Nikolaus Graf von Luckner – eine Revolutionskarriere
Varian Fry – Retter der Verfolgten
Die Ankunft der Pieds noirs
Der „kleine Gelbe“
Marseille im Film
Freiheit für die Beine!
Zizou aus La Castellane
Rap aus Marseille
Kartenverzeichnis
Tour 1: Nördlich des Vieux-Port
Tour 2: Panier und La Joliette
Tour 3: Südlich des Vieux-Port
Tour 4: Links und rechts der Canebière
Tour 5: La Corniche
Ausflüge Übersicht
Wanderung 1
Wanderung 2
Cassis
La Ciotat
Aix-en-Provence
Übernachten in Marseille
Zeichenerklärung
Übersicht Marseille
Verkehrsplan
Tourenverzeichnis
Tour 1: Nördlich des Vieux Port
Tour 2: Panier und La Joliette
Tour 3: Südlich des Vieux Port
Tour 4: Links und rechts der Canebière
Tour 5: La Corniche
Tour 6: Von der Calanque de Sormiou zur Calanque de Morgiou
Tour 7: Von Cassis zur Calanque d’En Vau
Unterwegs mit Ralf Nestmeyer
Marseille faszinierte mich schon bei meinem allerersten Besuch. Schnell merkte ich, dass sich der aus vielen Vorurteilen und Klischees speisende Ruf von Marseille einer kritischen Bestandsaufnahme nicht standhielt. Vor über 20 Jahren kam ich dann nach Marseille, um zwischen Vieux Port und Notre-Dame de la Garde für meinen Reiseführer zur Provence und Côte d’Azur zu recherchieren. Seither folgten weit mehr als zehn Aufenthalte in der Mittelmeermetropole, und jedes Mal habe ich neue Entdeckungen gemacht - sei es eine tolle Kneipe im Szene-Viertel Cours Julien oder eine Wanderung zu den Calanques.
Jahrgang 1964, ist Historiker und Reisejournalist. Er ist Autor von mehreren Reiseführern und Bildbänden; zudem hat er im Insel Verlag ein Buch über „Französische Dichter und ihre Häuser“ sowie ein Sachbuch „Alles Mythos! 16 Populäre Irrtümer über Frankreich“ (Theiss Verlag) und zwei Krimis geschrieben („Roter Lavendel“, „Die Toten vom Mont Ventoux“, Emons Verlag), die in der Provence spielen. Im Michael Müller Verlag sind von ihm Reiseführer über London, Cornwall, Südengland, Paris, Normandie, Languedoc-Roussillon, Provence, Haute-Provence, Côte d’Azur, Nürnberg sowie über Franken erschienen.
Nähere Infos unter www.nestmeyer.de.
Beeindruckt hat mich aber vor allem der Wandel, der mit der Wahl zur Europäischen Kulturhauptstadt im Jahr 2013 einherging. Durch Neubauten wie dem des Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée und die Umgestaltung des Vieux Port wurde dieser Wandel architektonisch verankert, doch er reicht tiefer und hat auch die Mentalität der Stadt positiv verändert.
Meine Euphorie war so groß, dass ich Marseille unbedingt einen eigenen Reiseführer widmen wollte. Die Recherche waren wunderbare Wochen, in denen ich in den Kosmos einer der lebendigsten Mittelmeerstädte eintauchen konnte. Und ich hoffe, dass sich die Leser dieses Reiseführers von meiner Begeisterung mitreißen lassen.
Bon voyage!
In eigener Sache
Während der Arbeit an dieser Auflage waren die Auswirkungen der Corona-Krise auf Restaurants, Hotels, Museen etc. noch nicht abzusehen. Deswegen können nicht alle Informationen in diesem Buch auf dem aktuellen Stand sein. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und bitten Sie, gelegentlich einen Blick auf unsere Internetseiten zu werfen, wo wir Sie über Ihr Reisegebiet auf dem Laufenden halten. Wenn Sie mögen, können Sie diesen Service mit eigenen Erfahrungen vor Ort unterstützen. Schreiben Sie uns unter info@michael-mueller-verlag.de, Stichwort „Reisebuch-Updates“. Wir sind dankbar für jeden aktuellen Hinweis.
Orientiert in Marseille
Stadt und Stadtviertel
Trotz der enormen Ausdehnung fällt es erstaunlich leicht, sich in der Millionenmetropole Marseille zu orientieren: Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen im Zentrum und sind bequem zu Fuß zu erreichen. Einzig der Aufstieg zur Basilika Notre-Dame de la Garde ist etwas beschwerlich.
111 Dörfer
In Marseille gibt es 111 Villages, behaupten die Einheimischen. Gemeint sind damit die 111 Stadtviertel (Quartiers), die verwaltungstechnisch in 16. Arrondissements zusammengefasst sind.
Stadt der Gegensätze
Marseille ist mit 868.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Frankreichs, wobei im Großraum von Marseille mehr als doppelt so viele Menschen leben. Keine Frage: Der größte europäische Mittelmeerhafen ist ein gigantischer Moloch, der sich mit seinen Banlieues weit in das hügelige Hinterland hineingefressen hat. Aber davon bekommen die meisten Besucher eigentlich gar nichts mit, da sich der touristische Fokus auf das Zentrum und die Mittelmeerküste konzentriert. Kaum eine andere französische Stadt verkörpert auf so engem Raum so viele Gegensätze wie Marseille. Im klassischen Sinne ist Marseille sicherlich keine schöne Stadt, aber gerade die vielen Gegensätze machen den Reiz der Mittelmeermetropole aus. Marseille präsentiert sich ungeschminkt, filterlos, authentisch.
Das Herz der Stadt schlägt am Vieux Port
Der zentrale „Platz“ von Marseille ist der Vieux Port, da auf ihn auch alle wichtigen Straßen zulaufen. Daher ist das Hafenbecken ein idealer Ausgangspunkt für die Stadterkundung. Schon Siegfried Kracauer wusste: „Marseille, ein blendendes Amphitheater, baut sich um das Rechteck des Alten Hafens auf.“ Eingerahmt von zwei mächtigen Forts ist der Vieux Port der historische Kern und der touristische Magnet von Marseille. Hier endet auch die alte Prachtstraße Canebière, die von stattlichen Bürgerhäusern gesäumt wird. Die langen Quais des Alten Hafens, die in den letzten Jahren wiederbelebt und architektonisch aufgepeppt wurden, laden regelrecht zum Bummeln ein. Nur ein Katzensprung ist es von hier hinauf zum verträumten Panier-Viertel, das sich an der Nordseite des Hafens über einen Hügel stülpt. Das an der Westspitze des Alten Hafens gelegene MuCEM fungiert seit Jahren als kultureller Leuchtturm und signalisiert Aufbruchstimmung. Noch ein Stück weiter in Richtung Norden passiert man die historischen Dockanlagen und gelangt zum modernen Hafen, den auch die Kreuzfahrtschiffe ansteuern.
Südlich des Vieux Port
Die Gegend südlich des Alten Hafens ist ein beliebter Treffpunkt. Mittags wie abends sind die vielen Restaurants am Cours Estienne d’Orves sowie in der Rue Grignan und in der Rue Sainte gut besucht. Dort findet man auch immer eine Bar oder eine Kneipe, die noch bis tief in die Nacht geöffnet hat. Shoppingfreunde werden vor allem in den Straßen südöstlich des Hafens fündig. Dort gibt es neben edlen Boutiquen auch die bekannten Einkaufsketten, die sich vor allem entlang der Fußgängerzone in der Rue Saint-Ferréol aneinanderreihen. Auf einem Hügel südlich des Vieux Port thront dann die nicht zu übersehende Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde.
Entlang der Canebière
Der heute von einfachen Kaufhäusern geprägte Canebière ist eine wichtige Achse, die vom Vieux Port theoretisch ins Landesinnere führt. Früher war die Canebière eine Hauptverkehrsstraße, heute ist der Autoverkehr zu Gunsten einer Straßenbahnlinie verdrängt worden, mit der man bequem zum Palais Longchamp gelangt. Die Pläne für den Palast stammen von demselben Architekten, der auch die Basilika Notre-Dame de la Garde geplant hat. Ein Stück südlich der Canèbiere erstreckt sich der Cours Julien, der als das Zentrum des hippen Marseille gilt. Graffitiwände, Szenekneipen und schrille Boutiquen prägen das Bild und die Gassen des Viertels. Ideal auch, um unkompliziert in das Nachtleben einzutauchen.
Meereshunger
Große Parkanlagen hat Marseille zwar nicht zu bieten, sieht man vom Parc Borély ab, dafür liegt aber mit dem Parc National des Calanques ein Nationalpark gewissermaßen direkt vor der Haustür. Egal, ob mit dem Schiff oder auf Schusters Rappen: Eine Erkundung der Calanques sollte man keinesfalls versäumen. Es locken eine einzigartige Küstenlandschaft, felsige Buchten sowie glasklares Wasser, das noch bis Ende Oktober angenehme Temperaturen aufweist. Das Ziel eines weiteren lohnenswerten Bootsausflug sind die in der Bucht von Marseille gelegenen Îles du Frioul, zu denen auch das berühmte Château d’If gehört. Und auch ein Spaziergang entlang der Küstenstraße (Corniche) gehört zum Pflichtprogramm für Meereshungrige.
Sightseeing-Klassiker
Vieux-Port, MuCEM und Notre-Dame de la Garde - das sind die Klassiker von Marseille. Je nach persönlichen Vorlieben kann man die Mittelmeermetropole von Highlight zu Highlight erkunden. Selbstverständlich gilt: Man muss sich nicht für jeden touristischen Hotspot interessieren.
Die größte Sehenswürdigkeit von Marseille kostet keinen Eintritt: Die Faszination des Vieux Port mit seinen Schiffen und Hafenkais ist ungebrochen.
Im Museumsrausch
♦ MuCEM: Als kultureller Leuchtturm dient der auf einer Hafenmole errichtete Neubau des Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée (MuCEM). Der Architekt Rudy Ricciotti hat das Museum der Mittelmeerzivilisation mit einer löchrigen Betonfassade umkleidet und mit einer luftigen Metallbrücke eine Verbindung zu den alten Hafenbastionen samt Panoramaterrasse hergestellt. Im Inneren begeistert das erste französische Nationalmuseum, das nicht in Paris beheimatet ist, durch seine luiziden Raumfolgen. → Tour 1
♦ Musée Cantini: Ein ganzer Stadtpalast für die moderne Kunst. Das Spektrum reicht vom Fauvismus über den Surrealismus bis zum Kubismus. Zur Sammlung gehören Werke von Derain, Picasso, Matisse, Arp, Balthus, Giacometti und Francis Bacon. → Tour 3
♦ Musée d’Histoire de Marseille: Marseille ist die älteste Stadt Frankreichs. Einen überaus ansprechenden Einblick in die mehr als 2600-jährige Stadtgeschichte gewährt das historische Stadtmuseum. Von den griechischen Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg wird ein breites Geschichtspanorama ausgebreitet. Der Schwerpunkt liegt auf der Antike (spektakulär ist das 20 m lange Wrack eines römischen Handelsschiffes), aber auch Themen wie die verheerende Pestepidemie von 1720 sowie die lange Handelstradition der Hafenstadt werden dargestellt. → Tour 4
Bauwerke
♦ Vieille Charité: Das mitten im bunten Panier-Viertel 1670 errichtete Armenspital ist ein wuchtiger vierflügeliger Bau, der fast an ein Barockschloss erinnert. Eindrucksvoll sind die dreistöckigen Galerien, die den Innenhof umrahmen, in dessen Mitte eine filigrane Kapelle steht. Fast abgerissen und erst spät unter Denkmalschutz gestellt, werden die Räumlichkeiten heute von zwei interessanten Museen genutzt. → Tour 2
♦ Cité Radieuse: Wie kein anderes Gebäude verkörpert die 1951 entworfene Cité Radieuse Corbusiers architektonische Vorstellungen vom Leben in einer modernen Stadt. Die auf Stelzen errichtete Cité Radieuse - sie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe - ist 165 m lang, 24 m breit und 56 m hoch! Das an einen Ozeandampfer erinnernde Gebäude ist für 1500 Bewohner konzipiert und beherbergt 337 unterschiedlich große Wohnungen sowie eine Ladenpassage mit Hotel. Genial ist die frei zugängliche Dachterrasse mit Wasserbassin. → Abseits des Zentrums
♦ Notre-Dame de la Garde: Auch wenn der Aufstieg beschwerlich ist: Marseille ohne Notre-Dame de la Garde - das geht nicht. Allerdings weniger wegen der Wallfahrtskapelle selbst, sondern viel mehr wegen des grandiosen Panoramablicks von der Aussichtsterrasse. In der Krypta sind zahlreiche Votivgaben zu bewundern. → Tour 3
Ausflugsziele
♦ Château d’If: Dank des 1845 erstmals erschienenen Romans „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas gehört das Château d’If zum Pflichtprogramm eines Marseilleurlaubs, auch wenn das Buch ein reines Fantasieprodukt ist. Ein Edmond Dantès bzw. ein Graf von Monte Christo war niemals in den Verliesen des Château d'If inhaftiert, wenngleich das berühmte „Ausbruchsloch“ noch immer „seine“ Zelle ziert. Zudem kann man bei einer Bootsfahrt herrlich die Meeresluft schnuppern.→ Abseits des Zentrums
♦ Aix-en-Provence: Aix-en-Provence gilt als die provenzalische Traumstadt. Prächtige Boulevards wie der Cours Mirabeau, herrschaftliche Stadtpaläste und ein lockeres studentisches Flair haben dazu beigetragen, dass Aix wiederholt von den Franzosen zur beliebtesten Stadt des Landes gewählt wurde. Aix - das ist Lebenskunst und Tradition. Die „bürgerliche“ Alternative zu Marseille. Ein weiteres Plus: nur 20 Zugminuten entfernt. → Ausflüge in die Umgebung
♦ Cassis: Cassis ist der bekannteste und beliebteste Badeort an der provenzalischen Mittelmeerküste. Glücklicherweise hat sich das am Ende einer tief eingeschnittenen Bucht gelegene Cassis seinen Charme bewahren können. Cassis besitzt einen noblen Touch, aber es ist nicht so elitär wie Saint-Tropez. Im Hafen liegen neben den Ausflugsbooten noch immer ein Dutzend Fischerboote vor Anker, die jeden Tag ihre Netze auswerfen. Zahlreiche, auf Fisch spezialisierte Restaurants säumen den Hafenquai. Wer will, kann eine Wanderung zu den Calanques unternehmen.→ Ausflüge in die Umgebung
Sightseeing-Alternativen
Glücklicherweise hat Marseille viel mehr zu bieten als den Vieux Port. In der Mittelmeermetropole locken viele unbekannte Ecken und Sehenswürdigkeiten, die abseits der Haupttourismuspfade liegen, so die historischen Dockanlagen oder die Krypta der Abbaye Saint-Victor.
Entlang der Küste lassen sich noch schmucke kleine Dörfer wie Malmousque, Les Goudes oder Callelongue entdecken. Kleine Buchten eignen sich zum Baden.
Altes Mauerwerk
♦ Abbaye Saint-Victor: Mit ihren Zinnen und Türmen ist die Abtei einer Festung ähnlicher als einer Kirche. Noch beeindruckender als die Oberkirche ist die Krypta mit ihrer faszinierenden Atmosphäre. Es handelt sich nicht etwa um einen kleinen düsteren Raum, sondern um eine verschachtelte, tief in den Fels hineingetriebene Anlage von beachtlicher Größe. In den Nischen und Kammern stehen kostbare Sarkophage aus der Spätantike. → Tour 3
♦ Docks de la Joliette: Ähnlich der Hamburger Speicherstadt wurden die ehemaligen Hafenanlagen vorbildlich renoviert und einer neuen Nutzung zugeführt. Gruppiert um mehrere Innenhöfe, finden sich in dem sechsstöckigen Speicherkomplex ansprechende Boutiquen, Restaurants und Büros. → Tour 2
♦ Musée des Docks Romains: Die bei Grabungen entdeckten Grundmauern des römischen Hafens erinnern an die Bedeutung von Marseille in der antiken Welt. Ein authentischer Spaziergang durch die Geschichte. → Tour 1
Abseits
♦ Cimetière Saint-Pierre: Paris ist berühmt für seinen größten Friedhof Père Lachaise, Marseille für seinen Cimetière Saint-Pierre. Am Ostrand der Stadt erstreckt sich die riesige Totenstadt mit ihrer phantastisch-verspielten Symbolik. Eine Oase in der Hektik der Großstadt. → Abseits des Zentrums
♦ Mémorial de la Marseillaise: Ein Museum für die Revolutionshymne. Mit Hilfe moderner Technik werden die damaligen Geschehnisse ausführlich beleuchtet. → Tour 4
♦ Villa Valmer: Der Garten der schmucken Villa ist ein kleiner öffentlicher Park und bietet nicht nur Ruhe, sondern auch traumhafte Blicke auf das Meer und die Küste. → Tour 5
♦ Parc du Pharo: Die Parkanlage in unmittelbarer Meeresnähe lockt mit einem herrlichen Blick auf den Vieux Port. Und eine tolle Kunstinstallation gibt es auch zu bewundern. → Tour 5
Skurriles
♦ Maison de la Boule: Die Boulekugeln klackern in ganz Südfrankreich. Und Marseille gilt als die Hauptstadt des Pétanques-Sports. Das Museum besitzt sogar eine kleine Boulebahn. Da kann man auch bei Regen die Metallkugeln werfen. → Tour 2
♦ Blindé Jeanne d’Arc: Ein Panzer unterhalb der Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde erinnert noch immer daran, dass die Deutschen sich im Zweiten Weltkrieg auf dem La-Garde-Hügel verschanzt hatten.→ Tour 3
♦ Monument aux morts des armées d'Orient et des terres lointaines: Hinter dem langen Namen verbirgt sich ein imposantes Denkmal für die Toten der Orientarmee. Es steht direkt an der Corniche und blickt auf das Meer. → Tour 5
Am Puls der Zeit
♦ FRAC: Zeitgenössische Kunst in einem ungewöhnlichen modernen Gebäude. Je nach dem Schwerpunkt der aktuellen Wechselausstellung wird der Besucher aufgefordert, sich mit neuen Positionen der provenzalischen Kunstszene auseinanderzusetzen. → Tour 2
♦ Belle de Mai: Eine ehemalige Tabakfabrik beherbergt ein lebendiges Kulturzentrum mit Ateliers, Ausstellungsräumen und Theatersälen. Die Dachterrasse wird im Sommer als Freilichtkinospielstätte genutzt. Zwischen bunt bemalten Häuserfassaden vergnügt sich die Jugend auf einem Spielplatz mit Kletterwand, einem Basketballfeld und in einem Skatepark. Ein Restaurant sowie ein Café mit angeschlossener Buchhandlung gibt es auch.→ Abseits des Zentrums
♦ Cours Julien: Der „Cours Ju“ mit seinen Szenebars und schrillen Läden ist ein Hotspot der Alternativkultur. Auf den Häuserwänden im In-Viertel leuchten bunte Graffitis, hier gibt es einen Tattoo-Shop, dort ein algerisches Delikatessengeschäft. Cool, cooler, Cours Julien. → Tour 4
Pack die Badehose ein
♦ Plage des Catalans: Eine Badepause am Stadtstrand von Marseille muss sein. Nicht allzu weit vom Alten Hafen entfernt, begeistert an der Plage des Catalans nicht nur das glasklare Wasser, sondern auch ein ungewöhnliches Unterwassermuseum. → Tour 5
♦ Calanque de Morgiou: Wie eine smaragdgrüne Zunge hat sich die schmale Calanque de Morgiou zwischen die Felsen hineingeschoben. Neben Badefreuden lockt ein gutes Restaurant. Zusammen mit der benachbarten Calanque de Sormiou lässt sich die Bucht auch im Rahmen einer herrlichen Küstenwanderung erkunden. → Abseits des Zentrums
Essen gehen
Marseille und seine Bouillabaisse werden oft in einem Atemzug genannt. Mehr als 2000 Restaurants gibt es in Marseille, darunter auch zahlreiche Lokale mit asiatischer oder nordafrikanischer Küche. Neben erlesenen Gourmet-tempeln findet man einfache Bistros, in denen man für vergleichsweise wenig Geld verwöhnt wird.
Frankreichliebhaber haben es schon immer gewusst: Die französische Küche ist etwas ganz Besonderes! Im November 2010 wurde die stilbildende Folge von Apéritif, Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch, Käse und Kaffee von der UNESCO als „immaterielles Weltkulturerbe“ geadelt.
Mehr als eine Fischsuppe
Marseilles hat sich mit der Bouillabaisse ein kulinarisches Denkmal gesetzt. Die Bouillabaisse gehört zu Marseille wie die Pizza zu Italien. Und obwohl das Risiko, in einem Touristenlokal über den Tisch gezogen zu werden, groß ist, wäre eine Reise nach Marseille ohne Bouillabaisse unvollständig. Sie gehört zur Stadt wie die Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde. Wolfgang Koeppen mokierte sich über „ein mildes, dem Allerweltsgeschmack angepasstes Fischsuppengericht, in dem ein einsames Langustenbein schamrot den Preis von 1000 Francs zu rechtfertigen versucht“. Doch ist die Bouillabaisse richtig zubereitet, käme es einem Frevel gleich, sie als „Fischsuppe“ zu bezeichnen. Respekt ist angebracht, schließlich soll die Liebesgöttin Aphrodite die Bouillabaisse erfunden haben, um ihren Gatten Hephaistos mit Hilfe des Safrans einzuschläfern, damit sie sich ungestört mit ihrem Liebhaber Ares vergnügen konnte. Selbst unter den Einheimischen werden die besten Adressen nur engen Freunden verraten. Der Journalist und Krimiautor Jean-Claude Izzo (1945-2000), der für Marseille eine ähnliche Bedeutung wie Léo Malet für Paris hatte, liebte es, „zu spüren, wie Marseille unter meiner Zunge vibriert“. Glücklicherweise kann man in Marseille aber auch jenseits der Bouillabaisse hervorragende Fischgerichte in allen Variationen genießen.
Ein Tipp für alle, die mit einer eher knapp bemessenen Reisekasse unterwegs sind, aber anspruchsvolle Gaumenfreuden nicht missen möchten: Statt 25 € für ein langweiliges 08/15-Menü ohne Wein zu zahlen, empfiehlt es sich, zur Mittagszeit in einem kulinarisch anspruchsvollen Restaurant zu tafeln - die Rechnung für ein Mittagsmenü oder Tagesgericht (Plat du jour) fällt dann nur unwesentlich höher aus, die Qualitätsunterschiede können jedoch beachtlich sein.
Andere Länder, andere Sitten
Das Frühstück (petit déjeuner) fällt eher karg aus, eine Schale Milchkaffee (café crème) und ein Croissant genügen den meisten Franzosen bis zum Mittagessen (déjeuner). Mittags füllen sich die Restaurants erst ab 12.30 Uhr, mit dem Abendessen (dîner) wird kaum vor 19.30 Uhr begonnen. Zum Essen sollte man viel Zeit mitbringen; wer mittags nur schnell eine Kleinigkeit zu sich nehmen will, ist in Café, Bistro oder Brasserie besser aufgehoben.
Am Wochenende und in beliebten Restaurants empfiehlt es sich, einen Tisch vorzubestellen, selbst wenn es nur eine Stunde vorher ist. Auch ohne Reservierung gebietet die französische Höflichkeit, dass der Gast sich am Eingang geduldet, bis ihm ein Platz angeboten wird. Die Bedienung wird mit Madame bzw. Monsieur angesprochen.
Die Rechnung wird nach Aufforderung gebracht (L’addition, s’il vous plaît!). Es ist nicht üblich, getrennt zu bezahlen. Die Bedienung ist im Restaurant zwar ausnahmslos im Preis inbegriffen (service compris), zwischen 5 und 10 Prozent Trinkgeld (pourboire) sind je nach Zufriedenheit dennoch angemessen; sich Minimalbeträge herausgeben zu lassen, gilt als unhöflich. Das Bedienungspersonal ist wegen seines geringen Grundlohns auf Trinkgeld angewiesen, das man üblicherweise nach der Bezahlung auf dem Tisch zurücklässt.
7 Tage kulinarisch
♦ Le Miramar: Obwohl direkt am Vieux Port gelegen, ist das Lokal keine Touristenfalle, sondern eine hervorragende Adresse, um eine Bouillabaisse zu versuchen. → Tour 1
♦ La Passarelle: Ein Restaurant mit eigenem Gemüsegarten! Neben der guten Küche begeisert noch eine herrliche Terrasse. → Tour 3
♦ Les Akolytes: Internationale Tapas auf hohem Niveau, serviert in einer lockeren Atmosphäre. → Tour 5
♦ Les Mets des Saintes: Zur Abwechslung gibt es hier neben französischen Gerichten eine exotische Küche aus den Antillen, Réunion und Tahiti. → Tour 3
♦ L’Arôme: Unweit des Cours Julien wird eine raffinierte Küche mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis geboten. → Tour 4
♦ Le Relais 50: Ansprechende französische Küche mit asiatischen Einflüssen in schönem Ambiente. → Tour 1
♦ Etienne: Die Pizzeria im Panier-Viertel genießt Kultstatus. Reservierungen werden genauso wenig akzeptiert wie Kreditkarten. → Tour 2