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SUN TSU

Die Kunst des Krieges

Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft

Herausgegeben von Thomas Cleary

Aus dem amerikanischen Englisch von Ingrid Fischer-Schreiber

Anaconda

Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Art of War.

Boston: Shambhala Publications Inc.(1988)

© 1988 Thomas Cleary

Published by arrangement with Shambhala Publications, Inc., Boulder

Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung

Die deutsche Übersetzung von Ingrid Fischer-Schreiber

erschien zuerst 1990 im Verlag Hermann Bauer KG,

Freiburg im Breisgau. Orthografie und Interpunktion

wurden den Regeln der neuen deutschen

Rechtschreibung angepasst.

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© 2016, 2021 by Anaconda Verlag, einem Unternehmen

der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlagmotiv: Gyokkirin Roshungi from the hundred & eight Chinese

Heroes by Kuniyoshi, c.1827 © Bridgeman Images (Gemälde);

shutterstock / missis (Raster)

Umschlaggestaltung: www.katjaholst.de

Satz und Layout: InterMedia – Lemke e. K., Heiligenhaus

ISBN 978-3-641-28397-1
V001

www.anacondaverlag.de

Inhalt

Vorwort des Herausgebers

Einführung des Herausgebers

Taoismus und die Kunst der richtigen Strategie

Struktur und Inhalt dieses Buches

Der historische Hintergrund

Die Kommentatoren

Die Übersetzung

1. Strategische Überlegungen

2. Über die Kriegführung

3. Über das Planen einer Belagerung

4. Über Formationen

5. Kraft

6. Leere und Fülle

7. Über den bewaffneten Kampf

8. Anpassung

9. Armeen auf dem Marsch

10. Terrain

11. Neun Arten von Gelände

12. Angriff durch Feuer

13. Über den Einsatz von Spionen

Vorwort des Herausgebers

Sun Tsus Die Kunst des Krieges (Sunzi bingfa/Sun tsu pingfa)*, wie die originalgetreue Übersetzung aus dem Chinesischen lautet, ist ein Werk, das vor mehr als zweitausend Jahren von einem geheimnisvollen chinesischen KriegerPhilosophen verfasst wurde und vielleicht auch heute noch das weltweit meistgeschätzte und einflussreichste Buch über Strategie ist. Es wird heute in Asien von modernen Politikern und Managern genauso eifrig studiert wie während der letzten zwei Jahrtausende und davor von militärischen Führern und Strategen.

In Japan, einem Staat, der ohne Übergang, praktisch über Nacht, von einer feudalen Kultur in eine industrielle Kultur verwandelt wurde, haben zeitgenössische Studenten dieses Klassikers die in ihm entwickelten Strategien mit vergleichbarem Eifer auf die moderne Politik und das Geschäftsleben angewandt. Tatsächlich sehen ja manche in den Erfolgen des Japan der Nachkriegszeit eine Veranschaulichung des klassischen Ausspruches von Sun Tsu: »Der Vortrefflichste gewinnt, ohne zu kämpfen.«

Als Studie der Anatomie von Organisationen, die miteinander in Konflikt stehen, lässt sich Die Kunst des Krieges auf jede Art von Wettbewerb und Konflikt anwenden, und zwar auf jedem Niveau, vom zwischenmenschlichen bis hin zum internationalen. Das Ziel des Werkes ist Unbesieg­barkeit, Sieg ohne Kampf und unbezwingbare Stärke, die durch das Verstehen der äußeren Bedingungen, der Politik und Psychologie des Konflikts erreicht werden sollen.

Diese Übersetzung von Die Kunst des Krieges stellt diesen Klassiker auf dem Hintergrund seiner Verwurzelung in der großen spirituellen Tradition des Taoismus dar, in dem nicht nur die Psychologie, sondern auch die Wissenschaft und Technologie Ostasiens ihren Ursprung haben. Er ist die Quelle, aus der die Einsichten in die menschliche Natur geschöpft werden, die diesem überaus geschätzten Handbuch für Erfolg zugrunde liegen.

Meiner Meinung nach kann die Bedeutung eines Verständnisses der taoistischen Elemente in Die Kunst des Krieges kaum überschätzt werden. Dieser Klassiker ist nicht nur durchdrungen von den Vorstellungen großer taoistischer Werke wie des I Ging (Yi jing, Das Buch der Wandlungen) und des Tao Te King (Daodejing, Der Weg und seine Kraft), sondern er zeigt auch auf, dass die grundlegenden Ideen des Taoismus die eigentliche Wurzel aller Traditionen der chinesischen Kampfkünste bilden. Während Die Kunst des Krieges als Klassiker in seiner Darstellung der Prinzipien unübertroffen ist, so liegen die Schlüssel zu den tiefsten Schichten der Praxis seiner Strategie in der psychologischen Entwicklung, auf die sich der Taoismus spezialisiert hat.

Die zur Entfaltung gebrachte persönliche Macht, die traditionell mit der Anwendung taoistischer mentaler Techniken assoziiert wird, ist an sich Teil der kollektiven Macht, die ihrerseits mit der Anwendung massenpsychologischer Erkenntnisse, wie sie in Die Kunst des Krieges gelehrt werden, assoziiert wird. Was aber vielleicht das bezeichnendste taoistische Element in diesem Klassiker ist und was ihn für die heutige Zeit so geeignet macht, ist die Art und Weise, wie Macht stets durch eine starke humanistische Tendenz gemildert wird.

Während der chinesischen Geschichte war der Taoismus immer eine mäßigende Kraft in den sich ständig wandelnden Strömungen menschlichen Denkens und Handelns. Er lehrte, dass das Leben ein Komplex von Kräften ist, die ei­nander gegenseitig beeinflussen, und hat dadurch sowohl den materiellen als auch den geistigen Fortschritt, sowohl die technologische Entwicklung als auch das Bewusstsein der potenziellen Gefahren, die eben jene Entwicklung mit sich bringt, begünstigt und war immer bestrebt, das Gleichgewicht zwischen den materiellen und spirituellen Seiten des Menschseins zu fördern. In ähnlicher Weise stand der Taoismus in der Politik sowohl auf Seiten der Herrscher als auch der Beherrschten; er hat Königreiche errichtet und Königreiche zu Fall gebracht, je nach den Erfordernissen der Zeit. Als Klassiker des taoistischen Denkens ist Die Kunst des Krieges nicht nur ein Buch über den Krieg, sondern auch ein Buch über den Frieden, und vor allem ein Werkzeug zum Verständnis der wahren Wurzeln von Konflikten und deren Bewältigung.

* Als Umschrift für chinesische Begriffe wird in diesem Buch die Pinyin-Transkription verwendet, die heute allgemein anerkannte Umschrift für das Chinesische. Um aber Unklarheiten zu vermeiden, wird für bereits bekannte Begriffe ihre im deutschen Sprachraum gängige Schreibweise beibehalten (zum Beispiel Tao, I Ging) beziehungsweise neben der Pinyin die früher verwendete Wade-Giles-Umschrift angeführt.