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INHALT

Buch 1: Drechseln
wie die Profis

Das Praxisbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene: Die schönsten Drechselprojekte Schritt für Schritt erfolgreich fertigstellen

Tobias Bergstein

Vorwort

Sie haben schon immer bewundert, wie Bekannte oder Freunde von Ihnen in ihrer eigenen Handwerkskammer die schönsten Gegenstände eigenhändig herstellen? Sie möchten auch einsteigen in den Club der Hobbyhandwerker und in Zukunft Gegenstände für Ihr Eigenheim oder für Freunde herstellen? Oder haben Sie gar schon etwas Handwerkserfahrung und möchten diese nur etwas auffrischen oder erweitern? In diesem Handbuch finden Sie bestimmt, was Sie suchen. Ob bereits Hobbyhandwerker oder kompletter Einsteiger – der Einstieg ins Drechseln ist etwas für jedermann.

Handwerk hat eine lange Tradition – zu Zeiten, in denen Maschinen noch nicht erfunden waren, gab es schließlich keine andere Möglichkeit, wichtige Gebrauchsgegenstände selbst herzustellen. Und auch heute gibt es professionelle Handwerker, die die schönsten und individuellen Alltagsgegenstände herstellen. Solche Gegenstände haben stets etwas Persönliches und Authentisches. Und noch deutlicher ist dies, wenn Sie Ihr Handwerk nicht vom Profi fertigen lassen, sondern in Ihrer eigenen Werkstatt herstellen. Es gibt einen persönlichen Weg, Ihr Eigenheim etwas aufzufrischen oder besonders schöne Geschenke für Freunde und Familie zu besorgen. Und mit ein wenig Übung werden Sie ganz schnell den richtigen Dreh raushaben – den sprichwörtlichen und den tatsächlichen. Denn beim Drechseln geht es schließlich um das Bearbeiten eines Materials durch Drehen. Eine besonders vielfältige Methode, Holz und eine Vielzahl anderer Materialien in Form zu bekommen.

Also zögern Sie nicht lange und starten Sie Ihr eigenes Handwerksprojekt. In diesem Sinne: Viel Erfolg und Freude mit diesem Buch.

Einleitung

Dieses Buch soll Sie näher an das Handwerk des Drechselns bringen. Dabei handelt es sich um eine Handwerksmethode, die Drehbewegungen benutzt, um das Materialstück zu bearbeiten. Ursprünglich wurde vorrangig Holz genutzt, jedoch gibt es viele Materialien, die sich für das Drechseln eignen. Entsprechend vielseitig ist auch das Handwerk selbst. Lernen Sie daher in diesem Buch alles über die verschiedenen Anwendungsmethoden und die Materialien, die Sie verwenden können. Ihnen werden außerdem die wichtigsten Werkzeuge vorgestellt, die Sie zum Drechseln benötigen. Womöglich haben Sie ja zuhause schon eine kleine Werkstatt und einen Grundstock an Werkzeugen – umso besser. Falls nicht, keine Sorge: Die Grundausstattung ist sehr übersichtlich und leicht zu beschaffen.

Außerdem finden Sie in diesem Buch praktische Anleitungen für Ihre ersten Probewerke. Lernen Sie Schritt für Schritt, wie Sie erste Gegenstände selbst drechseln und wie Sie nach und nach besser werden.

Ein paar simple Projekte erleichtern den Einstieg – später können Sie dann kompliziertere Werke wagen. Anfangen werden Sie vermutlich mit Holz, dem nach wie vor beliebtesten Material im Drechslerhandwerk. Daher gibt es im Anhang als Bonus noch einige wertvolle Tipps zur Nachbehandlung und Pflege von Holz. Schließlich möchten Sie Ihre Werke auch langfristig schön und glänzend erhalten. Sie werden aber auch andere Materialien kennenlernen.

Alles in allem soll dieses Buch den Einstieg ins Drechslerhandwerk erleichtern und Sie bestmöglich auf die ersten Werke vorbereiten. Schon bald werden Sie allerlei schöne Dinge fertigen können. Das notwendige Hintergrundwissen wird die Arbeit um einiges einfacher machen. Am Ende der Lektüre können Sie sich sicherlich an einigen ersten Arbeiten erfreuen. Überraschen Sie Ihre Liebsten doch mit selbstgefertigten Geschenken oder personalisieren Sie Ihren eigenen Haushalt. Vielleicht möchten Sie aber auch nur handwerken um des Handwerkens Willen – Handarbeit in jeglicher Form kann schließlich auch einfach nur Freude machen oder sogar etwas Meditatives haben. In jedem Fall werden Sie am Ende dieser Lektüre alle notwendigen Basisinformationen erhalten haben.

Also, worauf warten Sie noch? Los geht’s!

Ein Handwerk mit Tradition

Drechseln ist ein Handwerk mit langer Tradition. Seine Geschichte geht weit, beinahe bis zum Beginn der Menschheitsgeschichte, zurück. Erfahren Sie in diesem Kapitel alles über die Hintergründe und die Entstehung des Drechselns sowie über den Wandel seiner Nutzung im Laufe der Zeit.

DIE GESCHICHTE UND TRADITION DES DRECHSELNS

Als Drechseln wird ein Handwerk bezeichnet, bei dem, wie in der Einleitung schon erwähnt, das Material auf eine bestimmte Art gedreht wird. Durch diese Drehung gelingt eine besondere Art der Bearbeitung, die eine feinere und damit auch meistens bessere Bearbeitung und Erschaffung bestimmter Formen (insbesondere Rundungen) ermöglicht.

Die Drehbewegung als Anwendungsmethode hat sich schon zu Urzeiten in vielerlei Hinsicht bewiesen. Die Neandertaler entdeckten, dass das Drehen von Gegenständen ganz neue Möglichkeiten aufbringen kann, als sie anfingen, mit einem runden Holzstab Feuer zu machen. Dieses Stück Holz wurde in die Vertiefung eines anderen Holzstückes gesetzt, daneben andere brennbare Materialien platziert, wie etwa ein Feuerschwamm oder Zunder, und dann wurde er schnell zwischen den Händen hin und her gedreht. Durch das schnelle Drehen und die dadurch entstandene Reibung entzündete sich das Brennmaterial und der Mensch hatte ein Feuer entfacht. Diesen runden Holzstab, der dabei als Werkzeug fungierte, nannte man später Feuerstab oder Feuerquirl. Sehr schnell erkannte der Mensch, dass diese Drehtechnik sich auch bei vielen anderen Gelegenheiten als hilfreich erwies und er begann, mit Drehmethoden Werkzeuge und erste Gebrauchsgegenstände zu schaffen.

Drechseln ist die heutige Bezeichnung eben dieses Drehens zur Bearbeitung eines Werkstücks zur Fertigung von Gegenständen und Werkzeugen. Beim Drechseln, wie man es auch heute kennt, wird das Werkstück auf einer Achse eingespannt, die sich mit großer Geschwindigkeit um sich selbst dreht. Der Handwerker, Drechsler genannt, bearbeitet das Werkstück nun mit einem sogenannten Drechseleisen. Holz ist dabei das meist verwendete Arbeitsmaterial, jedoch eignen sich auch eine Reihe anderer Rohstoffe zur Bearbeitung auf dem Drechselgerät. Ein solches erstes Drechselgerät ist schon seit über 3500 Jahren bekannt und damit eine altbewährte Technik. Das erste Drechselgerät der Welt entstand aus dem ersten mechanischen Gerät der Menschheitsgeschichte, dem sogenannten Fiedelbohrer. Mit dem Fiedelbohrer wurde das Werkstück in eine Vorrichtung gebracht und mit einer freien Hand Druck auf den damals noch senkrecht stehenden Bohrer ausgeübt. Dadurch wurde eine insgesamt schnellere Drehbewegung erzeugt. Anschließend konnten die Gegenstände mit einem Metallmesser weiterverarbeitet werden. Erste frühe Darstellungen eines solchen Fiedelbohrers finden sich bereits in altägyptischen Grabstätten in Form von Bildern. Diese sind wahrscheinlich um das Jahr 2650 v. Chr. entstanden. Jahre später wurde die Drehachse aus der senkrechten in die horizontale Ebene verlagert.

Der älteste Fund eines fertig gedrechselten Werkes stammt etwa aus dem frühen 7. Jahrhundert v. Chr. Gefunden wurde es im damaligen Corneto (heute Tarquinia), einer Stadt in Mittelitalien. Damals lebten die Etrusker in diesen Gegenden, die bereits sehr geschickt im Handwerk allgemein und gerade auch im Drechseln waren und damit allerlei schöne Schalen und sogar Möbelfüße herstellen konnten. Auch heute noch ist die Stadt Tarquinia bekannt für ihre etruskischen Ausgrabungsstätten. Über die nachfolgenden Kelten kam das Handwerk des Drechselns schließlich auch in die nördlichen Gebiete des heutigen Europas. Im 3. Jahrhundert v. Chr. lässt sich das Drechslerhandwerk auch in Deutschland nachweisen.

Auf diese raffinierte Art und Weise verarbeitete man damals vorrangig, aber nicht ausschließlich Holz. Viele andere Materialien konnten bereits mithilfe der frühen Drechselgeräte in runde Formen gebracht werden. Dazu gehörten etwa Kalkstein, Sandstein, Knochen, Bernstein und sogar Bronze, Marmor und Elfenbein. Letztlich konnte man beinahe alle härteren Materialien, die sich zur Herstellung von Werkzeugen oder Gebrauchsgegenständen eigneten, auf der Drechselvorrichtung verarbeiten. Auch in Zeiten, in denen die Handwerkskunst noch weit am Anfang war, konnte man auf diese Art sogar dünnwandige und feine Gefäße herstellen und allerlei andere elegante Gegenstände. Insgesamt wurde Drechseln sehr viel verwendet, da es sich um eine ebenso einfache wie effektive und vielseitige Arbeitstechnik handelte und weil man damit im Prinzip alles herstellen konnte, was im damaligen Alltag gebraucht wurde.

Die ursprüngliche Verbreitung des Drechslerhandwerks fand also zunächst im alten Ägypten (und vermutlich auch in anderen afrikanischen Regionen) statt und breitete sich weit in Europa aus. Doch die Spuren führen auch in andere Teile der Welt – so lassen sich frühe Anzeichen des Handwerks etwa auch bis nach Kleinasien verfolgen.

Funde in Form von tatsächlichen Werken oder Drechselvorrichtungen fehlen übrigens leider aus dem alten Ägypten vollkommen. Die Funde hier beschränken sich auf Inschriften und Bilder. Diese zeigen jedoch ganz klar damalige Handwerker bei ihrer Arbeit an der Drechselvorrichtung, sodass man eindeutige Hinweise auf die frühe Nutzung des Drechselns in diesen Regionen hat.

Das Drechseln kam im Laufe der Zeit auch zu den alten Griechen. Dort war es wahrscheinlich seit der archaischen Zeit bekannt. Die Archaik bezeichnet eine Zeitepoche im alten Griechenland, etwa zwischen 800 und 500 v. Chr. Wahrscheinlich von den alten Griechen übernommen, kam das Drechseln schließlich auch zu den Römern. Diese sind ebenfalls bekannt für gute Handwerkskunst und prachtvolle Gegenstände wie Werkzeuge, Waffen oder die beliebten Kelche. Bei den Römern waren daher Metalle meist die bevorzugten Arbeitsmaterialien, Holz wurde nur zweitrangig verarbeitet. Häufig wurden zunächst gegossene Werke zur weiteren Verarbeitung auf die sogenannte Drechselbank, also die Drechselvorrichtung, gebracht. Damit wurde ihnen der letzte Feinschliff bzw. eine besonders elegante Form gegeben. Übrigens nutzt auch die bei den Römern ebenfalls beliebte Töpferscheibe die Drehbewegung zur Herstellung eleganter und runder Formen.

Eine weitere historische Gruppe, die sich das Drechseln zu Nutze machte, ist die Bevölkerung germanischer Stämme. Als die Germanen begannen, sich in ganz Europa immer weiter auszubreiten, brachten auch sie das Drechseln in alle möglichen Regionen. Aus diesen Zeiten finden sich heute zahlreiche Werke und Bildschriften, die von dem Drechslerhandwerk zeugen.

Das Drechseln verbreitete sich also im Laufe der Zeit über alle möglichen Regionen und durch eine Vielzahl von historischen Bevölkerungskreisen. In den folgenden Jahrhunderten veränderte es sich nur noch ein wenig – die Werke bekamen teilweise andere Gestalten, die bevorzugten Materialien änderten sich hier und da und die Drechselvorrichtung verbesserte sich. So entstand etwa zur Zeit des 13. Jahrhunderts n. Chr. eine neue Form der Drehbank, die das Arbeiten noch effektiver machte, die sogenannte Wippdrehbank. Diese neue Bank sorgte durch ein Pedal, das unten an der Drehbank mit dem Fuß bedient wurde, dafür, dass der Drechsler fortan beide Hände frei hatte, um das Werkstück zu halten und zu drehen. Die Arbeit wurde außerdem von da an im Stehen verrichtet, was auf lange Sicht auch eine deutlich bequemere Arbeitsweise war. Die früheste Darstellung einer solchen Wippdrehbank stammt aus einer französischen Handschrift aus dem 13. Jahrhundert n. Chr., obgleich man jedoch annimmt, dass es sie schon wesentlich länger gibt. Auch diese Wippdrehbank wurde jedoch im späteren Zeitalter, etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts n. Chr., noch einmal verbessert. Statt einer elastischen Stange wurde nun ein richtiger Bogen aus Holz oder sogar aus elastischem Stahl eingesetzt. Eine Darstellung einer solchen verbesserten Drehbank gibt es sogar vom berühmten Künstler Leonardo da Vinci (1452-1519), der bekannt für seine Darstellungen von Anatomie und früher Maschinerie ist. Durch diesen neuen Bogen entstand eine größere Spannung, die es wiederum ermöglichte, auch größere Werkstücke und schwere Materialien wie Eisen zu drehen.

Über viele Jahrhunderte war das Drechseln also eine weitverbreitete und bewährte Methode zur Verarbeitung verschiedenster Materialien – und lange auch ein eigenständiges anerkanntes Handwerk. Etwa zur Zeit der Renaissance aber wurde das Drechseln in die Handwerke der Schreinerei und des Schnitzens eingegliedert. Eigenständiges Drechseln bzw. eigenständige Drechsler gab es danach kaum noch. Die Methode allerdings wurde weiterhin zur Verarbeitung und Herstellung verschiedener Werke genutzt – nur eben nicht mehr als eigenständiges Handwerk. In den nachfolgenden Zeitaltern erfreute sich das altbekannte Handwerk mal größerer, mal schwächerer Beliebtheit. Ganz verloren ging es jedoch nie, schließlich waren seine Einsatzmöglichkeiten nach wie vor groß und vielfältig. Einzig und allem zum Ende des 18. Jahrhunderts n. Chr. erfuhr es einen solchen Abfall, dass es beinahe verloren ging, erlebte jedoch bald darauf im sogenannten Jugendstilzeitalter wieder einen neuen größeren Aufschwung. Dieser Aufschwung kam zunächst im professionellen Handwerksbereich, bald darauf aber auch im Freizeithandwerk. Diese Entwicklung lässt sich auch heute noch gut erkennen: Sowohl beim berufsmäßigen Schreiner und Schnitzer als auch beim tatsächlichen Drechsler – Drechseln ist im professionellen Handwerk nicht wegzudenken. Aber auch unter den Hobbyhandwerkern erfreut es sich wieder großer Beliebtheit.

Heute wird bei der Technik des Drechselns aufgrund modernerer Maschinen zwischen Handdrehen und Automatikdrehen unterschieden, wobei das neuere Automatikdrehen vermehrt für Metallarbeiten genutzt wird. Hingegen findet das altbekannte Handdrehen eher bei Holzarbeiten seinen Einsatz. Die Drehbänke, die für die reine Holzverarbeitung gemacht wurden, sind meistens ein wenig leichter als diejenigen, die sich auch für die entsprechend schwereren Werkstücke etwa aus Metall eignen sollen. Zu den verschiedenen Drehbänken jedoch im späteren Verlauf mehr. Erfahren Sie zuvor noch ein wenig über den Wandel, den das Drechseln im Laufe der verschiedenen Zeitalter miterleben durfte – im folgenden Abschnitt wird Ihnen veranschaulicht, wie verschieden die Einsatzgebiete über die Jahrhunderte waren.

DRECHSELN IM WANDEL DER ZEIT

Sie wissen nun, dass Drechseln eine lange Erfolgsgeschichte hat. Das Handwerk war zu vielen Zeiten beliebt und vielfach genutzt. Die Vielfalt der verwendeten Materialien ist groß und die Diversität der gedrechselten Werke nahezu noch größer. Von Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen abgesehen, wurden in einigen Zeitaltern auch Möbel hergestellt und später sogar notwendige Präzisionsteile, wie man sie für erste Maschinen und Motoren benötigte (etwa die Dampfmaschine). Dabei gab und gibt es verschiedene Techniken im Drechselbereich. Je nach Zielsetzung wurde das Material entweder quer oder längs zu seiner Faserrichtung gedreht, es wurde einseitig oder zweiseitig eingespannt und mit diversen und unterschiedlich geformten Dreheisen bearbeitet. Die verschiedenen Techniken werden Ihnen im Laufe dieses Buches auch noch vorgestellt.

Betrachtet man die Geschichte des Drechselns noch ein wenig genauer, fällt jedoch auf, dass das Drechseln zwischendurch nicht mehr nur reines Handwerk zur Anfertigung von Gebrauchsgegenständen war. Dies begann in etwa zur Barockzeit. Das Drechseln an sich erfreute sich zu dieser Zeit immer noch größter Beliebtheit – womöglich mehr als je zuvor und je danach. Doch es wurde nicht mehr ausschließlich als Handwerk betrachtet, das eher für die einfacheren Bürger da war, sondern vielmehr als eine Art Kunst.

Damit wurde das Drechseln zum barocken Zeitalter sogar hoffähig. Fürste, Zaren, Päpste und sogar Kaiser und Könige gingen nun selbst unter die Drechsler. Sie fertigten eigenhändig zahlreiche elegante Kunst- und Gebrauchsgegenstände an – so beschäftigte sich der Adel sogar mehrere Jahrhunderte. Drechseln war plötzlich kein notwendiges Werken mehr, um notwendige Gebrauchsgegenstände herzustellen, es war Kunst und damit eines der beliebtesten Hobbys der Aristokraten. Gerade zur damaligen Zeit war dies eine große Besonderheit, da doch zumeist Handarbeit in jeglicher Form und aristokratisches Leben als miteinander unvereinbar galten. Natürlich heißt das nun auch nicht, dass der Adel fortan alle notwendigen Haushaltsgegenstände selbst zimmerte, vielmehr drechselte er Kunst- und Dekorationsgegenstände.

Eigentliche Gebrauchsgegenstände oder gar Werkzeuge wurden weiterhin von den einfachen Handwerkern hergestellt. Selbst die Gegenstände, die ursprünglich mit einem speziellen Nutzen erfunden und angefertigt wurden, wie etwa Trinkpokale, wurden zunehmend dünnwandig und kurvig, gedreht und geschraubt, bis der eigentliche Nutzen vollkommen verloren ging oder sogar teilweise gar nicht mehr zu erkennen war. Aus einfachen Kelchen zum Trinken wurden vornehme Trinkpokale mit allerlei Verzierung und schließlich Trinkpokale, die so dünnwandig waren, dass man aus ihnen gar nicht mehr trinken konnte, ohne Gefahr zu laufen, sie augenblicklich zu zerbrechen. Der Gebrauchswert der Gegenstände ging völlig verloren, der künstlerische und dekorative Wert stieg. Zudem wurden vermehrt edle Materialien wie Edelmetalle und Elfenbein verwendet. Einfaches Holz passte nicht zum aristokratischen Luxus, edle weiße, glatt polierte Oberflächen und glänzender Schimmer hingegen schon. Und sogar die Drechselbänke selbst wurden in diesem Zeitalter luxuriöser. Sie wurden edler gestaltet und sogar verziert, denn auch eine einfache Holzbank passte nicht zum sonst so prunkvollen Lebensstil der Adligen. So kann man heute in einigen Überresten vergangener Aristokratie auch Sammlungen von ebendiesen prunkvollen Drechselbänken und der mit ihnen hergestellten Werke finden.

Neu in diesem Zeitalter waren außerdem die sogenannten Vieleckdrehbänke und die Ovaldrehbänke. Beides waren neue Varianten der einfachen Drechselbank, die durch eine besondere Steuerung erstmals Abweichungen von den ursprünglich runden Formen ermöglichten.

So driftete das Drechseln im Laufe der Zeit immer weiter in den künstlerischen Bereich und vom eigentlichen handwerklichen Ursprung ab. Etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts n. Chr. war das Drechseln so weit in Richtung Kunst gedrängt worden, dass sich nunmehr fast ausschließlich künstlerische Kuriositäten unter den gedrechselten Werkstücken befanden – von Alltags- und Gebrauchsgegenständen keine Spur mehr. Je weiter dieser Prozess voranschritt, desto mehr wandten sich auch die letzten Handwerker vom Drechseln ab. Mit diesem Abfall verlor das Drechseln allgemein an Bedeutung. Die zunehmende künstlerische Ausweitung verlor schließlich irgendwann auch ihr Ansehen, sodass mit dem Ende der barocken Zeit auch das Drechseln einen seiner wohl größten Tiefpunkte erreicht hatte und beinahe in Vergessenheit geriet. Erst Ende der modernen 70er Jahre kam das Drechseln wieder mehrfach als eigentliches Handwerk zum Einsatz. Seitdem erfreute es sich seines Gebrauchs wieder zahlreicher, bis etwa zur Zeit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung.

Im Laufe der Jahre verlor sich das Drechseln dann wieder ein wenig. Heutzutage ist es nicht mehr ganz so populär, befindet sich jedoch möglicherweise wieder in der Aufschwungphase. Es gibt eine Reihe von Vereinen, Hobbygruppen und Handwerkern, die sich heute wieder des Drechselns erfreuen. Das Drehen an sich in verschiedenen Techniken ist sowohl im Hobbybereich als auch im professionellen Bereich immer noch weit verbreitet. Diese Arbeitsmethoden sind für viele Werke unerlässlich. Doch die Nutzung einer altmodischen Drechselbank ist in einigen Bereichen wieder in den Hintergrund geraten.

Wenn Sie sich jedoch auf die Suche nach einer lokalen Hobbygruppe oder einem Kurs oder sogar einem Verein machen, werden Sie in der nächstgrößeren Stadt sicherlich fündig. Gerade im Süden Deutschlands scheinen wieder viele Hobbyhandwerker und Gruppen das Drechseln unter die Leute zu bringen. Außerdem gibt es einige bekannte Handwerkskünstler, die das Drechseln für die Herstellung einzigartiger Spielzeuge und Gegenstände nutzen. Dazu gehören zum Beispiel die beliebten Holzfiguren aus dem Erzgebirge. Durch das Drechseln werden auch bei kleinen Figuren wichtige Grundformen wie Körper, Arme und Beine sowie andere Teile der Gestalten erarbeitet. Diese Erzgebirgskunst ist in ganz Deutschland bekannt und gerade zur Weihnachtszeit äußerst beliebt. Sie finden die Figuren auf nahezu jedem größeren Weihnachtsmarkt.

Und auch beim professionellen Schreiner und Schnitzer rückt das Drechseln langsam wieder mehr in den Vordergrund. Drechseln ist also insgesamt wieder näher an seiner ursprünglichen Bestimmung – dem Handwerk zur Fertigung von Alltags- und Gebrauchsgegenständen. Von den barocken Kuriositäten, die leider auch zum Untertauchen des Drechselns beitrugen, ist heute eher nicht mehr viel übrig. Auch wenn die berühmten Erzgebirgsfiguren schon als eigene Kunst betrachtet werden können, ist hier das eigentliche Handwerk klar im Mittelpunkt. Das mag auch an unserem modernen Zeitalter liegen, in denen der Gebrauchswert wieder einen höheren Stellenwert hat als in der Barockzeit, in der Kunst und Schönheit gerade für den Adel wichtiger waren.

Eine besonders beliebte Nutzung des Drechselns ist übrigens auch heute noch die Spielzeugherstellung. Spielzeuge wurden schon zu alten Zeiten gerne durch das Drechseln hergestellt – eines der wohl beliebtesten ist der Kreisel, der seinen Weg durch viele Jahrhunderte und Kulturen geschafft hat, und zwar so vielfältig, dass man heute nicht einmal mehr sagen kann, wo sein Ursprung liegt – Rom, Japan, China, Ägypten und weitere.

Als Hobbyhandwerker können auch Sie fortan die verschiedensten Gegenstände für Ihren Alltag herstellen. Einige Handwerker drechseln mitunter sogar Urnen für die Asche Verstorbener. Der Umgang mit dem Tod ist zwar ein sehr Persönlicher, doch dem ein oder anderen scheint es sogar zu helfen, ein wenig Handarbeit und etwas Persönliches einzubringen und durch den physischen Arbeitsprozess auch den mentalen Verarbeitungsprozess zu unterstützen. Ein wenig fröhlicher mag die Fertigung von Spielwaren für die eigenen Kinder sein. Auch persönliche Weihnachtsgeschenke sind ein glänzender Anlass. Oder machen Sie sich selbst eine Freude und drechseln Sie Gebrauchsgegenstände für Ihre Wohnung. Heutzutage wird auch wieder vermehrt der Fokus auf die Bearbeitung von Holz gelegt anstatt auf Metalle oder andere Materialien. Insbesondere beim Hobbyhandwerker ist Holz das beliebteste Material. Es hat auch den entscheidenden Vorteil, dass es im heutigen Zeitalter besonders einfach zu bekommen und dass es dazu noch ein besonders nachhaltiger Rohstoff ist.

Am Ende dieses Buches sollten Sie alle notwendigen Informationen haben, um Ihre ersten Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Sie werden schnell selbst merken, wie vielseitig die Einsatzmöglichkeiten Ihrer Drechselbank sind, und mit ein wenig Übung gelingen Ihnen sicherlich auch die verschiedensten Werke – obgleich Sie Alltags- und Gebrauchsgegenstände für Ihren eigenen Haushalt herstellen oder sich doch lieber an künstlerische Figuren und elegante Dekorationsartikel wagen möchten. Womöglich möchten Sie sogar Ihre eigenen Möbel bauen? In Ihrer eigenen Handwerkskammer setzen allein Sie die Grenzen.

Werkzeugkunde

Ohne das richtige Werkzeug funktioniert natürlich kein Handwerk. Bevor Sie loslegen können, ist es hilfreich, sich einen Überblick über die Werkzeuge, die Sie zum Drechseln benötigen, zu verschaffen. Das Wichtigste wird natürlich die Beschaffung einer Drechselbank sein (es sei denn, Sie können die eines befreundeten Handwerkers oder einer Hobbygruppe mitnutzen). Drechselbänke gibt es zahlreiche verschiedene – darunter Modelle für den Einstieg, für Fortgeschrittene, für größere oder kleinere Arbeiten, für die Verarbeitung verschiedener Materialien usw. Ein wenig verwirrend kann dies am Anfang schon sein, doch keine Sorge: Nachdem Sie einen kurzen Überblick bekommen haben, werden Sie sich sicherlich schnell für die für Sie am besten geeignete Bank entscheiden können.

Genauso verwirrend kann am Anfang die Vielzahl der möglichen Einsätze und zusätzlichen Werkzeuge sein. Lassen Sie sich davon jedoch nicht entmutigen. Auch hier ist lediglich ein erster Überblick entscheidend. Gerade für den Einstieg brauchen Sie schließlich auch nicht die teuersten und vielfältigsten Werkzeuge. Eine Grundausstattung für den Anfang kann sehr übersichtlich sein und ist dennoch vollkommen ausreichend.

Daher erhalten Sie in diesem Kapitel eine grundlegende Übersicht über die wichtigsten Werkzeuge und alles Wissenswerte über den Kauf einer Drechselbank. Die Liste ist natürlich lange nicht abschließend, enthält jedoch alle notwendigen Informationen für den Einstieg. Für Ihre allerersten Arbeiten an der Drechselbank brauchen Sie auch nicht alles, was Sie in diesem Kapitel finden – nehmen Sie sich daher ruhig Zeit, in Ruhe zu schauen, welche Werkzeuge tatsächlich unabdingbar sind, und überlegen Sie, welche Arbeiten Sie zunächst anfertigen möchten. Oder haben Sie schon genau im Kopf, was Ihr erstes Werk sein soll? Umso besser. Schauen Sie, welche Werkzeuge zur Anfertigung dieses Gegenstandes hilfreich sind – der passende Gebrauch der Werkzeuge wird Ihnen ebenfalls in diesem Kapitel erklärt.

Und behalten Sie immer im Hinterkopf: Es schadet nicht, zunächst mit einem sehr überschaubaren Grundstock anzufangen. Wenn Ihnen die ersten Arbeiten dann geglückt sind, können Sie Ihren Grundstock nach und nach um weitere Werkzeuge oder Einsätze für die Drehbank erweitern.

Eine Übersicht des wichtigsten Zubehörs:

  1. Drechselbank mit Planscheibe, Spannfutter und Einschlagfutter
  2. Flachmeißel
  3. Abstechstahl
  4. Verschiedene Röhren
  5. Schlichtstahl, Ausdrehstahl und Plattenstahl
  6. Haken und Ringeisen

DIE ZWEI WICHTIGSTEN DREHARTEN
BESTIMMEN IHR WERKZEUG

LangholzdrehenQuerholzdrehen