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INHALT

Das erwartet Sie in
diesem Buch

Schuldgefühle sind eine zutiefst menschliche Emotion, die jeder schon (mindestens) einmal in seinem Leben kennengelernt hat. Sie fungieren für uns als ein Warnsignal, dass wir im Begriff sind, ein Unrecht zu begehen, dass wir gegen unseren moralischen Kodex verstoßen und ein Ungleichgewicht erzeugen zwischen uns und einer oder mehreren anderen Personen. Im Nachhinein helfen Sie uns, die verletzte Balance wiederherzu-stellen, Wiedergutmachung zu leisten und aus unseren Fehlern zu lernen.

Warum aber neigen manche Menschen zu unangemessenen, starken Schuldgefühlen, wenn sie nur einmal „Nein“ sagen, während andere sprich- oder wortwörtlich über Leichen gehen können, ohne mit der Wimper zu zucken? Wie erklären Medizin und Psychologie diese Unterschiede? Wo liegt die Grenze zwischen normalen und pathologischen Schuldgefühlen? Und am wichtigsten: Was kann ich tun, wenn ich wegen etwas, das ich getan habe, Schuldgefühle habe?

Natürlich ist es schwierig, für komplexe und individuelle Situationen einheitliche Empfehlungen zu geben – jedes Problem verdient eine eigene Beurteilung und speziell zugeschnittene Ratschläge. Dennoch möchte ich versuchen, Ihnen einige Tipps an die Hand zu geben, wie Sie Ihre Schuldgefühle rational und objektiv beurteilen, wie Sie sie kritisch hinterfragen können und was Sie versuchen können zu tun, um sich von ihnen freizumachen.

Um die Basis dafür zu legen, beschäftigen wir uns in diesem Ratgeber zunächst mit ein wenig Theorie aus den Bereichen Ethik, Medizin und Psycho-logie zu den Themen Schuld und Schuldgefühle. Im Anschluss stelle ich Ihnen einige Fragen, die Ihnen helfen sollen, Ihre Gefühle zu hinterfragen und bewusst zu machen, und gebe Ihnen in den Ausführungen möglichst einfache und praktikable Tipps und Anregungen, was Sie tun können, um das Gleichgewicht wiederherzustellen – sowohl das in der Außenwelt als auch das in Ihnen.

Die Wurzel der
Schuld – Ein
bisschen Theorie

WAS IST SCHULD?

Haben Sie schon einmal etwas von Schlüsselemotionen gehört?

In der Psychologie beschreibt dieses Modell

Emotionen oder Gefühle, die sich, sofern bei dem betreffenden Lebewesen vorhanden, im Zuge der Evolution als Selektionsvorteil erwiesen haben und deshalb tief in uns verankert sind. Zwar konnte die genaue Lokalisation innerhalb unserer Gensequenz noch nicht bestimmt werden, unbestritten ist aber, dass diese Emotionen angeboren sind und somit ein natürlicher Teil unseres menschlichen Daseins.

Zu diesen Schlüsselemotionen zählen unter anderem: Freude und Trauer, Angst und Ekel, Ärger, Scham – und Schuld. 1

Da Sie dieses Buch wahrscheinlich nicht gewählt hätten, wenn Sie kein persönliches Interesse am Thema Schuldgefühle und dem Umgang mit ihnen hätten, können Sie schon jetzt beruhigt sein: Im allgemeinen Konsens der aktuellen Psychologie gelten Schuldgefühle als vollkommen normal, notwendig und unumgänglich.

Aus evolutionstechnischer Sicht können Schuldgefühle sogar sehr dienlich sein. Schließlich hätten sie es sonst nicht geschafft, sich so in unserer genetischen Erbanlage zu manifestieren: Sie sorgen für einen Ausgleich, für Gerechtigkeit in Beziehungen, sie helfen uns, Fehler zu vermeiden oder zumindest kein zweites Mal zu machen, und bringen uns dazu, an uns selbst zu wachsen. Finden wir den richtigen Umgang mit ihnen, können sie ein hervorragender Lehrer sein, ein moralischer Kompass, der uns den Weg zu einem besseren Selbst zeigt.

Klingt erst mal alles sehr positiv. Wie also kommt es, dass wir in manchen Situationen das Gefühl haben, von unseren Schuldgefühlen von innen heraus aufgefressen zu werden? Wie kommt es, dass manche Menschen schon von einem schlechten Gewissen geplagt werden, kaum, dass sie einen gehässigen Gedanken gefasst haben, während die anderen sprichwörtlich über Leichen gehen können, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken? Welche Art von Schuldgefühlen ist positiv und hilft uns zu wachsen und wo ist die Grenze, ab der Schuldgefühle nur noch destruktiv sind?

Und am wichtigsten: Wie kann ich mich möglichst effektiv von Schuldgefühlen befreien, wenn ich unter welchen leide?

Um eine Herausforderung anzugehen und zu lösen, ist es von großer Bedeutung, das zugrunde liegende Problem zu verstehen und sich damit vertraut zu machen – oft ist der Prozess der Bewusstwerdung einer psychologischen Fragestellung schon der halbe Weg zur Lösung.

Deshalb sollten wir uns erst einmal mit der folgenden Frage beschäftigen: Was ist „Schuld“?

Wirft man einen Blick in den Duden, wird „Schuld“ definiert als „ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Tat, mit der jemand gegen seine Werte und Normen verstößt, ein begangenes Unrecht, ein sittliches Versagen oder auch eine strafbare Verfehlung“. 2

Trennt man diese Definition in seine einzelnen Bestandteile auf, so wird deutlich, dass „Schuld“ kein einheitlicher Begriff ist, sondern in vielen Situationen Anwendung finden kann.