Ruth Rendell

Der Pakt

Roman

Aus dem Englischen von Edith Walter

Rowohlt E-Book

Inhaltsübersicht

Über Ruth Rendell

Ruth Rendell wurde 1930 in London geboren, wo sie auch heute lebt. Seit ihrem ersten Buch «Alles Liebe vom Tod», das 1964 erschien, hat sie alle wesentlichen Preise und Auszeichnungen erhalten: mehrfach den Silver und Gold Dagger der englischen Krimiautoren, mehrfach den Edgar der Mystery Writers of America, den Diamond Dagger für ihr Lebenswerk, den Grand Masters Award, den Literary Award der Sunday Times. Die englische Königin erhob sie 1997 aufgrund ihrer Verdienste um die Literatur in den Adelsstand und verlieh ihr den Titel «Baroness». Ruth Rendell schreibt auch unter dem Pseudonym Barbara Vine.

 

Weitere Veröffentlichungen:

Durch das Tor zum Himmlischen Frieden

Die neue Freundin

Dämon hinter Spitzenstores

Die Grausamkeit der Raben

Die Masken der Mütter

Über dieses Buch

Peter ist fast sechzehn und hat nur eine Sorge: Er ist der Kleinste in seiner Klasse. Nach der Lektüre von «Doktor Faustus» kommt ihm eine glänzende Idee: Er wird dem Teufel seine Seele verkaufen, wenn der ihn dafür wachsen lässt. Also vollzieht er die entsprechende Zeremonie. Und es funktioniert: Er wächst. Von da an praktiziert er fleißig okkulte Rituale. Als seine Stiefmutter lästig wird, will Peter sie aus dem Weg räumen. Und aus dem Spiel mit schwarzer Magie wird blutiger Ernst.

 

Impressum

Dieses E-Book basiert auf der Printausgabe des Titels, die 1993 im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, erschien.

 

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Mai 2014

Copyright © 2014 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

Die Originalausgabe erschien 1984 unter dem Titel «The Killing Doll» bei Hutchinson Publishing Group, London

«The Killing Doll» Copyright © 1984 by Kingsmarkham Enterprises Ltd.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages

Umschlaggestaltung any.way, Barbara Hanke

(Umschlagabbildung: neuebildanstalt/Jordan)

Schrift DejaVu Copyright © 2003 by Bitstream, Inc. All Rights Reserved.

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Satz CPI books GmbH, Leck

ISBN 978-3-644-52831-4

www.rowohlt.de

ISBN 978-3-644-52831-4

Fußnoten

1

Robert Crottet: Heute in vierzehn Tagen, Fischer Taschenbuch Verlag 1984

Die Hauptpersonen

Peter (genannt ‹Pup›) Yearman

verkauft seine Seele dem Teufel, weil er endlich wachsen will.

Dolly Yearman

bemuttert und bewundert ihren Bruder.

Edith Yearman

stirbt zwar, gibt aber trotzdem keine Ruhe.

Harold Yearman

liest historische Romane und braucht der guten Ordnung halber immer eine Ehefrau.

Myra Brewer

heiratet aus Verzweiflung und wird damit zur bösen Stiefmutter.

George Colefax

ist Zahnarzt und Myras Arbeitgeber.

Yvonne Colefax

ist so schön, dass alle anderen Frauen neben ihr wie Aschenputtel wirken.

Ashley Clare

ein schöner Mann mit schwächlicher Konstitution.

Diarmit Bawne

hält sich für unsichtbar.

Conal Moore

bleibt unsichtbar.

1

Im Winter vor seinem sechzehnten Geburtstag verkaufte Pup seine Seele dem Teufel. Es war Anfang Dezember und schon vor fünf Uhr dunkel. Ungefähr zwei Stunden später suchte sich Pup alles zusammen, was er brauchte, und ging zur alten Eisenbahnlinie hinunter. Dolly war ins Krankenhaus gefahren – zwischen sieben und acht war Besuchszeit – und Harold irgendwo unterwegs. Möglicherweise auch im Krankenhaus. Manchmal raffte er sich dazu auf.

In der Hand trug Pup eine Fahrradlampe. Er verließ den Garten durch die hintere Pforte und kletterte durch Bäume und Gesträuch den Abhang hinunter. Hier lief die alte Eisenbahnlinie durch ein Tal, sodass die Gärten auf sie herabsahen. An anderer Stelle wiederum führte der grasbewachsene Pfad, der früher das Bett für Schwellen und Schienen gewesen war, einen aufgeschütteten Damm entlang, etwa fünf Meilen weit über Brücken hinweg und unter Brücken durch. Im Sommer war er so dicht überwuchert, dass er aus der Luft wie ein Waldstreifen aussehen musste. Jetzt, im Winter, waren die Birken und Schmetterlingssträucher kahl, das Gras dünn und feucht, mit Unrat, durchweichtem Papier und rostigen Büchsen besät. Zwischen den Wolken schimmerte fahl der Mond, ein Schwamm, der in seifigem Wasser trieb.

Linker Hand erhob sich der steinerne Bogen, den die Mistley Avenue querte. Er war breiter als eine Brücke und nicht so tief wie ein Tunnel, ein feuchtes, dunkles Loch, durch das man undeutlich ein paar Lichter flimmern sah. In der Mitte hatte jemand irgendwann einmal eine Federmatratze weggeworfen, aus der noch immer Daunen rieselten. Im Mistley-Tunnel waren überall Federn zu finden: Sie klebten an den Mauern oder auf dem Boden oder schwebten wie weiße Insekten durch das Dunkel. Pup schwenkte seine Lampe, und ihr Strahl zeigte ihm die grünlichen Wände, die vor Nässe trieften. Er hockte sich inmitten der Federn auf den Boden und zündete die Kerze an, die er mitgebracht hatte. Außerdem hatte er ein kleines Küchenmesser und eine Tasse mitgenommen. Er war der Meinung, dass seine Seele eine sichtbare und greifbare Form annehmen musste, damit er sie übergeben konnte. Das Messer war sehr scharf, und er musste nur einmal ganz leicht mit der Klinge gegen den Daumenballen drücken, um das Blut sprudeln zu lassen. Ein paar Tropfen Blut fielen in die Tasse, und Pup betrachtete sie nachdenklich im Kerzenlicht. Jetzt, da er so weit gegangen war, wusste er kaum, was er für Worte sprechen sollte.

In einem der Gärten schrie in einer hohen Kastanie eine Eule. Es klang nicht melodisch, sondern kalt und unheimlich. Pup lauschte und wartete, bis der schrille, geisterhafte Schrei sich wiederholte. Und dann sah er die Eule, einen großen, flatternden Körper, der sich am Tunneleingang vom tintig roten Himmel abhob. Pup merkte plötzlich, dass er fror. Sein Blut tropfte langsam in die glänzende weiße Tasse. Er stand auf, streckte die Hände mit der Tasse aus und sagte:

«Satan, o Satan, das ist meine Seele. Wenn du mir alles gibst, was ich haben will, darfst du meine Seele nehmen und für immer behalten. Nimm sie jetzt. Als Gegenleistung musst du mich glücklich machen.» Pup unterbrach sich und horchte in die vollkommene Stille hinein. Eine Feder schwebte von der Tunnelwölbung herunter, geriet in die Kerzenflamme und verbrannte darin. Ob das wohl das Zeichen dafür war, dass Satan seine Seele angenommen hatte? Er beschloss, diesen Umstand sofort auszunützen. «Lass mich wachsen», sagte er.

Dolly erzählte er erst zwei Wochen später davon, und auch da sagte er ihr nicht alles.

«Du hast was?», fragte sie.

Er las gerade Marlowes Faustus für die Prüfungen zur mittleren Reife. «Das kommt in einem Theaterstück vor, das wir in der Schule lesen. Ich dachte mir, dass es zumindest einen Versuch wert ist. Schließlich nützt mir meine Seele nichts, oder? Man sieht sie nicht, und man kann nichts damit anfangen. Da kann man sie doch genauso gut dem Teufel verkaufen.»

«Und was bekommst du dafür?»

«Na ja», antwortete Pup vage, «einfach Sachen, die ich gern haben möchte. Alles, was ich will. Ich habe ihn schon um ein paar Sachen gebeten.»

«Du hättest ihm sagen müssen, er soll dafür sorgen, dass Mutter nicht stirbt», entgegnete Dolly, als rede sie mit jemandem, der sich erboten hatte, für die Kranke zu beten.

«Ich glaube nicht, dass er solche Sachen macht», meinte Pup nachdenklich und nahm sich ein zweites Schokoladenéclair.

Schon hatte Dolly – wenn auch verfrüht – begonnen, an Pup Mutterstelle zu vertreten, fütterte ihn mit Kuchen und nötigte ihn, viel Zucker in den Tee zu nehmen. Seine Gesundheit stärken, nannte sie es.

Harold, vor dem man ungestraft auch das intimste Gespräch führen konnte, weil er nie ein Wort hörte, wenn er las, hatte sein Buch an das Glas mit Ananasmarmelade gelehnt. Er aß Tomatenscheiben zu einem Ei-Schinken-Omelett auf amerikanische Art, indem er die Gabel aus der Hand legte, um die Teetasse aufzunehmen und zu trinken. Die linke Hand musste er immer frei haben, damit er umblättern konnte. Dolly trank nie Tee. Wenn sie aus dem Krankenhaus zurückkam, würde sie oben in ihrem Zimmer zwei Glas Wein trinken – wie jeden Abend.

«Kommst du mit, Vater?», fragte sie. Da er sie nicht gehört zu haben schien, tippte sie auf den Umschlag von Die Königin, die nie eine wurde, eine Biographie der Sophia Dorothea von Celle. «Ich habe gefragt, ob du mitkommst?»

«Es ist schmerzlich für mich, in dieses Krankenhaus zu gehen», antwortete Harold.

«Sie freut sich aber, dich zu sehen.»

«Na, ich weiß nicht so recht», sagte er, eine seiner Lieblingsphrasen benutzend. «Es würde ihr keine Freude machen, wenn sie ahnte, wie schmerzlich es für mich ist.»

Nein, er begleitete sie nicht. Sie musste allein gehen, wie gewöhnlich. Als sie weg war und Harold sich in den Raum zurückgezogen hatte, den er das «Frühstückszimmer» nannte – obwohl seines Wissens nie jemand dort frühstückte –, um den Abend mit Sophia Dorothea zu verbringen, stieg Pup in den ersten Stock hinauf, in dem sein Zimmer lag. Das Haus hatte zwei Stockwerke, doch das oberste wurde kaum benutzt. Pups Zimmer lag nach hinten hinaus, mit Blick auf die alte Eisenbahnlinie, die Rückfronten der grauen Stuckhäuser in der Wrayfield Road, den Nachbargarten auf der einen Seite, der Mrs. Brewer gehörte, und Mrs. Buxtons Garten auf der anderen. Pup schloss die Vorhänge aus sehr altem rosafarbenem und rehbraunem handgewebtem Leinen. Sie stammten noch von Harolds Mutter, der das Haus früher gehört hatte. An der Wand hatte Pup mit Dollys Maßband einen über einsachtzig langen senkrechten Strich gezogen, ihn auf einer Seite in Zentimeter unterteilt – weil er in der Schule das metrische System gelernt hatte. Auf der anderen Seite war eine Zollskala, denn Zoll und Fuß waren ihm immer noch die vertrauteren Bezeichnungen, wenn er von der Größe eines Menschen sprach.

Er zog die Schuhe aus. Es war jetzt einen Monat her, dass er sich am 18. November zum letzten Mal gemessen hatte, und damals war er noch einsneunundvierzigeinhalb gewesen. Monatelang hatte er einsneunundvierzigeinhalb gemessen, und als er sich jetzt wieder straff an den Messstrich lehnte, krampfte sich ihm vor Spannung der Magen zusammen. Er schloss die Augen. Was sollte er nur tun, wenn er sein Leben lang einsneunundvierzigeinhalb blieb?

«Satan, o Satan!», flehte er.

Er machte über seinem Scheitel einen Strich, drehte sich um und sah nach. Einseinundfünfzig. Täuschte er sich? Nein, das glaubte er nicht. Wenn überhaupt, dann hatte er die Knie nicht so durchgestreckt wie sonst, und sein Haar war flacher, weil es erst frisch geschnitten war. Der neue Strich war zweifellos anderthalb Zentimeter höher als der letzte. Einseinundfünfzig. Jemand, der labil und eitel genug gewesen wäre, sich ein bisschen zu strecken, hätte leicht einszweiundfünfzig daraus machen können. Hatte das der Teufel für ihn getan? Eigentlich hielt Pup das für unwahrscheinlich – es war reiner Zufall.

Alle Yearmans waren ziemlich kurz geraten. Harold war klein und mager, mit zweiundfünfzig so dünn wie ein Junge, und maß nicht sehr eindrucksvolle Einssiebenundsechzig. Lass mich wenigstens einssiebenundsechzig werden!, flehte Pup und betrachtete sich in Großmutter Yearmans fleckigem Spiegel. Noch sechzehn Zentimeter, Satan, bitte! Faustus hatte nicht um körperliche Schönheit gebeten, und sie war ihm auch nicht versprochen worden. Vielleicht hatte er schon gut ausgesehen und war auch groß genug gewesen. Pup hatte das lange Yearman-Gesicht, die gewölbte Stirn, die lange, gerade Nase, den breiten Mund, das gelbbraune Yearman-Haar und die gelben Yearman-Augen, die von freundlich gesinnten Menschen hellbraun genannt wurden. Weder er noch Dolly hatten Ediths rotes Haar, ihre glänzenden lichtblauen Augen und die rosige, sommersprossige, zarte Haut der Rothaarigen geerbt. Mit meinem Aussehen wäre ich schon zufrieden, dachte er, wenn ich nur noch sechzehn Zentimeter wachsen würde.

Dolly konnte mit ihrem Aussehen nie glücklich werden. Ihr Aussehen war etwas ganz anderes, obwohl sie nie mit jemandem darüber sprach, und niemand wusste, was sie empfand. Pup nicht und nicht einmal Edith. Dolly hatte den Brief an die Zeitschrift nicht geschrieben, obwohl er von ihr hätte sein können: «Verunstaltet, Stockport, England» – so hieß das Kennwort, unter dem der Brief veröffentlicht worden war – schien an derselben Entstellung zu leiden. Die rechte Wange dem dunklen Fenster zugewandt, las sie die Zeitschrift im Bus auf der Rückfahrt vom Krankenhaus, wo man ihr gesagt hatte, ihre Mutter werde das neue Jahr kaum erleben. Dolly saß im Bus immer auf einem rechten Fensterplatz, und wenn keiner frei war, wartete sie auf den nächsten Bus. Natürlich fuhr sie nur sehr selten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie war ja auch nie zur Arbeit gegangen.

«Die Anziehungskraft auf das andere Geschlecht hängt nicht davon ab, dass man körperlich hübsch ist, wissen Sie? Überlegen Sie mal, wie viele ziemlich hässliche Frauen einen ganzen Schwarm von Verehrern haben. Ihr Geheimnis ist Selbstsicherheit. Werden Sie eine Persönlichkeit, werden Sie zu einem interessanten Menschen, mit dem es Spaß macht, zusammen zu sein. Versuchen Sie auszugehen, lernen Sie so viele Leute wie möglich kennen, und Sie werden entdecken, wie spannend es ist, neue Freunde zu finden. So spannend, dass Sie Ihr Geburtsmal bald vergessen haben werden.» – So weit die Antwort auf den Brief von «Verunstaltet, Stockport, England».

Dolly hatte keine Freunde. Edith hatte sie gehegt und behütet, und sie fragte sich jetzt, was sie ohne Edith anfangen sollte. Als sie sechzehn war, hatte Edith sie überredet, von der Schule abzugehen. Dass sie sich eine Stellung suchte, kam nicht in Frage. Sie blieb zu Hause und half ihrer Mutter wie die Mädchen, die zur Zeit von Großmutter Yearman jung gewesen waren. Sie gingen miteinander einkaufen, und Edith brachte Dolly dazu, sich immer bei ihr einzuhaken.

«Sie helfen dem Mädchen nicht, indem Sie es behandeln wie eine Kranke, Edith», hatte Mrs. Buxton aus dem Nebenhaus gesagt. «Es gibt Mädchen, die schlimmer entstellt sind und ein normales Leben führen. Wenn ich meine Tochter in Finsbury Park besuche, sehe ich oft ein Mädchen, das auf der ganzen unteren Gesichtshälfte ein Feuermal hat, nicht nur auf der Wange wie Dolly, und dieses Mädchen fährt sein Baby im Kinderwagen spazieren. Ein bildhübsches Baby mit einer ganz reinen Haut.»

«Wir sind von einem Spezialisten zum anderen gelaufen», sagte Edith. «Keiner konnte helfen. Harold hat ein Vermögen ausgegeben.»

Dolly sagte nie ein Wort dazu. Sie saß an ihrer Nähmaschine und lernte unter Ediths Anleitung schneidern. Sie gingen nie irgendwohin, waren aber immer so angezogen, als seien sie zum Essen in ein Restaurant eingeladen. Sie trugen schicke, selbstgeschneiderte Kleider, hauchdünne Strumpfhosen, auf Hochglanz polierte Schuhe, und ihr Haar war immer frisch gewaschen und gelegt. Dollys Haar war natürlich so sorgfältig frisiert, dass es wie ein Vorhang ihre Wange bedeckte. Der Höhepunkt ihres Tages war, wenn Pup zum Tee nach Hause kam.

Sieben Jahre war es so gegangen. Dolly war jetzt dreiundzwanzig.

«Nur gut, dass ich nie arbeiten gegangen bin», sagte sie zu Pup. «Da habe ich wenigstens gelernt, mich um dich zu kümmern und den Haushalt zu versorgen.»

Das Haus war groß und fast noch genauso möbliert wie zu Großmutter Yearmans Zeiten. Die meisten gleichartigen in der Manningtree Grove waren in Mietwohnungen unterteilt worden. Das Haus der Yearmans war schäbig und ziemlich dunkel. Auf den Fußböden, riesigen Linoleumflächen oder fleckigen Dielenbrettern, lagen ein paar alte Teppiche wie viereckige Inseln in einem Ozean. Die Installation war fast schon antik zu nennen, die elektrischen Leitungen bestenfalls unzuverlässig. Harold, Dolly und Pup waren an einem gemütlichen Heim und Hausarbeit nicht interessiert. Kaum, dass sie Weihnachten feierten. Pup hängte im Esszimmer ein paar Papiergirlanden auf, aber da sie niemand abnahm, waren sie im März, als Edith starb, auch noch da. Es war Schnee gefallen, und er lag unberührt jungfräulich, eine schimmernde Straße, auf der alten Eisenbahnlinie. Dolly fütterte die Vögel mit Kuchenkrümeln, die sie auf ein altes Bücherregal vor dem Küchenfenster streute, und warf einen Stein nach Mrs. Brewers Katze, die den Vögeln nachstellte. Sie traf die Katze nicht, würde es aber eines Tages tun. Sie hasste diese Katze, hasste alle Katzen, und dieser einen wollte sie es eines Tages heimzahlen.

Mrs. Buxton kam herein. Sie trug Gummistiefel, deren Schäfte abgeschnitten waren, weil sie zu dicke Waden hatte.

«Ich wollte dir nur sagen, wie leid es mir um deine Mutter tut, meine Liebe. Ich weiß, was sie dir bedeutet hat, sie war mehr als eine Mutter, wenn das überhaupt möglich ist. Und ich fühle so mit deinem armen kleinen Bruder. Wie merkwürdig, dass ihr im März noch Papiergirlanden hängen habt.»

Pup war im Februar sechzehn geworden, doch man hatte immer das Gefühl, er sei jünger, weil er so klein war. Er war ruhig, freundlich und höflich, und er machte keine Einwendungen, wenn Dolly verlangte, dass er sie küsste, bevor er in die Schule ging und wenn er wieder nach Hause kam. Der Mantel von Ediths Mütterlichkeit lag jetzt um Dollys Schultern, und sie war plötzlich mütterlicher als Edith es je gewesen war. Sie machte sich seinetwegen Sorgen und fragte sich, warum er so beherrscht und zurückhaltend war.

Er hatte sich am 18. Januar und am 18. Februar gemessen, und immer war er ein bisschen gewachsen. Am 18. März maß er einsvierundfünfzigeinhalb. Er kaufte sich an einem Bücherstand ein Taschenbuch über Zauberei. Faustus konnte Gold machen, Geister beschwören und wusste durch die unglaublichsten Zaubertricks zu verblüffen. Immer mehr identifizierte sich Pup in dieser Zeit mit Faustus, obwohl eine gesunde Skepsis ihm sagte, dass dieser Wachstumsschub reiner Zufall war.

«Ich werde nie darüber hinwegkommen», sagte Harold nach Ediths Beerdigung in Golders Green. «Sie war die ganze Welt für mich. Ich komme nie darüber hinweg.»

Dolly holte ihm aus der Bücherei eine neue Biographie über die letzte Zarin, doch es dauerte einen ganzen Tag, bevor er imstande war, mit dem Lesen anzufangen. Er weigerte sich, in dem Zimmer zu schlafen, das er mit Edith geteilt hatte, und zog in das andere im ersten Stock mit Blick auf die Straße. Er erklärte, in Ediths Zimmer dürfe nicht das Geringste verändert werden. Das hatte Königin Victoria auch für Prinz Albert getan, nachdem er gestorben war. Dolly musste das Bett machen, das Laken zurückschlagen und eins von Ediths Nachthemden darauf zurechtlegen, obwohl Edith das nie getan, sondern ihr Nachthemd zusammengerollt unter das Kopfkissen geschoben und oft das Bett überhaupt nicht gemacht hatte.

Mrs. Collins, für die Dolly ein Kleid fertig nähte, das Edith angefangen hatte, bevor sie ins Krankenhaus ging, sagte, Harold anzusehen, treibe einem die Tränen in die Augen. Als sie das Haus betrat, hatte sie ihn dabei überrascht, wie er mit einem Buch über die Gothaischen Genealogischen Handbücher die Treppe hinaufging. Sie hatte geglaubt, es sei die Bibel und sein Ziel das Zimmer seiner verstorbenen Frau. Mrs. Collins war auf eine merkwürdige Art religiös und Mitglied, ja, sogar ein leitendes Licht der «Adonaikirche der Guten Spiritisten» in Mount Pleasant Green.

«Er sollte sich uns anschließen», sagte sie. «Sie wird von der anderen Seite zu ihm durchdringen wollen.»

«Wahrscheinlich hätte sie lieber mich», entgegnete Dolly, mit einer Reihe von Stecknadeln zwischen den Lippen, und steckte, auf den Knien rutschend, den Saum an Mrs. Collins’ Kleid ab. «Sie sollten mich auffordern.»

«Wir fordern Sie auf, meine Liebe», sagte Mrs. Collins. «Wir nehmen alle menschlichen Seelen bei uns auf.» Das klang, als sei Dolly eine Missgeburt, die eben noch Anspruch auf diese Bezeichnung erheben konnte.

 

Pup stieg an der U-Bahnstation Highgate aus dem Bus und ging entlang der alten Eisenbahnlinie nach Hause. In einer Hand trug er die Schultasche, in der anderen eine Plastiktüte mit Zeichenpapier, Farben, blauer Haftmasse und Reißzwecken, die er in Muswell Hill gekauft hatte. Es war der 18. Juli, ein schöner Sommertag. Pup trug saubere Jeans, ein sauberes weißes Hemd und eine leichte graue Reißverschlussjacke. Dolly hätte ihn gern in grauen Flanellhosen gesehen, doch Pup, der sich in den meisten Dingen leicht lenken ließ, bestand auf Jeans. Er erlaubte auch nicht, dass sie sie für ihn nähte. Levi’s mussten es sein, wie die anderen sie trugen, Wrangler oder irgendeine andere bekannte Marke, die «in» war. Pup war diesen Weg gegangen, weil er die alte Eisenbahnlinie mochte und außerdem seinem Freund Dilip Raj und noch einigen anderen ausweichen wollte, die in seine Schule gingen und auch in der Manningtree Grove oder der näheren Umgebung wohnten.

An diesem Nachmittag waren viele Leute auf der alten Strecke, hauptsächlich Kinder, die auf den Brückengeländern saßen, aber auch Erwachsene: ein junger Mann, der im Gehen eine Büchse vor sich herkickte, die er schließlich an der Northwood Road über das Geländer auf die unter der Brücke verlaufende Straße schoss, und Frauen, die mit ihren Hunden spazieren gingen. Pup blieb stehen und streichelte den edlen Kopf eines Pyrenäischen Berghundes, der vom Milton Park zur Stanhope Road und zurück geführt wurde. Die Sonne schien in einem dunstigen Himmel, und alle Schmetterlingssträucher standen in voller Blüte, prangten mit einer Überfülle langer purpurner Trauben, auf denen sich ab und zu ein Pfauenauge oder ein Kleiner Fuchs niederließ. Die Schmetterlinge waren rar geworden, doch wenn die Sträucher an der alten Bahnlinie blühten, bekam man sie noch manchmal zu sehen.

Kurz vor dem Mistley Tunnel kletterte Pup durch Weißdornschösslinge, durch gelb blühendes Jakobskreuzkraut, rote Lichtnelken und Cola-Pappbehälter die Böschung hinauf und betrat den Garten durch die hintere Pforte. Dolly wartete auf ihn wie eine Mutter oder eine Ehefrau und hielt ihm die nicht entstellte linke Wange zum Kuss hin. Er küsste sie. Er hätte auch die andere Wange geküsst, denn er fühlte sich nicht davon abgestoßen. Dolly nahm einen Stein vom Fensterbrett – sie bewahrte dort immer einen kleinen Vorrat auf – und warf ihn nach Mrs. Brewers Katze.

«Du solltest mit Erdklumpen nach ihr werfen», sagte Pup. «Mit einem Stein kannst du ihr weh tun.»

«Sie läuft mir über alle Pflanzen», sagte Dolly, obwohl es im ganzen Garten keine Pflanze gab, die erwähnenswert gewesen wäre, nur die vielblütige Weißwurz und den schwarzen Nachtschatten und in der entsprechenden Jahreszeit ein paar anämische Heidekrautastern. «Was habt ihr heute in der Schule gemacht?» Dolly fragte ihn das oft, weil sie es für die Pflicht einer Mutter hielt, zu fragen, und vergaß, dass er schon sechzehn war.

«Differenzialrechnungen», antwortete Pup ernst. Er hatte kaum eine Ahnung, was das eigentlich war, aber es machte Dolly glücklich, wenn er so etwas sagte. Halb bewusst und halb unbewusst hatte er vor einiger Zeit einen Kurs eingeschlagen, von dem er glaubte, dass er Dolly glücklich machen würde.

«Das klingt schwierig. Ist das deine Hausaufgabe?»

«Das und die finnisch-ugrischen Sprachen», sagte Pup und häufte sich Salami, Cornwall-Fleischpastete, Mixed Pickles, Kohlsalat und Battenburg-Kuchen auf den Teller.

Schultasche und Plastiktüte in der Hand, ging er durch die höhlenartige Halle – die Wände waren wie in einem altmodischen Krankenhaus oder einer alten Fabrik bis zur halben Höhe dunkelgrün und dann bis zur Decke hellgrün gestrichen, der Fußboden mit roten und schwarzen Fliesen ausgelegt –, als der Vater die Eingangstür aufschloss und das Haus betrat. Seit er verheiratet war, hatte Harold, wenn er heimkam, immer als Erstes gesagt, er sei völlig erledigt. Pup begrüßte ihn höflich und freundlich wie immer.

«Hallo, Vater. Hast du einen schönen Tag gehabt?»

«Dass er schön war, könnte ich nicht gerade behaupten», sagte Harold. «Ich bin völlig erledigt.»

Pup ging in sein Zimmer hinauf. Es war heiß und stickig, und er öffnete das Fenster. Er zog die Schuhe aus. Heute fühlte er keine so große zitternde Erregung wie sonst, denn die Jeans, die ihm zu kurz geworden waren, sagten ihm, dass er gewachsen war, doch auf einsneunundfünfzigeinhalb hätte er nie zu hoffen gewagt. Einsneunundfünfzigeinhalb. Er wuchs tatsächlich und war nicht mehr der Kleinste in der Klasse. Dilip Raj und Christopher Theofanou waren kleiner als er.

Er zog die Schuhe wieder an und nahm das Zeichenmaterial aus der Tüte. Das Zauberbuch bei einer Seite mit Diagrammen aufgeschlagen, begann er auf einem Bogen Kartonpapier ein halbmondförmiges Gebilde zu zeichnen. Er hatte vier Bogen Papier, einen für jedes der vier Elemente. Die Zeichnungen waren für die vier Wände des Zimmers im obersten Stockwerk bestimmt, das er zu seinem Tempel ausersehen hatte.

Er wollte ein Magier werden.

2

Nähst du mir einen langen Mantel?», fragte Pup.

«Meinst du einen Bademantel?»

Er schüttelte den Kopf. «Komm hinauf. Ich möchte dir etwas zeigen.»

«Ich verstehe», sagte Dolly wie eine gekränkte Mutter. «Wahrscheinlich hat es was mit dem Zimmer zu tun, in das du mich nicht hineinlässt. Ich weiß, dass du es abgesperrt und den Schlüssel weggenommen hast. Jetzt hält der hohe Herr es wohl für richtig, die Geheimkammer zu öffnen, ja?» Sie warf den Kopf zurück. «Ich weiß nicht, ob ich die Zeit erübrigen kann.»

Pup sah sie mit seinem unwiderstehlichen Lächeln an. «O doch, du hast Zeit, Liebes.» Manchmal nannte er sie «Liebes», und dann war sie so hingerissen, dass sie immer weich wurde. «Du kommst bestimmt mit. Es wird dir gefallen.»

«Na, schon gut.»

Sie gingen selten in den zweiten Stock hinauf. Oder, korrigierte sich Dolly, als sie die letzte Treppe hinaufstiegen, besser gesagt, ich gehe selten herauf. Früher waren die obersten Räume die Dienstbotenzimmer gewesen, hatte Edith ihr erzählt. Aber hatte in Crouch End jemand tatsächlich je Dienstboten gehabt? Das konnte, Dollys Meinung nach, nicht später als im frühen Mittelalter gewesen sein. Es waren fünf Zimmer mit niedrigen Decken, die Wände mit merkwürdigen ausgeblassten Mustern tapeziert – Sträußchen aus bleichen, stockfleckigen malvenfarbenen Wicken oder mit blauen Bändern gebundene Gänseblümchen auf gelblichen Streifen. Das Linoleum auf dem Boden war rötlich, rehbraun oder blau, ein paar Möbel standen herum – ein Bett, ein Trumeauspiegel, ein Schrank, der auf vier Beinen stand und einen ovalen Spiegel hatte. Zweimal im Jahr fuhr Dolly hier mit dem Mopp über den Boden und wischte Staub. Daher wusste sie auch, dass Pup die Tür eines der nach hinten hinausgehenden Zimmer abgeschlossen hatte. Es war merkwürdig, diese leeren, kaum bekannten Zimmer im eigenen Haus zu haben. Es war so, als gehöre es einem gar nicht. Ein Schatten flog Dolly über die Seele. Sie hatte manchmal Vorahnungen.

Pup schloss die Tür auf. Dolly schnappte hörbar nach Luft. Die Gänseblümchen auf den gelben Streifen waren verschwunden. Pup hatte mit matter schwarzer Farbe darübergestrichen. Die Decke war rot. Unter dem Fenster erkannte Dolly an seiner Form den alten Kartentisch aus Bambus, der im Zimmer mit den Wicken gestanden hatte, aber Pup hatte ihn mit einem schwarzen Tuch zugedeckt. An jeder der vier schwarzen Wände hing eine Art Poster mit einem sonderbaren Zeichen darauf. An der Nordwand das gelbe Quadrat für Erde, an der Ostwand der blaue Kreis für Luft, im Süden ein gleichseitiges, mit der Spitze nach oben zeigendes rotes Dreieck für Feuer und im Westen ein silberner Halbmond für Wasser.

«Es sind tattwas», sagte Pup, «die Symbole der vier Elemente. Ich werde zaubern.» Er sah ihrem Gesicht an, was sie dachte. «Nein, nicht so, keine Tricks, ich will keine Kaninchen aus Hüten zaubern.» Ein Buch nach dem anderen nahm er vom Tisch und zeigte es ihr: Eliphas Levi, A.E. Waite, Crowley. «Es ist so etwas wie eine Wissenschaft», sagte er, weil er wusste, dass er sie damit ködern konnte. «Man muss jahrelang studieren. Ich glaube, ich habe Talent dazu.» Dolly sagte nichts. Sie hatte eines der Bücher aufgeschlagen und las die Worte einer Zauberformel, so esoterisch und schwer verständlich, so lang und so verworren, dass sie das Gefühl hatte, der Mensch, der das begreifen wolle, müsse ein Riese an Geisteskraft sein.

«Du kannst es vergessen, wenn du nichts davon wissen willst», sagte Pup. «Du musst nicht mitmachen.»

«Oh, aber ich will mitmachen», antwortete Dolly hastig. «Wenn man es jahrelang studieren muss, musst du wohl auch auf ein College gehen?» Sie war ehrgeizig für ihn und wollte nicht, dass er in Harolds Geschäft eintrat. Das war vielleicht die Lösung. «Was kannst du werden, wenn du fertig bist?»

Pup hätte fast laut aufgelacht. «Es geht nicht darum, was man werden, sondern darum, was man tun kann. Du kannst dir alles verschaffen, was du willst. Einfach alles.» Zweifel und Hoffnung malten sich auf Dollys Gesicht. «Machst du mir also den Mantel? Ich möchte einen goldenen Mantel mit einer schwarzen Sonne, einem schwarzen Mond und schwarzen Sternen drauf.»

«Die kann man aufsticken», sagte Dolly. Plötzlich merkte sie, dass er ihr über den Kopf gewachsen war. Das musste erst vor kurzem passiert sein. Zärtlicher Stolz auf ihn regte sich in ihr. «Gehen wir hinunter, dann sehe ich gleich nach, was ich habe. O ja, der goldene Polyester müsste gehen, den ich bei John Lewis im Ausverkauf so günstig bekommen habe.»

Dolly saß am Fenster des Vorderzimmers an ihrer Nähmaschine und steppte die Seitennähte des goldenen Mantels, als sie auf der anderen Seite der Ligusterhecke Myra Brewer vorübergehen sah. Myra besuchte ihre Mutter, wie an jedem Donnerstagabend. Unter den überhängenden Zweigen der beiden Gingkobäume, die im Garten der Yearmans wuchsen, streckte sie die Hand nach oben und riss ein paar der zarten, gefiederten Blätter ab. Myra gehörte zu den Leuten, die nicht imstande sind, unter überhängenden Zweigen durchzugehen, ohne wahllos und achtlos Blätter abzurupfen. Diese Brewers, dachte Dolly, und zu «diesen Brewers» gehörte auch die Katze, hatten es darauf abgesehen zu beschädigen, was ihr gehörte. Sie schlug mit der Faust gegen die Fensterscheibe, aber Myra war schon vorbei. Niemand hatte so rotes Haar – nicht einmal Ediths Haar war so rot gewesen. Myra musste es mit Henna färben. Im Nachbarhaus knallte Myra die Eingangstür hinter sich zu, und dann herrschte wieder Stille.

 

«Ich dachte schon, du kommst nicht mehr», sagte Mrs. Brewer, während ihre Tochter den Tee zubereitete – eine Mühe, die sie sich selbst nie gemacht hätte.

«Das sagst du immer. Du sagst immer: ‹Bist du nicht spät dran?› oder: ‹Ich dachte schon, du kommst nicht mehr.›»

«Wenn ich das sage, dann deshalb, weil es die Wahrheit ist. Du kommst immer zu spät, außer er bringt dich mit dem Wagen her. Wo ist er heute Abend? Daheim beim lieben Frauchen, nehme ich an.»

Myra hätte weinen können, wenn die Mutter so mit ihr sprach. Es stimmte ja alles. Er war bei seinem Frauchen zu Hause, und sie war siebenunddreißig, und ihr Haar sah furchtbar aus, wenn sie es nicht mit Henna färbte. Sie war auf dem Weg hierher in West End Green auf der Damentoilette gewesen, und dort hatte jemand an die Wand geschrieben: «Das Leiseste, was es auf dieser Erde gibt, ist das Geräusch von Haar, das grau wird.»

«Es hat keinen Sinn, ein solches Gesicht zu machen», sagte Mrs. Brewer und tat Sahne in ihren Tee wie seinerzeit als junges Mädchen in Devonshire. «Und es hat keinen Sinn, jetzt niedergeschlagen zu sein. Du kannst mir noch so oft erzählen, dass wir in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts leben und diesen ganzen Humbug, aber ich sage dir, dass die menschliche Natur sich nicht ändert. Du hättest das Menetekel an der Wand sehen müssen, als seine Söhne ins Internat kamen und er sich damals nicht von ihr scheiden ließ.»

Myra sagte nichts dazu. Für heute hatte sie genug von Menetekeln an der Wand.

«Dieses kleine Miststück mit dem Feuermal wirft schon wieder mit Steinen nach Fluffy», sagte Mrs. Brewer.

Fluffy war ein langhaariger Tigerkater, den Mrs. Brewer einen Perser nannte. Manchmal saß er auf dem Pfosten des Zaunes, der das Grundstück der Yearmans von dem des Nebenhauses trennte. Mrs. Brewer bewohnte die Erdgeschosswohnung, und die Leute im ersten und zweiten Stock hatten ebenfalls Katzen. Aber nur Fluffy thronte auf dem Pfosten. Dolly behauptete, in Crouch End gebe es mehr Katzen als im ganzen übrigen London.

«Es gibt in London auch mehr Mäuse als Menschen», wandte Pup ein, der in solchen Dingen Bescheid wusste.

Edith hatte den Garten im Herbst immer in Ordnung gebracht, die Heideastern zurückgeschnitten, die schwarzen Nachtschatten mit den Wurzeln ausgerissen und das Laub zusammengekehrt. Dolly war überzeugt, dass sie das in Zukunft tun musste. Die Baumwollhandschuhe anzuziehen, die ihrer Mutter gehört hatten, ihre Baumschere und den kleinen rot und silbern lackierten Spaten zu benutzen, ließ die Erinnerung an Edith unerhört stark wieder aufleben. Wenn Dolly die Augen schloss, sah sie Edith fast leibhaftig vor sich: das magere, spitze Gesicht, das feurige rote Haar, und sie glaubte auch, das nach Verbenen duftende Toilettenwasser zu riechen. Tränen schossen ihr in die Augen. Mit wütendem Eifer stürzte sie sich in die Arbeit und begann Unkraut auszustechen.

Fluffy kam wie ein Seiltänzer den Zaun entlangstolziert, kratzte am Pfosten und schwang sich dann hinauf. Dolly beobachtete ihn, während er kratzte, und dann wieder, als er sich setzte. Die Manningtree Grove war lang und schnurgerade und trotz der am Straßenrand Stoßstange an Stoßstange parkenden Wagen ziemlich breit. Die Autofahrer benutzten sie als Durchgangsstraße zwischen Crouch End Hill und Stroud Green. Die Wagen fuhren sehr schnell, besonders jene, die von siebzehn- oder achtzehnjährigen Jungen gesteuert wurden. Dolly hörte ein Auto kommen, als es dort, wo die Mistley Avenue kreuzte, über den Buckel holperte. Sie wusste, was sie tat, und wusste es doch nicht genau. Ihre Absicht war zur Hälfte Phantasie. Sie richtete sich auf, klatschte in die Hände und schrie. Fluffy sprang vom Pfosten herunter und flüchtete auf die Straße.

Dolly hörte den Wagen vorüberrasen, ohne Pause, ohne zu bremsen. Er war sehr schnell gefahren. Keiner dachte sich etwas dabei, wenn er mit über achtzig Stundenkilometern hier durchjagte. Dolly wartete darauf, dass Fluffy zurückkam, am Pfosten kratzte und sich dann oben hinsetzte. Sie suchte sogar einen Stein aus, den sie nach ihm werfen wollte. Nach einer Weile legte sie den Spaten weg, ging den Pfad hinunter, trat auf die Straße und sah nach. Fluffy lag auf der gegenüberliegenden Seite in der Nähe des Kanalgitters zwischen der vorderen Stoßstange eines roten Datsun und der hinteren Stoßstange eines grünen Volvo. Dolly überquerte die Straße. Fluffy war tot, schlaff, wenn auch noch sehr warm. Aus einem Mundwinkel floss ein bisschen Blut, äußere Verletzungen hatte er keine. Die Wucht des Aufpralls hatte ihn getötet und zur Seite geschleudert. Dolly wurde übel. Sie ging ins Haus zurück und wusch sich die Hände.

Mrs. Brewer war um diese Zeit nicht zu Hause gewesen. Sie fand den toten Fluffy am Abend, setzte sich hin und weinte. Sie versuchte Myra anzurufen, doch Myra war mit dem verheirateten Mann ausgegangen. Dolly, die vor dem Abend nur selten etwas trank, und auf keinen Fall vor halb sechs, musste sich nach dem Zwischenfall mit Fluffy ein Glas Wein einschenken – und dann noch ein zweites. Eine Inderin, Mrs. Das, die über Mrs. Buxton wohnte, hatte Dolly schreien gehört und gesehen, wie Fluffy flüchtete. Sie erzählte es Mrs. Brewer. Nicht, weil sie Katzen liebte – dort, wo sie herkam, waren Katzen geächtet, weil man glaubte, sie seien von bösen Geistern besessen –, sondern weil, von anderen Indern abgesehen, Mrs. Brewer zu den wenigen Leuten im Viertel gehörte, die sich herabließen, mit Mrs. Das zu sprechen. Dolly sprach nicht mit ihr, und Mrs. Das konnte ja nicht wissen, dass Dolly mit fast niemandem redete.

Es gab jedoch keine Beweise und keinen offenen Tatbestand, sodass Mrs. Brewer nichts unternehmen konnte. Aber sie erzählte es allen, die sie kannte.

«Ihre Mutter war eine der nettesten Frauen, die man sich vorstellen kann», sagte Mrs. Buxton. «Ihre Myra erinnert mich in gewisser Weise an Edith Yearman.»

Myra hatte Dollys Mutter nie gesehen, die schon krank gewesen war, als Mrs. Brewer ins Nebenhaus zog. «Wieso denn das?»

«Das Haar, zum Beispiel. Die Augen. Natürlich ist Myra ein bisschen zu wuchtig, sie müsste schlanker werden.»

«Reizend», sagte Myra zu ihrer Mutter. «Das nenne ich im Glashaus sitzen und mit Steinen werfen.»

Mrs. Brewer achtete nicht auf das, was ihre Tochter sagte. «Diese Dolly kann nicht richtig im Kopf sein. Bringt ganz einfach ein Kätzchen um.»

 

Pup hatte den Eindruck, dass er endgültig aufgehört hatte zu wachsen. Im Februar war er siebzehn und knapp einssiebzig gewesen, und knapp einssiebzig war er auch jetzt noch. Soviel er wusste, hatte jedoch bisher kein Yearman diese Größe erreicht, und er war zufrieden. In dem goldenen Gewand mit den darauf applizierten Gestirnen war er eine recht imponierende Gestalt.

Laut Eliphas Levi, dem Autor von Die Doktrin und das Ritual der transzendentalen Magie, kann ein Magier ein Messer erstehen, um es als Dolch zu benutzen, vorausgesetzt, er benutzt dieses Messer auch zur Herstellung seiner anderen elementaren Waffen. In der großen Eisenwarenhandlung in Muswell Hill kaufte Pup sich ein Messer, malte den Namen «Luzifer» mit Farbe auf den Griff und auf die andere Seite den alttestamentarischen Namen für Feuer. Er konnte mit dem Messer seinen Zauberstab und sein Pentagramm schnitzen, bezweifelte jedoch, dass ihm eine Tasse gelingen würde.

An der alten Eisenbahnlinie waren die Büsche und die Zweige der Bäume noch kahl. Es war ein kalter Frühling gewesen. Harold hatte die Grippe gehabt und Dolly ebenfalls, wenn auch nur leicht; der Virus hatte in Pups Schule gewütet, und jetzt war Mrs. Brewer erkrankt. Mrs. Brewer war fett und schon älter, und ihre Grippe wurde zur Bronchitis. Myra zog zu ihr, behielt aber ihre Stellung als Halbtagssprechstundenhilfe bei einem Zahnarzt in Camden Town. Doch abends und nachts war sie immer da. Seit Jahren arbeitete sie nicht mehr ganztags, da sich der verheiratete Mann am Nachmittag am ehesten mit ihr treffen konnte.

«Er wird dich nicht vermissen», sagte Mrs. Brewer und nieste. «Jetzt kann er sich wieder mehr dem kleinen Frauchen widmen.»

«Ich weiß nicht, warum du so grausam zu mir bist, obwohl ich alles für dich tue», erwiderte Myra.

«Es steht geschrieben, dass es eine Grausamkeit gibt, die eigentlich Güte ist. Du hast nichts, ist dir das überhaupt klar? Nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Das kleine Miststück mit dem Feuermal, das Fluffy ermordet hat, besitzt mehr als du und ist nur halb so alt. Auf jeden Fall gehört das Haus ihrem Vater.»

«Dieses große Haus gehört ihm? Ihm allein?»

«Ihm allein, Miss. Und außerdem hat er noch ein hübsches, kleines Geschäft am Broadway in der Nähe der Victoria Street. Hodge und Yearman, Schreibmaschinen und Sofortdruck. Ich bin erstaunt, dass du es nicht gesehen hast, wenn du in seinem Wagen vorbeigefahren bist.»

«Schon gut, Mutter, um Himmels willen! Und jetzt fängst du wieder zu husten an.»

Sehr früh am Morgen stiegen Pup und Dolly zur alten Eisenbahnlinie hinunter und suchten einen Zweig für Pups Zauberstab. Eliphas Levi, sagte Pup, habe in seinem Buch angeregt, dass es ein ganz gerader Zweig von einem Mandelbaum oder Haselstrauch sein müsse, mit einem einzigen Schnitt des magischen Messers oder der goldenen Sichel, vor Sonnenaufgang und unmittelbar vor der Blüte, vom Stamm getrennt. Pup hatte seinen Dolch mit dem bemalten Griff mitgenommen und war ganz für das feierliche Ritual bereit.

Es war ein kühler, klarer Londoner Morgen und die alte Bahnlinie grün wie ein ländlicher Feldweg. Das Gras und die knospenden Bäume waren mit kaltem, hell funkelndem Tau bedeckt. Dolly hatte kaum einmal den Morgen heraufdämmern sehen, doch sie vermutete, dass der Himmel dann wie nach Sonnenuntergang mit Gold übergossen war. Zwischen dunklen Wolkenbänken war der Himmel bläulich fahl. Die Vögel hatten, schon lange bevor sie und Pup die Böschung hinuntergeklettert waren, lauthals und unmusikalisch zu zwitschern begonnen.

Pup wusste, wann die Sonne aufgehen würde, er hatte ein Gespür für solche Dinge. Beide waren sich zwar nicht so sicher, ob sie einen Mandelbaum oder Haselstrauch erkennen würden, doch Pup sagte, Glaube und Liebe zählten mehr als Genauigkeit. Sie gingen durch den Mistley Tunnel und den Graben zwischen den von Unkraut überwucherten Bahnsteigen entlang, die als Einziges noch an den Bahnhof erinnerten, den es hier einmal gegeben hatte – Mount Pleasant Green. Sie hatten viel Zeit und gingen fast bis zur Tollington Road, über Brücken, durch Tunnel, über taufeuchten Rasen, und dann endlich entdeckten sie einen Strauch, den Pup für einen Haselstrauch hielt. Von diesem Strauch schnitt er, als das Gelb des Himmels heller zu werden begann, mit einem kühnen Schwung seines Armes eine schlanke Rute ab, an der goldene Kätzchen hingen.

Sie kehrten auf demselben Weg nach Hause zurück. Die Luft war noch nicht mit Abgasen verpestet, den Ausdünstungen des Verkehrs, der unter den Brücken durch- und über die Brücken hinwegrollte. An der alten Eisenbahnlinie konnte man die Baumblüte, das grüne Gras und den Wiesenkerbel riechen, der überall in die Höhe schoss und die stinkenden, nassen Zeitungen, die leeren Büchsen, zerbrochenen Flaschen, Federn und Zigarettenstummel zudeckte. Die Luft war frisch, die Sonne strahlte vom Himmel, aber es war kalt wie mitten im Winter.

Dolly hatte ihre Löwenmähne so frisiert, dass sie das halbe Gesicht verdeckte. Sie trug ein Tweedkostüm und einen roten Pullover – von denen kaum jemand vermutet hätte, dass sie in Heimarbeit entstanden waren – und bequeme braune Lederschuhe mit vernünftigen Absätzen. Von Zeit zu Zeit sah sie Pup an, der seinen Zauberstab liebevoll, stolz und voller Hoffnung wie ein Zepter schwenkte. Er hatte eine Löwenmähne wie sie, ihm aber reichte sie nur bis zu den Ohrläppchen, was ihm einen Ausdruck ernsthafter Unschuld verlieh. Sein Gesicht war schmal und oval, die Nase lang und gerade, und er hatte die vollen Lippen eines Heiligen oder Zuschauers auf gewissen mittelalterlichen Gemälden. Er war sehr dünn und hatte einen leichten Gang. Obwohl er Jeans, Pullover und Jacke trug, machte er in seiner Adrettheit irgendwie den Eindruck, viel förmlicher angezogen zu sein.

Kurz nach halb sieben bogen sie um die Ecke der Manningtree Grove. Dolly hatte ihre Strumpfhose auf der Böschung nicht noch einmal in Gefahr bringen wollen, daher hatten sie in Mount Pleasant Gardens die Treppe genommen.

Harold musste herausgekommen sein, um die Milch ins Haus zu holen, denn er stand, eine Milchflasche wie ein Kind in jedem Arm haltend, als seien es Zwillingsbabys, auf dem Gartenweg und unterhielt sich über den Zaun mit Myra Brewer.

Mit einer instinktiven Geste, die fast ein Reflex war, zog Dolly den Haarvorhang über die Wange. Myra Brewer trug eine leuchtend grüne Bluse und einen grün und marineblau karierten Rock, eine goldene Uhr und ein paar Goldketten, und sie prangte im vollen Schmuck ihrer Kriegsbemalung, die für eine Fernsehtalkshow bei stärkstem Scheinwerferlicht ausgereicht hätte.

«Guten Morgen, Myra», sagte Pup, der ihr zwar nie vorgestellt worden war, aber zufällig wusste, wie sie mit Vornamen hieß.

Myra sagte «hallo». Pup lächelte liebevoll seinen Vater an, gab Dolly den Haselzweig und nahm Harold die beiden Milchflaschen ab, als seien sie eine zu schwere Last für ihn oder hinderten ihn irgendwie an der Fortsetzung der Unterhaltung. Am selben Tag, nach der Schule, streifte Pup die Kätzchen und Blattknospen von seinem Zauberstab und strich ihn gelb an. Dann malte er eine schwarze Spirale darüber, auf die er den Namen «Luzifer» schrieb. Dolly gab ihm ein Wasserglas, das letzte, das von einem Kristallsatz übrig war, und er benutzte es als Tasse, nachdem er ebenfalls den Namen «Luzifer» und das Zeichen für das Element des Wassers aufgemalt hatte. Das Pentagramm war schon schwieriger zu bekommen. Schließlich entdeckte er in Hornsey einen Laden, wo man ihm eine runde Sperrholzscheibe zurechtschnitt. Pup sagte, er brauche sie als Rückwand für einen Spiegel.

Dolly wurde eingeladen, bei der Zeremonie anwesend zu sein, bei der die den vier Elementen zugeordneten Waffen geweiht werden sollten. Pup hatte sie gebeten, ein Glas Rotwein, eine Scheibe Brot und eine Untertasse voll Salz mitzubringen. Er brauchte auch eine Rose, doch sie hatten keine im Garten. Dolly wartete, bis es dunkel war, steckte dann die Hand durch den Zaun und pflückte eine Knospe von Mrs. Buxtons Gaujard-Rosen, die eben am Aufblühen waren. Pup bereitete sich sein heiliges Wasser selbst. Mit dem Gesicht nach Norden an der Südseite seines Altars stehend, streckte er die Hand über die Untertasse mit dem Salz und sang eintönig:

«Möge Weisheit in diesem Salz Wohnung nehmen, und möge sie meinen Geist und meinen Körper vor Fäulnis, Verfall und Verderbtheit bewahren. Mögen alle Phantome daraus entweichen, auf dass es zu himmlischem Salz werde, Salz der Erde und Erde aus Salz. Möge es den Ochsen nähren, der da drischt, und meine Hoffnung mit den Hörnern des beflügelten Stiers stärken. So sei es.»

Er hatte den Text aus einem Buch auswendig gelernt. Wenn man das Salz und etwas Asche von den Räucherstäbchen mit dem Wasser vermischte, wurde es heilig. Dolly saß auf dem Boden auf einem Kissen, beobachtete ihn aufmerksam und fühlte tiefe, prickelnde Erregung. Pup ging mit dem Glas heiligen Wassers im Kreis herum und besprengte die vier Bereiche des Tempels damit. Er zündete ein Räucherstäbchen an, ging wieder im Kreis und sagte:

«Und wenn du, nachdem alle Phantome verschwunden sind, das heilige formlose Feuer siehst, das Feuer, das durch die verborgenen Tiefen des Universums züngelt und lodert, dann höre, du Stimme des Feuers

Es kam noch viel mehr. Die Zeremonie dauerte zwei Stunden, und Dolly genoss jede Minute. Als Pup die Arme hob und die weiten goldenen Ärmel wie Wimpel herunterhingen, erschien auf seinem Gesicht ein Ausdruck der Verzückung, und aus seinen Augen leuchtete priesterliche Leidenschaft. Er war von der Magie besessen, das gab er selbst zu. Er las nur noch Bücher über Magie, und das mochte schuld daran sein, dass er seine mittlere Reife nur mit Mühe und Not bestand. Es schien mehr als zweifelhaft, dass er die Schule bis zum Abitur schaffen würde. Da das Wort «Magier» irgendwie frivol, ja, fast nach Scharlatanerie klang, bezeichnete Pup sich als «Geomant».

«Kannst du denn Geomant sein, wenn du kein Abitur hast?», fragte Dolly, die zu denken schien, dass es sich um einen Beruf handelte, der dem eines Computerfachmanns oder eines Physikers gleichzusetzen war.

Pup nahm ihr nicht ihre Illusion. Er fing an zu begreifen, dass er durch Ediths Tod eine Köchin und Haushälterin verloren und eine Mutter bekommen hatte. Es schien schon sehr lange her zu sein, dass er sich in den Daumen geschnitten und seine Seele dem Teufel verkauft hatte. Und seit langem hatte er um nichts mehr gebeten. In seine Robe gehüllt, den Dolch in der Hand, stand er vor seinem Altar und bat um die ihm angemessene Version all der Dinge, die Faustus ersehnt hatte: eine erfolgreiche berufliche Laufbahn, magische Kräfte, Reichtum, die schöne Helena – aber eine Helena in vielfacher Ausführung und eine, die er haben konnte, die nicht verschwand, wenn er nach ihr die Hände ausstreckte.

3

In einem Haus am Stroud-Green-Ende von Mount Pleasant Gardens, mit Blick auf das, was vom alten Anger noch übrig war, und dem Versammlungssaal der Adonaikirche der Guten Spiritisten gegenüber, saß Diarmit Bawne in seinem Zimmer im obersten Stock.