Das Jahr des großen Wachsens – Meike Winnemuths neues Abenteuer
Weltreisende sucht Ort zum Bleiben: Ihr Bestseller Das große Los hat Hunderttausenden Lust gemacht, aufzubrechen und die Welt zu sehen. Inzwischen will Meike Winnemuth nur eins: ankommen, Wurzeln schlagen, festen Boden unter den Füßen. Und zwar einen, den sie persönlich dorthin geschaufelt hat. Sie startet das Projekt »Garten«. Obwohl sie nie einen hatte und nicht mal ahnt, wie man Tomaten zieht. Einzige Regel für den Anfang: Das Grüne muss nach oben. Träumen und planen, schuften und graben, säen, pflanzen, ausprobieren, ernten, essen. Mit Tempo und Witz erzählt Meike Winnemuth in ihrem Tagebuch vom großen Wachsen (Muskelkater!) und Werden (plötzlich: geduldig!). Und sie entführt uns an einen paradiesischen Ort wahren Lebens, mit Radieschen und Schnecken, mit Rittersporn und anderen blauen Wundern.
Meike Winnemuth, 1960 in Neumünster geboren, ist freie Journalistin, Autorin und preisgekrönte Bloggerin (www.meikewinnemuth.de). Ihr Buch Das große Los. Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr wurde ein enormer Publikumserfolg. Sie lebt in Hamburg und an der Ostsee.
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Copyright © 2019 Penguin Verlag
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
Fotos: Felix Amsel, Meike Winnemuth; mit Ausnahme von:
[siehe hier] Getty Images/The LIFE Picture Collection/Ralph Morse
[siehe hier] Marsha Arnold
Bildbearbeitung: Lorenz & Zeller, Inning a. Ammersee
Illustrationen: Inka Hagen, www.inkahagen.de
Umschlaggestaltung: FAVORITBUERO, München
Umschlagabbildungen: Felix Amsel; GoodStudio/Shutterstock
Satz: Leingärtner, Nabburg
ISBN 978-3-641-16588-8
V003
www.penguin-verlag.de.
»Do I contradict myself?
Very well, then I contradict myself,
(I am large, I contain multitudes.)«
WALT WHITMAN, SONG OF MYSELF
VORWORT
»Was machen Sie denn hier? Das sind doch Sie, oder?«, fragt die Dame auf dem Parkplatz.
»Ähm … Wen genau meinen Sie denn?«
»Na, Sie sind doch diese Weltreisende? Ich habe Sie mal im Fernsehen gesehen. Beim Jauch gewonnen, ein Jahr unterwegs …?«
»Ja«, sage ich. »Das bin ich. Oder war ich. Ist schon ein paar Jahre her.«
Wir plaudern ein bisschen über das Reisen, über die Welt, über das Weltreisen. Sie blickt in meinen Einkaufswagen. »Und was wollen Sie damit?«
Wir stehen vor einem Gartencenter, im Wagen liegen drei Sack Pflanzerde, zwei Sack Hornspäne, eine Packung Urgesteinsmehl, ein Paar Gartenhandschuhe, obenauf eine Palette mit etwas ramponiertem Wald-Geißbart von der Resterampe, Stück ein Euro, ein Mitleidskauf.
»Das ist für meinen Garten«, sage ich.
»Ach! Wohnen Sie denn jetzt hier in der Nähe?«
»Ja.«
»Soso. Da bin ich ja mal gespannt, wie lange Sie es bei uns aushalten.«
Ich will antworten, aber sie ist schon in ihr Auto gestiegen. Seufzend wuchte ich die Säcke in den Kofferraum.
Auf dem Weg nach Hause denke ich über die Begegnung nach, sie ist nicht die erste dieser Art. Es scheint immer noch erklärungsbedürftig zu sein, dass ich jetzt hier bin, fern der Welt, so scheinen es alle anderen wahrzunehmen. »Ach, Sie reisen gar nicht mehr?« Das klingt immer enttäuscht. Als ob ich Verrat am schönen Leben begehe, als ob sich ein Zugvogel freiwillig in einen Wellensittichkäfig gesetzt hat.
Zur Urlaubszeit rufen immer noch Frühstücksradioredaktionen an, ob ich nicht morgen um viertel vor sieben live on air fünf super Kofferpacktipps geben könne. Nee, sage ich, tut mir leid. Mal abgesehen davon, dass ich zu der Zeit keinen geraden Satz rausbringe: Ich bin längst woanders.
Ich habe ein Blechschild mit dem Aufdruck »Bin im Garten«, das ich immer an die Haustürklinke hänge, wenn ich hinten arbeite, aber eigentlich ist es nicht mehr nötig. Der Postbote und die meisten anderen Besucher gehen sowieso automatisch hinten rum, die wissen schon, wo ich bin.
Bin im Garten, das ist inzwischen ebenso sehr eine Orts- wie eine Zustandsbeschreibung. Ich grabe Pflanzlöcher und verwurzele mich, ich schaufele Erde und finde festen Boden unter den Füßen, ich bin an einem Ort angekommen, den ich vorher noch nicht kannte: zuhause. Ein selbstgeschaffenes Reich, in dem mein Wille geschehe – dachte ich vorher. Die Natur hat sich kaputtgelacht, und ziemlich bald habe ich mitgelacht.
Beim Reisen geht es nicht darum, sich durch die Welt zu bewegen, sondern von der Welt bewegt zu werden, berührt und verändert. Das funktioniert auch auf ein paar hundert Quadratmetern, wie ich in diesem Jahr festgestellt habe. Wenn man die Reisemetapher endgültig zu Tode reiten möchte: Mein erster Ausflug in den Garten war in vielem eine Abenteuerreise in ein fremdes Land mit anfangs noch undurchschaubaren Gesetzen. Terra incognita. Aber es ist ein sehr gastfreundliches Land, in das ich da geraten bin, es hat mich umarmt und reich beschenkt, mit Blumen und Bohnen, mit Erbsen und Erfahrungen.
Und es liegt nur ein paar Schritte weit entfernt.
Dieses Buch ist das Logbuch eines Gartenjahrs, ein Versuch, das Unbeschreibliche zu beschreiben: die Freude, das Staunen, die tiefe Verbundenheit mit einem kleinen Fleckchen Erde, das bis zum Himmel reicht. Was es nicht ist, das muss ich warnend vorausschicken: ein Buch voller Gartentipps und -tricks. Das soll lieber jemand schreiben, der deutlich mehr Erfahrung hat als ich. Ich lerne es ja selbst gerade erst, und würde man sich von einer Dreijährigen das Laufen beibringen lassen wollen?
Wenn man von seinem Garten spricht, habe ich schnell gemerkt, ist das so, als ob man von seinem Säugling oder von seinem Haustier erzählt: endlos faszinierend für den Gartenbesitzer oder die Mutter oder den Hundehalter, zum Augenrollen für alle, die das Pech haben, zuhören zu müssen. Tja. Nun haben Sie leider das Buch gekauft, da müssen Sie jetzt durch. Aber mit Glück haben Sie selbst einen Garten, den Sie lieben, dann haben Sie sich vermutlich denselben Virus eingefangen wie ich. Und falls Sie keinen Garten haben, aber gern einen hätten: Vielleicht habe ich Sie hinterher angesteckt, es einfach zu probieren, idealerweise mit dem goldenen Leitsatz im Herzen, der für das Reisen, den Garten und praktisch alles im Leben gilt: Einfach mal machen – es könnte ja gut werden.
JANUAR