Hillary Rodham Clinton

ENTSCHEIDUNGEN

Aus dem amerikanischen Englisch von
Gabriele Gockel, Heide Horn, Bernhard Jendricke,
Sven Scheer, Sonja Schuhmacher, Jochen Schwarzer,
Rita Seuß, Barbara Steckhan, Claus Varrelmann,
Sebastian Vogel und Maria Zybak

Knaur e-books

Inhaltsübersicht

Über Hillary Rodham Clinton

Hillary Rodham Clinton war von 2009 bis 2013 amerikanische Außenministerin, nachdem sie zuvor fast vier Jahrzehnte als Aktivistin, Anwältin, First Lady und Senatorin gewirkt hatte. Sie hat mehrere Bestseller geschrieben, darunter ihre Autobiographie »Gelebte Geschichte« (2003).

Impressum

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel »Hard Choices« bei Simon & Schuster.

© 2015 der eBook-Ausgabe Droemer eBook

© 2014/2015 by Hillary Clinton

Die in diesem Buch wiedergegebenen Ansichten und Einschätzungen sind die der Autorin
und geben nicht zwangsläufig die offizielle Position der US-regierung wieder.

© 2016 der deutschsprachigen Ausgabe Droemer Verlag

Ein Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit

Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Lektorat: Heike Gronemeier, Birgit Günther, Sabine Wünsch

Covergestaltung: Network! Werbeagentur GmbH nach einem Entwurf von Jackie Seow

Coverabbildung: © Trunk Archive/Norman Jean Roy

ISBN 978-3-426-43771-1

Hinweise des Verlags

Noch mehr eBook-Programmhighlights & Aktionen finden Sie auf
www.droemer-knaur.de/ebooks.


Sie wollen über spannende Neuerscheinungen aus Ihrem Lieblingsgenre auf dem Laufenden gehalten werden? Abonnieren Sie hier unseren Newsletter.


Sie wollen selbst Autor werden? Publizieren Sie Ihre eBooks auf unserer Akquise-Plattform www.neobooks.com und werden Sie von Droemer Knaur oder Rowohlt als Verlagsautor entdeckt. Auf eBook-Leser warten viele neue Autorentalente.


Wir freuen uns auf Sie!

Endnoten

»Foggy Bottom« (neblige Niederung) ist der Name eines Stadtviertels von Washington, D.C., und wird auch als Spitzname für das amerikanische Außenministerium verwendet.

 

Rolling on the floor laughing @ ur tumblr! Clinton. Got to go – Scrunchie time. Talk to you later? (Kringel mich auf dem Boden @ ur tumblr! Clinton. Muss los – Haargummi-Zeit. Melde mich später wieder.)

 

»Eine Frau ist wie ein Teebeutel. Auch der entfaltet erst in heißem Wasser seine wahre Stärke.«

 

Für Amerikas Diplomaten und Entwicklungsexperten,

die unser Land und unsere Werte überall auf der Welt

– ob in großen oder kleinen,

in friedlichen oder gefahrvollen Regionen –

so hervorragend vertreten

 

und

 

Im Gedenken an meine Eltern:

Hugh Ellsworth Rodham (19111993)

Dorothy Emma Howell Rodham (19192011)

Vorwort

Wir alle werden im Leben vor schwere Entscheidungen gestellt. Manchen von uns wird dabei sehr viel aufgebürdet. Wir müssen entscheiden, wie wir die Anforderungen von Beruf und Familie miteinander vereinbaren: sei es, dass ein krankes Kind oder unsere alten Eltern zu pflegen sind, sei es, dass wir eine College-Ausbildung finanzieren müssen, einen guten Job finden oder damit umgehen müssen, wenn wir ihn verlieren. Sollen wir heiraten – oder uns scheiden lassen? Wie eröffnen wir unseren Kindern die Möglichkeiten, die sie sich erträumen und die sie verdienen? Leben heißt, solche Entscheidungen zu treffen. Unsere Entscheidungen und wie wir mit ihnen umgehen machen uns zu den Menschen, die wir sind. Für hochrangige Politiker und für Nationen können sie den Unterschied bedeuten zwischen Krieg und Frieden, Armut und Wohlstand.

Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich als Kind liebevoller und fürsorglicher Eltern in einem Land zur Welt kam, das mir alle Möglichkeiten und Segnungen bot – Faktoren außerhalb meiner Kontrolle, die die Bühne bereitet haben für das Leben, das ich geführt habe, und die mir die Werte und den Glauben mitgaben, zu denen ich mich bekenne. Als ich als junge Anwältin beschloss, eine Karriere in Washington nicht weiterzuverfolgen, sondern stattdessen nach Arkansas zu ziehen, um Bill zu heiraten und eine Familie zu gründen, fragten mich Freundinnen und Freunde: »Bist du nicht mehr ganz bei Trost?« Ähnliche Fragen bekam ich zu hören, als ich mich als First Lady für eine Reform des Gesundheitswesens starkmachte, später selbst für die Präsidentschaft kandidierte und schließlich das Angebot von Präsident Barack Obama annahm, unser Land als Außenministerin zu vertreten.

Wenn ich Entscheidungen treffe, höre ich dabei sowohl auf mein Herz als auch auf meinen Verstand. Ich folgte meinem Herzen nach Arkansas; mein Herz quoll über vor Liebe, als unsere Tochter Chelsea geboren wurde; und mein Herz schmerzte, als mein Vater und meine Mutter starben. Mein Verstand drängte mich, meine Ausbildung voranzutreiben und berufliche Chancen zu ergreifen. Herz und Verstand bewegten mich, öffentliche Ämter anzustreben. Auf diesem ganzen Weg habe ich mich bemüht, Fehler nicht zweimal zu machen, dazuzulernen und mich weiterzuentwickeln; und ich habe darum gebetet, die Weisheit zu erlangen, künftig klügere Entscheidungen zu treffen.

Was für das tägliche Leben gilt, gilt auch für die höchsten Ränge der Regierung. Wer dafür sorgen muss, dass Amerika sicher, stark und wohlhabend bleibt, wird vor eine endlose Abfolge von Entscheidungen gestellt, wobei oft nur unzureichende Informationen vorliegen und widerstreitende Notwendigkeiten zu berücksichtigen sind. Das berühmteste Beispiel dafür aus meiner vierjährigen Amtszeit als Außenministerin ist vielleicht Präsident Obamas Befehl, ein Team von Navy SEALs in einer mondlosen Nacht nach Pakistan zu senden, um Osama bin Laden seiner gerechten Strafe zuzuführen. Die wichtigsten Berater des Präsidenten waren in dieser Sache geteilter Meinung. Die Informationen, die wir besaßen, waren triftig, aber alles andere als eindeutig. Die Risiken eines Fehlschlags waren beängstigend. Es stand immens viel auf dem Spiel – für unsere nationale Sicherheit, unseren Kampf gegen al-Qaida und unsere Beziehungen zu Pakistan. Doch vor allem begaben sich die tapferen SEALs und Hubschrauberpiloten in unmittelbare Todesgefahr. Es war eine so energische und mutige Demonstration von Führungsstärke, wie ich sie selten erlebt habe.

 

In diesem Buch geht es um Entscheidungen, die ich als Außenministerin traf, und um Entscheidungen, die Präsident Obama und ausländische Spitzenpolitiker aus aller Welt trafen. Einige Kapitel handeln von Ereignissen, die Schlagzeilen machten, andere befassen sich eher mit langfristigen Entwicklungen, die auch für künftige Generationen unsere Welt bestimmen werden.

Natürlich habe ich eine ganze Reihe wichtiger Entscheidungen, Personen, Länder und Ereignisse nicht erwähnt. Wenn ich ihnen allen den Platz eingeräumt hätte, den sie verdienen, hätte ich noch viel mehr Seiten gebraucht. Und ein weiteres Buch könnte ich füllen mit Würdigungen meiner großartigen Kollegen im State Department, für deren Dienste und Freundschaft ich überaus dankbar bin.

Als Außenministerin teilte ich unsere Entscheidungen und Herausforderungen in drei Kategorien ein: die Probleme, die wir geerbt hatten, darunter zwei Kriege und eine globale Finanzkrise; die neuen, oft unerwarteten Ereignisse und heraufziehenden Gefahren, von den Treibsänden des Nahen Ostens über die stürmischen Gewässer des Pazifiks bis hin zum unbekannten Terrain des Cyberspace; und schließlich die Möglichkeiten, die sich in einer zunehmend vernetzten Welt bieten und die dabei helfen können, das Fundament für die Vormachtstellung Amerikas im 21. Jahrhundert zu legen.

Ich ging diese Arbeit voller Vertrauen in die fortwährende Kraft und Entschlossenheit unseres Landes an, aber auch voller Demut, angesichts dessen, wie viel sich doch immer noch unserer Kenntnis und Kontrolle entzieht. Ich habe darauf hingearbeitet, die amerikanische Außenpolitik an dem neu auszurichten, was ich mit dem Begriff Smart Power bezeichnet habe. Um im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein, müssen wir die traditionellen Werkzeuge der Außenpolitik – Diplomatie, Entwicklungshilfe und Militär – besser miteinander verzahnen, zugleich Energien und Ideen aus dem privaten Sektor aufnehmen und die Bürger – zumal jene Aktivisten, Organisatoren und Problemlöser, die wir unter dem Begriff der Zivilgesellschaft subsumieren – befähigen, sich ihren Herausforderungen selbst zu stellen und ihre Zukunft selbst zu gestalten. Wir müssen alle Stärken Amerikas darauf verwenden, eine Welt aufzubauen, in der wir mehr Partner und weniger Widersacher haben, mehr geteilte Verantwortung und weniger Konflikte, mehr gute Arbeitsplätze und weniger Armut, mehr gesamtgesellschaftlichen Wohlstand und weniger Umweltschäden.

Wie es im Nachhinein immer so ist, wünschte ich, wir könnten noch einmal zurückgehen und bestimmte Entscheidungen noch einmal überdenken. Ich bin aber doch stolz auf das, was wir geleistet haben. Dieses Jahrhundert begann für unser Land auf traumatische Weise – mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, mit den langen Kriegen, die darauf folgten, und mit einer tiefen Rezession. Wir mussten es besser machen, und ich glaube, das haben wir getan.

Diese Jahre waren für mich auch eine persönliche Reise, sowohl buchstäblich (ich besuchte insgesamt 112 Länder und legte fast eine Million Meilen zurück) als auch im übertragenen Sinne: vom schmerzlichen Ende meines Wahlkampfs 2008 bis hin zur unerwarteten Partnerschaft und Freundschaft mit meinem vormaligen Rivalen Barack Obama. Ich diene unserem Land seit Jahrzehnten auf die eine oder andere Weise. Dennoch habe ich in meinen Jahren als Außenministerin noch sehr viel über unsere außergewöhnlichen Stärken dazugelernt und darüber, worauf es ankommen wird, damit wir auch künftig daheim und im Ausland im Wettbewerb bestehen und erfolgreich sein werden.

Ich hoffe, dieses Buch wird all jenen dienlich sein, die erfahren möchten, wofür Amerika zu Beginn des 21. Jahrhunderts stand und wie die Regierung Obama in einer schwierigen Zeit großen Herausforderungen entgegentrat. Meine Ansichten und Erlebnisse werden sicherlich von den Anhängern der Washingtoner Endlos-Soap – wer hat welche Position vertreten, wer hat sich wem widersetzt, wer war top, wer eher Flop – eingehend analysiert, doch für sie habe ich dieses Buch nicht geschrieben. Ich habe es vielmehr für Amerikaner und Menschen überall geschrieben, die in unserer sich rapide ändernden Welt nach Orientierung suchen, die verstehen möchten, wie Politiker und Nationen zusammenwirken können, warum es manchmal zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen kommt und wie ihre Entscheidungen unser aller Leben beeinflussen: wie eine schwere Wirtschaftskrise in Athen, Griechenland, sich auf Unternehmen in Athens, Georgia, auswirkt; welche Folgen eine Revolution in Kairo, Ägypten, für das Leben in Cairo, Illinois, hat; und was eine diplomatische Krise in St. Petersburg, Russland, für Familien in St. Petersburg, Florida, bedeutet.

Nicht jede Geschichte in diesem Buch geht glücklich aus oder hat überhaupt ein Ende – so ist es nun mal in der Welt, in der wir leben –, aber sie alle sind Geschichten über Menschen, von denen wir etwas lernen können, egal ob wir mit ihnen übereinstimmen oder nicht. Es gibt immer noch Helden dort draußen: Friedensstifter, die auch in aussichtslos erscheinender Lage durchhielten; Regierungschefs, die sich allem Druck und aller Parteipolitik widersetzten und schwere Entscheidungen trafen; Männer und Frauen, die den Mut aufbrachten, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, um eine neue, bessere Zukunft zu gestalten. Das sind einige der Geschichten, die ich in diesem Buch erzähle.

Ich habe dieses Buch auch geschrieben, um die außergewöhnlichen Diplomaten und Entwicklungsexperten zu würdigen, die ich als 67. Außenministerin der Vereinigten Staaten die Ehre hatte, zu meinen Mitarbeitern zu zählen. Und ich habe es für all diejenigen geschrieben, die sich fragen, ob die Vereinigten Staaten noch das Zeug haben, die Führung zu übernehmen. Für mich lautet die Antwort darauf laut und deutlich: »Ja.« Obwohl das Gerede über den Niedergang Amerikas inzwischen Allgemeingut geworden ist, war mein Vertrauen in unsere Zukunft nie größer. Zwar gibt es in der heutigen Welt nur wenige Probleme, die die Vereinigten Staaten alleine lösen könnten – noch weniger Probleme aber lassen sich ohne die Vereinigten Staaten lösen. Alles, was ich getan und gesehen habe, hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass Amerika die »unverzichtbare Nation« ist und bleibt. Ich bin allerdings ebenso überzeugt, dass unsere Vorherrschaft kein Geburtsrecht ist. Jede Generation muss sie sich neu verdienen.

Und das werden wir tun – solange wir unseren Werten treu bleiben und uns daran erinnern, dass wir erst in zweiter Hinsicht Republikaner oder Demokraten sind, Liberale oder Konservative (und was es sonst noch an Etiketten gibt, die uns oft eher trennen als definieren), in erster Hinsicht aber alle Amerikaner, die alle einen persönlichen Beitrag zu unserem Land leisten.

Als ich dieses Buch zu schreiben begann, kurz nach meinem Abschied aus dem State Department, überlegte ich mir eine ganze Reihe möglicher Titel dafür. Dann bat freundlicherweise auch die Washington Post ihre Leser, Vorschläge einzusenden. Einer lautete It Takes a World, was eine passende Fortsetzung von It Takes a Village gewesen wäre, meines Buches aus dem Jahr 1996. Mein Favorit aber war: The Scrunchie Chronicles: 112 Countries and It’s Still All About My Hair – »Die Haargummi-Chroniken. 112 Länder, aber immer ging es nur meine Frisur«.

Der Titel, den dieses Buch nun trägt, fasst am besten meine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle auf dem Hochseil der internationalen Diplomatie zusammen. Welche Entscheidungen wir treffen, welche Weichen wir stellen, davon wird auch abhängen, ob Amerika seine Stellung im 21. Jahrhundert wahren kann. Eines allerdings war für mich nie eine schwere Entscheidung: unserem Land zu dienen. Es war die größte Ehre meines Lebens.

TEIL I
Neubeginn