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Alle Seitenangaben beziehen sich auf die gedruckte Ausgabe dieses Werkes.

 

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Juni 2018

Copyright © 2018 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

Die englische Originalausgabe erschien 2016 bei Weidenfeld & Nicolson, einem Imprint der Orion Publishing Group Ltd., London, unter dem Titel «A Brief History of Everyone who Ever Lived. The Stories in Our Genes». Copyright © 2016 by Adam Rutherford

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages

Redaktion Olaf Fritsche

Umschlaggestaltung ZERO Media GmbH, München

Umschlagabbildung FinePic, München

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ISBN Printausgabe 978-3-499-63276-1 (1. Auflage 2018)

ISBN E-Book 978-3-644-00095-7

www.rowohlt.de

ISBN 978-3-644-00095-7

Fußnoten

Kriechen oder Springen bezieht sich auf einen Scherz der beiden großen Biologen Stephen Jay Gould und John Turner, bei dem es darum ging, ob die Evolution kontinuierlich fortschreitet oder mit katastrophalen, revolutionären Brüchen. Diese beiden Hypothesen, früher als phyletischer Gradualismus versus Punktualismus bezeichnet, konkurrierten jahrelang miteinander. Wie so oft in der Wissenschaft kann man, allgemein gesprochen, sagen: Beide haben ein bisschen recht.

Obwohl er an den Rand eines seiner Notizbücher schrieb «niemals höher oder niedriger sagen», was mehr als ein Ausdruck der Vorsicht im Hinblick auf die Idee eines evolutionären Fortschritts zu verstehen war. Er stellte fest, dass einige Seepocken im chronologischen Verlauf der Evolution einfacher werden. Darwin liebte diese Rankenfußkrebse.

Die Ränge Gattung und Art sind die letzten und daher spezifischsten in der Hierarchie der Klassifikation oder Taxonomie. Die Standard-Rangfolge ist Reich, Stamm (Phylum), Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art.

Offiziell gibt es eine Kategorie unterhalb der Art, die Unterart (Subspezies), mit deren Hilfe sich verschiedene Typen innerhalb einer Art unterteilen lassen. Gorilla ist die Gattung, und innerhalb dieser Gattung gibt es verschiedene Arten; Gorilla beringei, umgangssprachlich der Östliche Gorilla, hat die zweifelhafte Ehre, nach Friedrich Robert von Beringe benannt zu sein, dem Ersten, der einen solchen Gorilla erschoss. Der Westliche Gorilla, Gorilla gorilla, ist die häufigste Art. Aber es gibt auch zwei Gorilla-Unterarten, eine davon ist der Westliche Flachland-Gorilla, wissenschaftlich Gorilla gorilla gorilla. Es ist ganz in Ordnung, das komisch zu finden. Taxonomen verstehen da allerdings keinen Spaß.

Die meisten Wissenschaftler bezeichnen uns als «anatomisch moderne Menschen», deren ältester Vertreter das vermutlich 195000 Jahre alte Omo-Exemplar aus Äthiopien ist. Einige Forscher benutzen die Subspezies-Klassifikation Homo sapiens sapiens. Es sind noch weitere menschliche Unterarten vorgeschlagen worden, alle heute ausgestorben. Ich halte diese Einteilung in Unterarten nicht für besonders hilfreich.

Zebra mit einem anderen Pferdartigen, Löwenmännchen und Tigerweibchen, Eselhengst mit Pferdestute, Eselstute mit Pferdehengst, Eisbär mit Grizzlybär – Letzterer selten, aber vermutlich wirklich schreckenerregend.

Von Wissenschaftlern, Soziologen, Romanciers und Fabeldichtern sind Dutzende weitere vorgeschlagen worden, manche mehr, manche weniger plausibel.

Ein paar kurze Sätze über Kryptiden – Lebewesen, die der Wissenschaft unbekannt sind und für deren Existenz es nur schwache oder zweifelhafte Indizien gibt. Jahrhundertelang gab es Mythen und Legenden über menschenähnliche Wesen, die unsere Zeitgenossen sind, Affenmenschen, Yetis im Himalaja, Sasquatch in Kanada, Barmanou in Südostasien, Manananggal auf den Philippinen, Yowie in Australien und Bigfoot sowie viele andere in den ländlichen Regionen der USA. Keines dieser Wesen ist jemals so weit verifiziert worden, dass es wissenschaftlichen Anforderungen genügte. Als DNA in den 1990er Jahren zu einem nützlichen Werkzeug zur Identifizierung und Klassifizierung von Tieren wurde, wurden einige Untersuchungen veröffentlicht und werden es bis heute, die behaupten, die Existenz eines dieser geheimnisvollen Affenmenschen nachzuweisen. Bislang wurden all diese Behauptungen von Wissenschaftlern mit einer Mischung aus Spott und Überdruss zurückgewiesen. Die Kryptozoologie lauert überall an den Rändern der wissenschaftlichen Zoologie.

Kurz vor Beendigung dieses Buches haben zwei neue Artikel die Flores-Story wieder einmal gründlich umgeschrieben. Im April 2016 führte Thomas Sutiknas Artikel zu einer Neubewertung der Datierung von Homo floresiensis. Höhlensysteme sind oft dynamische geologische Örtlichkeiten mit einer ungleichmäßigen Stratigraphie. Liang Bua bildet da keine Ausnahme, und die neueste Datierung spricht dafür, dass die «Hobbits» dieses Höhlensystem vermutlich eher vor rund 50000 Jahren bewohnt haben. Im Juni 2016 wurden etwa 50 Kilometer weiter östlich ein Kieferfragment und einige Zähne einer Familie anderer, noch kleinerer «Hobbits» gefunden, diesmal 700000 Jahre alt. Sie sind noch nicht benannt worden, doch zweifellos werden wir aus dieser Ecke der Welt noch viel mehr erfahren.

Den ersten erhielt er 1958 für die Bestimmung der Aminosäuresequenz des Insulinproteins. Er ist der einzige Mensch, der diese Auszeichnung zweimal für Chemie errungen hat, und einer von nur vieren, die überhaupt zwei Nobelpreise gewonnen haben. Fred Sanger starb, während ich dieses Buch schrieb, doch man wird sich an ihn noch lange wegen seiner Methoden und des Wellcome Trust Sanger Institute außerhalb von Cambridge ganz in der Nähe seines Wohnsitzes erinnern; es ist eines der großen Zentren der Genomforschung in der Welt.

CACCTATGATAGAGCCTGCTCAGCGAGCTAACTTCACTA.

Dieser Prozess beginnt bereits im Uterus. Die Eizelle, aus der Sie entstanden sind, reifte in den Ovarien Ihrer Mutter heran, während sie sich noch im Bauch ihrer eigenen Mutter befand. Ihre DNA wurde also im Bauch Ihrer Großmutter geformt.

Knochen, die 1908 in La Chapelle-aux-Saints entdeckt wurden, führten zum Klischee des gebeugten und tollpatschigen Höhlenmenschen. In den 1980er Jahren zeigte Eric Trinkaus in einer stärker forensisch geprägten Analyse dieser Knochen, dass es sich um einen vierzigjährigen Mann handelte, der aufgrund einer Osteoarthritis einen Buckel hatte, nicht, weil alle Neandertaler sich so hielten.

Tatsächlich handelte es sich in dem Film fast ausschließlich um Tiere der Kreidezeit, aber Cretaceous Park klingt wohl einfach nicht so gut.

Es gibt viele Typen von DNA-Mutationen, die Probleme verursachen oder die Evolution voranbringen. Alle verändern die Produktion des Proteins, das von diesem DNA-Abschnitt codiert wird. Einige Mutationen entfernen einzelne «Buchstaben» (Basen). Aus «Genom» wird «Gnom». Andere fügen ein Stoppzeichen hinzu, bevor der Satz zu Ende ist. Eine Missense- oder Fehlsinn-Mutation, wie sie bei der KE-Familie vorliegt, führt zu einer verschobenen Interpunktion und damit zu einem anderen Protein: Aus «lieber Opa» wird «liebe Ropa». Wenn diese Mutationen keine ernsten Probleme oder den Tod nach sich ziehen, können sie der Ursprung von Variation sein, aus dem sich die Evolution speist.

Das Phänomen, dass sich ein einzelnes Gen als einzige Ursache für ein bestimmtes Merkmal herausstellt, wird in Kapitel 5 diskutiert.

Die Luchsäugigen unter Ihnen haben vielleicht bemerkt, dass auf dieser Seite drei Schreibweisen für FOXP2 auftauchen. Das ist so, weil Genetiker ärgerlicherweise verschiedene Versionen der Großschreibung bei verschiedenen Arten benutzen: FOXP2 beim Menschen, Foxp2 bei der Maus und FoxP2 beim Zebrafinken. Ich habe keine Ahnung, warum.

Ich entschuldige mich bei der italienischen Touristin, die sich erbrach, nachdem ich sie 2010 auf dem Covent Garden Flower Market gebeten hatte, für eine BBC-Serie an einem Röhrchen mit Androstenon zu riechen.

Mehr über rote Haare und MC1R in Kapitel 2.

Ich möchte an dieser Stelle Lara Cassidy danken, einer Wissenschaftlerin am Trinity College Dublin (TCD). Ich hatte über Neandertaler und die Probleme der Artdefinition nicht besonders intensiv nachgedacht, bis sie bei einer öffentlichen Vorlesung meine Aussagen anzweifelte. Sie hatte recht, und ich hatte unrecht, und das brachte mich zum Nachdenken, und dafür danke ich ihr.

In der Folge «Ginger Kids» der stets brillanten Cartoon-Serie South Park wird einem der Hauptcharaktere, Eric Cartman, die vielleicht bösartigste Schöpfung in der Geschichte der Unterhaltungsliteratur, vorgespiegelt, er sei ein Rotschopf: Seine Freunde färben seine Haare rot, um ihn für die Behauptung zu bestrafen, Rothaarige seien keine Menschen und hätten keine Seele. Erwartungsgemäß ändert er seinen Standpunkt und schlägt vor, alle Nicht-Rothaarigen auszurotten. Wäre sein Plan umgesetzt worden, würde der resultierende Genpool nur noch Homozygote für die MC1R-Rothaar-Allele enthalten. Mit anderen Worten: Die Sache würde funktionieren.

Im März 2016 wurde die erste umfassende Studie über die Genetik von Kopf- und Gesichtsbehaarung veröffentlicht und enthüllte eine Reihe von Allelen uns meist bekannter Gene, die mit Merkmalen wie zusammengewachsenen Augenbrauen, Bartdichte, männlicher Form der Kahlköpfigkeit und Tendenz zum Ergrauen verknüpft sind. Als dieser Text geschrieben wurde, waren diese Varianten noch nicht in dem Programm der kommerziellen Genomtest-Datenbanken, doch ich glaube, das wird sich früher oder später ändern. Die Tatsache, dass diese Gene bekannt waren und bereits viele bekannte Funktionen aufweisen, zeigt erneut, dass Gene tatsächlich viele Dinge in unserem Körper tun, und obgleich mein Ergrauen von meiner Genetik beeinflusst sein mag, ist es Teil eines typisch komplexen Wechselspiels zwischen Biologie und Umwelt.

Ich wünschte, er hätte dies nicht getan. Kreationisten zitieren den Piltdown-Menschen immer wieder als Beweis dafür, wie widersinnig die Annahme einer menschlichen Evolution ist, trotz der Tatsache, dass dieser Schädel 1953 offiziell als Fälschung entlarvt wurde und kein einziger zeitgenössischer Wissenschaftler ihn für echt hält.

Chris Stringer, der Doyen der Humanevolution in Großbritannien, vermutet, dass diese Füße zu Homo antecessor gehören, einer Menschenart, die vor 1,2 bis 0,8 Millionen Jahren lebte und hauptsächlich aus Höhlen in der Sierra de Atapuerca in Zentralspanien bekannt ist. Gewöhnlich hat er bei solchen Sachen recht.

Ich bin nicht der erste Dr. Adam Rutherford, der über die Gründung der isländischen Nation schreibt. Mein Namensvetter war ein respektierter Ägyptologe des 20. Jahrhunderts. Zweimal bin ich mit ihm verwechselt worden, was physisch wie auch intellektuell gleichermaßen deprimierend ist, weil er 1. seit Jahrzehnten tot ist und 2. ein bibeltreuer Christ war. Im Jahr 1937 schrieb er einen Aufsatz, in dem er die Gründung des isländischen Volkes nicht etwa auf die Sagas oder die moderne Genomik zurückführte, die damals natürlich noch unbekannt war. Vielmehr führte er den Ursprung der Isländer in einem irregeleiteten Versuch, sein fundamentales Christentum zu verbreiten, auf den zwölften Stamm Israels, den Stamm Benjamin, zurück. Pech für diesen Adam Rutherford, aber die Belege für die Existenz von Trollen sind solider.

Höchstwahrscheinlich gab es schon Menschen auf Island, bevor die Normannen dort ankamen, vermutlich gälische Mönche, die nicht blieben und vielleicht auch keine Nachkommen hinterließen, wie es sich für Mönche ja auch nicht geziemt. Sie könnten im 8. und 9. Jahrhundert eine Holzhütte bewohnt haben, doch als die Wikinger in den 870er Jahren ankamen und sich entschlossen zu bleiben, war die Hütte verlassen. Es ist die Geschichte dieser ersten Siedler, die durch die gegenwärtigen Genom-Analysen erhellt wird, daher muss ich die irischen Mönche nun beiseitelassen.

Inzwischen gibt es, wie ich erfuhr, 10000 komplette Genome, auch wenn diese bisher noch nicht veröffentlicht wurden.

Ein echtes Genie!

Drosophila-Forscher haben keine Bedenken, wenn es um die Nomenklatur geht. Viele Gene werden zunächst bei Drosophila (Taufliege) entdeckt, denn ihre Gene lassen sich leichter genetisch verändern als bei größeren Tieren, und auch die ethischen Barrieren, die es beim Menschen gibt, fallen weg. Oft suchen Säugetier-Genetiker dann nach einem ähnlichen oder äquivalenten Gen in Mäusen oder Menschen, und häufig leitet sich der Name für das menschliche Äquivalent vom ursprünglichen Namen – oft deskriptiv oder einfach ein Spitzname – bei der Taufliege ab. Die Embryologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard entdeckte die Toll-Gene in den 1980er Jahren bei Drosophila, und ihren Namen verdanken sie dem Ausruf der Forscherin: «Das ist ja toll!»

Es gibt viele Möglichkeiten, diesen statistischen Trick anzuwenden, doch Rasmussen benutzte das Bayes’sche Markov-Chain-Monte-Carlo-Verfahren mittels einer Software namens BEAST 2. Wir sind vielleicht nicht sehr gut darin, menschliche Gene zu benennen, aber das gleichen wir bei Algorithmen wieder aus.

Im Herbst 2015 erschien in der Fachzeitschrift Science ein interessanter Artikel, in dem das erste afrikanische Genom eines Mannes vorgestellt wurde, der in einer Höhle im Hochland von Äthiopien entdeckt worden war. Heutzutage ist der Eingang zur Mota-Höhle breit und grün bewachsen, und einen Teil des Jahres ergießt sich ein kleiner Wasserfall über den Eingang in den Fluss am Fuß der Höhle. Der Mann erhielt den Namen seines Bestattungsorts: Mota. Mota war ein dunkelhäutiger Mann mit dunklen Augen, der vor rund 4500 Jahren lebte, unter unverdächtigen Umständen starb und ausgestreckt, mit dem Gesicht nach oben und den Händen unter dem Kinn, bestattet wurde. Sein Genom wurde von einem Team unter Leitung von Andrea Manica an der Cambridge University sequenziert. Der Artikel brachte wichtige neue Erkenntnisse, zum Beispiel, dass es einen europäischen Rückfluss von anatomisch modernen Menschen gegeben hatte, deren DNA sich ausgebreitet hatte und in die Genome von Menschen in ganz Afrika eingedrungen war. Das waren wirklich aufregende Neuigkeiten. Schlagzeilen machte es auch, als Manica und seine Kollegen im Januar 2016 meldeten, sie hätten einen Fehler gemacht und einen Schritt der statistischen Computeranalyse ausgelassen, was dazu geführt hatte, dass das Ausmaß des europäischen Rückflusses stark überschätzt worden war. Der Fehler wurde von Kollegen entdeckt, und Manica übernahm in vorbildlicher Weise die volle Verantwortung. Die Genomdaten selbst blieben davon unberührt, und wir erwarten weitere Analysen des Mota-Genoms. Das ist Wissenschaft, wie sie leibt und lebt, und sie verdient Anerkennung dafür, dass sie sich auf dem Weg zu mehr Wissen und Verständnis selbst korrigiert.

Der nicht besonders klein war. Es ist vermutlich eine Fehlübersetzung von Pépin le Bref, «dem Jüngeren». Karl der Große selbst war tatsächlich groß. Vor kurzem wurde sein Schienbeinknochen vermessen, und aus den erhaltenen 43 cm lässt sich ableiten, dass er wenigstens 178 cm groß war, vielleicht sogar bis zu 193 cm. Seine männlichen Zeitgenossen maßen im Durchschnitt 168 cm.

Dies war die erste dokumentierte Vorhaut Christi; über die Jahre wurden weltweit mindestens 17 weitere Reliquien feierlich dazu erklärt. Der vatikanische Gelehrte Leo Allatius spekulierte im 17. Jahrhundert in einer Abhandlung, dass Jesu Vorhaut mit ihm zum Himmel emporgefahren sei und sich in die Saturnringe verwandelt habe. Die Beweislage für diese Behauptung ist allerdings eher dürftig.

Laut Mitteilung des University College Dublin. Anlass war die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit der Law Society an Christopher Lee im Jahr 2011.

Diese Behauptung beruht auf unsicheren Prämissen und wurde von der exzellenten genealogischen Genetikerin Debbie Kennett gründlich zerlegt. Grundlage der Spekulation ist der mtDNA-Typ, den Prinz William besitzt (das Probenmaterial stammte von einer Cousine derselben mütterlichen Linie): Sein mtDNA-Typ ist relativ selten und kann oder kann auch nicht mit Indien assoziiert sein. Da die Daten jedoch nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht wurden, sondern ohne Begutachtung durch Fachkollegen direkt in eine Tageszeitung gelangten, können wir es nicht beurteilen. Debbie Kennett – sie ist gründlich informiert und in Genealogie-Kreisen sehr angesehen – folgerte, dass die Times «ihrem Ruf durch die Veröffentlichung einer Werbereportage geschadet hat».

In Stammbäumen wird der Tod durch eine diagonale Linie von oben rechts nach unten links dargestellt.

Viele Personen haben bei diesem Unternehmen mitgewirkt, und ich habe nicht genauer ausgeführt, wer welche Rolle in diesem imponierenden Projekt übernommen hat. Philippa Langley von der Richard III Society regte die Untersuchung an, Richard Buckley leitete die Ausgrabung und koordinierte das Gesamtprojekt, Turi King leitete die genetischen Untersuchungen, Jo Appleby die Osteoarchäologie, John Ashdown-Hill das Aufspüren von Richards nachgeborenen Verwandten. Die entscheidende Publikation mit dem Titel «Identification of the remains of King Richard III» (2014) trug folgende Autorennamen: Turi King, Gloria Gonzalez Fortes, Patricia Balaresque, Mark Thomas, David Balding, Pierpaolo Maisano Delser, Rita Neumann, Walther Parson, Michael Knapp, Susan Walsh, Laure Tonasso, John Holt, Manfred Kayser, Jo Appleby, Peter Forster, David Ekserdjian, Michael Hofreiter und Kevin Schürer.

Die Scharfäugigen werden bemerken, dass die falsche Vaterschaft dem Anspruch der Tudors auf den Königsthron die Legitimation entziehen könnte. Es ist unbekannt, wo der Bruch stattfand, und ließe sich nur aufklären, wenn sehr viele Skelette exhumiert würden – beginnend mit John of Gaunt (1340–1399, dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Richard III. und Henry VII.) bis hin in die Gegenwart. Da die Windsors direkt von den Tudors abstammen, könnte sich theoretisch ergeben, dass die britische Monarchie auf tönernen Füßen steht, wenn auch auf sehr alten. Kevin Schürer erklärte damals im Guardian, dass die «Tudors die Krone annahmen, weil sie Richard 1485 in der Schlacht von Bosworth töteten, nicht weil sie beweisen konnten, dass königliches Blut in ihren Adern floss». Bisher fehlt eine Stellungnahme vom Buckingham Palace.

Diese werden als hochvariable Regionen bezeichnet.

Der Film besitzt kaum Ähnlichkeit mit der Buchvorlage: From Hell von Alan Moore und Eddie Campbell ist in meinen Augen ein Meisterwerk und das einzige lesenswerte Werk über Jack the Ripper. Es ist eine Graphic Novel (Comicroman), die akribisch recherchiert und Pflichtlektüre für alle ist, die an den Morden und den Medien interessiert sind.

Heiraten zwischen Cousins und Cousinen 1. oder 2. Grades werden als Cousinenheirat bezeichnet und im Familienstammbaum als doppelte horizontale Linie eingezeichnet.

Offensichtlich ein Familienkennzeichen: Charles’ Vater Robert Darwin schrieb einmal an seinen 16 Jahre alten Sohn: «Du kümmerst dich um nichts als die Jagd, Hunde und Rattenfang, und du wirst für dich und deine ganze Familie eine Schande sein.» Wir wissen nicht, ob er später sagte, «Sohn, das tut mir leid, wenn ich bedenke, dass du dich zu ziemlich dem größten Engländer aller Zeiten gemausert hast. Mit Sicherheit unter den ersten Zehn.»

Nicht von ungefähr lautet der deutsche Trivialname der Orchideengattung Orchis «Knabenkraut».

Woolas verlor seinen Parlamentssitz 2010 per Gerichtsbeschluss, weil er während des Wahlkampfs Falschaussagen über einen politischen Gegner gemacht hatte, und wurde aus der Labour Party geworfen.

Rassisten zu boxen, ist nicht unbedingt etwas, das ich empfehlen oder befürworten würde.

Das ist unter Juden nicht ungewöhnlich. Ich habe einen Freund, der ein Cohen ist, diesen Namen aber nicht etwa wegen einer langen Rabbinertradition trägt, wie es typischerweise der Fall ist. Als die jetzigen Cohens im 19. Jahrhundert nach Großbritannien kamen, sprachen sie kein Englisch; die Beamten der Einwanderungsbehörde stellten fest, dass sie Juden waren, und so erhielten sie einen typisch jüdischen Namen, nämlich Cohen. Ebenso habe ich Freunde mit Nachnamen wie Gee und Kay, denn offensichtlich jüdische Namen wie Ginsberg galten in den 1930er Jahren als potenziell gefährlich und Namen wie Krupnik als zu schwierig in der Aussprache. Beide Nachnamen wurden einfach auf den ersten Buchstaben verkürzt.

Wo Carl von Linné lebte und starb, der die Biologie und speziell das System neu erfand, das zur Klassifizierung aller Lebewesen dient.

Ich glaube, der Geburtsort meines Sohnes qualifiziert ihn als Cockney.

Da der eine von uns Wissenschaftler und die andere Museumskuratorin wurde und wir uns also nicht dem Tanz verschrieben haben, ist diese dringende Frage sicherlich beantwortet.

Die moderne Genetik ist untrennbar mit der Statistik verflochten. Die Evolutionsbiologie erlebte einen enormen Aufschwung, als einige der klügsten Köpfe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Mathematik und Statistik auf Darwins Idee einer natürlichen Selektion anwandten. Viele von ihnen vertraten jedoch höchst unschöne Ansichten – Namen wie Pearson und Spearman sind jedem vertraut, der sich schon einmal mit Statistik beschäftigt hat. In der Ära der Genomik spielt die Statistik eine noch wichtigere Rolle als je zuvor, wenn es darum geht, die Beziehung menschlicher Populationen zueinander offenzulegen, doch die meisten Statistiker heute sind keine himmelschreienden Rassisten.

Der volle Titel (der sechsten Auflage im Bücherbord rechts von mir, andere Ausgaben variieren) lautet: On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life (deutsch: Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampfe ums Dasein). Beachten Sie den Begriff «Rassen»; in diesem zeitgenössischen Kontext wird er in einer Weise benutzt, die wir nicht länger akzeptieren, und meint etwas Ähnliches wie Nutztierrassen oder Unterarten oder einfach Organismentypen. Ich betone dies, weil oberflächliche Kritiker vom rechten Rand oder auch aus dem Lager der Antirassisten öffentlich oder privat versucht haben, dies als Kritik oder Propaganda für ihre Sache zu instrumentalisieren. Wenn sie mehr als nur den Titel von Darwins Buch gelesen hätten und bis ans Ende gekommen wären, wüssten sie, dass Darwin Menschen in diesem großen Werk nur ein einziges Mal erwähnt (als Zitat am Anfang dieses Buches), und dort nur, um zu reflektieren, was seine Theorie für uns nackte Affen bedeutet.

Darwins Interesse an wasserlebenden Krebstieren war so groß, dass einer seiner Söhne angeblich sehr erstaunt war, dass nicht alle Väter eine solch ausgedehnte Sammlung besaßen, und seinen Freund fragte: «Wo hat dein Vater denn seine Rankenfußkrebse?» Dieser Ausspruch wird abwechselnd Leonard, George und Francis Darwin zugeschrieben, was mich vermuten lässt, dass vielleicht keiner von ihnen jemals so etwas gesagt hat. Das Darwin Correspondence Project, das sich um seinen umfangreichen Schriftverkehr kümmert, konnte keinen der Söhne explizit benennen, daher halte ich die Sache für eine der zahlreichen Darwin-Anekdoten.

Tatsächlich handelte es sich um das Wetter des Vortages, erschienen in der Times am 1. April 1875, und es war kein Aprilscherz.

Man könnte den Hut natürlich auch einfach abnehmen, wenn’s darunter zu warm wird. Aber zur Regierungszeit von Königin Viktoria galt ein Mann ohne Hut – so vermute ich – als gesellschaftlich unmöglich, wenn nicht gar als unmoralisch oder kriminell.

Und wo ich, reiner Zufall, auch ein Jahrzehnt lang gearbeitet habe.

Darwin-Trivia: Emmas Spitzname für Charles war «Nigger». «Mein lieber Nigger», nannte sie ihn oft in ihren Briefen – sie schrieben sich regelmäßig, auch wenn sie unter demselben Dach lebten. Dieser Spitzname ist wahrscheinlich ein viktorianischer Kosename, der ein liebevolles Besitzverhältnis ausdrückt. Dennoch klingt er in unseren Ohren ein wenig seltsam.

Bei dem es sich rein zufällig um Jacob Cohen handelte, Großvater mütterlicherseits von Rosalind Franklin, die mit ihrer Arbeit die Grundlagen für die Entschlüsselung der DNA-Struktur durch Watson und Crick legte. Ein anderer wunderbarer Zufall wollte es, dass die letzte von Charles Darwin publizierte Arbeit, die im April 1882 in Nature erschien, einige Ergebnisse eines Amateurforschers aus Nottingham über Rankenfußkrebse und Süßwasser-Strandschnecken betraf; sein Name war Walter Drawbridge Crick, Großvater von Francis. Wenn biologische Familienstammbäume chaotisch und verwoben sind, dann sind akademische Familien oft in geradezu bizarrer Weise verflochten.

In der Tasche trug Galton stets einen pricker – eine Art Fingerhut mit einer darauf montierten Nadel. Mit dessen Hilfe konnte er weibliche Schönheit einfach im Vorübergehen auf der Straße mit der Hand, die er in der Hosentasche trug, auf einem Stück Papier markieren, ohne unangenehmes Aufsehen zu erregen.

die ganz zufällig meine Schwester mitkuratiert

Mendel war auch Mönch, wie so oft erwähnt wird. Ich ziehe es vor, mich auf seine weltverändernde wissenschaftliche Leistung statt auf sein Mönchtum zu beziehen.

Ludwik Hirschfeld demonstrierte seine eigenen Vorurteile in den Methoden, die er benutzte, um die Soldaten zur Abgabe einer Blutprobe zu motivieren. «Den Engländern brauchte man nur zu sagen, dass es um wissenschaftliche Forschung ging», schrieb er in seiner Autobiographie. «Mit unseren französischen Freunden erlaubten wir uns einen Spaß und erzählten ihnen, wir könnten herausfinden, mit wem sie ungestraft sündigen könnten. Den Negern erklärten wir, der Bluttest würde zeigen, wem Urlaub zustehe, und schon streckten sie uns bereitwillig ihre schwarzen Hände entgegen.»

Weitgehend fehlend, doch in vielen anderen Populationen nicht-asiatischen Ursprungs vorhanden, z.B. bei Berbern, Inuit, Skandinaviern, Polen und amerikanischen Ureinwohnern. Zudem gibt es unter den verschiedenen Volksstämmen in Südostasien bei der Epikanthus-Falte so deutliche Unterschiede, dass viele Leute Koreaner, Chinesen, Japaner usw. allein anhand dieses Merkmals unterscheiden können. Personen mit Down-Syndrom weisen ebenfalls häufig eine solche Augenfalte auf, und im 19. Jahrhundert sah man darin eine Ähnlichkeit mit der Mongolenfalte. Daher wurde das Down-Syndrom früher auch als Mongolismus bezeichnet. «Mongo» war in meiner Kindheit eine gängige Beleidigung unter Jugendlichen, doch heute wird niemand diesen Ausdruck mehr verwenden.

Beide Hypothesen sind tatsächlich in wissenschaftlichen Veröffentlichungen vorgeschlagen worden. Die Sache mit dem Rosa ist aus verschiedenen Gründen völliger Unsinn: Der erste ist, dass die Gleichsetzung von Pink mit Mädchen ein neueres Phänomen ist. Die Kinderzimmer in der viktorianischen Ära waren oft in Rosa für Jungen und in Blau für Mädchen gehalten. Der zweite Grund ist, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Frauen als Sammlerinnen und nicht als Jägerinnen tätig waren. Und was die Babys angeht, die schreien, um ihre Eltern am Sex zu hindern, nun, das funktioniert tatsächlich, wie alle Eltern wissen. Dennoch bin ich mir nicht sicher, ob es hier wirklich ums Vermeiden von Geschwisterchen geht.

Wahrscheinlich war er der Urheber. Die früheste Erwähnung dieses Gedankens findet sich in Oscar Wildes wunderbarer Geistergeschichte «Das Gespenst von Canterville», in der es heißt: «So war sie wirklich in vieler Hinsicht völlig englisch und ein vorzügliches Beispiel für die Tatsache, dass wir heutzutage alles mit Amerika gemein haben, ausgenommen natürlich die Sprache.»

Und während man den Erfolg schwarzer Sportler häufig auf biologische Gründe zurückführte, wurde der Erfolg ihrer weißen Kollegen als Ergebnis harter Arbeit und kognitiver Fähigkeiten angesehen. Interessanterweise war diese Sichtweise nicht auf Schwarze beschränkt. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde der 5000-m-Lauf völlig von finnischen Sportlern dominiert. Damals schrieb ein deutscher Autor namens Jack Schumacher: «Laufen liegt allen Finnen sicherlich im Blut … [sie] sind wie wilde Tiere im Wald.» So sollte wohl die deutschnationale Überlegenheit gewahrt bleiben.

Einmal wurde ich wirklich Zeuge eines Faustkampfs zwischen zwei führenden Wissenschaftlern; doch ich werde niemals sagen, wer es war, deshalb bringt Nachfragen nichts. Er dauerte nicht lange.

Sir Richard Roberts gewann den Preis 1993, weil er die merkwürdigen «Abstandhalter» innerhalb von Genen identifizierte, die Introns, von denen später in diesem Kapitel die Rede ist. John Sulston, eine der treibenden Kräfte des britischen Beitrags im Humangenom-Projekt, durfte als Belohnung für seine Forschung zum programmierten Zelltod bei Nematoden (Fadenwürmern) 2003 nach Stockholm reisen.

Der Taj Mahal in Delhi, der Millennium Falcon aus Star Wars, die Tower Bridge in London und der Todesstern, ebenfalls aus Star Wars.

Die Pflanzengenomik ist sogar noch seltsamer und unberechenbarer als die Genomik bei Tieren. Viele Pflanzen haben Riesengenome – wir wissen nicht, warum –, und viele besitzen mehr als zwei Chromosomensätze (sogenannte Polyploidie). Trotzdem funktionieren Pflanzen nach denselben universellen Grundprinzipien der Biologie, die unsere gemeinsame Abstammung demonstrieren, doch wenn es um die Rätsel von Genomen geht, sehen unsere Genome im Vergleich zu den Pflanzen wie Lego aus.

Das ist ein ziemlich guter und wahrer Witz. Tatsächlich stellte Crick diesen offensichtlichen Irrtum später klar und sagte, dass der Mechanismus des zentralen Dogmas im Jahr 1957 zwar plausibel gewesen sei, es damals jedoch kaum Versuchsergebnisse gegeben habe, die ihn belegten. Er sagte, dass er vor diesem Hintergrund das Wort «Dogma» verwendet habe, da «alle religiösen Überzeugungen ohne ernstzunehmende Grundlage» seien.

Ohno versuchte auch, echte DNA-Sequenzen in Musik zu verwandeln, indem er jeder der vier DNA-Basen zwei Töne der Oktav-Tonleiter zuordnete. Die Musik ist nicht sehr gut.

Ich arbeitete damals bei Nature und war daher vermutlich mit Ewan zusammen am Entstehen des Medienrummels beteiligt. Ich schrieb und produzierte eine Animation, die mit der Stimme des Komikers/Musikers/Schauspielers Tim Minchin unterlegt war – alles Teil der Presseaktion zur Einweihung der Datenbank. Es ist ein guter Cartoon, und ich stehe dazu, gebe allerdings zu, dass ein Teil der damaligen Berichterstattung vielleicht etwas kurzlebig und überzogen war. So etwas kommt vor.

Gamow war ein brillanter und einflussreicher Physiker, dessen Arbeiten wichtige Grundlagen für die Urknall-Theorie schufen. Er schrieb außerdem mit seinem Schüler Ralph Alpher zusammen eine Veröffentlichung, bei der er seinen Freund Hans Bethe nur deshalb als Co-Autor dazu nahm, damit die Autorenliste «Alpher Bethe Gamow» lautete: Die dort beschriebene Alpher-Bethe-Gamow-Theorie ist folglich auch als «αβγ-Theorie» bekannt. Gamow versuchte 1932 im Kajak aus der Sowjetunion zu fliehen – zwei Mal! Sehr empfehlenswert ist Matthew Cobbs Buch Life’s Greatest Secret, in dem beschrieben wird, wie wir den genetischen Code zu verstehen lernten.

Parallel zum öffentlichen Forschungsverbund des Humangenom-Projekts lief Craig Venters privat finanziertes Projekt unter dem Deckmantel eines Unternehmens namens Celera. Im Zuge beider Projekte wurden Methoden entwickelt, die beide in ihrem De-facto-Wettrennen vorwärtsbrachten und anspornten. Im Prinzip war es ein Unentschieden. Die Zeitschrift Science veröffentlichte Venters abgeschlossene Arbeit, die, wie sich herausstellte, seine eigene DNA-Sequenz enthielt, und Nature veröffentlichte die Ergebnisse des Humangenom-Projekts. Sie kooperierten, um beide am selben Tag zu publizieren. Das Humangenom-Projekt ist tatsächlich zum Maßstab für Genomdaten geworden, es ist vom System her für jedermann und auf immer frei verfügbar. Das Nature-Paper ist eine der meistzitierten wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Bisher habe ich niemanden getroffen, der sich das Celera-Genom aus anderen Gründen als aus Neugier angeschaut hätte. Es ist buchstäblich eine Fußnote hier und meiner Meinung nach eine Fußnote in der Geschichte der Naturwissenschaften.

Das heißt nicht, dass – wenn Sie vier Kinder haben – eins von diesen vier höchstwahrscheinlich erkrankt. Jedes Kind hat dieselbe Wahrscheinlichkeit, da jede Zeugung ein unabhängiges Ereignis ist. Und genauso bleibt auch die Wahrscheinlichkeit für einen Lottogewinn dieselbe, wenn Sie jede Woche beim Lotto mitmachen.

Erst nachdem die Wahrscheinlichkeit getestet wurde, dass die Variation voraussichtlich mit der Krankheit und nicht irgendeiner zufälligen Variation assoziiert ist. Dies geschieht, indem man das Quotenverhältnis ermittelt. Das Quotenverhältnis ist eine statistische Maßzahl, die angibt, wie stark das Auftreten eines Merkmals mit dem Auftreten eines anderen korreliert ist. Bei der GWAS soll das Verhältnis überprüfen, ob das Vorhandensein eines bestimmten Genotyps tatsächlich mit der fraglichen Krankheit verbunden ist.

Eine Wissenschaftlerin meinte zu mir, sie wünsche, Heritabilität habe einen Kunstnamen – sie schlug «Tralfamadorianer-Punktzahl» vor, nach den Aliens in Kurt Vonneguts Schlachthof 5 – und der Begriff würde daher nicht zu endlosen Debatten über seine wirkliche Bedeutung führen. Dasselbe könnte man auch von folgenden genetischen Begriffen sagen: Allel, Mikrosatellit, Kopplungs-Ungleichgewicht, Epigenetik.

Nicht ganz wahr. Es gibt viele Erbkrankheiten, die uns zeigen, dass das Geschlecht nicht so binär ist: Frauen mit Turner-Syndrom haben nur ein einziges X-Chromosom und sonst nichts. Beim Klinefelter-Syndrom sind die Männer XXY. Biologie ist niemals simpel.

Nature via Nurture ist der Titel von Matt Ridleys ausgezeichnetem Buch zum Thema (erschienen 2003). Er wurde ursprünglich vom Verhaltensgenetiker David Lykken geprägt.

Es gibt ein ganzes Buch, vermutlich viele, zur Heritabilität von Intelligenz, den Schwierigkeiten der Intelligenzmessung sowie möglichen Verfahrensweisen und Kontroversen, die sich daraus ergeben. Im vorliegenden Buch ist dies nicht Hauptthema. Ich habe allerdings für BBC Radio 4 eine Dokumentarserie zu diesem Thema geschrieben und moderiert: Intelligence: Born Smart, Born Equal, Born Different; sie ist auf der Website des Senders nach wie vor frei verfügbar.

Dieses Forschungsgebiet ist durch «viel Meinung, wenig Daten» gekennzeichnet. In einer wissenschaftlichen Veröffentlichung von 2016 (bei der ich Co-Autor bin) wurde versucht, auf die Beziehung zwischen dem Gewaltausmaß in Videospielen und anschließendem straffälligen Verhalten bei Teenagern einzugehen. Man fand einen sehr schwachen Effekt, doch die Analyse hatte nur eine geringe Teststärke. Das Ergebnis ist nicht sehr aufsehenerregend, aber das ist eben Wissenschaft.

Tatsächlich habe ich selbst frühere Versionen aus der häufig ausgezeichneten Call-of-Duty-Serie viele, viele Stunden lang gespielt.

MRT, Magnetresonanztomographie; die funktionelle Magnetresonanztomographie, fMRT, wird eingesetzt, wenn einem Probanden eine bestimmte Aufgabe gestellt wird.

Aus reiner Eitelkeit habe ich vorgeschlagen, diesen Trugschluss als «Rutherford’s Law» (Rutherford’sches Gesetz) zu bezeichnen, in der Art der verallgemeinernden Internetregeln wie «Godwin’s Law» (bei einer Online-Diskussion steigt die Wahrscheinlichkeit, Hitler zu erwähnen, mit der Länge der Diskussion tendenziell an) oder «Betteridge’s Law» (wenn eine Schlagzeile eine Frage stellt, ist die Antwort wahrscheinlich «Nein»). Mein vorgeschlagenes narzisstisches Gesetz könnte folgendermaßen lauten: Wenn eine Schlagzeile besagt, dass «Wissenschaftler das Gen für X entdeckt haben», wobei X ein komplexes menschliches Merkmal ist, dann haben sie es nicht entdeckt, denn das Gen existiert nicht.

Das ist eine seltsame Weise, ein Auge zu konstruieren – die Photonen müssen mehrere Gewebeschichten passieren, die das Bild verdunkeln, bis sie endlich zu den Photorezeptoren gelangen, wo sie eingefangen werden. Es ist, als halte man seinem Interviewpartner das Mikrophon falsch herum entgegen, das Aufnahmeteil vom Mund abgewandt. Doch die Evolution ist bekanntlich blind, und was funktioniert, wird konserviert, zumindest, solange es funktioniert. Mexikanische Höhlenfische haben ihre Augen verloren, weil sie ihnen in ihrem lichtlosen Lebensraum keinen Vorteil bringen. Unsere «verkehrt herum» aufgebaute Retina umzudrehen, wäre eine kolossale genetische Aufgabe und wird höchstwahrscheinlich wie die Entwicklung von Flügeln beim Menschen niemals stattfinden; Kopffüßer wie Kraken und Kalmare besitzen tatsächlich Linsenaugen, in denen die Retina «richtig herum» sitzt. Natürlich ist das Auge immer wieder das Paradebeispiel von Kreationisten in der nicht enden wollenden Schlacht zwischen Fakten und denen, die von Fakten nichts wissen wollen. «Das Auge», blöken sie, «ist viel zu komplex und perfekt, um sich rein zufällig entwickelt zu haben!» Ein Krake würde ihnen vielleicht zustimmen, aber versuchen Sie dies einmal jemandem zu erzählen, der unter Grauem Star (Katarakt), Kurzsichtigkeit (Myopie), Schielen (Strabismus), Mikrophthalmie, Aniridie (Fehlen der Regenbogenhaut), Alterssichtigkeit (Presbyopie), Netzhautablösung, Grünem Star (Glaukom), Farbenblindheit oder an irgendeiner der vielen Dutzend Konstruktionsfehler leidet, die entweder das Ergebnis einer kurzsichtigen Evolution oder eines wirklich schlampigen Designers sind.

Im Zuge der 2009 begonnenen indischen Genomstudie werden Proben der Bewohner ganz Indiens gesammelt. Bereits jetzt zeigt sich, dass die zeitgenössische indische Bevölkerung – trotz ihrer unglaublichen Diversität – nur von zwei ancestralen Gruppen abstammt. Die nördliche der beiden Gruppen umfasst entfernte «Vettern» von Europäern und Menschen des Nahen Ostens, deren Vorfahren aus Afrika nach Norden gezogen waren. Die Mitglieder der südlichen Gruppe unterscheiden sich von der nördlichen Gruppe ebenso stark wie von den Chinesen. Heute sind diese Unterschiede innerhalb Indiens nicht mehr sichtbar: Die beiden Kartenspiele sind irreversibel gemischt. Fast alle indischen Stichproben zeigten eine Mischung dieser beiden ancestralen Gruppen, aber in unterschiedlichen Anteilen. Die Genome deckten eine Palette genetischer Vielfalt in Indien auf, die bis zu vier Mal so groß ist wie bei Europäern. Inder aus verschiedenen Gruppen unterscheiden sich stärker voneinander als ein Schotte von einem Deutschen.

 

Steve Jones

Wissenschaft erfordert Zusammenarbeit. Es gibt keine einsamen Genies, niemals böse Genies und auch nur ganz selten ketzerische Genies. Fast die gesamte wissenschaftliche Forschung wird von ganz normalen Menschen geleistet, die im Team mit anderen aus mehr oder weniger ähnlichen Forschungsgebieten zusammenarbeiten. Sie bauen Wissen «auf den Schultern von Riesen» auf, wie Isaac Newton einst meinte, als er einen Ausspruch des im 11./12. Jahrhundert lebenden Philosophen Bernhard von Chartres zitierte. Chartres bezog sich auf den griechischen Mythos des riesenhaften, zeitweilig blinden Jägers Orion, der weiter sah als andere, weil er einen Zwerg auf seine Schultern setzte.

Die Wissenschaft in diesem Buch ist vielleicht stärker auf Zusammenarbeit gegründet als die meisten anderen Fächer, da es hier um die Einführung einer neuen Disziplin, der Genomik, in ältere Disziplinen geht, namentlich in die Archäologie, Paläoanthropologie, Medizin und Psychologie. Die Liste der Autoren kann bei genetischen Fachartikeln Dutzende, Hunderte und gelegentlich sogar Tausende Namen umfassen. Die Zeiten, als wohlhabende viktorianische Privatgelehrte ihr Erbe einsetzen konnten, um der Natur ihre Geheimnisse zu entreißen, sind schon lange Geschichte.

Viele Menschen haben mich beim Schreiben dieses Buches unterstützt, und ich habe zahlreiche wissenschaftliche Artikel zu Rate gezogen, die im Anhang aufgeführt sind. Größtenteils

In einer fernen Zukunft sehe ich die Felder für noch weit wichtigere Untersuchungen sich öffnen. […] Licht wird auf den Ursprung der Menschheit und ihre Geschichte fallen.

Charles Darwin, Über die Entstehung der Arten, Kapitel 14: Allgemeine Wiederholung und Schluss, 1859

Diese Geschichte handelt von Ihnen. Es geht darum, wer Sie sind und wie Sie entstanden sind. Es ist Ihre ureigenste Geschichte, denn die Geschichte des Lebens, die sich in Ihrer Existenz manifestiert, ist einzigartig, so wie es für jeden Menschen gilt, der jemals das Licht der Welt erblickt hat. Und es ist gleichzeitig unsere gemeinsame Geschichte, denn als Botschafter für die Gesamtheit unserer Art sind Sie gleichzeitig typisch und außergewöhnlich. Trotz unserer Unterschiede sind alle Menschen bemerkenswert eng miteinander verwandt. Unser Familienstammbaum ist gestutzt und sieht mit seinen gewundenen Verästelungen überhaupt nicht wie ein Baum aus. Dennoch sind wir seine Frucht.

Bis heute haben etwa 107 Milliarden moderne Menschen existiert, auch wenn diese Zahl davon abhängt, wann genau man zu zählen beginnt. Sie alle – jeder von uns – sind enge Vettern, denn unsere Art hat einen einzigen gemeinsamen Ursprung, der in Afrika liegt. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, um auszudrücken, was das wirklich bedeutet. Damit ist

Wir alle haben zwei Eltern, und unsere Eltern hatten zwei Eltern, und deren Eltern hatten zwei Eltern, und so weiter. Wenn man so fortfährt bis zum Zeitpunkt, als England zum letzten Mal erobert wurde, das heißt bis zum Jahr 1066, so führt diese Verdopplung einer jeden Generation zu insgesamt mehr Menschen, als jemals gelebt haben, und zwar um viele Milliarden mehr. In Wahrheit laufen unsere Ahnenlinien aber wieder zusammen, die verschlungenen Zweige bilden Schleifen und verschmelzen miteinander, und so sind alle Menschen, die jemals gelebt haben, nicht so sehr Teil eines Stamm-«Baums», sondern vielmehr eines komplizierten «Netzes» aus Ahnen. Wir müssen nur ein paar Dutzend Jahrhunderte zurückgehen, um festzustellen, dass der größte Teil der heute lebenden sieben Milliarden Menschen von einer Handvoll Personen abstammt, etwa der Bevölkerung eines Dorfes entsprechend.

Homo