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im Internet über www.dnb.de abrufbar.

© 2021 Bruno Trefelt

Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH,

Norderstedt

ISBN: 978-3-7534-6784-9

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Sommer ... 30°C Grad im Schatten ...

Zwei Männer sitzen vor einem Straßencafé und trinken ihren Cappuccino.

Plötzlich biegt eine heiß aussehende Blondine um die Ecke: Schlank, kurzer Rock, High Heels, verführerisch schwingende, sich dezent durch den Stoff abformende Pobacken. ... und trippelt an ihnen vorbei.

Präziser als jedes Synchron-Schwimmen sein könnte folgen die Augenpaare der beiden Männer ihrem sexy verpackten Hinterteil ...

Eine Situation, wie sie sich täglich in dieser oder ähnlicher Art überall auf der Welt abspielt – wenn auch nicht unbedingt synchron.

Was geht im Gehirn eines Menschen vor, wenn er sich derartig benimmt. Nein, hier soll niemand verurteilt werden. Mittlerweile ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen, daß Männer, wenn sie Frauen nachschauen ... na sagen wir zumindest teilweise ... nichts dafür können, weil es sich um einen biologischen Reflex handelt. Und Reflexe laufen über das Rückenmark ab – das Großhirn ist nicht beteiligt. Wer wollte auch einem solch optisch wertvollen Reflex etwas Übles nachsagen ...

Um den Bogen wieder zu bekommen: Was geht im Gehirn dabei vor? Nach dem Reflex, wenn man wieder denken kann – mehr oder weniger klar ...

Es tut sich sehr wahrscheinlich der Wunsch auf, diesem flotten Gesäß „etwas näher zu kommen“.

Für einen Single nicht unbedingt schwierig, er muß diesem flotten Feger ja nur nachgehen und sie dann irgendwie „überzeugen“. Was aber, wenn die beiden Cappuccino-Schlürfer verheiratet sind?

Ein Seitensprung? Tja, da Blitzscheidungen noch keinen Eingang in die hiesige Rechtsprechung gefunden haben wird es wohl ein Seitensprung werden, wenn sie tieferes Interesse an besagter Minirock-Trägerin haben.

Oder gibt es dazu eine Alternative? Einen legalen Seitensprung?

Ein Seitensprung wird gewöhnlich als „zeitweilige Orientierung zu einem anderen Partner“ definiert. Da stellt sich jetzt natürlich die Frage: Kann eine solche Umorientierung legal sein oder ist sie per se schon gar nicht mal illegal und darf jederzeit ausgeführt werden?

Selbst wenn wir diesen Seitensprung juristisch mit einem Ehebruch gleichsetzen, was mit Sicherheit mindestens 50% aller Bundesbürger in einer Volksbefragung angeben würden, selbst dann fällt der Frageansatz „legal oder illegal“ weg. Denn seit mehr als 30 Jahren wird Ehebruch in Deutschland – und auch in den meisten andern mitteleuropäischen Staaten nicht mehr strafrechtlich sanktioniert. Zivilrechtlich gilt er immer noch als unerlaubte Handlung und als Verletzung der ehelichen Lebensgemeinschaft. So gesehen ist es wohl vor allem eine moralische Frage – davon abgesehen, daß ein Lebenspartner, wenn er von dem Seitensprung Wind bekommt, einem die Koffer vor die Türe stellen wird. Aber lassen wir den moralischen Aspekt einmal beiseite. Moral ist nicht zuletzt auch immer das, woran man glaubt und was man bereit ist zu vertreten.

Zäumen wir das Pferd einmal von hinten auf: Was wenn beide Ehepartner „fremd gehen“ und das noch dazu miteinander - naja eigentlich eher nebeneinander - in Absprache und gemeinsamem Einverständnis?

Es handelt sich hier also zwar um eine außereheliche Beziehung, allerdings beider Seiten, damit eher einer „nebenehelichen“ Beziehung. Der Ausdruck „ehelich“ steht hier bewußt in Anführungszeichen, da es sich natürlich um keine solche handelt, sondern lediglich um eine sehr freizügige Form der zwischenmenschlichen Beziehung.

Mit diesem Gedankenkonstrukt sind wir bereits mitten im Thema. Diese nebeneheliche Beziehung seitensprünglicher Art nennt man – auf gut „neudeutsch“ - swingen.

Es handelt sich um eine am Ende des 20. Jahrhundert populär gewordene „Art der Freizeitbeschäftigung“, bei der man seine Sexualität frei auslebt – ohne konventionelle Schranken und gesellschaftliche Tabus. Verschiedene und beliebige Partner bestimmen das Sexualverhalten.

Man lebt also nicht in einer monogamen Partnerschaft, sondern hat im gegenseitigen Einverständnis mit dem Partner sexuellen Kontakt mit anderen, meist fremden Personen.

Partnertausch, freie Liebe oder auch Gruppensex sind die Schlagwörter, die es auf den Punkt bringen.

Swingen als solches ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. In fast allen Kulturen und nahezu allen Zeiten findet sich promiskuitives Sexualverhalten. Bereits die Antike ist Schauplatz hemmungsloser Orgien. Auch hier war, wie beim Swingen, der Fokus auf das Erlebnis gelegt.

Auch heutzutage finden ähnliche Orgien statt - allerdings um den Vertretern des Gesetzes aus dem Weg zu gehen – meist hinter verschlossenen Türen. Ob in Hotels, in Privaträumen oder in so genannten Swinger-Clubs ist Geschmacksache. Wichtig ist hierbei lediglich, kein öffentliches Ärgernis zu erregen, denn dies würde letztendlich sehr wahrscheinlich vor dem Kadi enden.

Die Sexualisierung der Gesellschaft oder anders formuliert ein wachsender zwischenmenschlicher Liberalismus, gepaart mit dem technischen Fortschritt in der Computertechnik, hat es den Swingern ermöglicht, im Internet geeignete Foren zu kreieren, die regen Zulauf haben.

Ohne sie wäre das Swingen, wie wir es kennen, mangels schneller und umfassender Kontaktmöglichkeit immer noch auf kleine Kontaktheftchen, wie es sie in den 80er Jahren gab, beschränkt. Meist gab es sie nur als „bundesweite Ausgaben“, was heißt, es fanden sich auf dem sehr begrenzten Platz weniger Seiten die Inserate aller Bundesländer. Dies machte sie für das Wenige, das sie enthielten teuer. Zudem wußte man nicht sicher, wie alt oder überholt Inserate darin waren. Weil es den Preis des Inserats verteuert hätte und man natürlich Gefahr gelaufen wäre, auf offener Straße erkannt zu werden, fehlte es bei 99% der Inserenten natürlich auch an Bildern.

Das Internet mit seiner Möglichkeit eines gleichzeitig schnellen, weitreichenden und anonymen virtuellen Treffpunkts hat dies alles verändert. Gewiß gibt es auch hier seine Gefahren durch Faker, die Personen vortäuschen, die sie nicht sind und anderes, aber alles in allem wurde dadurch die Swinger-Welt erst wirklich großflächig entdeckt und man könnte schon fast sagen „salonfähig“.

Seit der Jahrtausendwende hat die Anzahl der Swinger-Clubs extrem zugenommen und mit ihnen die Anzahl ihrer Homepages. Eine Internetpräsenz ist heutzutage für jeden Swinger-Club lebensnotwendig, denn das erste was jemand tut, der einen Clubbesuch vorhat, ist der Blick ins Netz mit der Frage: Wo ist der nächst gelegene, schönste, billigste, interessanteste oder derjenige Club mit den derzeit geilsten Party-Events. Kurz: Kein Club-Besitzer kann es sich leisten, im Internet nicht auffindbar zu sein.

Soviel zu Theorie und Geschichte, die aber nichts weiter zur Sache tun, wenn man sich überlegt, ob man denn nun seiner Neugierde/Begierde nachgeben soll.

Als Tipp: Sucht Euch im Internet einen Swinger-Club, der nicht unmittelbar in Eurer Nähe liegt und probiert es einfach aus. Durch die Distanz vermeidet man Treffen mit mehr oder weniger bekannten Personen aus der Heimatstadt. Anfangs kann so eine Begegnung durchaus unangenehm sein. Ist man dann aber auf den Geschmack gekommen und es passiert einem später einmal, so macht der pragmatisch Veranlagte vielleicht eine Fahrgemeinschaft daraus. Es soll schon passiert sein, daß sich alte Jugendfreunde auf diese Art nach langer Zeit wieder über den Weg gelaufen sind.

Merkt man, daß man mit einem verabredeten Paar nicht zusammen paßt, so hat der Swinger-Club gegenüber dem privaten Treff auch einen großen Vorteil: Man kann ihn jederzeit wieder verlassen, ohne das eingeladene Paar brüskierenderweise vor die eigene Türe setzen zu müssen oder anders herum, sollte man eingeladen worden sein – in panisch wirkender Weise die Flucht ergreifen zu müssen.

Ich will hier keine Werbung für den Einstig in ein mögliches Swingerleben oder Swinger-Clubs machen. Ob einem ein Leben als Swinger zusagt liegt bei jedem Einzelnen.

Auf den folgenden Seiten werden Euch mehr oder weniger detailliert mögliche unterschiedliche Verläufe – positive wie negative - geschildert werden. Dies anhand von diversen Swinger-Events und -Erlebnissen, privaten wie auch öffentlichen Besuchen in verschiedenen Clubs und natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Mir ist klar, daß ich in diesem Werk quasi unbeabsichtigt auch Werbung für die jeweils beschriebenen Swinger-Clubs mache. Es sei aber versichert, daß dies ohne Absprache oder finanzielle Vergütung durch die genannten Etablissements erfolgt und deren Nennung lediglich im Rahmen des Eintauchens in die reale Swinger-Welt dient.

Logischerweise wurden auch die Namen aller Beteiligten verändert und allein ihre figürliche/optische Beschreibung wird nicht ausreichen, daß eine Wiedererkennung möglich ist.

Swingen

Erni und Bert

Wir nannten sie Erni und Bert, wegen der Ähnlichkeit mit den Figuren der Sesamstraße. Größenunterschied: Ein Kopf - sie klein und schwarzhaarig, er groß und dunkelblond, ebenso der Redestil von ihm: Teils bedächtig, teils ihr permanent zustimmend.

Wir – meine Partnerin und ich - wurden von ihnen auf einer der bekannteren Swinger-Seiten im Internet angeschrieben. Der Inhalt der Anfrage war klar. Es ging wie auf Swinger-Seiten üblich – um die Frage „Habt ihr Lust Euch mit uns zu treffen... Sex mit eingeplant!“

Nach einigem Hin und Her wegen eines Termins kam auf unseren Vorschlag eine Absage: Bert mußte an diesem Abend zum singen! ... Nein, nicht fragen...!

Sie waren beide keine Schönheiten, aber ein gewisser Charme war da – zumindest bei ihm. Sie sah mich sehr selten an und sprach noch weniger mit mir. Der einzig wirkliche Pluspunkt auf ihrem charismatischen Haben-Konto war ihr Arsch – zumindest auf den Bildern ihrer Homepage. Allerdings waren die Bilder zwischen sieben und zehn Jahren alt, womit auch der Pluspunkt „Arsch“ halbiert werden mußte. Ich konnte allerdings nach dem Essen vor dem Lokal einen Griff an besagten Hintern tun und muß sagen, daß eine gewisse Griffigkeit doch noch vorhanden war.

Bevor dieser Griff jedoch stattfand mußte noch eine lange Litanei fast schon bürokratischer Hindernisse überwunden werden. Nach einer Woche, wo sie „nun wirklich aber gar keine Zeit hatten“, kamen sie dann auf unseren Vorschlag, einem Treffen in einer Pizzeria zwecks Beschnuppern, zurück: „hallo Ihr Beiden, haben Euere Nachricht gelesen. Werden um 20 Uhr in besagter Pizzeria aufkreuzen. Freuen uns Euch kennen zu lernen. Sollte sich irgend etwas ändern, geben wir frühzeitig bescheid. Allerdings wird es sicher klappen. lg...“

Alles schien jetzt geregelt...

Am Tag des Treffens kam am Nachmittag plötzlich eine panische Mail: „Geht es bei Euch nicht ein wenig früher?? Vielleicht um 19 Uhr??????“

Zuerst dachten wir, sie hätten vielleicht schon knurrenden Hunger. Bei unserem Treffen stellte sich dann aber heraus, daß sie immer spätestens um 19.00 Uhr essen ... nur deshalb....

Dann der Treff in der Pizzeria – wir waren zu früh und saßen bereits am Tisch als sie kamen.

Hinsichtlich der Klamotten, welche die Mädels tragen würden hatte es zwei Tage vorher von Berts Seite her noch Aufregung gegeben. Agnes, meine Partnerin, solle doch ein Röckchen tragen – ohne Höschen darunter. Klar bin ich auch ein Fan dieser Aufmachung und hatte nichts dagegen, ihr diesen Wunsch mitzuteilen - was sich natürlich auf Gegenseitigkeit gründete. Berts letzte Mail bezog sich dann auch darauf:

„Wir sind dann auf alle Fälle mal um kurz vor 19 Uhr dort. Vielleicht fahren wir auch früher los um noch einen passenden Rock zu kaufen. Ansonsten wird Erni ein etwas längeres Kleidchen tragen. Unten mit sehr wenig an.“

Letztendlich kamen sie dann erst gegen 19.15 Uhr und sie trug lange schwarze Hosen ...

Auf den Fotos der Swinger-Homepage hatte sie einen nicht schlecht aussehenden Haarschnitt, ähnlich dem von Kleopatra, also eine Art Pagenlook. Herein kam leider nicht Kleopatra hinter ihrem Marcus Antonius, sondern – und wir wollen jetzt hier nicht ausfallend werden und bei der Devise „leben und leben lassen bleiben - aber mir blieb vor lauter Überraschung (bedauerlicherweise keiner positiven) erst mal die Spucke weg. Nicht nur bei den Bildern, sondern auch bei der Angabe ihres Alters (Mitte 40) waren die beiden hart an der Schmerzgrenze der optischen Legalität entlang geschrammt. Beide weit über 50!

Das Essen war belangloser Small Talk, in dessen Verlauf sich eine spießig-kleinbürgerliche Lebensweise der beiden herauskristallisierte. Ganz hoffnungslos spießig waren sie nicht, was durch ihr Hobby „swingen“ und FKK-Urlaube