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© 2021 Beatrice Sonntag

Erste Auflage: Juni 2015

Lektorat: Berthold und Edeltrud Schirra

Autorenbild: Focus Maximus – Markus Scherer

Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN: 978-3-7557-4554-9

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Im Juni 2015 erschien die erste Auflage von „Lieblingskrankheit: Reisefieber“. Sechseinhalb Jahre später hat sich an meinem Reisefieber nicht viel geändert. Die Pandemie hat mich zuerst ein wenig nervös und dann etwas geduldiger, kreativer und flexibler gemacht. In meinem Emailfach befinden sich nun Dutzende Mails mit Gutschriften, Rückerstattungen und Umbuchungen. Dutzende Reisen wurden verschoben oder es wurde kurzerhand mal Ecuador aus Äthiopien.

Letztendlich hatte die Pandemie sogar winzige Vorteile für mich, denn ich durfte mir die Seychellen, Sizilien, den Libanon und Tunesien fast vollständig ohne andere Touristen anschauen. Grandios, wenn man den Baalbek-Tempel für sich alleine hat. Trotzdem bin ich nun, Ende 2021, nur allzu bereit, dass die Pandemie endlich endet.

Zu meinen Gedanken und Sorgen einer Weltreisenden ist die Sorge dazugekommen, ob die nächste Reise im Angesicht von ständig im Wandel begriffenen Inzidenzzahlen und Einreisevorschriften überhaupt stattfinden kann. Ich habe nun immer einen Plan B und C im Blick. Es bleibt aber dabei, dass ich auf keinen Fall zu Hause bleiben werde!

Eure Beatrice!

Gedanken und Sorgen einer Weltreisenden

Ich bleibe nicht zu Hause! Niemals!

Im Jahr 2014 dauerte die längste Periode, die ich am Stück zu Hause verbracht habe, knapp acht Wochen lang. 2015 sind es Anfang des Jahres sogar achteinhalb Wochen gewesen. Der Rest des Jahres ist mit Fernreisen, Wochenendausflügen und Kurztrips innerhalb Europas so gespickt, dass ich nie länger als vier Wochen mein Fernweh ertragen muss. Wer mich deshalb für verrückt hält, der hat vielleicht sogar ein bisschen Recht. Das stört mich aber nicht im Geringsten.

Hin und wieder ist es ja sogar sinnvoll, sich mal zu Hause aufzuhalten und sich um administrative Angelegenheiten zu kümmern, wie zum Beispiel die Beschaffung von finanziellen Mitteln für die nächste Reise oder die Beantragung eines Visums für ein exotisches Ziel. Das kann auch sehr abenteuerlich sein. So habe ich zum Beispiel meinen Reisepass sechs Wochen vor der Reise nach Burkina Faso zur Botschaft nach Berlin geschickt, per Einschreiben, damit er auch nicht verloren geht. Leider kam der Pass nie dort an. Es passierte das, was laut Post bei Einschreiben nie geschieht: Es ging verloren. Nachdem ich die deutsche Post zwei Wochen lang verflucht hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als einen vorläufigen Reisepass zu beantragen. Die Dame im Passamt ist etwas verwundert. „Ich habe Ihnen doch vor 10 Monaten einen extra dicken Reisepass mit 48 Seiten überreicht. Sagen Sie bloß nicht, der ist schon wieder voll!“ Nein, voll war er leider nicht. Aber fort war er. Sie zauberte also innerhalb von zwanzig Minuten einen grünen Reisepass für mich hervor und fragte dann nochmal zur Sicherheit: „BurkinaFaso? Wo ist das denn?“ Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Das liegt zwischen Ghana und Mali!“ Sie nickte unsicher. „Kann ich nicht einfach in das Formular schreiben, dass Sie nach Asien fahren?“ Ich entgegnete: „Schreiben Sie einfach, dass ich nach Afrika fahre.“ Dann mussten wir beide lächeln.

Mit diesem vorläufigen Pass konnte ich dann glücklicherweise das Visum für Burkina Faso beantragen und die Reise unternehmen. In Burkina Faso hatte ich sogar bei verschiedenen Fetischpriestern die Möglichkeit, die deutsche Post noch wirksamer mit kreativen Flüchen zu belegen. Zurück in Deutschland hatte ich Ende Januar den tragischen Verlust meines geliebten Reisepasses fast überwunden. Mit dem provisorischen Pass kann man aber natürlich nicht alle Länder bereisen. Ich fand mich also bei meiner Gemeinde ein und saß ziemlich genau ein Jahr, nachdem ich den letzten Reisepass beantragt hatte, wieder der freundlichen Gemeindemitarbeiterin gegenüber. Der neue 48-seitige Reisepass würde mich dann hoffentlich einige Jahre begleiten.

Am nächsten Tag klingelte gegen Abend meine Nachbarin und übergab mir eine Sendung. Und darin war – oh Wunder – mein alter Reisepass! Ich schaute mir den Umschlag genau an. Es waren Stempel aus Argentinien darauf zu erkennen und ein Aufkleber, der anzeigte, dass die Sendung in Frankfurt am Flughafen vom Zoll behandelt worden war. Das ließ keinen anderen Schluss zu, als dass mein Reisepass sich ein paar schöne Tage in Argentinien gegönnt hat, statt wie vereinbart nach Berlin zur Botschaft von Burkina Faso zu reisen. Unverschämt! Ich versprach ihm trotzdem, dass wir gemeinsam bald nach Argentinien fahren würden.

Die Wiedersehensfreude war ein wenig getrübt von der Tatsache, dass ich gerade am Vortag für 81 Euro seinen Nachfolger beantragt hatte! Ich zitterte also die ganze Nacht durch und rief pünktlich um acht Uhr am Morgen bei der Mitarbeiterin vom Passamt an, die sich ja mittlerweile gut an mich erinnerte. Sie erkannte mich auf Anhieb und machte mich dann sehr glücklich mit der Auskunft, dass sie den Antrag noch nicht nach Berlin geschickt hatte. Ich bekam sogar meine 81 Euro zurück und konnte dann mit meinem geretteten Reisepass das Wiedersehen feiern.

Worüber lachen Götter?

Das Thema Religion ist auf fast allen meinen Reisen von Bedeutung oder wird zumindest angeschnitten. Die Religion oder Religionen, die in einem Land vertreten sind, haben oft großen Einfluss auf Geschichte, Politik und das Verhalten der Menschen. Im Oman kam es mir teilweise so vor, als bestimmt der Islam dort vor allem anderen das Leben der Bewohner. Sie richten ihren Alltag vorrangig nach dem Willen ihres Gottes aus. Auf dem Balkan und im Nahen Osten wurde mir traurig bewusst, dass die Durchmischung der Religionen hier maßgeblich daran beteiligt ist, dass sich die Menschen hassen und sogar Kriege gegeneinander geführt haben. In Bhutan schien es mir, als sei der Buddhismus für die Menschen ein Trost und ein Hilfsmittel, um den Alltag zu bewältigen. In Burkina Faso wurde mir gesagt, dass es 60% Muslime, 40% Christen und 100% Animisten im Land gibt, dass also der Fetischglaube von den beiden Weltreligionen nicht verdrängt werden konnte.

Der Glaube kann Menschen in Fesseln legen, sie beglücken, sie ermutigen, sie ängstigen, sie zu vollkommen verrücktem Verhalten anregen, sie hemmen oder befreien. Ich bin immer auf der Suche nach religiösen Ritualen und Bräuchen. Religiöse Traditionen und Legenden bergen mitunter die besten Geschichten, die das Reisen für mich so spannend machen. Vielleicht übt Religion auf mich so eine Faszination aus, weil ich sie nicht verstehe. Dabei ist es fast egal, ob die Menschen an Außerirdische, an Vishnu, an die übermenschlichen Kräfte von Kim Il Sung oder an Zeus glauben.

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Menschen mit dem Thema Religion umgehen. Das Attentat auf die Zeichner von Charlie Hebdo im Januar 2015 in Paris führte mal wieder der ganzen Welt auf entsetzliche Weise vor Augen, wie viel Spielraum es in der Interpretation dessen gibt, was Götter wollen. Als ob Mohammed jemanden bräuchte, der ihn rächt!?! Er ist schließlich so etwas wie ein Gott. Wenn Mohammed ernsthaft beleidigt wäre, dann würde er sich sicher selbst rächen. Oder nicht?

Ich bin mir zudem sicher, dass Götter, wenn es sie gäbe, nicht beleidigt wären, wenn mal jemand einen Scherz auf ihre Kosten macht. Als Gott steht man sicherlich über so etwas. Götter wissen nur zu gut, dass gerade Religion so unendlich viele Ansatzpunkte bietet, um sich darüber lustig zu machen. Man überlege sich nur mal, an was für einen Unsinn manche Menschen glauben! Natürlich immer nur die anderen. Ich stelle mir gerne vor, wie die Götter im Himmel zusammen sitzen und sich gegenseitig aufziehen.

„Deine Leute glauben an die jungfräuliche Geburt“, lacht der eine.

„Deine Jungs glauben an 72 Jungfrauen, die sie nach dem Tod erwarten!“ scherzt ein anderer.

„Das ist ja noch gar nichts. Deine Fans opfern Hühner, damit du ihnen besser zuhörst!“

„Deine Gläubigen umkreisen tagelang irgendwelche Tempel und hängen bei jeder Gelegenheit Fahnen auf!“

All das ist doch für jemanden, der nicht glaubt, vollkommen verrückt. Jeder sollte sich darüber bewusst sein, dass seine Religion für Ungläubige seltsam wirkt, ja lustig ist. Warum auch nicht? Das ist doch wunderbar. Ich kann es gut verstehen, dass man unheimlich gerne an etwas Unrealistisches und Verrücktes glaubt. Ich weiß noch, wie traurig ich war, als man mir beichtete, dass der Osterhase nicht existiert. Ich war auch sehr erschüttert, als ich erfahren musste, dass Milli Vanilli, an die ich mindestens genauso gerne geglaubt hatte, wie an den Osterhasen, nur so taten, als ob sie singen könnten. Danach muss ich irgendwann die Sache mit der Religion aufgegeben haben.

Als Atheistin finde ich alle Religionen spannend, interessant, verrückt und meist auch sehr lustig. Oft sind die besten Geschichten, die mir die Menschen auf allen Kontinenten erzählen, irgendwie religiös beeinflusst. Ich liebe diese Märchen, Legenden und Sagen um Götter, Dämonen, Heilige und Wunder und sie sind ein Grund dafür, dass ich so gerne verreise. Ich habe sogar eine heimliche Liste von Lieblingsgöttern. Soweit ich mich erinnere, war auch noch nie jemand ernsthaft beleidigt, weil ich nicht an seinen Gott glauben wollte. Auch wenn ich das alles spannend finde, ist Religion einfach nichts für mich. Nicht nur, weil ich davon ausgehe, dass es Götter nicht gibt. Zudem sind doch alle Religionen für Männer gemacht. Da fühle ich mich einfach nicht angesprochen.

Je ne veux rien regretter!

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel gelesen, in dem darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Menschen, die im Sterben liegen, nie Sätze sagen wie „Ich hätte abends länger arbeiten sollen!“ oder „Ich hätte mich öfter ärgern sollen!“ oder auch „Ich bin so froh, dass in meinem Lebenslauf keine Lücke war!“ Diesen Artikel fand ich wunderschön und inspirierend. Ich habe daraufhin erneut darüber nachgedacht, ob ich nicht etwas tun könnte, um mein Leben noch mehr auszukosten und zu genießen, aber mir ist außer neuen Reisezielen nichts eingefallen.

Ich werde auf meinem Sterbebett nicht sagen können: „Ich hätte öfter mal verreisen sollen!“ Wenigstens das ist sicher!

Eure Beatrice!

Bolivien – Ganz in Weiß, aber ohne Blumenstrauß

Mein letzter Besuch in Bolivien liegt mittlerweile sieben Jahre zurück. Damals hatte ich den berühmten Titicacasee und die Stadt La Paz gesehen. In bleibender Erinnerung sind mir die dünne Höhenluft, der Cocatee und die farbenfrohe Kleidung der Menschen rund um den See geblieben. Diesmal will ich den Süden bzw. Südwesten des Landes bereisen. Aus praktischen Gründen beginnt meine Tour allerdings wieder in La Paz, wo auf 4100 Metern Höhe im Stadtteil El Alto der internationale Flughafen liegt.

Um dorthin zu gelangen, habe ich einen Flug über Bogota in Kolumbien gewählt. Im Flugzeug nach Bogota teilt die Stewardess Einreisekarten für Kolumbien aus. Als ich dankend ablehne, fragt sie mich, wo ich denn hinfliege. Ich antworte wahrheitsgemäß, dass ich einen Anschlussflug nach Bolivien gebucht habe. „Wow, wie exotisch!“ antwortet sie mir. Ich muss schmunzeln, denn auf die Frage hin, ob ich Bolivien oder Kolumbien für exotischer halte, würde ich eher zu Kolumbien tendieren.

Schließlich komme ich aber doch noch in El Alto an, wenn auch mitten in der Nacht und total übermüdet. Mein Chauffeur erwartet mich glücklicherweise schon in der winzigen und schäbigen Ankunftshalle. Er bringt mich in weniger als zwanzig Minuten 500 Höhenmeter tiefer und einige Kilometer weiter in Richtung Zentrum. Unterwegs begegnen uns nur wenige Fahrzeuge, weil es schon nach drei Uhr ist. Ich sehe auf den Bürgersteigen jedoch einige Menschen, vor allem Paare, die offenbar die Nacht zum Tag gemacht haben und sich auf dem Nachhauseweg gegenseitig stützen müssen. Mein Hotel liegt sehr zentral in der Innenstadt, und nachdem ich den armen Portier aus dem Bett geklingelt und von ihm einen Schlüssel erhalten habe, falle ich in einen erschöpften und unruhigen Schlaf.

Trotz der recht kurzen Nacht erwache ich rechtzeitig, um den Tag voll auszunutzen. Zum Frühstück gibt es Cocatee, den ich auch bitter nötig habe, denn die Höhenluft scheint mir schon zu schaffen zu machen. Im Zimmer fällt mir erst am Morgen die eigenartige Elektrik auf. Zum Beispiel hat der Durchlauferhitzer, der für die Dusche zuständig ist, die Form eines Feuermelders und ist direkt auf dem Duschkopf installiert. Zwei mit Isolierband versehene Kabel führen von dieser Gerätschaft direkt in die Wand. Im Hotel, das nur einen Block von der berühmten Hexengasse entfernt liegt, buche ich für nur zehn Euro eine Stadtrundfahrt. Die freundliche Teresa erzählt mir innerhalb von vier Stunden alles, was sie über die Stadt weiß. Sie schafft es kaum, mal eine Minute lang den Mund zu halten. Aber ich freue mich über ihre Mitteilsamkeit.

Ich erfahre von ihr, dass Bolivien 1825 als letzter Staat in Südamerika seine Unabhängigkeit erlangt hat. Die Hauptstadt war und ist seither Sucre, eine kleine Stadt, die wenig bekannt ist. Seit 1900 befinden sich jedoch in La Paz mindestens zwei Drittel der Regierungsbehörden und viele Botschaften, weshalb die meisten Menschen (unter anderem auch diejenigen, die die Beschreibung meiner Rundreise verfasst haben) der Meinung sind, dass La Paz die Hauptstadt Boliviens sei. Von den 11 Millionen Einwohnern des Landes sind 85% Christen. La Paz hat zwei Millionen Einwohner, von denen ziemlich genau die Hälfte in den armen Vierteln von El Alto und die andere Hälfte in den verschiedenen tiefer gelegenen Stadtvierteln leben. Vereinfacht kann man sagen: Je tiefer eine Wohnung in La Paz liegt, desto teurer ist sie. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass es in El Alto nachts empfindlich kühl werden kann und die Luft eben sehr dünn ist. Innenstadt und Altstadt liegen auf 3600 Höhenmetern. Die richtig noblen Viertel liegen auf 3100 Metern, wo das Klima recht angenehm ist.

Wir halten an einem Aussichtspunkt, der recht zentral liegt. Von hier aus können wir fast die ganze Stadt überschauen und schnell wird mir klar, warum es in La Paz ein Platzproblem gibt. Die von Bergen umgebene Stadt liegt in einem Tal oder besser gesagt an einem Hang, der in ein Tal hinab fällt. Teresa zeigt mir einige Gebäude, die an wirklich waghalsigen Hängen gebaut wurden. „Zum Glück haben wir hier keine Erdbeben. Nur die aus Chile und Peru merken wir manchmal. Wenn sie stark genug sind, haben wir auch hier so ungefähr 3,0 auf der Richterskala“, erklärt Teresa. „Aber es gibt ein anderes Problem: Erdrutsche kommen in der Regenzeit oft vor. Und dann passiert es, dass Häuser herabstürzen. Vor drei Jahren haben ganz in der Nähe an so einem Hang mit lauter dicht gebauten Häusern 180 Familien ihre Wohnung verloren. Seither werden mehr und mehr Plattformen gebaut.“

Wir fahren weiter durch einige der teureren Viertel und sehen die Unterschiede zwischen normalen wohlhabenden Häusern und absoluten Nobelvillen, die meist in sogenannten Comunitas organisiert sind. Diese Viertel umschließt ein elektrischer Zaun und es gibt überall Videokameras. Der Eingang ist mit einer Schranke und einem Sicherheitsmann versehen. Wir können also nur vorbeifahren und einen kurzen Blick auf die sehr gut ausgebauten Straßen werfen, die innerhalb der Comunitas sogar Straßenbegleitgrün haben. Nicht sehr einladend, aber für die Bewohner bestimmt sehr angenehm.

Schließlich kommen wir zum Valle de la Luna. Vor 30.000 Jahren war hier ein See. Durch Erosion sind schroffe bizarre Felsformationen entstanden. Aber weil es hier so aussieht, als habe man die Erde verlassen und befände sich auf einem trockenen und fremden Planeten, haben die Bewohner von La Paz das Gelände Mondtal genannt. Jedes Jahr verschwinden durch Erosion etwa zwei Zentimeter dieser Kalksteinfelsen. Aber es wird wohl noch für einige Jahre hübsch aussehen. „All das ist durch Erosion entstanden. Und das ist erstaunlich, weil wir in La Paz nur etwa 30mm Niederschlag im Jahr haben. Das ist so gut wie nichts. Kommt aber immer alles auf einmal und irgendwie unerwartet plötzlich. So kann es schon bisschen Schaden anrichten“, erklärt Teresa.

Wo sich das Mondtal befindet, liegen die klimatisch besten Gegenden von La Paz. In unmittelbarer Nachbarschaft sind deshalb nicht nur teure Häuser entstanden, sondern auch ein Golfplatz, ein Schießplatz, von dem immer wieder Schüsse herüberhallen, sowie mehrere Spielplätze und Sportterrains. Ich könnte hier auf 3100 Höhenmetern weder Fußball noch Basketball spielen, also zumindest nicht länger als vier, maximal fünf Minuten, ohne zu kollabieren. Aber die hiesige Bevölkerung hat sich wohl einfach an die Gegebenheiten gewöhnt. Im großen Fußballstadion von La Paz dürfen keine internationalen Punktspiele ausgetragen werden, nur Freundschaftsspiele, die die Mannschaft aus der Höhe stets gewinnt.

Als wir den obersten Aussichtspunkt des Mondtals erreicht haben, zeigt Teresa auf die umliegenden Berge und sagt, dass es hier ein Wintersportgebiet gibt. „Aber außer den Bolivianern läuft hier niemand mehr Ski. Ein paar Ausländer haben es versucht, aber nach dreimal fahren waren sie so erschöpft, dass sie im nächsten Jahr woanders hingefahren sind.“ Das scheint Teresa zu enttäuschen.

Als wir wieder ins Auto einsteigen, reicht mir Teresa einen Flyer. Dieser fordert mich auf, für La Paz abzustimmen, und zwar in einem Wettbewerb via Internetplattform, um die schönste Stadt in Südamerika zu küren. Teresa erklärt mir, dass es sich wohl nur noch darum dreht, die Konkurrenz Quito auszuschalten. So ganz verstehe ich die Regeln des Wettbewerbs nicht. „Ich war ja aber noch nie in Quito“, sage ich zu Teresa. „Kommst du dieses Jahr noch hin?“ entgegnet sie. „Nein“, antworte ich mit leichtem Bedauern. „Dann musst Du für La Paz abstimmen. Das kennst du ja nun!“

Wir passieren den Alexander-von-Humboldt-Platz. Hier sitzen zahlreiche Menschen gelangweilt herum. Teresa erklärt mir, dass es sich um Handwerker handelt, die Arbeit suchen. Wer irgendwo angestellt ist, verdient umgerechnet etwa 170 Euro im Monat. Das ist nicht viel, aber in einer ärmlichen Wohnung kommt man damit aus. Die Männer hier müssen hoffen, dass sie überhaupt so viel am Ende des Monats nach Hause bringen, denn es ist ja nicht sicher, dass sie jeden Tag eine Arbeit finden. Das ist umso trauriger und ungerecht, weil in wenigen 100 Metern Entfernung die teuersten Villen stehen.

Wir kommen an der Zentrale der bolivianischen Navy vorbei. Ich frage mich gerade, warum Bolivien wohl eine Kriegsmarine unterhält, obwohl es sich doch um ein Binnenland handelt. Da setzt Teresa schon zu ihrer Erklärung an. Sie kennt wohl die naheliegende Frage. „Wir hatten bis zum Pazifikkrieg 1879 einen Zugang zum Meer. Nun gehört dieser Teil zu Chile. Seither übt die Marine auf dem Titicacasee und auf den Flüssen im Dschungel. Wir behalten sie, weil man nie wissen kann, ob wir nicht vielleicht doch mal wieder einen Zugang zum Meer bekommen.“

Teresa ist wie die meisten Bolivianer sehr überzeugt von der Regierung unter Evo Morales. Er hat sich nicht nur im Wahlkampf als einer aus dem Volk verkauft, sondern seit Beginn seiner Präsidentschaft wohl tatsächlich viel für die indigene Bevölkerung seines Landes getan. 2005 standen 55% der Menschen hinter ihm und seiner Partei. Heute sind es mehr als 65%, was wohl für ihn spricht. Er hat nicht nur Schulen, Krankenhäuser, Straßen und andere Infrastrukturprojekte angestoßen, sondern auch einige unkonventionelle Methoden eingeführt. Zum Beispiel bekommt eine Familie am Ende eines Schuljahres eine Bonuszahlung, wenn ihr Kind keine oder kaum Fehltage hat. Mütter erhalten eine Zuwendung in Form von Bargeld, wenn sie ihren Säuglingen alle fünf Impfungen des staatlichen Impfprogramms angedeihen lassen. Das alles wirkt sich sehr motivierend aus und zeigt Erfolge.

Zudem hat die Regierung dafür gesorgt, dass in den öffentlichen Schulen ein Frühstück mit gesunden Nahrungsmitteln verteilt wird. Dies soll die Unterernährung von Kindern, die noch immer ein Problem darstellt, bekämpfen und entlastet gleichzeitig die armen Familien. Kinder, Schwangere und Senioren ab 60 werden in Krankenhäusern kostenlos behandelt.

Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Teresa macht mich auf die Kinder aufmerksam, die am Straßenrand ihre Dienste als Schuhputzer anbieten. Sie alle tragen dunkle Tücher vorm Gesicht. „Das ist nicht gegen die Abgase“, sagt Teresa und errät damit genau den Gedanken, den ich hatte. „Sie vermummen sich, damit ihre wohlhabenderen Klassenkameraden sie nicht erkennen. Viele Familien sind noch sehr arm und die Kinder müssen mitarbeiten. Aber noch schlimmer als in La Paz ist es in Potosí, in den Minen.“ Damit bereitet mich meine Begleiterin schon auf mein nächstes Ziel vor.

In der Calle Jaen betrachten wir einige der wenigen noch sehr gut erhaltenen alten Gebäude, die um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert erbaut wurden. Pedro Domingo Murillo lebte in dieser Straße. Er gehörte zu den führenden Köpfen der Revolution, die 1809 und 1810 in Bolivien stattfand. Wenig später stehen wir auf der Plaza Murillo. Normalerweise heißt der zentrale Platz einer jeden südamerikanischen Stadt Plaza de Armas, aber hier wurde sie in Plaza Murillo umbenannt, weil besagter Revolutionär hier von den Spaniern erhängt wurde. Neben der Staatsflagge Boliviens, die vor dem Parlamentsgebäude im Wind flattert, sehe ich außerdem eine Flagge mit vielen bunten Quadraten. Teresa erklärt mir, dass es sich um die Flagge der indigenen Bevölkerung, der Aymara und Quechua, handelt, die mir auch in anderen Andenstaaten begegnen wird.

Auf dem Platz füttern Familien die Tauben. Eine Prozession mit einer mannshohen Marienstatue ist unterwegs. Die Menschen singen ein katholisches Kirchenlied für irgendeinen besonders wichtigen Heiligen und werfen mit Blüten nach der Statue. Der Gesang aus mindestens hundert Kehlen wird immer wieder von enthusiastischen Rufen unterbrochen: „Viva la iglesiacatólica!“ Von so viel Begeisterung können die europäischen Kirchen nur träumen.

Die letzte Etappe meiner Stadtbesichtigung ist die Hexengasse, an die ich mich noch gut erinnern kann. In den vergangenen sieben Jahren ist sie allerdings noch mehr zur Touristengasse geworden. Von den Hexen sind nur noch zwei oder drei übrig. In ihren Geschäften werden nach wie vor Lamaföten angeboten, die man zum Hausbau benötigt. Ich überlege kurz, ob ich nicht vier Lamaföten erwerben und diese dem neuen Bürgermeister von Berlin anbieten soll, damit sein vermaledeites Flughafenprojekt endlich von seinem Fluch befreit wird. Dann entscheide ich mich aber dagegen, weil ich nicht sicher bin, wie der deutsche Zoll auf tote Tierembryonen reagiert. Es gibt jede Menge Liebeselixiere, Kerzen, die man abbrennen kann, um Liebe, Glück oder Reichtum zu beschwören. Amulette sollen für ein langes Leben, für Gesundheit, Fruchtbarkeit oder Glück sorgen. Zahlreiche fertig zusammengestellte Altäre werden angeboten. Opferkörbe stehen in den Regalen, die mit verschiedenen Utensilien gefüllt sind. In der Regel bestehen die Standardpakete, die man als Opfer verbrennt, aus einem Haus, einem Auto, Geldscheinen, Kindern, einem Reisekoffer und einem Lama. Natürlich kann man sich auch individuelle Opferkörbe zusammenstellen. Auch für die besonderen Rituale und Tränke stehen die Zutaten bereit, aber dafür muss man sich schon auskennen in der Magie. Das Risiko ist groß, etwas falsch zu machen oder die Mischung nicht zu treffen, weshalb die fertigen Mixturen und Zusammenstellungen der professionellen Hexen gerne gekauft werden. Das Rundumsorglospaket der Opfergaben ist allerdings nicht umsonst zu haben. Man kann zwischen umgerechnet acht und dreißig Euro ausgeben. Die meisten anderen Läden sind zu reinen Souvenirshops geworden.

Der Glaube der Aymara und Quechua beruht auf der Annahme, dass alles in der Natur einen Geist hat. Allen voran die Pachamama, die Mutter Erde. Man geht davon aus, dass sie hungrig und durstig ist und deshalb werden Opfergaben für sie in den Bergen verbrannt. Wer etwas trinkt, vor allem wenn es sich um Alkohol handelt, der schüttet zuerst einen winzigen Schluck auf die Erde für die Pachamama. Ob das in modernen Bars noch immer so gehandhabt wird, weiß Teresa nicht. Sie geht aber davon aus.

Als ich frage, woher denn die ganzen Lamaföten für alle Gebäude in Bolivien kommen, sagt Teresa, dass Lamas häufig Fehlgeburten haben und dass neugeborene Lamas sehr oft sterben. Das liegt an der eisigen Kälte und den rauen Lebensbedingungen, unter denen diese Tiere ihre Jungen gebären und großziehen. Dass meist Lamas in den Opferriten eine Rolle spielen, hängt damit zusammen, dass die Pachamama einfach am liebsten Lamas hat. Wenn jemand ein Lama opfert, dann hört sie eher zu, als wenn es sich um einen Vogel, einen Frosch oder ein anderes Tier handelt. „Die Christen in Europa opfern ja immer ein Lamm“, fügt Teresa hinzu. Natürlich habe ich vom Opferlamm in der europäischen Kirche gehört, aber es ist wohl schon einige Jahrhunderte her, dass wirklich Opfer gebracht wurden. Vielleicht würde das die Kirchenbesucher wieder herbeilocken, es würde für Spannung sorgen und schließlich könnte man aus dem Opferlamm im Anschluss an die Messe etwas Leckeres zubereiten.

Aber vielmehr als die Frage, wie es um die europäische Kirche steht, brennt mir die Frage auf den Nägeln, was Lamaopfer denn nun mit der katholischen Kirche zu tun haben. Darauf antwortet mir Teresa, dass die Christianisierung in Bolivien und überall in den Anden nur deshalb für die Spanier so leicht durchzusetzen war, weil die Menschen hier einen polytheistischen Glauben hatten. Sie glaubten an die Pachamama und an zahllose andere Naturgeister. Einen dreifaltigen Gott, eine Maria Muttergottes und einige Heilige mehr in dieses System zu integrieren, war kein Problem. „Bis heute ist unser Glaube zwar katholisch, aber eine gute Mischung aus Animismus und Christentum.“

Nachdem mich Teresa bei meinem Hotel abgesetzt hat, merke ich, dass mir die Höhenluft zu schaffen macht. Mir fällt außerdem auf, dass ich noch nichts gegessen habe. Also bestelle ich mir um fünf Uhr am Nachmittag ein Frühstück im Restaurant des Hotels und hoffe, dass das Müsli mit Bananen gemeinsam mit einem Cocatee meinen Körper ein wenig gegen die sauerstoffarme Luft wappnen wird. Ich sitze an einem kleinen Tisch neben dem Kühlschrank des Restaurants. Hinter der gläsernen Tür des Geräts stehen acht Flaschen Cocabier, zwei Flaschen Sojamilch mit Apfelgeschmack und ein kleiner Plüschpinguin, der wohl für das passende Ambiente sorgen soll.

Am Abend besteige ich schließlich den Nachtbus, der mich nach Potosí bringen wird. Der Busbahnhof ist gigantisch und voller Menschen. Da bei den enormen Höhenunterschieden in Bolivien kaum Eisenbahnstrecken gebaut wurden, ist der Bus nach wie vor das beliebteste und effektivste Fortbewegungsmittel. Relativ schnell finde ich meinen Bus. Alles ist gut ausgeschildert. Ich gebe meinen Koffer ab, erhalte eine Quittung und darf mich auf den Platz Nummer neun setzen. Dieser befindet sich im ersten Stock des modernen Gefährts. Kurz, nachdem ich Platz genommen habe, erscheint ein alter Mann mit einer Thermoskanne und verkauft Cocatee an die Fahrgäste. Da ich noch immer ein wenig Kopfschmerzen habe, nehme ich noch einen Tee. Er kostet nur zwei Bolivianos, das sind etwa 25 Cent.

Der Bus hält noch einmal in El Alto, wo weitere Fahrgäste zusteigen. Hier herrscht genauso viel Treiben wie im Zentrum von La Paz, nur dass es sich bei diesem Busbahnhof nicht um ein modernes Gebäude, sondern um einen Platz auf einer staubigen Straße handelt. Die Menschen drängen und schieben sich zwischen den Bussen und den Schaltern hin und her. Es werden selbstgemachte Käse und Fleischspieße verkauft. Ich schaue mir das Treiben aus dem Fenster an. Die meisten Frauen tragen hier die traditionellen mehrlagigen Röcke, einen Poncho oder ein Tuch über den Schultern und dazu einen Hut. Von hier aus fahren sogar Busse direkt bis Buenos Aires. Ich bin froh, dass mein Ziel nur eine Nacht und nicht zwei Tagesreisen entfernt liegt.

Dann geht die Fahrt los. Auf dem Weg nach Potosí, insgesamt 530 Kilometer, hält der Bus nur zweimal, wovon ich einen Halt verschlafe und beim zweiten die Gelegenheit nutze, die widerliche Toilettenanlage zu benutzen. Ich könnte schwören, dass die Toilettenschüsseln aus wiederverwendetem Plastik hergestellt sind. Auf jeden Fall sind sie rotbraun gesprenkelt, was keinen guten Eindruck macht. Beide Toilettenkabinen sowie der Vorraum mit einem nicht angeschlossenen Waschbecken stehen unter Wasser. Das ist entweder ein gutes oder ein schlechtes Zeichen. Ich will nicht zu lange darüber nachdenken. Ich lehne dankend die Angebote für Käse oder Tee ab und verkrieche mich wieder im Bus, wo es zwar warm ist, wo aber all die Menschen den ohnehin nicht in Hülle und Fülle vorhandenen Sauerstoff aus der Luft herausgeatmet haben. Ich öffne vorsichtig ein Fenster und lasse etwas von der sehr kühlen Nachtluft herein. Niemand rührt sich. Entweder schlafen alle fest oder sie sind schon durch den Sauerstoffmangel bewusstlos geworden.

Um halb sechs am nächsten Morgen erreicht der Bus das imposante Busterminal von Potosí. Das Gebäude wirkt futuristisch, aber irgendwie nicht modern oder hübsch, obwohl es wahrscheinlich noch nicht sehr alt ist. Ein Taxi bringt mich zum Hotel Gran Libertador, wo ich Baymar, meinen Begleiter für die nächsten Tage, treffe. Sein Vorschlag, eine oder zwei Stunden zu schlafen, bevor es mit dem weiteren Programm losgeht, wird von mir fast stürmisch angenommen. Ganz so erholsam war die Fahrt in dem Nachtbus auch wieder nicht, auch wenn es mit Abstand einer der bequemsten Bussitze war, auf denen ich in meinem bisherigen Leben gereist bin.

Am späten Vormittag erwartet mich Baymar wieder an der Rezeption. Ich fühle mich verwirrt und etwas schlapp, was teils an der unbequemen Nachtruhe und teils an der Höhenluft liegt. Potosí befindet sich auf 4000 Höhenmetern und ist damit eine der höchstgelegenen Großstädte der Welt. Sie hat heute 170.000 Einwohner. Die Stadt wurde 1545 von den Spaniern gegründet, kurz nachdem einer von ihnen entdeckt hatte, dass der Cerro Rico, der Berg, an den die Stadt unmittelbar angrenzt, gigantische Silbervorkommen verborgen hält.

Potosí wuchs dann rasant an und wurde im 17. Jahrhundert sogar einmal für kurze Zeit zur zweitgrößten Stadt der Welt. Sie war der Inbegriff von Reichtum. Noch heute gibt es im Spanischen das geflügelt Wort „vale un Potosí“, was bedeutet, dass etwas ein Vermögen wert ist. Die Spanier haben insgesamt 60.000 Tonnen Silber aus dem Berg heraus gefördert und sind damit stinkreich geworden. Wenn ich hier schreibe, dass die Spanier das Silber gefördert haben, so ist das nicht ganz korrekt. Die Drecksarbeit in den Minen haben natürlich die einheimischen Aymara und Quechua aus der Region geleistet, ebenso wie Abertausende von Sklaven aus Afrika. Unzählige sind dabei zu Tode gekommen, denn die Arbeit in den Minen ist kein Zuckerschlecken und oft sogar gefährlich.

Nach meinem Nickerchen möchte mir Baymar zunächst die Altstadt zeigen. Das koloniale Zentrum von Potosí steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, weil noch so viele alte Gebäude erhalten sind. Man könnte fast meinen, dass sich seit Langem nichts geändert hat in dieser Minenstadt. Die Innenstadt ist tatsächlich hübsch, viele richtig alte Balkone und Fassaden reihen sich in fast allen Straßenzügen aneinander. Dazwischen stehen überraschend viele Kirchen. Wo die Gefahr so nah ist, muss man eben viel beten.

Nachdem wir in der Fußgängerzone einen kleinen Snack zu uns genommen haben, eröffnet mir Baymar, dass wir an diesem Nachmittag höchstpersönlich die Minen besichtigen werden. Wie ich dabei erfahre, hat er vor einigen Jahren selbst einmal für ein Jahr in der Mine gearbeitet. „Heute gibt es kaum noch Silber“, erklärt er mir. „Aber es bleiben noch große Zinn- und Zinkvorkommen sowie andere wertvolle Mineralien. Selten findet mal jemand eine Silberader. Aber die Spanier haben im Grund alles weggeräumt. Deshalb ist der Berg nun auch 300 Meter kleiner als vor 500 Jahren.“ Ich staune. „Deshalb und weil immer wieder Stollen einbrechen. Die sind nicht gut gesichert. Die Bedingungen für die Arbeiter haben sich eigentlich seit 500 Jahren kaum verändert oder verbessert.“ Bevor ich mir darüber ernsthafte Gedanken machen kann, schiebt mich Baymar in ein kleines Gebäude, durch mehrere Gänge zu einem Hinterhof, wo uns eine Dame mit einem freundlichen Lächeln empfängt. Neben ihr stehen bereits ein Franzose, ein Schweizer und ein Australier, die Gummistiefel, beigefarbene Hosen, rote Westen und sehr schmutzige Helme mit Stirnlampe tragen. Nachdem sich alle artig vorgestellt haben, muss auch ich mich in diese Uniform begeben. Allein schon die Tatsache, dass die Helme wohl bereits 30 Jahre alt sind und die Gummistiefel keine Stahlkappen haben, lässt mich Sorge um die Minenarbeiter empfinden. Zudem habe ich gelesen, dass unter ihnen auch Kinder und Jugendliche sind.

Wir setzen uns in ein Taxi und die freundliche Dame winkt uns hinterher. Vor dem Fahrer baumeln zwei Rosenkränze, ein Angry-Bird-Püppchen und eine kleine Diskokugel am Rückspiegel. Zunächst halten wir am Miners Market an. Hier muss jeder von uns ein Mitbringsel für die Minenarbeiter besorgen, denn sie bekommen schließlich nichts von dem Geld, das wir für diesen Ausflug bezahlt haben. In voller Montur steigen wir alle aus dem Taxi und Baymar führt uns zu einem von mehreren kleinen Läden, die sich entlang einer steilen Straße befinden. In dem etwa vier Quadratmeter großen Geschäftchen steht eine Frau in traditioneller Kleidung der Indigenas. Sie weiß schon, was wir wollen. Sie packt ein Säckchen zusammen und reicht es Baymar, ohne dass dieser große Worte an sie richten muss. Baymar erklärt uns, worum es sich handelt. In der Plastiktüte sind zunächst einmal Cocablätter. Diese sind für die Arbeit in den Minen unerlässlich, weil sie die Arbeiter ihren Hunger vergessen lassen. Um die volle Wirkung der Cocablätter zu erzielen, braucht man Asche, die gemeinsam mit den Blättern zerkaut wird. Diese gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Längliche Klumpen aus einem weißen oder dunklen Gemisch aus Asche und Süßkartoffelmehl, Banane oder Quinoa. Die einen schmecken süß, die anderen salzig. Ich koste von der Süßkartoffelpaste. Tatsächlich schmeckt das Gemisch süß. Trotzdem fühlt es sich an, als hätte man Staub im Mund.

„Man nimmt zwanzig bis dreißig Cocablätter in die Backe, dazu etwas von der Asche mit Geschmack und dann kaut man darauf etwa eine Stunde lang herum. Der Effekt hält zwei bis drei Stunden an. Dann braucht man Neue.“ So einfach ist das. „Die Minenarbeiter essen nicht in der Mine, weil es da so staubig ist“, lautet Baymars Erklärung dafür, dass offenbar ausnahmslos alle Arbeiter Cocablätter konsumieren.

In der Tüte ist außerdem eine Zweiliterflasche Limonade. Durst haben die schwer arbeitenden Männer trotzdem. Außerdem erstehen wir für die insgesamt etwa vier Euro einige selbstgedrehte Zigaretten und Dynamit. Der Miners Market in Potosí ist der einzige Platz auf der Welt, an dem jeder ganz legal Sprengstoff kaufen kann. Ich bin begeistert und schaue mir die graue Masse genauer an. Sie ist zu einer etwa einen Zentimeter dicken und fünfzehn Zentimeter langen Stange geformt und von dünnem Papier umgeben. Dazu gibt es ein Säckchen mit Ammoniumnitrat, das in einen kleinen Zylinder aus dünnem Metall hineingefüllt wird und als Zünder dient. Der letzte Bestandteil der explosiven Mischung ist die Zündschnur. Baymar erklärt uns, dass etwa fünf Zentimeter Zündschnur eine Minute Zeit bedeuten, in der man sich weiter hinten im Stollen verstecken kann.

Baymar demonstriert die Prozedur in einer kurzen Trockenübung. Er deutet auf die Ammoniumnitratkügelchen. „Die füllt man in den Detonator.“ Dann bringt man die Zündschnur, meist für zwei oder drei Minuten, daran an und beißt einmal kurz auf den metallenen Detonator, damit er die Zündschnur einklemmt und sie nicht herausrutscht. Schließlich schiebt man den Detonator in das Dynamit. Das ist leicht, denn es hat die Konsistenz von ungebackenem Salzteig. „Fünf Zentimeter von der Dynamitstange sprengen dir etwa einen Quadratmeter frei“, erklärt Baymar und kommt dann zum letzten Artikel: Alkohol. Er wird hier in Literflaschen verkauft. Auf dem Etikett steht auf Spanisch „Alkohol zum Verzehr, 96%“. Baymar berichtet wohl unter anderem aus eigener Erfahrung, dass die Arbeiter diesen Alkohol, der sich sicher prima zum Reinigen von allem Möglichen im Haushalt einsetzen ließe, tatsächlich trinken. „Unter der Woche gemischt mit Limo und freitags auch pur. Unsere kleine internationale Gruppe schüttelt sich bei dem Gedanken. Trotzdem lehnen wir nicht ab, als Baymar uns einen Schluck anbietet. Hier kommt uns die Sitte der Aymara und Quechua, immer den ersten Schluck der Pachamama, der Mutter Erde, zu widmen, gerade recht. Ich träufele also großzügig ein Schlückchen auf den Boden und probiere dann sehr vorsichtig von dem unheimlichen Gebräu. Obwohl ich nur meine Zunge benetzt habe, breitet sich der scheußliche Geschmack in meinem Mund aus. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie jemand freiwillig so etwas trinken kann.

Mit unseren fast ausnahmslos lebensgefährlichen Einkäufen steigen wir wieder ins Taxi. Dieses bringt uns zur Rosario-Mine, einer von 110 Minen im einst heiligen Berg. Wir gehen an einigen sehr provisorischen hölzernen Gebäuden vorbei. Baymar beruhigt uns mit der Information, dass hier niemand lebt, zumindest heute nicht mehr. Es handelt sich nur noch um Hütten, in denen die Minenarbeiter ihre Utensilien verstauen. Vor dem Eingang der Mine treffen wir auf drei Männer, die schmutzige Kleidung tragen und wie wir Helme mit Stirnlampen auf dem Kopf haben. Wir schenken ihnen gleich eines unserer Päckchen. Sie bedanken sich. Wir können dann beobachten, wie die Männer in einer Öffnung im Berg verschwinden. Der Eingang zur Mine ist mit einer abenteuerlichen Holzkonstruktion abgestützt und knapp zwei Meter hoch. Zwei parallel verlaufende dünne Gleise führen bis etwa fünf Meter vor dem Eingang aus dem Tunnel heraus. Der Boden steht gut eine Handbreit unter Wasser. Gut, dass wir die Gummistiefel tragen.

Da es hier draußen auf 4300 Metern Höhe recht kühl ist, starten wir gleich unsere Tour. Baymar bittet uns noch einmal, ihn sofort darauf hinzuweisen, wenn einer von uns Schwindelgefühle, starke Kopfschmerzen oder Angstzustände bekommt. Wir nicken brav und folgen ihm dann durch den Eingang ins Innere der Mine. Auf den ersten etwa 50 Metern ist der Stollen relativ fachmännisch mit Holzbalken gestützt. Es gibt im Innern kein Licht, aber die Stirnlampen sorgen dafür, dass wir uns nicht allzu oft die Köpfe stoßen. Außer den Gleisen gibt es nur einige Druckluftleitungen, die tief in den Berg hinein führen. Ansonsten ist hier nur rauer Fels zu sehen. Als wir einige Hundert Meter in den Berg hinein gegangen sind, weichen die professionellen Stützen punktuellen Konstruktionen. Meist laufen wir durch Tunnel, die ausschließlich aus rauem Fels bestehen. Oft müssen wir uns ducken, weil die Decke nur 1,50 Meter hoch ist. Schon nach wenigen Minuten bin ich sehr glücklich, den Helm zu tragen, mit dem ich mehrfach am Stein anstoße.

Hin und wieder bleiben wir stehen und Baymar lässt uns verschnaufen. Ist die Luft außerhalb der Mine schon wegen der Höhe sehr sauerstoffarm, so kommt hier im Innern des Berges noch eine ganze Menge Staub hinzu, der das Atmen zusätzlich erschwert.

Die erste Mine wurde 1545 von den Spaniern eingerichtet, kurz nachdem sie die Silbervorkommen entdeckt hatten. Vorher hatten die hiesigen Einheimischen den Berg wegen seiner perfekten konischen Form für einen heiligen Berg gehalten und ihn daher nicht angerührt. Sie brachten hin und wieder auf dem Gipfel ein Opfer. Ein Vulkanausbruch hatte sie erst 1450 daran erinnert, dass Pachamama es überhaupt nicht schätzt, wenn man ihr etwas zu Leide tut. Als die Spanier dann das Silber abbauen wollten, dazu natürlich die indigene Bevölkerung zwangen und auch noch alles außer Landes schafften, war die Begeisterung, wie man sich sicher vorstellen kann, sehr gering. Noch heute sind viele Bolivianer nicht so gut auf die Spanier im Allgemeinen zu sprechen. Sie erhielten wohl unter anderem wegen ihrer reichen Bodenschätze als Letzte auf dem südamerikanischen Kontinent ihre Unabhängigkeit von Spanien. Natürlich wissen die meisten, dass die Spanier, die heute Bolivien besuchen, nichts für ihre Vergangenheit können. Aber Baymar sagt, dass es noch immer stellenweise Ressentiments gibt.

Er weist auf die verschiedenen Farben von Gestein und auf einige Auffälligkeiten in den Wänden hin. Heute ist das Silber zum Großteil abgebaut. Es befand sich in den oberen Schichten des Berges. Die Minenarbeiter, die heute hier arbeiten, bauen ein Mineralgemisch ab, aus dem sich Zink, Zinn und andere Metalle gewinnen lassen. Hin und wieder stößt allerdings doch mal jemand auf eine Silberader. „Der hat dann meist in der nächsten Woche ein neues Auto“, sagt Baymar.

Einige Hundert Meter weiter wird es schließlich wärmer. Wir sehen einige der Wägelchen, mit denen die Arbeiter die Schlacke und die wertvollen Metalle aus dem Berg heraus befördern. Es handelt sich um uralte ganz einfache Loren, wie sie wohl auch schon vor 400 und vor 200 Jahren eingesetzt wurden. Vier Männer müssen an den vier Ecken ziehen und schieben und aufpassen, dass das Gefährt nicht von den Gleisen rutscht. Einer oder zwei weitere ziehen vorne an einem Strick.

Baymar erklärt, dass es heute 38 verschiedene Kooperativen gibt, die Bergarbeiter beschäftigen. Mehrere auch internationale Programme versuchen, die Kinderarbeit weitestgehend einzudämmen. Trotzdem arbeiten auch Jungs ab 14 Jahren in der Mine. Die Arbeitszeiten haben sich jedoch in den letzten Jahren an den internationalen Standard angepasst. Es wird an fünf Tagen in der Woche gearbeitet, für jeweils acht Stunden. Die Männer erhalten 100 Bolivianos am Tag, was einem Monatsgehalt entspricht, das höher als der Mindestlohn ist. Zudem steigt der Lohn mit der Erfahrung, die der jeweilige Arbeiter in der Mine hat. „Das ist gutes Geld“, sagt Baymar. Aber er fügt gleich hinzu, dass die meisten Arbeiter das verdiente Geld am Wochenende in den Karaokebars von Potosí in Alkohol investieren. Viele leben von einem Wochenende zum anderen und die meisten werden nicht sehr alt, was wohl auf die harte Arbeit unter immer noch schlechten Bedingungen zurückzuführen ist.

„Viele Arbeiter arbeiten lieber von Dienstag bis Samstag statt von Montag bis Freitag, weil am Montag traditionell Fußball gespielt wird“, erklärt Baymar auf unsere Frage hin, warum wir bisher noch niemanden bei der Arbeit angetroffen haben. Wir gehen weiter, kommen an Stellen vorbei, die grünlich oder gelb schimmern. Manchmal glitzert das Gestein. An einigen Stellen tritt Wasser durch die Decke ein und es haben sich kleine Stalaktiten aus einem grünlichen Material gebildet. Die sehr schmalen Nebenstollen, die vom Haupttunnel abgehen, sind teils nur 60-70 Zentimeter hoch und ich will mir kaum vorstellen, wie es ist, hier Tag für Tag zu schuften. Mir fällt das Atmen so schon schwer genug. Bei jeder Sprengung werden allerdings noch mehr Staub und Dreck freigesetzt und die Luft muss unerträglich sein.

Baymar kriecht mit uns durch weitere Stollen, die teils nur einen Meter hoch sind. Mit ein wenig Besorgnis erkenne ich immer wieder Stützbalken, die in der Mitte zerbrochen sind. Es wird noch wärmer, als wir schließlich nach unten klettern. Wir befinden uns nun eine Ebene unterhalb des Eingangs der Rosario-Mine. Hier begegnen wir endlich einigen Arbeitern, denen wir unsere Geschenke überreichen können. Sie sind gerade dabei, Pause zu machen. Ich muss schmunzeln, als ich ihren Pausenraum sehe. Es handelt sich nur um eine kleine Erweiterung des Tunnels, aber an den Wänden sind Poster von Pin-up-Girls aufgehängt, ganz genauso, wie ich es von den Baustellencontainern zu Hause kenne. Die Arbeiter scheinen sich über die Cocablätter und vor allem über den Alkohol zu freuen. Baymar unterhält sich ein wenig mit ihnen und sie teilen ihm mit, dass sie vor einer Woche eine sehr schwache Silberader gefunden haben. Einer der Arbeiter erklärt sich bereit, uns etwas davon zu zeigen. Er wählt nach kurzer Suche einen der umherliegenden Felsbrocken aus, die für mich alle gleich aussehen. Er pustet den allgegenwärtigen Staub weg, klopft mit einem anderen Stein ein wenig darauf herum und hält uns dann die frische Bruchstelle unter die Stirnlampen. Das rohe Silber sieht tatsächlich silbrig aus. Aber es gehört wohl einiges an Erfahrung dazu, um es von den anderen ebenfalls silberfarbenen Metallen zu unterscheiden.

Der Arbeiter erklärt uns dann, wie er die Löcher für die Sprengung vorbereitet. Hat er die passende Stelle ausgewählt, klopft er mit der Hacke oder mit Hammer und Meißel ein etwa 20 cm tiefes Loch von fünf Zentimetern Durchmesser in den Fels. Er präpariert Dynamit, Zünder und Zündschnur so wie es uns Baymar schon auf dem Markt im Hellen gezeigt hat und dann rennt er, um sich so weit wie möglich von der Stelle zu entfernen. Wir bedanken uns bei den Herren und gehen weiter.

Wiederum einige Meter weiter zeigt uns Baymar eine Art Altar. In einer Nische sitzt eine Figur, die etwa so groß wie ein Mensch ist. Sie ist aus Stein und Lehm geformt, hat menschliche Züge, einen auffällig großen Penis und zwei Hörner auf dem Kopf. Sie wurde mit Luftschlangen geschmückt und zu ihren Füßen türmen sich Cocablätter, die dieser Gottheit als Opfergabe gebracht wurden. Baymar erklärt, dass es sich um den Gott handelt, der die Minenarbeiter beschützt. Er wird Tio Jorge genannt.

„Er hat auch noch viele andere Namen. Das Wort Tio, Onkel, kommt wahrscheinlich von dem spanischen Wort Dios, Gott. Dieser Gott ist eine Mischung aus einem christlichen Gott und dem Berggeist, der die Minenarbeiter beschützen soll. Deshalb bringen sie ihm jeden Freitag im Rahmen einer Zeremonie ihre Opfergaben dar.“ Baymar erwähnt unnötigerweise, dass der übergroße Penis nichts damit zu tun hat, dass die Bolivianer gigantische Geschlechtsorgane haben, sondern eher ein Symbol für Fruchtbarkeit ist. Die Hörner der Gottheit kommen wohl daher, dass die Minenarbeiter vor 500 Jahren die Spanier für Teufel hielten. Das war kein Wunder, denn viele von ihnen mussten vier oder fünf Monate in den Minen zubringen, ohne das Tageslicht und ihre Familien zu sehen. Da kann man schon mal wütend werden.

„Dieser Tio Jorge ist etwa vor 40 Jahren hier aufgestellt worden. Es gibt noch Dutzende anderer Altäre solcher Art“, sagt Baymar und nestelt in seinen Taschen herum. „Wir sind alle katholisch, aber wenn wir hier unter der Erde sind, in der Pachamama, die eigentlich nicht will, dass Menschen in ihr Inneres vordringen, dann bringen wir alle Tio Jorge unser Opfer dar.“ Zu meinem großen Entsetzen zündet sich Baymar dann eine Zigarette an. Die Luft ist ohnehin schon so schlecht, staubig und sauerstoffarm, dass das Letzte, was wir noch gebrauchen können, Zigarettenqualm ist. Er zieht zweimal daran und schiebt sie dann in den leicht geöffneten Mund von Tio Jorge. Die beiden sitzen nun wie Kumpel nebeneinander und in Tio Jorges Mund qualmt die Zigarette weiter. Baymar ist zufrieden. „Seht ihr, er raucht sie weiter. Das bedeutet, dass wir Glück haben und sehr wahrscheinlich nicht verschüttet werden heute!“ Prima.

Wir steigen über einige waghalsig erbaute Treppen wieder auf die höhere Ebene der Mine. Hin und wieder kommen wir durch Räume, die um die 20 Meter hoch sind. Hier wurde eine große Mineralader gefunden und abgebaut. Danach zwängen wir uns durch schmale Schächte und klettern durch Öffnungen, die in meinen Augen schon recht abenteuerlich sind. Natürlich nehmen wir nur die Wege, die für Touristen zugänglich sind. Wir seilen uns nicht in Schächte ab, die kaum breiter als ein Mensch sind und wir müssen auch nicht auf allen Vieren kriechen. Jemandem mit Platzangst muss ich von einem Besuch dieser Minen unbedingt abraten. Mittlerweile bin ich nass geschwitzt, weil es im Innern des Berges mehr als 30 Grad warm ist. Nach knapp drei Stunden verlassen wir die ungastliche Atmosphäre des heiligen Berges wieder.