Miriam Mann
Mit Bildern von Pina Gertenbach
INHALT
Erstes Kapitel, das mit einer großen Überraschung endet
Zweites Kapitel, in dem heimlich gelesen wird
Drittes Kapitel, in dem ein Weihnachtsrettungsplan
geschmiedet wird
Viertes Kapitel, das eine wilde Verfolgungsjagd enthält
Fünftes Kapitel, in dem die drei Freunde endlich den
Weihnachtsmann finden
Sechstes Kapitel, in dem Duft eine große Rolle spielt
Siebtes Kapitel, in dem noch ganz viel
Weihnachtliches geschieht
6
l l l l l 7
Hoch im Norden, wo die Winter schneereich sind und die Tan-
nenwälder tief, da liegt die Weihnachtsschule.
Der Weihnachtsmann unterrichtet dort höchstpersönlich, um
den kleinen Rentieren, Weihnachtsengeln und Wichteln alles
über Weihnachten beizubringen.
Die Schulfächer heißen nicht Sport und Deutsch, oder Mathe-
matik und Sachkunde. Nein, es gibt Fächer wie Schleifen binden
und Wunschzettel verstehen. Dort lernen die Kinder fliegen und
Schlitten ziehen, Weihnachtskekse backen, Lieder trällern,
Baumschmuck basteln und sogar Geschenkesackknoten knoten.
Einmal, vor ein paar Jahren aber, da geschah in der
Weihnachts
s
chule etwas völlig Unerwartetes und Nochnieda-
gewesenes.
Der Herbst war vorbei und das neue Schuljahr hatte gerade
angefangen. Als die Lehrerin Frau Schneesöckchen am ersten
Schultag, gleich zur ersten Stunde völlig aufgeregt in den
Klassenraum stolperte und …
ERSTES KAPITEL,
DAS MIT EINER GROSSEN
ÜBERRASCHUNG ENDET
Es schneite wie verrückt. Rund um die Weihnachtsschule, die
verborgen zwischen sanften Hügeln und tiefen Tannenwäldern
lag, wirbelten dicke, fluffige Flocken. Durchs geöffnete Fenster
tanzten sie in den Klassenraum hinein.
Das kleine Rentier Romeo stand davor, hatte den Kopf hin-
durch- und die Zunge herausgestreckt, um die großen Schneeflo-
cken einzufangen.
„He, mach das Fenster zu!“, beschwerte sich seine Freundin
Winnie. Der Schnee blies ihr nämlich ins Gesicht, anstatt auf
Romeos Zunge zu fallen. Sie zog sich schnell ihre froschgrüne
Wichtel-Zipfelmütze über beide Ohren. Winnie hatte keine Lust
auf Unterricht. Heute stand für sie nämlich eine Doppelstunde
Geschenke verpacken und Geschenkesackknoten üben auf dem
Stundenplan. Die meisten Weihnachtswichtelkinder freuten
sich darauf! Aber Winnie nicht. Irgendwie kam es ihr vor, als
hätte sie zwei linke Hände. Jeder ihrer Knoten und jede ihrer
Schleifen lösten sich wieder, egal wie sehr sie sich anstrengte.
Winnie seufzte.
„Wo ist eigentlich Leon?“, erkundigte sich Romeo, der über-
haupt keine Anstalten machte, das Fenster zu schließen. Er
beugte sich noch weiter hinaus. Von Winnies miesepetriger
Stimmung bekam er gar nichts mit.
„Hier bin ich!“, ertönte eine Stimme wie aus dem Nichts. Das
kleine Rentier biss sich vor Schreck auf die Zunge, verlor das
Gleichgewicht und purzelte prompt aus dem Fenster.
Leon, der Weihnachtsengel, schwebte zwischen den wir-
belnden Flöckchen umher. Und da sein Engelsgewand schnee-
weiß war, konnte man ihn im Flockengestöber kaum erkennen.
„Manno, hast du mich erschreckt! Wieso kommst du nicht
durch die Tür wie alle anderen auch?“, kicherte Romeo und
rappelte sich auf. Er versuchte, über das Fensterbrett wieder
hineinzuklettern, aber er fand mit keinem seiner vier Hufe Halt.
„Romeo!“ Leon flatterte aufgeregt umher und blickte seinen
Freund aufmunternd an. „Du bist ein Flugrentier. Du kannst
fliegen! Komm, hoch die Hufe!“ Der kleine Engel hielt seinem
Freund die rechte Hand hin. Mit der linken umklammerte er ein
Säckchen mit gebrannten Nüssen, das er sich auf dem Weg ins
Klassenzimmer aus der Schulküche stibitzt hatte.
Doch Romeo schüttelte den Kopf. Und wie immer, wenn er
das Wort fliegen hörte, wurde er ein bisschen traurig. Denn
wenn er etwas nicht hinbekam, dann das. Er schaffte es leider
noch nicht einmal, einen halben Huf hoch zu schweben.
Bestimmt würde er niemals den Schlitten vom Weihnachts-
mann ziehen können.
Mit einem tiefen Seufzer machte er sich auf den Weg zur
Eingangstür und schlurfte durch die Schulgänge zurück zu
seinem Klassenraum, den Blick auf den Boden geheftet. Daher