3 Roboter Krimis

Hendrik M. Bekker

Published by Cassiopeiapress Extra Edition, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Der neunte Planet

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Liebe bis zum Schluss

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Als könnte man sie umbringen ...

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Further Reading: Eroberer der Galaxis - Rivalisierende Mächte: Acht SF-Abenteuer

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About the Publisher

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Der neunte Planet

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VON HENDRIK M. BEKKER

Der Umfang dieses Buchs entspricht 17 Taschenbuchseiten.

Seit den frühen 2000er Jahren vermuteten Wissenschaftler aus Kalifornien, es gäbe einen Planeten, der seine Bahn hinter Pluto ziehen müsste. Das war allerdings immer eine umstrittene Theorie gewesen, bis ein Observationsposten der Marskolonie schwaches Infrarotlicht empfangen hatte. Damit war das Objekt bestätigt. Ein Mitarbeiter im Dienste von Perkov-Stellar-System macht sich mit einem Firmenroboter auf, den neuen Planeten nach Bodenschätzen zu untersuchen. Was sie dort allerdings vorfinden, ist unglaublich...

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EIN CASSIOPEIAPRESS Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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JOSHUA FILLIAN BLINZELTE gegen das Licht.

„Guten Morgen, Josh. Wir befinden uns nun im Anflug auf Objekt Pilger.“

Josh richtete sich auf und streckte sich. Er fühlte sich verspannt und unleidlich nach der Zeit in der Stasiskapsel. Vom Mars aus war es aufgrund der günstigen Stellung der Planeten zueinander ein Flug von mehreren Monaten gewesen. Dennoch hatte er einen Großteil der Zeit mit heruntergeregeltem Organismus in einer Stasiskapsel verbracht. Es sparte Energie und vor allem auch seine Lebenszeit, die er nicht allein nur mit dem Vaucan verbringen musste.

„Ihre Werte sind alle normal“, stellte 41Bert fest. Josh nannte ihn nur Albert. Er war ein Vaucan, wie man die nützlichen Dienerroboter nannte. Man hatte Josh diesen hier zugeteilt, der Vaucan war Firmeneigentum.

„Das freut mich“, brummte Josh und setzte sich aufrecht hin. Der Vaucan reichte ihm eine Hand und half ihm auf. „Gibt es Neuigkeiten?“

„Bisher noch nicht, ich kann es aber noch einmal überprüfen, wenn Sie wollen.“

Nachrichten konnten immer nur zeitverzögert zu ihnen gelangen. Sie waren aufgebrochen von einer Siedlung auf dem Mars, die eine Kooperation zwischen der Eurasischen Raumfahrt-Vereinigung und dem Perkov-Stellar-System-Konzern darstellte. Es war nicht so, dass sich Joshua um den Auftrag gerissen hatte. Er war schlicht der einzige Mitarbeiter im Dienste von Perkov-Stellar-System, der nicht nur nahe genug am Objekt Pilger war, sondern auch das momentan einzig verfügbare Raumschiff dorthin fliegen konnte: einen betagten Frachter der Atlas-Klasse.

Objekt Pilger hatte alles verändert.

Joshua war froh, dass das Schiff bereits in Rotation versetzt worden war. Die künstlich erzeugte Schwerkraft ermöglichte ihm, zügigen Schrittes zu seiner Kabine zu kommen. Nach einer kurzen Dusche und in frischer Kleidung setzte er sich ins Cockpit und rief noch einmal alles auf, was sie über Objekt Pilger wussten.

Es war erst vor Kurzem eindeutig bestätigt worden. Der Vaucan Albert setzte sich schweigend neben ihn in den Sitz des Kopiloten. Objekt Pilger war schon lange ein Thema, seit den frühen 2000er Jahren. Damals vermuteten Wissenschaftler aus Kalifornien, es gäbe einen Planeten, der seine Bahn hinter Pluto ziehen müsste. Mathematisch gesehen hätte er die zehnfache Erdmasse und würde seine Umlaufbahn in zehn- bis zwanzigtausend Jahren vollziehen. Das war allerdings immer eine umstrittene Theorie gewesen, bis nun Anfang des Jahres ein Observationsposten der Marskolonie schwaches Infrarotlicht empfangen hatte. Damit war das Objekt bestätigt, zumindest einigermaßen.

„Gibt es neue Meldungen vom Firmensitz?“, fragte Joshua an den Vaucan gerichtet.

„Nein, da die Umlaufgeschwindigkeit von Objekt Pilger derartig langsam für menschliche Maßstäbe ist, bisher nicht. Lediglich weitere Aufnahmen des von ihm ausgesendeten Infrarotlichts.“

Joshua nickte.

„Wir befinden uns nun in Sichtweite“, stellte Albert fest.

„Dann zeig es mir“, befahl Joshua. Er war wirklich neugierig. Die Firma wollte natürlich, dass er als erstes herkam. Es galt internationales Recht hier draußen, wenn also er den Planeten für die Firma sicherte, konnte sie etwaige Bodenschätze exklusiv ausbeuten.

Auf dem Bildschirm vor den beiden erschien eine Art kleiner grauer Ball.

„Den Sensoren nach handelt es sich um einen Eisplaneten, die Hülle besteht aus Wasserstoff und Helium. Die Temperatur liegt bei knapp minus 263 Grad Celsius“, erklärte Albert.

„Ähnlich wie Neptun“, murmelte Joshua. „Okay, wir haben ja eine Reihe von Zusatzspielzeug bekommen, um so viele Daten wie möglich zu sammeln.“

Er betätigte einige Schaltungen. „Ich werde zusehen, dass wir in einen stabilen Orbit kommen. Sorg du dafür, dass wir jedes bisschen Information aufnehmen, das wir können.“

„Zu Befehl“, sagte der Vaucan und machte sich in den Frachtraum auf. Dort war eine Reihe von Zusatzinstrumenten mehr oder weniger professionell verbaut worden. Der Boden des Frachtraums wirkte, als hätte man eine Kiste Bauklötze ausgekippt. Viele dieser kastenartigen Auswüchse enthielten die Zusatzsensoren, für die man kurzerhand durch die Hülle gebohrt hatte. Da der Atlas-Frachter beim Starten nicht durch eine erdähnliche Atmosphäre musste, war die Hüllenintegrität vollkommen vertretbar. Allerdings musste eine Reihe von Schaltungen dort per Hand bedient werden, weil es keine direkte Kommunikation mit dem Bordcomputer gab. So waren an Dutzenden dieser kastenartigen Auswüchse auch ein Bildschirm sowie eine Reihe Schaltmöglichkeiten angebracht.

Joshua schüttelte langsam den Kopf, während er sich einige der Daten der Fernortung auf dem Schirm anzeigen ließ. Der Planet besaß mehrere Erdmassen und einen Radius von mehr als drei Erden.

Über das interne Kommunikationssystem meldete sich nun der Vaucan.

„Ich empfange etwas, bitte bestätigen Sie das mit den Schiffssensoren.“

„Höre zu, Albert“, sagte Josh. „Worauf soll ich achten?“

„Funkwellen.“

„Funkwellen?“, fragte Joshua irritiert. Er sah den Lautsprecher, aus dem Alberts Stimme drang, fragend an. „Die brauchen Jahre, um herzukommen und ...“

„Ich habe laut den Anzeigen hier schwache Funkwellen.“

„Vielleicht sind wir ja nicht die ersten“, murmelte Joshua. Er änderte auf der Sensorenstation einige Einstellungen. „Immerhin könnte ein anderes Unternehmen noch überstürzter aufgebrochen sein als wir. Nun stecken sie vielleicht in der Klemme?“

Albert erwiderte nichts. Er hatte wiederholt deutlich gemacht, dass er keine Spekulationen anstellte, solange ihm die Faktenbasis zu gering war. Also überprüfte Joshua schweigend die Werte.

„Tatsächlich, Funkwellen“, sagte er verdutzt. Er stellte sie auf die zur Sensorstation gehörenden Kopfhörer und lauschte dem Funksignal.

Es war ein seltsamer Klang. Beinahe erinnerte es ihn an Walgesänge, doch tiefer, aber mit eindeutigen Lücken. Er rief eine grafische Darstellung der Schallwellen auf. Er selbst erkannte kein Muster, ließ aber erst mal einen Algorithmus darüber laufen. Dieser erkannte Muster, aber es kam nicht mehr dabei herum als eine Auflistung der eindeutig regelmäßigen Intervalle.

„Albert, ich habe eine Aufzeichnung von den Funkwellen. Sieh sie dir mal an.“

Er mochte es sich nicht eingestehen, aber der Vaucan war besser darin, hier ein Muster zu finden. Kommunikation und Sensordatenbank fielen in sein Feld, Josh war ein Pilot und zusätzlich in der Lage, den Atlas-Frachter im Notfall zu reparieren.

Joshuas Herz klopfte, während er die Aufzeichnung erneut anhörte. Das klingt wirklich regelmäßig, ja richtig intentional!, ging es ihm durch den Kopf. Irgendwer hat da etwas gesendet! Andererseits, rief er sich in Erinnerung, kann es auch eine Scheinrelation sein. Etwas natürliches, das nur so wirkt, als wäre es mit einem Willen geschaffen worden. Er dachte an etwas, das ihm mal ein Biologielehrer gesagt hatte: „Wir sind als Spezies dazu verdammt, immer nach Mustern zu suchen. Wir stammen schließlich von dem haarlosen Affen ab, der dachte: ‚Vielleicht raschelt es da hinten, weil da ein Tier ist‘, und nicht von dem, der unbedarft einfach gefressen wurde.“

Albert kam ins Cockpit und Joshua räumte seinen Stuhl. „Bitte, sieh es dir mal an und sag, ob du ein Muster erkennst!“

Der Vaucan setzte sich und rief eine Reihe Programme auf. Anschließend aktivierte er das Terminal und gab einige Zeilen Code direkt ein. Josh beobachtete ihn dabei und grinste dann.

Er hätte es nie direkt zugegeben, war aber beeindruckt vom Vaucan. Mittels einer kurzen Zeile ließ dieser nun einen Algorithmus über die Daten laufen, für die er gar nicht gedacht war.

„Jetzt warten wir“, sagte Albert und Josh nickte.

„Sag, wenn du was hast“, sagte er und setzte sich in den Pilotensitz. Er tippte ein paar Zeilen an seiner Konsole, lediglich ein Update für seine Chefs bei Perkov-Stellar-System, dass sie Funksignale empfangen hatten und sich Objekt Pilger nun genauer ansehen würden.

Er ließ sich einen Punkt berechnen, von wo aus er einen Marssatelliten erreichen konnte. Die ganze Nachricht wurde optisch gesendet, mittels Lichtimpulsen. Es gab nichts Schnelleres und selbst das Licht brauchte eine Weile bis zum Mars. Dort würde es erneut Zeit brauchen, bis man antworten würde. Er würde sicher nicht allzu bald von ihnen hören.

„Kannst du ihnen etwas senden?“, fragte Josh.

„Natürlich, was?“

Josh verfluchte die Konzernleute, dass er zwar ein Dutzend Möglichkeiten hatte, für jedweden Notfall vorgefertigte Nachrichten zu senden, aber keine für einen Erstkontakt. Es ging hier nicht mehr nur um Rohstoffe, es ging um etwas nie dagewesenes!

Er betätigte die Aufnahmefunktion, der Konsole vor sich.

„Hier spricht Joshua Fillian in Vertretung des Perkov-Stellar-System-Konzerns. Wenn Sie uns verstehen, melden Sie sich bitte.“

An den Vaucan gewandt fügte er hinzu: „Schick das mit einer Grußbotschaft auf Funkwellen und dazu auch noch gemorst als Funksignal. Irgendwas werden sie schon bemerken.“

„Aber möglicherweise nicht verstehen“, stellte der Vaucan fest.

„Klar“, sagte Josh. „Aber es reicht, wenn sie uns überhaupt reden hören. Dann wissen sie, dass wir da sind und senden können.“

Joshuas Herz schlug bis zum Hals, während der Vaucan sendete.

Möglicherweise machte er nun hier den Erstkontakt mit einer fremden Spezies! Nicht dass er bezweifelte, dass es anderes Leben im All gab, das war durch Bakterienfunde schon lange bekannt. Doch höheres Leben, welches, das fähig war, Funkwellen auszusenden, das war etwas anderes!

Eine Weile saßen sie schweigend im Cockpit, während er den Frachter in eine langsame stabile Umlaufbahn einschwenkte und die Oberfläche des Planeten die Sicht ausfüllte. Er war erstaunlich schön, befand Joshua. Tiefe Krater waren unter ihm zu sehen, möglicherweise Einschlagstellen von Asteroiden.

„Ich empfange einen Lichtstrahl.“

„Bitte was?“, fragte Joshua und drehte sich leicht, um Albert anzusehen. Der Vaucan sah ihn ruhig in der ihm eigenen Art an.

„Ich empfange einen Lichtstrahl“, wiederholte er. „Ich markiere ihn, damit Sie ihn besser sehen.“

Auf Joshuas Bildschirm erschien nun eine deutlich sichtbare grüne Linie, die vom Planetoiden ausging.

„Das ist ein Richtstrahl“, stellte Joshua fest. „Warte mal.“

Er flog das Schiff so, dass es vom Strahl getroffen wurde, und richtete es auf den Planetoiden aus. Er wartete.

Gerade als er etwas sagen wollte, konnte er sehen, wie sich eine Felsspalte öffnete.

„Tatsächlich scheinen sie uns einzuladen“, bemerkte er.

„Möglicherweise ist es allerdings auch eine Falle“, stellte Albert klar. „Allerdings sind Sie der Bevollmächtigte, es ist Ihre Verantwortung.“

„Danke für die Erinnerung“, brummte Joshua. „Ich denke, wir fliegen rein. Jedwede Kommunikation dauert Wochen! Bis irgendwer hier ist, kann nochmal so viel Zeit vergehen. Ich denke also, wir gehen rein. Wenn sie uns töten wollten, wieso sollten sie unsere Aufmerksamkeit erlangen?“

„Ich denke nicht, dass es sich lohnt, Vermutungen über die Motivation einer anderen Spezies anzustellen“, stellte der Vaucan fest. Joshua grinste ihn an.

„Habe ich etwas Missverständliches oder Humorvolles gesagt?“, fragte der Vaucan.

„Schon irgendwie“, bemerkte Josh. „Aber lassen wir das.“