Inhalt
Titel
VORWORT
WIE ES ANFÄNGT
SCHMERZHAFTE LIEBE: ICH HABE KEINE KRAFT MEHR
ENTHÜLLTE LIEBE: ANGEZOGEN HAT SIE MICH MEHR ANGEZOGEN
UNVERTRAUTE LIEBE: VIELLEICHT WILL DER NEUE MANN NUR MIT MIR SCHLAFEN
MISSTRAUISCHE LIEBE: MEIN FREUND VERHEIMLICHT MIR DINGE
GESTÄNDIGE LIEBE: ER HAT ZU FRÜH GESAGT, DASS ER MICH LIEBT
ERFAHRENE LIEBE: ICH BIN ZU ALT ZUM VERLIEBEN
IMMER BESSERE LIEBE: DER NÄCHSTE IST MIR IMMER LIEBER ALS DER AKTUELLE
SINGLELIEBE: WÄRE ICH NICHT BESSER ALLEIN?
MAMIHLAPINATAPAI-LIEBE: ICH KANN MÄDCHEN NICHT ANSPRECHEN
NICHT SO KLARE LIEBE: ICH WEIß NIE, WAS DIE JUNGS VON MIR WOLLEN
LAHME LIEBE: MEINE FREUNDE NENNEN MICH »RUHIGE KUGEL«
BUSENLIEBE: IHRE BRÜSTE SIND NICHT ECHT
KEIMENDE LIEBE: WANN IST ES SO WEIT?
BLOCKIERTE LIEBE: ER HAT MICH AUF FACEBOOK ENTFERNT
FERNLIEBE: ICH BIN AUS BERLIN UND LIEBE EINE FRAU AUS GÖTEBORG
PARANOIDE LIEBE: ICH HABE ANGST, DASS MEIN FREUND MICH ÜBERWACHT
UNSICHERE LIEBE: IST ER DER RICHTIGE?
TROUBADIXLIEBE: MEIN FREUND WIRD MICH AUF UNSERER HOCHZEIT BLAMIEREN
CASTINGLIEBE: WIE OFT SOLL ICH ES NOCH VERSUCHEN?
WASCHLAPPENLIEBE: MÄNNER SIND HEUTE ALLESAMT WEICHEIER
SCHMERZHAFTE LIEBE II: ICH BIN ENTWÜRDIGT WORDEN
STARKE LIEBE: ICH BIN UNABHÄNGIG UND DAMIT GEFÄHRLICH
INITIATIVLIEBE: KANN ICH ALS FRAU DEN ERSTEN SCHRITT MACHEN?
UNPASSENDE LIEBE: WER IST SCHON WIE ICH?
LIEBESENTZUG: ICH BIN UNGLÜCKLICH VERLIEBT IN MEINE CHEFIN
UNERNSTE LIEBE: MEINE PARTNER WOLLEN NUR SPAß OHNE VERPFLICHTUNG
GEFÄHRLICHE LIEBE: DIESER MANN WIRD MIR WEHTUN
WIE ES IST
UNPÜNKTLICHE LIEBE: DER ALTERSUNTERSCHIED ZU MEINER FREUNDIN IST ZU GROß
UNPÜNKTLICHE LIEBE II: DER ALTERSUNTERSCHIED ZU MEINEM FREUND IST ZU GROß
VERDÄCHTIGE LIEBE: MEINE BESTE FREUNDIN HAT MEINEN MANN AUF EINEN KAFFEE ZU SICH EINGELADEN
KLEINE LIEBE: MEIN FREUND WARTET NOCH AUF DIE GROßE LIEBE
EHRLICHE LIEBE: MEINE FREUNDIN HAT ZU KLEINE BRÜSTE
ZUNEHMENDE LIEBE: MEINE FREUNDIN WIEGT ACHT KILO MEHR ALS ZU BEGINN
NEUE LIEBE, ALTE LIEBE: BEIDE HABEN ETWAS, DAS ICH BRAUCHE
SORRY LIEBE: MEINE FREUNDIN ENTSCHULDIGT SICH NICHT AUFRICHTIG
ERSCHLICHENE LIEBE: MEIN MANN HAT MICH VOR DER HOCHZEIT BETROGEN
EIFERSÜCHTIGE LIEBE: WIE KANN ICH MEINER FREUNDIN VERTRAUEN?
GRUNDLOSE LIEBE: ICH WEIß NICHT, WARUM ICH MEINE FREUNDIN LIEBE
INDIANERLIEBE: ICH HABE ANGST, SCHWACH ZU WIRKEN
DIAMANTEN-LIEBE: MEIN FREUND IST NICHT ROMANTISCH
UNNATÜRLICHE LIEBE: DER MENSCH IST NICHT FÜR MONOGAMIE GEMACHT
KINDERLIEBE: MEIN FREUND WILL KEIN BABY
BEINAHE GOLDENE LIEBE: WIR KOMMEN MIT DEM RENTNERDASEIN NICHT ZURECHT
TABUZONEN-LIEBE: WIR HABEN UNTERSCHIEDLICHE VORSTELLUNGEN VON PRIVATSPHÄRE
BETROGENE LIEBE: KANN ICH MEINE BEZIEHUNG NOCH RETTEN?
GUTE LIEBE: MEIN FREUND KANN KEINER FLIEGE WAS ZULEIDE TUN
VERDÄCHTIGE LIEBE: ICH HALTE DEN FREUND MEINER GUTEN FREUNDIN FÜR SCHWUL
VERSCHENKTE LIEBE: MEIN FREUND MACHT MIR SCHEUßLICHE GESCHENKE
REDUZIERTE LIEBE: ICH WILL NICHT NUR SCHÖN GEFUNDEN WERDEN
MÄKELNDE LIEBE: ICH KOMME MIR VOR WIE DAS PÜPPCHEN MEINER FREUNDIN
SACKGASSENLIEBE: ICH SCHLAFE MIT MEINEM EXFREUND
LUSTLOSE LIEBE: SEX ALS PFLICHTPROGRAMM
FESTGEFAHRENE LIEBE: ICH HABE ES AUFGEGEBEN, IHN ÄNDERN ZU WOLLEN
KOMPLIZIERTE LIEBE: WAR LIEBE FRÜHER LEICHTER?
LIEBE ZWISCHEN DEN ZEILEN: KÖNNEN FRAUEN UND MÄNNER BEFREUNDET SEIN?
LOCKERE LIEBE: WENN ES MAL NICHT SO LÄUFT, WERDE ICH VERLASSEN
INDISKRETE LIEBE: ICH ERZÄHLE ALLES MEINER BESTEN FREUNDIN
FAULE LIEBE: MEIN FREUND IST EINE COUCHKARTOFFEL
FURZENDE LIEBE: MEIN FREUND IST EIN FERKEL
VERLOGENE LIEBE: WARUM LÜGEN MÄNNER?
LIEBE PRO WOCHE: WIE OFT SOLL MAN SEX HABEN?
RASIERTE LIEBE: MEIN FREUND HAT SEINE GENITALIEN ENTHAART
ZUG-UM-ZUG-LIEBE: MUSS MAN SICH AUF KOMPROMISSE EINLASSEN?
UNTERBROCHENE LIEBE: MEIN MANN LÄSST MICH NIE AUSREDEN
UNKOOPERATIVE LIEBE: MEIN FREUND STIMMT SEINE ENTSCHEIDUNGEN NICHT MIT MIR AB
KATERLIEBE: EINSAM NACH DEM RAUSCH
FREIE LIEBE: ICH WILL NICHT SPIEßIG ERSCHEINEN, MÖCHTE ABER MEINE FREUNDIN NICHT VERLIEREN
UNORDENTLICHE LIEBE: STÄNDIG MUSS ICH DINGE SUCHEN, DIE MEIN FREUND VERSCHLAMPT HAT
BREMSENDE LIEBE: ICH WILL NICHT ALS HAUSFRAU ENDEN
AUFREIßENDE LIEBE: KANN MAN ERFOLG BEI FRAUEN LERNEN?
GAMMELIGE LIEBE: ICH LAUFE ZU HAUSE GERN IM SCHLABBERLOOK RUM
LIEBE BEFRIEDIGEND MINUS: WARUM WERDEN FRAUEN IN MEINEM BETT NICHT LAUT?
VERSCHROBENE LIEBE: MEINE MÄNNER SIND SELTSAM
VERPASSTE LIEBE: ERST LIEBT SIE MICH UND ICH SIE NICHT, JETZT ICH SIE UND SIE MICH NICHT
AUSSCHLIEßLICHE LIEBE: ICH WILL NICHT TREU SEIN MÜSSEN
VERGEBENE LIEBE: ICH HABE EINE BEZIEHUNG ZU EINEM VERHEIRATETEN MANN
OFFENE LIEBE: SOLL ICH MEINEM FREUND SAGEN, WENN MIR IM BETT ETWAS KEINEN SPAß MACHT?
ZWANGHAFTE LIEBE: ICH MUSS MEINE WAHNSINNIG ATTRAKTIVE FREUNDIN LIEBEN
VERWIRRTE LIEBE: SIND WIR WIR ODER BLEIBT JEDER ICH?
SO LALA-LIEBE: VIELLEICHT IST MEINE BEZIEHUNG NUR NOCH GEWOHNHEIT
SCHLECKENDE LIEBE: MEIN FREUND MUSS MICH VOR ALLEN LEUTEN KÜSSEN
PORNO-LIEBE: MEIN FREUND DENKT BEIM ONANIEREN NICHT AN MICH
WIE ES AUFHÖRT
HIN UND HER-LIEBE: MEIN FREUND IST WIEDER MIT SEINER FRAU ZUSAMMENGEZOGEN
ZYNISCHE LIEBE: MEIN FREUND MACHT SICH ÜBER MEINE WUNDEN PUNKTE LUSTIG
UMGESATTELTE LIEBE: MEINE EX IST MIT MEINEM MITBEWOHNER ZUSAMMEN
TRAURIGE LIEBE: ICH KOMME NICHT ÜBER DIE TRENNUNG HINWEG
ALTE LIEBE: WIE GEHE ICH MIT WIEDERENTDECKTEN LIEBESBRIEFEN UM?
VERGÄNGLICHE LIEBE: HAT LIEBE EIN ENDE?
UNENTSCHIEDENE LIEBE: BEKANNTE ODER UNBEKANNTE?
HAPPYENDLOSE LIEBE: WARUM GEHT ES NIE GUT AUS?
UNVERSTÄNDLICHE LIEBE: ICH BEGREIFE NICHT, WAS MEIN FREUND MIR SAGEN WILL
WARMGEHALTENE LIEBE: MEINE EX LÄSST MICH NICHT LOS
LANGWEILIGE LIEBE: WARUM WERDEN MIR MÄNNER SO SCHNELL ÖDE?
VERWUNDETE LIEBE: ZUM FÜNFTEN MAL VERLASSEN
LERNENDE LIEBE: WAS KANN ICH AUS MEINEN TRENNUNGEN FÜR SCHLÜSSE ZIEHEN?
VERRIEGELTE LIEBE: ICH HABE NOCH DEN SCHLÜSSEL VON MEINEM EX
UNLIEBBARE LIEBE: ICH WERDE IMMER VERLASSEN
WILLENLOSE LIEBE: ICH KANN MICH NICHT ENTSCHEIDEN
UNSCHÖNE LIEBE: SEINE EX WAR ATTRAKTIVER ALS ICH
MODERNE LIEBE: MEINE FREUNDIN IST POLYAMOR
TRÜMMERLIEBE: DIE TOCHTER MEINES EXFREUNDS HAT MEINETWEGEN KEINEN KONTAKT MEHR ZU IHM
SCHWARZ-WEIßE LIEBE: MEINE FREUNDIN IST SO ANDERS ALS ICH
UNDANKBARE LIEBE: MEINE FREUNDIN HAT MICH GERETTET, ABER ICH LIEBE SIE NICHT
MISSTRAUISCHE LIEBE: ICH GLAUBE, MEIN MANN BETRÜGT MICH
IMMERNOCHLIEBE: MEIN MANN LIEBT MICH BESTIMMT NOCH
FLEIßIGE LIEBE: MEINE PAARARBEIT FUNKTIONIERT NICHT
ABGESCHLOSSENE LIEBE: ICH WILL KEINEN SEX MEHR
UNTOTE LIEBE: WIR SIND GETRENNT, ABER LEBEN ZUSAMMEN
MIT-ODER-OHNE-LIEBE: ICH KANN NICHT MIT IHM, NICHT OHNE IHN
AFFENLIEBE: MEINE EX SCHLÄFT MIT MIR, WENN ES IHR GERADE NUTZT
FREUDIANISCHE LIEBE: MEIN FREUND LIEBT SEINE FRAU, WEIL SIE SEINER MUTTER GLEICHT
BESCHISSENE LIEBE: ICH BEKOMME NIE ETWAS ZURÜCK
Buch
Autor
Lesetipps
Impressum
Bevor ich anfing mit dem Jurastudium, dachte ich, das würde ein kurzer Spaß werden. Ich stellte mir das Recht vor wie einen langen Bußgeldkatalog: Jemand tötet jemanden – lebenslang. Jemand klaut – ein Jahr Haft. Nach der ersten Vorlesung im Strafrecht musste ich meinen Irrtum einsehen. Die kleinste Änderung des Sachverhalts ändert alles.
Ich studierte dann sehr, sehr lange.
Nun schreibe ich seit 2010 im Magazin der Berliner Zeitung eine Kolumne über die Liebe, vielmehr beantworte ich mit kleinen Abschweifungen Leserfragen. Meine Freunde nennen mich Dr. Sommer für Erwachsene. Meine Feinde auch. Die häufigste Frage, die mir im Zusammenhang mit der Kolumne gestellt wird, ist: »Was sind denn das für Leute, die so irre Fragen stellen?« Auf den ersten Teil der Frage kann ich nur antworten, was Prostituierte immer sagen: »Alle, vom Arbeiter bis zum Akademiker.«
Zum zweiten Teil muss ich etwas ausführlicher werden: Die Fragen sind nicht irre, im Gegenteil. Sie geben dem, was am wichtigsten ist in unserem Leben, die Bedeutung, die ihm angemessen ist. Und ich zähle dazu auch die Frage nach dem Schnitt der Schamhaare.
Und ja: Das Wichtigste in unserem Leben, das ist die Liebe. Wir erinnern uns nicht an unsere Lateinaufgaben, an denen wir stundenlang saßen. Wir wissen nicht mehr, für welche Jacke wir die ganzen Ferien über Pizza ausgefahren haben. Wir kennen nicht mehr die Gags aus unserer Lieblingsshow, die wir unbedingt jeden Nachmittag schauen mussten. Wir erinnern uns an diesen einen Tag im Sommer, als wir im Freibad von einem Regenschauer überrascht wurden und sitzen blieben, weil sie da saß. Wir erinnern uns daran, was er sagte, als er aus dem Krieg wiederkam, wie sie schaute, wie er roch. Was aus Liebe entsteht, das macht unser Leben aus.
Und diese Liebe nun, die ist leider noch etwas verwirrender als Jura. Dieselbe Frage, von jemandem gestellt, der nur ein paar Jahre jünger oder älter ist, verlangt eine ganz andere Antwort.
Aber was heißt schon Antwort? Die Leser wissen recht genau, was sie von mir wollen. Sie legen mir nicht die Entscheidung über ihr Schicksal in die Hand. Sie wollen eine neue Perspektive.
Viele der Fragen hätten so schon vor zweitausend Jahren gestellt werden können. Manche hätte man noch vor zehn Jahren nicht einmal verstanden. Miteinander verheiratete Frauen, polyamor lebende Menschen, Paare, die sich online begegnet sind.
Die Liebe war noch nie so frei und doch spürt man die verbliebenen Fesseln. Immer noch muss einen jemand zurücklieben, es ist wie im Fußball. Das Schwere am Spiel, das ist der Gegner. Das Schwere an der Liebe, das ist der andere.
Und man selbst ist nun einmal auch alles andere als geschichtslos. Mit 30 haben wir heute mehr feste Partner gehabt als unsere Vorgängergeneration im ganzen Leben. Was leider impliziert, dass die Partner gar so fest nicht waren. Wir sind wahnsinnig lange jung, aber wenn wir in den Spiegel schauen, dann sehen wir dort Narben. Narben vom Nicht-zurückgerufen-Werden, Narben von der Scheidung, Narben von Traummann eins bis sechs, von Prinzessin eins bis siebzehn. Die Verantwortung für die Liebe, die ganze Freiheit, die lastet heute auf uns ganz allein.
Da ist es vielleicht manchmal ganz gut, wenn ein Jurist sich drum kümmert.
Ich habe das Gefühl, mich nicht immer und immer wieder auf noch eine Beziehung einlassen zu können. Liebe tut mir nicht gut. Sollte ich es nicht einfach lassen?
Elske, 32
Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen haben in einem Kuhstall Videoaufnahmen von fast 9000 Stubenfliegen ausgewertet. Diese Stubenfliegen sind bevorzugte Nahrung der Fransenfledermaus. Für die Fransenfledermaus, die sonst vor allem in bodennahen Waldschichten jagt, ist so ein Kuhstall natürlich ein Schlaraffenland, sollte man meinen, aber ganz so einfach ist es nicht; die Fransenfledermäuse sind nachtaktiv, die Stubenfliegen tagaktiv, und Fliegen, die sich nicht bewegen, sind auf dem rauen Untergrund der Stalldecke vom Ultraschall der Fledermäuse nicht zu orten.
Wenn jedoch Stubenfliegen Geschlechtsverkehr haben, ist das zu hören: Sie singen keine Liebeslieder, sie stöhnen auch nicht, die Kopulationsgeräusche entstehen dadurch, dass die Männchen beim Sex wild mit den Flügeln schlagen.
Bei etwa fünf Prozent aller von den Forschern beobachteten Kopulationen wurden beide Fliegen, Männchen wie Weibchen, von einer Fransenfledermaus attackiert und in beinahe jedem Fall auch verschlungen. Beide. Die Forscher fassten ihr Ergebnis mit den Worten »Sex kills« zusammen. Sex tötet.
Jochen Laabs dichtete in seinem »Isländischen Liebesgedicht«: »Ich bin der Bottich // du drin der Hering. // Und das Salz zwischen uns // ist die Liebe // die uns haltbar macht // und zerfrißt«.
Die Doppelnatur der Liebe macht uns unser Leben lang zu schaffen. Man braucht sie, aber sie richtet einen hin, sie reißt alle Widerstandskraft nieder, sie öffnet die Mauern zwischen uns und der Welt und lässt uns schutzlos zurück.
Liebe ist gefährlich – und was haben wir davon? Die französische Malerin Françoise Gilot antwortete im SZ-Magazin auf die Frage, ob sie es jemals bereut habe, mit Picasso gelebt zu haben, Reue sei »pure Zeitverschwendung«, sowieso sei es »viel interessanter, mit einem besonderen Menschen etwas Tragisches zu erleben, als ein wunderbares Leben mit einer mittelmäßigen Person zu führen«. Außerdem werde dieser mittelmäßige Mensch einen ebenso zerstören, er brauche nur mehr Zeit dafür.
Pudding tut uns nicht gut, Rauchen tut uns nicht gut, Faulenzen nicht, Fleisch nicht, Liebe nicht. Eines davon ist unverzichtbar. Ralf König schrieb einmal, die mit dem HI-Virus verbundene Tragödie sei: Wäre es im Kaffee, würde man eben keinen Kaffee mehr trinken. Aber es trifft uns da, wo wir wild, töricht und am verletzlichsten sind.
Wenn eine Fliege sprechen könnte, wir würden sie verstehen: Sie bereut keinen Flügelschlag, keinen einzigen.
Schon seit Monaten bin (oder vielleicht muss ich schon sagen »war«) ich in eine Kommilitonin verliebt. Ich habe ziemlich lange an ihr rumgegraben, habe ihr meine Liebe gestanden und als ich schon selbst nicht mehr daran geglaubt habe, hat sie wohl auch angefangen, etwas für mich zu empfinden. Jetzt haben wir zum ersten Mal miteinander geschlafen. Nun: Irgendwie sah sie nackt überhaupt nicht mehr attraktiv aus. Ich bin eigentlich nicht gerade superoberflächlich, in Klamotten deutete auch gar nichts darauf hin, aber der Sex war so wirklich kein Vergnügen. Meine ganze Verliebtheit ist jetzt ziemlich weg, mit ihr schlafen will ich eigentlich auch nicht mehr. Aber jetzt stehe ich doch vor ihr – und vielleicht sogar vor allen anderen – als jemand da, der nur einmal mit einer ins Bett will und sie dann abschießt.
Jörn, 22
Während es über die Ejaculatio praecox, den vorzeitigen Samenerguss, zahlreiche Untersuchungen gibt, ist die Evocatio praecox ein nicht ausreichend gewürdigtes Phänomen. Dabei kann das frühzeitige Herausrufen von Liebesschwüren in höchste Not führen und ist beinahe immer peinlich.
In Filmen ist es bis heute Ausweis schlimmsten Machotums, wenn ein Mann sagt, er würde nur im Bett jemanden richtig kennenlernen. Und doch ist in der Realität die Idee nicht ganz von der Hand zu weisen, dass zwei Menschen sich vielleicht einmal nackt gesehen haben sollten, ehe sie ihr weiteres Leben miteinander planen.
Während in Heldenepen, seien sie auch noch so modern, von »Star Wars« bis »Man of Steel« die Liebe sogar dem ersten Kuss vorangeht, steht erstaunlicherweise in romantischen Komödien von »Harry und Sally« über »Vier Hochzeiten und ein Todesfall« bis »Bridesmaids« zuerst der Sex und erst viel später die Liebe. Das Heldenprinzip ist also Käse.
Auch ein zweites Prinzip erweist sich als untauglich: Die oft sehr zu Unrecht als Allheilmittel gepriesene Ehrlichkeit.
Man kann einfach niemandem sagen, dieser habe einen angezogen eben mehr angezogen.
Allerdings ist es so, dass nicht alles an jedem Tag gleich aussieht. Makel am Partner sind in Wirklichkeit oft eigene Unsicherheiten. Manchmal verirrt sich ein Blick und nagelt sich an einem Pickel fest, den man unter besseren, heitereren Umständen gar nicht sehen würde.
Der französische Philosoph Paul Valéry hat gesagt, der Mensch lebe und sterbe in dem, was er sieht. »Aber er sieht nur, was er denkt«, fügte er hinzu. Treffen Sie sich doch noch einmal. Denken Sie Liebe. Sehen Sie Schönheit.
Zehn Jahre war ich in einer Beziehung, und schon seit längerer Zeit hatte ich mich gefragt, ob es noch Liebe war oder bloß Gewohnheit. Dann lernte ich einen Mann kennen, mit dem mich intuitiv etwas verband. In der ersten Nacht haben wir uns sieben Stunden unterhalten, irgendwann später miteinander geschlafen. Vor zwei Wochen trennte ich mich von meinem bisherigen Freund, weil der Neue eine Entscheidung wollte. Doch seither meldet der sich kaum noch. An diesem Wochenende sagte er, dass er mich lieben würde und mit mir zusammen sein will. Aber als ich ging, gab er mir nur einen flüchtigen Kuss. Jetzt glaube ich, er sagt das alles nur, weil er mit mir schlafen will. Soll ich mich weiterhin bei ihm melden?
Katja, 29
Ihr neuer Freund sagt, dass er Sie liebt und mit Ihnen zusammen sein will. Das kann gelogen sein oder die Wahrheit.
Wenn man einen neuen Partner tauscht gegen einen, mit dem man zehn Jahre zusammen war, dann soll sich das emotional lohnen, dann müsste man sich bei seinem neuen Freund ebenso geborgen fühlen.
Nur, wie lange hat es in der nun beendeten Beziehung gedauert, bis alles aufeinander eingespielt war, bis man einander gesagt hat, dass man sich liebt und das auch glauben konnte?
Damals waren Sie 19, vielleicht haben Sie sich schon am ersten Tag gesagt, dass Sie sich lieben, was auch immer das in dem Moment bedeuten konnte. Doch jetzt erwarten Sie mehr von einer Beziehung, Sie erwarten emotionale Stabilität, Sie erwarten eine echte Verbindung – aber es soll sich nicht anfühlen wie Gewohnheit (sonst wären Sie ja wieder da, wo Sie herkommen). Das alles gibt es aber eben nicht einfach so.
Zu den vielen Paradoxien der Liebe gehört, dass man zu Beginn einer Beziehung mit Unsicherheit zu kämpfen hat – so wie man im Verlauf einer Beziehung mit Sicherheit zu kämpfen hat. Erst ist alles fremd und ungewohnt, dann ist alles zu gewohnt.
Die Frage ist: Wann kann man eigentlich mal seine Beziehung einfach nur genießen?
Die Antwort: Das geht nur dann, wenn man seine Freude nicht allein von der Reaktion des anderen abhängig macht. Wenn man mit jemandem, den man gerade erst kennt – und daher also nicht wirklich kennt – schläft, dann, weil man das gerne möchte, und nicht, damit der einen später lieb hat oder als Absicherung dafür, dass er einen wirklich mag.
Früher einmal entstand aus Liebe vielleicht Sex, heute entsteht aus Sex vielleicht Liebe. Dafür braucht man Nerven, die hat man nicht immer. Aber insgesamt ist es ein gesellschaftlicher Fortschritt, immerhin.
In meinen früheren Beziehungen bin ich eigentlich immer erst belogen, dann verlassen und gegen eine neue Frau ausgetauscht worden. Vor drei Monaten habe ich online einen Mann kennengelernt. Schon kurz nach unserem Kennenlernen war ich viel allein in seiner Wohnung und fing irgendwann an, in die Schreibtischschubladen zu schauen. Ich entdeckte, dass er bei Kleinigkeiten in Bezug auf andere Frauen nicht ganz die Wahrheit gesagt hatte. Diese Unwahrheiten kriege ich nun nicht aus meinem Kopf mit dem Ergebnis, ihm nicht zu vertrauen.
Johanna, 40
In jedem Film von Quentin Tarantino gibt es eine ähnliche Situation wie diese, in der Sie jetzt stecken. Dort stehen drei Gegner mit gezogenen Waffen, die sich gegenseitig bedrohen. Wer schießt, der wird erschossen werden. Mexican Stand-off nennt sich diese Konstellation.
Wenn Sie die Konfrontation suchen, wird er Ihnen vorhalten, seine Wohnung ohne Durchsuchungsbeschluss auseinandergenommen zu haben.
Die Wikipedia weiß, dass die Gegner nun gezwungen sind, den Mexican Stand-Off durch Diplomatie, Kapitulation oder einen Erstschlag zu beenden, was zeigt, dass in der Wikipedia wenige Menschen mit Schießerfahrung schreiben, denn gerade der Erstschlag bringt in dieser Situation keinen Vorteil.
Um die Diplomatie auf den Weg bringen zu können, muss zunächst Heimlichkeit verstanden werden.
Die erst vor wenigen Jahren entwickelte Tilburg Secrecy Scale, ein Fragebogen, mit dessen Hilfe Heimlichkeit untersucht wird, zeigt auf, dass Heimlichkeit fünf Dimensionen hat. »Selbst-Geheimhaltung« beschreibt die Neigung, aktiv vor anderen persönliche Informationen zu verbergen. Ferner gemessen werden die Punkte »Besitz eines Geheimnisses«, »Angst vor der Aufdeckung«, »Kognitive Beschäftigung«, »Bereitschaft, selbst aufzudecken«.
Bei Ihrem Freund verhält es sich so, dass er Sie bereitwillig allein in seiner Wohnung lässt. Sie haben die Informationen auch nicht in seinem Safe gefunden. Er ist also weder beherrscht von dem Gedanken, noch hat er allzu große Angst vor der Aufdeckung.
Es ist nicht das Ergebnis Ihres Funds, dass Sie ihm nicht mehr vertrauen – die Ursache für Ihre Suche ist Ihr Misstrauen. Sie trauen nicht, weil Sie enttäuscht wurden. Es ist, als hätten Sie in Ihrem Leben einige Male gewürfelt und immer war es eine Eins. Sie glauben nicht mehr an die Existenz von Zweiern, ganz zu schweigen von Sechsern. Aber in dem Spiel, um das es hier geht, sind Sechser gar nicht selten. Man muss nur weiterwürfeln.
Seit zwei Wochen bin ich mit meinem neuen Freund zusammen. Gestern nun hat er gesagt, dass er mich liebt. Sie haben doch vor Kurzem von einer Evocatio praecox geschrieben. Ist das nicht viel, viel zu früh?
Annika, 29
Man kann zu früh sagen, dass man jemanden liebt, aber man kann das Gefühl haben, jemanden schon zu lieben, ehe man ihn kennt. Hören Sie auf, Sinn zu suchen, hier geht es um Liebe.
Seit mein Sohn etwa drei Monate alt ist, freut er sich sichtbar, wenn er mich nach längerer Zeit wieder sieht. Er ruckelt dann wild mit den Armen und Beinen, sein ganzer Körper wippt auf und ab, er strahlt, er quiekt, er birst schier vor Freude. Er findet mich in diesem Moment etwa so gut wie Alufolie und wenn ich nach so kurzer Bekanntschaft etwas über meinen Sohn weiß, dann, dass er Alufolie großartig findet.
Nun ist es jedoch so, dass ein so junges Baby keine Objektpermanenz und somit auch keine Personenpermanenz hat. Mein Baby weiß nicht, dass ein Mensch weiterexistiert, wenn dieser aus seinem Sichtfeld verschwindet. Weshalb man mit kleinen Kindern Verstecken spielen kann, indem man sich ein Tuch vor den Kopf hält. Sieht mich mein Baby nur einige Minuten nicht, freut es sich allerdings nicht im Geringsten, mich wiederzusehen.
Wenn ich für mein Kind aber schon mit Tuch über dem Kopf aufhöre zu existieren, warum freut es sich dann nicht, mich wiederzusehen, wenn ich nur kurz auf der Toilette war, findet mich aber nach mehreren Stunden etwa so gut wie Alufolie?
Es lebt doch in einer zeitlosen Welt! Es weiß gerade einmal, dass man erst nach etwas greifen muss, BEVOR man es sich in den Mund steckt, aber einige Stunden sollten für ihn so lange dauern wie einige Minuten. Ich fragte unsere Kinderärztin während einer Untersuchung, wie das zu erklären sei. Sie sagte, ich solle mir nicht so viele Gedanken machen.
Neugeborene Eltern sind genauso große Narren wie Frischverliebte. Und wir Narren also, wir, ausgerechnet, von allen Menschen, haben mit Liebe zu tun, dem größten aller Mysterien. Liebe, die schon da ist, ehe sie da ist, die in uns schon im Mutterleib schlummert, die uns jauchzen und zappeln lässt, noch ehe wir irgendetwas begreifen von der Welt, von der Zeit, von Objektpermanenz.
Was uns also lieben lässt, das ist die tief in uns verwurzelte Bereitschaft, zu lieben.
Und wenn wir Glück haben, dann treffen wir auf jemanden, der sich jeden Tag von Neuem bemüht, in etwa so liebenswert zu sein wie Alufolie.
Nach einigen längeren Beziehungen bin ich nun seit mittlerweile drei Jahren Single. Und nicht zufrieden damit. Ich erlebe häufig Interesse von Männern an mir, aber nur selten bin ich interessiert. Ich hab langsam das Gefühl, dass ich zu alt bin zum Verlieben: zu befangen, zu viel schon gesehen, zu erfahren, zu vorausschauend. Braucht man zum Verlieben etwas Naivität, die einem mit dem Alter vielleicht immer mehr verloren geht? Aber wie sollte ich mich blind, taub und dumm stellen? Wenn ich doch immer schon hinter die Kulisse sehe?
Larissa, 32
Man ist mit 32 nicht mehr das annähernd weiße Blatt Papier, das man mit 14 war. Wenn man sich das erste Mal verliebt, dann reicht es aus, dass der andere ungefähr das passende Geschlecht, eine interessante Frisur oder bemerkenswerte Schuhe hat. Hört er auch noch den gleichen, von britischen Musikjournalisten erfundenen Trendsound, dann ist er sogar die große Liebe.
Es war eine tolle Zeit, als Liebe noch so leicht war, dass sie überall hinflattern konnte. Verliebtheit gehörte dazu wie Kaugummiblasen und Chartmusik. Aber genau wie Kaugummiblasen und Chartmusik macht diese Art der Liebe nicht mehr satt, wir sind nicht mehr ein annähernd weißes Blatt Papier, wir sind Radierungen und Stiche, wir sind Kunstwerke oder Kitsch, ein wenig verloren in unserer Einzigartigkeit.
Aus dieser Verlorenheit wächst Angst. Und Angst verführt dazu, Dinge vom Ende her zu betrachten. Was sehen Sie hinter den Kulissen? Das Ende vom Lied, eine letzte Verbeugung, die Garderobe, das Abschminken? Was haben Sie durch Mann drei denn tatsächlich über Mann sieben gelernt? Dass Männer, die lange vor dem Spiegel stehen, irgendwann fremdgehen? Dass die, die ihr Haustier unregelmäßig füttern, später die Kinder verhungern lassen?
Nicht alles, was eine schwarze Katze ist, ist ein Omen. Der Glaube, immer alles schon zu wissen, ist naiv.
Umgekehrt ist die Naivität, die Sie vermissen, vielleicht ja gerade, was dorthin geführt hat, wo man heute steht. Denn wenn Naivität das ist, was man braucht für Liebe – warum hat diese Naivität dann nicht in dauerhafte Beziehungen geführt?
Tatsächlich ist der Zustand, in dem Sie sich jetzt befinden, genau der richtige. Aus Ihrer Erfahrung, Ihrem Vorausschauen kann eben, wenn sie sich nicht mit Angst paaren, eine souveräne Entscheidung wachsen, die nicht mehr mit der flipperkugelhaften Willkür der Jugend zu tun hat.
Es entscheiden nicht mehr britische Musikjournalisten über Ihre Liebe, sondern Sie.
Ich habe jetzt schon mehrmals, wenn es darum ging, eine Beziehung zu vertiefen, einen Rückzieher gemacht, weil ich dachte, es ginge noch besser. Und tatsächlich war auch jeder besser als der davor. Aber besser als der Nächste?
Miriam, 24
Ich bin eigentlich der Überzeugung, dass eine stabile Beziehung durch andere nicht gefährdet ist, aber die Wissenschaft sieht das anders.
In dem Aufsatz »Spousal Alternatives and Marital Dissolution« (Partneralternativen und Scheidung) kommen die Soziologen Scott J. South und Kim M. Lloyd zu dem Schluss, dass sich Ehen am ehesten dort lösen, wo es für beide Partner eine Vielzahl an Alternativen gibt. Schon wenn am Arbeitsplatz beide Geschlechter vertreten sind, kommt es bei den Arbeitnehmern zu mehr Scheidungen. Unter Kraftfahrern, Installateuren und KFZ-Mechatronikern etwa gibt es einen Männeranteil von 95 Prozent, in Pflegeberufen sind 79 Prozent der Auszubildenden Frauen. Heiratet also eine Altenpflegerin einen Installateur, haben beide ein geringeres Scheidungsrisiko als Arbeitnehmer aus einem weniger geschlechtsspezifischen Beruf.
Mir schrieb vor einigen Wochen ein Mann, er habe eine bessere Frau kennengelernt. Sie sei nahezu perfekt, er fragte sich jedoch, ob es vertretbar sei, eine intakte Beziehung zu beenden. »Und besteht dabei vielleicht die Gefahr, wenn man den Mercedes jetzt für den Porsche aufgibt, dass man dann auch irgendwann auf einen Maserati schielen würde und niemals tatsächlich zu hundert Prozent in Sachen Partnerschaft ›ankommt‹?«, so der Mann.
Ich antwortete ihm: »Selbst wenn Sie sich sagen würden: ›Das passiert mir vielleicht immer wieder‹, so wüssten Sie jetzt doch, wie es ist, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht etwa besser ist (diese Kategorien sind wohl immer falsch), der aber besser zu Ihnen passt oder doch etwas in Ihnen auslöst, das das, was Sie mit Ihrer Noch-Freundin fühlen, übertrifft. Wenn es denn passt, dann passt es auch so gut, dass man nicht immer weiter nach Neuem schielt.«