Verboten gut! Schokolade

Désirée Nick

Verboten gut!
Schokolade

Knaur e-books

Inhaltsübersicht

Über Désirée Nick

Désirée Nick, bekannt, beliebt und gefürchtet für ihre stets offene und direkte Art, gehört zu den beliebtesten Schauspielerinnen und Autorinnen Deutschlands. Doch damit nicht genug, als Tänzerin, Sängerin, Kabarettistin und nicht zuletzt Teilnehmerin diverser Reality-TV-Formate ist sie eine feste Größe im deutschen Entertainment-Geschäft.

Impressum

© Knaur Verlag

Ein Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise –
nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Redaktion: Anna Süs, Carolin Schreiber

Covergestaltung: Isabella Materne

Coverabbildung: Frank Zauritz

ISBN 978-3-426-46282-9

Hinweise des Verlags

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Endnoten

Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-parlament-verbietet-schoko-zigarette-in-tabakrichtlinie-a-926781.html

Der sündigste Mann im Leben einer Frau

Kurz nach den Sommerferien steht er wieder da: Liebäugelnd platziert, erwartet er uns in Reih und Glied, frisch in die Regale der Supermärkte einsortiert, und wir finden den Kerl zum »Anbeißen«: den Weihnachtsmann aus Schokolade!

 

Wir hatten noch gar nicht mit ihm gerechnet, da wir doch im Juni gerade mal mit dem Unterboden des 250-Gramm-Osterhasen, der in der Backschublade zwecks Resteverwertung aufbewahrt wurde, fertig waren. Nur um die Pfoten war am Ende noch etwas Stanniol gewickelt. Der Rest wurde in kleine, mundgerechte Schokobröckchen zerkrümelt in der Hoffnung, die Last der Schuldgefühle, die mit diesem Genuss einhergingen, würde proportional zu den Schokotrümmern stehen. Und Hasenkenner wissen: Das Geheimnis eines jeden Schokoladensockels besteht darin, dass er als Auffangbecken für die Krümelage der gesamten Figur dient und man dort – gleich einer Goldmine – auf ungeahnte Fundstücke und bizarre Formationen stößt. Um sich an den letzten Falten und Furchen eines Schokoladenfundamentes zu laben, kann eine Zunge nicht spitz genug sein …

 

Natürlich animiert eine saisonale Figur aus Schokolade völlig andere sinnliche Genüsse, als es dieselbe Menge Hüftgold in Form einer platt gewalzten, pragmatischen Tafel täte. Die wir uns quasi das ganze Jahr über ständig verkneifen – weil mal eben in fünf Minuten 558 Kalorien zu verputzen auf unserer individuellen Skala der Todsünden ganz oben steht. Solche Orgien von handlichen 100 Gramm muss man sich schließlich redlich verdienen! ’ne Tafel Schoko, ja, das gab es einst, wenn man auf dem Treppchen mit goldener Schärpe beim Eislauf gelandet war, wirklich nichts als Einser auf dem Schulzeugnis stehen hatte oder in einem heimtückischen Komplott gegen die Eltern die Omma zum Kauf der Lieblingssorte bestochen hatte.

 

Es ist nun einmal streng verboten! Und genau deshalb lässt es uns nie wieder los: Ist es doch allein das Schuldgefühl, das Weihnachtsmänner so delikat macht! In späteren Jahren kann man an ihnen außerdem ganz herrlich seinen Männerfrust austoben: Welcher Mann lässt sich sonst so schamlos demolieren? Ja, es ist die Sündhaftigkeit, die das Vernaschen eines 250-Gramm-Mannes so unwiderstehlich macht. Denn einladend sind nur die Großen! Mit denen setzt man sich emotional anders auseinander als mit den mickrigen Exemplaren, die bloß die Lücken auf dem bunten Teller füllen.

 

Was so winzig ist, dass es sich nicht einmal verstümmeln lässt, bringt unseren unterbewussten Killerinstinkt einfach nicht zum Schwingen. Die schmalen Billigdinger sind ja viel zu flach, um mit dem Spiel der Zunge die Dreidimensionalität sündiger Schokoladenmänner auszukosten. Denn genau das ist es doch, was Schokofiguren zum Guilty Pleasure macht: Sei es Osterhase oder Weihnachtsmann, vom Scheitel bis zur Sohle begibt sich die Zunge auf eine abenteuerliche Reise.

 

Allein schon das knisternde Entkleiden der Silberfolie will strategisch geplant sein. Beginnt man vorsichtig oben an den Schlappohren bzw. der Zipfelmütze, um möglichst noch die Form zu wahren, oder beißt man gleich in Blume oder Po?

Okay, ich gebe zu, ich bin Kennerin und verrate, wie man das meiste aus der stattlichen Proportion eines ordentlichen deutschen Weihnachtsmannes mit Glocke herausholt:

 

Es kommt ganz klar auf die Größe an! Wer mich wirklich überraschen will, liefert gleich das 1000-Gramm-Format für 30 Euro – ein Investment, das in etwa einem passablen Blumenstrauß entspricht. Nur ganz abgebrühte Foodporn-Junkies setzen sich mit so was Vulgärem wie dem 3800-Gramm-Exemplar und seiner 65-Zentimeter-Länge auseinander. Das wäre mir echt zu ordinär: Allein dieser Sack wiegt schon ein Pfund! Ein solcher Exzess käme einem Unfall gleich und endete womöglich in der Notaufnahme mit der Diagnose »Zuckerschock«.

 

Obendrein gewöhnt man sich am Ende noch an den Kerl. Das Ding zieht ja quasi in den Haushalt ein. Starrt einen an, drängt sich in den Mittelpunkt, nimmt eine zentrale Position ein, wird ständig thematisiert, erinnert an verbotene Leidenschaften, wird Zeuge intimster Vorgänge wie dem Fußnägelschneiden auf der Couch, ist bei langen Abenden bei Kerzenschein und Serienmarathon zugegen, wohnt irgendwann mietfrei in unserem Kopf. Der lebt mit uns! Hiiiilfe … Die ganz teuren Dinger sind ja so konstruiert, dass sie einen permanent mit den Augen verfolgen, einen geradewegs anstarren wie der Mann mit dem Goldhelm!

 

Ja, so unfassbar es klingt, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen, naht irgendwann das bittere Ende: Der Schokoweihnachtsmann beherrscht uns! Er besiegt unsere Triebhaftigkeit. Wir werden uns ihm unterwerfen und wieder mal die Schwächeren sein. Das ist der Moment, an dem wir kapieren, dass in dem Schweinehund ganze 30 Tafeln Schokolade stecken, also quasi die kontrollierte Dosis eines ganzen Jahres.

 

Gut, die mentale Leistung, dies im Schokoladenrausch noch zu ermitteln, deutet auf ein Minimum an Restverstand hin und liegt intellektuell knapp über den Kunststückchen eines zirzensisch dressierten Schimpansen.

 

Mit dem nächsten Happen, den wir uns auf der Zunge zergehen lassen, setzt allerdings der völlige Zusammenbruch ein: Das ist just die Sekunde, in der Bauch über Hirn siegt. Der Moment der absoluten Unterwerfung! Schon lange pappsatt, ja, quasi randvoll abgefüllt, haben wir eigentlich längst genug von der Sache – sprich, es wurden umgerechnet schon ganze acht Tafeln verputzt. Doch nun erfolgt die endgültige Kapitulation, da sich ein in der tiefsten Kammer unserer Seele verborgenes Monster zu Wort meldet, das uns verstohlen zuflüstert: »Jetzt bist du so weit gekommen, jetzt friss das ganze Ding auf, damit es um Gottes willen endlich weg ist!«

 

Und so verleiben wir uns mal eben noch zwei weitere abenteuerlich geformte Tafeln ein, nur damit wir alles sauber hinterlassen und der Schoko-Gangbang endlich sein Ende hat! Wir wollen ja nicht, dass uns noch mehr Weihnachtsmänner, brutal eingeschmolzen und zu Osterhasen umgeformt, im nächsten Jahr wieder stalken!

Schokolade in all ihren Facetten

Ja, Schokolade ist eindeutig eine meiner großen Leidenschaften. Wie klassisches Ballett, Theater, Oper, Operette, Musical, Antiquitäten, Jazz, Gartenkultur, Haute Couture, Trash-TV und alte Gemäuer, auch Schlösser und Burgen genannt. Klar, auch ein guter Wein und ein saftig paniertes Brathendl mit lauwarmem Kartoffelsalat aktivieren in mir Purzelbäume sämtlicher Glückshormone.

 

Aber die Schokolade ist, im Gegensatz zu den übrigen Leidenschaften, mein Mantra. Oder mein Nirwana. Je verbotener, desto besser. Es gibt nichts, was ich NICHT verspeisen würde, wenn es nur einen Hauch dieser dunklen, bittersüßen Delikatesse enthält.

 

Und ich rede hier nicht von ein paar golden verpackten Pralinen, die fein arrangiert auf einem Silberteller zum Abschluss eines edlen Menüs zum Kaffee gereicht werden. Ich rede hier von den richtigen Sauereien. Und die gehen – wie fast alles, was uns nicht loslässt – auf unsere Kindheit zurück.

 

Es gibt nämlich noch viel Abgründigeres als den Schokoweihnachtsmann. Die Einstiegsdroge per se ist nämlich Schokolade in ihrer verführerischsten Konsistenz: flüssig! Welcher Satan hat das bitte schön über uns gebracht?

In der Retrospektive stellt Nutella so etwas wie einen Angriff der Kulinarik auf die Drogenkartelle dar: ein Match, bei dem sich zwei Giganten gegenüberstehen und in gewisser Weise mit denselben Mitteln kämpfen.