer die Freundschaft aufgekündigt hätte, aber hatte er denn überhaupt eine Alternative gehabt gegenüber der Allgewaltigkeit seines zürnenden Vaters?

Er hätte dies alles gern verschwiegen Gordular gegenüber, aber das war natürlich jetzt sowieso und endgültig nicht mehr möglich, denn er musste ja damit rechnen, dass sein Herr Vater in dieser Hinsicht so bald wie möglich nachhaken würde. Eher früher als später, wie zu befürchten blieb.

Und es würde sicherlich besser sein, wenn Gordula es vorher von ihm selbst, Johann, erfuhr, bevor es ihr von anderer Seite her zugetragen wurde und sie vielleicht sogar peinliche Befragungen über sich ergehen lassen musste, ohne vorher überhaupt auch nur zu ahnen, worum es eigentlich ging für Johann.

Und dann fragte er sich noch etwas insgeheim:

Wer hatte denn damals eigentlich Adele Brinkmann zu jenem denkwürdigen Fest eingeladen, auf dem er die unbeschreibliche Adele kennengelernt hatte?

Gordula war es jedenfalls nicht gewesen. Da war er sich völlig sicher, denn das hätte er längst gewusst.

Und wer sonst?

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Adele benötigte viele