Auch das noch - ein weiteres Buch über Synthesizertechnik!?!? Zumindest gibt es ja auf dem Markt zu diesem Thema bereits einige gute Bücher - von Spezialisten geschrieben und an mehr oder weniger Spezialisten gerichtet. Genau da aber liegt für mich ein Stolperstein, über den schon mehr als ein Synthi-Neuling gefallen ist. Als Förderer junger Musiker konnte ich mehrfach beobachten, dass im Übereifer ein gebrauchter Synthesizer vorschnell erstanden oder der PC mit Gratis-Synthi-Emulationen zugepflastert wurde, nur um seinem Idol durchwachter Charthit-Nächte nachzueifern. Selten wird dabei darauf geachtet, das richtige Modell aus der inzwischen sehr großen Palette zu finden. Außerdem fehlt häufig das Verständnis im detaillierten Umgang mit den Geräten, so dass der Gebrauch nicht selten beim Abrufen der Presets (Werksklänge) endet. Ok - man kann sich durchaus damit zufrieden geben. Wer aber mehr möchte und den Synthesizer auch als einen solchen nutzen will, scheitert eventuell an Bedienungsanleitungen, die nur dürftig beschreiben, welche Knöpfe man in welcher Reihenfolge drücken soll. Das gewisse Grundverständnis wird vorausgesetzt. Die schon erwähnten Fachbücher versuchen zwar, auf verschiedene Weise eine Hilfestellung zu geben, setzen aber für den Neuling häufig schon zu hoch an. Mit dem vorliegenden Buch wird nun der Versuch unternommen, diese Lücke zwischen dem Öffnen des ersten Synthesizer-Verkaufskartons und dem angehenden Sound-Freak zu schließen.
Für wen eignet sich also dieses Buch? Sehen wir’s mal so:
Ganz nebenbei eignen sich viele Erläuterungen auch für alle, die das Gebiet der Synthesizertechnik nur mal eben kennen lernen wollen, ohne selbst Synthi-Freak zu werden. Willst du also nur die Grundfunktionen eines Synthesizers begreifen, so schaue dir die theoretischen Grundlagen der einzelnen Kapitel an und ignoriere die Praxisteile.
Insgesamt danke ich für die vielen positiven Zuschriften, aber auch für die Hinweise, die letztlich zu dieser 3. überarbeiteten Auflage beigetragen haben. So wurden einige Abschnitte überarbeitet, ausgetauscht oder entsprechend der fortschreitenden Technikentwicklung komplett neu erstellt. Ich hoffe, dass jeder, der sich dieses Buch zugelegt hat, für sich das Passende findet und ein Stück mehr von der Welt der elektronischen Klangerzeugung versteht.
Also - viel Spaß und KEINE ANGST VORM SYNTHESIZER.
„Der Klangraum - unendliche Möglichkeiten - dies sind die Abenteuer eines x-beliebigen Synthi-Tüftlers, der weit nach Mitternacht noch immer nicht den passenden Sound für seinen Depeche-Mode-Cover-Song gefunden hat…“ Aber warum eigentlich nicht? Sind seine Sound-Programmier-Kenntnisse zu dürftig? Fehlt es ihm an dem gewissen Klangvorstellungsvermögen? Oder benutzt er halt gerade den völlig falschen Synthi für seine Versuche?
Dies alles sind Grundfragen, um deren Beantwortung wir uns in den folgenden Kapiteln kümmern werden. Oder anders gesagt, es geht darum, einen Überblick über die gegenwärtige Synthesizer-Landschaft zu bekommen. Das Ganze wird in einer Art Zweiteilung passieren. Ein wesentlicher Teil der meisten Kapitel soll das jeweilige Thema von seiner theoretischen Seite beleuchten, um dem geneigten Leser das nötige Fachwissen entweder neu zu vermitteln oder aufzufrischen. Eingeflochten sind Praxisteile, welche entsprechende Anwendungsbeispiele bringen, um die oben erwähnten Sound-Programmier-Kenntnisse auszuweiten und das klangliche Vorstellungsvermögen zu trainieren. (Was passiert mit dem Klang, wenn ich Parameter x verändere?)
An diesem Symbol und dem Kursivtext sind die Praxisteile erkennbar. In ihnen wird versucht, möglichst einfache Anwendungen anzubieten, die auch der Synthi-Neuling leicht nachstellen kann. Zwei Probleme ergeben sich dabei allerdings: Nicht jedes Gerät kann alles. Deshalb kann es bei Spezialfunktionen schon mal vorkommen, dass der eine oder andere Synthi kapitulieren muss. Problem Nummer 2: Jede Firma hat so ihr eigenes Fachvokabular, welches sich letztlich auf die Bezeichnung der einzelnen Bedienfunktionen auswirkt. Wenn du also dein Gerät noch nicht so genau kennst, dann solltest du die Bedienungsanleitung immer griffbereit haben, um die erforderlichen Funktionen auch zu finden.
Aber fangen wir erst einmal ganz von vorn an.
Wenn du dir einen neuen Synthi zulegst, sind Entscheidungen in mehrfacher Hinsicht zu treffen. Erfahrene User wissen im Normalfall, was sie wollen oder brauchen. Für Neulinge dagegen könnte beim Blättern in Katalogen oder auf Internetseiten schnell mal die Übersicht verloren gehen. Grundsätzlich solltest du auf mehreren Wegen parallel versuchen, dir einen entsprechenden Überblick zu verschaffen. Zum einen musst du dir einfach klarmachen, WOFÜR du das Gerät einsetzen möchtest und WAS es demzufolge können muss. Ich persönlich mache mir immer eine kleine Auflistung der wichtigsten Parameter - geordnet nach zwei Kategorien:
Damit wird es auf jeden Fall leichter, eine entsprechende Entscheidung zu treffen, ohne sich von irgendwelchem werbeträchtigen Schnickschnack blenden zu lassen. Es hängt natürlich von den eigenen Bedürfnissen und dem geplanten Einsatzgebiet des Gerätes ab, nach welchen Eckdaten du genau Ausschau hältst, zum Beispiel:
Anhand dieser Fakten kannst du meistens schon eine recht gezielte Vorauswahl treffen. Hilfreich sind dabei natürlich auch diverse Zusatzinformationen, Gerätetests und Erfahrungsberichte. Einschlägige Zeitschriften sowie das Internet bieten hier breite Informationen und meistens auch Klangmaterial.
Neben diesen theoretischen Vorüberlegungen ist es aber unbedingt auch zu empfehlen, mehrere Synthis anzutesten, denn Katalogseiten oder Testberichte können dir nie vermitteln, wie ein solches Teil nun wirklich klingt und sich spielen lässt. Zumindest die größeren Läden der Branche bieten einem eine recht gute Palette an gängigen Vorführgeräten, die man übrigens nach Ende der Ausstellungsphase nicht selten zu einem moderaten Preis erstehen kann. Schlechter sieht es dagegen in der „Provinz“ aus, wo man noch nicht einmal in jedem Laden jedes Gerät bestellen kann, da kein Vertrag mit dem Hersteller existiert. Mir ist es jedenfalls selbst schon so gegangen: Meinen Traumsynthi vor Augen spazierte ich in einen gar nicht mal so kleinen Laden herein, um mir ein Angebot machen zu lassen. Die Gestik des Verkäufers zeigte Ratlosigkeit; in seinen Augen blitzten allerdings die €-Zeichen auf - und Gewinn witternd versuchte er, mich von einem völlig anderen Gerät eines anderen Herstellers zu überzeugen. (Vorsicht!) Wenn du in einem ähnlichen Dilemma steckst oder ausgefallenere Sachen suchst, solltest du mal einen Gang zur Musikmesse wagen. Ein Antesten in Ruhe kannst du dort zwar vergessen, dafür siehst du aber so ziemlich alles, was der Markt gerade zu bieten hat.
Noch einmal zurück zu der Frage WOFÜR. Wenn du den Synthesizer mehr oder weniger als reichhaltige Soundbank ansiehst, an der du selbst gar nicht oder nur wenig manipulieren möchtest, solltest du dich einfach nach einem Gerät umsehen, welches deinem eigenen Soundgeschmack genügt. Willst du aber den Synthesizer darüber hinaus selbst programmieren, so ist auch in dieser Hinsicht ein praktisches Antesten recht sinnvoll. Das erforderliche Programming-Know-How kann man zwar mit dem vorliegenden Buch nicht bis zum Letzten vermitteln, da immer auch die eigene Erfahrung eine große Rolle spielt, aber ich hoffe, zumindest ein paar mögliche Wege aufzeigen zu können.
So, und damit geht es jetzt an das eigentliche Basiswissen heran. Für die absoluten Neulinge erkläre ich später kurz, was der Unterschied zwischen Synthesizer und Tischhupe ist. An dieser Stelle sei in Bezug auf den Synthesizer gesagt, dass wir es bei fast jedem Synthesizertyp mit zwei grundlegenden Baugruppen zu tun haben: Klangerzeuger und Klangformer. Daneben gibt es natürlich allerlei Komponenten, die die Verbindung zur Außenwelt und damit auch zu uns Spielern herstellen - nennen wir sie pauschal einmal Interfaces. Klangerzeuger, Klangformer und Interfaces kann man nun je nach Erfordernissen auf unterschiedliche Art und Weise zusammensetzen. Die kompakte Bauweise ist heutzutage die vorherrschende Bauform auf dem Markt. Bei diesem Gerätetyp sind alle Komponenten in einem Gehäuse untergebracht. Bedient wird das Ganze neben der Tastatur mit verschiedenen Eingabemöglichkeiten, Tastern, Reglern und Controllern (Spielhilfen [siehe Kapitel 9]). Mit der internen Verkabelung hat der Spieler im Prinzip nichts zu tun. Er braucht den Synthi in der Minimalkonfiguration eigentlich nur an das Stromnetz und die Verstärkeranlage anschließen, und schon kann’s losgehen. Wer schon mehrere Synthis sein Eigen nennt, kann aus Platz- oder Geldgründen häufig auch auf eine tastaturlose Version zurückgreifen. Diese Rackversionen (Standardmaß 19“ Breite) sind zumeist vom technischen Innenleben identisch und lassen sich per MIDI ansteuern [siehe Kapitel 12].
Synthesizer in modularer Bauweise gibt es im Prinzip seit der Geburt des Synthesizers. Warum sie im Zuge der technischen Weiterentwicklung nicht aus der Mode gekommen sind, liegt vor allem an deren Soundpotenzial, welches mal grob gesagt nur durch die eigene Kreativität begrenzt wird (oder auch durch den zur Verfügung stehenden Platz). Jedes Bauteil eines solchen Synthesizers ist im Prinzip ein eigenes Gerät für sich. Diese Module werden dann in entsprechende „Kästen“ und „Schränke“ montiert. Daran zeigt sich schon, dass der User quasi selbst seinen Synthesizer zusammenstellt und auch beliebig erweitern kann. Die meisten Verkabelungen werden durch sogenannte Patches realisiert. Je kreativer und gewagter man bei der Verdrahtung vorgeht, desto interessanter können die klanglichen Ergebnisse sein. Aber es kann gleichzeitig auch die Übersichtlichkeit darunter leiden, wenn einem 30 und mehr Kabel kreuz und quer vorm Gesichtsfeld baumeln. Auch die bei vielen Modularsystemen fehlende Speicherbarkeit von Klängen dürfte vor allem Neulinge der Branche erst einmal vor einem solchen Synthi abschrecken. Hinzu kommt noch, dass die Mitnahme eines Modularsystems der Größenordnung „Großer Moog“ vom Studio auf die Bühne einem mittleren Umzug gleichkommt. Eine gute Alternative stellen die inzwischen erwachsen gewordenen Emulationen solcher Synthis dar - sei es auf reiner Computerbasis oder in Kombination mit einem „echten Tastengerät“. Auf jeden Fall muss man anmerken, dass die Popularität der modularen Synthesizer vor allem in den letzten zehn Jahren deutlich gewachsen ist und es eine regelrechte Szene mit intensivem Erfahrungsaustausch dazu gibt.
Wer mit wenigen Gerätschaften ganze Arrangements zusammenbasteln will und mit diesen vielleicht auch auf der Bühne steht, wird sicher eher auf die seit Ende der 1980er in Mode gekommenen Workstations zurückgreifen. Hier findet man neben dem Hauptbauteil Synthesizer noch eine ganze Menge mehr unter einer Haube untergebracht. Angefangen von Mehrspursequenzern [siehe Kapitel 10], Arpeggiatoren [siehe Kapitel 11] und Harddiskrekordern über komfortable Sample- und Remix-Einheiten [siehe Kapitel 13] bis hin zu Effektgeräten [siehe Kapitel 14], Masterkeyboardfunktionen [siehe Kapitel 12.2.] und unterschiedlichen Speichervarianten [siehe Kapitel 15] findet der „Ich-bin-ein-Orchester-Freak“ alles, was er zum Komponieren, Programmieren, Arrangieren und Produzieren benötigt. Gerade für dich als Neueinsteiger macht sich eine solche Workstation recht gut, da du quasi viele Geräte in einem bekommst. Das ist für den Aufbau eines Synthi-Studios erst einmal eine solide Grundlage; speziellere Geräte kannst du dir später immer noch zulegen, wenn du genauer weißt, in welche Richtung du soundmäßig gehst.
Insbesondere für Workstations, aber inzwischen auch bei reinen Synthesizern gibt es zum Teil Erweiterungsmöglichkeiten. Das können beispielsweise Steckkarten sein. Andererseits liefern die Hersteller auch kostenlose oder kostenpflichtige Firmware-Upgrades. Solche Erweiterungen bieten zum Beispiel die Möglichkeit, ein vorhandenes Gerät im Prinzip durch einen vollwertigen Synthesizer oder andere Zusatzgeräte zu erweitern. So ist man also auch für neue Entwicklungen offen und kann in einem Gerät mehrere unterschiedliche Syntheseformen betreiben [siehe Kapitel 8].
Wie schon erwähnt wurde, gibt es für PC und Mac inzwischen eine Vielzahl von Synthesizer-Emulationen. Dabei werden meist als PlugIn für eine Recording-Plattform verschiedene Hardware-Synthesizer simuliert oder gar eigenständige Soundmaschinen programmiert, für die es in der realen Welt gar kein Gegenstück gibt. Für meinen Geschmack noch interessanter sind die zahlreichen Angebote für das iPad. Falls du ein solches dein Eigen nennst, hast du quasi schon eine sehr gute Musik-Hardware. Um diese in die Studio-Umgebung zu integrieren, werden von verschiedenen Herstellern Steck-Interfaces angeboten, mit denen du das iPad problemlos verkabeln kannst. Allerdings brauchst du wenigstens eine Tastatur, die du per MIDI zur Ansteuerung nutzt [siehe Kapitel 12]. Als Software kommen für den Einstieg in diese Materie sowohl Gratis-Angebote als auch niedrigpreisige Kaufapps in Frage.
Zwar werden wir uns im Rahmen dieses Buches auf Hardware-Synthesizer beziehen, aber viele Beschreibungen lassen sich natürlich auch auf die Emus anwenden. Wenn du beispielsweise noch gar keinen Synthesizer hast und erst einmal ein wenig probieren möchtest, dann schaue vor allem nach Freeware. Auf www.vst4free.com findest du zum Beispiel eine große Auswahl an kostenlosen Synthi-Emulationen, die per VST-Import in eine vorhandene Recording-Umgebung integriert werden können.
Neben den oben beschriebenen Bauformen kann man Synthesizer auch nach der Anzahl der gleichzeitig spielbaren Töne oder Stimmen einteilen. Die ersten Synthesizer waren nur monophon spielbar, das heißt, es konnte nur einstimmig gespielt werden. Die technische Weiterentwicklung brachte eine immer größer werdende Anzahl an gleichzeitig spielbaren Tönen mit sich, so dass ein polyphon spielbarer Synthesizer mit 128 Stimmen heute keine Besonderheit mehr ist. Allerdings wird solch eine theoretische Zahl in der Praxis nur dann erreicht, wenn die verwendeten Klänge nicht zu komplex aufgebaut sind. Spiele ich beispielsweise mit einem Klang, der schon eine Kombination aus 8 Einzelklängen darstellt, bleiben mir also nur noch (128/8=) 16 gleichzeitig spielbare Töne, was allerdings immer noch über der „genormten“ Fingerzahl eines jeden Keyboarders liegen sollte. Spätestens aber, wenn es sich bei dem Gerät z. B. um eine Workstation mit integriertem Sequenzer handelt, kann man ganz schnell an den Rand der Polyphoniegrenze geraten [siehe Kapitel 10.4. und 10.5.]. Workstations sind in aller Regel multitimbral aufgebaut. Das heißt, sie können nicht nur mehrere Töne gleichzeitig erzeugen, sondern auch mehrere verschiedene Sounds gleichzeitig ansteuern. Da man sich hier an den 16 MIDI-Kanälen [siehe Kapitel 12] orientiert, sind es zumeist auch 16-fach multitimbrale Klangerzeuger, die man vor sich hat. Mehr Erläuterungen und Hinweise dazu gibt es bei der Thematik „Sequenzer“ [siehe Kapitel 10].
Wie auch in anderen elektronischen Bereichen hat die Synthesizer-Entwicklung mit analogen Modellen begonnen. Bei diesen Geräten werden Spannungen zur Tonerzeugung wie auch zur Steuerung verwendet. Als Spieler hast du durch entsprechende Bedienelemente direkten Zugriff auf verschiedene Klangparameter, was nicht nur praktisch sondern in Bezug auf die Soundentstehung (Signalwege) auch sehr übersichtlich ist. Leider litten ältere Modelle hin und wieder an mangelnder Stimmstabilität, insbesondere wenn die Güte der Bauteile zu wünschen übrig ließ und das „kräftige Einheizen“ der Lichttechnik auf der Bühne nicht verkrafteten. Bei vielen Analogsynthesizern der Anfangstage wurde mit der subtraktiven Synthese gearbeitet [siehe Kapitel 2.7.].
Bei digitalen Synthesizern basiert die Klangerzeugung und Steuerung auf Zahlenwerten und Rechenmodellen, welche mit Hilfe von Mikrochips realisiert werden. Auch die vielen Zusatzfunktionen der Workstations sind ein Ergebnis der Digitalwelt. Die Leistungsfähigkeit der Geräte wuchs parallel mit dem Entwicklungsfortschritt in der Mikroelektronik und Computertechnik. Vor allem durch die Konkurrenz zwischen einzelnen Herstellern wurde die Realisierung unterschiedlicher Synthesetechniken vorangetrieben [siehe Kapitel 8].
Die gerade beschriebene Einteilung kann man nicht pauschal auf alle Synthesizer anwenden, da es ebenso Modelle gibt, die sowohl analoge als auch digitale Komponenten vereinen. Als Weiterentwicklung früherer Analogsynthis gab es beispielsweise Geräte, die zwar immer noch analog funktionierten und bedient wurden, trotzdem aber eine Speicherbarkeit der Sounds auf einer Art digitaler Ebene ermöglichten. Der nächste Entwicklungsschritt waren dann Modelle, deren Bedienung digital funktionierte, obwohl immer noch eine Analogmaschine unter der Haube arbeitete. Nur wurden halt die Steuerprozesse nicht mehr durch Spannungen, sondern durch Zahlenwerte geregelt. Offiziell werden alle diese Modelle noch zu den Analog-Synthesizern gerechnet.
Vor allem ab den 1990ern kamen Geräte in Mode, die genau umgekehrt funktionieren, das heißt, die Klangerzeugung passiert dort auf digitaler Ebene, während der Spieler z. B. über Regler und Knöpfe wieder ein richtiges Analog-Feeling ausleben kann - Herumschrauben und nächtelanges Probieren war plötzlich wieder Mode. Das führte letztlich dann zu virtuell-analogen Synthesizern, die im Grunde auf der Digital-Ebene einen oder mehrere Analog-Synthesizer simulieren, was letztlich wiederum den Weg zu den bereits beschriebenen Software-Emulationen ebnete.
Zu diesem Thema eine Empfehlung zu geben ist quasi unmöglich. Auch hier zählt logischerweise der Soundgeschmack. Andererseits musst du dich fragen: Bist du eher der Programmierer und Tüftler oder mehr der spontane Experimentator und Herumschrauber? Auf jeden Fall werden heutzutage nicht nur Digital-Synthesizer gebaut, sondern es gibt auch richtig schicke bis kultige Analog-Maschinen, die man inzwischen wieder zu schätzen weiß.
Wie schon erwähnt wurde, gibt es inzwischen eine ganze Reihe verschiedener Synthesetechniken [siehe Kapitel 8]. Neben den jeweiligen klanglichen Eigenheiten wird man beim Vergleichen vor allem auch einen großen Unterschied in Bezug auf den Programmieraufwand feststellen - manche Verfahren erschließen sich durch sporadisches Antesten von allein, bei anderen bräuchte man ein Physik-Studium, um die internen Zusammenhänge zu begreifen. Ziel für uns soll es unter anderem auch sein, einen Überblick über verschiedene Synthesetechniken zu bekommen. Gleichzeitig werden wir versuchen, mit einfachen Mitteln solche Techniken nachzustellen, um zumindest in den Genuss einiger entsprechender Sounds zu kommen, auch wenn du nicht Besitzer eines riesigen Geräteparks oder einer Emulationssammlung bist.
Wenn man die Entstehung des eigentlichen Sounds betrachtet, kann man die existierenden Syntheseformen im Wesentlichen in drei Gruppen unterteilen:
Daneben existieren Mischformen aus mehreren der genannten Prinzipien.
Bevor die Synthesizertechnik detaillierter beschrieben wird, sollte ein Punkt besprochen werden, der bei Außenstehenden immer wieder für Verwirrung sorgt. Es geht um die Begriffe Keyboard und Synthesizer. Übersetzt man das englische Wort Keyboard, so bedeutet es Tastatur, weshalb zum Beispiel auch die Computertastatur Keyboard genannt wird. Für den Gebrauch im