Satya Singh
Das Yoga-Buch vom Leben und vom Sterben
Knaur e-books
Satya Singh Khalsa Wester, geboren 1949 in Haarlem in den Niederlanden, lebt in Hamburg. Er ist seit 1975 Schüler von Yogi Bhajan, seit 1977 Kundalini-Yoga-Lehrer und heute eine der Führungspersönlichkeiten des Kundalini-Yoga weltweit. Satya Singh ist Ausbilder und Koordinator der größten und ältesten Kundalini-Yoga-Ausbildung in Deutschland sowie Autor des Klassikers Das Kundalini-Yoga-Handbuch.
Der bekannte Yoga-Lehrer Satya Singh führt an eine Praxis heran, bei der man die Angst vor dem Tod verlieren wird und sein Leben unendlich bereichert. Bisher kaum bekannte Einsichten des Yoga zu Sterben, Tod und dem Leben danach werden hier erstmalig zur Sprache gebracht. Die zahlreichen Übungen und Meditationen in diesem wunderschön gestalteten Handbuch führen zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen körperlichen Endlichkeit.
Ein hilfreicher und befreiender Begleiter für das ganze Lebe!
eBook-Ausgabe 2013
Knaur eBook
© 2013 O. W. Barth Verlag
Ein Unternehmen der Droemerschen Verlagsanstalt
Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.
Innenlayout, Umschlagentwurf und Illustrationen: Ram Ravi Kaur, It's a Shilpin's Life, Riederalp, Schweiz
Künstlerische Leitung: Ram Ravi Kaur
Coverausführung: ZERO Werbeagentur, München
Coverabbildung: Nadia Wicker, Seichamps, Frankreich
Fotos: Roswitha Hecke, Hamburg
Audioumsetzung: Satnam Kaur
ISBN 978-3-426-41789-8
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Sofern nicht anders angegeben, sind die Zitate am Anfang der Kapitel Aussagen von Yogi Bhajan und stammen aus persönlichen Aufzeichnungen des Autors.
van Lommel, 2011, S. 274.
Wambach, 1978, S. 190–191.
Anantaswamy, www.ted.com
van Lommel, 2011, S. 63.
Siehe das Kapitel »17 Tage Gefahr«.
www.iands.org
Brinkley, Perry, 1994, S. xi.
Traditionelle Hindu-Geschichte.
Siehe das Kapitel »17 Tage Gefahr«.
www.iands.org
Aus einem Interview mit einem Augenzeugen auf Youtube.
Für die Klänge dieser und der folgenden Kundalini-Mantras siehe die Webseite: www.satyasingh.de/LebenundSterben
Aus: Re Man Shabad von Guru Gobind Singh (1666–1708), 10ter Lehrer der Sikhs.
Ritchie, Sherill, 2008, S. 61.
Siehe die Kapitel »Die Verwandlung der Materie«, »Die Reorganisation des Feinstofflichen« und »Das Panorama des Lebens«.
Zum Klang dieses und der folgenden Kundalini-Yoga-Mantras siehe: www.satyasingh.de/LebenundSterben
Morse, Perry, 1990, S. 32.
Coppes, 2011, S. 33.
Williamson, 1992, S. 190–191.
Nelson, 1998, S. 59.
Yogi Bhajan, 1979, S. 31.
Arthur E. Yensen, www.iands.org
Allgemeine Weisheit.
Yogi Bhajan, 1987, S. 105.
www.iands.com
Yogi Bhajan, zitiert aus persönlichen Notizen des Autors.
Allgemeine Weisheit.
Long, Perry, 2010, S. 2.
www.iands.com
Siehe das Kapitel »Die Reorganisation des Feinstofflichen«.
Allgemeine Weisheit.
Yogi Bhajan, zitiert aus persönlichen Notizen des Autors.
Satya Singh.
Frei nach Yogi Bhajan, aus persönlichen Notizen des Autors.
Allgemeine Weisheit.
Zum Klang siehe: www.satyasingh.com/LebenundSterben
Yogi Bhajan, 2008, S. 274.
Yogi Bhajan, Vortrag, 10. Sept. 2001.
Allgemeine Weisheit.
Empfohlene Musik: Jap Sahib, Ragi Sat Nam Singh. Stattdessen ist auch Chattre Chakkre Varti möglich. Zu beiden siehe: www.satyasingh.de/LebenundSterben
Empfohlene Musik: Jap Sahib, Ragi Sat Nam Singh oder Chattre Chakkre Varti, siehe: www.satyasingh.de/LebenundSterben
Gong-Musik unter: www.satyasingh.de/Lebenund Sterben
Zum Klang siehe: www.satyasingh.de/LebenundSterben
Siehe: www.satyasingh.de/LebenundSterben
Für die Sprachmelodie von RA MA DA SA SA SAE SO HONG bei der Heilmeditation siehe: www.satyasingh.de/LebenundSterben
Yogi Bhajan, 24. April 1979, Meditation Manual, Paris, o. J.
Siehe: www.satyasingh.de/LebenundSterben
Satya Singh.
Dieses Lied wird nach jeder Kundalini-Yoga-Stunde gesungen.
Die Bibel, Evangelium nach Johannes.
Gewidmet
Yogi Bhajan,
dem Meister des Kundalini-Yoga,
in Dankbarkeit für die Lehren, die er,
der sich gern als Postbote der Tradition bezeichnete,
uns überbracht hat und auf denen dieses Buch beruht.
Eines Tages sagte eine ältere Dame zu mir: »Um mich herum sterben viele Leute. Sie wissen nichts über den Tod und haben so viel Angst. Könntest du nicht etwas darüber schreiben …?«
Aufgrund ihrer Bitte ist dieses Buch entstanden, das in einer Zusammenführung der Wissenschaft des Kundalini-Yoga und der Ergebnisse der Sterbeforschung zu folgenden Schlussfolgerungen kommt:
– Der Tod ist kein Ende, sondern eine Transformation.
– Bei dieser Transformation gibt es bestimmte Gefahren.
– Auf diese Gefahren kann man sich vorbereiten.
– Wer sich vorbereitet, hat keine Angst mehr vor dem Tod.
– Wer keine Todesangst hat, lebt ein mutiges, erfülltes Leben.
»Das Leben ist eine Lüge, wenn du nicht die ewige Wahrheit findest.«[1]
In den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts begann ich mit Yoga – dem Kundalini-Yoga nach Yogi Bhajan. Es machte mein Leben wertvoll, sinnvoll und schön. In den achtziger Jahren, als ich allmählich mit dem philosophischen Hintergrund des Yoga vertraut wurde, entdeckte ich, dass auch der Tod als wertvoll, schön und sinnvoll betrachtet werden kann. Diese Vorstellung fand ich in vielen anderen, voneinander unabhängigen Quellen bestätigt, die alle auf ihre Weise Positives über den Tod berichteten: die zahlreichen Zeugnisse über Nahtoderlebnisse, spiritistische Interviews mit Verstorbenen, buddhistische Schriften, ein Buch des bekannten niederländischen Schriftstellers Godfried Bomans, das er nach seinem Tod einem Medium diktierte, und Carlos Castanedas Aussage: »Der Tod sitzt als Berater auf deiner linken Schulter.«
In den neunziger Jahren, als ich dachte, dieses Thema einigermaßen gemeistert zu haben, begann ich in der Yogalehrer-Ausbildung den »Yoga-Weg durch den Tod« zu unterrichten. Dabei begibt sich der Übende auf eine Traumreise, auf der er die verschiedenen Phasen des Todes durchläuft: zuerst die energetischen und mentalen Verwandlungsprozesse; dann die Reise durch den Tunnel, der den Sterbenden aus dem Magnetfeld der Erde herausbringt; danach folgt der Aufenthalt in den verschiedenen Ebenen der Äther bis zur letztendlichen Entscheidung für oder gegen eine Wiedergeburt. Ich mochte und mag den »Thrill«, den dieses Thema weckt. Wir alle wissen, dass wir sterben werden, aber keiner weiß wann und niemand weiß wie. Das weckt den Geist auf und macht ihn lebendiger – der Tod ist unser großer Lehrer für das Leben.
Im Jahr 2003 verschwand plötzlich diese Gewissheit, den Tod verstanden zu haben. Mit einem Gefühl der Dringlichkeit wurde mir bewusst, dass ich den Tod noch gar nicht nah an mich hatte herankommen lassen. Ich hatte zwar im Fenster eines Sargs den verkrümmten Körper meiner Großmutter gesehen, aber ich hatte noch nie einen Toten berührt, ihn getragen, sein Gewicht gespürt. Wie würde es mir bei einer größeren Nähe zum Tod gehen? Ein Freund in Freiburg hatte damals gerade ein alternatives Bestattungsinstitut eröffnet und lud mich ein, bei ihm ein Praktikum zu machen. Bis er genügend Kundschaft hatte, musste ich noch eine Weile warten. Doch dann begann ich mit dem Praktikum und kann nun berichten: Ich habe einen Toten rasiert, ihm die Fingernägel geschnitten, seine verkrampften Muskeln gedehnt, damit er in einer natürlich aussehenden Haltung liegen konnte, und dem steifen Körper seinen besten Anzug angezogen. Und ja, es zeigte sich, dass es möglich ist, den Tod zu ertragen, vielleicht sogar zu mögen, wenn ich ihm mit großem Respekt begegne.
Dann:
Im März 2004 starb meine Mutter auf der Intensivstation im Koma.
Im Juli 2004 starb eine enge Kollegin, und ich leitete auf einem Friedhof in Hamburg meine erste Trauerfeier.
Im Oktober 2004 starb mein Lehrer Yogi Bhajan, und ich stand in der Wüste New Mexicos, während ein blauer Helikopter seine Asche über die Berge um uns herum verstreute.
Im November 2004 starb mein Vater.
Und damit beginnt dieses Buch.
Hamburg, Deutschland/Chettuva, Indien
Satya Singh
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»Um leben zu können, musst du wissen, wie man stirbt.«
Der Schlaganfall kam plötzlich und reduzierte die Beweglichkeit und die Ausdrucksmöglichkeiten meines Vaters stark. Nach ein paar Wochen im Krankenhaus kam er in ein gutes Pflegeheim, wo er aber nicht sehr glücklich war. Er vermisste sein Haus, seinen bisherigen Lebensstil, und noch mehr vermisste er meine Mutter, die gestorben war, nachdem seine Krise gerade begonnen hatte. Eine kurze Erholungsphase brachte ihn zwar aus dem Bett in den Rollstuhl – danach schritt seine Genesung aber nicht mehr weiter voran.
Bald begann sein Interesse am Leben vor dem Fernseher im Gemeinschaftsraum immer mehr nachzulassen. Es dauerte nur ein paar Monate bis zu dem Moment, an dem der Arzt sagte, dass mein Vater bald sterben würde.
Ich wollte versuchen ihm zu helfen, sich auf den Tod vorzubereiten, und dachte, dass es wohl am besten wäre, wenn ich mich dabei möglichst nach seiner eigenen, protestantischen Tradition ausrichtete. Stundenlang las ich ihm aus der Bibel vor, aus dem Buch der Psalmen, welches mir selbst noch am meisten gefiel. Heute meine ich, ich las damals manchmal vielleicht sogar länger vor, als ihm lieb war. Obwohl viel Gutes in den Texten stand, konnte ich in der Bibel kaum Hinweise finden, wie er sinnvoll mit seinem Sterbeprozess umgehen sollte. Und wie meine Schwester mir erzählte, schien auch der Besuch des Pfarrers eher ein nettes Gespräch über die Ereignisse in der Gemeinde gewesen zu sein als eine Vorbereitung auf den Tod.
Bei meinem nächsten Besuch konnte mein Vater durch seine halbseitige Lähmung kaum noch sprechen. Auf Nachfrage deutete er aber an, Angst vor dem Sterben zu haben. Da traf ich die Entscheidung, ihm anzubieten, ihm nach meiner eigenen Tradition zu helfen, sich vorzubereiten. Und obwohl er bis dahin nicht viel von meiner Lebensphilosophie hatte wissen wollen, war er jetzt mehr als bereit, sich die Beschreibung der großen Transformation anzuhören.
Empfohlene Übung 1
Einschlafen und die Kunst des Sterbens
»Der Tod führt uns zur Wiedergeburt, Mitgefühl bringt uns zurück ins Leben.«
Ungefähr zwanzig war ich, als mir der religiöse Glaube meiner Kindheit endgültig abhandenkam und damit auch die Vorstellung von Himmel und Hölle. So blieb meinen Freunden und mir in den oft nächtelangen Gesprächen, in denen wir versuchten, Gott und die Welt zu verstehen, nicht viel anderes übrig, als uns den Tod als das plötzliche Ausknipsen oder langsame Herunterdimmen einer Lampe vorzustellen. Und dann Dunkelheit … nichts … nichts mehr …
Das betrübte uns wenig, kamen wir uns in dem Alter doch als praktisch unsterblich vor. Und es machte uns etwas zynisch. Siebzig, achtzig Jahre Anstrengung und dann … nichts?
Jetzt bin ich über sechzig und die Vorstellung, ausgeknipst zu werden, macht mir keine Angst mehr. Ich habe gut gelebt, ich habe getan, wofür ich kam, und wenn es so radikal zu Ende gehen würde, wäre das auch in Ordnung.
So betrachtet war die Angst vor dem ewigen Nichts eine gute Übung, um meine Wichtigkeit und Einzigartigkeit zu relativieren. Mehr als eine Übung war es jedoch nicht. Die Idee hat keinen Wahrheitsgehalt, beruht sie doch nur auf der Spekulation von Menschen wie mir damals, die keine Erfahrung mit dem Thema haben.
Meine heutige Sicht des Todes ist eine ganz andere. Sie gründet sich auf verschiedene Quellen, die mir im Laufe der Zeit zugänglich wurden: Ergebnisse der Sterbeforschung, die Wissenschaft des Kundalini-Yoga und Geschichten von Menschen, die durch tiefe Meditation, durch Nahtoderlebnisse oder durch Erinnerungen an frühere Leben den Tod bereits selbst einmal erlebt haben. Ich verstehe jetzt, dass die Lampe nur ausgeknipst wird, weil gerade die Sonne aufkommt – sofort nach dem Tod folgt ein wunderschöner Prozess der Verwandlung und möglichen Wiedergeburt.
Empfohlene Übungsreihe 2
Die Kraft, das Leben aktiv zu gestalten und den Tod selbst zu bestimmen
»Du bist sowohl unsichtbar als auch sichtbar. 90% von dir sind unsichtbar, 10% sind sichtbar.«
»Es gibt fünf Lehrer für den Menschen. Als Erstes lernst du von Mutter Erde. Sie lehrt dich die Lektion des Verzeihens, so wie sie dir Nahrung und Mineralien gibt, die du zum Überleben brauchst – obwohl du sie nicht gut behandelst. Danach zeigt dir der Wind durch seine Beweglichkeit die Freiheit, so dass du im Leben viele Erfahrungen machen kannst und viele Leute erreichst. Der Himmel zeigt dir die Subtilität deines höchsten Selbst, so wie er sich unberührt über alles spannt. Der nächste Lehrer ist das Wasser, das dich reinigt, deinen Durst löscht und dir dadurch die Fähigkeit des Mitgefühls mit anderen zeigt. Das Feuer ist dein fünfter Lehrer, hell und warm. Bei seinem Licht lernst du, die Wahrheit zu erkennen.«
Yogi Bhajan
Um den Tod als Transformation zu einer anderen Art des Daseins und die darauffolgende Wiedergeburt als einen Weg zurück zur irdischen Ebene zu verstehen, brauchst du nicht unbedingt deine wissenschaftliche Sicht der Dinge aufzugeben. Die Wissenschaft weiß zwar noch sehr wenig über das Thema Tod und Wiedergeburt, aber sie nähert sich ihm allmählich, wenn auch eher widerstrebend an. Einige Beispiele:
Der Kardiologe Pim van Lommel hat bewiesen, dass der Geist während eines Nahtoderlebnisses äußerst aktiv ist, obwohl das Gehirn gleichzeitig ganz offensichtlich tot ist.[2]
Die Psychologin Helen Wambach untersuchte 10.000 Beschreibungen von Rückführungen in frühere Leben auf sekundäre Informationen – welche Schuhe trugen die Menschen damals, wie sah das Geld damals aus, wie war die Staatsform, war der- oder diejenige ein Mann oder eine Frau, in welchem Land befand er oder sie sich – und zeigte die signifikante Übereinstimmung dieser Information mit historischen Daten.[3]
Der Wissenschaftsjournalist Anil Ananthaswamy erwähnt in einer Internet-Vorlesung, dass nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nur 4% der Materie des Universums normal wahrnehmbar sind, 23% sind nicht wahrnehmbare Materie (sogenannte Dunkle Materie) und 73% nicht wahrnehmbare Energie (sogenannte Dunkle Energie). Und er erzählt über mutige Wissenschaftler, die in tiefsten sibirischen Minen unter extremen Umständen versuchen, mit Partikeln dieser Energie, die sie berechnen, aber nicht wahrnehmen können, zu experimentieren.[4]
Wo die Wissenschaft so wenig weiß, kann das Wissen des Yoga einen Beitrag liefern. Wenn 96% des Universums anscheinend für die Wissenschaft von heute nicht wahrnehmbar sind, dann ist es vielleicht kein Zufall, wenn in der Yoga-Philosophie gesagt wird, dass wir aus 90% unsichtbarer und aus 10% sichtbarer Materie bestehen. Wir nennen diese 90% die feinstoffliche Materie oder das Äther-Element.
Und du brauchst nicht nach Sibirien zu reisen, um dieser Äther-Materie zu begegnen. Wenn du stirbst, verlässt du komplett den Bereich der normalen Materie, die wir als »grobstofflich« bezeichnen, und kommst in den Bereich der bis dahin für dich unsichtbaren Materie. Wenn du geboren wirst, verlässt du in umgekehrter Richtung den feinstofflichen Bereich und kommst wieder in den Bereich der »normalen« Materie.
Die Verwandlung, die du beim Sterben erlebst, ist zwar anstrengend und kann auch furchteinflößend sein, wenn du nicht weißt, was passiert. Du brauchst dir aber keine Sorgen zu machen, dass du für immer verschwindest. Während du die Beherrschung über die grobstoffliche Materie verlierst, aus der dein Körper besteht, erhältst du gleichzeitig die Kontrolle über deinen feinstofflichen Körper und deine feinstofflichen Sinnesorgane, die du, obwohl sie schon immer da waren, bisher nicht wahrnehmen konntest.
Um diesen Prozess besser zu verstehen, wird im Yoga die Materie – und so auch der Körper – in fünf Elemente eingeteilt, und jedes dieser Elemente wird einem Sinnesorgan zugeordnet:
Erde, das Feste – der Tastsinn
Wasser, das Flüssige – der Geschmackssinn
Feuer, Wärme und Licht – der Gesichtssinn
Luft, das Gasförmige – der Geruchssinn
Das fünfte Element, das die anderen vier Elemente in feinstofflicher Form in sich trägt, ist
Äther: das Feinstoffliche – der Gehörsinn.
Die Verwandlung von grobstofflicher in feinstoffliche Materie ist der erste Schritt im Prozess des Sterbens und des Wiedergeboren-Werdens. Sie läuft ungefähr wie folgt ab:
Am Anfang löst du dich vom Erd-Element:
Deine Füße und Beine werden schwerer und schwerer, bis du sie nicht mehr bewegen kannst. Ein lähmendes Gewicht drückt Becken, Bauch und Brust herunter. Bald kannst du Arme und Hände nicht mehr rühren. Schließlich verlieren auch dein Kopf, Hals und Gesicht ihre Beweglichkeit.
Der feinstoffliche Tastsinn übernimmt.
Dann verlässt dich das Wasser-Element:
Deine Haut wird trocken wie Sand. Du hörst auf zu schwitzen. Dein Mund ist so ausgetrocknet, dass die Zunge am Gaumen festklebt. Der Atem schnarrt mühsam durch ausgedörrte Bronchien. Deine Augen werden so trocken, dass du sie nicht mehr öffnen und schließen kannst.
Der feinstoffliche Geschmackssinn übernimmt.
Danach erlischt das Feuer-Element:
Kälte kriecht deine Beine hoch und breitet sich über deinen Rumpf und die Arme aus. Schließlich erreicht sie deinen Kopf, der eisig kalt wird.
Der feinstoffliche Gesichtssinn übernimmt.
Schließlich geht auch das Luft-Element:
Noch ein letzter, rasselnder Atemzug, und du atmest nicht mehr aus. Dein Herz hört auf zu schlagen. Die Gehirnfunktionen setzen aus.
Der feinstoffliche Geruchssinn übernimmt.
Nach der Wissenschaft der westlichen Medizin bist du jetzt gestorben. Und tatsächlich haben sich die Bande zu deinem grobstofflichen Körper gelöst, und deine »normalen« Sinnesorgane funktionieren nicht mehr.
Nach der Wissenschaft des Yoga hat deine Transformation gerade erst angefangen. Du befindest dich jetzt in deinem Subtil-Körper, der deinem alten, grobstofflichen Körper sehr ähnlich sieht, aber aus dem Äther-Element besteht. Dieser feinstoffliche Körper war immer schon um dich herum, synchron mit dem grobstofflichen Körper, aber er ist durch die Verwandlung desselben jetzt spürbar geworden.
Empfohlene Meditation 3
Die fünf Elemente des Körpers ausgleichen
»Du hast zehn Körper, nicht nur den physischen, den du sehen kannst.«