Große Texte der Christenheit
7
Herausgegeben von
Dietrich Korsch und Johannes Schilling
Martin Luther
Geistliche Lieder
Nach dem
Babstschen Gesangbuch 1545
Herausgegeben
und kommentiert
von Johannes Schilling
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Cover: makena plangrafik, Leipzig
Satz: Druckerei Böhlau, Leipzig
E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2019
ISBN 978-3-374-05852-5
www.eva-leipzig.de
ORDINI THEOLOGORVM VNIVERSITATIS HAFNIENSIS
OB DIGINITATEM DOCTORIS THEOLOGIAE HONORIS CAUSA
ANNO MMXVII SIBI OBLATAM
GRATO ANIMO HUNC LIBRVM DEDIT QUI SCRIPSIT
Martin Luthers geistliche Lieder sind ohne Zweifel große Texte der Christenheit. Sie gehören zu den wirkungsvollsten und lebendigsten Zeugnissen seines Glaubens und seiner Theologie und sind seit Jahrhunderten Christenmenschen in aller Welt zu einer Singschule des Glaubens geworden. In einer Reihe wie der unseren können und dürfen sie daher nicht fehlen.
Der schönste Zugang zu diesen Liedern geschieht im Singen, denn dazu sind sie bestimmt. Wer sie aber, wie durch diese Ausgabe, lesend aufnimmt, lese sie laut – die Schreibweise der hier gebotenen Quelle ist gegenüber den Ausgaben der Lieder aus den 1520er Jahren weit fortgeschritten und ermöglicht auch gegenwärtigen Lesern einen leichten Zugang.
Die vorliegende Ausgabe bietet Luthers Lieder in den Fassungen des letzten zu seinen Lebzeiten erschienenen Gesangbuchs, des „Babstschen Gesangbuchs“ von 1545, das der Leipziger Druckerverleger Valentin Babst in diesem Jahr herausgab und zu dem Luther eine neue Vorrede verfasste.
Babsts Gesangbuch erschien mit Noten. Unsere Ausgabe bietet Luthers Lieder dagegen ohne Noten. Die meisten Melodien sind mit den Liedern im Evangelischen Gesangbuch greifbar. Außerdem ist vor drei Jahren eine Ausgabe der Lieder mit Noten erschienen: Martin Luther, Die Lieder. Hrsg. von Jürgen Heidrich und Johannes Schilling. Stuttgart 2016. In dieser Ausgabe finden sich neben den Melodien auch weitere Angaben zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der einzelnen Lieder.
Die vorliegende Ausgabe unterscheidet sich von der von 2016 vor allem dadurch, dass hier auf eine einzige, und zwar die letzte authentische Quelle zu Lebzeiten Luthers zurückgegriffen wird. Damit haben alle, die sich mit Luthers Liedern befassen wollen, eine verlässliche Textausgabe. Eine kritische Gesamtausgabe von Luthers Liedern fehlt bisher. Eine solche wäre durchaus wünschenswert, würde aber ausdrücklich wissenschaftliche Ziele verfolgen; hier steht, ohne Einschränkung der historischen Genauigkeit, der geistliche Charakter der Lieder im Mittelpunkt.
Anders als bei größeren zusammenhängenden Texten in unserer Reihe müssen die Erläuterungen zu diesem Band einerseits generelle und andererseits für die jeweiligen Texte spezifische Fragen behandeln. Daher werden in einer Einführung Grundfragen von Luthers Liedschaffen erläutert. Was zum Verständnis der einzelnen Texte erforderlich ist, wird anschließend zu den einzelnen Liedern geboten. Dankbar habe ich dabei die reiche wissenschaftliche Literatur, insbesondere die Beiträge in der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, benutzt, ohne dass ich im einzelnen – oder nur in Ausnahmefällen - auf sie verweise. Das Literaturverzeichnis soll gleichwohl Wege zur eigenen Arbeit an den Liedern anregen.
Einen umfassenden Kommentar zu den Liedern möge man daher nicht erwarten. Nicht behandelt werden Fragen der Melodien der Lieder, ebenso wenig solche der poetischen Machart der Dichtungen. Eingegangen wird dagegen auf ihre Entstehung und Verbreitung, auf ihre biblischen Vorlagen und Hintergründe und auf Zusammenhänge innerhalb von Luthers Schriften. Ein „theologischer Kommentar“ schiene mir deshalb zu hoch gegriffen für diese Erläuterungen; erstrebt habe ich vielmehr so etwas wie eine theologisch informierte Anleitung zum Lesen und auch zum Singen der Lieder. Dass Art und Umfang der Kommentierungen unterschiedlich ausgefallen sind, ist (auch) den Texten und ihrer Verbreitung geschuldet. Und manche Themen kommen in mehreren Liedern vor und werden doch nicht in jedem Falle kommentiert.
Die Ausgabe ist für ein möglichst großes Publikum bestimmt. Man kann deshalb nur die Texte und Erläuterungen zur Kenntnis nehmen; es gibt aber da und dort auch Beiträge zur Forschung, die für den einen oder die andere von Interesse sein könnten. Und wo die Quellen des 16. Jahrhunderts digital verfügbar sind, habe ich ausdrücklich darauf hingewiesen. Die Zählung der Lieder folgt der Zählung der Quelle.
Ich danke meinem Mitherausgeber und Freund Dietrich Korsch und meinem Bruder Christoph Schilling, Pfarrer i. R. in Wächtersbach und selbst Dichter geistlicher Lieder, für die fortlaufende Lektüre meiner Entwürfe und für zahlreiche Anregungen, die ich gern aufgenommen habe. Die gemeinsame Arbeit mit Jürgen Heidrich wirkt auch in dieser Ausgabe nach.
Die Zusammenarbeit mit Barbara Böhlau war eine Freude. Mein Sohn Konrad Schilling hat mir bei den Korrekturen geholfen. Und meine Mitarbeiterin Brinja Bauer M. Ed. hat mich, wie seit langem, auch bei den Arbeiten an diesem Büchlein unterstützt. Nicht zuletzt danke ich allen, die in vielen Jahren diese großen Texte mit mir gelesen und die Lieder mit mir gesungen haben, allen voran meiner Familie, meinen Studenten und den Besuchern der Universitätsgottesdienste in Kiel.
Das Buch ist als Zeichen meiner großen Dankbarkeit der Theologischen Fakultät der Universität Kopenhagen gewidmet, die mir im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 die Würde eines Ehrendoktors verliehen hat.
Kiel, im September 2019 |
Johannes Schilling |
Geystliche Lieder. Leipzig: Valentin Babst 1545
Cover
Titel
Impressum
Vorwort
ATexte
|
Vorrede |
1 |
Nun komm, der Heiden Heiland |
2 |
Christum wir sollen loben schon |
3 |
Gelobet seist du, Jesu Christ |
4 |
Vom Himmel hoch, da komm ich her |
5 |
Vom Himmel kam der Engel Schar |
6 |
Was fürchtst du, Feind Herodes, sehr |
7 |
Mit Fried und Freud ich fahr dahin |
8 |
Christ lag in Todesbanden |
9 |
Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand |
10 |
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist |
11 |
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott |
12 |
Nun bitten wir den Heiligen Geist |
13 |
Gott der Vater wohn uns bei |
14 |
Dies sind die heilgen Zehn Gebot |
15 |
Mensch, willst du leben seliglich |
16 |
Wir glauben all an einen Gott |
17 |
Vater unser im Himmelreich |
18 |
Christ, unser Herr, zum Jordan kam |
20 |
Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt |
21 |
Gott sei gelobet und gebenedeiet |
22 |
Ach Gott, vom Himmel sieh darein |
23 |
Es spricht der Unweisen Mund wohl |
24 |
Ein feste Burg ist unser Gott |
25 |
Es wolle Gott uns gnädig sein |
26 |
Wär Gott nicht mit uns diese Zeit |
27 |
Wohl dem, der in Gottesfurcht steht |
28 |
Aus tiefer Not schrei ich zu dir |
29 |
Jesaja dem Propheten das geschah |
30 |
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort |
31 |
Verleih uns Frieden gnädiglich |
32/33 |
Nun freut euch, lieben Christen gmein |
34 |
Sie ist mir lieb, die werte Magd |
35 |
Mitten wir im Leben sind |
36 |
Herr Gott, dich loben wir |
39 |
Ein neues Lied wir heben an |
63 |
Der du bist drei in Einigkeit |
80 |
Nun lasst uns den Leib begraben |
BErläuterungen
|
Einführung |
|
Vorrede |
1 |
Nun komm, der Heiden Heiland |
2 |
Christum wir sollen loben schon |
3 |
Gelobet seist du, Jesu Christ |
4 |
Vom Himmel hoch, da komm ich her |
5 |
Vom Himmel kam der Engel Schar |
6 |
Was fürchtst du, Feind Herodes, sehr |
7 |
Mit Fried und Freud ich fahr dahin |
8 |
Christ lag in Todesbanden |
9 |
Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand |
10 |
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist |
11 |
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott |
12 |
Nun bitten wir den Heiligen Geist |
13 |
Gott der Vater wohn uns bei |
14 |
Dies sind die heilgen Zehn Gebot |
15 |
Mensch, willst du leben seliglich |
16 |
Wir glauben all an einen Gott |
17 |
Vater unser im Himmelreich |
18 |
Christ, unser Herr, zum Jordan kam |
20 |
Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt |
21 |
Gott sei gelobet und gebenedeiet |
22 |
Ach Gott, vom Himmel sieh darein |
23 |
Es spricht der Unweisen Mund wohl |
24 |
Ein feste Burg ist unser Gott |
25 |
Es wolle Gott uns gnädig sein |
26 |
Wär Gott nicht mit uns diese Zeit |
27 |
Wohl dem, der in Gottesfurcht steht |
28 |
Aus tiefer Not schrei ich zu dir |
29 |
Jesaja dem Propheten das geschah |
30 |
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort |
31 |
Verleih uns Frieden gnädiglich |
32/33 |
Nun freut euch, lieben Christen gmein |
34 |
Sie ist mir lieb, die werte Magd |
35 |
Mitten wir im Leben sind |
36 |
Herr Gott, dich loben wir |
39 |
Ein neues Lied wir heben an |
63 |
Der du bist drei in Einigkeit |
80 |
Nun lasst uns den Leib begraben |
C Anhang
|
Zu Überlieferung und Edition |
|
Konkordanz |
|
Literatur |
|
Zeittafel |
|
Weitere Bücher |
|
Endnoten |
Vorrhede D. Mart. Luth.
5DEr xcvj. Psalm spricht / Singet dem HERRN ein newes lied /
Singet dem HERrn alle welt. Es war im alten testament vnter
dem Gesetz Mose / der Gottes dienst fast schwer vnd mhselig /
da sie so viel vnd mancherley Opffer thun musten / von allem
das sie hatten / beide / zu hause vnd zu felde / Welchs das
volck / so da faul vnd geitzig war / gar vngerne thet / oder alles
vmb zeitlichs geniesses willen thet. Wie der Prophet Maleachi
am j. sagt / Wer ist vnter euch der vmbsonst eine thr zuschliesse
/ oder ein liecht auff meinem Altar anznde? [Mal 1,10]
10Wo aber ein solch faul vnwillig hertze ist / da kan gar nichts /
oder nichts guts gesungen werden. Frlich vnd lustig mus hertz
vnd mut sein / wo man singen sol. Darumm hat Gott / solchen
faulen vnd vnwilligen Gottes dienst faren lassen / wie er daselbst
weiter spricht / Ich habe keine lust zu euch / spricht der
15HERR Zebaoth / vnd ewer speisopffer gefallen mir nicht von
ewern henden / Denn vom auffgang der Sonne bis zu yhrem nidergang
/ ist mein Name herrlich vnter den heiden / Vnd an allen
orten wird meinem Namen reuchwerck geopffert / vnd ein
rein speisopffer / Denn gros ist mein Name vnter den heiden /
20spricht der HERR Zebaoth. [Mal 1,10 f.]
Also ist nu im newen Testament ein besser Gotts dienst /
dauon hie der Psalm sagt / Singet dem HERRN ein newes
lied / Singet dem HERRN alle welt. [Ps 96,1] Denn Gott hat
vnser hertz vnd mut frlich gemacht / durch seinen lieben
25Son / welchen er fr vns gegeben hat zur erlsung von sunden
/ tod vnd Teuffel. Wer solchs mit ernst gleubet / der kans
nicht lassen / er mus frlich vnd mit lust dauon singen vnd
sagen / das es andere auch hren vnd herzukomen. Wer aber nicht
dauon singen vnd sagen wil / das ist ein zeichen / das ers
30nicht gleubet / vnd nicht ins new frliche Testament / Sondern
vnter das alte / faule / vnlustige Testament gehret.
Darumb thun die drucker sehr wol dran / das sie gute lieder
vleissig drucken / vnd mit allerley zierde / den leuten angeneme
machen / damit sie zu solcher freude des glaubens gereitzt
35werden / vnd gerne singen. Wie denn dieser druck Valtin
Babsts / sehr lustig zugericht ist / Gott gebe / das damit
dem Rmischen Bapst der nichts denn heulen / trawren vnd
leid in aller welt hat angericht / durch seine verdampte /
vntregliche vnd leidige gesetze / grosser abbruch vnd schaden
40geschehe / Amen.
Ich mus aber das auch vermanen / das lied / so man zum
grabe singet / Nu last vns den leib begraben / fret meinen
namen / aber es ist nicht mein / vnd sol mein name hinfurt
dauon gethan sein / Nicht das ichs verwerffe / denn es gefellet
45mir sehr wol / vnd hat ein guter Poet gemacht / genant
Johannes Weis / on das er ein wenig geschwermet hat am Sacrament
/ Sondern ich wil niemand sein erbeit mir zu eigen.
Vnd ym De profundis / sols also stehn / Des mus dich
frchten jederman. Ist versehen / oder ist vbermeistert / das
50fast in Bchern stehet / Des mus sich frchten jederman. Vt
timearis. Denn es ist Ebreisch geredt / wie Mat. xv. Vergeblich
frchten sie mich mit menschen lere. [Mt 15,9] Vnd Psal. xiiij.
vnd Psal. liij. Sie ruffen den HERRN nicht an / Da frchten
sie / da nicht zu frchten ist. [Ps 14,4 f.; Ps 53,5 f.] Das ist / sie
55knnen viel demut / bucken vnd tucken in jrem Gottes
dienst / da ich keinen Gottes dienst wil haben, Also ist hie
auch die meinung / Weil sonst nirgend vergebung der sunden
zu finden ist / denn bey dir / So mssen sie wol alle abgtterey
faren lassen / vnd thuns gern / das sie sich fr dir bucken /
60tucken / zum creutz kriechen / vnd allein dich in ehren halten
/ vnd zu dir zuflucht haben / vnd dir dienen / als die deiner
gnaden leben / vnd nicht jrer eigen gerechtigkeit etc.
3 fast sehr 34 denn denn als 46 on abgesehen davon, nur 47 erbeit / mir zu eigen Arbeit mir aneignen 49 vbermeistert verschlimmbessert 55 bucken und tucken bücken und beugen sich
I.
Der Hymnus / Veni redemptor gentium /
Durch D. Mart. Luther verdeutscht
NV kom der heiden Heiland /
der Jungfrawen kind erkand /
Das sich wunder alle welt /
Gott solch geburt jm bestelt.
5Nicht von mans blut noch von fleisch /
allein von dem heiligen Geist /
Ist Gottes wort worden ein mensch /
vnd blet ein frucht weibes fleisch.
Der Jungfraw leib schwanger ward /
10doch bleib keuscheit rein beward /
Leucht erfr manch tugend schon /
Gott da ward in seinem thron.
Er gieng aus der kamer sein /
dem knglichen saal so rein /
15Gott von art vnd mensch ein held /
sein weg er zu lauffen eilt.
Sein lauff kam vom Vater her /
vnd kert wider zum Vater /
Fuhr hinunter zu der hell /
20vnd wider zu Gottes stuel.
Der du bist dem Vater gleich /
fr hinaus den sieg im fleisch /
Das dein ewig Gottes gewalt /
in vns das kranck fleisch enthalt.
25Dein krippen glentzt hell vnd klar /
die nacht gibt ein new liecht dar /
Tunckel mus nicht komen drein /
der glaub bleibt imer im schein.
Lob sey Gott dem Vater thon /
30lob sey Gott seim einigen Son /
Lob sey Gott dem heiligen Geist /
imer vnd in ewigkeit / Amen.
2 der du als Kind der Jungfrau erkannt wirst 4 Gott bereitet ihm eine solche Geburt 8 und lebt als Frucht des Leibes einer Frau 22 vollbringe den Sieg als Mensch 24 in uns das schwache Fleisch erhalte
II.
Der Hymnus A solis ortu /
Durch Mart. Luther verdeutscht.
Der Deutsch text singt sich auch wol vnter
die latinischen noten.
CHristum wir sollen loben schon /
der reinen magd Marien Son /
So weit die liebe sonne leucht /
vnd an aller welt ende reicht.
5Der selig schpffer aller ding /
zog an eins knechtes leib gering /
Das er das fleisch durchs fleisch erwrb /
vnd sein geschpff nicht alls verdrb.
Die Gttlich gnad von himel gros /
10sich in die keusche Mutter gos /
Ein meidlin trug ein heimlich pfand /
das der natur war vnbekand.
Das zchtig haus des hertzen zart /
gar bald ein tempel Gottes ward /
15Die kein man rret noch erkand /
von Gotts wort sie man schwanger fand.
Die edle Mutter hat geborn /
den Gabriel verhies zuuorn /
Den Sanct Johans mit springen zeigt /
20da er noch lag in Mutter leib.
Er lag im hew mit armut gros /
die Krippen hart jn nicht verdros /
Es ward ein kleine milch sein speis /
der nie kein vglin hungern lies.
25Des himels Chr sich frewen drob /
vnd die Engel singen Gott lob /
Den armen hirten wird vermelt /
der Hirt vnd schpffer aller welt.
30Lob ehr vnd danck sey dir gesagt /
Christ geborn von der reinen magd /
Mit Vater vnd dem heiligen Geist /
von nu an bis in ewigkeit.
AMEN.
7 um die Menschen durch einen Menschen zu erlösen 8… nicht vollständig verderben sollte 11 eine junge Frau trug einen verborgenen Schatz 13 f. die keusche Wohnung eines zarten Herzens wurde sogleich zum Tempel Gottes 15 kein Mann berührt oder geschwängert hat 27 vermeldet, verkündigt
III.
Ein Lobgesang / von der geburt
vnsers HErrn Jhesu Christi.
D. Mart. Luther.
GElobet seistu Jhesu Christ /
das du mensch geboren bist /
Von einer Jungfraw das ist war /
des frewet sich der Engel schar /
5Kyrioleis.
Des ewigen Vaters einig kind /
itzt man in der krippen find /
In vnser armes fleisch vnd blut /
verkleidet sich das ewig Gut /
10Kyrioleis.
Den aller welt kreis nie beschlos /
der ligt in Marien schos /
Er ist ein kindlein worden klein /
der alle ding erhelt allein /
15Kyrioleis.
Das ewig liecht gehet da herein /
gibt der welt ein newen schein /
Es leucht wol mitten in der nacht /
vnd vns des liechtes kinder macht /
20Kyrioleis.
Der Son des Vaters Gott von art /
ein gast in der werlet ward /
vnd frt vns aus dem jamertal /
er macht vns erben in seim saal /
25Kyrioleis.
Er ist auff erden komen arm /
das er vnser sich erbarm /
Vnd in dem Himel machet reich /
vnd seinen lieben Engeln gleich /
30Kyrioleis.
Das hat er alles vns gethan /
sein gros lieb zu zeigen an /
Des frew sich alle Christenheit /
vnd danck jm des in ewigkeit /
35Kyrioleis.
4 darüber freut 11 der ganze Weltkreis nie fassen konnte 19 uns zu Kindern … macht 21 dem Wesen nach Gott 22 Welt 32 zu erweisen 33 darüber freue sich die ganze 34 dafür
IV.
Ein Kinderlied / auff die Weihenachten / vom kindlein
Jhesu / Aus dem ij. Cap. des Euangelij S. Lucas gezogen etc.
D. Mart. Luther.
VOm Himel hoch da kom ich her /
ich bring euch gute newe mehr /
der guten mehr bring ich so viel /
dauon ich singen vnd sagen wil.
5Euch ist ein kindlein heut geborn /
von einer Jungfraw auserkorn /
Ein kindelein so zart vnd fein /
das sol ewr freud vnd wonne sein.
Es ist der HERR Christ vnser Gott /
10der wil euch frn aus aller not /
Er wil ewr Heiland selber sein /
von allen sunden machen rein.
Er bringt euch alle seligkeit /
die Gott der Vater hat bereit /
15das jr mit vns im himelreich /
solt leben nu vnd ewigleich.
So mercket nu das zeichen recht /
die krippen / windelein so schlecht /
Da findet jr das Kind gelegt /
20das alle welt erhelt vnd tregt.
Des lasst vns alle frlich sein /
vnd mit den hirten gehen hinein /
Zu sehen was Gott vns hat beschert /
mit seinem lieben Son verehrt.
25Merck auff mein hertz vnd sich dort hin /
was ligt doch in dem krippelin /
Wes ist das schne kindelin /
es ist das liebe Jhesulin.
Bis willekom du edler gast /
30den Sunder nicht verschmehet hast /
Vnd kmpst ins elend her zu mir /
wie sol ich imer dancken dir?
Ah HERR du schpffer aller ding /
wie bistu worden so gering /
35Das du da ligst auff drrem gras /
dauon ein rind vnd esel ass.
Vnd wer die welt viel mal so weit /
von edel stein vnd gold bereit /
so wer sie doch dir viel zu klein /
40zu sein ein enges wigelein.
Der sammet vnd die seiden dein /
das ist grob hew vnd windelein /
Dar auff du Kng so gros vnd reich /
her prangst als wers dein Himelreich.
45Das hat also gefallen dir /
die warheit anzuzeigen mir /
Wie aller welt macht / ehr vnd gut /
fr dir nichts gilt / nichts hilfft noch thut.
Ah mein hertzliebes Jhesulin /
50mach dir ein rein sanfft bettelin /
zu rugen in meins hertzen schrein /
das ich nimer vergesse dein.
Dauon ich allzeit frlich sey /
zu springen singen imer frey /
55das rechte Susaninne schon /
mit hertzen lust den sssen thon.
Lob ehr sey Gott im hchsten thron /
der vns schenckt seinen einigen Son /
des frewen sich der Engel schar /
60vnd singen vns solchs newes jar.
2 Kunde, Nachricht 6 erwählten Jungfrau 21 darüber 29 Sei willkommen 37 wäre 43 König 47 dass 48 vor 51 ruhen 59 darüber
V.
Ein ander Christlied Jm vorigen Thon.
Martin. Luther.
VOn himel kam der engel schar /
erschein den hirten offenbar /
Sie sagten jn / ein Kindlein zart /
das ligt dort in der krippen hart.
5Zu Bethlehem in Dauids stadt /
wie Micha das verkndet hat /
Es ist der HErre Jhesus Christ /
der ewer aller Heiland ist.
Des solt jr billich frlich sein /
10das Gott mit euch ist worden ein /
Er ist geborn ewr fleisch vnd blut /
ewr bruder ist das ewig gut.
Was kan euch thun die sund vnd tod /
jr habt mit euch den waren Gott /
15Lasst zrnen Teuffel vnd die hell /
Gotts Son ist worden ewr gesell.
Er wil vnd kan euch lassen nicht /
setzt jr auff jn ewr zuuersicht /
Es mgen euch viel fechten an /
20dem sey trotz ders nicht lassen kan.
Zu letzt mst jr doch haben recht /
ir seid nu worden Gotts geschlecht /
Des dancket Gott in ewigkeit /
geduldig frlich alle zeit.
25 AMEN.
2 sichtbar 9 darüber … mit Recht 10 eins / einig geworden 11 Er ist als euer Fleisch und Blut, d.h. als Mensch geboren 17 verlassen 21 Recht behalten
VI.
Der Himnus / Hostis Herodes / Jm Thon / A solis ortu etc.
D. Mart. Luther.
WAs frchstu feind Herodes seer /
das vns geborn kmpt Christ der HERR?
Er sucht kein sterblich knigreich /
der zu vns bringt sein himelreich.
5Dem stern die Weisen folgen nach /
Solch liecht zum rechten liecht sie bracht /
Sie zeigen mit den gaben drey /
dis kind / Gott / mensch vnd knig sey.
Die Tauff im Jordan an sich nam /
10das himelische Gottes lamb /
Dadurch / der nie kein sunde that /
von sunden vns gewaschen hat.
Ein wunderwerck da new geschach /
sechs steinern krge man da sach /
15vol wassers das verlor sein art /
roter wein durch sein wort draus ward.
Lob ehr vnd danck sey dir gesagt /
Christe geborn von der reinen Magt /
Mit Vater vnd dem heiligen Geist /
20von nu an bis in ewigkeit.
Amen.
2 in seiner Geburt zu uns kommt 8 … dass dieses Kind … ist 15 Eigenschaft
VII. Der Lobgesang Simeonis / des Altuaters / Nunc dimittis /
Luce ij.
D. Mart. Luther.
MJt fried vnd freud ich far dahin /
in Gottes wille /
Getrost ist mir mein hertz vnd sinn /
sanfft vnd stille /
5Wie Gott mir verheissen hat /
der tod ist mein schlaff worden.
Das macht Christus wahr Gottes son /
der trewe Heiland /
Den du mich HERR hast sehen lon /
10vnd macht bekand /
Das er sey das leben /
vnd heil in nt vnd sterben.
Den hastu allen fr gestelt /
mit grossen gnaden /
15Zu seinem reich die gantze welt /
heissen laden /
Durch dein tewer heilsam wort /
an allem ort erschollen.
Er ist das heil vnd selig liecht /
20fr die heiden /
Zur leuchten die dich kennen nicht /
vnd zu weiden /
Er ist deins volcks Jsrael /
der preis / ehr / freud vnd wonne.
9 lassen 13 vor Augen gestellt 16 einladen lassen 21 zu erleuchten
VIII.
Christ ist erstanden / gebessert.
D. Mart. Luther.
CHrist lag in todes banden /
fr vnser sund gegeben /
Der ist wider erstanden /
vnd hat vns bracht das leben /
5Des wir sllen frlich sein /
Gott loben vnd danckbar sein /
vnd singen Haleluia / Haleluia.
Den tod niemand zwingen kund /
bey allen menschen kinden /
10Das macht alles vnser sund /
kein vnschuld war zu finden /
Dauon kam der tod so bald /
vnd nam vber vns gewalt /
hielt vns in seim reich gefangen / Haleluia.
15Jhesus Christus Gottes Son /
an vnser stat ist komen /
Vnd hat die sunde abgethan /
damit dem tod genomen /
All sein recht vnd sein gewalt /
20da bleibt nichts denn tods gestalt /
den stachel hat er verloren / Haleluia.
Es war ein wnderlich krieg /
da tod vnd leben rungen /
Das leben behielt den sieg /
25es hat den tod verschlungen /
Die Schrifft hat verkndet das /
wie ein tod den andern fras /
ein spot aus dem tod ist worden / Haleluia.
Hie ist das recht Osterlamb /
30dauon Gott hat geboten /