Tour 1: Durch die Lagunen von Faro und Quinta do Lago
Tour 2: Azinhal – das Fenster zum Guadiana-Fluss
Tour 3: Wanderung auf alten Bauernpfaden bei São Brás
Tour 4: Wanderung von Querença zu den Quellen und Höhlen von Benémola
Tour 5: Wandervorschlag auf den Rocha da Pena
Tour 6: Entlang des Algibre-Flusses (östlich von Paderne)
Tour 7: Spaziergang in der Ria de Alvor (Mexilhoeira Grande)
Tour 8: Mit dem Fahrrad ins Monchique
Tour 9: Rundwanderung Nave – Caldas de Monchique – Nave
Tour 10: Barão de São João – Carrapateira
Etwas Portugiesisch
Über dieses Buch
Präambel
Impressum
Was haben Sie entdeckt?
Vielen Dank!
Übersichtskarten und Pläne
Zeichenerklärung
Algarve – Übersicht
Index
Alles im Kasten
Monte Gordo und seine Fischer
Companhia de Pescarias do Algarve
Tintenfischfang
Maurisches Gewand
Caminho das Lendas – Pfad der Legenden
Retterin des Abendlands
Muschelzüchter
Rio Guadiana – viel Schmutz und wenig Wasser
Kunstwein? Nein: Wein und Kunst!
Saure Ernte – Zitrusanbau lohnt nicht mehr
Stühle römischer Bauart?
Mercado dos Escravos – Sklavenmarkt
Mit Wasserhunden auf Thunfischjagd
Banho 29
Auf den Spuren der Giganten – Dinos in Salema
Das Ungeheuer von Sagres
Heinrich der Seefahrer – Prinz von Sagres
Der Leuchtturm am Cabo de São Vicente
Agar Agar – die Rotalgen-Taucher von Carrapateira
Azulejos
Die Korkeichen sterben
Waldbrände
Warum hat der Schwertfisch ein Schwert?
Krebsjagd
Peixe Aranha
Aufgepasst!
Spanier – nuestros hermanos?
Kartenverzeichnis
Ostalgarve
Tavira
Tavira/Umgebung
Faro
Westalgarve
Albufeira
Ferragudo
Portimão
Silves
Lagos
Lagos – Strände
Sagres
Sagres/Umgebung
Südwestküste
Vila Nova de Milfontes
Wanderübersicht
Tour 1: Lagunen von Faro
Tour 2: Azinhal
Tour 3: São Brás
Tour 4: Querença–Benémola
Tour 6: Algibre-Fluss
Tour 7: Ria de Alvor
Tour 8: Monchique
Tour 9: Caldas de Monchique
Tour 10: Barão de São João
Tagestemperaturen der Algarve (1971–2000)
Zeichenerklärung
Algarve – Übersicht
Unterwegs mit
Michael Müller
Jahrgang 1953, geboren in Ebermannstadt. Nach der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker zog es Michael Müller für einige Jahre nach Neuseeland und Ecuador. Dort begegnete er dem Reisejournalisten Martin Velbinger, mit dem er zusammen in Südamerika recherchierte - die Initialzündung für die berufliche Neuorientierung, die 1979 in die Gründung des eigenen Verlags einmündete.
Das erste selbst verlegte Buch war sein Reiseführer über Portugal. Mittlerweile sind fünf Reiseführer aus der Hand des Verlegers erschienen, der sich auch etwa 40 Jahre später die Recherche vor Ort für die Neuauflagen nicht nehmen lässt.
Zwei Emigranten - Hubert und Michael Müller 1983 auf der Fähre nach Vila Real
Fast wäre ich ein „Algarvio“ geworden, ein Einheimischer: Als ich Ende der 70er-Jahre als Reisebuchautor gerade die ersten Erfolge hatte, sollte Portugal mein Lebensmittelpunkt werden. Gemeinsam mit meinem Bruder, einem studierten Landwirt, kaufte ich ein Stück Wildnis im entvölkerten Hinterland, um Schafe zu züchten und Reisebücher zu schreiben.
Es war die nachrevolutionäre Zeit, als viele Idealisten und Aussteiger einige bemerkenswerte Projekte starteten. Leider ging ich bald darauf in Deutschland meines Verlegers verlustig und sah mich genötigt, meine Reiseführer vorerst im Selbstverlag zu vertreiben. Portugal war ab da eher ein Ort der Recherche und eine Art Einsiedelei, um in der Abgeschiedenheit meine Manuskripte zu beenden.
Mein Bruder war von dort aber nicht mehr wegzubekommen und baute über die Jahrzehnte einen respektablen landwirtschaftlichen Betrieb mit Schafen, Rindviechern und 80.000 neugepflanzten „Pinheiros“ (Pinienkerne) und Erdbeerbäumen (Schnaps) auf. Jedes Mal, wenn ich auf Familienbesuch dort bin, denke ich etwas wehmütig an die Zeit zurück, als die Algarve noch ein gepflegtes Paradies aus Mandel- und Orangenhainen war, in denen die Bauern mit ihren zweirädrigen Ochsenkarren unterwegs waren.
Orientiert an der Algarve
Die Region im Profil
Die Algarve ist ...
♦ Die Algarve zählt die meisten Sonnentage Europas.
♦ Knapp 500.000 Einwohner gibt es in dieser kleinen Provinz.
♦ 3.000.000 Urlauber besuchen den Küstenstreifen jedes Jahr.
♦ Faro ist mit 58.000 Einwohnern die größte Stadt.
♦ 160 km sind es von der spanischen Grenze im Osten bis nach Sagres im Westen.
♦ Höchster Berg ist mit 902 m der Fóia in der Serra de Monchique.
... arabisch
Der Name der Region kommt vom arabischen Al-Gharb, الغرب. Das bedeutet „der Westen“, denn bis zum 13. Jh. war die Region unter maurischer Herrschaft und der westlichste Vorposten auf der Iberischen Halbinsel.
... der Garten Portugals
Am Küstensaum fruchtbares Ackerland mit rot leuchtender Erde. Orangen-, Mandel- und Feigenbäume, dazwischen Gemüse oder Getreide. Mittlerweile ist aber die Landwirtschaft wegen der Trockenperioden ein mühseliges Geschäft, und viele Ackerflächen werden nicht mehr bestellt. Doch noch immer taucht die Mandelblüte die Algarve im Februar/März in ein weißes Rosa - als ob Frau Holle Blüten vom Himmel geschüttelt hat.
Landeinwärts wird die Algarve hügeliger und die roten Kalkverwitterungsböden gehen über in dunklen Lehmschiefer. Hier werden traditionell Schafe gehalten und Korkeichen kultiviert. Heute finden sich in den Hanglagen viele im Wortsinn brandgefährliche Eukalyptusplantagen - der Rohstoff für die Papierindustrie.
... Genuss aus dem Meer
Der Atlantik vor der portugiesischen Küste ist noch immer ziemlich sauber und reich an Meerestieren. Von der Vielfalt kann man sich jeden Vormittag in der Fischmarkthalle, die es praktisch in jedem Ort gibt, überzeugen. Traditionell werden die Fische auf einem Holzkohlegrill genau auf den Punkt gegart. Besonders die Sardinen schmecken so vorzüglich und sind dabei noch ein preislich akzeptabler Genuss. Etwas ausgefallenere Meeresfrüchte sind die Entenmuscheln percepes die von Tauchern von der Steilküste „gepflückt“ werden, davon lässt man sich am besten ein kleines Schälchen als Vorspeise servieren. Nicht minder exotisch und köstlich ist das muxama de atum - luftgetrocknete und leicht gesalzene Thunfischfilets.
... süß
Wegen der vielen Mandelbäume ist Marzipan an der Algarve fast eine Selbstverständlichkeit. Daraus werden Tiere oder Früchte geformt, die man in vielen Cafés oder am Markt kaufen kann. Ein nettes Mitbringsel, genauso wie die getrockneten Feigen, die als Blumenblüte aufgefaltet und mit Mandelkernen verziert sind.
... quirlig und einsam
Der Bereich vom Badeort Quarteira bis Praia da Roche bei Portimão darf als Touristenmeile bezeichnet werden. Was aber nicht bedeutet, dass man dort keine netten Tage verbringen kann. Je weiter westlich - und windiger - es wird, desto weniger Badegäste bevölkern die Strände und Dörfer. Ganz im Westen, an der Costa Vicentina, gehört die Algarve heute der Surfszene, Massentourismus ist Fehlanzeige. Noch einsamer wird es im Hinterland, wo die Landflucht der 80er- und 90er-Jahre allerorten zu spüren ist und die typischen weiß gekalkten Häuschen mit den roten Ziegeldächern nur mehr vereinzelt eingestreut sind.
... ein Aussteigerparadies
Während in den letzten Jahrzehnten viele Portugiesen nach Nordeuropa auswanderten, zogen seit den 60ern englische und etwas später deutsche Aussteiger an die Algarve. Während Erstere betuchte Pensionäre waren, die ihren Lebensabend im Süden verbrachten, kamen gerade aus Deutschland viele Freaks, die sich nach den politischen Umbrüchen der 70er und wegen der niedrigen Lebenshaltungskosten hier niederließen - inzwischen in zweiter Generation und zum Teil sehr erfolgreich integriert. Interessant ist der Besuch des Flohmarktes in Barão de São João am ersten Sonntag im Monat, eine Aussteigerparty, die man sonst nirgendwo findet.
... Naturschutzzone
Die Algarve ist reich an Pflanzen- und Tierarten, vor allem für (Zug-)Vögel ist sie ein futterreiches Paradies. Gleich mehrere Schutzgebiete wurden eingerichtet, die die Lebensräume erhalten sollen. Darunter zählen in Meeresnähe die Mündung des portugiesisch-spanischen Grenzflusses Guadiana bei Castro Marim, die einzigartige riesige Lagune der Ria Formosa (Tour 1) sowie die artenreiche Felsküste zwischen Sagres und Cabo de São Vicente (Reserva Biogenética de Sagres). Westlich von Lagos beim Ort Budens beginnt der Parque Natural do Sudoeste, von dort zieht sich die geschützte Küste an der Costa Vicentina nach Norden.
Im Hinterland findet man den Rocha de Pena zwischen Alte und Salir (Tour 5) sowie die Fonte da Benémola nördlich von Loulé (Tour 4).
Sightseeing und mehr
Kunst und Kultur erleben
Die Kultur der Algarve ist ländlich, über Jahrtausende war sie die Heimat von Fischern, Hirten, Bauern und Salzsammlern. Wer Top-Museen, große Kathedralen und Schlösser erleben möchte, fährt eher nach Lissabon oder in den Norden Portugals. Dafür findet man an der Algarve anrührende Zeugnisse der gesamten Menschheitsgeschichte.
Das Kirchlein Nossa Senhora de Guadelupe bei Budens im Westen der Algarve ist zwar unscheinbar, aber unbedingt besuchenswert. Es wurde absichtlich schief und krumm gebaut und ist wahrscheinlich die älteste Kirche der Algarve.
Kurz nach Adam und Eva
Dolmen und Menhire wurden an der Algarve an vielen Orten entdeckt, sie stehen manchmal kaum beachtet einfach am Straßenrand, z. B. beim Strand Ingrina. Am anschaulichsten sind diese aus dem 5. bis 2. Jahrtausend vor Christus stammenden Zeugnisse in Alcalar, sie gehörten zur wohl größten kupferzeitlichen Siedlung der Algarve. Die alten Grabstätten liegen landeinwärts des Strandorts Alvor. Ein kleines Dokumentationszentrum erläutert die Fundstellen.
Die Römer kamen
Vom Dorf Figueira - gleich in der Nähe des kupferzeitlichen Alcalar - über die Bahnlinie Richtung Meer besucht man die Überreste einer römischen Villa, der Quinta da Abicada. Man erkennt alte Mosaiken und Gruben, in denen bereits damals Fisch mit Salz vermengt und so haltbar gemacht und eingelagert wurde. Einer römischen Wassernymphe und ihrem Tempel begegnet man in Estoibei Faro oder den Überresten der ersten Ferienunterkunft für müde Legionäre aus römischer Zeit im Cerro da Vila bei Vilamoura.
Arabische Blütezeit
Maurische Einflüsse zeigen sich vielerorts in kleinen Details, wie den filigranen Kaminen oder Schöpfrädern, den sogenannten noras, weniger in großen Baudenkmälern.
In Silves, im Hinterland von Carvoeiro, zeigt sich das maurische Erbe am stärksten im Stadtbild und in den Resten der Maurenburg, worauf man auch richtig stolz ist. Den neu angelegte Hauptplatz ziert ein üppiger Brunnen mit grotesk modernen Figuren. Benannt wurde der Platz nach dem ehemaligen Statthalter und Kronprinz Al-Muhamid (1051-1091).
Ein verwinkeltes maurisches Gassengewirr durchstreift man auch in Olhão, heute die wichtigste Fischereistadt der Algarve, die einst Fischfangrechte sogar vor der afrikanischen Küste besaß.
Sehr viel später, am Ende des 19. Jh., verwendeteten die Architekten bei vielen historisierenden Bauwerken wieder Formen aus der maurischen Zeit. Zu bewundern besonders bei der neomaurischen Markthalle in Loulé oder bei den alten Thermalhallen von Caldas de Monchique.
Zeitalter der Entdeckung
Gut, der berühmte portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer(1394-1460) war selbst kein Seemann, sondern eher der Organisator und Financier der teuren Endeckungsreisen und damit Urheber der portugiesischen See- und Kolonialmacht. Im Flottenstützpunkt Lagos trafen sich die wirklichen Seefahrer mit Heinrich, der Gouverneur der Algarve war, um sich auszutauschen und zu planen. Die Stadt ist noch heute von einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer eingefasst, obwohl die riesige Flutwelle nach dem epochalen Erdbeben 1755 viel zerstörte.
Weiter zum Atlantik hin, in der Festung von Sagres, findet man noch heute einen Steinkreis in Form einer riesigen Windrose aus der Zeit Heinrichs des Seefahrers.
Kork und Körbe
Dem Kunsthandwerk fehlte lange der Nachwuchs, im Hotelgewerbe verdient man viel leichter. Aber es gibt neue Initiativen, um die Traditionen fortzuführern und auch einige neue Ideen. So gibt es in São Brás de Alportel die Casa da Artesano, in der man Korbflechtern bei der Arbeit zuschauen kann.
Im Bergdorf Monchique findet man gut sortierte Läden, in denen lokale Erzeugnisse angeboten werden. Oben auf dem Berg Foia bieten 25 Künstler und Kunsthandwerker ihre zum Teil modernen Werke zum Verkauf, und in Tavira gibt es den Verein Min-arifa, der Kunsthandwerksmärkte (Feira de artensanato) in der Innenstadt organisisert.
Töpfer gibt es z. B. in Porches bei Armacao de Pera und Moncarapacho. Dazu sieht man überall schöne Artikel aus Kork, allerdings muss man mittlerweile darauf achten, dass sie wirklich in Portugal hergestellt wurden.
Zeitgenössische Architektur
Neben gesichtslosen und billig hochgezogenen Apartmenthäusern in den Touristenhochburgen wie z. B. Praia da Rocha oder Quarteira, gibt es besonders um die berühmten Golfplätze von Vale de Lobo und Quinta de Lago in sogenannten gated communities exklusive Villen, die von preisgekrönten Stararchitekten erbaut wurden.
Der 1933 geborene Meister-Architekt Álvaro Siza Vieira errichtet derzeit im Schatten der Öffentlichkeit an der Algarve eine Kapelle. Wir berichten auf unserer Website www.michael-mueller.de, wann das Projekt fertiggestellt und zu besichtigen ist.
Aktivurlaub
Baden, Surfen, Wandern
Im Osten zwischen Faro und der spanischen Grenze endlose Strände entlang der vorgelagerten Sandbänke. Ganz anders die Badebuchten unter rotleuchtenden Felsformationen weiter im Westen. Nördlich des Kaps von Sagres wird die Küste wilder und für Schwimmer ungemütlich. Hier haben die Surfer ihre Reviere.
◊ Die Strände der Algarve sind sauber. 2019 flatterte bereits an 89 Badeplätzen die Blaue Flagge im Wind.
◊ Der Radweg Ecovia del Litoral parallel zur Küste ermöglicht auch ohne Mietwagen größere Ausflüge.
◊ Schattige Bergpfade bis auf 902 m Höhe und Wege entlang der Klippen führen Sie zu den schönsten Algarve-Landschaften.
Strand und Meer
Bei der nach Süden gerichteten Küste der Algarve zeigt sich das Meer meist ziemlich zahm. Nur bei oder nach kräftigen Südwinden tost eine hohe Brandung, und an den bewachten Stränden signalisieren rote Flaggen Gefahr. Die im Vergleich zum Mittelmeer niedrigere Wassertemperatur des Atlantiks sorgt zwar in der Vorsaison für Gänsehaut, ist dafür aber im Sommer die perfekte Kühlung und hält eine Quallenplage fern. Die Wassertemperaturen in der Nähe der spanischen Grenze können bis zu 3 Grad höher sein als ganz im Westen beim Kap von Sagres. Dort sorgen besonders im August ablandige Winde für kühles Tiefenwasser.
Strandspaziergänger können besonders an der Ostalgarve kilometerweit auf der vorgelagerten Sandbank entlangwandern. Der malerischste „Langstrand“ ist der von Falesia zwischen Quarteira und Olhos de Água - hohe, rot leuchtende Steilküste und grünes, ziemlich unverbautes Hinterland. Lange Strandabschnitte finden Sie auch zwischen Albufeira und Armação de Pêra sowie mit der Meia Praia westlich von Lagos.
Ansonsten dominiert an der Westalgarve zwischen Faro und dem Kap bei Sagres zackige Klippenküste mit mehr oder weniger schmalen Sandbuchten dazwischen - so wie man die Algarve von den Plakaten kannt.
Lohnenswert ist in jedem Fall eine Grottenfahrt mit den kleinen Fischerbooten. Eine besonders schöne führt von Lagos aus zur Ponta da Piedade, die von einem Leuchtturm gekrönt wird und tolle Höhlenformationen zeigt.
Surfen
Obwohl Windsurfen bei dem recht häufig herschenden Nordwind im Hochsommer gut funktionieren würde, sieht man diese Sportart eher selten.
Wellenreiten: Berühmt ist Portugal nicht nur wegen seiner Monsterwellen von Nazaré weiter nördlich, auch an der Algarvewestküste von Sagres bis Carrapateira ist von Frühjahr bis Herbst jede Menge los - aber der Neoprenanzug sollte wegen der Wassertemperatur schon übergezogen werden.
Der Surfertreff Carrapateira hat bis heute sein dörfliches Flair bewahrt. Die Strände Praia do Amado oder auch Praia da Cordoama in der Nähe, werden von den Bretterkapitänen regelrecht geflutet, da kann es schon mal Ärger mit dem Nachbarn beim Einstieg in die beste Welle geben.
Tauchen und Schnorcheln
Schwarmfische, Zackenbarsche, Muränen und Krustentiere sind besonders gut an der felsigen Westalgarve zu beobachten. Wegen der niedrigen Wassertemperatur nicht den Neoprenanzug vergessen.
Wandern
Gerade in der Vor- oder Nachsaison, wenn die Tagestemperaturen auf mitteleuropäisches Niveau absinken, lassen sich ausgedehnte Wanderungen unternehmen. Es gibt den WeitwanderwegVia Algarviana, auf dem man (je nach Kondition) in 8 bis 12 Tagesetappen von der spanischen Grenze bis nach Sagres unterwegs ist.
„Ums Eck“ von Sagres, beginnt die Rota Vicentina, der sogenannte Fischerweg, ebenso ein Fernwanderweg, dem man entlang der Westküste in Richtung Norden folgen kann.
Ansonsten haben wir am Ende dieses Buches ein paar ausgewählte Wanderungen vorgeschlagen: Vom Spaziergang entlang der Küste bis zum etwas anstrengenderen Weg vom Hinterland von Lagos hinüber zur Westküste bei Carrapateira. Auch im Monchique-Gebirge lassen sich ausgedehnte Touren unternehmen.
Damit Sie sich noch besser orientieren können, gibt es von unserem Verlag die GPS-Tracks zum Download oder die noch bequemere mmtravel App (iOS), in der die Tracks bereits integriert sind.
Radtouren und Fernradwege
Mountainbiketouren lassen sich im Hinterland auf dem dicht ausgebauten Netz aus geschotterten Forstwegen unternehmen. Aber dazu besser ein GPS-fähiges Smartphone mit installierter Karte verwenden, damit man nicht die Orientierung verliert.
Einen empfehlenswerten Vorschlag mit dem Tourenrad von Lagos ins Monchique-Gebirgeauf einer fast nicht befahrenen Teerstraße haben wir im Anhang beschrieben.
Mieträder bekommt man inzwischen in praktisch jedem Badeort.
Familienurlaub
Algarve mit Kindern
Kinder sind kritische Urlauber: Ein langweiliges Programm wird schnell mit Protesten kommentiert. Doch mit Wasser und Sand hat man an der Algarve bereits zwei Trümpfe in der Hand.
Glücklich auf dem Wasser
Ein Bootsausflug zu den zahlreichen Grotten der zerklüfteten Küste an der Westalgarve gehört zu den schönsten Urlaubserlebnissen. Eine einstündige „Kreuzfahrt“ kostet um die 20 €.
Vor allem von Sagres, aber auch von anderen Häfen fahren Boote weiter aufs Meer hinaus, um Delphine zu beobachten.
Strand und Meer
Das Meer ist schon mal ein Grundabenteuer und für die meisten Kinder etwas absolut Neues. Es gibt Muscheln und angeschwemmtes Strandgut zu entdecken. Sandburgen bauen und Dämme aufschaufeln, um die steigende Flut aufzuhalten, fordert schon eine gewisse Ausdauer. Schattige Plätzchen gibt es allerdings nur direkt unter den Felsen, aber dort ist es wegen der möglichen Felsabbrüche eigentlich zu gefährlich, also Sonnenschirm nicht vergessen!
Der Schwimmunterricht im Meer ist für die Kleinen wegen des Wellengangs nicht so prickelnd, das muss am Hotelpool eingeübt werden.
Die salzfreie Alternative ist ein Ausflug mit dem Mietwagen nach Monchique mit Besuch des dortigen Freibads - einfach herrlich sind die tolle Sicht auf die Küste und die fehlende Betriebsamkeit, denn ein öffentliches Freibad in Meeresnähe ist ein absoluter Geheimtipp.
Mit Eimer und Kescher
Selber Fische fangen ist der Hit. Gut ausgerüstete Kinder brauchen dazu nur ein Netz und einen kleinen Eimer bzw. eine große Plastikflasche sowie einen Sonnenhut. Beute macht man am besten an einem der Strände mit kleinem Fluss (wie Amoreira oder Bordeira) oder an einem flachen Strand mit Felsen wie Monte Clerigo - aber nach dem Fischzug die Tiere wieder freilassen.
Apropos Strandburgen
Anregungen für eine Sandburg der Extraklasse kann man sich bei Pêra beim International Sand SculptureFestivalholen. Es ist ein großer Skulpturenpark, der nicht nur Popkünstler und viele Märchenfiguren übermannnsgroß in die Landschaft stellt, sondern auch alte Klassiker wie Johann Sebastian Bach.
Wandern
Wandern kann tatsächlich der Hit sein, besonders, wenn die Tour von einem Esel begleitet wird. Bei Aljezur werden solche Ausflüge auch auf Deutsch angeboten: eselwandern-algarve.blogspot.com.
Ein Erlebnis der abenteuerlichen Art kann ein Spaziergang um die Minihalbinsel des Promontorium Sacrum bei Sagres bei stürmischem Wetter werden. Der Wind jagt die Gischt der Brandung bis auf das 80 m über dem Meeresspiegel gelegene Plateau. Dazu schnaubt das „Ungeheuer von Sagres“ aus seinem tiefen Schlund.
Tierparks und Urlaub auf dem Bauernhof
Bei Barão de São João gibt es einen kleinen, aber liebevoll gepflegten Tierpark. Großtiere wie zu Hause in den öffentlich geförderten Zoos sollten hier aber nicht erwartet werden. Nicht weit von diesem Dorf im Hinterland von Lagos gibt es den Bauernhof Vinha Velha, er wurde vor 40 Jahren von unorthodoxen Rudolf-Steiner-Schülern gegründet und bietet eine Idylle mit Kühen, Schafen und Eseln und einigen netten Unterkünften.
Etwas kommerzieller geht ist es im Zoomarine bei Albufeira zu, dort werden Kunststücke mit abgerichteten Delphinen vorgeführt.
Viel Spaß macht der Besuch des Wasserparks Aqualand (www.aqualand.pt) nicht weit davon entfernt. Die hohe Rutsche ist besonders für Erwachsene eine Herausforderung und gilt als familiäre Mutprobe.
Physik und Natur
In den Städten Tavira, Faro, Portimão und Lagos wurden Live Science Center eingerichtet (→ jeweilige Ortskapitel). Das sind Minimuseen, in denen biologische oder auch physikalische Zusammenhänge auf spielerische Art vermittelt werden. Für einen verregneten Nachmittag sicher eine gute Option.
Mittelalter erleben
Das geht am Besten auf Festen. Am vielfältigsten ist das Fest im August in Silves. Den Weg hinauf zur Burg säumen Stände mit Kunsthandwerk, viele Händler kommen aus dem nahen Marokko.
Eine mittelalterliche Stadt mit orientalischem Einschlag lässt sich in Olãho östlich von Faro erkunden. Den verschlungenen Gässchen folgend, öffnen sich immer wieder kleine Plätze, wo Sagengestalten aufstellt wurden. Die dazugehörigen Geschichten können auf Englisch nachgelesen werden.
Handgezeichnete Portraits
In Lagos am Platz vor dem alten Rathaus sitzt im Sommer der schottische Karikaturenzeichner Aidan, dessen Portraits wohl inzwischen in tausenden Kinderzimmern hängen. Auch bei Erwachsenen sind seine Darstellungen beliebt.
Unterwegs an der Algarve
Ostalgarve (Sotavento)
Der touristenärmere Küstenabschnitt im Osten der Algarve ist geprägt von geschützten Lagunen mit Muschelbänken und Salzgärten, von flachem Marschland und langen Sandstränden mit frisch-grünen Pinienhainen.
Ostalgarve-Souvenir aus Castro Marim: Seit über 2000 Jahren wird an der Algarve Meersalz gewonnen. An der Technik und der Handarbeit hat sich seitdem wenig geändert. Das begehrte Flor de Sal kauft man am besten vor Ort beim Erzeuger, der Kooperative Tradisal in der Nähe des Hauptplatzes Praça 1° de Maio.
Sotavento nennen die Portugiesen das Küstengebiet zwischen der spanischen Grenze und Faro, frei übersetzt „vom Wind abgewandt“. Im östlichsten Teil, beim Badeort Monte Gordo, gibt es noch breite Sandstrände. Bei Cacela beginnt eine dem Festland vorgelagerte, mehrere hundert Meter breite Sandbank mit flacher Dünenlandschaft und typischer karger Vegetation. Sehr saubere Strände, gute Sanitäreinrichtungen und Tavernen gibt es vor Tavira, Santa Luzia und Fuseta. Besonders Tavira lohnt sich wegen seiner beschaulichen Atmosphäre und seinem kulturellen Angebot für einen längeren Aufenthalt. Von hier fahren regelmäßig Boote zu den vorgelagerten Stränden.
Die Algarve-Hauptstadt Faro am südlichsten Zipfel der Algarve ist für die meisten Urlauber, die per Flugzeug anreisen, nur das Sprungbrett in die Badeorte. Mit ihrem hübschen Park, der spätbarocken Igreja do Carmo und dem authentischen Altstadtkern lohnt sie sich aber durchaus für ein paar Tage Aufenthalt; auch essen kann man hier sehr gut.
Die gesamte Hafflandschaft des Sotavento ist inzwischen Naturschutzgebiet - informieren Sie sich im Besucherzentrum des Naturparks Ria Formosa bei Olhão. Vor der Küste von Olhão liegen die Insel Armona mit kleinen Wochenendhäusern und einem Campingplatz sowie das von Fischern bewohnte Eiland Culatra.
Das Hinterland der Ostalgarve, die Region von der spanischen Grenze am Fluss Guadiana im Osten bis zur A 2 im Westen, bietet Ruhe und Abgeschiedenheit abseits vom Küstenrummel. Hier lässt es sich hervorragend wandern - und rustikal einkehren.
Was anschauen?
Altstadt von Olhão: Das kopfsteingepflasterte Gassengewirr des Fischerortes erinnert an eine nordafrikanische Medina und ist wirklich hübsch anzusehen - es eignet sich hervorragend zum Bummeln und Portugiesische-Alltagsluft-Schnuppern. Mittlerweile einer meiner Lieblingsorte an der Algarve!
Typisches Portugal im Hinterland: Nördlich von Faro liegen einige äußerst besuchenswerte Dörfchen. Alte ist eine der wenigen wasserreichen Oasen der Algarve. Mit dem Marktort Loulé besucht man ein quirliges Kleinstädtchen mit Straßenleben und guten Lokalen. Eleganz im Rokoko-Stil lässt sich im Lustschloss Estói bewundern. In seiner angegliederten Pousada kann man auch nächtigen.
Wo baden?
An der Ostalgarve ist das Meer einige Grad wärmer als im Westen und deshalb für Dünnhäutige und Kinder besser geeignet. Natürliche Schattenplätze gibt es hier allerdings nicht.
Ilha de Tavira: Der weitläufige Strand auf der Sandinsel vor Tavira bietet reichlich Platz für Sonnenanbeter - auch für textilfreie. Per Pendelboot gelangt man hinüber.
Monte Gordo: Der einzige Strand im Osten der Algarve, der direkt und ohne Bootsfahrt zu Fuß vom Quartier aus erreicht werden kann.
Was unternehmen?
Naturpark Ria Formosa: Die 170 km2 große Watt- und Marschlandschaft zwischen Olhão und Faro wird von zahlreichen Vogelarten bewohnt und ist ein noch verhältnismäßig unbekanntes Naturparadies. Ein Rundgang auf dem Wanderlehrpfad dauert etwa zwei Stunden. Das Besucherzentrum des Naturparks informiert ausführlich und anschaulich über das Ökosystem Haff.
Wandern an der Küste: Die Lagunen von Faro lassen sich auf einer einfachen, 2-stündigen Wanderung erkunden, bei der man sehr schön ganze Wasservogelkolonien beobachten kann. → Tour 1
Wandern im Hinterland: Eine landschaftlich reizvolle Tour durch tropisch anmutende Vegetation startet bei Querença und führt zu den Höhlen von Benémola. → Tour 4
Was sonst noch?
Fisch und Meeresfrüchte essen! In den Rias (Lagunen) werden Muscheln gezüchtet, die als Ameijoas in einem leckeren Sud mit Koriander und Knoblauch auf den Tisch kommen. Eine weitere Spezialität sind an der Küste des Sotavento die Tintenfische. Besonders die Restaurants in Santa Luzia bei Tavira sind berühmt für ihre Polvo-Köstlichkeiten. Apropos Tavira - die frühere „Thunfisch-Hauptstadt“ hat noch heute entsprechende Spezialitäten auf ihren Speisekarten, Muxama beispielsweise: Der eingesalzene und anschließend luftgetrocknete Thunfisch schmeckt hervorragend. Dünn aufgeschnitten und in Kombination mit Tomaten oder auch Mozzarella wird er in einigen Restaurants als Vorspeise angeboten.