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Unterwegs mit
Michael Müller
Jahrgang 1953, geboren in Eber­mannstadt. Nach der Ausbil­dung zum Kfz-Mechaniker zog es Michael Müller für einige Jahre nach Neuseeland und Ecua­dor. Dort begegnete er dem Reisejournalisten Martin Vel­binger, mit dem er zusam­men in Südamerika recher­chierte - die Initialzündung für die berufliche Neuorientierung, die 1979 in die Gründung des ei­genen Verlags einmündete.
Das erste selbst verlegte Buch war sein Reiseführer über Portugal. Mittlerweile sind fünf Reiseführer aus der Hand des Verlegers erschienen, der sich auch etwa 40 Jahre später die Recherche vor Ort für die Neu­auflagen nicht nehmen lässt.

Zwei Emigranten - Hubert und Michael Müller 1983 auf der Fähre nach Vila Real

Fast wäre ich ein „Algarvio“ geworden, ein Einheimischer: Als ich Ende der 70er-Jahre als Reisebuchautor gerade die ersten Erfolge hatte, sollte Portugal mein Lebensmittelpunkt werden. Ge­mein­sam mit meinem Bruder, einem stu­dierten Landwirt, kaufte ich ein Stück Wildnis im entvölkerten Hinter­land, um Schafe zu züchten und Reise­bücher zu schreiben.
Es war die nachrevolutionäre Zeit, als vie­le Idealisten und Aussteiger eini­ge bemerkenswerte Projekte starteten. Lei­der ging ich bald darauf in Deutsch­land mei­nes Verlegers verlustig und sah mich genötigt, meine Reiseführer vor­erst im Selbstverlag zu vertreiben. Por­tu­gal war ab da eher ein Ort der Re­cher­che und eine Art Einsiedelei, um in der Ab­geschiedenheit meine Manu­skrip­te zu beenden.
Mein Bruder war von dort aber nicht mehr wegzubekommen und baute über die Jahrzehnte einen respektablen land­wirt­schaftlichen Betrieb mit Scha­fen, Rind­viechern und 80.000 neu­ge­pflanz­ten „Pin­heiros“ (Pinienkerne) und Erd­beer­bäumen (Schnaps) auf. Je­des Mal, wenn ich auf Familienbesuch dort bin, denke ich etwas wehmütig an die Zeit zurück, als die Algarve noch ein gepflegtes Paradies aus Mandel- und Oran­gen­hainen war, in denen die Bau­ern mit ihren zweirädrigen Och­sen­kar­ren un­ter­wegs waren.
Orientiert an der Algarve
Die Region im Profil
Die Algarve ist ...
♦ Die Algarve zählt die meisten Sonnentage Europas.
♦ Knapp 500.000 Einwohner gibt es in dieser kleinen Provinz.
♦ 3.000.000 Urlauber besuchen den Küstenstreifen jedes Jahr.
♦ Faro ist mit 58.000 Einwohnern die größte Stadt.
♦ 160 km sind es von der spanischen Grenze im Osten bis nach Sagres im Westen.
♦ Höchster Berg ist mit 902 m der Fóia in der Serra de Monchique.

... arabisch
Der Name der Region kommt vom arabischen Al-Gharb, الغرب. Das bedeutet „der Westen“, denn bis zum 13. Jh. war die Region unter maurischer Herr­schaft und der westlichste Vor­posten auf der Iberischen Halbinsel.
... der Garten Portugals
Am Küstensaum frucht­bares Acker­land mit rot leuch­tender Erde. Orangen-, Mandel- und Feigenbäume, da­zwi­schen Gemüse oder Getrei­de. Mittler­wei­le ist aber die Landwirtschaft wegen der Trocken­perioden ein müh­seliges Geschäft, und viele Acker­flä­chen werden nicht mehr bestellt. Doch noch immer taucht die Mandel­blüte die Algarve im Februar/März in ein weißes Rosa - als ob Frau Holle Blüten vom Himmel geschüttelt hat.
Landeinwärts wird die Algarve hügeliger und die roten Kalkverwit­te­rungs­böden gehen über in dunklen Lehmschiefer­. Hier werden traditionell Schafe ge­halten und Korkeichen kul­tiviert. Heute finden sich in den Hanglagen viele im Wortsinn brandge­fährliche Euka­lyp­tus­plan­tagen - der Rohstoff für die Papierindustrie.
... Genuss aus dem Meer
Der Atlantik vor der portugiesischen Küste ist noch immer ziemlich sauber und reich an Meerestieren. Von der Vielfalt kann man sich jeden Vormittag in der Fischmarkthalle, die es praktisch in jedem Ort gibt, überzeugen. Tra­di­tio­nell werden die Fische auf einem Holz­kohle­grill genau auf den Punkt gegart. Besonders die Sardinen schmecken so vorzüglich und sind dabei noch ein preislich akzeptabler Genuss. Etwas aus­gefallenere Mee­res­früchte sind die Enten­muscheln percepes die von Tauchern von der Steilküste „ge­pflückt“ wer­den, davon lässt man sich am besten ein kleines Schäl­chen als Vor­speise servieren. Nicht min­der exotisch und köst­lich ist das mu­xama de atum - luftge­trock­nete und leicht ge­sal­zene Thun­fisch­filets.
... süß
Wegen der vielen Man­del­bäume ist Marzipan an der Algarve fast eine Selbst­verständlichkeit. Da­r­aus werden Tiere oder Früchte geformt, die man in vielen Cafés oder am Markt kaufen kann. Ein nettes Mit­bringsel, genauso wie die getrockneten Feigen, die als Blumenblüte aufge­faltet und mit Man­del­kernen verziert sind.
... quirlig und einsam
Der Bereich vom Badeort Quarteira bis Praia da Roche bei Portimão darf als Touristenmeile bezeich­net werden. Was aber nicht bedeutet, dass man dort keine netten Tage verbringen kann. Je weiter westlich - und windiger - es wird, desto weniger Badegäste be­völkern die Strände und Dörfer. Ganz im Westen, an der Costa Vicentina, ge­hört die Algarve heute der Surfszene, Massentourismus ist Fehlanzeige. Noch einsamer wird es im Hinterland, wo die Landflucht der 80er- und 90er-Jahre aller­orten zu spüren ist und die typi­schen weiß gekalkten Häuschen mit den roten Ziegeldächern nur mehr ver­einzelt eingestreut sind.
... ein Aussteigerparadies
Während in den letzten Jahrzehnten viele Portugiesen nach Nord­europa aus­wanderten, zogen seit den 60ern engli­sche und etwas später deutsche Aus­steiger an die Algarve. Während Erstere betuchte Pensi­onäre waren, die ihren Lebensabend im Süden ver­brach­ten, kamen gerade aus Deutschland vie­le Freaks, die sich nach den poli­ti­schen Umbrüchen der 70er und wegen der niedrigen Lebens­hal­tungs­kosten hier nieder­lie­ßen - inzwi­schen in zwei­ter Gene­ration und zum Teil sehr er­folg­reich inte­griert. Interes­sant ist der Besuch des Floh­mark­tes in Barão de São João am ersten Sonntag im Monat, eine Aus­stei­gerparty, die man sonst nirgendwo findet.
... Naturschutzzone
Die Algarve ist reich an Pflanzen- und Tierarten, vor allem für (Zug-)Vögel ist sie ein futterreiches Paradies. Gleich mehrere Schutzgebiete wurden einge­richtet, die die Lebensräume erhalten sollen. Darunter zählen in Meeresnähe die Mündung des portugiesisch-spa­ni­schen Grenz­flusses Guadiana bei Cas­tro Marim, die einzig­artige rie­sige Lagune der Ria Formosa (Tour 1) sowie die artenreiche Fels­küste zwi­schen Sagres und Cabo de São Vicen­te (Reserva Biogenética de Sagres). Westlich von Lagos beim Ort Budens beginnt der Parque Natural do Sud­oeste, von dort zieht sich die ge­schützte Küste an der Costa Vicentina nach Norden.
Im Hinterland findet man den Rocha de Pena zwischen Alte und Salir (Tour 5) sowie die Fonte da Benémola nörd­lich von Loulé (Tour 4).
Sightseeing und mehr
Kunst und Kultur erleben
Die Kultur der Algarve ist ländlich, über Jahrtausende war sie die Heimat von Fischern, Hirten, Bauern und Salz­sammlern. Wer Top-Museen, große Kathedralen und Schlösser erleben möchte, fährt eher nach Lissabon oder in den Norden Portugals. Dafür findet man an der Algarve anrührende Zeugnisse der gesamten Menschheitsgeschichte.
Das Kirchlein Nossa Senhora de Guadelupe bei Budens im Westen der Algarve ist zwar unscheinbar, aber unbedingt besuchenswert. Es wurde absichtlich schief und krumm gebaut und ist wahrscheinlich die älteste Kirche der Algarve.
Kurz nach Adam und Eva
Dolmen und Menhire wurden an der Al­garve an vielen Orten entdeckt, sie stehen manchmal kaum be­achtet ein­fach am Straßenrand, z. B. beim Strand Ingrina. Am anschaulichsten sind diese aus dem 5. bis 2. Jahrtausend vor Chris­tus stammenden Zeugnisse in Alcalar, sie gehörten zur wohl größten kup­fer­zeit­lichen Sied­lung der Algarve. Die alten Grab­stätten liegen landein­wärts des Strand­orts Alvor. Ein kleines Doku­men­tations­zentrum erläutert die Fund­stellen.
Die Römer kamen
Vom Dorf Figueira - gleich in der Nähe des kupferzeitlichen Alcalar - über die Bahnlinie Richtung Meer besucht man die Überreste einer römischen Villa, der Quinta da Abicada. Man er­kennt alte Mosai­ken und Gruben, in de­nen bereits damals Fisch mit Salz ver­mengt und so haltbar gemacht und ein­gelagert wur­de. Einer römischen Wasser­nymphe und ihrem Tempel be­gegnet man in Estoi bei Faro oder den Über­resten der ersten Ferien­unter­kunft für müde Legionäre aus römischer Zeit im Cerro da Vila bei Vilamoura.
Arabische Blütezeit
Maurische Einflüsse zeigen sich vieler­orts in kleinen Details, wie den filigra­nen Kaminen oder Schöpfrädern, den sogenannten noras, weniger in großen Baudenk­mälern.
In Silves, im Hinter­land von Carvoeiro, zeigt sich das maur­ische Erbe am stärksten im Stadt­bild und in den Resten der Mau­ren­burg, worauf man auch richtig stolz ist. Den neu ange­legte Hauptplatz ziert ein üppi­ger Brunnen mit grotesk mo­der­nen Figu­ren. Benannt wurde der Platz nach dem ehemaligen Statthalter und Kron­prinz Al-Muhamid (1051-1091).
Ein verwinkeltes mau­ri­sches Gassen­gewirr durch­streift man auch in Olhão, heute die wichtigste Fi­sche­rei­stadt der Algar­ve, die einst Fischfang­rechte sogar vor der afrika­ni­schen Küste b­e­saß.
Sehr viel später, am Ende des 19. Jh., ver­wen­de­te­ten die Ar­chi­tekten bei vielen historisierenden Bau­wer­ken wie­der Formen aus der mau­ri­schen Zeit. Zu bewundern beson­ders bei der neo­mau­rischen Markt­halle in Loulé oder bei den alten Ther­mal­hal­len von Caldas de Mon­chique.
Zeitalter der Entdeckung
Gut, der berühmte portugiesische Prinz Hein­rich der Seefahrer (1394-1460) war selbst kein Seemann, sondern eher der Orga­ni­sator und Financier der teu­ren Endeckungs­reisen und damit Urhe­ber der portugiesischen See- und Ko­lo­nial­macht. Im Flottenstützpunkt Lagos trafen sich die wirklichen Seefahrer mit Heinrich, der Gouverneur der Algarve war, um sich auszu­tau­schen und zu planen. Die Stadt ist noch heute von einer fast voll­ständig er­hal­tenen Stadtmauer einge­fasst, obwohl die riesige Flutwelle nach dem epo­cha­len Erd­beben 1755 viel zerstörte.
Weiter zum Atlantik hin, in der Fes­tung von Sagres, findet man noch heu­te einen Steinkreis in Form einer riesi­gen Windrose aus der Zeit Heinrichs des Seefahrers.
Kork und Körbe
Dem Kunsthandwerk fehl­te lange der Nach­wuchs, im Hotelgewerbe verdient man viel leichter. Aber es gibt neue Initia­tiven, um die Traditionen fortzu­führern und auch einige neue Ideen. So gibt es in São Brás de Alportel die Casa da Artesano, in der man Korbflechtern bei der Arbeit zuschauen kann.
Im Bergdorf Monchique findet man gut sor­tierte Läden, in denen lokale Er­zeug­nisse angeboten werden. Oben auf dem Berg Foia bieten 25 Künst­ler und Kunsthandwerker ihre zum Teil modernen Werke zum Ver­kauf, und in Tavira gibt es den Ver­ein Min-arifa, der Kunsthand­werks­märkte (Feira de artensanato) in der In­nen­stadt organisisert.
Töpfer gibt es z. B. in Porches bei Armacao de Pera und Mon­cara­pacho. Dazu sieht man überall schöne Artikel aus Kork, allerdings muss man mittlerweile darauf ach­ten, dass sie wirklich in Portugal her­gestellt wurden.
Zeitgenössische Architektur
Neben gesichtslosen und billig hoch­ge­zogenen Apartmenthäusern in den Tou­ristenhochburgen wie z. B. Praia da Rocha oder Quarteira, gibt es beson­ders um die berühmten Golf­plätze von Vale de Lobo und Quinta de Lago in soge­nannten gated commu­ni­ties ex­klusi­ve Villen, die von preisge­krönten Star­architekten erbaut wurden.
Der 1933 geborene Meister-Architekt Álvaro Siza Vieira er­richtet derzeit im Schatten der Öffent­lich­keit an der Al­gar­ve eine Ka­pel­le. Wir berichten auf unserer Web­site www.michael-mueller.de, wann das Projekt fertigge­stellt und zu be­sichtigen ist.
Aktivurlaub
Baden, Surfen, Wandern
Im Osten zwischen Faro und der spanischen Grenze endlose Strände entlang der vor­gelagerten Sandbänke. Ganz anders die Badebuchten unter rotleuchtenden Felsformationen weiter im Westen. Nördlich des Kaps von Sagres wird die Küste wilder und für Schwimmer ungemütlich. Hier haben die Surfer ihre Reviere.
◊ Die Strände der Algarve sind sauber. 2019 flatterte bereits an 89 Badeplätzen die Blaue Flagge im Wind.
◊ Der Radweg Ecovia del Litoral parallel zur Küste ermöglicht auch ohne Mietwagen größere Ausflüge.
◊ Schattige Bergpfade bis auf 902 m Höhe und Wege entlang der Klippen führen Sie zu den schönsten Algarve-Landschaften.
Strand und Meer
Bei der nach Süden gerichteten Küste der Algarve zeigt sich das Meer meist ziem­lich zahm. Nur bei oder nach kräf­tigen Südwinden tost eine hohe Bran­dung, und an den bewachten Strän­den sig­nali­sieren rote Flaggen Ge­fahr. Die im Vergleich zum Mittel­meer nie­dri­ge­re Wasser­temperatur des At­lantiks sorgt zwar in der Vorsaison für Gänse­haut, ist dafür aber im Sommer die per­fek­te Küh­lung und hält eine Quallen­pla­ge fern. Die Wasser­tempe­raturen in der Nä­he der spanischen Grenze kön­nen bis zu 3 Grad höher sein als ganz im Wes­ten beim Kap von Sagres. Dort sor­gen besonders im August ablandige Win­de für kühles Tiefenwasser.
Strandspaziergänger können beson­ders an der Ostalgarve kilome­terweit auf der vorgelagerten Sandbank ent­lang­wandern. Der malerischste „Lang­strand“ ist der von Falesia zwischen Quar­teira und Olhos de Água - hohe, rot leuchtende Steilküste und grünes, ziem­lich unverbautes Hinterland. Lan­ge Strand­abschnit­te finden Sie auch zwi­schen Albufeira und Arma­ção de Pêra so­wie mit der Meia Praia westlich von Lagos.
Ansonsten dominiert an der West­algar­ve zwischen Faro und dem Kap bei Sa­gres zackige Klippenküste mit mehr oder weniger schmalen Sandbuchten da­zwischen - so wie man die Algarve von den Plakaten kannt.
Lohnenswert ist in jedem Fall eine Grot­tenfahrt mit den kleinen Fischer­boo­ten. Eine besonders schöne führt von Lagos aus zur Ponta da Piedade, die von einem Leuchtturm gekrönt wird und tolle Höhlenformationen zeigt.
Surfen
Obwohl Windsurfen bei dem recht häu­fig herschenden Nord­wind im Hoch­som­mer gut funk­tio­nie­ren wür­de, sieht man die­se Spor­tart eher sel­ten.
Wellenreiten: Be­rühmt ist Por­tugal nicht nur we­gen sei­ner Mons­ter­wel­len von Na­zaré weiter nörd­lich, auch an der Al­gar­ve­west­küs­te von Sa­gres bis Carra­pa­teira ist von Früh­jahr bis Herbst jede Menge los - aber der Neo­pren­anzug sollte we­gen der Wasser­temperatur schon über­ge­zo­gen wer­den.
Der Surfertreff Carrapateira hat bis heu­te sein dörfliches Flair bewahrt. Die Strän­de Praia do Amado oder auch Praia da Cordoama in der Nähe, wer­den von den Bretter­ka­pitänen regel­recht geflutet, da kann es schon mal Är­ger mit dem Nachbarn beim Einstieg in die beste Welle geben.
Tauchen und Schnorcheln
Schwarmfische, Zackenbarsche, Murä­nen und Krustentiere sind besonders gut an der felsigen Westalgarve zu be­obach­ten. Wegen der niedrigen Was­ser­tem­peratur nicht den Neopren­anzug ver­gessen.
Wandern
Gerade in der Vor- oder Nachsaison, wenn die Tagestemperaturen auf mit­tel­europäisches Niveau absinken, las­sen sich ausgedehnte Wanderungen un­ternehmen. Es gibt den Weit­wan­der­weg Via Algarviana, auf dem man (je nach Kondi­tion) in 8 bis 12 Tages­etap­pen von der spanischen Grenze bis nach Sagres unterwegs ist.
„Ums Eck“ von Sagres, beginnt die Rota Vicentina, der sogenannte Fischer­weg, ebenso ein Fernwan­der­weg, dem man entlang der Westküste in Rich­tung Norden folgen kann.
Ansonsten haben wir am Ende die­ses Buches ein paar aus­ge­wählte Wan­de­rungen vorgeschlagen: Vom Spazier­gang entlang der Küste bis zum etwas an­strengenderen Weg vom Hin­terland von Lagos hinüber zur West­küste bei Car­rapateira. Auch im Monchique-Ge­birge lassen sich aus­gedehnte Touren un­ternehmen.
Damit Sie sich noch besser orien­tie­ren können, gibt es von unserem Verlag die GPS-Tracks zum Down­load oder die noch bequemere mmtravel App (iOS), in der die Tracks bereits integriert sind.
Radtouren und Fernradwege
Mountainbiketouren lassen sich im Hin­terland auf dem dicht ausgebauten Netz aus geschotterten Forstwegen un­ter­neh­men. Aber dazu besser ein GPS-fähiges Smartphone mit installier­ter Karte verwenden, damit man nicht die Orientierung verliert.
Einen empfehlenswerten Vorschlag mit dem Touren­rad von Lagos ins Mon­chi­que-Gebirge auf einer fast nicht be­fah­re­nen Teerstraße haben wir im Anhang be­schrieben.
Mieträder bekommt man inzwischen in praktisch jedem Badeort.
Familienurlaub
Algarve mit Kindern
Kinder sind kritische Urlauber: Ein langweiliges Programm wird schnell mit Protesten kom­mentiert. Doch mit Wasser und Sand hat man an der Algarve bereits zwei Trümpfe in der Hand.
Glücklich auf dem Wasser
Ein Bootsausflug zu den zahlreichen Grotten der zerklüfteten Küste an der Westalgarve gehört zu den schönsten Urlaubserlebnissen. Eine einstündige „Kreuzfahrt“ kostet um die 20 €.
Vor allem von Sagres, aber auch von anderen Häfen fahren Boote weiter aufs Meer hinaus, um Delphine zu beobachten.
Strand und Meer
Das Meer ist schon mal ein Grund­abenteuer und für die meisten Kinder etwas absolut Neues. Es gibt Muscheln und angeschwemmtes Strand­gut zu ent­decken. Sandburgen bauen und Däm­me aufschaufeln, um die stei­gende Flut aufzuhalten, fordert schon eine ge­wisse Ausdauer. Schat­tige Plätz­chen gibt es allerdings nur direkt unter den Felsen, aber dort ist es wegen der möglichen Felsab­brüche eigentlich zu ge­fähr­lich, also Son­nen­schirm nicht vergessen!
Der Schwimmunterricht im Meer ist für die Kleinen wegen des Wellengangs nicht so pri­ckelnd, das muss am Hotel­pool eingeübt werden.
Die salzfreie Alternative ist ein Ausflug mit dem Mietwagen nach Monchique mit Besuch des dortigen Freibads - einfach herrlich sind die tolle Sicht auf die Küste und die fehlende Be­trieb­samkeit, denn ein öffentliches Freibad in Meeresnähe ist ein absoluter Geheimtipp.
Mit Eimer und Kescher
Selber Fische fangen ist der Hit. Gut aus­gerüstete Kinder brauchen dazu nur ein Netz und einen kleinen Eimer bzw. eine große Plastikflasche sowie einen Son­nenhut. Beute macht man am besten an einem der Strände mit klei­nem Fluss (wie Amoreira oder Bor­deira) oder an einem flachen Strand mit Felsen wie Mon­te Clerigo - aber nach dem Fisch­zug die Tiere wieder freilassen.
Apropos Strandburgen
Anregungen für eine Sandburg der Extra­klasse kann man sich bei Pêra beim International Sand Sculpture Fes­ti­val holen. Es ist ein großer Skulp­tu­ren­park, der nicht nur Pop­künstler und viele Mär­chenfiguren über­mannns­groß in die Land­schaft stellt, son­dern auch alte Klassiker wie Johann Sebastian Bach.
Wandern
Wandern kann tat­säch­lich der Hit sein, beson­ders, wenn die Tour von ei­nem Esel be­glei­tet wird. Bei Al­je­zur wer­den solche Aus­flüge auch auf Deutsch an­ge­bo­ten: eselwandern-algarve.blogspot.com.
Ein Erlebnis der abenteuerlichen Art kann ein Spaziergang um die Mini­halb­insel des Pro­mon­to­rium Sacrum bei Sagres bei stürmischem Wetter­ wer­den. Der Wind jagt die Gischt der Bran­dung bis auf das 80 m über dem Mee­res­spiegel gelegene Pla­teau. Dazu schnaubt das „Un­ge­heu­er von Sagres“ aus seinem tiefen Schlund.
Tierparks und Urlaub auf dem Bauernhof
Bei Barão de São João gibt es einen kleinen, aber liebevoll gepflegten Tier­park. Großtiere wie zu Hause in den öffentlich geförderten Zoos sollten hier aber nicht erwartet werden. Nicht weit von diesem Dorf im Hin­ter­land von Lagos gibt es den Bauernhof Vinha Velha, er wurde vor 40 Jah­ren von unorthodoxen Rudolf-Steiner-Schü­lern gegründet und bietet eine Idylle mit Kühen, Schafen und Eseln und einigen netten Unterkünften.
Etwas kommerzieller geht ist es im Zoomarine bei Albufeira zu, dort wer­den Kunststücke mit abgerichteten Delphinen vorgeführt.
Viel Spaß macht der Besuch des Was­serparks Aqualand (www.aqualand.pt) nicht weit davon entfernt. Die hohe Rutsche ist besonders für Erwachsene eine Herausforderung und gilt als familiäre Mutprobe.
Physik und Natur
In den Städten Tavira, Faro, Portimão und Lagos wurden Live Science Center eingerichtet (→ jeweilige Ortskapitel). Das sind Minimuseen, in denen bio­lo­gi­sche oder auch physi­kalische Zu­sam­men­hänge auf spiele­rische Art ver­mittelt werden. Für einen verregneten Nach­mittag sicher eine gute Option.
Mittelalter erleben
Das geht am Besten auf Festen. Am vielfältig­sten ist das Fest im August in Silves. Den Weg hinauf zur Burg säu­men Stände mit Kunst­handwerk, viele Händler kommen aus dem nahen Marokko.
Eine mittelalterliche Stadt mit orienta­li­schem Einschlag lässt sich in Olãho östlich von Faro erkunden. Den ver­schlunge­nen Gäss­chen folgend, öff­nen sich immer wieder kleine Plätze, wo Sagenge­stal­ten aufstellt wurden. Die dazu­ge­hörigen Geschichten kön­nen auf Englisch nach­gelesen werden.
Handgezeichnete Portraits
In Lagos am Platz vor dem alten Rat­haus sitzt im Sommer der schottische Karikaturenzeichner Aidan, dessen Por­traits wohl inzwischen in tausenden Kinder­zimmern hängen. Auch bei Er­wach­senen sind seine Darstellungen beliebt.
Unterwegs an der Algarve
Ostalgarve (Sotavento)
Der touristenärmere Küsten­abschnitt im Osten der Algarve ist geprägt von geschützten Lagunen mit Muschelbänken und Salzgärten, von flachem Marschland und langen Sand­stränden mit frisch-grünen Pinienhainen.
Ostalgarve-Souvenir aus Castro Marim: Seit über 2000 Jahren wird an der Algarve Meersalz gewonnen. An der Technik und der Handarbeit hat sich seitdem wenig geändert. Das begehrte Flor de Sal kauft man am besten vor Ort beim Erzeuger, der Kooperative Tradisal in der Nähe des Hauptplatzes Praça 1° de Maio.
Sotavento nennen die Portugiesen das Küs­ten­ge­biet zwischen der spanischen Grenze und Faro, frei übersetzt „vom Wind abgewandt“. Im östlichsten Teil, beim Bade­ort Monte Gordo, gibt es noch breite Sandstrände. Bei Cacela beginnt eine dem Fest­land vor­ge­la­ger­te, meh­re­re hundert Meter breite Sand­bank mit flacher Dünen­land­schaft und typischer karger Vegetation. Sehr saubere Strände, gute Sanitär­ein­rich­tungen und Taver­nen gibt es vor Tavira, Santa Luzia und Fuseta. Be­sonders Tavira lohnt sich wegen seiner beschaulichen Atmo­sphäre und seinem kul­tu­rel­len Angebot für einen längeren Aufenthalt. Von hier fahren regelmäßig Boote zu den vor­gelagerten Stränden.
Die Algarve-Hauptstadt Faro am süd­lichsten Zipfel der Algarve ist für die meisten Urlauber, die per Flugzeug anreisen, nur das Sprungbrett in die Bade­orte. Mit ihrem hübschen Park, der spät­barocken Igreja do Carmo und dem authentischen Altstadtkern lohnt sie sich aber durchaus für ein paar Tage Auf­ent­halt; auch essen kann man hier sehr gut.
Die gesamte Hafflandschaft des Sota­ven­to ist inzwischen Natur­schutz­gebiet - in­for­mie­ren Sie sich im Be­sucher­zen­trum des Naturparks Ria Formosa bei Olhão. Vor der Küste von Olhão lie­gen die Insel Ar­mona mit kleinen Wochenendhäusern und einem Campingplatz so­wie das von Fischern bewohnte Eiland Culatra.
Das Hinterland der Ostalgarve, die Region von der spanischen Grenze am Fluss Gua­diana im Osten bis zur A 2 im Westen, bietet Ruhe und Ab­ge­schie­denheit ab­seits vom Küstenrummel. Hier lässt es sich hervorragend wan­dern - und rustikal einkehren.
Was anschauen?
Altstadt von Olhão: Das kopf­stein­ge­pflasterte Gas­sen­gewirr des Fischer­ortes erinnert an eine nord­afri­ka­nische Medina und ist wirklich hübsch an­zusehen - es eignet sich her­vor­ragend zum Bummeln und Por­tu­giesische-Alltagsluft-Schnup­pern. Mitt­lerweile einer meiner Lieblingsorte an der Algarve!
Typisches Portugal im Hinterland: Nörd­lich von Faro liegen einige äußerst besuchens­werte Dörfchen. Alte ist eine der wenigen wasserreichen Oasen der Algarve. Mit dem Marktort Loulé besucht man ein quirliges Klein­städt­chen mit Straßen­leben und guten Loka­len. Eleganz im Rokoko-Stil lässt sich im Lustschloss Estói bewundern. In seiner angegliederten Pousada kann man auch nächtigen.
Wo baden?
An der Ostalgarve ist das Meer einige Grad wärmer als im Westen und deshalb für Dünnhäutige und Kinder besser geeignet. Natürliche Schatten­plätze gibt es hier allerdings nicht.
Ilha de Tavira: Der weitläufige Strand auf der Sandinsel vor Tavira bietet reich­lich Platz für Sonnen­an­be­ter - auch für textilfreie. Per Pendel­boot gelangt man hinüber.
Monte Gordo: Der einzige Strand im Osten der Algarve, der direkt und ohne Bootsfahrt zu Fuß vom Quartier aus er­reicht wer­den kann.
Was unternehmen?
Naturpark Ria Formosa: Die 170 km2 große Watt- und Marsch­land­schaft zwi­schen Olhão und Faro wird von zahl­reichen Vogelarten be­wohnt und ist ein noch verhält­nis­mäßig unbe­kann­tes Naturparadies. Ein Rund­gang auf dem Wan­der­lehr­pfad dauert etwa zwei Stunden. Das Besucher­zentrum des Naturparks informiert ausführlich und anschaulich über das Ökosystem Haff.
Wandern an der Küste: Die Lagunen von Faro lassen sich auf einer ein­fachen, 2-stündigen Wanderung er­kunden, bei der man sehr schön ganze Wasservogelkolonien beobach­ten kann. → Tour 1
Wandern im Hinterland: Eine land­schaft­lich reizvolle Tour durch tropisch an­mutende Vegetation startet bei Querença und führt zu den Höhlen von Benémola. → Tour 4
Was sonst noch?
Fisch und Meeresfrüchte essen! In den Rias (Lagunen) werden Muscheln gezüchtet, die als Ameijoas in einem leckeren Sud mit Koriander und Knob­lauch auf den Tisch kommen. Eine weitere Spe­zialität sind an der Küste des Sotavento die Tintenfische. Beson­ders die Res­taurants in Santa Luzia bei Tavira sind berühmt für ihre Polvo-Köstlichkeiten. Apropos Tavira - die frühere „Thun­fisch-Hauptstadt“ hat noch heute ent­sprechende Spezia­li­täten auf ihren Speisekarten, Muxama bei­spiels­weise: Der ein­ge­sal­zene und an­schlie­ßend luft­getrocknete Thun­fisch schmeckt hervor­ragend. Dünn auf­geschnitten und in Kom­bination mit Tomaten oder auch Mozzarella wird er in einigen Restaurants als Vorspeise an­geboten.