Der Autor
Prof. Dr. Tobias Greitemeyer ist Professor für Sozialpsychologie am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck.
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2., erweiterte und aktualisierte Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-039480-3
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-039481-0
epub: ISBN 978-3-17-039482-7
Ich danke ganz besonders herzlich meinem Vater, Manfred Greitemeyer, der alle Kapitel gründlich korrekturgelesen und mit vielen Anmerkungen und Tipps geholfen hat. Weiterhin danke ich den beiden Herausgebern, Maria von Salisch und Bernd Leplow, für die wertvollen inhaltlichen Hinweise. Schließlich möchte ich mich bei Ulrike Merkel und Kathrin Kastl für das gründliche Lektorat bedanken, das dem Buch den letzten Schliff gegeben hat.
Erkenntnisse der Psychologie werden täglich in den Medien transportiert. Junge Erwachsene drängeln sich um einen Studienplatz in diesem Fach. Denn die meisten Fragen der Gesellschaft von Morgen sind nicht ohne die Vorgehensweisen und Ergebnisse dieser Wissenschaft des menschlichen Erlebens und Verhaltens zu beantworten. Großbaustellen wie die Bewältigung von Digitalisierung und Globalisierung (inklusive Pandemien) oder der gesellschaftliche Umbau in Richtung Nachhaltigkeit lassen sich im Grunde nur mit Erkenntnissen zu individuellen und sozialen Weisen des Erlebens, deren Entstehungsbedingungen und möglichen Verhaltensveränderungen von Einzelnen und Gruppen sinnvoll bearbeiten. Psychologie ist zugleich innerhalb der Wissenschaft – so eine Analyse der Zitiermuster in über 7000 natur- und sozialwissenschaftlichen Fachzeitschriften – eine von sieben »hub sciences«, welche die Debatte zur Gewinnung wissenschaftlicher Einsichten bereichert und enge Verbindungen zu Nachbardisziplinen wie Neurowissenschaft, Psychiatrie, Gerontologie und andere Gebiete der Medizin auf der einen, Gesundheitswissenschaft und Public Health auf der anderen, Bildungswissenschaft auf einer dritten sowie Kommunikationswissenschaft, Recht, Volkswirtschaft und weitere Sozialwissenschaften auf einer vierten Seite aufweist. Ein Psychologiestudium erleichtert folglich den Zugang zu den Diskursen innerhalb dieser Disziplinen.
Das Studium der Psychologie erfolgt in Bachelor- und Masterstudiengängen, die auf Modulen basieren. Diese sind in sich abgeschlossen und bauen aufeinander auf. Sie sind jeweils mit Lehr- und Lernzielen versehen und spezifizieren, welche Themen und Methoden in ihnen zu behandeln sind. Aus diesen Angaben leiten sich Art, Umfang und Thematik der Modulprüfungen ab. Die Bände der Reihe Grundriss der Psychologie konzentrieren sich auf das umgrenzte Lehrgebiet des Bachelorstudiums.
Da im Bachelorstudium die Grundlagen des psychologischen Fachwissens gelegt werden, ist es uns ein Anliegen, dass sich jeder Band der Reihe Grundriss der Psychologie ohne Rückgriff auf Wissen aus anderen Teilgebieten der Psychologie lesen lässt. Jeder Band der Grundrissreihe orientiert sich an einem der Module, welche die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) für die Psychologieausbildung ausgearbeitet hat. Damit steht den Studierenden ein breites Grundwissen zur Verfügung, welches die wichtigsten Gebiete aus dem vielfältigen Spektrum der Psychologie verlässlich abdeckt. Dieses ermöglicht nicht nur den Übergang auf den darauf aufbauenden Masterstudiengang der Psychologie, sondern auch eine erste Berufstätigkeit im psychologisch-assistierenden Bereich.
Zugleich können Angehörige anderer Berufe, in denen menschliches Verhalten und Erleben Entscheidungsabläufe beeinflusst, von einem fundierten Grundwissen in Psychologie profitieren. Die Bandbreite reicht vom Fachjournalismus und allen Medienberufen über den Erziehungs- und Gesundheitsbereich, die Wirtschaft mit Human Resources, Produktgestaltung, Marketing und diversen Managementprofilen bis hin zu Angehörigen des Justizsystems und Führungskräften in Politik, Polizei und Militär. Die wissenschaftliche Psychologie bietet insofern – bei ethisch vertretbarer Anwendung – Methoden und Erkenntnisse, über welche Menschen die Gesellschaft in positiver Weise verändern können. Daher können auch Studierende und Praktizierende aus anderen als den klassischen psychologischen Tätigkeitsfeldern vom Wissen eines Bachelors in Psychologie profitieren. Weil die einzelnen Bände so gestaltet sind, dass sie psychologisches Grundlagenwissen voraussetzungsfrei vermitteln, sind sie auch für Angehörige dieser Berufsgruppen geeignet.
Wir wünschen den Leserinnen und Lesern vielfältige Einsichten und Erfolge mit den Bänden der Reihe Grundriss der Psychologie.
Maria von Salisch
Bernd Leplow
Die Sozialpsychologie ist eine empirische Wissenschaft, die das menschliche Erleben und Verhalten in sozialen Situationen untersucht. Sozialpsychologische Untersuchungen verwenden vor allem drei wissenschaftliche Methoden: die beschreibende, die korrelative und die experimentelle Methode. Vermittelnde Mechanismen werden durch Mediationsanalysen aufgeklärt. Moderationsanalysen untersuchen, bei welchen Personengruppen zwei Variablen unterschiedlich stark in Beziehung stehen. Mehrere zuvor durchgeführte Untersuchungen werden in Metaanalysen zusammengefasst.
Führt das Spielen gewalttätiger Computerspiele zu nachfolgender Aggression im wirklichen Leben? Bevorzugt man einen Partner, der einem ähnelt oder der einen ergänzt? Sollten Entscheidungen durch Individuen oder Gruppen getroffen werden? Wie effektiv sind Warnhinweise auf Zigarettenschachteln wie »Rauchen tötet«, dass Raucher aufhören zu rauchen? Das alles sind Fragestellungen der Sozialpsychologie.
Als Sozialpsychologe beschäftigt man sich mit dem Erleben und Verhalten des Menschen in Abhängigkeit von anderen Menschen. Wieweit wird also menschliches Erleben und Verhalten durch die soziale Umwelt beeinflusst?
Sozialpsychologie ist der Versuch zu verstehen und zu erklären, wie Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen von Individuen beeinflusst werden durch vorgestellte oder tatsächlich anwesende andere Personen (Allport, 1954b).
Gegenstandsbereiche in der Sozialpsychologie sind weite Teile des menschlichen Miteinanders:
• Wie denken wir über uns und unsere Umwelt?
• Wieweit lassen wir uns von anderen beeinflussen?
• Benachteiligen wir andere Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit?
• Wie erfolgreich sind wir in der Zusammenarbeit mit anderen?
• Wann sind wir bereit, anderen zu helfen?
• Wann wollen wir anderen schaden?
Anders als beispielsweise bei der Nanotechnologie oder der anorganischen Chemie sind alle Menschen mit den Themen der Sozialpsychologie gut vertraut. Betrachten wir die folgenden drei sozialpsychologischen Aussagen:
• Das Mitverfolgen eines Boxkampfes im Fernsehen vermindert nachfolgende eigene aggressive Impulse.
• Personen in schlechter (gegenüber neutraler) Stimmung sind weniger bereit, einer Person in Not zu helfen.
• Kinder, denen eine geringe Strafe angedroht wird, wenn sie mit einem verbotenen Spielzeug spielen, schätzen die Attraktivität des Spielzeugs höher ein als Kinder, denen eine hohe Strafe angedroht wird.
Alle diese Behauptungen sind für uns wenig überraschend. Deshalb wird oft angezweifelt, ob die Sozialpsychologie eine empirische Wissenschaft darstellt, da sie nichts anderes als Annahmen des »gesunden Menschenverstands« bestätigt.
Viele Ergebnisse sozialpsychologischer Untersuchungen hätte man sicherlich vorhersagen können, manche jedoch auch nicht, und oftmals überschätzt man rückblickend die Vorhersehbarkeit eines Ereignisses (Fischhoff, 1975). Betrachten wir noch einmal die oben genannten drei Aussagen. Tatsächlich sind sie alle falsch, und jeweils das genaue Gegenteil ist der Fall (Aronson & Carlsmith, 1963; Carlson & Miller, 1987; Philips, 1983).
Alltagsannahmen stellen sich nach wissenschaftlicher Überprüfung oft als falsch heraus.
Das menschliche Alltagswissen über Sozialverhalten und sozialen Einfluss ist nicht immer zutreffend und bedarf einer wissenschaftlichen Überprüfung. Dies leistet die Sozialpsychologie, die mithilfe geeigneter wissenschaftlicher Methoden ihre Vorhersagen einem kritischen Test unterzieht.
Im Gegensatz zum »gesunden Menschenverstand« verwendet die Sozialpsychologie wissenschaftliche Methoden, um ihre Vorhersagen zu überprüfen.
Um Vorhersagen zu überprüfen, ziehen Sozialpsychologen verschiedene wissenschaftliche Methoden heran. In Untersuchungen werden vor allem die beschreibende Methode, die Korrelationsmethode und die experimentelle Methode verwendet. Mediations- und Moderationsanalysen klären die vermittelnden Prozesse und bei welchen Personengruppen Effekte unterschiedlich stark auftreten. Eine zusammenfassende Analyse bereits durchgeführter Untersuchungen wird als Metaanalyse bezeichnet.
Eine Art, eine Vorhersage zu überprüfen, ist die Auftretenshäufigkeit eines bestimmten Phänomens zu beschreiben. Dies kann geschehen durch Beobachtungen, Fragebögen oder Archivstudien. Wie häufig tritt beispielsweise Aggression in der Schule auf?
• In einer Beobachtungsstudie würden beispielsweise ein oder mehrere trainierte Wissenschaftler das Verhalten von Kindern auf dem Schulhof beobachten und das gezeigte Verhalten anhand vorher festgelegter Kriterien kodieren.
• Fragebögen könnten an die Lehrer verteilt werden, um von ihnen Auskunft über aggressives Verhalten im Klassenzimmer zu erhalten.
• In einer Archivstudie werden offizielle Statistiken herangezogen, wie häufig z. B. Kinder aufgrund ihres Verhaltens in der Schule angezeigt werden.
Die beschreibende Methode kann zu interessanten Einsichten verhelfen. Sie kann allerdings keine Aussagen zu einem möglichen Zusammenhang zweier (oder mehrerer) Variablen treffen. Tritt beispielsweise Aggression in der Schule in manchen Jahreszeiten häufiger auf als in anderen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Aussehen einer Person und der Häufigkeit, mit der ihr in Notsituationen geholfen wird? Hängt das Gehalt, das eine Person bekommt, von ihrem Selbstwert ab?
Solche Fragen kann man mithilfe der Korrelationsmethode beantworten. Wie auch bei der beschreibenden Methode können die Variablen durch Beobachtungen, Fragebögen oder Archivanalysen erfasst werden. Im Gegensatz zu der beschreibenden Methode können jedoch Aussagen über den Zusammenhang zwischen Variablen getroffen werden. Wenn man die Ausprägung einer Variablen kennt (z. B. wie gutaussehend eine Person ist), dann kann man eine bestimmte Vorhersage treffen, wie eine andere Variable (z. B. wie wahrscheinlich es ist, dass ihr in einer Notsituation geholfen wird) wahrscheinlich ausgeprägt ist.
Der Zusammenhang zwischen zwei Variablen wird über die Berechnung von Korrelationskoeffizienten erfasst.
Ein Korrelationskoeffizient wird als ein Wert ausgedrückt, der von +1.0 bis -1.0 reichen kann. Das Vorzeichen zeigt an, ob der Zusammenhang positiv oder negativ ist. Eine positive Korrelation bedeutet, dass ein Anstieg der Ausprägung einer Variablen mit einem Anstieg der Ausprägung der anderen Variablen verbunden ist, während eine negative Korrelation anzeigt, dass beide Variablen in unterschiedliche Richtungen gehen (wenn eine ansteigt, fällt die andere ab). Der absolute Wert zeigt die Stärke des Zusammenhangs beider Variablen an. Je größer dieser Wert ist, desto stärker sind beide Variablen miteinander verbunden und desto besser kann man aufgrund der Ausprägung einer Variablen die Ausprägung der anderen Variablen vorhersagen. Eine Korrelation von 1.0 zeigt einen perfekten Zusammenhang zwischen zwei Variablen an, d. h. die Kenntnis der Ausprägung einer Variablen erlaubt eine exakte Vorhersage über die Ausprägung der anderen Variablen. Da jedoch zwei Variablen fast nie vollständig miteinander verbunden sind, werden die meisten Korrelationskoeffizienten, die wir in den folgenden Kapiteln kennenlernen werden, nicht an +1.0 oder -1.0 heranreichen. Nach Cohen (1988) kann man die Größe des Zusammenhangs zweier psychologischer Variablen wie folgt einteilen:
• kleiner Effekt: r = .10
• mittlerer Effekt: r = .30
• großer Effekt: r = .50
Wenn wir in folgenden Kapiteln von kleinen, mittleren und großen Effekten sprechen, dann beziehen wir uns auf diese Einteilung. Der durchschnittliche Effekt in der Psychologie ist ungefähr r = .24 (Bakker, van Dijk & Wicherts, 2012) und in der Sozialpsychologie r = 0.21 (Richard, Bond Jr. & Stokes-Zoota, 2003). Typische Effekte in der Psychologie und der Sozialpsychologie sind demnach klein bis mittel in ihrer Effektstärke.
Die Korrelationsmethode hat viele Vorteile: So können Zusammenhänge zwischen Variablen erfasst werden, die nicht induziert (wie Geschlecht oder Alter) oder aus ethischen Gründen in einem Laborkontext hervorgerufen werden können (wie Gewalt oder Missbrauch). Allerdings hat die Korrelationsmethode einen entscheidenden Nachteil: Es sind keine Rückschlüsse auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Variablen möglich.
Betrachten wir die Hypothese, dass soziale Probleme verstärkt in Ländern auftreten, die ein großes Gefälle zwischen Arm und Reich aufweisen (Wilkinson & Pickett, 2009). Zur Überprüfung ihrer Hypothese erfassten Wilkinson und Pickett das Auftreten von sozialen Problemen (wie Übergewicht, Drogenmissbrauch oder Schwangerschaften von Minderjährigen) und die (Un-)Gleichverteilung von Vermögen in verschiedenen Ländern. Tatsächlich zeigte sich, dass die soziale Ungleichheit einer Gesellschaft (und nicht das Durchschnittseinkommen) in einem Zusammenhang steht mit dem Auftreten einer Reihe von sozialen Problemen. So ist es beispielsweise sechsmal wahrscheinlicher, dass ein US-Amerikaner (eine Gesellschaft mit großen Einkommensunterschieden) übergewichtig ist als ein Japaner (eine Gesellschaft mit relativ geringen Einkommensunterschieden). Würden Sie daraus schließen, dass soziale Ungleichheit Übergewicht bewirkt?
Möglicherweise, aber nicht unbedingt. Für eine Korrelation zwischen zwei Variablen X und Y gibt es drei mögliche Erklärungen:
• X ist Ursache von Y.
• Y ist Ursache von X.
• Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen X und Y, der Zusammenhang zwischen X und Y ist durch eine dritte Variable Z verursacht.
Eine signifikante Korrelation zwischen sozialer Ungleichheit und dem Auftreten von Übergewicht kann also bedeuten, dass soziale Ungleichheit tatsächlich zu Übergewicht führt. Übergewicht kann aber auch soziale Ungleichheit bedingen (Übergewichtige erhalten beispielsweise von ihren Arbeitgebern weniger Geld und werden eher entlassen als Normalgewichtige). Schließlich könnte eine dritte Variable, wie der Bildungsstand, den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Übergewicht erklären: Ein niedriger Bildungsstand geht sowohl mit sozialer Ungleichheit einher als auch mit Übergewicht. Die Korrelationsmethode ist daher nur bedingt geeignet, psychologische Prozesse zu erklären.
Korrelationen dürfen nicht als Kausalaussagen interpretiert werden!
Um Ursache-Wirkungszusammenhänge zu untersuchen, ist das experimentelle Vorgehen die Methode der Wahl. Mithilfe eines Experiments untersucht der Versuchsleiter den Einfluss einer oder mehrerer unabhängigen Variablen auf eine oder mehrere abhängige Variablen.
Unabhängige Variablen werden vom Versuchsleiter variiert, um ihren Einfluss auf eine abhängige Variable zu untersuchen. Abhängige Variablen werden vom Versuchsleiter gemessen.
So untersuchten Isen und Levin (1972) den Einfluss von positiver Stimmung (unabhängige Variable) auf Hilfeverhalten (abhängige Variable). Die Stimmung der Probanden wurde variiert, indem manche Probanden in einer Telefonzelle eine Münze vorfanden (Bedingung »Positive Stimmung«), während andere Probanden keine Münze vorfanden (Bedingung »Neutrale Stimmung«). Als die Probanden die Telefonzelle verließen, ließ ein Mitarbeiter des Versuchsleiters (ein sogenannter Konföderierter; diesen Fachausdruck verwenden wir auch später immer wieder) einen Stapel Papiere fallen. Es zeigte sich, dass 84 Prozent der Probanden in der positiven Stimmungsbedingung, aber nur vier Prozent in der neutralen Stimmungsbedingung halfen, die Papiere aufzuheben.
Um sicherzustellen, dass tatsächlich die unterschiedliche Stimmung der Probanden in den beiden Versuchsbedingungen die Unterschiede in der Hilfsbereitschaft bedingen, sind die Kontrolle des Versuchsleiters über den Versuchsablauf sowie die randomisierte Zuteilung der Probanden zu den jeweiligen experimentellen Bedingungen notwendig.
Kontrolle des Versuchsleiters über den Versuchsablauf bedeutet, dass alle Probanden den mit Ausnahme der unabhängigen Variablen identischen situativen Bedingungen ausgesetzt sind. In der Untersuchung von Isen und Levin verließen beispielsweise alle Probanden die gleiche Telefonzelle, und der Konföderierte ließ immer die gleiche Anzahl an Blättern Papier fallen. Zudem war dem Konföderierten nicht bewusst, ob die jeweiligen Probanden eine Münze vorfanden oder nicht. Dadurch kann man ausschließen, dass er mehr oder weniger bewusst Einfluss auf das Verhalten der Probanden ausgeübt hat. Der einzige Unterschied für die Probanden in den beiden experimentellen Bedingungen bestand also darin, dass die eine Gruppe eine Münze fand und die andere nicht. Alle anderen Umstände wurden konstant gehalten. Unterschiede in der Hilfsbereitschaft zwischen beiden Versuchsgruppen sind daher wahrscheinlich auf die experimentelle Variation zurückzuführen.
Da manche Personen von ihrem Wesen hilfsbereiter sind als andere, musste gewährleistet sein, dass nicht alle hilfsbereiten Personen der Bedingung »Positive Stimmung« und die wenig hilfsbereiten der Bedingung »Neutrale Stimmung« zugeteilt wurden. Dies erreicht man durch eine randomisierte Zuteilung der Probanden zu beiden experimentellen Bedingungen. Für alle Probanden musste also die gleiche Wahrscheinlichkeit vorliegen, entweder der einen oder der anderen Bedingung zugeordnet zu werden. Dadurch kann man relativ verlässlich ausschließen, dass die höhere Hilfsbereitschaft in der positiven gegenüber der neutralen Stimmungsbedingung auf Unterschiede in der Hilfsbereitschaft der Versuchspersonen zurückzuführen ist, die bereits vor der experimentellen Variation bestanden.
In einem Experiment werden mit Ausnahme der unabhängigen Variablen alle Aspekte einer Situation identisch gehalten, und die Probanden werden per Zufallsprinzip den experimentellen Bedingungen zugeteilt.
In der erwähnten Untersuchung zeigte sich ein deutlicher Effekt der Stimmungsinduktion auf die Hilfsbereitschaft der Probanden (84 Prozent gegenüber vier Prozent). Wirkt sich positive Stimmung aber tatsächlich förderlich auf Hilfeverhalten aus oder sind nur zufällig besonders viele Probanden der Bedingung »Positive Stimmung« zugeordnet worden, die auch ohne Stimmungsinduktion geholfen hätten? Zwar sind aufgrund der randomisierten Zuteilung der Probanden zu den experimentellen Bedingungen Unterschiede in der Hilfsbereitschaft vor der Stimmungsinduktion unwahrscheinlich, können aber dennoch (gerade bei kleinen Stichproben) nicht ausgeschlossen werden. Daher wird ein Wahrscheinlichkeitsniveau (p-Wert) angegeben, wie wahrscheinlich die unterschiedliche Hilfsbereitschaft in den experimentellen Bedingungen zufällig aufgetreten ist.
In der (Sozial-)Psychologie besteht die Konvention, ein Ergebnis als statistisch signifikant, d. h. bedeutsam, anzusehen, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ergebnis (beispielsweise ein Mittelwertsunterschied oder eine Korrelation) durch Zufall zustande gekommen ist, unter fünf Prozent liegt. Wenn wir in folgenden Kapiteln von signifikanten Effekten sprechen, bedeutet dies, dass es relativ unwahrscheinlich ist (unter fünf Prozent), dass es sich um ein Zufallsergebnis handelt.
Ein Effekt gilt als statistisch signifikant, wenn die Wahrscheinlichkeit eines Zufallsergebnisses unter fünf Prozent liegt.
Seit längerem ist bekannt, dass vor allem Studien in wissenschaftlichen Zeitschriften erscheinen, die signifikante Ergebnisse berichten (Sterling, Rosenbaum & Weinkam, 1995). In den letzten Jahren wurden verschiedene Replikationsprojekte (also die Wiederholung wissenschaftlicher Studien durch andere Wissenschaftler) durchgeführt, um zu überprüfen, ob die berichteten Ergebnisse in den Originalarbeiten erneut gefunden werden können. Dabei kam es zumeist zu ernüchternden Ergebnissen. In einem Projekt (Open Science Collaboration, 2015) zeigte sich, dass von 100 Replikationsstudien 36 signifikante Ergebnisse erzielten. In den Originalstudien dagegen hatten 97 signifikante Ergebnisse berichtet. Das Projekt rief Kritik hervor (z. B. Gilbert, King, Pettigrew & Wilson 2016), beispielsweise dass bedeutsame Unterschiede in der Vorgehensweise zwischen Original- und Replikationsstudie bestünden. Nichtsdestotrotz kann man festhalten, dass es einen Publikationsbias gibt, dass also überzufällig häufig Studien mit signifikanten Ergebnissen publiziert und viele der berichteten Effekte überschätzt werden. Der tatsächliche typische Effekt sozialpsychologischer Studien wird demnach geringer sein als r = .21 (Richard et al., 2003). In den folgenden Kapiteln wird häufig darauf eingegangen werden, inwiefern die berichteten Befunde sich auch in Replikationsstudien zeigten.
Ein Grund dafür, warum so wenige nicht signifikante Studien berichtet werden, ist, dass Wissenschaftler bei nicht signifikanten Ergebnissen kein Manuskript verfassen, das sie an eine Zeitschrift zur Begutachtung schicken. Ein weiterer Grund ist, dass wissenschaftlich fragwürdige Methoden verwendet werden, um signifikante Ergebnisse zu erzielen (Simmons, Nelson & Simonsohn, 2011). Beispielweise analysiert man nach 100 erhobenen Probanden die Daten. Wenn ein signifikantes Ergebnis zu finden ist, stoppt man die Datenerhebung. Ansonsten erhebt man weitere Probanden. Eine weitere Methode ist das Erheben verschiedener abhängiger Variablen und nur die Variablen werden berichtet, bei denen signifikante Effekte gefunden wurden. Die Verwendung solcher unwissenschaftlichen Methoden (zum Teil aus Unwissenheit über deren Bedeutung) ist weit verbreitet (John, Loewenstein & Prelec, 2012). Die geringe Replikationsrate in der Sozialpsychologie in Verbindung mit einigen aufgedeckten Betrugsfällen (Forscher hatten zugegeben, Daten gefälscht zu haben) führte jedoch zu einem massiven Umdenken. Beispielsweise werden Hypothesen, Methoden und geplante Analysen häufig präregistriert, also vor der Durchführung der Studien offengelegt. Die den Studien zugrundeliegenden Daten werden frei verfügbar gemacht, so dass andere Wissenschaftler die berichteten Ergebnisse überprüfen können. Die durchschnittlichen Probandenzahlen sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen (Sassenberg & Ditrich, 2019). Und schließlich kam es zu einem Umdenken auf Seiten der wissenschaftlichen Zeitschriften, wodurch auch nicht signifikante Forschungsbefunde und Replikationen früherer Studien eine höhere Chance haben, publiziert zu werden. Es ist zu vermuten, dass die Replikationsrate neuerer Studien in zukünftigen Replikationsprojekten höher ausfallen wird.
Die Güte eines Experiments kann unter anderem im Hinblick auf ihre Gültigkeit (interne Validität) und Übertragbarkeit auf andere Personen und Situationen (externe Validität) geprüft werden.
Wenn die Kontrolle des Versuchsleiters und die randomisierte Zuteilung gegeben sind, dann wird ein hoher Grad an interner Validität angenommen, und man kann davon ausgehen, dass Unterschiede in der abhängigen Variablen zwischen den Versuchsbedingungen durch die Variation der unabhängigen Variablen bedingt sind.
Interne Validität eines Experiments: Inwieweit kann die Veränderung der abhängigen Variablen eindeutig auf die Variation der unabhängigen Variablen zurückgeführt werden?
Aus ökonomischen Gründen werden viele sozialpsychologische Untersuchungen in einem Labor mit Psychologiestudierenden als Probanden durchgeführt. Sozialpsychologen sind jedoch daran interessiert, psychologische Gesetzmäßigkeiten aufzudecken, die nicht nur für Psychologiestudierende in einer vom Versuchsleiter konstruierten Situation, sondern für alle Menschen in allen Situationen des wirklichen Lebens gelten. Das Ausmaß der Generalisierbarkeit der Ergebnisse eines Experiments auf andere Situationen und Menschen wird durch die externe Validität angegeben. Sozialpsychologen sind sich der Bedeutsamkeit der externen Validität ihrer Ergebnisse wohl bewusst, und Untersuchungen an Nichtstudierenden in ihrem natürlichen Umfeld (sogenannte Feldstudien) werden oftmals gemeinsam mit Ergebnissen von Laborstudien in wissenschaftlichen Publikationen berichtet. Nichtsdestotrotz ist es bedeutsam, dass mehr als 90 Prozent aller psychologischen Studien Ergebnisse berichten, deren Probanden als WEIRD bezeichnet werden (Henrich, Heine & Norenzayan, 2010). WEIRD (englisch: für sonderbar oder verrückt) steht dabei für »western, educated, industrialized, rich, democratic«. Die Gruppe dieser Probanden repräsentiert nur ungefähr 12 Prozent der Weltbevölkerung und viele empirische Befunde, die beispielsweise in einem westlichen Kulturkreis gefunden wurden, lassen sich nicht auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen.
In den USA (aber auch in Westeuropa) wird typischerweise Wert auf die eigene Unabhängigkeit gelegt. Entsprechend zeigte sich in einer Studie (Kim & Markus, 1999), dass 74 Prozent der US-amerikanischen Probanden einen Stift mit einer ungewöhnlichen Farbe als Dankeschön für das Ausfüllen eines Fragebogens auswählten (insgesamt gab es fünf Stifte, wobei beispielsweise ein oder zwei Stifte orange waren und die anderen Stifte hellgrün). In östlichen Kulturkreisen dagegen wird statt der eigenen Unabhängigkeit zumeist die Konformität mit einer Mehrheit wertgeschätzt. Interessanterweise wählten nur 24 Prozent der Probanden asiatischer Herkunft die ungewöhnliche Stiftfarbe.
In den letzten Jahren ist das Problem, dass die einseitige Probandenherkunft zum Teil nur geringe Schlussfolgerungen auf allgemeingültige Verhaltensgesetzmäßigkeiten erlaubt, stärker in das Bewusstsein getreten. Auf alle Fälle sollten Sie aber bei den in den folgenden Kapiteln vorgestellten Studien im Hinterkopf behalten, dass die Probanden (so wie Sie) wahrscheinlich Psychologie studiert haben und die Teilnahme mit Versuchspersonenstunden vergütet wurde. Eine Studie mit anderen Probanden, die aus anderen Gründen an der Studie teilgenommen hätten, hätte eventuell andere Ergebnisse erbracht.
Externe Validität eines Experiments: Inwieweit können die Ergebnisse eines Experiments auf andere Situationen und auf andere Personen übertragen werden?
Sozialpsychologen wollen nicht nur zeigen, durch was menschliches Verhalten beeinflusst wird, sondern untersuchen häufig auch, wie dieser Einfluss zustande kommt. Mittels dieser sogenannten Mediationsanalysen wird statistisch überprüft, welche vermittelnden Prozesse dazu führen, dass eine unabhängige Variable eine abhängige Variable beeinflusst. Beispielsweise zeigte sich, dass positive Stimmung unter anderem Hilfeleistung fördert, da Personen in positiver Stimmung dazu neigen, Gegebenheiten in einem positiven Licht zu sehen ( Kap. 10). Positive Stimmung wäre demnach die unabhängige Variable, die Tendenz, Gegebenheiten in einem positiven Licht zu sehen, wäre der Mediator und Hilfeleistung wäre die abhängige Variable.
Interessanterweise gilt auch die entgegengesetzte Richtung: Prosozialität fördert das emotionale Wohlbefinden. In einer Studie (Dunn, Aknin & Norton, 2008) wurde die Stimmung von Probanden am Vormittag gemessen. Die Probanden erhielten daraufhin entweder fünf oder 20 Dollar, die sie entweder für sich selbst oder für andere ausgeben sollten. Am Nachmittag wurde wiederum die Stimmung gemessen. Es zeigte sich, dass sich die Stimmung der Probanden, die das Geld für andere ausgegeben hatten, verbessert hatte. Die Probanden dagegen, die für sich selbst das Geld verwendet hatten, waren in keiner besseren Stimmung (von der Tendenz her sogar in einer schlechteren).
In nachfolgenden Studien wurde untersucht, ob dieser Zusammenhang in verschiedensten Kulturen zu finden ist. In einer Analyse (Aknin et al., 2013) wurde der Zusammenhang zwischen der Anzahl an Personen in einem Land, die einer Wohltätigkeitsorganisation gespendet haben, und dem durchschnittlichen emotionalen Wohlbefinden ermittelt. In insgesamt 120 von 136 untersuchten Ländern zeigte sich ein positiver Zusammenhang. Hilfeleistung scheint demnach in den meisten Ländern (und bei den meisten Personen) zu einer Stimmungsverbesserung zu führen. Jedoch war der Zusammenhang in 16 Ländern nicht positiv und in einigen Ländern sogar eindeutig negativ (z. B. Tunesien). Prosozialität fördert also nicht in allen Kulturen gleichermaßen das emotionale Wohlbefinden. Ob der Einfluss einer Variablen (in dem Fall Prosozialität) auf eine andere Variable (in dem Fall emotionales Wohlbefinden) verändert (moderiert) wird durch eine dritte Variable (in dem Fall Land), wird statistisch durch Moderationsanalysen ermittelt.
Mediationsanalyse: Statistische Technik, die ermittelt, warum ein Effekt zustande kommt. Moderationsanalyse: Statistische Technik, die ermittelt, bei welchen Personengruppen ein Effekt unterschiedlich stark auftritt.
Sozialpsychologen führen beschreibende, korrelative und experimentelle Untersuchungen durch, um ihre Hypothesen zu überprüfen. Eine andere Art der Hypothesenprüfung ist die Analyse bereits vorliegender Untersuchungen zu einer Fragestellung. In Metaanalysen werden die Ergebnisse früherer Untersuchungen gemittelt und bestimmt, ob ein signifikanter Effekt vorliegt und wie groß dieser ist. Metaanalysen werden in den besten (sozial)psychologischen Fachzeitschriften publiziert, und wir werden in den folgenden Kapiteln häufig auf die Ergebnisse von Metaanalysen zu sprechen kommen.
Metaanalyse: Statistische Technik, die die Ergebnisse von zwei oder mehreren Untersuchungen mittelt.
Während sich die Psychologie mit dem Erleben und Verhalten des Menschen befasst, untersucht die Sozialpsychologie den Menschen in Abhängigkeit von seinem sozialen Umfeld. Kernthemen der Sozialpsychologie sind Sozialverhalten und sozialer Einfluss. Die Sozialpsychologie ist eine empirische Wissenschaft, da sie ihre Vorhersagen mithilfe geeigneter wissenschaftlicher Methoden überprüft. Die beschreibende Methode untersucht die Auftretenshäufigkeit eines bestimmten Phänomens. Die Korrelationsmethode stellt Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen fest. Die experimentelle Methode gibt Aufschlüsse über Ursache-Wirkungszusammenhänge. Mediations- und Moderationsanalysen bestimmen, warum ein Effekt auftritt und bei welchen Personengruppen er unterschiedlich stark zu finden ist. In Metaanalysen werden früher durchgeführte Untersuchungen zusammengefasst.
Kruglanski, A. W. & Stroebe, W. (Hrsg). (2011). Handbook of the history of social psychology. New York: Francis & Taylor.
Nelson, L. D., Simmons, J. & Simonsohn, U. (2018). Psychology's renaissance. Annual Review of Psychology, 69, 511–534.
Pelham, B. W. & Blanton, H. (2018). Conducting research in psychology: Measuring the weight of smoke. Los Angeles: SAGE Publications.
1. Was ist Sozialpsychologie?
2. Inwiefern ist die Sozialpsychologie eine wissenschaftliche Disziplin?
3. Welche Stärken und Schwächen haben die Beobachtungs-, die Korrelations- und die experimentelle Methode?
4. Wann hat ein Experiment eine hohe interne Validität? Auf welche beiden Aspekte muss ein Versuchsleiter besonders achten?
5. Warum werden nur selten nicht signifikante Ergebnisse in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert?
6. Inwiefern unterscheiden sich Mediations- und Moderationsanalysen?
7. Was wird in einer Metaanalyse gemacht?
Das Selbst bezieht sich auf die eigene Person als Objekt der Aufmerksamkeit und umfasst verschiedene Facetten. In diesem Kapitel besprechen wir das Selbstkonzept, den Selbstwert sowie Selbstregulation. Das Selbstkonzept bezieht sich auf das Wissen einer Person über sich selbst. Der Selbstwert einer Person spiegelt die Zufriedenheit mit sich selbst wider. Selbstregulation betrifft die Fähigkeit, erwünschtes Verhalten zu zeigen und unerwünschten Impulsen widerstehen zu können.
Die meisten Menschen lieben es, Klatsch und Tratsch zu erfahren und zu verbreiten. Themen sind zumeist Freunde und Bekannte, aber auch Berühmtheiten, die man selbst nicht persönlich kennt. Unsere Bereitschaft, sich an Klatsch und Tratsch zu beteiligen, spiegelt unser außergewöhnlich großes Interesse an anderen Menschen wider. Noch mehr allerdings als andere Menschen interessiert uns alles, was mit der eigenen Person zu tun hat. Sie kennen sicherlich das Phänomen, dass Sie auf einer Party in ein angeregtes Gespräch vertieft sind. Auf einmal hören Sie jedoch, wie in einem anderen Gespräch Ihr Name fällt. Dieser sogenannte Cocktaileffekt besagt, dass Menschen auch in einem akustischen Chaos wesentliche Informationen herausfiltern können. Und was ist wesentlicher, als Dinge über sich selbst zu erfahren. Entsprechend dem großen Interesse der meisten Menschen an der eigenen Person gibt es tausende von sozialpsychologischen Studien, die sich mit dem Thema Selbst befasst haben. Das Selbst umfasst verschiedene Facetten. In diesem Kapitel gehen wir auf drei von ihnen ein. Und zwar besprechen wir das Wissen über sich selbst (Selbstkonzept), die Bewertung der eigenen Person (Selbstwert) sowie die Kontrolle über das eigene Handeln (Selbstregulation).
Das Selbstkonzept kann als der Inhalt unseres Selbst aufgefasst werden. Es beinhaltet unser gesamtes Wissen über unsere eigene Person. Man nimmt sich beispielsweise als politisch interessiert, extravertiert und gutmütig wahr. Da es für die meisten von uns nichts Wichtigeres gibt als die eigene Person, geht man davon aus, dass andere Personen einen selbst ebenfalls aufmerksam betrachten und das eigene Erscheinungsbild intensiv studieren.
Sie sind auf eine Party eingeladen und überlegen, was Sie anziehen. Sie haben sich für ein bestimmtes Kleidungsstück entschieden, kommen aber ins Grübeln, wie Ihre Freunde Ihre Kleidungswahl finden werden, und probieren noch andere Kleidungsstücke an. Nach vielfachem Hin und Her gehen Sie endlich zur Party, jedoch voller Sorge, ob Ihre Kleidung das Wohlwollen der anderen Partygäste erfährt. Nur, achten andere tatsächlich so aufmerksam darauf, welche Kleidung Sie tragen?