Copyright: © Junfermann Verlag, Paderborn 2019

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Erscheinungsjahr dieser E-Book-Ausgabe: 2019

ISBN der Printausgabe: ISBN 978-3-95571-909-8

ISBN dieses E-Books: 978-3-95571-941-8 (EPUB), 978-3-95571-943-2 (PDF), 978-3-95571-942-5 (MOBI).

Worum geht es?

„Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“

(Ödön von Horváth)

Fast alle Menschen kennen Situationen, in denen sie Dinge tun, die sie „eigentlich“ nicht tun wollen: in denen sie ärgerlich sind, obwohl es objektiv gar keinen Grund dafür gibt, in denen sie empfindlich reagieren, obwohl dies nicht erforderlich wäre, in denen sie sich vor etwas fürchten, von dem sie wissen, dass es im Grunde gar nicht gefährlich ist, usw. Wie wir in diesem Buch sehen werden, gehen solche Reaktionen auf sogenannte Persönlichkeitsstile zurück: auf persönliche Eigenarten, die wir im Laufe unserer Biografie lernen und die unser Denken, Fühlen und Handeln stark prägen. Gerade sie bestimmen, wovor wir uns fürchten, wann wir kränkbar sind, was uns aggressiv macht und wo wir die Realität falsch interpretieren. Solche Persönlichkeitsstile sind komplexe psychische Strukturen, die uns kaum bewusst sind und die wir meist selbst nicht verstehen: Wir können oft gar nicht genau sagen, warum wir so handeln, wie wir handeln. Das ist zwar normal, jedoch auch extrem ungünstig, denn so können wir unsere Handlungen nur vage vorhersagen, schlecht kontrollieren (falls wir das wollen) und nur mühsam verändern.

Ein wesentliches Ziel dieses Buches ist es, Persönlichkeitsstile aus psychologischer Sicht so zu beschreiben, dass man sie nachvollziehen und vor allem erkennen kann, welchen Stil man selbst aufweist. Erst dann wird einem verständlich, warum man so denkt, fühlt und handelt, wie man es tut. Auf dieser Wissensgrundlage wird man nachsichtiger mit sich selbst, kann vorhersagen, wie man in bestimmten Kontexten reagiert, ist fähig, etwas dagegen zu tun, Alternativen zu entwickeln und – zumindest zum Teil – seine Strukturen zu verändern.

Als Mensch wird man natürlich nicht nur mit den eigenen Persönlichkeitsstilen konfrontiert. Man macht auch in vielfältiger Weise Erfahrungen mit den Stilen anderer. Dabei besteht eine Wechselwirkung: Aufgrund unserer eigenen Stile reagieren andere Personen vielleicht ärgerlich, obwohl wir uns „keiner Schuld bewusst“ sind; sie reagieren empfindlich, obwohl wir gar nichts Böses wollen, oder ängstlich, obwohl von uns gar keine Bedrohung ausgeht, usw. Und auch hier stehen wir oft vor einem Rätsel: Wir fragen uns, warum ein Interaktionspartner so (extrem) reagiert, obwohl es sich aus der jeweiligen Situation heraus kaum erklären lässt.

Manche Menschen werden aufgrund ihres Persönlichkeitsstils auch zu recht „schwierigen Interaktionspartnern“: Sie wittern z. B. überall Verrat, reagieren auf jede Form von Kritik äußerst empfindlich, sabotieren und stellen uns damit vor große Herausforderungen. Wieder wird man mit Handlungen konfrontiert, die man nicht versteht, die man (fälschlicherweise) auf sich selbst bezieht, mit denen man nicht gut umgehen kann und die einen im Extremfall hilflos machen.

Solche Probleme können in allen Beziehungsformen auftreten: In der Partnerschaft, im Freundeskreis, innerhalb der Familie, unter Arbeitskollegen und im Vorgesetzter-Mitarbeiter-Verhältnis. In manchen Fällen wird die Beziehung zu einer Person zu einem echten Stressfaktor, z. B. wenn man einen Chef hat, der einen sehr ausgeprägten Persönlichkeitsstil aufweist. Das ist der zweite Grund, warum es sinnvoll ist, Persönlichkeitsstile zu verstehen: Wenn Sie nachvollziehen können, warum Ihr Interaktionspartner so denkt, fühlt und handelt, wie er es tut, müssen Sie sein Handeln nicht mehr auf sich beziehen. Sie können nachsichtiger sein, weil Sie wissen, wie Sie gut mit den Eigenheiten des anderen umgehen. Sie können „Fallen und Minen“ vermeiden und die Beziehung wesentlich konstruktiver und harmonischer gestalten. Und Sie können Konflikte und nervige Auseinandersetzungen umgehen und so Ihre Lebensqualität deutlich erhöhen.

Zur Struktur des Buches

Im ersten Buchteil erkläre ich Ihnen, was Persönlichkeitsstile sind und wie man sie – psychologisch betrachtet – verstehen kann. Ich gehe außerdem darauf ein, was man tun kann, um mit seinem eigenen Stil besser klarzukommen und konstruktiv mit dem Stil anderer Menschen umzugehen.

Im zweiten Teil des Buches konkretisiere ich die einzelnen Persönlichkeitsstile. Dabei sind die Kapitel weitgehend gleich aufgebaut. Sie beginnen mit einer kurzen Charakterisierung, und um ein solides Verständnis zu schaffen, beschreibe ich die „typischen“ biografischen Erfahrungen, die zur Ausprägung der jeweiligen Stile geführt haben. Davon lässt sich gut ableiten, wie eine Person an ihre spezifischen Annahmen über sich und die Welt gekommen ist:

Zuletzt befasse ich mich mit den Fragen, was wir selbst tun können, um unsere „Persönlichkeitskosten“ zu senken, und wie wir mit einer Person umgehen können, die einen der beschriebenen Stile aufweist.

In jedem Kapitel gebe ich Impulse zur Selbstreflexion, um sich selbst und anderen besser auf die Schliche zu kommen.

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Reise zu sich selbst (und Ihren Mitmenschen)!

Ihr
Rainer Sachse

4. Besser mit sich und anderen umgehen

Wie deutlich geworden ist, sind Persönlichkeitsstile komplex. Es ist nicht leicht, seine eigenen Stile zu verstehen, und es ist schwierig, die Stile von Interaktionspartnern zu begreifen. Wie wir gesehen haben, erzeugen aber Stile für die Person selbst mehr oder weniger hohe Kosten: Und wenn / falls man diese Kosten nicht will, dann muss man logischerweise etwas bei sich ändern: In aller Regel kann man aber sein Handeln nur dann ändern, wenn man es selbst versteht: Versteht man nicht, warum man so handelt, denkt oder fühlt, wie man es tut, dann weiß man auch nicht, was man eigentlich ändern sollte, und vor allem nicht, wie.

Zudem führen Persönlichkeitsstile sehr häufig zu „Interaktionskosten“, also zu Problemen, Konflikten, Ärger mit Interaktionspartnern; und das bedeutet aus der Sicht des Interaktionspartners, dass ein Umgang mit einer Person, die einen bestimmten Stil aufweist, oft schwierig ist. Einem Interaktionspartner können bestimmte Handlungen, Empfindlichkeiten, Ansprüche etc. einer Person (sehr) „auf die Nerven gehen“ und sie können ihn u. U. hilflos machen. Das ist der zweite Grund, warum es wichtig ist, Persönlichkeitsstile zu verstehen: Man muss verstehen, wie „eine Person tickt“, um zu wissen, wie man gut mit ihr umgehen kann.

Daher möchte ich mich hier und in den nächsten Kapiteln mit der Beantwortung von zwei zentralen Fragen befassen:

  1. Was kann ich, der ich einen bestimmten Stil aufweise, selbst tun, um meine Kosten zu reduzieren und meine Lebensqualität zu erhöhen?
  2. Wie kann ich mit einem Interaktionspartner, der einen bestimmten Stil aufweist, konstruktiver umgehen, damit sich die Beziehung verbessert?

In diesem Kapitel möchte ich dazu einige allgemeine Hinweise geben. Im zweiten Buchteil finden Sie dann spezifische Aspekte zu den einzelnen Stilen.

4.1 Selbstverständnis und Selbstmitgefühl

Hier sollen einige allgemeine Prinzipien dargestellt werden, denen eine Person folgen kann, um ihre mit einem Stil verbundenen Kosten zu reduzieren und einen besseren Umgang mit sich selbst zu realisieren.

Wie schon mehrfach betont, ist die Grundlage jedes Änderungsprozesses der Versuch, zu verstehen, „wie das eigene System funktioniert“. Daher sollte man sich Folgendes fragen:

Beziehungsmotive

Selbstschemata

Beziehungsschemata

Normschemata

Regeln

Manipulation

Wenn Sie diese Fragen beantworten können, dann haben Sie zu jedem Punkt Informationen: Sie erstellen über sich ein bestimmtes „Profil“. Wenn Sie dieses Profil nun mit den Informationen vergleichen, die bei den einzelnen Stilen aufgeführt sind, dann sehen Sie, mit welchem Stil ihr Profil übereinstimmt. Das bietet Ihnen einen deutlichen Hinweis darauf, welchen Stil Sie aufweisen. Sie können natürlich auch Ihr Handeln mit den Eigenheiten vergleichen, die bei den einzelnen Stilen spezifiziert sind: Auch das gibt Ihnen Hinweise darauf, welcher Stil Ihnen nahe kommt.

4.2 Mein Gegenüber besser verstehen

Wenn Sie einen großen Bekanntenkreis haben (Partner, Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen, Chefs etc.), ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie auf eine Vielzahl von Menschen treffen, die ausgeprägte Persönlichkeitsstile aufweisen. Mit einigen dieser Stile werden Sie gut klarkommen. Diese sind mit Ihrem Stil „kompatibel“, die beiden Stile harmonieren oder anders gesagt: „Die Chemie stimmt.“ Dann ist alles o. k. und Sie sollten hier gar nichts unternehmen.

Nun kann es aber gut sein, dass Sie auf Personen treffen, deren Handeln Sie irritiert, ärgert, kränkt u. a.. Der Interaktionspartner tut aufgrund seines Stils etwas, was ihren Stil „herausfordert“ (triggert). In diesem Fall haben Sie ein Interaktionsproblem: Die Interaktion mit der Person ist schwierig, unangenehm und belastend.

Aus dieser Situation ergibt sich die Notwendigkeit, Strategien zu entwickeln, mit deren Hilfe Sie besser mit diesem Interaktionspartner umgehen können. Strategien, durch die Sie die Beziehung zu dieser Person verbessern können. Und dazu müssen Sie den Persönlichkeitsstil des Interaktionspartners erst einmal verstehen. Nur dann können Sie sich konstruktiv auf diese Person einstellen!

Nutzen Sie die Informationen, die Ihnen in den nächsten Kapiteln gegeben werden, um Hypothesen darüber zu bilden, welchen Stil ihr Interaktionspartner aufweist: Beobachten Sie sein Handeln, seine Eigenarten und sehen Sie, zu welchen Stilbeschreibungen sie passen.

Nutzen Sie die Fragen zur Stil-Identifizierung, die wir oben zur Feststellung des eigenen Stils verwendet haben. Versuchen Sie so, Beziehungsmotive, Schemata, Manipulationen herauszufinden, denn das gibt Ihnen sehr gute Hinweise auf den Stil des Interaktionspartners.

Stellen Sie bei sich selbst fest, was genau Sie stört

Wenn Sie mit einem Interaktionspartner ein Problem haben, dann tut dieser etwas, was Sie stört. Wichtig ist, dass Sie herausfinden, was genau Sie stört. Stellen Sie sich folgende Fragen:

Und auch:

Die Antworten auf diese Fragen stellen die Grundvoraussetzungen für Ihr weiteres Handeln dar: Wenn Sie den Interaktionspartner prinzipiell akzeptieren können und wenn Sie die Beziehung zu ihm verbessern wollen, dann tun Sie das. Wenn das Handeln des anderen Ihnen aber völlig auf die Nerven geht, dann versuchen Sie ihn zu meiden: Brechen Sie den Kontakt ab, lassen Sie sich versetzen oder suchen Sie sich eine neue Stelle. Oder reduzieren Sie den Kontakt wenigstens auf ein Minimum. Denn die Chancen, in einem solchen Fall die Beziehung zu verbessern, sind nahe null.

Und denken Sie daran: Wir alle haben Interaktionspartner, die wir nicht ausstehen können und mit denen wir nichts zu tun haben wollen. Dies ist völlig normal und völlig o. k. Tun Sie es sich selbst bitte nicht an, zu glauben, sie müssten mit jedem auskommen können. Das schafft kein Mensch!

Bauen Sie eine gute Beziehung auf

Versuchen Sie, zu dem Interaktionspartner eine möglichst gute Beziehung aufzubauen, d. h. „Beziehungskredit“ zu schaffen: Je positiver er Sie einschätzt, je mehr er Ihnen vertraut, desto besser wird er Sie behandeln und desto mehr können Sie sich in Ihrem Verhalten „leisten“ (daher: „Kredit“).

Die absolut beste Möglichkeit, eine gute Beziehung zu schaffen, ist über sogenannte „komplementäre Beziehungsgestaltung“: Weniger hochtrabend formuliert versuchen Sie, die zentralen Beziehungsmotive der Person, soweit Sie können und wollen, zu befriedigen, also möglichst viel von dem zu tun, was die Person möchte, braucht, sich wünscht oder wonach sie sich sehnt. Noch weniger hochtrabend formuliert: Füttern Sie den Interaktionspartner! Geben Sie ihm, was er will: Will er Lob, geben Sie ihm Lob; will er Aufmerksamkeit, dann geben Sie ihm Aufmerksamkeit usw.

Aber beachten Sie: Tun Sie das alles nur dann, wenn es für Sie o. k. ist, wenn Sie das authentisch können. Geht Ihnen das Ganze gegen den Strich, dann tun Sie es nicht! Denn wenn Sie dem Interaktionspartner etwas vorspielen, ist die Gefahr groß, dass er genau das merkt. Und dann nimmt er Ihnen das richtig übel – Sie können dadurch jedes Vertrauen völlig verspielen!

Wenn Sie es jedoch authentisch können, dann nutzen Sie jede Gelegenheit: Sagen Sie Ihrem Chef, wie toll er ist, geben Sie Ihrer Partnerin volle Aufmerksamkeit, so viel, so oft und so lange, wie Sie können! Und denken Sie vor allem an eins: Wenn Sie einer Person Feedback geben, um ein Motiv zu befriedigen, dann ist das Feedback keine Information, es ist Futter!

Wenn Ihr Partner hören will, wie wichtig er für Sie ist, dann ist es unsinnig anzunehmen, Sie müssten es ihm nicht mehr sagen, weil er das „ja schon weiß“. Denn es geht nicht darum, „was er weiß“, sondern darum, dass er auf dieses Feedback „Hunger hat“. Nehmen Sie nicht an, Sie müssten es ihm heute nicht mehr sagen, da Sie es ihm schon gestern gesagt haben! Sie müssen ja schließlich heute essen, obwohl Sie gestern auch schon gegessen haben! Dann hilft es Ihnen auch nicht, wenn jemand sagt: „Wieso willst du heute essen? Ich habe dich doch schon gestern gefüttert.“ Und eine Person, die ein sehr starkes Motiv hat, ist sehr hungrig, sie braucht also viel Futter: Es ist schwer, sie zu „überfüttern“, aber man kann sie schnell „hungern“ lassen!

Triggern Sie die hyperallergischen Schemata so wenig wie möglich

Wie wir gesehen haben, weisen alle Personen mit Stilen hyperallergische Schemata auf (vgl. Abschnitt 2.1.3): Stellen, an denen sie empfindlich sind, kränkbar, verletzlich. Wenn Sie solche Schemata aktivieren, dann bucht Ihnen die Person Beziehungskredit ab! Sie wird sauer auf Sie und das verschlechtert eindeutig die Beziehung.

Nun ist es ein Charakteristikum hyperallergischer Schemata, dass man ihre Aktivierung nie völlig vermeiden kann. Aber man kann sich bemühen, alles zu umgehen, was einen solchen Effekt hat. Wenn Ihr Partner auf Bemerkungen über seine Pfunde allergisch reagiert, dann lassen Sie solche Bemerkungen sein (auch im Streit!). Wenn Ihr Chef nicht an alte Misserfolge erinnert werden will, dann halten Sie darüber den Mund!

Verwenden Sie Trojanische Pferde

„Trojanische Pferde“ sind solche Aussagen, die die Information, die man einer Person geben will, so „verpacken“, dass die Person sie akzeptieren kann: Sie stürmen also nicht die Festung, sondern stellen ein nettes Pferd vor die Pforte, das die Bewohner dann selbst reinziehen.

Möchten Sie z. B., dass ein narzisstischer Mitarbeiter sich mit einer Aufgabe auseinandersetzt, die er offenbar meidet, dann sagen Sie nicht: „Du musst das tun!“ oder „Es ist blöd von dir, das nicht zu tun!“. Denn dann lösen sie entweder Reaktanz (Abwehr) aus oder Sie beleidigen die Person. Stattdessen sollten Sie sagen: „Ich weiß, die Aufgabe X ist unangenehm und schwierig. Aber ich denke, dass du der Einzige bist, der diese Aufgabe wirklich gut bewältigen kann. Du bist der Einzige, der sich einer solchen Herausforderung stellen kann.“

Wehren Sie sich geschickt gegen Manipulation

Ihr Interaktionspartner wird gelegentlich versuchen, Sie zu manipulieren. Ein Interaktionspartner mit einem ausgeprägten Stil wird sogar häufig versuchen, Sie zu manipulieren. Um nicht unzufrieden oder selbst ärgerlich zu werden, sollten Sie sich das nur begrenzt gefallen lassen (o .k. ist es, wenn es ausgeglichen ist).

Um sich gegen Manipulation wehren zu können, müssen Sie merken, dass und wie Sie manipuliert werden.

Manipulationen entdecken

Manipulationen entdecken Sie meist dadurch, dass Sie Ihre gefühlsmäßige Reaktion auf das, was der Interaktionspartner tut, beachten: Wird man manipuliert, hat man oft als Erstes ein diffuses Störgefühl (eine Intuition) der Art:

Und wenn Sie etwas Derartiges spüren, dann tun Sie sich selbst den Gefallen und nehmen Sie Ihre Störgefühle ernst: „Trust your intuition!“ Sie wissen dann, dass etwas im Busch ist, nun müssen Sie aber noch feststellen, was es ist! Und das tun Sie am besten, indem Sie analysieren, welche Images und Appelle der Interaktionspartner Ihnen sendet. Lassen Sie dazu das Handeln des Interaktionspartners „auf sich wirken“: Seine Aussagen, seine Gestik, Mimik und alle Signale, die er sendet. Stellen Sie sich dann die folgenden Fragen und lassen Sie die Antwort dazu spürbar aus dem Gefühl heraus entstehen.

Wenn ich diese Fragen beantworten kann, habe ich eine ziemlich gute Vorstellung davon, was ein Interaktionspartner von mir will, „wozu er mich bringen will“ oder „wofür er mich einspannen will“. Und wenn ich das weiß, dann sollte ich mich entscheiden, ob ich das zulassen will oder nicht: Will ich mich manipulieren lassen oder nicht? Wenn ich es nicht will, sollte ich Gegenstrategien anwenden.

Gegenstrategien gegen Manipulationen

Eine in aller Regel sehr wirksame Gegenstrategie gegen eine Manipulation ist, die Manipulation „transparent zu machen“, sie also aufzudecken. Wenn Sie z. B. erfasst haben, dass Ihr Interaktionspartner will, dass Sie ihn von bestimmten Aufgaben entbinden, dann sagen Sie bitte sehr freundlich, nicht vorwurfsvoll (!), was Sie vermuten, was er will, z. B.: „Ich denke, du möchtest, dass ich deine Aufgaben übernehme.“ Oder: „Du willst, dass ich glaube, dass es dir so schlecht geht, dass du deine Pflichten nicht erfüllen kannst.“

Denken Sie hier daran: Sie wollen im Grunde, dass er weiß, dass Sie wissen, was er wirklich will und was er macht – nicht mehr! Sie wollen nicht, dass er „gesteht“ – das wird er sicher nicht tun! Er soll nur wissen, dass er Sie nicht mehr austricksen kann!

Sagt er also: „Nein, das stimmt überhaupt nicht“, dann sagen Sie einfach: „So – ich hatte aber den Eindruck.“ Oder sogar noch: „Und den Eindruck habe ich immer noch.“ Mehr nicht – das reicht! Nun weiß er Bescheid, dass das Spiel auf einem neuen, für ihn schwierigeren Level angekommen ist!

Abgrenzung

Wenn Sie es für erforderlich halten, können Sie sich darüber hinaus auch noch abgrenzen. Also sagen Sie: „Das ist aber nicht o. k. für mich. Ich möchte deine Aufgaben nicht übernehmen, denn es sind deine Aufgaben.“ Sie sagen das sehr freundlich, aber auch sehr bestimmt und klar. Wahrscheinlich wird er dann sagen: „Das wollte ich doch auch gar nicht.“ Und dann sagen Sie bitte nur: „Dann ist ja alles in Ordnung.“

Auch hier können Sie übrigens zusätzlich Trojanische Pferde an den Start bringen: In dem oben erwähnten Blöd-Spiel „Ich kann die Waschmaschine nicht bedienen“, sagen Sie: „Schatz, jemand mit deiner Intelligenz will mir allen Ernstes erzählen, dass er das nicht kann? Das kann doch nicht dein Ernst sein! Und selbst wenn – jemand mit deinen Fähigkeiten kann das sicher ganz schnell lernen!“

Persönliche Haltung

Wenn Sie gegen Manipulationen angehen, sollten Sie des Weiteren versuchen, die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

13. Der Borderline-Persönlichkeitsstil

13.1 Was charakterisiert einen Boderline-Stil?

Die Bezeichnung Borderline wird verwirrenderweise sehr uneinheitlich verwendet. Im Groben kann man aber zwei Arten von Borderline unterscheiden:

  1. die „neuropsychologische“ und
  2. die psychologische Borderline-Variante.

Beide Varianten haben Gemeinsamkeiten und Überlappungen, gehen jedoch auf sehr unterschiedliche Ursachen zurück. Man könnte sagen, dass sie „unterschiedlich funktionieren“.

Die neuropsychologische Variante ist (streng genommen) gar keine psychische Problematik, obwohl sie sekundär auch zu erheblichen psychischen Problemen führen kann. Sie wird also von Prozessen ausgelöst, die sich besser neuropsychologisch als psychologisch beschreiben lassen. Hier geht es vor allem um Probleme, einmal ausgelöste Emotionen (wie Ärger) wieder „runterzuregeln“ oder die eigenen Grenzen wahrzunehmen. Hier einzuordnen wäre auch das „Abschalten“ des Bewusstseins (sogenannte Dissoziation) u. Ä. Da ich mich in diesem Buch jedoch auf psychologisch begründete Persönlichkeitsstile konzentrieren will, möchte ich auf diese Borderline-Variante nicht näher eingehen.

Die psychologische Borderline-Variante wird auch „Schema-Borderline-Störung“ oder „Schema-Borderline-Stil“ genannt: Wenn im Folgenden von „Borderline-Stil“ die Rede ist, dann soll immer diese Variante gemeint sein (abgekürzt: BOR).

Dieser Borderline-Stil ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an spontanem, emotionsgesteuertem Handeln, starken Gefühlsschwankungen, erhöhter Aggressivität, Problemen in der Regulierung von Nähe und Distanz. Personen mit diesem Stil weisen sehr viele negative (Selbst- und Beziehungs-)Schemata auf, was dazu führt, dass sie auf viele Situationen schnell in ungünstiger Weise reagieren.

Sie weisen darüber hinaus ein sehr geringes Maß an Vertrauen auf: Sie vertrauen Interaktionspartnern kaum, aber auch sich selbst nicht. Sie misstrauen ihren Kompetenzen, Einschätzungen und Emotionen, sodass ihnen oft eine Art von „innerem Kompass“ oder „innerem GPS“ fehlt.

Damit erscheinen sie für Interaktionspartner oft nur schwer berechenbar, ihr Verhalten ist schwer einzuschätzen und sie verunsichern andere in hohem Maße. Durch ihre hohe Empfindlichkeit, ihr starkes Misstrauen und ihre hohe Emotionalität können sie Interaktionspartner aber auch stark verprellen.

Biografie

Während die Biografie von Personen mit neuropsychologischer Borderline-Variante oft unauffällig ist, weisen Personen mit Schema-Borderline meist charakteristische biografische Erfahrungen auf. Die Eltern frustrierten meist durch unberechenbares und gleichgültiges Verhalten viele bis alle Beziehungsmotive: Sie gaben keine Anerkennung, sondern werteten ihre Kinder (z. T. massiv) ab; sie vermittelten ihnen nicht das Gefühl, wichtig zu sein, sondern sendeten eine „Du-störst-Botschaft“; sie waren weder verlässlich noch solidarisch, überschritten Grenzen (manchmal durch Schläge oder Missbrauch in extremer Form); da die Kinder oft auf sich allein gestellt waren, wurden sie im Hinblick auf Autonomie oft überfordert. Sie mussten manchmal schon als Kind für sich selbst sorgen, was ihre Möglichkeiten jedoch kaum zuließen. Viele der Eltern weisen selbst psychische Probleme auf, sind deshalb unberechenbar, hoch emotional sowie aggressiv.

Aus diesem Grund entwickelt die Person (sehr) negative Schemata auf (nahezu) allen Beziehungsmotiven, was, wie man leicht nachvollziehen kann, zu massiven inneren und interaktionellen Problemen führt.

Personen mit einem Borderline-Stil weisen dabei noch eher moderat negative Schemata auf, Personen mit Borderline-Störung zeigen jedoch von allen Persönlichkeitsstörungen die extremsten negativen Schemata.

Von besonderer Bedeutung ist jedoch ein psychologischer Aspekt, den man als Invalidierung bezeichnet: Eltern oder andere Bezugspersonen stellen Einschätzungen des Kindes oder Jugendlichen immer wieder infrage. Hat das Kind den Eindruck, etwas zu können, wird es abgewertet („Das ist doch nichts wert“, „Das können andere ja viel besser“); nimmt das Kind eine Situation in bestimmter Weise wahr, dann stellt die Bezugsperson die Interpretation infrage („Das kannst du ja gar nicht beurteilen“, „Was du denkst, ist alles Blödsinn“). Auch eigene Emotionen werden infrage gestellt („Hör auf zu weinen, du bist ja überhaupt nicht traurig“). So fängt die Person an, systematisch an allen ihren Einschätzungen zu zweifeln.

Die Unberechenbarkeit und die wahrscheinlich stark negativen Verhaltensweisen von Interaktionspartnern stellen die Person vor besondere Herausforderungen: Zum einen muss sie lernen, einen Interaktionspartner schnell gut einzuschätzen: Wenn Vater abends durch die Tür kommt, muss die Tochter schnell erkennen, „wie er drauf ist“, um massive Fehler zu vermeiden.

Die Unberechenbarkeit des Interaktionspartners macht es aber unmöglich, stabile Lösungen zu finden, also Strategien, die fast immer funktionieren und damit ein hohes Maß von Sicherheit geben wie bei allen anderen Persönlichkeitsstilen.

Beziehungsmotive

Die Person ist durch das extreme Interaktionsverhalten von Eltern praktisch auf allen Beziehungsmotiven frustriert: Und deshalb sind alle Motive hoch in der Hierarchie angesiedelt. Das bedeutet, die Person hat ein sehr starkes Bedürfnis nach positiven Beziehungssignalen: nach Anerkennung, Wichtigkeit, Verlässlichkeit, Solidarität, Autonomie und sicheren Grenzen.

Erhält sie von einem Interaktionspartner solche Signale, dann wird eine entsprechende „Sehnsucht“ sehr stark aktiviert und es entsteht ein starker Attraktor: Die Person mit BOR-Stil kann sich in extrem hohem Maße zu dieser Person hingezogen fühlen (entwickelt eine sehr starke Tendenz zu Nähe).

Leider ist dies aber nicht „die ganze Story“: Denn außer Beziehungsmotiven weisen die Personen auch stark negative Schemata auf!

Selbstschemata

Aufgrund dieser biografischen Erfahrungen bilden sich auf (nahezu) allen Beziehungsmotiven (z. T. sehr) negative Selbstschemata. Im Hinblick auf eigene Kompetenzen wären das etwa:

Solche Schemata lassen die Person an eigenen Kompetenzen zweifeln und beeinträchtigen z. T. auch stark ihre Motivation: Hat eine Person nur eine geringe Selbst-Effizienz-Erwartung, dann kann dies dazu führen, dass sie Aktionen erst gar nicht startet, Probleme erst gar nicht angeht: Wenn sie ohnehin nichts bewirken kann, dann macht es ja auch gar keinen Sinn, überhaupt mit irgendetwas anzufangen. Das bedeutet: Eine niedrige Selbst-Effizienz-Erwartung beeinträchtigt oft unmittelbar die Motivation zu handeln.

Personen, die solche Arten von Annahmen in hohem Ausmaß aufweisen, neigen zu Chaos in ihrem Leben: Sie beginnen gar nicht erst, ihr Leben zu organisieren, sich Problemen zu stellen usw., weil sie ohnehin alles als völlig zwecklos ansehen. Dieser „Chaos-Borderline-Typ“ stellt eine besonders massive Ausprägung eines BOR-Stils dar.

Die Person bildet auch Schemata im Hinblick auf Wichtigkeit, wie z. B.:

Zum Teil bilden sich sogar sogenannte Toxizitätsschemata, also Annahmen darüber, für andere schädlich zu sein, wie z. B.:

Im Hinblick auf Solidarität und Verlässlichkeit bilden sich Schemata wie:

Bei Autonomie gibt es Schemata wie:

Und auch:

Und im Hinblick auf Grenzen gibt es Schemata der Art:

Schlechte Wahrnehmung eigener Grenzen

Manchmal hat diese Annahme noch eine spezifische Konsequenz: Da die Person denkt, dass sie ihre Grenzen ohnehin nicht schützen könne, bemüht sie sich auch nicht, sensibel auf ihre Grenzen zu achten. Und damit „verlernt“ sie tatsächlich, ihre Grenzen aufzuzeigen, und erkennt Grenzüberschreitungen tatsächlich nicht gut oder viel zu spät.

Dieses Problem haben viele Personen mit BOR-Stil: Sie lassen beim Interaktionspartner Aktionen zu, die ihre Grenzen deutlich überschreiten, nehmen dies aber nicht wahr und entdecken dies oft erst, wenn es schon zu spät ist. Und das kann dann starke Angst und starken Ärger auslösen! Manchmal macht eine Person mit BOR-Stil den Interaktionspartner verantwortlich, obwohl sie im Grunde selbst auf ihre Grenze hätte achten sollen, oder erwartet, dass der Interaktionspartner die Grenze „telepathisch spürt“.

Heftige Reaktionen

Die Schemata sind alle hyperallergisch: Minimale Situationsaspekte können die Schemata aktivieren und da sie oft extrem sind, führen sie auch zu massiven (emotionalen) Reaktionen. Schon dadurch kann eine Person mit BOR-Stil schon sehr labil, empfindlich und in ihren Reaktionen überzogen heftig wirken!

Nähe-Distanz-Probleme

Die Schemata machen aber auch durchweg klar, dass das Vertrauen der Person in sich selbst, in ihre Kompetenzen, ihren Wert u. a. sehr gering ist: Sie hat durchweg negative Annahmen über sich „auf breiter Front“ und kann daher auch positives Feedback über sich kaum glauben und auch kaum zulassen. Hierdurch gerät die Person schnell in massive innere Diskrepanzen: Wenn ein Interaktionspartner positives Feedback gibt, z. B. lobt oder Wichtigkeitssignale sendet, dann löst das bei der Person stark gegenteilige Effekte aus:

Einerseits befriedigt das die starken („hungrigen“) Motive, fühlt sich daher gut an und erzeugt eine Tendenz, sich auf eine Beziehung zum Interaktionspartner einzulassen, erzeugt also auch die Bereitschaft, Nähe herzustellen.

Andererseits aktiviert das aber die Schemata, die besagen, dass das alles ja nicht sein könne: Der Interaktionspartner kann das alles gar nicht ernst meinen, da die Schemata ja besagen, dass die Person keine positiven Eigenschaften aufweist und solches Feedback „nichts wert“ ist: Dies erzeugt eine Tendenz, dem Interaktionspartner nicht zu vertrauen, sich nicht auf eine Beziehung zu ihm einzulassen, also eine starke Tendenz, auf Distanz zu gehen.

Zweifel an eigenen Einschätzungen

Bei einer Person mit BOR-Stil entstehen jedoch nicht nur solche Schemata, wie sie im Prinzip auch bei Personen mit anderen Persönlichkeitsstilen entstehen. Gerade wegen der starken Invalidierung, der die Person durchweg ausgesetzt war, entstehen noch andere: Die Person zweifelt alles an, was sie denkt, fühlt, interpretiert, weiß etc.

Es entstehen damit Schemata wie:

Diese Art von Vertrauensstörung ist typisch für Personen mit BOR-Stil. Und sie geht weit über das Misstrauen hinaus, was Personen mit anderen Stilen empfinden. Selbst Personen mit PAR weisen Vertrauensprobleme auf, aber sie trauen eben sehr stark ihren eigenen Urteilen und Einschätzungen.

Das Vertrauensproblem, das Personen mit BOR-Stil aufweisen, ist viel genereller, viel tiefgreifender und viel elementarer als die Vertrauensprobleme aller anderen Stile. Denn es bezieht sich eben nicht nur darauf, anderen zu misstrauen, es bezieht sich darauf, praktisch allen eigenen Prozessen zu misstrauen.

Ein Außenstehender kann sich oft nur schwer vorstellen, welche Effekte eine derart grundlegende Verunsicherung haben muss: Die Person hat gar keine inneren Standards, an denen sie sich sicher orientieren kann: Meine Gefühle geben mir oft sehr wichtige Informationen darüber, dass ich etwas oder jemanden mag, darüber, was mich stört, dass ich handeln muss usw. Was ist, wenn ich solchen Informationen nicht mehr trauen kann? Schon der Gedanke daran hat etwas zutiefst Beunruhigendes!

Beziehungsschemata

Auf allen Motivebenen bilden sich auch stark negative Beziehungsschemata. Auf der Anerkennungsebene sind das Schemata wie:

Auf der Wichtigkeitsebene entstehen Schemata wie:

Und sogar:

Auf der Verlässlichkeitsebene zeigen sich Schemata wie:

Die Frustration der Solidaritätsebene erzeugt Schemata wie:

Im Hinblick auf Autonomie entstehen Schemata wie:

Und schließlich entstehen auch Schemata auf der Ebene von Grenzen:

Borderline-spezifische Konsequenzen aus den Motiven und Schemata

Die spezifische Konstellation von Beziehungsmotiven, Selbst- und Beziehungsschemata erzeugt bei Personen mit BOR-Stil ganz spezifische psychologische Konsequenzen. Auf diese soll nun genauer eingegangen werden.

Massives Misstrauen in Beziehungen

Es wird deutlich, dass alle diese Schemata zu großem interaktionellem Misstrauen führen: Weist man solche Schemata auf, dann muss man den Eindruck haben, dass Interaktionspartner potenziell hoch gefährlich sind, dass von ihnen im Wesentlichen negative Aktionen ausgehen und dass man ihnen deshalb praktisch überhaupt nicht trauen kann. Und dieses grundlegende Misstrauen ist ein zentraler Kern des Borderline-Stils: Die Person kann einen Interaktionspartner keinen „Vertrauensvorschuss“ geben, also z. B. bei Beginn der Beziehung davon ausgehen, dass der Interaktionspartner wohlgesonnen ist und im Wesentlichen positiv handeln wird. Eine solche „Voreinstellung“ brauche ich aber, um mich überhaupt auf eine andere Person einzulassen: Habe ich sie nicht, fällt mir genau das extrem schwer.

Unberechenbarkeit

Natürlich sind alle diese Schemata hyperallergisch: Ein Interaktionspartner löst sie an sich schon allein durch seine Person aus, aber eben auch durch minimale Handlungen: Minimale Kritik, minimale Schwankungen der Aufmerksamkeit, alles, was als mangelnde Solidarität u. a. interpretiert werden kann, löst sehr schnell heftige Reaktionen aus.

Und hier wird erneut klar, warum eine Person mit BOR-Stil auf Interaktionspartner unberechenbar, unkalkulierbar wirken muss: Ihre Schemata können tatsächlich zu schwer nachvollziehbaren Reaktionen führen.

Nähe-Distanz-Regulation

Die Beziehungsschemata verstärken auch die oben beschriebene innere Diskrepanz: Ist ein Interaktionspartner zugewandt, dann erzeugt das eine (starke) Tendenz, Nähe zu suchen / aufzubauen. Die Aktivierung der Selbstschemata erzeugt aber eine Tendenz zur Distanzierung und die Aktivierung der Beziehungsschemata verstärkt das noch: Denn die Schemata besagen, dass Interaktionspartner mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas Negatives,erforderlich!