Blogeintrag vom 10. März 2012:
Die Reise beginnt, eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit!
Posted by Emily-Lives-Loudly-88
Die Sache ist nicht so einfach zu erklären. Ihr erinnert euch vielleicht daran, dass ich meine Bewerbung für die Mayenheim Art Academy vor mehr als einem Monat abgeschickt habe? Nun. Vor einigen Tagen habe ich eine Antwort bekommen. Eine Antwort. Keine Absage, aber auch keine Zusage. Ich habe fast ein halbes Jahr an dem Film gearbeitet, den ich dort eingereicht habe. Ein halbes Jahr meines Lebens, das noch nicht allzu lang ist, wie ihr wisst (zur Erinnerung: Ich bin vorherige Woche siebzehn geworden!), und in der Antwort hieß es – ACHTUNG! – : »Ihrem Film fehlen zwei entscheidende Dinge: Realismus und Herz«. Das sind eigentlich zwei Dinge, von denen ich bisher nicht gewusst habe, dass man sie überhaupt miteinander verbinden kann.
Wie ihr euch denken könnt, habe ich jetzt ein großes Problem. Ich hatte schon immer drei Träume. Erstens: Ich würde gerne zum Mond fliegen. Zweitens: Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen und an Stelle von Taylor-wer-auch-immer neben Zac Efron in »The Lucky One« die große Liebe finden. Und drittens: Ich möchte an der Mayenheim Art Academy studieren. Da die ersten beiden Optionen nicht einmal annähernd realistischen Optionen entsprechen, bleibt mir nichts anderes übrig, als meine gesamte Energie für Wunsch drei zu bündeln.
Das Auswahlkomitee der Art Academy will mir eine zweite Chance geben (was sehr großzügig ist, da zweite Chancen schließlich nicht vom Himmel fallen) und glaubt damit gnädigerweise an mein Talent, was zweifelsohne irgendwo in mir schlummert. Das ist eine super Sache. Dieses Mal jedoch schreiben sie mir mein Thema vor. Ich meine, das ist doch so, als würde man jemanden zwingen, eine Waffe auf den eigenen Kopf zu richten und abzudrücken! Als ich das meiner Mom gesagt habe, erinnerte sie mich daran, dass Melodramatik besser in die Oper passt als in meine Zukunft. Und letztere hängt von der zweiten Chance ab, die mir gewährt wird. Das vorgegebene Thema lautet: Liebe. (An dieser Stelle einen Seufzer denken, dann Augenrollen und erneutes Seufzen.) Ich meine, ist das Thema nicht schon bis zur Verstümmelung ausgereizt worden? Es gibt Filme, Bücher und was-weiß-ich-nicht-alles zum Thema Liebe – und sind wir mal ehrlich: 99% davon drehen sich um sexy Vampire und Klischees.
Das letzte Wort gab mir dann allerdings tatsächlich den Anstoß zu einer Idee. Klischee. In der Liebe gibt es davon mehr als Menschen auf der ganzen Welt. Aber wie viel Wahrheit steckt in einem Klischee und wie viel Klischee in der Wahrheit? Das sind meiner Meinung nach zwei ziemlich interessante Fragen. Ich mache es mir also von heute an zur Aufgabe, eine davon zu hinterfragen. Das Beste daran ist, dass man mir praktisch direkt ein Klischee vor die Nase gesetzt hat! Mein Bruder Parker kommt morgen von seinem Austauschjahr aus Australien zurück und wird wieder dieselbe Schule wie ich besuchen, um seinen Abschluss zu machen. Dort trifft er dann auf seinen besten Freund Brick, der sein Austauschjahr irgendwo in Irland verbracht hat. Obwohl wir drei in derselben Stadt wohnen, kenne ich Brick nicht. (Erläuterungen dazu folgen!)
Wenn dein bester Freund und deine Schwester aufeinander treffen, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder, die beiden verlieben sich unsterblich ineinander und du wirst für immer das fünfte Rad am Wagen sein. Oder die beiden hassen einander und ihre Streitigkeiten zerstören deine Freundschaft zu ihm und deine Beziehung zu ihr. Klischees sind überall zu finden, nicht wahr? ;)
Das hier wird also vorerst mein letzter Eintrag sein. Ich lade euch alle dazu ein, die Geschichte zu lesen, wenn sie fertig ist. Habt an meinem Leben teil, ratet mit! Worauf setzt ihr? Auf Loyalität oder Liebe?
Ich bin mir selber unsicher, was diese Entscheidung betrifft. Mein Plan sieht vor, alle Ereignisse nach ihrem Geschehen niederzuschreiben und – besonders wichtig! – unter Verschluss zu halten! Ja, richtig gehört. Meine Lippen werden bis zum Schluss versiegelt bleiben. Okay, eher der Veröffentlichungs-Button unter Verschluss. Die vielen kleinen Episoden meines Abenteuers. Klingt nach einer Herausforderung? Ist auch eine! Aber in der Welt der Blogger sagt man vor allem eines: Jede Geschichte findet früher oder später schon ihren Weg zu den Lesern.
Ich bin raus. Sayonara!
Labels: Das wahre Leben, Klischees, Projekt, Art Academy
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Jede Geschichte findet ihren Anfang in der Person, die sie erzählt. Deshalb folgt es reiner Logik, diese Person auch als Erstes vorzustellen. Mein Name ist Emily Greer und ich bin siebzehn Jahre alt. Wahrscheinlich wird euch der erste Eindruck ziemlich enttäuschen. Eigentlich bin ich das, was man als stinknormal bezeichnen dürfte. Schule, Hobbys, Freunde, Eltern – die typische Palette eines Teenagerlebens eben. Nichts Ungewöhnliches.
Wenn ich mich selbst durch die Augen von jemand anderem beschreiben müsste, dann würde ich denken, dass ich ein hübsches Mädchen bin. Hübsch, aber nichts Besonderes. Mit einem von diesen Gesichtern, die man zwar gerne ansieht, mit denen man sich aber nicht näher beschäftigt. Das hat wiederum mehrere Gründe. Zum einen verurteilen einen lange blonde Haare, eine athletische Figur und ein selbstbewusster Blick dazu, ein hirnloser Cheerleader zu sein, der gerne Pompons schwingt und am Wochenende in den Armen irgendeines Footballspielers liegt, um ein bisschen Mund-zu-Mund-Beatmung zu trainieren. Zum anderen bedeutet ein Gesicht wie meines auch, dass man unzähligen Klischees zum Opfer fällt.
Newsflash aus der Realität an alle: Blonde Haare und ein hübsches Gesicht bedeuten weder, dass man gerne Sport betreibt noch, dass man arrogant ist. Cheerleader zu sein ist, nebenbei bemerkt, nichts Verachtenswertes, sondern ziemlich beeindruckend, weil die Mädchen wahre Athletinnen sind. Könnt ihr euren Fuß hinter den Kopf klemmen? Nein? Na, dann haltet an dieser Stelle einfach die Klappe. Weiter im Text. Wer geht denn im Ernst davon aus, dass es an jeder verdammten Highschool eine Footballmannschaft gibt? An unserer Schule steht Hockey an erster Stelle. Wer glaubt, dass man so kurz vor seinem Abschluss am Wochenende so viel Freizeit hat, um irgendwem seine Zunge in den Hals zu stecken (die äußerst interessanten Mathebücher lesen sich nicht von selbst)? Wer zur Hölle denkt, dass man als Jugendlicher nur die Hälfte seiner Gehirnzellen benutzt? Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Ich bin nie der Typ Mädchen gewesen, der haufenweise Freunde hat und sich etwas darauf einbildet, beliebt zu sein. Ich hab meinen Freundeskreis gerne überschaubar. In den zwei Monaten, die ich auf die Jefferson Highschool ging, hatte man mir jedoch ungewollt eine neue Rolle zugeteilt.
Direkt am ersten Tag war ich von einer Malibu-Barbie namens Kelley angeworben worden, dem Girls Club beizutreten und als Einführungsritual wäre dann sicher von mir verlangt worden, beim Mittagessen jemandem mein Tablett über den Kopf zu kippen, aber ich habe höflich abgelehnt. Das Problem mit Höflichkeit (genau wie mit Ehrlichkeit) ist, dass die meisten Siebzehnjährigen sich nicht die Bohne dafür interessieren. Ich hätte Kelley genauso gut ins Gesicht spucken können, ihre Reaktion wäre die gleiche gewesen. Dem Drehbuch nach hätte sie in den kommenden Wochen meinen sozialen Status degradiert und ich wäre täglich im Mädchenklo versauert. Weil das genauso bescheuert ist, wie es klingt, habe ich ihr bei jeder möglichen Gelegenheit die Stirn geboten und mir somit Respekt verschafft. Das war nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein Mädchen, das sich in der Pause auf einen Tisch stellt, darauf herumtanzt und singt: My name is Kelley, I have a nice belly, ist nicht so schwer zu besiegen. Zu ihrer Verteidigung sei gesagt, dass Ben Rogers an diesem Tag irgendetwas in den Apfelsaft gemischt hatte, weshalb sich ein Dutzend Leute recht seltsam benahmen. Der Typ wurde übrigens von der Schule verwiesen und es heißt, er besuche nun eine katholische Privatschule. Nach dem Vorfall war Kelley die Lachnummer der gesamten Schülerschaft. Ihre Stelle musste von jemandem gefüllt werden. Und irgendwie schienen die Leute der Jefferson High zu meinen, dass dieses neue, taffe Mädchen den Job erledigen sollte.
Ich hatte bei der heimlichen Wahl kaum etwas zu sagen und von heute auf morgen kannte jeder meinen Namen und mein Gesicht. Es kam mir ein wenig so vor, als wäre eine natürliche Ordnung gestört worden, weil ich keine biestigen Kommentare von mir gab, sobald ich den Mund aufmachte, oder einen winzigen Hund in meiner Handtasche mit mir herumtrug.
Aber die Natur scheint ganz gut mit einer Veränderung des Gleichgewichts zurechtzukommen, denn während Kelley hinter den Müllcontainern ihre Würde suchte, erstrahlte das Miteinander der Schüler in neuem Glanz. Ob ich die Erwartungen erfüllte, wusste ich nicht, und es war mir auch egal. Gefallen an der Sache hat mir allerdings, dass ich auf dieses Weise einen Platz in der Jahrbuch-AG bekam. Fotografieren ist eines meiner Hobbys.
Meine Familie ist in erster Linie umgezogen, weil meine Mutter hier einen neuen Job ergattert hatte. Ihr alter wurde ihr gekündigt, weil die Firma Stellen abbauen musste. Sie ist Grundschullehrerin, was bedeutet, dass sie Nerven aus Stahl und Geduld wie ein Engel hat. Mein Vater ist freiberuflicher Zeichner, was bedeutet, dass er überall arbeiten kann. Die meiste Zeit designt er Motive für Post- und Grußkarten, aber einmal hat er sogar ein Ölgemälde für eine ordentliche Summe auf seiner Website verkauft. Meine Eltern sind wohl das, was man als sich anziehende Gegensätze bezeichnen würde, denn wo meine Mutter eine ruhige und ordentliche Person ist, wütet mein Vater in seinem Atelier, wenn ihm etwas nicht gelingt.
Mein Bruder Parker ist ein Jahr älter als ich und als Kinder waren wir ein Herz und eine Seele, was noch heute haufenweise peinliche Fotos beweisen. Selbst als Parker und ich älter wurden, und unterschiedliche Interessen entwickelten, blieb diese Verbindung zwischen uns bestehen. Er ist ein Mensch, der zwar nicht an allem, was er anfasst, Gefallen findet, dafür aber in allem gut ist. Das ist nicht übertrieben. Wäre Parker der Protagonist in einem Buch, dann würden ihn alle hassen, weil er nicht nur gut aussieht, sondern auch noch nahezu perfekt das Einmaleins des Lebens beherrscht. Meine Eltern haben früher Witze darüber gemacht, indem sie sagten, der liebe Gott (fügt an dieser Stelle auch gerne eine x-beliebige Macht eures Glaubens ein) hätte Parker das ganze Talent in die Wiege gelegt und deshalb wäre für mich nichts mehr übrig geblieben. Wo da der Witz sein soll? Das versuche ich meinen Eltern seit Jahren zu verklickern. Einen großen Bruder zu haben, der in allem so viel besser ist als man selbst, kann eine ganz schöne Last sein. Das einzige Problem, das Parkers Persönlichkeit mit sich bringt, ist fehlende Beständigkeit.
Parker legt sich auf nichts fest, nicht einmal auf seine eigene Familie. Kaum hatte er die Zusage für das Auslandsjahr, war er schon auf und davon. Während er sich irgendwo in Australien ein Jahr mit Arbeiten, Tauchen und Horizonterweitern beschäftigte, blieb mir nichts anderes übrig, als mein schnödes Dasein ohne ihn zu fristen. Ich habe ihn jeden einzelnen Tag vermisst.
Es gab niemanden mehr, der sich Samstagabend zusammen mit mir schlechte Filme ansah und kommentierte. Niemanden, der montags nach der Schule mit mir einen Schokoshake trank. Niemanden, der mich jeden Tag zur Beerdigung meiner roten Chucks überreden wollte, weil sie inzwischen auseinanderfielen und ich sie zu jedem Outfit trug, was natürlich selten passte. Niemand, der mich auf den Gängen zwischen den Unterrichtsstunden zum Lachen brachte und michauf coole Partys mitschleppte. Parker ist der beste Bruder der Welt (und mein einziger).
Morgen Nachmittag kommt er nach Hause. Am Wochenende findet ein Treffen aller Schüler statt, die an dem Auslandsjahr-Programm teilgenommen haben. Das weiß ich, weil der Flyer der Veranstaltung schon seit zwei Wochen an unserem Kühlschrank klebt. Parker darf mitbringen, wen er will. Es wird sogar darum gebeten, weil es so eine Art Wiedersehensparty werden soll. Meine Eltern werden hingehen und ich natürlich auch. Meine erste Gelegenheit, mich Brick vorzustellen.
Brick heißt eigentlich James. Brick ist nur sein Nachname, aber genauso, wie mich selten jemand Emily nennt, wird auch Brick kaum bei seinem Vornamen genannt. Ich bin mir sogar sicher, dass einige seiner Freunde ihn nicht einmal kennen, also seinen Vornamen, Brick als Person natürlich schon. Sein Vater starb bei einem Einsatz als Feuerwehrmann noch vor seiner Geburt. Unsere Mütter sind Freundinnen seit ihrer eigenen Schulzeit. Der Kontakt zwischen den beiden war mal da, dann wieder nicht, wie es sich gerade ergab. Als Brick und seine Mutter Charlotte damals in dieselbe Stadt zogen, in der wir vor zwei Monaten noch gewohnt haben, lebte die Freundschaft unserer Mütter wieder auf. Zu der Zeit gingen Parker und ich auf getrennte Schulen, so dass ich sowohl ihn als auch Brick selten zu Gesicht bekam. Charlotte war jedoch ständig auf Achse und als sie das Angebot bekam, zurück in ihr Elternhaus zu ziehen, packten die beiden ihre Siebensachen und waren schneller weg, als man Gummibärchen sagen konnte. Der Kontakt unserer Familien blieb danach unbeständig. Das nächste Wiedersehen fand statt, als Parker und Brick bei einem Vorbereitungstreffen für das Auslandsjahr unerwartet aufeinandertrafen. Ihre beiden Schulen hatten denselben organisatorischen Veranstalter.
Parker und Brick planten, zusammen in eine Gastfamilie zu gehen, aber daraus wurde nichts. Parker landete in Australien und Brick in Irland. Während Bricks Abwesenheit machte sich seine Mutter endgültig aus dem Staub. Alles, was sie hinterließ, war ein Brief. Darin erklärte sie, dass ihre finanzielle Lage nicht besonders gut aussähe und sie deshalb untertauchen müsste. Brick wurde nach seiner Rückkehr zu seinem nächsten lebenden Verwandten geschickt: seinem Großvater väterlicherseits. Dieser lebt in Burton, der Stadt, in der auch wir jetzt wohnen. Parker und Brick müssen wegen des Auslandsjahres das Schuljahr wiederholen. Sie würden im selben Jahrgang landen wie ich. Äußerst praktisch! Mein lieber Bruder und sein bester Freund. Das Motiv für meinen Film war geboren.
»Du willst das also wirklich durchziehen?«, fragte mich Bryn, nachdem wir am Freitagmorgen aus dem Schulbus gestiegen waren und das Gedrängel zum Hauptgebäude hinter uns gebracht hatten. Man müsste doch meinen, dass so kurz vorm Wochenende niemand mehr scharf darauf war zum Unterricht zu stürmen, aber irgendwie hatten es heute alle besonders eilig. Bryn war in der kurzen Zeit, die ich zur Jefferson ging, eine meiner besten Freundinnen geworden. Sie war einen ganzen Kopf größer und vier Monate älter als ich. Ihre schwarzen Haare trug sie nie offen, weshalb ich nicht genau sagen kann, wie lang sie eigentlich waren. Bryn hatte jeden Tag eine andere Frisur und ihre Experimente sahen nicht immer gut aus, aber das war ihr egal. Ihr Kleiderschrank bestand nur aus folgenden Klamotten: Jeans, Bandshirts und Sweater, was ihr irgendwie den Look eines Rockstars verlieh, besonders, weil sie immer so viel Schmuck trug, dass man meinte, sie habe eine Boutique ausgeraubt.
Ihre Eltern waren geschieden und Bryn lebte bei ihrem Vater, zusammen mit ihren drei jüngeren Schwestern, die Bryn am liebsten ins Waisenhaus gesteckt hätte, wie sie immer wieder lautstark genervt beteuerte. Das lag daran, dass Bryn vielen Verpflichtungen nachgehen musste, die mir erspart blieben. Wie hart muss es sein, mit nur einem Elternteil zusammenzuleben?!
»Du darfst sie das nicht fragen«, meinte June, beste Freundin Nummer zwei, und unterbrach somit meinen Gedankengang. . Wir liefen den Flur zu den Kunsträumen entlang, weil davor unsere Spinde waren. »Hast du vergessen, dass wir Em nicht über ihren Blog ausfragen sollen?«
Das stimmte. Es war eine Regel, die ich aufgestellt hatte. Natürlich redete ich mit Bryn und June über so ziemlich alles, aber die Dinge, die ich auf meinem Blog postete, waren so etwas wie Tabuthemen. Es gab viele Leute, die meinen Blog lasen, und wenn ich jedes Mal auf eine Frage solcher Art hätte antworten müssen, dann hätte ich für nichts anderes mehr Zeit. Ich ließ Leute zwar gerne an meinem Leben teilhaben, aber es nicht von ihnen beeinflussen. Entscheidungen werden zwar von vielen Faktoren beeinflusst, aber endgültig gefällt werden sie doch nur von uns selbst. Das klingt in vielen Ohren bestimmt so, als würde mich nicht interessieren, was die Leser über meinen Blog denken. Das tut es, nur nicht in der Weise, in der es sich die Leute ausmalen. In erster Linie schreibe ich dort für mich selbst. Bryn hatte meinen Blog gelesen, als wir uns noch gar nicht kannten, was seltsam war. Ich meine, stellt euch vor: Ihr habt Tausende Leser und plötzlich steht einer von ihnen real vor euch und weiß, wer ihr seid! Das ist, als würde man Supermans wahre Identität vor den gesammelten Bewohnern seiner Stadt entlarven.
Leise seufzend gab ich die Kombination in meinen Spind ein. Bryn musste etwas weiter den Flur hinunterlaufen und war somit außer Hörweite. Junes Spind lag genau neben meinem, was nur glückliche Fügung sein konnte.
»Ich finde die Idee klasse«, sagte sie fröhlich, tauschte ihr Mathebuch gegen das Geschichtsbuch aus und verstaute es in ihrem Rucksack, bevor sie die Spindtür mit einem Knall zuschlug. Der Korridor war verdächtig leer. Eigentlich waren immer alle Schüler so früh morgens damit beschäftigt, den Gang ins Klassenzimmer einige Sekunden hinauszuzögern, indem sie noch letzte dringende Dinge erledigten. »Ich habe Bricks Namen gegoogelt«, fügte June hinzu. »Entweder, er ist echt ein verdammt süßer Siebzehnjähriger oder in Wahrheit ein alter Mann mit Schnauzbart.«
Darüber musste ich lachen. Aber dann sah ich sie ernst an.
»Können wir das Thema wechseln?«, bat ich. June verdrehte die Augen. Sie war, was außerschulische Aktivitäten betraf, ein richtiger Workaholic. Sie nahm an gefühlten hundert AGs teil und widmete sich auch noch jeder Menge ehrenamtlicher Arbeit. Oft fragte ich mich, wie sie da noch genug Zeit fand, mit uns abzuhängen oder einfach mal tief durchzuatmen. Ich wusste, dass sie am liebsten zum Volleyball-Training ging und sie war wie ich in der Jahrbuch-AG, wobei sie die Redakteurin des ganzen Vereins war. Jeden Dienstag und Donnerstag gab sie kostenlose Nachhilfe für alle, die wollten, und mittwochs arbeitete sie (ausnahmsweise mal bezahlt) als Schüleraushilfe im Sekretariat.
June passte mit ihren blonden Haaren, die wie ein lockiger Wischmop aus ihrem Kopf wuchsen, und ihren blauen Augen ziemlich gut in das Bild einer klassischen Schönheit aus guten alten Zeiten. Hohe Wangenknochen, geschwungene Lippen, das ganze Programm. Sie trug eine viel zu große, schwarze Brille auf der Nase, die inzwischen so etwas wie ihr Markenzeichen geworden war.
Junes Familie war verdammt reich und das wussten auch alle, weil ihr Vater keine Gelegenheit ausließ, um mit seinem Lamborghini vorzufahren, und weil ihre Mutter jedem, der sie nur kurz ansah, erzählte, dass ihre Kette von Chanel und ihre Tasche von Gucci waren. Ich hatte beide mehrmals getroffen und man konnte die Dollarzeichen förmlich in ihren Augen glitzern sehen. Der schlimmste Prollo von allen war jedoch Junes Bruder Matt –, um es mal am Rande zu erwähnen: Kelleys Freund -, denn Matt nutzte sein Reicher-Junge-Image aus, um sich alles (und jeden) zu kaufen. Mindestens einmal die Woche erlebte man eine Ich-hab-alles-was-du-nicht-hast-Parade von Matt, die darin bestand, dass er sich irgendjemanden herauspickte und ihn zum Opfer machte. Dass er einer meiner Erzfeinde war, muss ich wohl nicht extra erwähnen …
Bryn und June hatten sich vorher nicht gekannt. Ein Ereignis hatte uns drei zusammengebracht. Schraubt eure Erwartungen herunter! Hier folgt jetzt kein Geständnis im Stil von »Pretty Little Liars«, sondern nur ein Wort: stinklangweiliges Nachsitzen. Okay. Es waren sogar zwei Mal. Ich war an meinem ersten Tag zu spät gekommen (Bus verpasst), Bryn war beim Rummachen mit Ben Rogers erwischt worden (der Typ war zwar ein Idiot, aber ein guter Küsser, wie sie behauptete) und June hatte beim Volleyball Kelley (BINGO!) aus Versehen einen Ball so hart ins Gesicht geschleudert, dass diese Nasenbluten bekam. June war die einzige von uns, der man abnahm, dass es wirklich ein misslicher Unfall gewesen war, aber Regeln sind Regeln. Die erste Regel fürs Nachsitzen lautete: Wenn du in jeglicher Weise unangenehm auffällst, dann ab in den Knast. Und das ist keine dramatische Umschreibung, denn das Nachsitzen fand a) im Keller statt, b) die Fenster dort waren vergittert und c) die Tür wurde abgeschlossen. Fluchtversuch zwecklos. Als Wachhund setzte man Ms Kell ein, die im Geheimen von den Schülern Ms Hell genannt wurde (und das nicht nur, weil sich Kell so gut auf Hell reimt, sondern weil Ms Kell der leibhaftig gewordene Teufel war).
Für die von euch, die »Disneys Große Pause« kennen: Ms Hell ist die ureigene Ms Finster der Jefferson Highschool. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ALLE Schüler im Auge zu behalten. Sie war alt, stämmig, streng und schien nur schreien zu können. Vielleicht litt sie unter einer Krankheit. Gibt es eine Krankheit, die einen zwingt, dauerhaft in der Lautstärke zu sprechen (zu schreien), die man anschlägt, wenn man auf einem Metalkonzert versucht, der Freundin zu sagen, wie toll man den laufenden Song findet?
»SIE BLEIBEN AUF IHREN PLÄTZEN. ESSEN UND TRINKEN: VERBOTEN! UNAUFGEFORDERT SPRECHEN: VERBOTEN!«
Das sprengt selbst den Rahmen von Großbuchstaben. Ich hatte beim Schreiben dieses Absatzes gerade eine Idee, warum der Keller zum Nachsitzen benutzt wurde. Dort unten hörte uns (sie) niemand schreien …
Da ich als Erzählerin dieser Geschichte so ziemlich alles möglich machen kann, habe ich die Ereignisse des Tages von 8 bis 15 Uhr zusammengefasst. Mal ehrlich, welchen Jugendlichen, der selbst noch zur Schule geht, interessiert endloses Gefasel über die Schule bzw. den Unterricht? Davon haben wir doch alle genug und wenn ich es könnte, würde ich für mich persönlich öfter mal auf FORWARD drücken. Es folgen: Die wichtigsten Dinge im Überblick.
Gegen Ende der ersten Stunde hatte man unserer Klasse (und dem Rest der Schule) durch die Lautsprecher eröffnet, dass jemand die Antworten für den halbjährlichen Leistungstest gestohlen habe und deshalb der Frühlingsball gestrichen sei, bis sich der Schuldige gemeldet habe. Das war beschissen, weil sich niemand melden würde und alle das wussten. Das Positive daran: Frühlingsbälle und Bälle im Allgemeinen waren auch beschissen. Man musste sich ein schickes Kleid kaufen, zu lahmer Musik tanzen und billigen Punsch trinken, während man so tat, als habe man eine Menge Spaß.
Vielleicht hatte die Rektorin uns damit sogar einen Gefallen getan, aber das schien offenbar niemand außer mir zu realisieren, denn selbst June schob mir einen Zettel zu (sie sitzt drei Plätze von mir entfernt), auf dem ein trauriges Smiley in einer krummen Sprechblase sagte: »Unfair. Das ganze Leben ist unfair«.
In der zweiten Stunde und in der dritten, ebenso wie in der Mittagspause und danach und auch gegen Ende des Schultages, kurz gesagt: ununterbrochen, musste irgendwer das Thema immer wieder aufgreifen, was auch jedes Mal erneut rege Gespräche auslöste, in denen wild diskutiert wurde, was man gegen die Ungerechtigkeit, die uns widerfahren war, tun konnte. Nach zwei Stunden sah ich nicht mehr die Gesichter der Leute, die sprachen, vor mir, sondern nur noch Smileys mit Sprechblasen über den Köpfen, die »unfair« schrien. Ich bin kein besonders geduldiger Mensch und nachdem es sich den ganzen Tag angefühlt hatte, als würde ich durch den Hades schwimmen, wo gequälte Seelen wehklagten, war mein Schlechte-Laune-Level auf seinen Tiefpunkt gesunken.
Mich anschließend in einen Bus voller Mitschüler zu setzten, hätte mir den Rest gegeben und so beschloss ich, den Heimweg zu Fuß anzutreten. Bryn starrte mich ungläubig an. Sie murmelte etwas über die Entfernung und eine stundenlange Wanderung. June war so damit beschäftigt, den Streit ein paar jüngerer Kids zu schlichten, dass sie mein Vorhaben nicht einmal mitbekam. Ich verabschiedete mich von den beiden und wartete, bis der Bus davongefahren war. Das Schulgelände leerte sich genauso schnell, wie die Leute heute Morgen in die Schule gestürmt waren und in Nullkommanichts stand ich mutterseelenallein auf dem Hof. Ich schwöre, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Um das Bild abzurunden, hätten nur noch Heuballen gefehlt, die mit dem Rauschen des Windes langsam an mir vorbei wehten.
Sagen wir mal, ein Durchschnittsautofahrer bräuchte für den Weg zwischen der Jefferson und meinen Zuhause fünfzehn Minuten und ein Durchschnittsmensch ginge ihn zu Fuß in vierzig, dann hätte mir klar sein müssen, dass ich als unterdurchschnittlich fitte Person bereits nach zwanzig Minuten ein Beatmungsgerät gebraucht hätte, als vor mir noch mehr als die Hälfte des Marsches lag. Obwohl ich deswegen frustriert war, rief ich mir nur kurz den verstrichenen Tag ins Gedächtnis und tankte so neue Kraft. Je weiter ich ging, umso rascher sank meine Wut. Bald war sie verpufft und ich fühlte mich wieder besser.
Das Blöde daran, sich nach einem Anstieg von Emotionen wieder herunterzukühlen, ist, dass man auch wieder klarer denken kann und mir mein Gehirn prompt mitteilte, dass ich noch nie zuvor in dieser Gegend, geschweige denn Straße, gewesen war.
Shit! Ich hatte mich doch nicht etwa verlaufen?
Das Straßenschild sagte mir leider nichts. Als ich zurückblickte, musste ich auch noch feststellen, dass hinter mir mehrere Kreuzungen lagen und ich mich nicht einmal mehr daran erinnern konnte, in welcher Richtung die Jefferson lag. Ich ließ meine Schultasche zu Boden sinken. Nachdenklich sah ich auf die Kreidezeichnungen zu meinen Füßen, die irgendwelche Kinder angefertigt haben mussten, und überlegte, was ich tun sollte. Ich würde meine Mom anrufen und sie bitten, mich abzuholen. Ich schulterte meine Tasche neu und griff in das Seitenfach, um mein Handy herauszuholen. Es war nicht da. Shit!
Ich war mir vollkommen sicher, es vor wenigen Augenblicken noch gespürt zu haben, als mein Arm beim Gehen immer wieder gegen das Fach gebaumelt war. Ein kleiner Tick von mir, weil ich immer Angst habe, etwas Wertvolles zu verlieren und meine Schultasche nur einen Reißverschluss am Hauptfach besitzt. Ich lief ein Stück die Straße zurück. Erleichterung durchflutete mich, als ich es auf dem Asphalt liegen sah. Ich wollte es gerade aufheben, da spürte ich im nächsten Moment, wie mich etwas wegdrückte, Schmerz durch meinen linken Arm schoss und ich von den Beinen gerissen wurde. Ich schlug hart mit dem Kopf auf und war vom Aufprall ganz benommen. Ich hörte Reifen quietschen, roch eine Ladung Abgase und das Knallen einer Autotür erklang.
»Scheiße, du hast sie angefahren!«
»Was machen wir jetzt, De?«
»Halt die Klappe!«
Es war ein Wunder, dass ich die Stimmen so deutlich ausmachen konnte, denn in meinem Kopf tanzten meine Gedanken durcheinander wie ein Hurrikan. Das Blut rauschte mir in den Ohren und ich fühlte, wie mein Herzschlag wie ein zu heiß gelaufener Motor von rasant schnell zu explosionsartig anstieg. Mir war total schlecht. Ich schmeckte Galle auf der Zunge. Die Schmerzen in meinem Arm verlagerten sich in mein Handgelenk. Keuchend setzte ich mich auf. Mein schwammiger Blick fiel als erstes auf meine Kamera, die, wie der Rest meiner Sachen, aus meiner Tasche geflogen war und auf der Straße lag. Was dann geschah, begriff ich erst einige Minuten später.
Das Auto, das mich angefahren hatte, setzte zurück, zischte anschließend an mir vorbei und die Reifen zermalmten meine Kamera direkt vor meinen Augen. Das Geräusch war grauenhaft, brachte mich aber in die Realität zurück.
Ich stand so sehr unter Schock, dass ich nicht bemerkte, wie jemand mit mir sprach, mich vorsichtig am Arm berührte. Dann ganz plötzlich, als habe jemand einen Schleier von mir gerissen, war die Stimme zu laut, die Worte zu tief und dunkel. Als ich wieder blinzelte, wusste ich, dass ich eben ein kurzes Blackout gehabt hatte.
»… Name … wie ist dein Name? Kannst du mich verstehen?« Ich zuckte zusammen, als eine Hand meine verletzte berührte. Der Schmerz war wie ein Eimer Eiswasser mitten ins Gesicht und ich sog scharf die Luft ein.
»Ja, ich kann dich verstehen«, gab ich unfreundlich zurück. »Mir geht es gut. Alles okay.«
»Gut? Nein und okay bist du ganz sicher nicht. Kannst du aufstehen? Ich wohne hier. Mein Auto steht da hinten, ich fahr dich ins Krankenhaus.«
»Ich steig nicht zu Fremden ins Auto«, antwortete ich verbissen. Mir wurde so übel, dass ich die Augen wieder schließen musste. Ich verlor die Kontrolle über meinen Körper und kippte seitlich weg, aber der Fremde, wer auch immer er war, reagierte schnell. Er schob mir eine Hand unter den Rücken, mit der anderen griff er meine Beine und – Funkstille. Ich wurde ohnmächtig.
Im Krankenhaus zu sich zu kommen, kann ganz schön unheimlich sein. Wenn man die Augen aufschlägt und als erstes auf weiße Wände und die vielen Geräte starrt, an die man angeschlossen ist, und noch dazu das Piepen hört, dass einem mitteilt, dass man lebt, dann sind das Gründe, auszuflippen. Bei mir war das etwas anders. Ich kam in der Notaufnahme wieder zur mir, wo ich auf einer harten Liege vor mich hingedämmert hatte. In meinem rechten Arm steckte eine Infusion und mein linkes Handgelenk war eingegipst worden. In meinem Kopf drehte sich zwar noch alles, aber mein Magen wollte sich glücklicherweise nicht länger übergeben.
»Wie fühlst du dich?«, fragte die Stimme meines Retters, der in der Nähe auf einem Stuhl saß, der nicht viel bequemer aussah, als meine Liege. Er war nicht viel älter als ich, bemerkte ich erst jetzt. Auf dem Boden neben ihm türmten sich mindestens sechs Pappbecher, die alle leer waren. Wie lange hatte er da gesessen und gewartet? Stunden. Was die Frage aufwarf, wo meine Eltern waren. Wurden die nicht als erstes informiert, wenn man einen Unfall hatte? »Du hattest großes Glück, haben sie gesagt. Leichte Gehirnerschütterung und ein angeknackstes Handgelenk. Ich glaube, die paar Schrammen und blauen Flecken zählen sie nicht dazu«, fuhr er fort. »Leider konnten sie noch niemanden anrufen, weil dein Portemonnaie in den Gully gefallen ist und du bis jetzt nicht ansprechbar warst.« – »Ist das ein Witz?«, brachte ich hervor und merkte, wie meine Mundwinkel sich zu einem Grinsen verzogen, wobei ich die aufgeplatzte Unterlippe schmerzhaft spürte.
»Witzig ist es schon irgendwie, aber kein Witz«, antwortete der Kerl.
»Hast du die ganze Zeit gewartet?«
Klar war das eine überflüssige Frage, aber so betrieb man doch Konversation, nicht wahr? 80% von dem, was dabei herumkam, war unnötig.
»Sechs Becher Kaffee lang. Ich bin ein langsamer Kaffeetrinker. Insbesondere, wenn er so bescheiden schmeckt wie im Krankenhaus.«
»Danke«, sagte ich an dieser Stelle, weil es erwartet wurde und nicht, weil ich es wollte. Ich wollte mich nicht dafür bedanken müssen, dass jemand mich in die verdammte Notaufnahme gefahren hatte. »Für … ich denke, alles.«
Dann sah ich an mir herab, um festzustellen, ob man mir eines dieser modischen Krankenhaushemdchen an- und mich dafür vorher ausgezogen hatte.
»Hätte dir sicher gut gestanden«, meinte der bisher Namenlose. Konnte man mir meine Gedanken etwa so deutlich ansehen? Verdammt aber auch.
»Sicher«, sagte ich. »Weiß ist zeitlos.« Er grinste.
»Ich gehe einen Arzt holen, okay? Du hast bestimmt Schmerzen.«
»Jep«, sagte ich gepresst. Wenn sie mir nicht sofort etwas einschmissen, würde ich ernsthaft in Erwägung ziehen, mir die Hand abzusägen.
»Also, bis gleich …?«
»Emily«, sagte ich rasch. »Mein Name ist Emily.«
Er nickte und ging. Ich ließ den Kopf zurück auf die Liege sinken. Um mich herum waren die Vorhänge, die die Liegen voneinander trennten, zugezogen. Es gab kein Fenster oder eine Tür, überall war nur Stoff. Rechts von mir hörte ich tatsächlich jemanden leise schnarchen und ich wünschte mir, ich hätte ebenfalls so die Ruhe weg. Der Junge kam mit einem Mann im weißen Kittel zurück und setzte sich wieder auf seinen noch angewärmten Platz. Während der Arzt mir eine längere Version von dem mitteilte, was mein Retter mir bereits erzählt hatte, musste ich ihn immer wieder ansehen. Ich weiß noch, wie ich dachte: Dieses Gesicht kommt dir bekannt vor! Ich konnte es nicht zuordnen.
Er sah ganz süß aus, nicht wie der typische Junge von nebenan, aber auch nicht wie einer, der einen auf den ersten Blick umhaut, weil es zu viel an ihm gab, das man genauer unter die Lupe nehmen musste. Die Art, wie er einen ansah zum Beispiel: nicht herausfordernd, wie es die meisten Jungs taten, die mich das erste Mal ansahen, weil sie etwas erwarteten oder von mir wollten, sondern aufmerksam, als wollte er sich erst Zeit nehmen, um mich besser einschätzen zu können. Er trug sein braunes Haar in einer gekonnten Unordnung, so dass die Frisur nicht willkürlich wirkte. Seine Augen waren von einem hellen Grün, was im Licht jedoch schwer einzuschätzen war – es hätte genauso gut Grau sein können. Darunter lagen leichte Schatten, als habe er ein paar Nächte schlecht geschlafen. Auf seiner rechten Wange war eine dünne Narbe zu sehen, die kaum zu bemerken war, weil sie mit jeder seiner Bewegungen verblasste, als sei sie gar nicht da. In der Unterlippe trug er ein Piercing, an der Stelle, wo meine vom Unfall aufgerissen war. Weil er ein weit ausgeschnittenes Shirt unter seiner Jacke trug, konnte ich ein Tattoo auf seiner Brust erkennen. Aber eine Kette mit Federanhänger verdeckte die bunten Umrisse. Ich kannte mal jemanden, der eine ähnliche Kette getragen hatte und das machte mich in diesem Augenblick nostalgisch.
»Ihr Name, Miss?«
Ich wendete das Gesicht dem Arzt zu. »Wie bitte?«
»Ihr Name ist Emily«, half der Fremde aus.
»Emily«, sagte der Arzt scharf. »Ich weiß, es muss Ihnen schwer fallen, sich zu konzentrieren, aber Sie müssen mir ihre Adresse und mindestens eine Kontaktperson nennen, bevor das Schmerzmittel wirkt und sie wieder einschlafen.«
Der Mann, der Mitte vierzig sein musste, schenkte mir ein Zahnpastalächeln. Es war so falsch wie seine dunklen Haare. In der Notaufnahme zu arbeiten musste ganz schön an den Nerven zerren. Ich warf einen Blick auf die Infusion in meinem Arm. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass jemand sie ausgetauscht hatte. Der Arzt hatte Recht: Ich war drauf und dran, wieder müde zu werden.
»Mein Mom«, sagte ich. »Wendy Greer.«
Dann nannte ich ihm die Telefonnummer. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie der Junge unruhig auf seinem Stuhl hin- und herrutschte.
»Ich werde sie informieren. Eigentlich müssten Sie zur Beobachtung hier bleiben, aber … Ich warte, bis Ihre Mutter eingetroffen ist. Ruhen Sie sich aus.«
Der Vorhang flatterte und der Arzt war verschwunden.
»Emily?«, fragte der Junge.
Ich atmete tief aus. »Mh?«, machte ich, aber mein Verstand war bereits dabei, zurück in die Dunkelheit zu wandern.
»So viele Zufälle kann es nicht geben«, hörte ich ihn murmeln.
Was das Leben so alles in petto hält für einen. Beeindruckend.
So musste man sich nach einem durchzechten Partywochenende fühlen: völlig von der Rolle, total gaga im Kopf und unfähig, auch nur einen klaren Gedanken in Worte zu fassen. Als ich das zweite Mal zu mir kam, war der Junge verschwunden und meine Mom samt Parker an seiner Stelle erschienen. Meine Mom sah bleich aus und sehr mitgenommen. Mein Bruder wirkte verunsichert. Als ich die Augen aufschlug, seufzten beide fast synchron vor Erleichterung.
»Wir bringen dich sofort nach Hause«, sagte meine Mutter.
»Wir sollten so schnell wie möglich aus diesem Krankenhaus raus«, fügte Parker hinzu. Meine Familie hegte eine Abneigung gegen Krankenhäuser.
»Auch hallo«, entgegnete ich. »So eine Begrüßung hat man doch gerne.« Dabei sah ich Parker besonders enttäuscht an. Schließlich war es das erste Mal seit einem Jahr, dass ich ihn wieder sah.
»Ich habe schon mit dem Arzt gesprochen«, überging meine Mutter meinen Kommentar. »Er sagt, wenn es die nächsten Tage jemanden gibt, der ein Auge auf dich hat, und du gegen Ende nächster Woche zur Kontrolle zum Hausarzt gehst, dann können wir dich jetzt mitnehmen.«
Ich konnte ihr ansehen, dass sie innerlich SOFORT! schrie.
»Sicher«, antwortete ich brav. »Wo ist denn …«
»Brick ist gegangen«, unterbrach Parker mich.
»Brick?«, fragte ich ungläubig und begann, die Information zu verdauen.
»Ich dachte, ihr kennt euch?«, fragte Parker zurück, nun sichtlich verwirrt.
»Flüchtig«, murmelte ich. »Er hat mir seinen Namen nicht gesagt.«
»Wir sind ihm sehr dankbar«, mischte sich Mom ein. »Aber zuerst …«
»… schaffen wir Emily aus dem Krankenhaus«, beendeten Parker und ich wie aus einem Mund ihren Satz. Wir grinsten einander an. Das vertraute Funkeln glomm in seinen Augen auf und ich wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen. Wegen meines vorübergehenden Wackelpudding-Zustands jedoch, musste ich gesittet wie eine alte Oma langsam von der Liege aufstehen und Minischritte auf ihn zu machen. Als ich meine Arme heben wollte, um ihn an mich zu drücken, zuckte ich zusammen, weil mir ein Stich durchs verletzte Handgelenk fuhr. Parker beobachtete mein Verhalten und schüttelte den Kopf.
»Komm her«, sagte er liebevoll und ich ließ mich in seine Arme sinken.
»Ich hab dich so vermisst«, flüsterte ich.
»Ich dich auch«, erwiderte er. Dann schob er mich von sich weg und betrachtete mich eingehender. »Was machst du nur für Sachen, Em?«
»Heute? Ach, da hab ich mir zum Spaß ne Zielscheibe auf den Körper gemalt. Als ich nackt über die Straße lief, wurde ich angefahren. Nicht zu fassen, oder?«
»Dass Sarkasmus nie ausstirbt«, erwiderte Parker genervt.
***
Die nächste Zeit verbrachte ich in meinem Bett. Die ersten beiden Tage bedauerte ich das zutiefst, weil Wochenende war und es einfach Besseres gab, als im Pyjama in seinem Zimmer herumzulungern. Zum Glück hatte ich tolle Freundinnen, die mehrmals vorbeischauten. Bryn füllte mein Süßigkeitenversteck in der untersten Schublade meines Schreibtischs auf und June sorgte dafür, dass ich genug DVDs hatte, um einen Monat lang faul herum liegen zu können. Die Besuche der beiden waren aber nur von kurzer Dauer, weil ich die meiste Zeit an Parker klebte wie eine Klette. Am Sonntagnachmittag hatte ich mich in sein Zimmer verkrochen und beobachtete ihn dabei, wie er es wieder wohnlich machte.
»Das hängt links etwas schief«, sagte ich, als er zum dritten Mal versuchte, ein Poster von der australischen Küste an die Wand neben der Tür zu pinnen. »Besser«, murmelte ich, nachdem er meiner Anweisung Folge geleistet hatte. »Ich kann nicht fassen, dass ich deinen ersten Schultag verpasse.«
»Du kannst mir auch an einem anderen Tag eine Führung geben. Ich glaube, ich hätte dafür sowieso keinen Nerv. Ich hatte die letzten Wochen ganz verdrängt, wie ätzend es sein wird, das letzte Schuljahr noch einmal zu wiederholen«, antwortete er und öffnete mit einem Cuttermesser einen Umzugskarton mit der Aufschrift »Schulsachen". Das erinnerte mich daran, dass nicht nur Parker, sondern auch Brick in meiner Stufe sein würden. Brick. Ich ärgerte mich noch immer darüber, dass ich meinen Plan nun nicht hatte umsetzen können.
»Hast du nach der Sache im Krankenhaus nochmals mit Brick geredet?«
»Nur kurz«, sagte Parker. »Er muss sich auch erst mal wieder eingewöhnen.«
Als er eingewöhnen« sagte, schwang so ein australischer Akzent darin mit. Das Wort klang seltsam und ich musste kichern.
»Wieso ist er einfach abgehauen?«, fragte ich und steckte mir einen Keks in den Mund. Ich ließ mich tiefer in Parkers Kissen sinken, die nach Waschpulver rochen, weil Mom sie vor seiner Ankunft frisch bezogen hatte.
»Er dachte, wir würden als Familie gern etwas Zeit verbringen.«
»Ich lag doch nicht im Sterben«, sagte ich barsch.
»Em, er hat sich total erschrocken, als er begriffen hatte, wer du bist.«
»Wieso denn erschrocken?«, wollte ich wissen. »Mir hat er sich nicht einmal vorgestellt. Vielleicht wäre ich auch gerne schockiert davongestürmt!«
Parker lachte. »Mensch, Emily! Lass es einfach gut sein. Vielleicht mag Brick auch keine Krankenhäuser. Und dann wurde ihm auch noch klar, wer du bist.«
»Niemand mag Krankenhäuser«, stellte ich fest. »Genau das ist der Punkt! Wenn man merkt, dass man jemanden kennt, dann sagt man das doch.«
»Warum musst du so auf dieser Sache herumreiten?«, fragte Parker. Er stopfte ein paar Ordner in eine Schublade und drehte sich zu mir herum.
»Ich dachte, wir drei könnten Freunde werden, jetzt wo ihr beide wieder da seid«, sagte ich. »Ich hab mich darauf gefreut, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen.«
»Daher weht also der Wind. Sag bloß nicht, dass du dich auf den ersten Blick in Brick verliebt hast und dich jetzt an meinen besten Freund ranmachen willst.«
»Nicht auf den ersten«, sagte ich. »Vielleicht schaffe ich es auf den zehnten oder fünfzehnten. Ich versuche, die Sache so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, damit wir uns trennen können und ihr beide eurer Ding wieder alleine durchziehen könnt.«
»Das ist ein Witz, oder? So wie du das gesagt hast, muss das ein Witz sein.«
»Dass Sarkasmus nie ausstirbt …«, wiederholte ich Parkers Worte, um es ihm einfacher zu machen. Außerdem hasste er es, wenn ich seine eigenen Worte gegen ihn verwendete. Das konnte ich wirklich gut.
»Gott, steh mir bei«, murmelte er und wandte sich wieder seinen Kartons zu. Ich schob den Teller mit den Keksen zur Seite und schnappte mir einen Stift von Parkers Nachtschrank. Ich begann, wild auf meinem Gips herumzukritzeln, weil ich plötzlich so große Lust dazu hatte. Parker würde niemals auf meinen Blog stoßen, weil er sich überhaupt nicht für soziale Netzwerke irgendwelcher Art interessierte. Er gehörte wahrscheinlich zu dem einen Prozent der Menschheit, das Facebook und Twitter noch nicht verfallen war und das Internet nur dazu benutzte, um sich irgendwelche Bücher zu bestellen, die es nicht in der Buchhandlung gab. Vermutlich konnte ich das zu meinem Vorteil nutzen. Die Aussicht, die kommenden Tage zu Hause hocken zu müssen, war allerdings noch immer mein Nachteil. Brick würde als Neuer an der Schule auffallen, sich in den Tagen meiner Abwesenheit irgendeiner Gruppe anschließen und das hieß, dass es für mich schwerer werden würde, an ihn heranzukommen. Wie hoch war wohl die Wahrscheinlichkeit, dass Brick in meine Klasse kam?
Ja, ja … Ich weiß, in Büchern und Filmen kommt der neue Typ IMMER in die Klasse der Protagonistin. Bei insgesamt acht Klassen in der Oberstufe, lag die Möglichkeit bei x-Prozent. Ich hasse Mathe, also sagen wir einfach mal, es war bereits beschlossene Sache, dass er nicht in meine Klasse kam. Es sei denn, jemand würde etwas daran drehen. Ich würde etwas daran drehen. Man musste kein Mathegenie sein, um zu erkennen, dass dieser Gedanke zu 100% illegal war.
Illegal im Sinne von: Schulordnung brechen, sogar Gesetze brechen. Brechen = Einbruch in die Schule und Veränderung der Akten. Wenn die Direktorin nicht gerade Random.org zu Hilfe nahm, um die neuen Schüler zu verteilen, dann musste es da ein manipulierbares System geben.
»Ich kenne diesen Blick«, unterbrach Parker meine Gedanken.
»Ich denke nur an die tolle Party heute Abend, auf die ich nicht gehen kann«, sagte ich und zog einen Schmollmund. »Total schade, dass ich stattdessen zwei Kilo zunehmen und vier Kilo ausweinen werde.«
»Das Standardprogramm aus Eis und ›Wie ein einziger Tag‹ also?«
»Ich kann doch meinen Lieblingsbruder nicht dazu zwingen, bei mir zu bleiben«, sagte ich. Parker faltete einen leeren Umzugskarton zusammen und warf ihn auf den Stapel der anderen, der in der Ecke neben seinem Bett lag.
»Versuchst du mich gerade zu überreden?«, fragte er ernst.
»Nein«, entgegnete ich ebenso ernsthaft. »Ich will nur ein bisschen Mitleid, damit es für heute Abend auch noch ausreicht.«
»Du wurdest von einem Auto angefahren«, sagte Parker.
»Ich weiß das am besten«, antwortete ich. »Meine Kamera ist hinüber.«
»Du hast doch Dutzende, oder nicht?«
»Ja, aber diese war … besonders.«
Parker wurde kreidebleich. »Oh«, machte er ganz leise.
»Ich glaube, ich hau mich eine Runde aufs Ohr. Wir sehen uns später«, sagte ich hastig und floh aus dem Zimmer zurück in mein eigenes. Als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, ließ ich mich rücklings daran zu Boden sinken und verschränkte die Arme vor der Brust. Dabei fiel mein Blick auf den Gips und meine Zeichnungen. Federn. Unzählige kleine Federn.
***
In dieser Nacht, als es genau Mitternacht schlug, hielt ich es einfach nicht mehr aus. Ich musste etwas tun und dachte wieder an die absolut verrückte Idee mit den Schulakten. Das Ganze ließ mir echt keine Ruhe. Ich hatte mir sogar schon überlegt, wer mein Komplize bei der Aktion sein würde. Ich kannte eine Menge Leute, die mir einen Gefallen schuldig waren, aber niemand schuldete mir so viel wie Austin. Austin war so etwas wie die männliche Veronica Mars unserer Schule. Sein Vater war zwar kein Privatdetektiv, aber er arbeitete bei der Polizei, was der Grund dafür war, dass Austin an viele Informationen kam, die für andere unerreichbar blieben. Dazu kam, dass er derjenige war, der die besten gefälschten Ausweise herstellte. Wenn man also irgendeine Gefälligkeit brauchte und eine Menge Bares hatte, dann wendete man sich an Austin.
Das war natürlich ein ungeschriebenes Gesetz, über das Stillschweigen bewahrt wurde, und über das man niemals, unter keinen Umständen, sprach.
Als ich dank meines gefälschten Ausweises beim Kauf von Alkohol eine nette Nacht auf dem Polizeirevier, ausgerechnet bei Austins Vater, verbracht hatte, war es Austin, der anschließend zu mir kam und sich entschuldigte. Mit den Worten, er wäre mir nun einiges schuldig und sollte ich jemals einen Gefallen einfordern wollen, so sollte ich mich einfach bei ihm melden. Ich hatte ihn davor bewahrt, seinen guten Ruf (wie man's nimmt) zu verlieren und ihn nicht verpfiffen, was ihm große Schwierigkeiten ersparte und mir welche einbrachte. Ich musste zwei Wochen Sozialdienst in einem Altersheim leisten, was im Endeffekt nur halb so schlimm war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Da würde ein Einbruch in die Schule das Ganze vielleicht doch nicht ausgleichen. Einen Versuch war es aber wert. Kurz dachte ich darüber nach, wie verrückt die Aktion eigentlich war. Dass ich wegen eines Jungen, den ich kaum kannte, so ein Theater veranstaltete.
Wäre es nicht sogar besser, die Zuteilung der Klasse dem Schicksal zu überlassen? Wäre das nicht viel authentischer für meinen Film, wenn ich später behaupten könnte, alles wäre ganz ohne Manipulation gelaufen? Dann schweiften meine Gedanken zurück zu den Schultagen, die ich verpassen würde, und damit auch zu der weiter oben aufgeführten Chance, mich sofort an Brick ranzuschmeißen. Ich wollte, dass es funktionierte. Außerdem war mir schrecklich langweilig und wenn ich ehrlich war, gab mir dieser Grund noch mehr Anlass, diese spontane und gefährliche Aktion durchzuziehen. Es geht doch nichts über einen Adrenalinkick in der Nacht.
Ich wählte Austins Nummer.
»Hallo?!«, brüllte mir jemand ins Ohr. Im Hintergrund lief so laut Musik mit einem so heftigen Bass, dass es kein Wunder war, dass der Abnehmer schreien musste.
»Austin?«, fragte ich unsicher.
»Woher hast du diese Nummer?«, schrie er zurück.
»Hier ist Emily. Erinnerst du dich …«
Am anderen Ende der Leitung knackte es mehrmals, dann vernahm ich ein Rauschen und plötzlich hörte ich die mir kaum vertraute Stimme klar und deutlich.
»Sorry, aber da drinnen ist die Hölle los. Was für eine abgefahrene Party. Ich nehme an, du rufst wegen deines Gefallens an?«
»Also erinnerst du dich?«, fragte ich verwundert. Ich hatte damit gerechnet, ein bisschen mehr Überzeugungskraft einsetzen zu müssen.
»Emily Greer«, sagte Austin und es klang amüsiert. »Wie könnte ich das Mädchen vergessen, das mir meinen Arsch gerettet hat, indem sie sich wochenlang der Bingo-Folter unterzogen hat. Also?«
»Ich brauche deine Hilfe. Heute Nacht.«
»Das höre ich ausgesprochen gerne von einen hübschem Mädchen.« Ich hörte ihn lachen. »Wo sollen wir uns treffen? Bei dir oder bei mir?«
Der letzte Satz sollte wohl anzüglich wirken, aber er klang einfach nur lahm.
»Kannst du in einer halben Stunde an der Westseite der Schule sein?«, fragte ich und überlegte schon fieberhaft, wie ich es so schnell dorthin schaffen sollte.
»Halbe Stunde. Westseite der Jefferson High«, wiederholte Austin.