© 2006 by loewenzahn in der Studienverlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck // e-mail: loewenzahn@studienverlag.at, homepage: www.loewenzahn.at // Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.ddb.de> abrufbar. // ISBN 978-3-7066-2724-5// Grafische Konzeption: Kurt Höretzeder, Büro für grafische Gestaltung, Scheffau/Tirol // Satz: Karin Berner // Umschlag: Stefan Rasberger // Fotos von Elisabeth Hörl (außer S. 28, 37 li., 85, 88, 102, 108 re., 150, 154: Ingrid u. Gerlinde Tamerl; S. 25, 84: pixelquelle.de; S. 106: www.fotowerk-aichner.at) // Umschlagfoto: www.fotowerk-aichner.at // Redaktion und Lektorat: Heike Schober // Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes dar f in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. //
Hinweis: Die Anregungen dieses Buches sollen hauptsächlich zur Vorbeugung dienen und nicht als Ersatz für Arztbesuche.
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Liebe Leserin, lieber Leser!
Kräuter sammeln und verarbeiten
Tipps fürs Sammeln
Tipps fürs Trocknen
Tipps für die Verarbeitung von Kräutern
Jänner: Der Monat des Atems
Februar: Der Monat der Drüsen
März: Der Monat der Blutreinigung
April: Der Monat des Loslassens
Mai: Der Monat der Liebe
Juni: Der Monat der Lebensfreude
Juli: Der Monat der Hautpflege
August: Der Monat des Ausleitens
September: Der Monat der Seele
Oktober: Der Monat der Verdauung
November: Der Monat des Stoffwechsels
Dezember: Der Monat der Besinnung
Die Kleine Kräuterapotheke
Dankeschön
Literaturverzeichnis
Verzeichnis der Rezepte
Register der Kräuter
Sachregister
Über Kräuter gibt es unendlich viel zu erzählen. In meinem ersten Kräuterhandbuch habe ich nur einen kleinen Einblick in den Wissensschatz unserer Vorfahren geben können. Jetzt möchte ich einen Schritt weiter gehen und sowohl Menschen, die sich noch nie mit ihrer Gesundheit und der Natur beschäftigt haben, als auch solche, die bereits erste Versuche unternommen haben, auf eine Reise durch die Jahreszeiten, unseren Körper und die Welt der Kräuter einladen.
Die Natur ist die Kraft, aus der man alles schafft – dies ist für meinen Mann Walter und mich ein wichtiger Leitspruch geworden. Wir bewirtschaften auf biologische Weise einen Bergbauernhof in Brandenberg und haben sechs Kinder, die – wie ich glaube – doch einiges von meiner etwas besonderen Auffassung von Leben in sich tragen.
Mit der Ausbildung zur Hauswirtschaftmeisterin erlangte ich das Rüstzeug zur Tätigkeit als Bäuerin bzw. Bergbäuerin. Gerade das Dasein als Bergbäuerin hat meine Liebe zum einfachen Leben nur unterstrichen. Meine Neugierde und ständige Suche trieben mich weiter zur Heilpraktikerausbildung.
Mein Wunsch: Leben mit der Natur und unseren Traditionen, aber immer wieder neue Wege beschreiten
Diese absolvierte ich aber nur für private Zwecke, da ich mich persönlich hauptsächlich als Hüterin der Landwirtschaft und der daraus entstehenden Arbeiten betrachte. Bei Dr. Max Amann in München und bei Frau Inge Kogler vom Verein FNL („Freunde naturgemäßer Lebensweise“) ließ ich mich außerdem zur Kräuterfachberaterin und Phytotherapeutin ausbilden.
Als Ortsgruppenleiterin beim Verein FNL durfte ich auch einige außergewöhnliche Menschen im Rahmen meiner Beschäftigung mit der Gesundheitshilfe kennenlernen, und diese Kontakte sind für meine Entfaltung sehr wichtig. Wenn man also die Ohren offen hält und sich für eine Sache einsetzt, kann man immer Menschen erfragen, die einen weiterbringen. Das beweisen mir die Stammtische, die ich schon öfters über den Sommer von Mai bis September abgehalten habe. Die Ausbildungen zur Natur- und Landschaftsführerin und zur Bergwanderführerin runden mein Tun im Bereich der Kräuterführungen ab. Auch der Lehrgang „Seminarbäuerin“ hat mir in meiner Entwicklung sehr geholfen. Durch die vielen Weiterbildungen, die ich immer wieder durchlaufe, konnte ich mein Wissen für mich so festigen, dass ich heute mein Leben gut in die Hände nehmen kann.
Der Erfolg meines ersten Kräuterhandbuches, das 2004 erschien, und die „Willkommen Österreich“-Fernsehsendungen haben mich mit vielen Menschen in Verbindung gebracht. Das Interesse an meinem Wissen und an Erfahrungen mit Kräutern wurde spürbar größer. Aber es wurden auch die gesundheitlichen Probleme, die man mir übergeben wollte, schwieriger. Dazu muss ich sagen, dass ich keine Ärztin bin und diese nicht ersetzen will. Ich kann nur etwas von meinem Wissen weitergeben, das ich im Laufe meines Lebens bei uns und den Tieren erworben habe. Ich hoffe doch, dass alle Leserinnen und Leser ein gewisses Gefühl für Selbstverantwortung in sich tragen und dieses nützen wollen. Ich bitte auch darum, dass alle einen regen Kontakt mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt pflegen und immer Rücksprache halten. Natürlich kann ich keine Verantwortung übernehmen für die Anwendung der Mittel und die Überlieferungen, die ich in diesem Buch notiert habe. Die Anregungen sollen hauptsächlich zur Vorbeugung dienen und nicht als Ersatz für Arztbesuche.
Jede Jahreszeit hat ihre Besonderheiten, auch in der Gesundheitsvorsorge
Doch wir sollten nicht immer warten, bis Probleme auftreten und medizinischer Behandlung bedürfen. Jeder kann selbst für seinen Körper Verantwortung übernehmen. Dabei müssen wir nicht immer alles auf einmal machen – es genügen oft die kleinen Schritte, wenn sie sehr genau und konsequent durchgeführt werden.
Weiters begegneten mir immer wieder neue Methoden, die Gutes wie auch nicht Umsetzbares an mich herangetragen haben. Aber das gewisse Bauchgefühl soll jeder Leserin und jedem Leser helfen, eigene Mittel und Wege zu finden.
Ich lernte in meinem Leben Menschen mit unglaublichen Kenntnissen kennen. Eine 10.000 Jahre alte Gesundheitslehre aus Persien („Mazdaznan“) hat es mir besonders angetan, obwohl ich in Deutschland gewisse Vorurteile hörte. Aber als ich mir selbst ein Bild machte, stellte ich fest, dass Menschen alles übertreiben können, sowohl die Gerüchteküche als auch die Art, wie bestimmte Lehren angewendet werden. Die von mir angesprochene Lehre sagt ja nur, man darf alles tun, was den Menschen gesund erhält und dem Leben gut tut. Somit habe ich einige mir interessant erscheinende Anwendungen mit eingebunden, mit denen man schneller an sein Ziel kommt, ohne die Geldtasche zu sehr zu belasten. Ein altes Gesetz besagt: Wenn man Gutes in den Körper hineingibt, kommt nur Gutes heraus.
Mein erstes Kräuterhandbuch hat mir gezeigt, dass es vielen Menschen ein Bedürfnis ist, Pflanzen nach einfachen Richtlinien zu beurteilen und auf möglichst ursprüngliche Weise zu nützen. Ja, es wird auch in Zukunft immer wichtiger werden, sich mit der Natur und den alten Gesundheitsmethoden zu beschäftigen und mit dieser Tradition zu leben. Wenn die Natur uns einen Strich durch die Rechnung macht, sollten wir uns überlegen, was zu tun ist. In einer solchen Zeit ist es wichtig, sich zu bevorraten und die Natur zu kennen. Unsere Vorfahren haben immer wieder aus Not verschiedene Rezepte und Anwendungen gefunden, die uns heute nach wie vor noch helfen können. Oft wurde ich gefragt: „Du, Gertrude, wo fange ich im Kräutergarten und in der Gesundheit am besten an?“
Auf meinem Weg, die Lebenskraft zu finden, kam ich darauf, dass es viele Wege gibt, sich Gesundheit zu verschaffen, aber es wird immer wichtiger, doch zumindest einen Weg zu gehen. Welchen? Diese Suche muss jeder selbst bestreiten. Jeder Weg ist richtig, sofern er nicht zu viel kostet und die Menschlichkeit immer im Vordergrund steht. Mein Ansporn, dieses Buch zu schreiben, war hauptsächlich dieser Wunsch: Menschen dazu zu bringen, ihren eigenen Weg in Richtung von mehr Wohlbefinden, Eigenverantwortung und Selbstwertgefühl zu suchen, zu finden und schließlich auch unbeirrt zu gehen.
Der Neuschwendthof in Brandenberg
Wenn wir uns für eine bewusstere Lebensweise entscheiden, stellt sich also gleich für jeden Einzelnen von uns die Frage, wo und wie wir anfangen können, unseren Körper mit Hilfe von Kräutern zu pflegen. Wir leben in Österreich, wo die Gesundheit nichts Besonderes oder Aufwendiges sein sollte. Wer die Augen weit aufmacht, wird überrascht sein, welche Kräuter sich um uns herum scharen und uns dienen wollen. Leider ist die Angst, sich mit Pflanzen zu verbünden, oft so groß, dass sich viele Menschen einfach nicht trauen, es wenigstens zu versuchen. Der Jahresüberblick, den ich in diesem Buch geben möchte, sollte eine kleine Hilfestellung sein, diese Angst auszuräumen.
Wo wir hinschauen, finden wir unsere Gesundheit. Wir müssen uns nur bücken und sie pflücken. Dieses Buch ist eine Anregung, diese natürlichen Schätze zu nützen. Der Kalender der Gesundheit soll helfen, uns Monat für Monat bewusst zu werden, dass wir das ganze Jahr über etwas für uns tun können. Wenn du auch nur einige Vorschläge umsetzen möchtest, gibt es genug zu tun. Mir ist klar, dass ich sehr viele Möglichkeiten aufzeige. Ich wollte einfach, dass jede und jeder etwas nach ihrem/seinem Gusto finden kann. Sollte mal ein Monat vergangen sein, wo du nicht Zeit oder Lust hattest, dich mit deiner Gesundheit zu beschäftigen, kannst du den nächsten Monat nützen, um dir wieder Gutes zu tun.
Nur eine der vielen neuen Erfahrungen: Bewegung vor der Kamera
Selbstverständlich kannst du jederzeit Anregungen aus allen Monaten umsetzen und unabhängig von der Jahreszeit Tipps aufgreifen, wenn du bestimmte Probleme angehen möchtest. Es ist besser, konsequent einen kleinen Schritt nach dem anderen zu machen, als die großen zu versuchen, die man bald nicht mehr schafft. Vergiss nicht, wie wichtig es ist, sich im Leben immer wieder neuen Schwung zu geben. Das Buch soll dich ermuntern, Schwerpunkte zu setzen und der eigenen Gesundheit ein bisschen weiter zu helfen. Sind Geist, Seele und Körper in Unordnung, kann nur Unordnung im Körper entstehen.
Es ist höchste Zeit, sich endlich an diverse Silvestervorsätze zu halten, und zwar nicht nur im Jänner. Es ist Zeit, sich daran zu erinnern, dass gerade „ich selbst“ eine Bedeutung habe, wenn es um die Umsetzung meiner Ziele geht. Wenn etwas in Gedanken ausgearbeitet und verfestigt wird, wird es auch mit größerer Wahrscheinlichkeit in die Tat umgesetzt. Schon unsere Vorfahren machten sich während der gesamten ruhigeren Jahreszeit Gedanken, was wieder alles so getan werden muss, und überlegten, wie und wo man es umsetzen kann. Alles geht, wenn wir nur wollen und unsere Planung stimmt. Und was wir uns einmal im Kopf bildlich vorgestellt haben, wird auch im Leben umgesetzt. Das gilt auch und insbesondere für die Gesundheit. Gerade bei ihr müssen wir im täglichen Lebensablauf darauf bedacht sein, uns ein bestimmtes Programm so schnell wie möglich anzueignen und anzugewöhnen, damit es selbstverständlich wird. Denn einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr, sagt der Volksmund.
Die Gesundheit lässt sich pflücken und ist ganz nah
Es wäre schon gut, wenn sich jeder ein wenig Gedanken über seine eigene Kultur und Gepflogenheiten machen würde. Unsere Vorfahren haben meistens einen wertvollen Schatz der Selbsterfahrung in sich. Wir sollten uns nicht von der Verwirrung der Wirtschaft verblenden lassen. Denn Geld verdienen wollen alle, groß reden können viele, aber sich der nahen Natur zu widmen ist nicht mehr jedermanns Sache.
Es freut mich, dass es im Leben auch noch andere Werte als das Streben nach „Mehr“ gibt: die Natur als die treibende Kraft, die uns weiterbringt. Mit Gefühl und Umsicht tragen wir unser Erbe weiter. Wir Menschen glauben immer, ohne uns gehe nichts, aber eigentlich braucht uns die Natur gar nicht. Sicher dürfen und sollen wir ein wenig eingreifen, aber nur so, dass es unserer Umwelt nicht schadet, also ohne Gifte und zerstörerischen Firlefanz. Auch das Auge muss wieder sehen lernen, um der Natur Recht zu tun. Die Gundelrebe darf im Garten bleiben, da sie gesund ist und den Boden vor Austrocknung schützt. Unseren Kulturpflanzen schaden solche Pflanzen auch nicht.
Immer mehr wird mir bewusst, dass man sich klar seinen Weg suchen muss, aber auf diesem Weg liegen einige Steine, die es zu überwinden gilt. Wir werden immer mehr verblendet und getäuscht. Während meiner Laufbahn als Biobäuerin habe ich viele Menschen kennengelernt und reden gehört. Ich glaube einfach, man sollte sich nicht verzetteln und annehmen, die Gesundheit mit Geld kaufen zu können. Denn nicht die verschiedenen Mittelchen oder alljährliche Wellnesswochenenden machen Mensch und Tier gesund, sondern nur ständige Aufmerksamkeit für sich selbst – und der gute Boden. Oft wird gesagt, ja, die Bauern machen alles falsch, die düngen nicht richtig. Ich muss lachen, wenn sich Menschen anmaßen, über die einheimische Landwirtschaft zu lästern, aber selbst im Supermarkt einkaufen gehen, also die Billigware wollen. Alle anderen Produkte sind ja auch nicht billiger geworden, sondern teurer – deshalb stimmt das Verhältnis in der Landwirtschaft nicht. Wer seine Gesundheit verloren hat, muss sie sich teuer erkaufen. Wenn man aber am Boden arbeitet und diesen mit dem Gefüge aus Kleinstlebewesen und Kompost verbündet, wird die Nahrung wieder ein Heilmittel werden. Alle, die sich rückbesinnen und dem Boden wieder Raum schaffen, werden ihre Gesundheit und die der anderen fördern. Gerade darum muss man sich Gedanken machen, woher unser tägliches Essen stammt und wie wir uns zur Gesundheit zurückführen.
Das Interesse an meinem Kräutergarten wurde nach dem ersten Buch spürbar größer
Vielleicht darf ich auf dieser Welt ein wenig dazu beitragen, dass wir alle die Natur wieder etwas besser verstehen und uns als einfache Menschen, nicht als die Hauptpersonen fühlen. Wir alle spielen nur die zweite Geige. Jeder Bergbauer hat sich immer an die Natur anpassen müssen – er hat lediglich beobachtet und dadurch verschiedene Katastrophen verhindern können, da er nur der Natur geholfen hat. Darüber sollten wir alle wieder nachdenken, um mit der Natur leben zu können.
Wichtiger wird auch werden, dass wir unsere Nahrung wieder selber erzeugen, denn frischer geht es nicht. Nicht die Arbeit scheuen, sondern für uns die Gesundheit erzeugen! Auch wenn man mal beispielsweise das Schneckenkorn verwenden muss, gibt es umweltfreundliche Möglichkeiten – man kann ja den Biobauern fragen, welches er benutzt, weil er immer etwas mit Gefühl tut und weiß, was der Natur nicht schadet. So wird auch das Gespräch zwischen den Menschen wieder angeregt und die Erfahrung weitergegeben – nur fragen muss man halt.
Wer Erfahrungen in der Biolandwirtschaft und dem Kräuteranbau machen möchte, kann es über die Organisation WWOF bei mir am Hof als MithelferIn versuchen.
Wenn du mehr über Kräuter wissen möchtest, kannst du jeden Donnerstag von Juni bis Mitte September von 10-12 Uhr und 19-21 Uhr auf unserem Hof in Brandenberg einiges sehen und hören. Seminare und Vorträge gibt es auf Anfrage.
Nun möchte ich allen Leserinnen und Lesern wünschen, wenigstens ein bisschen von der Kraft der Kräuter in ihr eigenes Leben aufnehmen zu können und weiterzutragen.
Viel Freude dabei!
Eure Gertrude Messner
Das Sammeln und Trocknen von Kräutern (hier: Indianernessel) ist nicht schwierig und ein schönes Erlebnis
Das Sammeln und Verarbeiten von Kräutern ist keine Hexerei, aber eine Frage der Erfahrung. In diesem Kapitel habe ich die wichtigsten Hinweise für den Umgang mit Kräutern hoffentlich so zusammengefasst, dass sie einerseits für unerfahrene Anfänger leicht nachvollziehbar sind und andererseits auch für Menschen, die sich mit dem Thema bereits beschäftigt haben, Neues und vielleicht manch Überraschendes bieten.
Lass dich beim Sammeln nicht auf Pflanzen ein, die du nicht genau bestimmen kannst – bei leicht verwechselbaren und unbekannten Kräutern besteht Vergiftungsgefahr!
Kräuter nicht an stark befahrenen Straßen oder an einer beliebten Hunde-Gassiroute sammeln, weil die Kräuter dort schmutzig sind und folglich die Qualität schlechter ist.
Grundsätzlich wird allerorts von Kräuterkundigen empfohlen, Wurzeln im Frühjahr und Herbst bei Vollmond zu sammeln, da sie zu diesem Zeitpunkt die größte Heilkraft haben. Die beste Tageszeit für das Sammeln ist der Vormittag, am besten bei Sonne nach einem regnerischen Tag (damit die Kräuter auch sauber sind; sie sollten aber auch bereits trocken sein). Wann eine Pflanze die meisten Inhaltsstoffe und die beste Qualität aufweist, lässt sich nicht ausschließlich nach dem (Mond-)Kalender bestimmen – wichtiger sind die äußeren Umstände, also gutes Wetter und dass man auch genügend Zeit hat.
Kräuter wie Zitronenmelisse mit einem scharfen Messer abschneiden
Unter keinen Umständen, auch nicht in kleinen Mengen, dürfen geschützte Pflanzen gepflückt werden. Naturschutzbestimmungen sind einfach einzuhalten. Wenn du Bedarf an außergewöhnlichen, geschützten Kräutern (wie z.B. Arnika) hast, kann ich dir nur empfehlen, sie entweder in der Apotheke zu besorgen oder am besten im eigenen Garten zu pflanzen.
Ich schwöre auf die wunderbare Tradition, Kräuter in Körben zu transportieren. Auch Stofftaschen erfüllen ihren Zweck; Hauptsache, das Gesammelte wird so schnell und luftig wie möglich nach Hause getragen. Dort sollten die Kräuter möglichst rasch weiterverarbeitet werden.
Der beste Zeitpunkt fürs Sammeln ist ein sonniger Vormittag, wenn die Kräuter trocken sind
Je nach Kraut werden nur Wurzeln, Blüten, Blätter oder die ganze Pflanze gesammelt
Man sollte grundsätzlich alle Pflanzen so frisch wie möglich verwenden, denn dann besitzen sie die meisten Inhaltsstoffe. Aber gerade in unseren Breitengraden, wo der Winter oft sehr lang sein kann, ist das Trocknen natürlich sehr wichtig. Es ermöglicht eine gewisse Bevorratung. Trotzdem sollen Kräuter aber nicht ausschließlich getrocknet werden.
Nicht alle Kräuter kann man das ganze Jahr über zur Verfügung haben, außer man greift auf das Angebot der Apotheken zurück. Einige Gedanken über Selbstversorgung kann man sich aber früh genug machen. Welche Krankheiten und Beschwerden treten in der eigenen Familie besonders häufig auf? Welche Bedürfnisse hat jedes einzelne Familienmitglied? Diese Überlegungen können eine Grundlage dafür sein, rechtzeitig für eine Bevorratung zu sorgen, damit der Eigenbedarf annähernd das ganze Jahr über gedeckt werden kann.
Auf jeden Fall empfiehlt es sich, stets die so genannten Universalkräuter zur Hand zu haben, um auch unvorhergesehene Beschwerden in den Griff zu bekommen. Folgende Kräuter decken einen breiten Bereich der nötigen Hausmittel ab: Brennnessel, Schafgarbe und Ringelblume, weiters empfehle ich Gundelrebe, Käsepappel und Beifuß. Damit ist man für den Notfall gut gerüstet.
Die Kräuter werden am Dachboden in Bündeln aufgehängt – das ist die einfachste Methode, die allerdings recht viel Platz benötigt.
Du kannst auch einen Holzrahmen mit einem Fliegengitter basteln und darauf die Kräuter zum Trocknen auflegen. Das geht auch in mehreren Schichten übereinander. Dabei muss jedoch ständig Luftzirkulation zwischen den Ebenen möglich sein. Der Raum, in dem getrocknet wird, sollte also auch gut belüftet werden.
Eine sehr einfache Methode besteht darin, die Kräuter auf Tücher oder Papier am Boden zu legen (Stängel und Wurzeln getrennt trocknen). Vorsicht, Kräuter vertragen keine Temperaturen über 35°C!
Während Kräuter hitzeempfindlich sind, können Wurzeln und Rinden auch in einer Hausdörrmaschine oder im Heißluftherd getrocknet werden.
Sie erfolgt am besten in verschließbaren Papiersäcken oder in Gläsern, immer mit einer Aufschrift, die den Namen des Inhalts und das Datum der Abpackung verrät. Die getrockneten Kräuter sollten vor Licht und Motten geschützt werden. Bei frisch getrockneten Kräutern setzt sich durch die Restwärme Wasser ab. Etwa eine Woche wird deswegen das Glas nur mit einem Tuch abgedeckt. Bitte das Glas erst verschließen, wenn die Kräuter ausgedampft bzw. ausgekühlt sind.
Kräuter werden gezupft (im Bild: Thymian) und dann auf die Darre gelegt
Thymian und Königskerze beim Trocknungsprozess
Besonders schonend für die Pflanze ist eine natürliche Trocknung durch Sonneneinstrahlung
Bei Melisse und Pfefferminze sollte darauf geachtet werden, dass Stängel und Blätter getrennt werden, weil sie nicht gleich schnell trocknen
Die einzelnen Darren können übereinander gelagert werden (im Bild: Malvenblüten und Melisse)
Bei guter Aufbewahrung (also lichtgeschützt und trocken) halten sich Kräuter ungefähr ein Jahr. Wenn diese Grenze überschritten ist, werden die Kräuter nicht mehr als Tee zubereitet, sondern nur noch als Badezusätze verwendet oder kompostiert. Farbe und Aroma zu alter Kräuter verändern sich merklich, und auch die Wirksamkeit nimmt stark ab.
Hier sieht man den Solartrockner. Der Deckel muss durchlässig sein, damit die Warmluft beim Trockenprozess wieder entweichen kann
Die Kräuter sind nun gesammelt und vielleicht auch schon getrocknet. Manchmal kann es trotz allem unumgänglich sein, die benötigten Pflanzen in der Apotheke zu kaufen, etwa im Winter oder wenn überraschend Beschwerden auftreten, für die nicht vorgesorgt wurde. Wie auch immer, nun stellt sich natürlich die Frage, wie wir die Kräuter richtig weiterverarbeiten, ohne dass die wertvollen Inhaltsstoffe verloren gehen. An dieser Stelle möchte ich einen Überblick über die wichtigsten Möglichkeiten der Nutzbarmachung von Kräutern bieten.
Ich trete stets – auch gegen anderslautende Meinungen von vielen Kräuterkundigen – dafür ein, dass alle Teile der gesammelten Kräuter verwendet werden. Daher füge ich die Stängel nach der getrennten Trocknung zur restlichen Pflanze wieder hinzu. Das ganze Kraut für einen ganzen Körper – so stellt sich wieder eine Einheit ein.
Samen, Wurzeln oder auch Blätter mit dem Mörser zu Pulver verreiben oder in der Kaffee- bzw. Küchenmaschine mahlen. Bei Bedarf mit Wasser und verdünntem Essig einen Brei anrühren.
Eine Verreibung ist für Kinder und Menschen, die keinen Alkohol vertragen, eine geeignete Methode. Die Inhaltsstoffe werden besonders gut herausgelöst. In einem Mörser Fruchtzuckerpulver, Zucker, Molkepulver, Milchzucker oder Salz mit frischen Kräutern so lange verreiben, bis ein einfärbiges Pulver entstanden ist. Dieses messerspitzen- oder teelöffelweise einnehmen.
Verreibungen von einigen Kräutern können auch als Gewürz verwendet werden, beispielsweise empfiehlt sich Bärlauchpulver mit seinem angenehm scharfen Aroma als besondere Note im Salat.
Einer Flasche hochwertigem Öl (z.B. Olivenöl) Kräuter hinzufügen und einige Wochen stehen lassen (Menge und Dauer hängen vom jeweiligen Kraut ab). Der Ansatz sollte warm, aber lichtgeschützt gelagert werden (Ausnahme: Johanniskraut).
Zur Herstellung von Pulvern und Verreibungen lohnt es sich, einen guten Mörser zu besorgen
Kräuter im Mörser oder in der Küchenmaschine zu einem Brei verarbeiten und durch ein Plastiksieb seihen. Den abgeseihten Presssaft stamperlweise einnehmen.
Zutaten: 60 g Oliven-, Jojoba- oder Mandelöl, 20 g Lanolin/Wollfett/Wollwachs, 6 g Kakaobutter, 6 g Bienenwachs.
Zubereitung: Alle Zutaten langsam im Wasserbad erwärmen und kalt rühren. Danach 10- bis 15%ige Essenz oder Tinktur einarbeiten. Nach Belieben mit ätherischen Ölen verfeinern.
Salben können auch mit Melkfett hergestellt werden, aber manche Produkte enthalten Desinfektionsmittel und sind nicht geeignet. Alternativ Eucerinum anhydricum (in der Apotheke erhältlich) schmelzen, mit 1/3 Frischpflanzen, Tinktur oder Essenz anreichern.
Frischsaftkuren unterstützen die Entgiftung des Körpers
Ich empfehle 3 Zubereitungsformen von Sirup:
1. 1 Liter heißes Wasser mit 50 g Pflanzen überbrühen. Abseihen und 600 g Zucker dazugeben. Das Ganze einkochen, bis ein dicker Sirup entsteht.
2. Das gleiche Rezept kann auch statt mit Zucker mit Honig zubereitet werden. Auch hier muss die Flüssigkeit so lange gekocht werden, bis sie dicker wird.
3. Gerade bei den Tannenwipferln empfiehlt sich eine interessante Variante: Tannenwipferl und Zucker einlegen (immer schichtweise) und so lange stehen lassen, bis sich ein Sirup bildet. Dasselbe funktioniert auch bei Spitzwegerich mit frischen Blättern. Nicht in der prallen Sonne stehen lassen!
Ob Tinkturen, Öle, Tees oder Salben – Selbstgemachtes erfüllt mit Stolz
Häufig werden die Begriffe Tinktur und Essenz gleichbedeutend verwendet, aber sie bezeichnen zwei unterschiedliche Dinge: Eine Essenz (auch alkoholischer Auszug) wird mit frischen Kräutern hergestellt, eine Methode, die eher in Apotheken üblich ist und sich kaum für die Selbstherstellung zu Hause eignet, weil die Rezepte sehr genau eingehalten werden müssen. Wenn es trotzdem jemand versuchen möchte, hier eine sehr einfache Anleitung: 30 g frische, zerkleinerte und grüne Kräuter mit 150 g Alkohol (50%ig) ansetzen. 6 Wochen lang ziehen lassen. Unter einer Tinktur versteht man einen Ansatz mit getrockneten Kräutern: 30 g getrocknete Kräuter mit 30 g Alkohol (50%ig) ansetzen und 6 Wochen ziehen lassen. Danach abseihen, abfüllen und etikettieren. In der Volksheilkunde verwendet man üblicherweise pauschal 45%igen Schnaps für Blüten und Blätter bzw. 60%igen Alkohol für Rinden und Wurzeln. Für den gewöhnlichen Hausgebrauch reichen solche Faustregeln vollkommen aus.
Früchte wie verschiedene Nüsse und Schlehe sowie Wurzeln wie Meisterwurzel und Kräuter in ein Glas geben. Dieses so lange mit Alkohol (60- bis 70%ig) auffüllen, bis alles gut bedeckt ist. Der Schnaps muss 4 bis 6 Wochen reifen, in dieser Zeit öfters schütteln. Danach mit destilliertem Wasser verdünnen. Je länger der Schnaps gelagert wird, desto besser schmeckt er.
Ungefähr 100 g Kräuter oder Wurzeln mit 1 Liter 70%igem Alkohol übergießen. 3 bis 4 Wochen stehen lassen. Nach dieser Zeit 1 Liter Wasser mit 500 g Zucker aufkochen und auskühlen lassen. Mit dem Alkoholgemisch vermengen und noch einige Wochen reifen lassen.
Zahlreiche Kräuter eignen sich für eine Räucherung, besonders beliebt sind Lavendel und Wacholder. Auch beim Räuchern gibt es mehrere Möglichkeiten, hier möchte ich zwei vorstellen:
1. Getrocknete Kräuter direkt auf die Herdplatte eines Holzofens legen.
2. Den Boden eines feuerfesten Gefäßes mit Sand bedecken (damit es nicht springt), darauf Räucherkohle legen und zum Glimmen bringen. Schließlich die gewünschten Kräuter auf die Kohle legen.
Lavendel riecht samtig
Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten, einen Tee zuzubereiten:
1. Frisches oder getrocknetes Kraut mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt ziehen lassen. Eine Ausnahme bildet Salbei, den man besser offen ziehen lässt. Wie lange man den Tee ziehen lässt, hängt einerseits von den Kräutern, andererseits vom persönlichen Geschmack ab. Für Kinder reichen in der Regel 3 Minuten, bei den meisten Tees für Erwachsene passen 5 Minuten.
2. Rinden und Wurzeln eine Weile mit Wasser aufkochen.
3. Kaltansatz: Am Abend vor dem Zubettgehen die Kräuter mit kaltem Wasser ansetzen und erst am nächsten Tag erwärmen. Auf diese Weise werden die Inhaltsstoffe optimal herausgelöst, aber die Methode benötigt etwas Vorausplanung.
Salbei ist ein bewährtes Hausmittel
Die Natur scheint Winterschlaf zu halten, aber es gibt auch im Jänner viel zu erleben
Die Luft ist klar und kalt. Die Natur scheint zu schlafen, wir zehren von unseren Vorräten. Der Jänner ist für die Atmungsorgane da. Jetzt pflegen wir diese besonders gründlich und schenken gerade der Lunge unsere Aufmerksamkeit. Spaziergänge und Wanderungen im Winter sind eine erholsame Abwechslung für unsere Atmungsorgane und unseren Körper. Mit der richtigen Vorbeugung ist unser Immunsystem auf Grippe und Erkältungskrankheiten bestens vorbereitet.