Slavoj Žižek

Wie ein Dieb bei Tageslicht

Macht im Zeitalter des posthumanen Kapitalismus

Aus dem Englischen von Karen Genschow

FISCHER E-Books

Inhalt

Über Slavoj Žižek

Slavoj Žižek, geboren 1949, ist Philosoph, Psychoanalytiker und Kulturkritiker. Er lehrt Philosophie an der Universität von Ljubljana in Slowenien und an der European Graduate School in Saas-Fee und ist derzeit International Director am Birkbeck Institute for the Humanities in London. Seine zahlreichen Bücher sind in über 20 Sprachen übersetzt. Im S.Fischer Verlag sind zuletzt erschienen ›Was ist ein Ereignis?‹ (2014) und ›Das Jahr der gefährlichen Träume‹ (2013).

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Über dieses Buch

Donald Trump regiert unbehelligt, die Tech-Industrie aus dem Silicon Valley ebenfalls, und die Welt scheint sich nach dem Marx'schen Diktum zu verhalten, dass alles Ständische und Stehende verdampft: Arbeit wird automatisiert, Geld virtualisiert, die Klassengesellschaft zerstreut sich, die alte Weltordnung löst sich auf. Zerfällt damit auch der Kapitalismus selbst?

In seinem neuen Buch analysiert der renommierte Kulturkritiker Slavoj Žižek den Zustand der Welt und fragt, was als Nächstes kommen könnte. Doch weil wir so tief in unserer kapitalistisch-neoliberalen Ideologie stecken, können wir dieses Nächste nicht sehen: Es kommt daher wie ein Dieb bei Tageslicht. Žižek öffnet uns mit seinem Buch die Augen und zeigt: Es ist an der Zeit aufzuwachen!

Impressum

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »Like a Thief in Broad Daylight. Power in the Era of Post-Humanity« im Verlag Allen Lane, London

© by Slavoj Žižek

 

Für die deutschsprachige Ausgabe:

© 2019 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

 

Covergestaltung: hißmann, heilmann, Hamburg

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-10-491079-6

Fußnoten

Alain Badiou, Versuch, die Jugend zu verderben, Berlin 2016: Suhrkamp.

George Glider, zit. n. John L. Casti, Would-be-worlds, New York 1997: John Wiley & Sons, Inc., S. 215.

Siehe Peter Sloterdijk, Regeln für den Menschenpark, Frankfurt 1999: Suhrkamp.

Peter Trawny, Irrnisfuge. Heideggers An-archie, Berlin 2014: Matthes & Seitz, S. 88.

Martin Heidegger, Anmerkungen II, in: Schwarze Hefte 19441948, zit. n. Trawny, a.a.O., S. 57

Das Ausmaß, in dem wir von unseren Medien manipuliert werden, ist leicht in den Lücken in der Berichterstattung über Ereignisse zu erkennen. Der Konflikt in der Ostukraine beispielsweise wurde einige Monate lang wie eine Bedrohung des Weltfriedens dargestellt, und dann verschwand er einfach (von den Titelblättern zumindest); er wurde stillschweigend renormalisiert. Als die Ukraine den Westen um mehr Verteidigungswaffen bat, tauchte er wieder auf, und wir erfuhren, dass die Kämpfe die ganze Zeit weitergegangen waren.

Diese Information verdanke ich Zdravko Kobe, Ljubljana.

Siehe http://yournewswire.com/bill-gates-we-need-socialism-to-save-the-planet/. Interessanterweise kann der genaue Wortlaut von Gates’ Aussage nicht in unabhängiger Form bestätigt werden.

Für detaillierte Ausführungen dieses Standpunkts siehe u.a. International Critical Thought, Vol. 7, Nr. 1 (März 2017), insbesondere die Texte von Domenico Losurdo, William Jefferies, Peggy Raphaelle und Cantave Fuyet.

Julia Buxton, »Venezuela After Chávez«, in: New Left Review 99, S. 25.

Alenka Zupančič, »Apocalypse, again« (Manuskript).

In Die acht Lektionen der Wüste (Köln 2017: DuMont) liefert Nicholas Jubber eine detaillierte Beschreibung des täglichen Lebens der Tuareg-Nomaden im Zentrum der Sahara, einer Gruppe, die in recht wörtlichem Sinn »zurückgelassen« wurde von der heutigen beschleunigten Globalisierung. (Einigen Quellen zufolge bedeutet sogar ihr Name – Tuareg – »von Gott zurückgelassen«.) Die Überraschung liegt darin, dass einige Merkmale ihres nomadischen Lebens denjenigen der »fortgeschrittensten« Individuen ähnlich sind, die dauernd auf dem Sprung sind. Können wir uns vorstellen, dass Tuaregs, mit zeitgenössischer digitaler Maschinerie ausgestattet (Mobiltelefone, Tablets etc.) es einfach finden könnten, sich in die »postmoderne« Gesellschaft mit ihrer andauernden Mobilität zu integrieren?

Ich verdanke diesen Gedanken Karl-Heinz Dellwo.

Zitiert von https://www.project-syndicate.org/commentary/lesson-of-populist-rule-in-poland-by-slawomir-sierakowski-2017-01.

Wolfgang Streeck, »Wie wird der Kapitalismus enden?«, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 3/2015, S. 107.

Rebecca Carson, »Fictitious Capital, Personal Power and Social Reproduction« (Manuskript, 2017).

Ebd.

Ayn Rand, Der Streik, München 2012: Verlag Kai M. John, S. 452.

Nina Power, »Dissing«, in: Radical Philosophy 154, S. 55.

https://www.thelightphone.com/#lpii.

David Harvey, persönliche Mitteilung.

William James, »On Some Mental Effects of the Earthquake«, zit. n. http://storyoftheweek.loa.org/2010/08/on-some-mental-effects-of-earthquake.html.

http://www.businessinsider.com/china-social-credit-score-like-blackmirror-2016-10.

Alfie Brown, The Playstation Dreamworld, Polity Press (im Erscheinen).

http://www.theverge.com/2017/3/27/15977864/elon-musk-neuralink-brain-computer-interface-ai-cyborgs.

Robert Burns, »An eine Maus«, in: Ein Ding von Schönheit ist ein Glück auf immer. Gedichte der englischen und schottischen Romantik, hg. von Horst Höhne, Leipzig 1983: Reclam.

Mike Wehner, »Scientists remotely hacked a brain, controlling body movements«, zit. n. http://bgr.com/2017/08/18/brain-hack-science-limb-control/.

http://www.cnn.com/2017/10/17/politics/president-donald-trump-alexis-tsipras-greece-evil/index.html.

Vgl. Jonathan Dicktstein und Gautam Basu Thakur, Lacan and the Posthuman, London 2017: Palgrave-Macmillan.

Ich stütze mich in diesem Text auf die Ideen vieler Freunde, insbesondere Matthew Flisfeders und Todd MacGowans.

Todd MacGowan, persönliche Mitteilung.

Matthew Flisfeder, »Blade Runner 2049 in Perspective« (unveröffentlichtes Manuskript).

Ebd.

Todd MacGowan, persönliche Mitteilung.

Diese Idee verdanke ich Peter Strokin, Moskau.

Zit. n. https://www.theguardian.com/film/2017/oct/06/blade-runner-2049-dystopian-vision-seen-things-wouldnt-believe.

Ebd.

Einer der Vorwürfe gegen meine Lesart war, wie erwartet, dass ich als Marxist die gnostische Dimension des Films ignoriere – hier ein Beispiel: »1. Der Name Joshi ist sehr eng an Joshua (Jesus) angelehnt und bedeutet Bringer des Lichts, verbunden mit der Sonne. Deckard klingt wie Descartes (ich habe gelesen, Philip K. Dick habe das gesagt, aber ich bin nicht sicher). Niander Wallace. Niander = neuer Mensch. Wallace = Ausländer. K ist vermutlich aus Kafkas Das Schloss und Das Urteil abgeleitet.

2. Klare religiöse und gnostische Bezüge. Die jüdische Tradition hat als erstes Paar Lilith und Samael. Es heißt, ihr Paarungsakt war in irgendeiner Form gefährlich für den Zustand des Universums, so dass Gott sie trennte und sie daran hinderte, sich je wieder zu vereinen. Wenn sie jemals wieder zusammenkämen, wäre das Wohl des Universums wieder in Gefahr. Die Gnostiker dachten, der Gott der Christen sei tatsächlich ein blinder Gott, den sie Samael nannten. Wallace ist blind, er wird beschrieben als jemand mit einem »Gotteskomplex«, er hat einen dunklen Engel (Luv), und er ist besessen von der Replikantenreproduktion. Er will auch die Menschen durch Replikanten ersetzen, die Sterne erobern und den ›Himmel stürmen‹. Außerdem erklärt Joshi, dass die Tatsache, dass Replikanten sich reproduzieren könnten, bedeutet, dass sie eine Seele haben und dass das alles durcheinanderbringen würde.« (Cosmin Visan in: http://thephilosophicalsalon.com/blade-runner-2049-a-view-of-post-human-capitalism/.)

Um ehrlich zu sein, kann ich an diesen Argumenten keine Relevanz erkennen. Wenn Joshi, die rücksichtslose Verfechterin von Apartheid, für Joshua/Jesus und die christliche Ordnung steht, was ist das für eine Art von Christentum? Dasjenige von Trumps Alt-Right-Unterstützern? Wenn Deckard und Rachael ein Paar in der Linie von Samael und Lilith sind, in welchem Sinne könnte die Gefahr ihrer Paarung mit der Gefahr verglichen werden, die in der Paarung von Deckard und Rachael steckt? Und so weiter …

Lenin, Staat und Revolution: http://www.mlwerke.de/le/le25/le25_470.htm.

Ebd.

Ebd.

Jacques Lacan, La Troisième, dt. Ü. zit. n. https://lacan-entziffern.de/reales/jacques-lacan-die-dritte-uebersetzung/.

Jean-Claude Milner, »Back and Forth from Letter to Homophony«, in: Problems International, Nr. 1, Ljubljana 2017, S. 96.

Ebd, S. 30.

Ebd, S. 9697.

http://www.independent.co.uk/news/science/fury-at-dann-pioneers-theory-africans-are-less-intelligent-than-westeners-394898.html.

Lenin, Staat und Revolution, zit. n. http://www.mlwerke.de/le/le25/le25_426.htm.

Milner, Relire la Révolution, Verdier: Lagrasse, 2016, S. 246.

Jean-Claude Milner, »The Prince and the Revolutionary«, zit. n. http://crisiscritique.org/ccmarch/milner.pdf.

Louis Antoine de Saint Just, »Rapport sur les factions de l’étranger«, in: Œuvres complètes, Paris 2004: Gallimard, S. 695.

Wie bei dem Verhältnis zwischen Hegels Logik und Marx’ Kapital sollten wir nicht sentimental und ehrfurchtsvoll gegenüber Lenins Aussage sein, dass jemand, der Hegels Logik nicht gelesen habe, das Kapital nicht verstehen könne: Lenin selbst las die Logik, aber er verstand sie nicht recht (seine Grenze war die Kategorie der Wechselwirkung), zudem verstand er auch das Kapital nicht richtig. Man sollte hier genau sein: Was Lenin nicht verstand, war die – riskieren wir diesen Begriff – »transzendentale« Dimension von Marx’ Kritik der politischen Ökonomie, die Tatsache, dass Marx’ Kritik der politischen Ökonomie nicht nur eine kritische Analyse der Ökonomie ist, sondern zugleich auch eine Art transzendentaler Form, die uns befähigt, die grundlegenden Konturen des gesamten gesellschaftlichen Seins (einschließlich der Ideologie) im Kapitalismus zu artikulieren.

Milner, »The Prince and the Revolutionary«.

https://www.journals.uchicago.edu/doi/full/10.14318/hau7.2.021/2980.

Milner, »The Prince and the Revolutionary«.

Yanis Varoufakis, Die ganze Geschichte. Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment, München 2017: Kunstmann, S. 1314.

Ernest Mandel, Trotzki als Alternative, Berlin 1992: Karl Dietz Verlag, S. 118.

Siehe http://french.about.com/od/grammar/a/negation_form_2.htm.

Kojin Karatani, Transcritique. On Kant and Marx, Cambridge, Mass. 2003: MIT Press, S. 183.

https://www.theguardian.com/commentisfree/2017/apr/25/le-pen-far-right-holocaust-revisionist-macron-left.

http://www.spiegel.de/spiegel/emmanuel-macron-im-interview-wir-brauchen-heldentum-a-1173143.html.

Vgl. https://www.theguardian.com/film/2017/nov/26/susan-sarandon-i-thought-hillary-was-very-dangerous-if-shed-won-wed-be-at-war – und da der Guardian nun einmal der Guardian ist, folgte direkt darauf eine liberale Antwort von James Rubin: https://www.theguardian.com/us-news/2017/nov/28/susan-sarandon-is-wrong-about-hillary-clinton.

Siehe https://project-syndicate.org/commentary/poland-hungary-authoritarian-appeasement-by-slawomir-sierakowski-2017-06.

Zit. n. https://www.marxists.org/reference/archive/mao/selected-works-volume-8/mswv8_34.htm.

https://visegradpost.com/en/2017/10/25/viktor-orban-designates-globalization-and-financial-speculators-as-threats-for-identity/.

Diese Kritik an Orbán löste eine Reihe von konservativen Reaktionen aus, die mich bezichtigten, alle Probleme mit den Flüchtlingen zu ignorieren und einfach ihren freien Fluss nach Europa hinzunehmen, was uns an das Ende Europas, wie wir es kennen, bringen wird. Meine Gegner verfehlen hier vollkommen den springenden Punkt: Ich bin mir der Probleme bewusst (kulturelle Unvereinbarkeit etc.), weshalb ich auch von Linksliberalen attackiert wurde. Ich behaupte, dass es, obwohl es hier keine Tabuthemen geben sollte (man sollte sogar fragen dürfen, ob der Immigrantenstrom Teil eines obskuren Plans ist), ein großer Schritt von hier aus zur rassistischen antisemitischen/antimuslimischen Verschwörungstheorie ist. Um Lacan noch einmal zu paraphrasieren, selbst wenn man beweisen könnte, dass der Flüchtlingsstrom Teil einer dunklen Verschwörung ist, um Europa zu destabilisieren, würde dies in keiner Weise die antisemitische/antimuslimische Ideologie rechtfertigen, die von Orbán und Konsorten in anderen europäischen Ländern propagiert wird – diese Ideologie ist in sich falsch, sie ist per se pathologisch, unabhängig von ihrer partiellen tatsächlichen Genauigkeit.

David Wallace-Wells, »Unhabitable Earth«, New York Magazine, 9. Juli 2017; online: http://nymag.com/daily/intelligencer/2017/07/climate-change-earth-too-hot-for-humans.html.

Siehe »Billionaire bunkers: How the 1 % are preparing for the apocalypse«, in: http://edition.cnn.com/style/article/doomsday-luxury-bunkers/index.html.

Bernie Sanders, »The Republican budget is a gift to billionaires: it’s Robin Hood in reverse«, in: https://www.theguardian.com/commentisfree/2017/oct/16/republican-budget-gift-billionaires-bernie-sanders.

Jamie Peck, in: https://theguardian.com/commentisfree/2017/oct/20/womens-convention-berniesanders.

https://www.theguardian.com/commentisfree/2017/nov/10/protest-paradise-papers-micah-white.

https://foreignpolicymag.files.wordpress.com/2018/05/cdu.jpg?w=1500&h=1000&crop=0,0,0,0.

Zit. n. http://yanisvaroufakis.eu/2012/02/14/theglobalminotaure-interviewed-by-naked-capitalism/#more-1753.

https://www.theguardian.com/world/2018/may/11/europe-prepares-countermeasures-against-us-iran-sanctions.

Siehe htpps://www.theguardian.com/commentisfree/2018/jun/02/roseanne-barr-working-class-voice-vanishes-tv.

Ebd.

Ebd.

Ebd.

Yanis Varoufakis, zit. n. https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/jun/11/trump-world-order-will-stop-him.

Jean-Claude Milner, Relire la révolution, S. 259.

Ebd, S. 260261.

Zit. n. Neil Harding, Leninism, Durham 1996: Duke University Press, S. 309.

Ebd., S. 152.

Ebd., S. 87.

Ebd.

Zit. n. http://tomclarkblog.blogspot.com/2010/12/curzio-malaparte-bolshevik-coup-detat.html.

Ebd.

Zit. n. https://velesova-sloboda.info/misc/malaparte-trotzki-gegen-stalin.html.

Robert Barnard, A Talent to Deceive: An Appreciation of Agatha Christie, London 1990: Fontana Books, S. 202.

Agatha Christie, Passagier nach Frankfurt, Hamburg 2017: Hoffmann und Campe, S. 1314.

Zit. n. Bernard Brščič, »George Soros is one of the most depraved and dangerous people of our time«, Demokracija, 25. August 2016, S. 15.

Alenka Zupančič, persönliche Mitteilung.

Sogar Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, passt perfekt zur Logik des zionistischen Antisemitismus.

Übrigens, da ich gelegentlich Beiträge für die Website Russia Today liefere, wurde ich auf eine Liste von Putins »nützlichen Idioten« gesetzt, von einer seltsamen Gruppe namens »European Values«, die sich dem »Schutz der Freiheiten« verschrieben hat. Das Leben überrascht einen immer wieder: Obwohl ich Putin nicht nur kritisiert habe, sondern sogar den Begriff »Putogan« für ihn verwendet habe (eine Verschmelzung von Putin und Erdogan), obwohl ich wiederholt und eisern den emanzipatorischen Kern der europäischen Tradition verteidigt habe, bin ich nun Putins »nützlicher Idiot«! Nun, das Einzige, dessen wir sicher sein können, ist, dass die Jungs von »European Values« nutzlose Idioten sind.

Siehe W.I. Lenin, »Über das Selbstbestimmungsrecht der Völker« (1914), online unter https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1916/01/nationen.html.

Margaret Washington, http://www.pbs.org/wgbh/amex/brown/filmmore/reference/interview/washington05.html.

Jamil Khader, »Against Trump’s White Supremacy: Embracing the Enlightenment, Renouncing Anti-Eurocentrism« (Manuskript).

Für eine scharfsinnige Analyse von liberaler politisch-korrekter Sprechweise siehe Reni Eddo-Lodge, Why I’m No Longer Talking to White Men About Race, London 2017: Bloomsbury.

Jamil Khader, »Against Trump’s White Supremacy«.

Zit. n. https://cominsitu.wordpress.com/2017/07/05/the-myth-of-cultural-appropriation/.

Michaele L. Ferguson, »Neoliberal feminism as political ideology«, in: Journal of Political Ideologies, Vol. 22, Nr. 3.

Ebd.

Ebd.

Diese Geschichte und Interpretation verdanke ich Alenka Zupančič.

Siehe http://www.identitytheory.com/interview-john-summers-baffler/.

https://www.theguardian.com/society/2018/mar/01/how-americas-identity-politics-went-from-inclusion-to-division.

Diese Idee stammt von Mladen Dolar.

https://theguardian.com/world/2018/may/07/viktor-orban-for-hungary-preserve-christian-culture.

Claude Lévi-Strauss, Strukturale Anthropologie II, Frankfurt 1992: Suhrkamp.

Wang Lixiong/Tsering Shakya, The Struggle for Tibet, London 2009: Verso.

Für eine verständliche Beschreibung der Spannung zwischen Umweltaktivisten, die lokale Habitate erhalten wollen, und den Leuten, die in diesen Habitaten leben, siehe James Hunter, On the Other Side of Sorrow, Edinburgh 2014: Birlinn.

Ramesh Srinivasan, Whose Global Village? Rethinking How Technology Shapes Our World, New York 2017: New York University Press.

Ebd., S. 209.

Ebd., S. 213.

Ebd., S. 224.

George Orwell, 1984, Zürich 211973: Diana Verlag, S. 382.

Susan Buck-Morss, Hegel und Haiti, Berlin 2011: Suhrkamp, S. 207.

Ebd., S. 183184.

Ebd., S. 190.

Siehe https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2018/mar/17/elena-ferrante-even-after-century-of-feminism-cant-be-ourselves.

Guillermo Arriaga, 21 Grams, London: Faber & Faber 2003, S. 107.

Zitiert von http://news2read.com/lifestyle/1736162/carnality-and-consent-how-to-navigate-sex-in-the-modern-world#.

Zit. n. http://www.bbc.com/news/world-us-canada-43218355.

Siehe https://www.theguardian.com/books/2018/jan/23/germaine-greer-criticises-whingeing-metoo-movement und https://www.theguardian.com/books/2018/jan/23/germaine-greer-criticises-whingeing-metoo-movement.

Robert Pfaller, Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft, Frankfurt 2012: Fischer Verlag.

Die Lacan’sche Formel »es gibt keine sexuelle Beziehung« (A.d.Ü).

Joseph Kerman, Opera as Drama, Berkeley 1988.

Siehe S. 93f. im vorliegenden Buch.

Moshe Lewin, Lenins letzter Kampf, Hoffmann und Campe 1970, S. 87f.

Ebd., S. 130f.

»Lieber weniger, aber besser«, zit. n. Lenin, Werke, Bd. 33, Berlin: Dietz Verlag 1977, S. 482.

Diesen Hinweis verdanke ich Jela Krečič.

Im Übrigen wird der rücksichtslose Egoismus von Mia und Sebastian ganz deutlich von zwei Vorfällen angezeigt: Als Mia bei ihrem Date mit Sebastian zu spät kommt und ihn in einem Kino mitten in der Vorstellung erblickt, stellt sie sich einfach vor die Leinwand und ruft seinen Namen, gleichgültig, ob das das Publikum stören könnte. Als Sebastian sie in Boulder besucht, parkt er sein Auto vor dem Haus ihrer Eltern und hupt laut und kümmert sich nicht darum, ob das die müden Nachbarn stören könnte.

Bei meiner Interpretation stütze ich mich auf Duane Rouselle, https://dingpolitik.wordpress.com/2018/02/17/black-panther-as-empty-container, Christopher Lebron, http://bostonreview.net/race/christopher-lebron-black-panther, sowie auf den E-Mail-Verkehr mit Todd McGowan.

Ich paraphrasiere https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Panther_(film).

Wir lassen eine einfache, aber relevante Frage in unserer Betrachtung aus: Welche Art von Land ist Wakanda in seiner politischen Struktur? Offenkundig eine Monarchie, in der der König Entscheidungen trifft, nachdem er sich mit einem kleinen elitären Kreis beraten hat – es gibt keinen Mechanismus, den Willen des Volkes zu Rate zu ziehen. Und wie steht es um seine ökonomische Struktur? Der Film ignoriert diesen Aspekt völlig: Wer kontrolliert den (über)natürlichen Reichtum, auf dem der Wohlstand von Wakanda beruht? Offenkundig wieder der König und seine Clique …

Diese Schlussfolgerung führt uns zurück zu Lenin, der bereit war, seine Feinde aufs Brutalste zu bekämpfen, der aber, wenn der Kampf vorbei war, niemals den politischen Konflikt mit persönlichen Animositäten verwechselte und sogar seinen besiegten Feinden half – diese Distanz ist von Stalin vollständig ausradiert worden, für den der Satz »das Politische ist persönlich« in unmittelbar obszöner Weise wahr war.

Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, II, Frankfurt 1970: Suhrkamp, S. 230 (GW Bd. 14).

Ebd., S. 229 (GW Bd. 14).

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Werke in zwanzig Bänden. Band 18, Frankfurt 1979: Suhrkamp, S. 458.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, Bd. 2, hg. v.H.G. Hotho, Berlin 1837: Duncker und Humblot, S. 237/238.

Alenka Zupanćić, »Back to the Future of Europe« (unveröffentlichtes Manuskript).

http://www.latimes.com/opinion/op-ed/la-oe-marche-left-fake-news-problem-comedy-20170106-story.html.

David Rennie, »How Soviet sub officer saved world from nuclear conflict«, Daily Telegraph, 14. Oktober 2002.

Zitiert von https://www.independent.co.uk/arts-entertainment/tv/news/susan-sarandon-hillary-clinton-america-war-president-donald-trump-feud-bette-and-joan-a8077651.html.

Jonathan Brent und Vladimir P. Naumov, Stalin’s Last Crime, New York 2003: HarperCollins, S. 307.

Brent/Naumov, Stalin, S. 297.

Siehe http://abcnews.go.com/International/russian-president-vladimir-putin-unveils-nuclear-weapons-listen/story?id=53435150.

Alain Badiou, Je vous sais si nombreux …, Paris 2017: Fayard, S. 5657.

Karl Marx, Einleitung »Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie«, in: Deutsch-Französische Jahrbücher 1844, S. 71f.

Siehe http://www.newsweek.com/egypt-atheism-illegal-crackdown-non-believers-religion-islam-772471.

https://www.egypttoday.com/Article/2/40633/OPINION-The-atheists-are-coming.

Siehe https://www.theguardian.com/news/2018/mar/17/data-war-whistleblower-christopher-wylie-faceook-nix-bannon-trump.

Für eine genaue Beschreibung dieses Dilemmas siehe Laurent de Sutter, Narcocapitalism, Cambridge 2018: Polity Press.

Zitiert nach http://th-rough.eu/writers/bifo-eng/journey-seoul-1.

Slavoj Zizek, Frank Ruda, Agon Hamza, Reading Marx, Cambridge 2018: Polity.

Ebd.

Ebd.

Robert Pippin, »Hegel on the Varieties of Social Subjectivity«, in: German Idealism Today, S. 132f.

In Amerika Tag und Nacht, Reinbek 1988: Rowohlt, S. 232.

Stella Sandford, How to Read Beauvoir, London 2006: Granta Books, S. 49.

https://www.theguardian.com/world/2017/dec/08/lead-us-not-into-mistranslation-pope-wants-lords-prayer-changed.

Sören Kierkegaard, Furcht und Zittern, übers. von H.C. Ketels, Erlangen 1882, S. 110.

Pippin, S. 134f.

Zitiert nach http://www.newyorker.com/culture/persons-of-interest/the-return-of-tony-blair.

Erst die schlechten Nachrichten, dann die guten … die noch schlechter sein können

Alain Badious Versuch, die Jugend zu verderben[1] beginnt mit der provokanten Behauptung, dass von Sokrates an die Funktion der Philosophie darin besteht, die Jugend zu verderben, sie zu entfremden (oder eher im Brecht’schen Sinne zu verfremden) von der vorherrschenden ideologisch-politischen Ordnung, radikale Zweifel zu säen und sie dazu zu befähigen, eigenständig zu denken. Die Jugend unterläuft den Prozess der Bildung, um in die hegemoniale gesellschaftliche Ordnung integriert zu werden, weshalb ihre Bildung eine Schlüsselrolle in der Reproduktion der herrschenden Ideologie spielt. Es verwundert daher nicht, dass Sokrates, der erste Philosoph, zugleich ihr erstes Opfer war, der vom demokratischen Hof Athens dazu verurteilt wurde, Gift zu trinken. Und ist dieses Aufstacheln nicht ein anderer Name für das Böse – das Böse in dem Sinne, dass es den gewohnten Lebensstil stört? Alle Philosophen haben aufgestachelt: Platon unterzog alte Gewohnheiten und Mythen einer unbarmherzigen rationalen Untersuchung, Descartes untergrub das mittelalterliche harmonische Universum, Spinoza wurde exkommuniziert, Hegel entfesselte die zerstörerische Kraft der Negativität, Nietzsche entmystifizierte die Grundlage selbst unserer Moralität … selbst wenn sie manchmal fast wie Staatsphilosophen erschienen, fühlte sich das Establishment nie wohl mit ihnen. Wir sollten auch ihre Gegenstücke zur Kenntnis nehmen, die »normalisierenden« Philosophen, die versuchten,

Ist das Paar Jürgen Habermas und Peter Sloterdijk nicht die letzte Verkörperung dieser Spannung zwischen Aufstacheln und Normalisierung, die sich in ihrer Reaktion auf die erschütternden Auswirkungen der modernen Wissenschaften, besonders der Hirnforschung und der Biogenetik, zeigt? Der Fortschritt der heutigen Wissenschaft zerstört die grundlegenden Voraussetzungen unseres Alltagsbegriffs von Realität.

Es gibt vier Haltungen, die man gegenüber diesem Durchbruch einnehmen kann. Die erste besteht darin, schlicht auf einem radikalen Naturalismus zu bestehen, d.h., heroisch der Logik der wissenschaftlichen »Entzauberung der Wirklichkeit« ungeachtet der Kosten zu folgen, selbst wenn die grundlegenden Koordinaten unseres Horizonts von sinnstiftender Erfahrung dadurch vernichtet werden. (In der Hirnforschung vertreten Patricia und Paul Churchland am radikalsten diese Haltung.) Die zweite ist, den verzweifelten Versuch zu unternehmen, eine vermeintlich originellere und authentischere Lesart der Welt, über die wissenschaftliche Annäherung hinaus oder jenseits davon, zu finden (Religion oder andere Arten von Spiritualität sind hier die Hauptkandidaten) – wie letztlich Heidegger es tut. Der dritte und verzweifeltste Ansatz ist der Versuch, eine New-Age-Synthese zwischen wissenschaftlicher Wahrheit und der vormodernen Welt der Bedeutung zu schmieden: Sie basiert auf der Behauptung, dass die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse selbst (Quantenphysik beispielsweise) uns dazu drängen, den Materialismus aufzugeben und uns einer neuen (gnostischen oder östlichen) Spiritualität zuzuwenden. Die Standardversion dieser Idee lautet so:

Diese Denkrichtung vertritt die Ideologie in ihrer schlimmsten Form. Die Wiedereinschreibung von eigentlich wissenschaftlichen Problemen (die Rolle der Wellen und Schwingungen in der Quantenphysik beispielsweise) in das ideologische Feld des »Verstand vs. rohe Dinge« verwischt das eigentliche paradoxe Ergebnis des notorischen »Verschwindens der Materie« in der modernen Physik: wie genau die »immateriellen« Prozesse ihren spirituellen Charakter verlieren und ein legitimes Objekt der Naturwissenschaften wurden.

Keine dieser drei Optionen ist für ein Establishment angemessen, das im Grunde alles für sich selbst behalten will: Es benötigt die Wissenschaft als Fundament wirtschaftlicher Produktivität, aber gleichzeitig will es die ethisch-politischen Grundlagen der Gesellschaft frei von Wissenschaft halten. Auf diese Weise gelangen wir zur vierten Haltung, einer neo-kantianischen Staatsphilosophie, deren beispielhafter Fall heute Habermas ist (es gibt aber auch andere, wie z.B. Luc Ferry in Frankreich). Es ist ein eher trauriges Spektakel, wenn man Habermas dabei zusieht, wie er die explosiven Ergebnisse der Biogenetik zu kontrollieren und ihre philosophischen Folgen zu beschneiden versucht – sein ganzes Unterfangen verrät die Angst, dass etwas geschehen wird, dass eine neue Dimension des »Menschlichen« entstehen wird, dass das alte Bild der menschlichen Würde und Autonomie nicht unbeschadet überleben wird. Die Überreaktion ist hier an der Tagesordnung, wie die lächerlichen Reaktionen auf Sloterdijks Rede in Elmau über Biogenetik und Heidegger zeigen,[3] die das Echo der Nazi-Eugenik aus dem (recht vernünftigen) Vorschlag heraushörten, dass die Biogenetik uns dazu herausfordert, neue ethische Regeln zu formulieren. Techno-wissenschaftlicher Fortschritt wird als Versuchung wahrgenommen, die uns dazu bringen kann, »zu weit zu

Die letzte ethische »Krise« anlässlich der Biogenetik schafft eigentlich die Notwendigkeit für etwas, das man mit vollem Recht »Staatsphilosophie« nennen kann: eine Philosophie, die einerseits wissenschaftliche Forschung und technischen Fortschritt fördert und andererseits dessen ganze sozio-symbolischen Auswirkungen auffängt, d.h., sie davon abhält, den bestehenden theologisch-ethischen Konstellationen bedrohlich zu werden. Es wundert daher nicht, dass diejenigen, die am besten beide Forderungen vereinen, Neu-Kantianer sind: Kant selbst konzentrierte sich auf das Problem, wie man – bei vollständiger Berücksichtigung Newton’scher Wissenschaft – garantieren kann, dass ethische Verantwortung aus dem Zugriff der Wissenschaft befreit werden kann – wie er es selbst formulierte, womit er die Reichweite des Wissens darauf beschränkte, Raum für Glauben und Moralität zu schaffen. Sind nicht die heutigen Staatsphilosophen mit der gleichen Aufgabe konfrontiert? Sind ihre Bemühungen nicht darauf konzentriert, wie man, durch verschiedene Versionen von transzendentaler Reflexion, die Wissenschaft auf ihren vorgeschriebenen Bedeutungshorizont beschränkt und so ihre Folgen für die ethisch-religiöse Sphäre als »illegitim« anprangert? In diesem Sinne ist Habermas in der Tat der vollendete Philosoph der (Re)Normalisierung, der verzweifelt daran arbeitet, den Kollaps unserer etablierten ethisch-politischen Ordnung zu verhindern:

»Könnte es sein, dass das corpus von Jürgen Habermas eines der ersten sein wird, in dem schlechthin überhaupt nichts Anstößiges mehr gefunden werden kann? Heidegger, Wittgenstein, Adorno, Sartre, Arendt, Derrida, Nancy, Badiou, selbst Gadamer, überall stößt man noch auf Dissonanzen. Die Normalisierung greift. Die Philosophie der Zukunft – die vollendete Integration.«[4]

Der Grund für diese Habermas’sche Aversion gegenüber Sloterdijk wird damit klar: Sloterdijk ist der vollendete »Anstachler«, einer, der

»Die böse und darum schärfste Gefahr ist das Denken selber, insofern es gegen sich selbst zu denken hat, dies aber selten vermag.«[5] Man sollte Heideggers Gedanken hier noch einen Schritt weitertreiben: Nicht nur ist Denken böse, soweit es daran scheitert, sich gegen sich selbst zu richten, gegen den gewohnten Weg zu denken; Denken, soweit sein innerstes Potential darin besteht, frei und »gegen sich selbst« zu denken, ist das, was vom Standpunkt des konventionellen Denkens gar nicht anders als »böse« erscheinen kann. Es ist äußerst wichtig, auf dieser Ambiguität zu bestehen wie auch der Versuchung zu widerstehen, einen einfachen Ausweg daraus zu finden, indem man irgendeine »geeignete Maßnahme« zwischen den beiden Extremen von Normalisierung und dem Abgrund der Freiheit definiert.

Bedeutet dies, dass wir schlicht unsere Seite in diesem Gegensatz wählen sollten – »die Jugend verderben« oder wichtige Stabilität garantieren? Das Problem liegt heute darin, dass dieser einfache Gegensatz kompliziert wird: Unsere global-kapitalistische, von den Wissenschaften durchdrungene Realität ist in sich selbst »aufstachelnd« und fordert unsere ureigensten Grundlagen in einer sehr viel erschreckenderen Weise heraus als die wildesten philosophischen Spekulationen, so dass die Aufgabe eines Philosophen nicht mehr darin besteht, das hierarchische symbolische Gebäude zu unterminieren, das die Grundlage sozialer Stabilität ist, sondern – um auf Badiou zurückzukommen – der Jugend vor Augen zu führen, welche Gefahren in der wachsenden nihilistischen Ordnung liegen, die sich selbst als das Gebiet neuer Freiheiten präsentiert. Wir leben in einer außerordentlichen Zeit, in der wir unsere Identität auf keine Tradition mehr gründen können, kein Rahmen eines bedeutsamen Universums uns mehr befähigen könnte, ein Leben jenseits der hedonistischen Reproduktion zu führen. Der heutige Nihilismus – das Reich des

Die einzig radikale Alternative zu diesem Wahnsinn scheint der noch schlimmere Wahnsinn des religiösen Fundamentalismus zu sein, ein gewaltsamer Rückzug in eine künstlich wiederauferstandene Tradition. Die höchste Ironie liegt darin, dass die brutale Rückkehr zu einer orthodoxen Tradition (natürlich einer erfundenen) als das vollendete Aufstacheln erscheint – sind die jungen Selbstmordbomber nicht die radikalste Gestalt der verdorbenen Jugend? Die

Ein Zwischenfall jüngeren Datums illustriert dieses paradoxe Zusammenfallen der Gegensätze, das der Abwendung von der Treue zur Tradition hin zum transgressiven Aufstacheln zugrunde liegt. In einem Hotel in Skopje, Mazedonien, wo ich mich kürzlich aufhielt, fragte meine Partnerin, ob das Rauchen in unserem Zimmer erlaubt sei, worauf der Empfangschef eine unbezahlbare Antwort gab: »Natürlich nicht, es ist gesetzlich verboten. Aber es gibt Aschenbecher im Zimmer, es ist also kein Problem.« Der Widerspruch zwischen Verbot und Erlaubnis wurde offen hingenommen und dadurch aufgelöst, als nicht existent behandelt; die Botschaft lautete: »Es ist verboten, und jetzt sage ich Ihnen, wie sie es machen können.« Dieser Zwischenfall liefert vielleicht die beste Metapher für die ideologische Zwickmühle, in der wir uns heute befinden.

Wie sind wir an diesen Punkt gekommen? Einer der größten Beiträge der amerikanischen Kultur zum dialektischen Denken ist die Serie von eher vulgären Doktor-Witzen von der Art: »erst die gute Nachricht, dann die schlechte«, wie dieser: »Die schlechte Nachricht ist, dass Sie unheilbaren Krebs haben und in einem Monat sterben werden. Die gute Nachricht ist, dass wir auch festgestellt haben, dass Sie schwer an Alzheimer erkrankt sind, so dass Sie die schlechte Nachricht schon wieder vergessen haben werden, wenn Sie zu Hause sind.« Vielleicht sollten wir eine ähnliche Haltung zu radikaler Politik finden. Nach so vielen »schlechten Nachrichten« – in denen wir so viele Hoffnungen brutal haben zerbrechen sehen im Raum des radikalen Handelns, verstreut zwischen den beiden Extremen von Maduro in Venezuela und Tsipras in Griechenland – ist es leicht, dem Glauben zu erliegen, dass solches Handeln niemals eine Chance gehabt hat, dass es von Anfang an zum Scheitern verdammt war, dass die Hoffnung auf einen wirklichen und wirksamen Wandel zum Besseren eine reine Illusion war. Wir sollten also nicht nach alternativen »guten Nachrichten« suchen, sondern die guten Nachrichten in den schlechten wahrnehmen, indem wir unseren Standpunkt ändern

Neue Zonen emanzipatorischer Handlungen entstehen, wie die Städte, deren Bürgermeister oder Stadtparlamente progressive Agenden durchsetzen, die größeren länder- oder bundesweiten Regulierungen zuwiderlaufen. Beispiele gibt es zuhauf, von einzelnen Städten (Barcelona, Newark, selbst New York) bis zu Verbünden von Städten – kürzlich entschieden etliche lokale Regierungen in den USA, weiterhin das Engagement gegen Umweltbedrohungen auszuzeichnen, was von der Trump-Regierung abgeschafft worden war. Die entscheidende Tatsache ist hier, dass lokale Regierungen sich als sensibler gegenüber globalen Problemen erweisen als die höheren staatlichen Regierungen. Darum sollten wir das neue Phänomen nicht auf den Kampf lokaler Gemeinden gegen staatliche Regulierungen reduzieren: Lokale Regierungsbehörden sind betroffen von Problemen, die zugleich lokal und global sind, und üben aus zwei Richtungen Druck auf den Staat aus. Beispielsweise besteht die Bürgermeisterin von Barcelona darauf, die Stadt für Geflüchtete zu öffnen, während sie sich dem exzessiven Einfall durch Touristen entgegenstemmt.

Ein weiterer emanzipatorischer Schritt besteht darin, dass Frauen massenhaft mit Aussagen über männliche sexuelle Gewalt an die Öffentlichkeit gehen. Die Medienberichterstattung über diese Entwicklung sollte uns nicht von dem ablenken, was tatsächlich vor sich

Wie in allen revolutionären Umwälzungen wird es zahlreiche »Ungerechtigkeiten«, Ironien und so weiter geben. (Ich bezweifle zum Beispiel, dass die Auftritte des amerikanischen Komödianten Louis CK, so bedauerlich und anzüglich sie sein mögen, auf dieselbe Ebene mit direkter sexueller Gewalt gestellt werden können.) Aber noch einmal: Nichts davon sollte uns ablenken; wir sollten uns eher auf die Probleme konzentrieren, die vor uns liegen. Obwohl einige Länder bereits eine neue postpatriarchalische Geschlechterkultur erleben (nehmen wir Island, wo zwei Drittel der Kinder außerehelich geboren werden und Frauen mehr Posten in öffentlichen Institutionen innehaben als Männer), ist eine der dringendsten Aufgaben herauszufinden, was wir in der Umwälzung traditioneller Prozeduren des Liebeswerbens zu gewinnen und was zu verlieren haben. Es werden neue Regeln aufzustellen sein, um eine sterile Kultur der Angst und Unsicherheit zu vermeiden – außerdem müssen wir natürlich sichergehen, dass dieses Erwachen nicht zu einem weiteren Fall wird, in dem politische Legitimation auf dem Opferstatus der Subjekte gründet.

Ist das grundlegende Merkmal heutiger Subjektivität nicht die merkwürdige Kombination des freien Subjekts, das sich selbst als

Um auf den Aschenbecher zurückzukommen: Die Gefahr liegt darin, dass in der anhaltenden Bewusstwerdung die Ideologie persönlicher Freiheit sich entsprechend stillschweigend mit der Logik des Opferseins verschmelzen könnte, und Freiheit auf die Freiheit, seinen eignen Opferstatus zu artikulieren, reduziert wird. Eine radikale emanzipatorische Politisierung dieser Bewusstwerdung wird dann überflüssig und der Kampf der Frauen wird lediglich einer in einer Reihe von Protesten werden – gegen globalen Kapitalismus, ökologische Bedrohungen, Rassismus, für eine andere Demokratie und so weiter.

Wie wird der radikale soziale Wandel also vonstattengehen? Sicher nicht als triumphaler Sieg oder selbst nicht als eine Art Katastrophe,

Dasselbe gilt für psychoanalytische Behandlungen, wo die Auflösung ebenfalls als »Dieb am hellen Tag« kommt, als ein unerwartetes Nebenprodukt, nie als das Erreichen eines postulierten Ziels. Deshalb ist die psychoanalytische Praxis nur aufgrund ihrer eigenen Unmöglichkeit möglich – eine Feststellung, die viele sofort zu einem typischen Stück postmodernen Jargons erklären würden. Wies aber nicht Freud selbst in diese Richtung, als er schrieb, die idealen Bedingungen für die Psychoanalyse seien die, in denen die Psychoanalyse nicht mehr gebraucht wird? Aus diesem Grund führte Freud die psychoanalytische Praxis in seiner Liste unmöglicher Berufe auf. Wenn die psychoanalytische Behandlung begonnen hat, widersetzt sich der Patient ihr (unter anderem), indem er Übertragungen vornimmt, und die Behandlung schreitet fort durch die Analyse der Übertragung und andere Formen von Widerstand. Es kann keine direkte, »sanfte« Behandlung geben: In einer Behandlung stolpern wir unvermittelt über Hindernisse, indem wir diese Hindernisse durcharbeiten.

Und übertragen auf die Politik: Gilt nicht dasselbe auch für jede Revolution und jeden Prozess radikaler Emanzipation? Revolutionen sind nur möglich vor dem Hintergrund ihrer eigenen Unmöglichkeit: Die bestehende kapitalistische Ordnung kann sofort alle Versuche kontern, sie zu unterlaufen, und der antikapitalistische Kampf kann nur wirksam sein, wenn er mit diesen Gegenmaßnahmen umgeht,

Obwohl es so scheint, als wären wir der Manipulation der Medien hoffnungslos ausgeliefert,[6] können Wunder geschehen, und das falsche Universum der Manipulation kann plötzlich zerbröckeln und sich auflösen. Im Wahlkampf, der den Parlamentswahlen von 2017